NZZ Akzent· Folge 1649

Die Huthi greifen wieder an: Was bedeutet das für den Jemen?

Mittwoch, 19. August 2026 · 15 min

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Shownotes

Der Konflikt in der Golfregion spitzt sich weiter zu. Seit einigen Tagen ist es vor allem die Huthi-Miliz in Jemen, die von sich reden macht: Die Islamisten haben eine grosse Ölraffinerie in Saudiarabien angegriffen, und auch im Roten Meer kommt es immer wieder zu Angriffen auf Schiffe, die Erdöl aus Saudiarabien transportieren. Bei einem Angriff letzte Woche sind erstmals Crewmitglieder eines Cargo-Schiffs ums Leben gekommen.

Gleichzeitig gehen die Huthi mit Drohnen- und Raketenangriffen gegen die Regierung im eigenen Land vor. Nach jahrelanger relativer Waffenruhe droht der Bürgerkrieg im Jemen erneut voll auszubrechen. Doch welche Ziele verfolgen die Rebellen mit dieser neuerlichen Eskalation? Wie stark hängt ihr Vorgehen mit den regionalen Interessen Irans zusammen und weshalb reagiert Saudiarabien bisher erstaunlich zurückhaltend?

Nahost-Korrespondent Rewert Hoffer erklärt im Gespräch, was das für die menschen in Jemen bedeutet und analysiert die geopolitischen Hintergründe dieser Konstellation.

Heutiger Gast: Rewert Hoffer, Nahost-Korrespondent
Host: Alice Grosjean

Rewerts Analyse (nzz.ch/international/die-huthi-ziehen-fuer-ira…) zum Nachlesen.

NZZ-Akzent-Folge (nzz.ch/podcast/akzent/ld.10017225)zur Bedeutung der Meerenge Bab al-Mandab.

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NZZ-Aktzent. Der Krieg in der Golfregion findet an vielen Orten gleichzeitig statt und seit einigen Tagen ist es vor allem die Huthi Militz in Jemen, die von sich reden macht sowie hier im Beitrag der Bibisie. Letzte Woche, da haben die Houthis ein Kargo-Schiff im Roten Meer angegriffen und erstmals in diesem Krieg sind bei einem Angriff der Houthi auch Menschen gestorben.

Riva, was ist genau passiert? Das war ein Angriff auf ein kleines Frachtschiff und eben bei diesem Angriff sind zum ersten Mal seitdem die Huthi jetzt Schiffe im Rotem Meer attackieren, Menschen gestorsben – vier Crewmitglieder aber auch zwei Mitglieder... der Küstenwache, der international anerkannten jemenitischen Regierung.

Diese Attacken die die Houthis auf die Schiffe vornehmen sind nur ein Teil einer sehr viel größeren Offensive. Zum Beispiel greifen sie auch Raffinerien und Infrastruktur in Saudi Arabia mit Drohnen an und gehen auch mit Raketen- und Drogenangriffe auf die eigene Regierung im Land in Jemen vor. Und es sieht sehr danach aus, dass dieser jahrelangen eingefrorene Bürgerkrieg in jedem im Süden der arabischen Halbinsel jeden Moment wieder aufflammen könnte.

Für die Menschen und für die Jeminitinnen vor Ort wäre das eine Katastrophe.". Die islamistische Hus-Hemilitz zieht an allen Fronten in den Krieg. Was das für jemand bedeutet – wie alles mit dem Iran-Krieg zusammenhängt? Darüber spreche ich heute mit Revert Hofer unsere Naost-Korrespondenten! Ich bin Alice Grosjean.

Reva, du hast vorhin gesagt dieses Wiederauflammen, dieses neuen alten Konfliktes. für die Menschen in Jemen wäre das eine Katastrophe? Wie meinst du das genau? Ja ... Lage in Jemen ist schon jetzt katastrophal und es droht eben noch schlimmer zu werden. Ich habe vor ein paar Tagen mit einer jungen Frau auf WhatsApp geschrieben, die in Aden lebt – in der Hafenstadt im Osten des Landes – in einem Gebiet das von der international anerkannten jeminitischen Regierung kontrolliert wird, also nicht von den Houthis.

