PERSPEKTIVEN To Go – der Börsenpodcast· Folge 332

Nahostkonflikt: Ölpreis im Fokus der Finanzmärkte

Montag, 23. Juni 2025 · 17 min

MP3

Shownotes

Politische Unsicherheit, wirtschaftliche Fragezeichen und ein Markt, der sich relativ verhalten zeigt – wie passt das zusammen? In dieser Folge sprechen Dr. Ulrich Stephan, Chefanlagestratege für Privat- und Firmenkunden der Deutschen Bank, und Finanzjournalistin Jessica Schwarzer über die Auswirkungen des Nahostkonflikts auf Börsen, Rohstoffe und Konjunktur – und darüber, was Anleger jetzt im Blick behalten sollten.

Ein Transkript dieser Episode finden Sie hier: perspektiventogo.podigee.io/332-nahostkonflikt…

Quelle für Wert- und Preisentwicklungen sowie Zinsprognosen: Bloomberg. Quelle für Erwartungen der Unternehmensgewinne: LSEG Datastream.

Sofern nicht anders gekennzeichnet, ist die Quelle für alle getroffenen Aussagen die Deutsche Bank und alle Meinungsaussagen geben die aktuelle Einschätzung der Deutschen Bank wieder, die sich jederzeit ändern kann.

Soweit hier von Deutsche Bank die Rede ist, bezieht sich dies auf die Angebote der Deutsche Bank AG. Wir weisen darauf hin, dass die in dieser Publikation enthaltenen Angaben keine Anlage-, Rechts- oder Steuerberatung darstellen, sondern ausschließlich der Information dienen. Die Information ist mit größter Sorgfalt erstellt worden. Bei Prognosen über Finanzmärkte oder ähnlichen Aussagen handelt es sich um unverbindliche Informationen. Soweit hier konkrete Produkte genannt werden, sollte eine Anlageentscheidung allein auf Grundlage der verbindlichen Verkaufsunterlagen getroffen werden. Aus der Wertentwicklung in der Vergangenheit kann nicht auf zukünftige Erträge geschlossen werden.

HINWEIS: BEI DIESEN INFORMATIONEN HANDELT ES SICH UM WERBUNG. Die Inhalte sind nicht nach den Vorschriften zur Förderung der Unabhängigkeit von Anlage- oder Anlagestrategieempfehlungen (vormals Finanzanalysen) erstellt. Es besteht kein Verbot für den Ersteller oder für das für die Erstellung verantwortliche Unternehmen, vor bzw. nach Veröffentlichung dieser Unterlagen mit den entsprechenden Finanzinstrumenten zu handeln. Die Deutsche Bank AG unterliegt der Aufsicht der Europäischen Zentralbank und der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin).

Transkriptvom Podcast bereitgestellt · Zeitmarken springen hin

<b>Die Märkte haben nervös auf den</b> <b>eskalierenden Nahostkonflikt reagiert.</b> <b>Aktienkurse gaben nach</b> <b>Öl und Goldpreise stiegen.</b> <b>Wie gefährlich wird der Krieg gegen Iran</b> <b>für die Weltwirtschaft?</b> <b>Darüber und alles, was die Märkte sonst</b> <b>noch bewegt, sprechen wir</b> <b>jetzt in den PERSPEKTIVEN</b> <b>To go.</b> <b>Wir, das sind Dr. Ulrich Stephanan von der</b> <b>Deutschen Bank und ich.</b> <b>Mein Name ist Jessica Schwarzer und damit</b> <b>herzlich willkommen.</b> <b>Uli, kurze Zusammenfassung.</b> <b>Wie haben die Aktienmärkte auf den</b> <b>eskalierenden Ostkonflikt reagiert?</b> <b>Ich würde sagen, sie haben</b> <b>bisher noch sehr moderat.</b> <b>Man könnte auch vielleicht</b>

