
Mutmacher Schule· Staffel 2· Folge 9
Schulen lernen voneinander: Warum Schulen gemeinsam schneller vorankommen– mit Anne Sliwka
Mittwoch, 17. Juni 2026 · 59 min
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Shownotes
Schulen lernen voneinander: Warum Schulen gemeinsam schneller vorankommen– mit Anne Sliwka
Gast: Prof. Dr. Anne Sliwka, Professorin für Bildungswissenschaft, Universität Heidelberg
Host: Judith Holle, Geschäftsführerin beWirken
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Das erwartet dich in dieser Episode: Anne Sliwka forscht an der Universität Heidelberg zu Schul- und Schulsystementwicklung im internationalen Vergleich. In dieser Folge geht es eine Ebene über den Klassenraum hinaus – auf die Steuerungsebene des Schulsystems. Für Schulleitung, Schulaufsicht und Bildungspolitik: Wie kann sich ein ganzes System fortlaufend weiterentwickeln, statt von Projekt zu Projekt zu springen? Wie wird aus einer Schulaufsicht, die für 28 Schulen zuständig ist und sie nur punktuell erreicht, eine wirksame Gestaltungsebene? Ein Gespräch über die „Mitte" des Systems, Schulfamilien, verteilte Verantwortung und datengestützte Steuerung.
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**Kernthema**
Vom verwaltenden zum lernenden Schulsystem: kontinuierliche, datengestützte Entwicklung über alle Steuerungsebenen hinweg – statt befristeter Projekte.
**Wandel dritter Ordnung statt „Projektitis"**
- Inkrementeller Wandel in befristeten Projekten reißt immer wieder ab und kommt nie in die Fläche.
- International lernen Systeme stattdessen zyklisch: fortlaufend, datenbasiert, unabhängig von Projektfinanzierung.
**Leading from the Middle – die mittlere Ebene als Motor**
- Eine Schulaufsicht für rund 28 Schulen erreicht jede Schule nur punktuell – Cluster machen Steuerung wieder wirksam.
- Schulen schließen sich zu „Families of Schools" (Kanada) bzw. „Clustern" (Singapur) zusammen – typischerweise 8 bis 12 Schulen, eng begleitet durch die Schulaufsicht.
**Verteilte Verantwortung und vernetzte Autonomie**
- Schulaufsicht verantwortet, dass keine Schule stillsteht; Schulleitung verantwortet die Entwicklung der eigenen Schule; Lehrkräfte übernehmen verteilte Führung.
**Klare gemeinsame Ziele: der Zieldreiklang (aus Kanada, auch in Australien adaptiert)**
- Kompetenz- und Leistungsentwicklung: alle erreichen Mindeststandards, möglichst viele Regel- und Optimalstandards.
- Chancengerechtigkeit: Entkopplung von sozioökonomischer Herkunft und Schulerfolg, ungleiche Ausstattung zugunsten benachteiligter Standorte.
- Wohlbefinden und Persönlichkeitsentwicklung: mentale Gesundheit datenbasiert (Surveys) in den Blick nehmen.
**Datengestützte Steuerung, die entlastet statt belastet**
- Das System bereitet Daten nutzerfreundlich auf (Dashboards, Farbcodierung, Echtzeit), damit Schulen möglichst wenig Aufwand haben.
**Was daraus in der Einzelschule konkret folgt**
- Lernbänder und flexibles Gruppieren (auch jahrgangsübergreifend), z. B. in Mathematik – über 40 Prozent langweilen sich im Matheunterricht.
- Voraussetzung: kooperative Professionalität und verbindliche Teamzeiten – der Beruf wird vom Einzelkämpfer- zum Gemeinschaftsberuf.
**Wie der Einstieg gelingt – und was Mut macht**
- Einstieg über Freiwillige und Capacity Building statt Top-down-Verordnung; erst erproben, auswerten, dann in die Fläche (Kaskadenlogik).
- Co-Learn / Wir.Lernen: Keine der begleiteten Schulfamilien hat in drei Jahren aufgehört zusammenzuarbeiten.
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**Zitat der Folge**
> „Man darf die Führung nicht den Führungskräften überlassen."
> — Prof. Dr. Anne Sliwka (sinngemäß nach Michael Fullan: „jeder Mensch ist ein Change Agent, da wo er steht")
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**Weiterführende Links**
- Prof. Dr. Anne Sliwka – Universität Heidelberg: ibw.uni-heidelberg.de/de/institut/personen/pro…
- Michael Fullan – Schulentwicklungsforscher, „Leadership from the Middle": michaelfullan.ca/leadership-from-the-middle-a-…
- Co-Learn / Wir.Lernen – Robert Bosch Stiftung (Baden-Württemberg & Schleswig-Holstein): bosch-stiftung.de/de/projekt/wirlernen
- Anne Sliwka & Britta Klopsch: „Das lernende Schulsystem“ ISBN 978-3-407-63322-4