
Pinar Atalay· Folge 21
Ukraine nicht genug: Außenminister Wadephul sieht "weitergehende Pläne" Putins
Dienstag, 6. Oktober 2026 · 41 min
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Shownotes
Außenminister Wadephul (CDU) stellt sich weiter voll hinter die Ukraine. Fiele sie, würde Russland seine Machtansprüche bald auf andere Länder ausweiten. Bei "Pinar Atalay" warnt der Außenminister: Eine solche Eskalation wäre ein "unkalkulierbares Risiko" für Putin. Wadephul rechtfertigt seinen Handshake mit dem russischen Außenminister Lawrow, spricht außerdem über die Krise der CDU und verrät, warum er im Ausland schnell von jungen Leuten erkannt wird.
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Guten Abend, schön, dass Sie dabei sind. Deutschland befindet sich in einem Schattenkrieg mit Russland und könnte in einen direkten, gewaltsamen Konflikt mit den Russen geraten. Diese Worte von BND-Chef Jäger haben es heute in sich. Wie schwierig die Lage ist, zeigte erst gestern der Besuch des Bundeskanzlers in der Ukraine.
In Kiew griff Russland nur unweit von Kanzler Merz entfernt eine wichtige Brücke mit Drohnen an. Permanent ertönte der Luftalarm. Und in dieser Lage spreche ich jetzt mit dem Mann, der erst neulich mit den Russen direkt gesprochen hat. Sein Job ist es, Deutschland international zu vertreten und in den vielen Krisensituationen zu verhandeln.
Er zählt mittlerweile zu den beliebtesten Ministern des Landes und hat es vom einst hoffnungsfrohen Jungstar der Christdemokraten im Hohen Norden, ein Zitat aus der Süddeutschen Zeitung, bis zum Bundesaußenminister geschafft. Echten Frust im Job kenne ich nicht, sagt er. Fragt sich, wie das in dieser Weltlage und mit Blick auf seine Partei die CDU gelingen kann. Guten Abend, Bundesaußenminister Dr. Johann Wadenpfuhl.
Guten Abend, Frau Otterlein. Schön, dass Sie bei uns sind. Danke. Sehr gerne. Sie sind seit fast 45 Jahren jetzt tatsächlich politisch aktiv, seit rund anderthalb Jahren Bundesaußenminister. Um kurz persönlich zu beginnen, ich habe es eben gesagt, Hoffnungsvorjungs, da hat man Sie mal gezeichnet. Wie viel steckt da noch in Ihnen?
Ehrlich gesagt war ich eigentlich nicht mehr so viel, denn jung bin ich jetzt nicht mehr mit 63 Jahren. Aber ich würde sagen, es gibt ja das berühmte Wort, jedem Anfang wohnt ein Zauber inne. Ich fühle mich im Großen und Ganzen doch noch in der Anfangsphase als Außenminister. Gerade wenn man so Dinosauriern wie Lavrov begegnet, dann ist man ja recht kurz dabei.
Also, und ich versuche auch jeden Tag und jede Woche, jetzt fängt ja eine Woche neu an, irgendwie einen Neustart zu machen und zu sagen, entdecke mal, was an diesem Tag, was in dieser Woche Neues dabei sein kann. Da können wir ja gleich mal zu kommen, was das sein könnte, aber Sie haben gerade Herrn Lavrov angesprochen und damit sind wir im Prinzip bei der Ukraine, sind in Russland.
Die Lage wird offensichtlich immer ernster, so kann man das sagen. Gestern war Bundeskanzler Merz ja zu einem Besuch in Kiew. Russland hat weiter angegriffen, obwohl eben der Bundeskanzler bekannterweise da war. Waren Sie besorgt, als Sie das mitbekommen haben? Nein, ich war nicht besorgt. Ich denke, dass derartige Angriffe entweder plan sind, weil sie verunsichern sollen, weil sie einschüchtern sollen. Und der Bundeskanzler hat ja unmittelbar darauf reagiert.
Oder dass sie von einer Einheit abgegeben worden sind. Und dieser Schuss, dieser Angriff mit einer Drohne veranlasst worden ist, die noch nicht richtig informiert war, dass der Bundeskanzler da war. Beides ist möglich. Wir wissen, dass wir uns ins Risiko begeben. Ich bin selber auch vor einem Monat da gewesen. Der Bundeskanzler wusste, was er tat. Er hat das auch gestern zum Ausdruck gebracht.
Ich finde, es war eine sehr couragierte Maßnahme, jetzt hinzufahren, zu zeigen, wo wir stehen, bei wem wir stehen. Meine Millionen Menschen sind tagtäglich diesen Gefahren ausgesetzt. Soldatinnen und Soldaten, insbesondere an der Front, noch viel größeren Gefahren und viele werden ja auch getötet und verletzt.