<b>sogar sagen, rational reagiert.</b> <b>Sie gehen davon tatsächlich aus, dass</b> <b>dieser Konflikt nicht eskalieren wird.</b> <b>Trotz der Drohungen,</b> <b>die dort im Raum steht.</b> <b>Das ist natürlich eine Spekulation auf</b> <b>einen guten Ausgang.</b> <b>Da würde ich meine Hand</b> <b>noch nicht ins Feuer legen.</b> <b>Aber das ist das, was</b> <b>die Märkte im Moment tun.</b> <b>Man sieht deswegen deutliche Reaktionen</b> <b>immer wieder im Ölpreis, im Goldpreis.</b> <b>Aber sowohl an den Zinsmärkten, wie auch</b> <b>an den Aktienmärkten</b> <b>ist die Lage momentan</b> <b>noch relativ beruhigt.</b> <b>Relativ beruhigt heißt</b> <b>aber ein bisschen Reaktion.</b> <b>Da darfst du schon</b>

<b>Risikoabbau, Gewinn mitnehmen.</b> <b>Das sind die klassischen</b> <b>Reaktionen in Krisenzeiten.</b> <b>Ein kleiner Kursrücksetzer.</b> <b>Aber nur gibt es Branchen, die besonders</b> <b>sensibel reagiert haben?</b> <b>Jessica, ich würde sagen,</b> <b>dass dieser kurze Rücksetzer</b> <b>auf schlechteren</b> <b>Makrodaten vor allen Dingen beruht,</b> <b>die wir gerade in den USA gesehen haben.</b> <b>Die</b> <b>Einzelhandelsumsätze waren schlechter.</b> <b>Die Industrieproduktion war etwas schlechter.</b> <b>Die Kapazitätsauslastung der</b> <b>Stimmungsindikator für den Wohnungsbau</b> <b>war etwas schlechter.</b> <b>Insofern liegt das eher daran.</b> <b>Aber tatsächlich hast du recht, dass die</b>

<b>Sektoren hier sehr</b> <b>unterschiedlich reagieren.</b> <b>Ich habe gesehen Rüstungsaktien, sind</b> <b>wieder stärker gefragt.</b> <b>Luft- und Reiseunternehmen haben</b> <b>deutlichere Verluste verbucht.</b> <b>Auch zyklische Werte, Auto- und</b> <b>Bankensektor sind ein</b> <b>bisschen unter Druck geraten.</b> <b>Aber so richtig heftig</b> <b>war das alles nicht, oder?</b> <b>Nein, es sind die zyklischen Sektoren,</b> <b>die verbunden mit der Befürchtung</b> <b>eines dauerhaften Ölpreises und damit</b> <b>einer schlechteren</b> <b>Weltkonjunktur schlechter laufen.</b> <b>Insgesamt muss man aber sagen, ist das</b> <b>alles, wie gesagt, relativ moderat.</b> <b>Man darf auch nicht vergessen, dass der</b>

<b>NATO-Gipfel jetzt startet und insofern</b> <b>wir wirklich gucken müssen, welche</b> <b>Verteidigungsausgaben,</b> <b>denn dann dort in den Raum gestellt</b> <b>werden und sich die</b> <b>einzelnen Staaten vornehmen.</b> <b>Das hat sicherlich dann nochmal Einfluss</b> <b>auf den gesamten</b> <b>Sektor Aerospace und Defense</b> <b>bei den einzelnen Indizes.</b> <b>Ansonsten geht es natürlich um die</b> <b>US-Administrationen und die Zölle</b> <b>und welche Sektoren denn hier im</b> <b>Einzelnen von Zöllen belegt werden.</b> <b>Man sieht das ja besonders</b> <b>auch bei den Gewinnrevisionen,</b> <b>also wie die Schätzungen der Analysten</b> <b>seit Anfang des Jahres oder</b> <b>auch in den letzten vier Wochen</b>

<b>sich verändert haben und da gibt es</b> <b>natürlich vor allen</b> <b>Dingen im Bereich Öl und Gas</b> <b>mit dem anfänglichen Verfall des</b> <b>Ölpreises, aber auch bei Automobilen und</b> <b>Automobilzulieferern</b> <b>sehr große Rücknahmen in den Erwartungen</b> <b>der Unternehmensgewinne.</b> <b>Also das spielt da sicherlich dann auch</b> <b>nochmal eine Rolle für insgesamt die</b> <b>Entwicklung der Märkte.</b> <b>Also Ölpreis auf jeden Fall super</b> <b>spannend, der ist ja auch</b> <b>etwas stärker angezogen,</b> <b>aber wenn man es vergleicht mit 2022 nach</b> <b>dem Überfall Russlands auf die Ukraine,</b> <b>da war der Anstieg</b> <b>doch deutlich heftiger.</b> <b>Ist man auch da so ein bisschen verhalten</b>