Und sie hat mir geschrieben, dass Menschen hier komplett erschöpft nach so vielen Jahren weder Krieg noch Frieden. Sie hofft eben, dass die Regierung es jetzt schaffen könnte, die Huthis zu besiegen denn sie sagt diese Milizen wie die Houthis haben unser Land, die haben Jemen komplett zerstört.". Was weißt du denn darüber?

Wie ist deiner Freundin geht also was würdest Du sagen? sind ihre größten Probleme? Ja die Probleme die fangen im jemen schon bei wirklich den ganz Basalen Dinge an, also beim Überleben. Die Menschen leben dort in absoluter Armut. dazukommen eben diese Kämpfe ist es eine riesige humanitäre Katastrophe und selbst in dem Gebiet das die international einer Kante Regierung kontrolliert.

im Jemen haben laut der UNO etwa die Hälfte der Menschen die dort leben nicht genug Nahrungsmittel. also sie hungern und man muss vielleicht wissen über jemen dass die Huthi jetzt schon seit vielen Jahren den Westen des Landes kontrollieren. Das ist zwar ein relativ kleines Territorium, aber dort befindet sich eben die Hauptstadt Sana'a und auch die Mehrheit der hemenitischen Bevölkerung.

Und diese Situation ist ja schon seit ein paar Jahren so? Also der Krieg hat aus dem Jahr zwei Tausend vierzehn angefangen als die Houthi Regierung angriffen. Und jetzt seit vier Jahren, seit zweitausend zwanzig herrscht eine Waffenruhe, eingefroren hat, bis eben vor Kurzem. Und jetzt eben erstmals gibt es auch wieder größere Gefechte am Boden und es ist auch so dass die jemenitische Regierung zurück schießt gegen die Houthi.

Also die Huthi kontrollieren bereits einen wichtigen Teil des eigenen Landes und jetzt greifen sie aber auch internationale Akteure an allen voran den großen Nachbarn Saudi-Arabien. Wir hören hier einen Militärsprecher der Huthi Rebellen, das war Anfang Juli. Da droht er Saudi-Arabien und sagt ganz konkret, eure Blockade werden wir nicht weiter akzeptieren.".

Was ist mit dieser Blockade? Was meinte damit? Ja die Huthis sind so etwas wie die Erzfeinde von Saudi Arabien. sie sitzen eben direkt an der Grenze von diesem sehr großen und wichtigsten Golfstand. Die Huthi sind eine islamistische Milit, die eben versucht auch weit über jemand hinaus Einfluss zu gewinnen.

Und dazu gehört eben auch dass sie wollen das sich dieser Teil den Sie kontrollieren entwickeln kann. Dass dort eben die Menschen nicht mehr in absoluter Armut leben, dass sie langfristig dort an der Macht leben können. Und Saudi-Arabien blockiert Houthi Flughäfen und Häfen seit dieser Waffenruhe. Und diese Blockade wollen sie jetzt brechen, und sie wollen eben auch ihren Einfluss in jedem ausweiten und ziehen gegen die international anerkennte Regierung in den Krieg.".

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Die Huthi Militz zieht in den Krieg gegen die eigene Regierung in Jemen selber und gegen Saudi Arabien. Robert warum gerade jetzt? Ja es ist natürlich für die Huthis jetzt gerade ein... guter Zeitpunkt, um Zugeschnittenisse von Saudi-Arabien zu erpressen. Und das hat mehrere Gründe. also einerseits sieht es so aus dass die Houthi militärisch relativ wenig zu befürchten haben.