Und dass das nicht irgendwo stattfindet, sondern in Europa, wird dadurch auch für uns ja nochmal wieder neu erlebbar. Insofern muss ich wirklich sagen, höchster Respekt vor dem, was der Kanzler gestern gemacht hat. Wie bereitet man so einen wichtigen Besuch vor, auch wenn das ja doch eher kurzfristig laufen muss? Sprechen Sie da miteinander? Gibt es da eben auch eine Warnung?
Weil Russland hatte ja gewarnt. Also die scheinen ja auch irgendwie Bescheid gewusst zu haben vielleicht. Ja, wir haben darüber gesprochen, aber er war fest entschlossen, diese Reise durchzuführen und ich habe auch gar nicht die Absicht gehabt. Das bei ihm zu relativieren. Nein, wir haben darüber gesprochen. Das wird umfänglich vorbereitet, auch mit unserer Botschaft vorbereitet, mit den Diensten vorbereitet, was man an Sicherheitsvorkehrungen treffen kann. Das wird schon gemacht.
Aber auf so einer Reise reisen die Risiken immer mit. Das muss man wissen. Wir haben uns diese ganze Situation nicht ausgesucht. Putin hat sie uns geschaffen. Er hat diesen Krieg begonnen. Er führt ihn fort, trotz aller Appelle, trotz aller Versuche. Und sich das immer auch wieder bewusst zu machen und das auch immer wieder hier in Deutschland, die wir ja nun die stärksten Unterstützer der Ukraine sind, auch deutlich zu machen.
Bildlich zu machen, erlebbar zu machen, ist halt auch eine Aufgabe von uns Politikern. Die Frage ist, wie kann man das deutlich machen? Weil tatsächlich auch in Deutschland die Skepsis durchaus zunimmt, dass der ein oder andere sagt, muss das noch sein, dass so viele Milliarden in die Ukraine gehen? Muss das sein, dass wir militärisch unterstützen und auch so, ich sag mal, gegen Russland immer noch agieren, obwohl es ja eben eine Gegenwehr sozusagen ist? Was sagen Sie den Menschen?
Naja, ich sag den Menschen, dass wir erstmal automatisch, finde ich, immer an der Seite von überfallenen, von angegriffenen Menschen stehen sollten und die verteidigen sollten. und so ist das für die Ukraine. Das Zweite ist, dass wir uns schon vergegenwärtigen sollten, was geschieht, wenn Russland dort Territorium einnimmt und es so Macht ausüben kann, siehe Butscher.
Also es ist ja nicht so, dass in dem Moment, wo die Russen da sind, einfach die ukrainische Flagge runtergeht und die russische geht hoch und alles, das Leben bleibt, geht normal weiter. Das ist ja nicht so, sondern die Russen, Wir entführen Kinder nach Russland. Nehmen sie ihren rechtmäßigen Eltern einfach weg.
Was ist das schon für eine schreckliche Tat? Vergewaltigen, Morden, Foltern, Töten. All das geschieht in den von Russland besetzten Gebieten. Das ist das Zweite. Und das Dritte ist natürlich, dass wir uns immer auch klar machen müssen, was geschehe, wenn das ein Erfolg wäre, wo die freie Welt, wo ganz Europa an der Seite der Ukraine steht.
Können wir alle uns erlauben, dass sich hier jemand durchsetzt, der Aggressor ist, der sagt, ich habe die militärischen Mittel, ich ziehe es einfach durch. Ich denke, das dürfen wir nicht geschehen lassen, weil das natürlich zur Nachahmung dann animiert. Ja, der BND-Chef Jäger, ich habe es eben angesprochen, sprach heute von einer neuen gefährlichen Konfrontation mit Russland. Sehen Sie das auch so?
Ja, die Dienste warnen alle davor und unsere außenpolitische Analyse ist auch eben diejenige. Das aus welchen Motiven auch immer, so ganz versteht man das ehrlich gesagt nicht ganz. Und deswegen zweifeln wir ja auch immer wieder dran, weil man immer wieder was Rationales unterstellt. Aber was ist schon rational daran, jetzt die Ukraine erobern zu wollen?
Ja, Russland hat ja vorher gutes Auskommen gehabt mit der Ukraine. Keiner hat Russland bedroht, hat gute Lieferverträge auch mit uns, mit Deutschland gehabt, viel Erdgas an uns geliefert, viel Geld verdient. Und deswegen müssen wir doch davon ausgehen, dass Russland weitergehende Pläne hat. Was wäre das? Also ich frage mich, was heißt neu und gefährlich weitergehende Pläne? Naja, man darf nie vergessen, dass Putin mal auf der Münchner Sicherheitskonferenz, gesagt hat, die größte Katastrophe des 20. Jahrhunderts für ihn war der Zusammenbruch der Sowjetunion.