<b>positiv gestimmt, dass sich</b> <b>das irgendwie alles lösen lässt</b> <b>und die Schäden nicht so hoch werden?</b> <b>Ja, also es gibt sozusagen in der</b> <b>Community, wenn man</b> <b>das so ausdrücken will,</b> <b>eine Diskussion darüber, ob denn</b> <b>möglicherweise die Straße von Hormuz</b> <b>gefährdet sein könnte.</b> <b>Das ist ja eine Mehränge zwischen den</b> <b>arabischen Emiraten und dem Iran und da</b> <b>fließt eine Menge Öl durch.</b> <b>Also Transport von Tankern gut 20 Prozent</b> <b>oder um die 20</b> <b>Prozent der Welt nach Frage,</b> <b>das meiste davon nach</b> <b>Asien, auch nach China.</b> <b>Und dann ist eben die Frage, wie geht das</b> <b>mit der iranischen Produktion weiter,</b>

<b>der Iran selbst fördert oder hat</b> <b>gefördert, bevor es</b> <b>diese Luftschläge gab,</b> <b>in einer Größenordnung von dreieinhalb</b> <b>Millionen Berl pro Tag.</b> <b>Davon ist rund die Hälfte exportiert</b> <b>worden und von diesen Exporten wiederum</b> <b>90 Prozent Volksrepublik China.</b> <b>Sollte das ausfallen, hat das sicherlich</b> <b>Auswirkungen auf den Ölpreis.</b> <b>Stärkere Auswirkungen hätte eine</b> <b>Sperrung, auch wenn</b> <b>sie nur temporär wäre,</b> <b>wir erinnern uns an das</b> <b>haverierte Schiff im Suez-Kanal,</b> <b>sollte also hier die Straße von Hormuz in</b> <b>irgendeiner Weise gesperrt werden.</b> <b>Die OPEC kann das wahrscheinlich</b> <b>auffangen, die OPEC Plus,</b>

<b>auch für die Amerikaner, die ein</b> <b>Break-even, also ein Preis brauchen,</b> <b>um neue Breaking-Anlagen aufzubauen, von</b> <b>gut 60 Dollar hilft es natürlich, wenn</b> <b>der Ölpreis dann höher ist.</b> <b>Also auch dort könnten die Produktion</b> <b>dann ausgeweitet werden und insofern</b> <b>erwarte ich da im Moment</b> <b>keine total Irren, wie es manchmal</b> <b>diskutiert wird, Ölpreise,</b> <b>aber man muss schon darauf achten</b> <b>und es kann zumindest für einige Zeit</b> <b>dort auch dann zu deutlich</b> <b>höheren Ölpreisen kommen,</b> <b>sollte wirklich etwas in der Straße von</b> <b>Hormuz und in der Produktion der</b> <b>arabischen Welt geschehen.</b> <b>Heißt ein höherer Ölpreis nicht dann auch</b>

<b>irgendwie unweigerlich,</b> <b>dass wir wieder höhere</b> <b>Inflationsraten sehen werden?</b> <b>Ja, der Ölpreis macht sicherlich in den</b> <b>Industrieländern ein</b> <b>wesentlich geringer Anteil aus,</b> <b>als er das noch zur Ölkrise</b> <b>in den 70er Jahren getan hat.</b> <b>Also die Abhängigkeit vom Öl ist da</b> <b>deutlich nach unten gegangen,</b> <b>aber du hast natürlich völlig recht, wir</b> <b>werden es spüren beim Tanken,</b> <b>wir werden es bei anderen Ölderivaten</b> <b>feststellen, gerade auch</b> <b>in der Chemieindustrie,</b> <b>die ja sozusagen die Grundstoffe für</b> <b>praktisch alles liefert,</b> <b>werden wir das merken und insofern</b> <b>ist ein höherer Ölpreis natürlich ein</b>