Also die Saudis haben bisher kaum zurückgeschlagen weil sie eben gemerkt haben dass diese Luftangriffe die sie in der Vergangenheit also während des Bürgerkriegs gegen die Huthi geflogen haben relativ wenig gebracht haben. Warum nicht? Das liegt vor allem auch an der Geographie von Jemen, also wenn wir uns die arabische Halbinse vor dem inneren Auge vorstellen.

da denken wir vor allem an weite Wüstenlandstriche und das ist auch im Großteil so. Im Jemen ist die Geografie ein bisschen anders. Jemen is eben von Vulkanen geprägt es sehr sehr bergig vor allem dort im Nordwesten wo die Huthi ursprünglich herkommen und dort konnten sie sich eben sehr gut und die Saudis hatten auch nicht so wirklich gute Informationen, wo sich denn jetzt diese Führung der Houthis befindet.

Und konnten deswegen mit einfach nur Luftangriffen relativ wenig ausrichten. Dieser Krieg war sehr, sehr teuer und daher ist man jetzt sehr zurückhaltend. Also militärisch haben die Houthi's gerade nicht so viel zu befürchten von Saudi-Arabien. Und dazu kommt ja, dass Saudi-Arabien gerade massiv unter den Folgen des Irankriegs leidet.

Weil das Land extrem auf Erdöl-Exporte angewiesen ist und zwei der Hauptrouten für diesen Export eben die Straße von Hormuz und auf der anderen Seite die mehr enge Bab Al-Mandab im Moment beide blockiert sind. Wie schlimm ist es gerade für Saudi Arabien? In Saudi-Arabien da sind die Konsequenzen von diesem Krieg wirklich dramatisch.

Also es wurden vor kurzem neue Zahlen herausgegeben, das Wirtschaftswachstum in Saudi Arabien ist um sechs Prozent im zweiten Quartal, im Vergleich zum Vorjahr eingebrochen und ich glaube ganz grundsätzlich sind sie in einem riesigen Problem so wie auch die anderen Golfstaaten, die sich eigentlich immer als Inseln der Stabilität in einer instabilen Regionen verkauft haben gegenüber der Welt.

Also die gesagt haben hier da gibt es eben keinen religiösen Extremismus, wir öffnen uns der Welt Wir haben viel Geld Hier könnt ihr für wenig Steuern investieren. Wenn jetzt natürlich Unternehmen dann Risiko haben von solchen Milizen Die in den Nachbarländern sind beschossen zu werden Also wenn dann auf einmal Husidronen überriert auftauchen Dann ist das Image ein bisschen beschädigt.

So ist es genau. Also Saudi Arabien im Moment ziemlich angeschlagen auf mehreren Ebenen. Wenn wir den Blick jetzt nochmal ein bisschen ausweiten, ist die Houthi-Miliz ja von Iran unterstützt. Saudi Arabien wiederum ist mit den USA verbündet. also dieser Konflikt zwischen den Houthis und Saudi Arabian.

Ist das auch so eine Art Stellvertreterkrieg? Ich glaube einen Stellvertreterkrieg ist vielleicht etwas zu weit gefasst aber es hängt natürlich alles miteinander zusammen. da hast du schon recht. Diese Koordinierung zwischen Tehran und den Houthi ist, das habe ich mich auch gefragt. Und darüber habe ich unter anderem mit einigen Experten gesprochen zum Beispiel mit Ahmed Naghi von der International Crisis Group.

Und er hatte dazu eine sehr klare Meinung. Er hat gesagt diese Intervention der Houthis seiner Meinung nach vollständig mit Iran koordiniert und zwar deshalb weil die zeitliche Abfolge doch sehr darauf hindeutet, dass es Iran in die Hände spielt. Also in der Vergangenheit meinte er sei es nicht nötig gewesen das die Houthi jetzt auch noch in diesen Krieg einsteigen.

aber nach dem gescheiterten Waffenstillstand hat man ja so ein bisschen einen Pad gerade zwischen den USA und Iran. keiner möchte nachgeben und jeder beharrt auf seinen Konditionen. Und Iran wollte eben den Druck auf die Amerikaner nochmal erhöhen, indem sie jetzt sagen okay wir haben schon die Straße von Hormuz geschlossen und jetzt können unsere Verbündeten auch noch eine zweite sehr, sehr wichtige Schifffahrtsroute dichtmachen.