So, da ist man schon mal irritiert als Deutscher, wenn man sagt, das war mit Sicherheit nicht die größte Katastrophe des 20. Jahrhunderts. Aber okay, wenn wir das jetzt so nehmen, dann muss man halt sagen, wenn das die größte Katastrophe war, dann möchte er die wahrscheinlich reparieren. Das heißt, da gibt es schon wohl den Anspruch, die Idee, die Vorstellung, das wieder herzustellen, was mal Sowjetunion war.
Dazu gehört die Ukraine, dazu gehört auch jetzt Georgien, wo wir sehr viele Aktivitäten sehen. Dazu gehört auch das Stören in Moldau und dazu würde natürlich auch das Baltikum wieder gehören. Das sind jetzt EU- und NATO-Mitglieder und damit sind wir dann selbst auch betroffen als Alliierte. Aber ist Deutschland in Gefahr, dass es einen direkten Krieg geben kann? Das ist ja die große Sorge.
Naja, erstmal sind wir schon, wir sind in einem NATO-Bündnis und das heißt, wenn einer angegriffen wird, dann fühlen sich alle angegriffen. Ja, genau. Das heißt, wir sind ja nicht erst dann angegriffen, wenn man in Deutschland angreift, sondern wir sind dann angegriffen, wenn die Grenze nach Polen, wenn die Grenze nach Estland, Lettland, Litauen beispielsweise überschritten wird. Dann sind wir angegriffen.
Das müssen wir dann noch feststellen in Verfahren, aber das ist im Grundsatz unsere Zusage. und Deutschland steht zu dieser Zusage. Und darüber hinaus, wir werden ja jetzt schon angegriffen. Denken Sie an die Drohnen in Leipzig oder die Drohnen in Leipzig. Also wenn da was geschehen wäre, wäre es schon schlimm gewesen.
Denken Sie daran, dass es auch vorher schon Vorfälle gegeben hat, Cyberangriffe ständig gibt. Also es ist ja nicht so, dass wir, dass gar nichts geschehe. Würden Sie das als Krieg bezeichnen? Nein, das würde ich nicht als Krieg bezeichnen. Wir haben das als einen hybriden Angriff bezeichnet, das was stattgefunden hat.
Und das ist ja auch so. Es ist eine Mischung aus unterschiedlichen Dingen. Es ist feindselig, es ist gegen uns gerichtet, es stört uns, es soll uns verunsichern, es soll vielleicht auch Schäden verursachen. Es ist natürlich irgendeine Vorstufe oder kann eine Vorstufe sein. Eine Drohne finde ich schon sehr, es ist am Ende ein Kriegsgerät, was mittlerweile genutzt wird und ist jetzt nicht ein Hackerangriff zum Beispiel.
Klassisch verstehen wir darunter natürlich ein Militärgerät, was auch, sagen wir mal, Hoheitsabzeichen trägt, wo man klar erkennt, von wem es kommt. Hier ist das verschleiert worden, hier ist es auf, ist ja keine Grenzüberschreitung im klassischen Sinne gewesen. Ja, aber wenn es passiert wäre, hätte es da einen Unterschied gegeben, ob ein Hoheitszeichen drauf ist.
Weil man sagt ja ganz klar, der Kanzler sagt, dass sie sagen, dass das war Russland. Ja, das haben wir jetzt durch nachrichtlichen, dienstlichen und andere Erkenntnisse herausbekommen und schließen das da raus. Aber es ist ja schon der Unterschied, also ich meine, in der Ukraine sieht man ganz klar, es greifen russische Streitkräfte an. Punkt.
Aber ich muss an die grünen Männchen denken, damals Krim. Also da war es dann eigentlich auch klar, gut, dass das sind schon... Es war auch gebrät worden. Darüber kann man lange nachdenken, wann man das jetzt Krieg nennt. Und das kann ich auch nicht im Vorhinein beantworten. Das wird man dann beantworten.
Wir sind jedenfalls in der Lage, immer die Maßnahmen zu treffen. Das sehen Sie jetzt ja auch, wenn Drohnen sozusagen in ein westliches Territorium, in ein NATO-Territorium reinkommen. Die NATO kann immer reagieren und wir wissen auch, wir scheuen uns auch nicht davor, dann von Krieg zu sprechen, wenn es einer wäre.
Aber derzeit sehen wir ihn nicht. Russland muss wissen, das ist ein unkalkulierbares Risiko für Russland, sich mit uns anzulegen. Sie haben ja mit Herrn Lavrov, also mit dem russischen Außenminister, gesprochen in New York am Rande der UN-Generalversammlung. Mit welchen Erwartungen sind Sie eigentlich in dieses Gespräch gegangen, was ja kein einfaches war?