<b>Treiber der Inflation.</b> <b>Und nun ist die Inflation in Europa doch</b> <b>recht deutlich wieder gefallen.</b> <b>Wir sind bei einer Rate von unter 2% in</b> <b>der Kernrate, also wenn</b> <b>man Öl und Lebensmittel</b> <b>ausrechnet, noch knapp über 2%, das ist</b> <b>glaube ich eine ganz</b> <b>komfortable Situation,</b> <b>da müssen wir uns</b> <b>jetzt keine Sorgen machen.</b> <b>Und insgesamt war der Ölpreis ja auf</b> <b>einem sehr niedrigen Niveau, auch das</b> <b>muss man dazu sagen,</b> <b>denn die Saudis insbesondere haben ja</b> <b>versprochen, dem amerikanischen</b> <b>Präsidenten hier für niedrige</b> <b>Ölpreise zu sorgen und haben dann bei der</b> <b>OPEC Plus dafür gesorgt,</b>

<b>dass auch die Förderquoten</b> <b>wieder angehoben werden. Also wir sind im</b> <b>Moment so mit rund</b> <b>Mitte 70 Dollar pro Bärre</b> <b>sicherlich auf keinem Niveau, was allen</b> <b>besonders erschrecken</b> <b>müsste, was den Ölpreis angeht.</b> <b>Unmittelbar, nachdem die Ausseite in der</b> <b>Sitzung nach dem Osten eskaliert ist,</b> <b>zog ja auch der Dollar-Kurs an, ist der</b> <b>Dollar jetzt doch wieder</b> <b>ein sicherer Hafen, da gab es</b> <b>ja zuletzt einige Zweifel auch begründet</b> <b>eben durch die</b> <b>Zollernkönigungen, durch Wirtschaftsdaten,</b> <b>also der Dollar, immerhin die Leitwährung</b> <b>der Welt, ist wieder ein sicherer Hafen?</b> <b>Ja, in gewisser Weise schon, also wir</b>

<b>hatten schon einen</b> <b>Dollar-Kurs, der vor diesen</b> <b>Auseinandersetzungen im Nahen Osten</b> <b>Richtung 116 tendiert hat,</b> <b>mittlerweile sind wir doch</b> <b>wieder unter die 115 gefallen. Also es</b> <b>ist schon so, dass es einen gewissen</b> <b>Reflex gibt in den Dollar</b> <b>hinein, man sieht das auch an den</b> <b>Anleihen, die ein Stück weit die Renditen</b> <b>zurückgelaufen sind.</b> <b>Also es ist zwar heiß diskutiert, was da</b> <b>mit dem US-Dollar und</b> <b>den US-Tregeries, also</b> <b>in Staatsanleihen, passiert, aber ich</b> <b>fühle mich auch da im Grunde</b> <b>bestätigt in dem, was wir ja</b> <b>schon die ganze Zeit sagen, dass es</b> <b>keinen Big Bang da geben</b>

<b>wird, sondern dass das eher ein</b> <b>langfristiger Prozess ist. Und man sieht</b> <b>eben auch jetzt wieder in</b> <b>dieser Krise, dass durchaus der</b> <b>ein oder andere Anleger sich den</b> <b>US-Dollar und damit natürlich</b> <b>auch dann US-Tregeries wieder</b> <b>anguckt, um in einem sicheren und vor</b> <b>allen Dingen aber auch</b> <b>liquidenhafen zu landen,</b> <b>also den ich auch wieder verkaufen kann,</b> <b>wenn ich denn meine mein</b> <b>Geld wieder anders investieren</b> <b>zu wollen. Sichere Häfen sind natürlich</b> <b>gerade in solchen Phasen</b> <b>extrem gefragt und ich würde</b> <b>sagen, wir machen dazu ein extra Podcast</b> <b>vielleicht gleich in der</b> <b>nächsten Woche, aber lasst uns</b>