Also aus Perspektive der Iraner könnte man sagen sind die Houthi eine weitere Eskalationsstufe in diesem Druckaufbauen im Krieg? Und den Houthis selber ihren eigenen Interessen kommt das auch gelegen? Ja! Allerdings und ich glaube da ist es auch noch mal wichtig zu betonen, dass diese iranische Achse des Widerstands also wo es überall Milizen gibt in verschiedenen arabischen Ländern die mit Iran verbündet sind.

Innerhalb dieser Achse das Widerstands sind die Houthi wahrscheinlich noch die unabhängigsten agierenden Akteure. Also zum Beispiel, ich lebe in Beirut im Libanon wo eben die Hisbollah quasi wie ein Staat im Staat agiert und die Hisbollah ist nahezu komplett heutzutage von Iran kontrolliert. also es gibt eine sehr sehr enge Abstimmung und eigentlich alle Experten mit denen ich geredet habe haben mir gesagt sie müssen das machen diese Befehle ausführen die aus Tehran kommen.

Das bei den Husi nicht der Fall Genau, bei den Houthis ist es ein bisschen anders. Sie waren eigentlich immer recht unabhängig und jetzt gerade ist es so dass die Eigeninteressen der Houthi mit den Interessen Irans überlappen. Es spielt eigentlich beides zusammen. also die Iraner wollen das die Houthie in den Krieg eintreten und die Huthi sagen sich Das ist grade eine gute Gelegenheit Dass wir eben auch wieder kämpfen.

Und wenn wir jetzt wieder zurück nach Jemen selber schauen. Was ist denn deine Einschätzung? Ist das Land wieder kurz vor einem aktiven Bürgerkrieg? Ich glaube, jetzt gerade ist das Land so kurz vor einen aktiven Bürgerkrieg wie seit Jahren nicht mehr. Also es ist wirklich eine hochexplosive Situation und trotzdem gibt's einen wichtigen Grund der bisher noch dagegen spricht dass dieser Bürgerkrig wieder mit voller Kraft eskaliert.

Wir sehen nämlich, dass eben die Saudis sehr, sehr zurückhalten sind. Also auf diesen Raffinerie-Angriff, also den Drohnenangriff auf eine sehr große Rohölraffinerie, die dann lahmgelegt worden ist – wo es auch ein Todesopfer gab – hat Saudi Arabien überhaupt nicht reagiert? recht unüblich ist. Es gab auch bisher, also bei diesen Kämpfen zwischen der jemenitischen Regierung und den Huthi keine Luftunterstützung der Saudis.

Also die haben jetzt nicht gesagt ihr rückt am Boden vor und wir bombardieren dafür Huti-Stellung. Und für so einen wirklich massiv eskalierenden Bürgerkrieg braucht das eben zwei Seiten Die Huthis, so schaut's aus wollen eben Krieg und die Saudis, also der wichtigste Verbündete der jeminitischen Regierung möchte nicht diese totale Eskalation bisher.

Das heißt natürlich nicht, dass die vielleicht noch kommen könnte. also wenn die Huthi jetzt immer spektakulärer Attacken machen, immer weiter tiefer in saudisches Gebiet oder auf saudische Schiffe zielen dann könnt auch irgendwann der Punkt kommen das der Geduldsfaden von Saudi Arabien reißt und sie sagen okay das war es jetzt wir schlagen mit aller Kraft zurück und ich glaube wenn wir an diesem Punkt sind könnte es schnell dazu kommen, dass dieser Krieg noch weiter eskaliert.

Und ich glaube eben jetzt gerade sind wir in einer Situation im Jemen. Es könnte jederzeit noch kippen.". Bis zum nächsten Mal.

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