Nein, ich habe auch gar keine riesigen Erwartungen, aber ich wollte einfach was loswerden. Ich wollte zwei Botschaften loswerden, mindestens vielleicht noch eine dritte. Die erste war ganz klar zu sagen, das, was in Leipzig geschehen ist, Sie haben es gerade eben auch so nochmal gesagt, ist keine Kleinigkeit gewesen, es waren Drohnen und das hätte sehr gefährlich werden können für Deutschland.
Sondern ist da eine Linie überschritten worden und hat das eine neue Qualität? Und das wollte ich ihm nochmal sehr, sehr deutlich machen. Das Gespräch ist auch so verlaufen, dass ich gemerkt habe im Gespräch, es war schon ganz gut, es ihm nochmal gesagt zu haben, so von Angesicht zu Angesicht. Das Zweite sind diese Getreideexporte.
In der Ukraine, auch in Russland, in beiden Ländern wird in der Schwarzmeerregion sehr viel Getreide angebaut, was traditionell exportiert wird in Länder des globalen Südens, die dringend es benötigen. Und ich bin auch aus diesen Regionen angesprochen worden. Kannst du nicht auch, mit dafür eintreten, einen Beitrag dazu leisten, dass diese Exporte stattfinden?
Dafür braucht man einen Waffenstillstand auf dem Schwarzen Meer. Das haben wir noch nicht erreicht, aber dafür müssen wir weiter kämpfen. Denn es droht natürlich jetzt, dass dieses Getreide verrottet und nicht mehr genutzt werden kann und Menschen hungern und Staaten destabilisiert werden. Das muss verhindert werden. Wie kann ich mir diese Atmosphäre vorstellen?
Wir haben eben gerade gesehen, Sie haben sich ja die Hand gegeben. Am Ende gibt man jemandem die Hand, der die Ukraine angreift, der Europa angreift, der einen als Feind sieht. Wie fühlt sich das an? Naja, das ist, also ich habe mich entschlossen mit ihm zu sprechen, also gebe ich ihm auch die Hand. Also ich spreche ja nicht mit, ich führe ein Gespräch mit jemandem.
Es kann natürlich sein, dass ich mal in einem privaten Umfeld jemanden auf der Straße treffe und dem möchte ich einfach nur mal zwei, drei Worte an den Kopf werfen. Aber als Außenminister entschließe ich mich, ich führe ein Gespräch oder ich führe kein Gespräch. Und wenn ich ein Gespräch führe, dann gebe ich dieser Person auch die Hand.
Das ist der Gruß, das ist, finde ich, Zivilisation, die legt man nicht ab, nur weil die Person, die man trifft und mit der man spricht, völlig andere Werte vertritt als man selber. Aber sonst wollte ich das Gespräch nicht führen. Aber Sie haben es ganz eingangs gesagt, das ist halt die Beschreibung meiner Aufgabe.
Ich bin nun mal der Außenminister und meine Kolleginnen und Kollegen im Auswärtigen Amt und ich, wir haben genau diese Aufgabe. Dafür leistet man sich ein Auswärtiges Amt. Dazu hat man einen Außenminister, dass diese Person auch Gespräche führt, um die man sich nicht gerade. Wünscht. oder wo man nicht nachts träumt. Hoffentlich kann ich endlich dieses Gespräch führen.
Das gehört dazu, aber es ist auch nicht dramatisch. Wir wollen mal einmal gemeinsam reingucken, wie dieses Gespräch ablief, um auch die Zuschauer mitzunehmen. Zumindest räumlich waren sie sich näher, inhaltlich dagegen nicht. Nach dem nur 20-minütigen Treffen von Außenminister Johann Wadefuhl mit seinem russischen Amtskollegen Sergej Lavrov, schickte er im Anschluss hinterher.
Sie hätten auch einfach anrufen und sagen können, lesen Sie meinen Text. Denn Wadefuhls Haltung war schon vor dem Treffen klar. Das ist eine eindeutige europäische Botschaft, sowohl nach Kiew der Bestärkung als auch nach Russland als Warnung. Wir sind gemeinsam der Auffassung, dass Putin jetzt endlich zur Verhandlung bereit sein muss. Ich glaube, wir dürfen uns nicht einschüchtern lassen.
Russland ist der Aggressor. Und auch der Kanzler ist in seiner Botschaft deutlich. Herr Putin, hören Sie diesen sinnlosen Krieg auf. Wir sind bereit zu besprechen. Wir sind bereit, miteinander zu sprechen über das Ende dieses Krieges. Aber diese barbarischen Angriffe auf die Zivilbevölkerung der Ukraine müssen aufhören.