<b>nochmal die Zollankündigung und die</b> <b>jüngste Wirtschaftsdaten</b> <b>kurz beleuchten. Es laufen ja</b> <b>seit Wochen einige Handelsgespräche, gibt</b> <b>es da schon irgendwelche</b> <b>Durchbrüche oder kommen</b> <b>die Zölle Anfang Juli tatsächlich und was</b> <b>heißt das dann für die</b> <b>Märkte? Also es scheint so zu sein,</b> <b>dass sich die USA und Großbritannien</b> <b>weiter angenehren, dass man dort</b> <b>tatsächlich bei diesen</b> <b>10 Prozent Basiszöllen dann bleibt und</b> <b>nichts weiter dazukommt. Mit anderen</b> <b>Staaten gibt es noch</b> <b>keine Übereinkünfte und insofern drängt</b> <b>da auch die Zeit, denn die</b> <b>90 Tage, die berühmten laufen</b> <b>am 8. Juli aus, auch mit der Europäischen</b>

<b>Union. Für die Chinesen wird</b> <b>es bis in den Oktober gehen,</b> <b>weil man eben diese Frist in Genf erst</b> <b>festgelegt hat und damit ein</b> <b>paar Tage später, aber auch</b> <b>da sind die Gespräche noch laufend. Es</b> <b>gibt also wie gesagt keinerlei außer</b> <b>vielleicht Großbritannien,</b> <b>keinerlei feste Vereinbarungen bisher</b> <b>schriftlich sowieso nicht. Die Zeit</b> <b>drängt und mal gucken,</b> <b>wie das Ganze denn ausgeht. Zumal der</b> <b>amerikanische Präsident</b> <b>Donald Trump ja durchaus auch immer</b> <b>mal wieder die ein oder andere Spitze</b> <b>dann setzt oder Ankündigungen</b> <b>macht, die im Grunde genommen</b> <b>in eine eher eskalierende Richtung</b>

<b>laufen, als dass sie darauf hindeuten,</b> <b>dass wir hier schnell</b> <b>eine Lösung finden werden. Die Zölle</b> <b>werden ja auch ein Problem für die</b> <b>US-Unternehmen sein,</b> <b>deren Gewinne sind noch immer sehr hoch,</b> <b>historisch hoch, wie ich in deinen</b> <b>Perspektiven am Morgen</b> <b>gelesen habe, aber der Gegenwind nimmt</b> <b>schon zu, oder? Ja, das ist</b> <b>wohl so. Also die Zölle werden</b> <b>sicherlich dann erst später wirken. Sie</b> <b>sind ja vor allen Dingen</b> <b>im Moment zum großen Teil</b> <b>ausgesetzt bis auf einige Sektoren. Aber</b> <b>ja, wenn die Güter nicht in den</b> <b>Vereinigten Staaten von</b> <b>Amerika produziert werden, dann haben</b>

<b>natürlich die Unternehmen, die diese</b> <b>Vorprodukte brauchen oder</b> <b>auch die Konsumenten, ich denke nur an</b> <b>Richtung</b> <b>Weihnachtsgeschäft zum Beispiel, kaum eine</b> <b>Möglichkeit auszuweichen. Und dann werden</b> <b>sie höhere Preise</b> <b>akzeptieren müssen. Und das bedeutet</b> <b>dann natürlich wieder eine höhere</b> <b>Inflation. Und es bedeutet vor allen</b> <b>Dingen, dass es Kaufkraft bei</b> <b>den Amerikanern kostet, die da nicht für</b> <b>andere Dinge eingesetzt</b> <b>werden kann. Und deswegen erwarten</b> <b>wir ja auch durchaus ein schwächeres</b> <b>Wachstum in den Vereinigten</b> <b>Staaten, als das noch mit dem</b> <b>Jahreswechsel erwartet worden war. Also</b>

<b>höhere Inflation,</b> <b>schwächeres Wachstum, das dürfte wohl</b> <b>der Ausfluss dieser Zollentwicklungen und</b> <b>Diskussionen sein. Jetzt</b> <b>startet ja in den kommenden Tagen</b> <b>auch die Berichtssaison für das zweite</b> <b>Quartal. Glaubst du, dass</b> <b>man da auch schon was sieht?</b> <b>Oder ist das noch zu früh? Die</b> <b>Unternehmen haben sich im ersten Quartal</b> <b>Jessica sehr zurückgehalten.</b> <b>Es gab ja so zwei, drei, die angekündigt</b> <b>haben, im besonderer Weise</b> <b>auf die Zölle hinweisen zu</b> <b>wollen. Die wurden aber dann sehr schnell</b> <b>wieder eingefangen. Also</b> <b>die Unternehmen waren da sehr</b> <b>zurückhaltend in der Kommunikation. Aber</b>

<b>es gibt schon einige, die</b> <b>vor allen Dingen vor der</b> <b>Unsicherheit gewarnt haben, die dadurch</b> <b>ausgelöst wird. Denn im</b> <b>Moment werden sicherlich sowohl</b> <b>größere Konsumpläne, aber auch</b> <b>Investitionspläne der Unternehmen eher</b> <b>zurückgestellt, weil man sagt,</b> <b>weiß ja noch nicht genau, was da auf mich</b> <b>zukommen wird. Wir haben</b> <b>auch im Außenhandel einige</b> <b>Vorzugseffekte gesehen, Importe Richtung</b> <b>USA in der Erwartung,</b> <b>dass es eben höhere Zölle</b> <b>geben wird. Das kann natürlich auch noch</b> <b>mal jetzt in den nächsten</b> <b>Wochen stattfinden mit der</b> <b>Erwartung, dass ab dem 8.9. Juli dann</b> <b>nicht verlängert wird,</b>

<b>sondern dann eben diese</b> <b>höhere Zölle einsetzen. Also da ist viel</b> <b>Unsicherheit im Moment</b> <b>noch mit im Spiel und die</b> <b>führt sicherlich nicht dazu, dass die</b> <b>Konsumenten oder auch die</b> <b>Unternehmen vor allen Dingen hier</b> <b>groß investieren wollen. Jetzt frage ich</b> <b>mich als Anlegerin,</b> <b>natürlich gibt es denn vielleicht</b> <b>trotzdem Profiteure von diesem ganzen</b> <b>Tourbabou oder welche Branchen sind denn</b> <b>weniger betroffen vom</b> <b>Handelsstreit? Welche haben eine, wie man</b> <b>so schön sagt, geringe</b> <b>Zollabhängigkeit? Ja gut, das sind</b> <b>natürlich Dienstleistungen in erster</b> <b>Linie. Das sind dann auch die großen</b>

<b>Digitalkonzerne, die</b> <b>sicherlich auch, auch das haben wir ja</b> <b>hier schon mehrfach</b> <b>besprochen, eher am Anfang der</b> <b>Entwicklung bei Künstlerintelligenz</b> <b>stehen als am Ende. Also da</b> <b>ist man sicherlich nicht so</b> <b>sehr abhängig. Mal gucken, ob die</b> <b>Europäische Union</b> <b>möglicherweise dann gegen Zölle auf der</b> <b>digitalen Seite erheben wird. Bin ja</b> <b>nicht so begeistert von, weil das im</b> <b>Grunde genommen dann</b> <b>nur die Europäischen Verbrauchertreffen</b> <b>wird. Die können</b> <b>nämlich auch nicht ausweichen,</b> <b>weil es einfach keine Alternativen dort</b> <b>gibt zu amerikanischen</b> <b>Betriebssystemen für Mobile</b>

<b>Phones oder Tablets oder ähnlichem. Also</b> <b>insofern ist das also</b> <b>sicherlich ein Thema. Dann gibt es</b> <b>ja ein paar Sektoren, die durchaus</b> <b>Sonderkonjunkturen haben. Wenn man sich</b> <b>Big Beautiful Bill und die</b> <b>Situation der Refinanzierung in den</b> <b>Vereinigten Staaten</b> <b>anguckt, dort werden in diesem Jahr</b> <b>wahrscheinlich um die 11,5 Billionen</b> <b>US-Dollar aufgenommen</b> <b>werden müssen, um alte Anleihen</b> <b>zu refinanzieren, um neue Anleihen,</b> <b>beziehungsweise Schulden dann auch</b> <b>bezahlen zu können. Das bedeutet</b> <b>eigentlich ein gutes Umfeld für</b> <b>Finanzdienstleister. Dann haben wir in</b> <b>Europa die Sonderkonjunktur für</b>