Wenn wir so zuhören, das hört sich nicht immer diplomatisch an, das hört sich auch oft hart an. Heißt das konkret, Sie starten vielleicht nicht einen neuen Versuch, um nochmal ins Gespräch zu kommen? Wie kann man das einordnen? Naja, ich meine, die Formulierungen müssen hart sein, weil das geschieht, noch viel härter ist.
Ich meine, es sterben Tausende von Menschen, oftmals an einem Tag. Es sterben Kinder, Frauen, Alte, Soldatinnen, Soldaten. Selbst Russland hat neuerdings Verluste, die sind bei über 40.000 im Monat. Und das sind Sachen, über die kann man ja kaum nachdenken. Aber die Frage ist, wie hält man den Gesprächskanal auf? Und deswegen muss man auch diese harte Sprache wählen.
Ich kann darüber, ich kann da ja nicht sagen, ich würde bitten, höflich zu erwägen, den nächsten Schuss nicht abzugeben. Ja, ich meine, das wäre ja ein völliger Fehlansatz. und deswegen formulieren wir so hart, wie wir formulieren und trotzdem... Aber entsteht so ein Gesprächskanal? Das ist die Frage, ob man dann mit dem Gegenüber die Möglichkeit hat, wirklich zu können.
Naja, Herr Laufauf scheint ja, das fängt ja aber von der Wartung ab, so ein Gesprächsablauf und die Bewertung hinterher. Herr Laufauf hat möglicherweise gedacht, dass ich in dem Gespräch ganz was anderes sagen würde, als was ich öffentlich sagen würde. Aber das mache ich allgemein nicht. Ich kann nicht immer alles sagen, was ich weiß, weil es gewisse Sachen gibt, die aus Sicherheitsgründen eingestuft sind. Aber meine Meinung zu den Geschehnissen auf der Welt ist intern keine andere als das, was ich öffentlich sage. Und so ist es auch hier.
Und es ist natürlich nicht so, dass ich mich dann da hinsetze und sage oder irgendwie das relativiere, was ich sonst sage. Aber trotzdem ist es natürlich ein Gespräch gewesen und trotzdem... Gibt es, das hat ja der Bundeskanzler gerade auch nochmal gesagt, unsere Bereitschaft zu reden, wenn Russland irgendetwas anderes will außer schießen.
Aber die schießen weiter und wer nur schießt und sagt, gib mir, ich will das haben und wenn ich das jetzt nicht bekomme, dann schieße ich weiter. Darüber kann man natürlich fast nicht reden. Haben Sie das Gefühl, die Russen nehmen Sie ernst oder Lavrov nimmt Sie ernst in so einem Moment? Naja, ich glaube, er hat schon am Ende des Tages gewusst, was ich in etwa sagen würde. Trotzdem hat er das Gespräch geführt und sich am Ende dafür auch bedankt.
Also, Sie wissen, dass wir die größten Unterstützer der Ukraine sind. Sie wissen, dass sie eine Lösung dieses Konfliktes, die Sie irgendwann auch wollen. Weil der Krieg ja nicht so verläuft, wie Sie sich das gedacht haben. Russland ist auch sehr geschwächt. Russland ist sehr geschwächt. Russland hat gedacht, das wäre mal eine Sache von drei Tagen. Dann hätte man Kiew erobert und dann könnte man das Land unterwerfen.
Russland hat sich völlig verkalkuliert. Russland ist auch in einer gewissen Weise in einer Sackgasse drin. Und Russland braucht auch eine Lösung. Alle brauchen eine Lösung. Wir alle wollen eine Lösung für diesen Krieg. Und deswegen, glaube ich, war es schon gut, dass man gezeigt hat, dass man sprechen kann.
Aber es macht absolut nur Sinn, das fortzusetzen, wenn Russland in irgendeiner Weise zu erkennen gibt, dass es was zur Disposition steht. Ja, und man hat den Eindruck, ist dann am Ende, wenn es dann doch zu einer Art von Friedensverhandlungen kommen kann, Deutschland wirklich mit als ernstzunehmender Partner mit am Tisch oder übernahm es nicht doch der Donald Trump, weil der auf eine andere Art und Weise damit umgeht und man es doch denen überlässt.
Deswegen habe ich danach gefragt, wie ernst wird man wirklich genommen? Naja, wenn man nicht ernst genommen werden würde, würden die nicht mit uns sprechen. Also sie sprechen schon mit uns. Sie wissen ja auch, welche entscheidende Rolle wir in der Unterstützung der Ukraine spielen. Aber ich halte das nicht für einen Gegensatz. Ich halte es für richtig. Ich habe auch ausdrücklich die Amerikaner gebeten, jetzt auch wieder zu sprechen, weil es für, Putin schon wichtig ist, dass der amerikanische Präsident ihn auch ernst nimmt.
Das sind klassisch, ich habe ja gesagt, Sowjetunion ist die Welt, über die er nachdenkt. Er ist möglicherweise nicht da, aber er sieht sich schon auf Augenhöhe mit Trump. Und deswegen ist beides wichtig, dass die USA weiterhelfen, den Konflikt zu lösen. Aber ohne Europäer wird er nicht zu lösen. Das ist ja auch nicht allein Deutschland, sondern das werden dann die EU-27 sein, wenn es um den EU-Beitritt der Ukraine geht und so weiter.
Wir sind ja nur ein Teil davon, aber bisher hat in der Substanz leider nichts stattgefunden. Sie haben es eben angesprochen, Sie waren zuletzt im August selbst in der Ukraine, haben dort auch mit Zelensky gesprochen, mit dem ukrainischen Präsidenten und haben aber auch angekündigt, dass ukrainische Männer im wehrfähigen Alter, die hier in Deutschland sind, zurückkehren sollten.
Was tun sie, wenn die nicht wollen? Ja, da werden wir Sie dazu nicht bewegen können. Aber ich finde das schon richtig, dass wir sagen, wir unterstützen die Ukraine. Aber wir haben auch Punkte, die wir durchsetzen wollen. Ich bin jetzt sehr erfreut, das habe ich bei dem Besuch auch angesprochen, dass jetzt gestern.
Beim Besuch des Kanzlers zahlreiche Verträge mit deutschen Firmen abgeschlossen worden sind in einer höheren einstelligen Milliardensumme. Wir unterstützen die Ukraine. Das ist das Geld deutscher Steuerzahlerinnen und Steuerzahler. Und deswegen können wir auch erwarten, dass dann, wenn das Geld ausgegeben wird, das auch in Deutschland wieder landet. Das finde ich eine normale Interessenwahrnehmung.
Und selbstverständlich ist es ein ukrainisches Interesse, dass die Männer im wehrfähigen Alter, die sich in Deutschland aufhalten, schon nochmal gefragt werden, ob sie nicht auch helfen wollen, ihr Land zu verteidigen. Das unterstütze ich nur. Sie waren ja selbst vier Jahre als Leutnant bei der Bundeswehr, anschließend Oberstleutnant der Reserve.
Halten Sie es für eine Pflicht, für das eigene Land zu kämpfen? Zunächst einmal, ich bin nicht am Anfang Leutnant gewesen, dazu wird man ja später befördert. Aber gut, nein, ich finde schon, meine persönliche Überzeugung ist schon, dass man... Bereit sein muss, sein Land zu verteidigen. Und deswegen bin ich damals auch zur Bundeswehr gegangen und habe auch regelmäßig Wehrübungen absolviert.
Für mich gehört das zum Patriotismus dazu. Zu dem ich mich persönlich bekenne und wo ich finde, dass das richtig ist. Das ist mein Heimatland und, wir sind defensiv, wir verteidigen uns nur, aber wir müssen es auch bereit sein zu verteidigen. Herr Wadephul, Außenpolitik ist ja eigentlich mittlerweile auch Innenpolitik geworden.
Das lässt sich immer schwerer trennen. Das sehen wir auch beim Kanzler. Das sehen wir auch jetzt bei den Wahlen im Osten Mecklenburg-Vorpommern, dass auch die Linke und die AfD Erfolge feiern, weil man eben auch Wahlkampf macht mit dem Thema Ukraine, mit dem Thema Russland. In Mecklenburg-Vorpommern ist die CDU da irgendwie rausgeflogen, was schon hart ist für die CDU, lange nicht passiert oder gar nicht passiert.
Und Friedrich Merz sagt, dass die CDU nur in Teilen von Deutschland eine Volkspartei sei. Sie sind seit fast 45 Jahren, wenn ich richtig gerechnet habe, in der CDU, haben mit der Jungen Union begonnen. Erleben Sie jetzt die größte Krise, würden Sie sagen, innerhalb dieser 45 Jahre Ihrer Partei? Also das kann ich noch nicht beurteilen, denn ich würde mal sagen, wir haben schon manche Krisen erlebt. Wir haben bei uns in Schleswig-Holstein auch erlebt, dass wir als langjährige Regierungspartei abgewählt wurden.
Älteren erinnern sich an die sogenannte Basel-Pfeiffer-Affäre. Ja, da waren Sie mittendrin, muss man sagen. Da war ich also mittendrin, da war ich in der Jungen Union und habe das miterlebt. Das war eine schwere Krise und trotzdem heute regieren wir zusammen mit den Grünen, Daniel Günther, sehr erfolgreich mit dem besten CDU-Ergebnis, das seit Jahren erzielt worden ist. Ich bin zuversichtlich, dass das im nächsten Jahr bestätigt wird.