<b>all das, was mit Infrastruktur zu tun</b> <b>hat, also Industrie,</b> <b>Grundstoffe, im weitesten Sinne des</b> <b>Wortes und mal gucken, was die Länder</b> <b>sich denn dann wirklich im</b> <b>Einzelnen auch konkret vornehmen,</b> <b>noch in die Verteidigung hineinzustecken.</b> <b>Bei dem einen oder anderen</b> <b>gibt es da sicherlich schon</b> <b>Entwicklungen, die hier einiges</b> <b>vorweggenommen haben oder mit anderen</b> <b>Worten gesagt die Unternehmen</b> <b>und Sektoren sind nicht mehr wirklich</b> <b>niedrig bewertet. Aber je nachdem, wie</b> <b>viel Geld denn dann auch</b> <b>wirklich und in welchem Zeitraum dort</b> <b>hineingesteckt werden wird,</b> <b>kann es eben durchaus noch zu</b>

<b>weiteren Steigerungen der Gewinne und</b> <b>dann auch der Kursfantasie kommen.</b> <b>Es sind unsichere Zeiten, viele</b> <b>geopolitische Krisen sogar Kriege, viele</b> <b>große Themen, die uns beschäftigen.</b> <b>Das macht es mir als Anlegerin nicht</b> <b>unbedingt einfacher, oder?</b> <b>Ja, es ist schon so, dass man ein</b> <b>bisschen auf die Dinge achten muss. Wir</b> <b>sind auch etwas vorsichtiger</b> <b>positioniert insgesamt, wobei ich sagen</b> <b>muss, das ist ein echter Paint-Trade,</b> <b>also der Markt läuft ja</b> <b>oder ist ja in den letzten Wochen</b> <b>durchaus sehr gut gelaufen.</b> <b>Von daher wäre man am besten</b> <b>einfach dabei geblieben. Man muss glaube</b>

<b>ich auch hier ein Stück weit trennen</b> <b>zwischen Makro und den</b> <b>ganzen Diskussionen, die wir haben und</b> <b>dem, was der Kapitalmarkt</b> <b>dann daraus macht. Denn der</b> <b>Kapitalmarkt scheint mir tatsächlich die</b> <b>etwas längere Perspektive jetzt</b> <b>einzunehmen. Er geht</b> <b>davon aus, dass sich diese</b> <b>Zoll-Diskussion irgendwie lösen lassen</b> <b>mit einem durchschnittlichen Zollsatz</b> <b>von 12 bis 15 Prozent, immer noch gut 10</b> <b>Prozent Punkte höher als wir vorher</b> <b>waren, aber keine 50.</b> <b>Genau, in einem verkraftbaren Ausmaß. Man</b> <b>geht davon aus, dass ab</b> <b>2026 dann die europäischen</b> <b>Konjunkturprogramme sozusagen angegangen</b>

<b>werden, dass in Amerika noch</b> <b>Steuersenkungen kommen,</b> <b>auch Deregulierung und vor diesem</b> <b>Hintergrund wir also 2026</b> <b>wieder eine bessere ökonomische</b> <b>Perspektive und auch die Möglichkeit für</b> <b>die Unternehmen haben,</b> <b>die Gewinne zu steigern und</b> <b>deswegen guckt der Markt glaube ich im</b> <b>Moment ein bisschen durch diese sehr</b> <b>kurzfristige Aufregung</b> <b>hindurch. Da muss man auch ein bisschen</b> <b>Nerven behalten. Es kann</b> <b>also durchaus Zubolatilitäten</b> <b>kommen in den ganzen Konfliktherden. Du</b> <b>hast es ja schon</b> <b>beschrieben. Das sind die kriegerischen</b> <b>Auseinandersetzungen in der Ukraine im</b> <b>Nahen Osten. Es sind die Zoll-Diskussion</b>

<b>vor allen Dingen mit</b> <b>China, auch die seltenen Erden. Es sind</b> <b>die Zoll-Diskussionen mit</b> <b>Europa, einzelne Sektoren,</b> <b>die betroffen sind. Und wie reagieren die</b> <b>Notenbanken darauf? Wie entwickeln sich</b> <b>die Zinsen, die ja immer</b> <b>als Diskontfaktor dann für die Aktien</b> <b>gelten? Also man muss schon ein bisschen</b> <b>die Nerven behalten.</b> <b>Da kann noch Volatilität auf uns</b> <b>zukommen. Wir bleiben auf jeden Fall</b> <b>dran. Bis dahin. Danke</b> <b>für diese Perspektiven. Sehr gerne.</b>

0:00 / 0:00