Wir haben die sogenannte Spendenaffäre um Bundeskanzler Kohl erlebt, danach auch eine dramatische Situation erlebt. Und trotzdem hat es danach viele erfolgreiche Regierungsjahre gegeben und jetzt, regieren wir erneut in Zeiten, wo wir in ganz Europa erleben, dass Parteien unter einem wahnsinnigen Druck sind.
Wissen Sie, unsere klassischen Schwesterparteien in Frankreich gibt es in der Form schon lange nicht mehr in der Größe, dass Sie ernsthaft bei der Frage. Mitentscheiden, wer hat eine Regierungsmehrheit in der Assemblée nationale, wer stellt die Präsidentin oder den Präsidenten. Und wir sind als CDU auch jetzt wirklich gefordert, das wieder zu zeigen, dass wir diese Stärke, dass wir die Tiefe und dass wir die Breite als Volkspartei haben und behalten wollen. Aber Sie sind Volkspartei noch oder in Teilen Volkspartei?
Nein, ich halte uns, also ich glaube... Kann man in Teilen Volkspartei sein, habe ich mich gefragt. Ja, das kann man. Ich glaube, der Kanzler hat gesagt, wenn ich es richtig verstanden habe, wir sind in Teilen in der Gefahr, es zu verlieren. Wenn sie in Mecklenburg-Vorpommern unter 5 Prozent rutschen und nicht mehr im Landtag vertreten sind.
Dann ist das mit Sicherheit ein Bundesland, wo wir in dem Risiko stehen, nicht mehr klassische Volkspartei zu sein. Das muss man sagen. Ist deswegen automatisch eine andere Partei Volkspartei? Das glaube ich nicht. Das hängt nämlich nicht nur von Wahlergebnissen ab, sondern auch von der Breite, wie man in der Gesellschaft verankert ist.
Ja, gibt es in den einzelnen Orten Leute, die auf kommunaler Ebene für dich Politik machen und auch verstehen, wie tickt das Land hier? Was wird dort gefordert? Das ist ja ganz anders auf einem kleinen Dorf oder wenn ich in Düsseldorf, München, Berlin, Stuttgart bin. Und da ist ja CDU München jetzt nicht, das ist die CSU, aber.
Das buchstabiert sich ja immer unterschiedlich aus. Jetzt haben wir einmal die CDU, die sich schwer tut, aber auch die SPD und in der Summe dann letztendlich die Koalition. Und ich frage mich, wie schlimm steht es um diese Koalition, wenn Bundespräsident Steinmeier sich gezwungen sieht, den Vizekanzler anzurufen, den Dobritt anzurufen.
Was glauben Sie, wie schlimm steht es? Also ich weiß jetzt wirklich über diese Telefonate gar nicht. Ich habe da Medienberichte darüber gelesen, aber ich habe mit dem Bundespräsidenten, nicht darüber sprechen können und auch nicht mit Kollegen aus dem Kabinett. Nein, dass diese Koalition in schwierigen Zeiten sich befindet, weiß jeder. Die Umfragedaten sind nicht besonders gut und wir haben schwierigste Entscheidungen zu treffen. Ich gehe das, ganz klassisch an. Die CDU ist jetzt keine nur konservative Partei, sondern auch eine soziale Partei.
Schleswig-Holstein haben Sie gerade angesprochen. Tippt da noch mal ein bisschen anders, da kommen Sie her. Und hat auch liberale Wurzeln. Aber das Konservative in mir sagt, wir haben jetzt erstens einen Wählerauftrag für vier Jahre und den hat man zu erfüllen. Ob es jeden Tag Spaß macht, danach kann man nicht fragen.
Muss ja keiner Politik machen, erst recht nicht in den Bundestag gehen und auch schon gar nicht ins Bundeskabinett sich berufen lassen. Ich finde, es ist einfach jetzt unsere Pflicht, vier Jahre zusammenzuarbeiten. Zweitens, wir haben es uns ausgesucht, das gemeinsam mit den Sozialdemokraten zu machen.
Und die Sozialdemokraten haben es sich ausgesucht, das mit uns zu machen. Und wenn man so etwas abmacht, dann finde ich, hält man sowas ein. Dass es in jeder Beziehung mal knirschen kann und dass es auch Phasen gibt, wo man sich nicht versteht, ist klar. Man kann auch zu Trennung kommen. Man kann auch zu einer Trennung kommen, aber dafür muss es wirklich schon sehr, sehr triftige Gründe geben.
Wie immer, das gilt beim Austritt aus dem Verein, genauso wie beim Austritt aus der Koalition oder aus anderen Bündnissen. Und angesichts der staatspolitischen Verantwortung, die wir haben, finde ich, müssen wir alles versuchen, dass wir beieinander bleiben und dass wir dieses Land jetzt vier Jahre regieren.
Die Lehre aus Weimar ist, immer kürzere Regierungszeiten überzeugen die Bürgerinnen und Bürger nicht mehr vom Sinn und Zweck und dem Funktionieren einer parlamentarischen Demokratie. Und deswegen glaube ich, Beständigkeit ist jetzt gefordert. Wir haben jetzt mit Sicherheit eine schwierige Phase und ein Meinungstief.
Aber wir stehen ja auch nicht morgen zur Wahl. Und ich finde auch, unabhängig davon, man muss wirklich diese vier Jahre jetzt das tun, was man sich vorgenommen hat, das Beste geben. Das, was wir richtig halten, dafür haben wir den Auftrag von Wählerinnen und Wählern. Und dann wird nach vier Jahren abgerechnet. Und wenn die was anderes wollen, dann können die Bürgerinnen und Bürger zum Glück in einem freien Deutschland was anderes wählen.
Vielleicht sagen sie aber auch, war am Ende gar nicht so schlecht. War eine schwierige Bedingung, sie hatten nochmal eine schwierige Phase. Aber am Ende war es gar nicht so schlecht. Und jeder weiß ja, dass die Bäume nicht in den Himmel wachsen. Sie beschreiben das gerade so cool. Aber kann man da so cool mit umgehen? Sind sie da wirklich so cool?
Ich beschreibe es jetzt so, wie ich das wirklich empfinde, ehrlich gesagt. Ich meine, es hilft ja auch gar nichts, jetzt hier irgendwie in Hektik, in Panik oder in Verzweiflung oder sonst was zu verfallen, sondern ich glaube, wir müssen einfach... Weiß ich, unser Ding machen. Also wir haben uns was vorgenommen, wir haben im Koalitionsvertrag was abgemacht.
Das kann man an der einen oder anderen Stelle korrigieren. Aber im Grundsatz ist das vereinbart und im Grundsatz haben wir auch uns schwierige Sachen vorgenommen, wie jetzt beispielsweise die Rentenreform. Wir haben eine Kommission eingesetzt, die hat schwierige Vorschläge gemacht, aber im Grunde haben alle hinterher gesagt, okay, das machen wir jetzt im Großen und Ganzen so. Und jetzt weicht man ab in Teilen, das ist das Problem.
Ja, man kann das in kleinen Punkten korrigieren, aber man kann keine zentralen Elemente dort herauslösen. Das finde ich geht nicht. Da muss man jetzt Standfestigkeit haben. Und wenn wir die zeigen, dann glaube ich, wird man auch sehen, dass wir dieses Land wieder in Schwung bringen, ins Laufen bringen.
Und dass wir wieder auch wieder mal das Gute sehen. Die Zukunft ist ja nicht irgendetwas, was gegeben ist und wo wir nur wie Zuschauer vor dem Fernseher sitzen, dass es auf uns zukommt. Nein, wir sind in der glücklichen Lage, dass wir die Zukunft gestalten können. Und ich finde, da gibt es jede Menge Möglichkeiten für ein so tolles und diverses Land wie Deutschland.
Viele wären glücklich, in Deutschland leben zu können. Und ich finde, wir sollten gemeinsam den Mut haben und die Zuversicht haben, das zu gestalten. Herr Weidefuhl, so wie Sie reden, da sehen wir Sie gleich noch in einer anderen Rolle. Ich darf Sie als Diplomaten-Influencer bezeichnen. Sie haben auf Instagram mehr als 360.000 Follower. Das ist schon ziemlich viel. Dazu kommen wir auch gleich.
Weil offensichtlich haben Sie die Gabe, kurz und klar auf Social Media zu kommunizieren. Deswegen dachte ich, wir können eine kurze Schnellfragerunde machen. Das geht relativ zügig. Dass die G7-Länder bis zu 15,9 Mrd. Liter Diesel- und Rohölreserven freigeben. War in der aktuellen Situation eine richtige Reaktion, um die Märkte zu beruhigen?
Dass durch die Straße von Hormuz wieder mehr Öl gelangt? Ist eine erste gute Entwicklung, aber wir brauchen eine Beilegung dieses Konfliktes. Für mich als Norddeutschen passen Strandkorb und Kanzleramt? Nicht so richtig zusammen, weil ich super gerne im Strandkorb bin, aber der gehört an den Strand. Friedrich Merz kann von Jürgen Klopp lernen?
Ja, ich glaube. Jürgen Klopp ist ein toller, inspirierender Geist. Und Teamgeist kann er so vermitteln, wie ich mir das auch für mich selber wünschen würde. Die letzte Frage oder Satzergänzung. Die linke Elif Erdalp wäre für Berlin als Bürgermeisterin? Mit Sicherheit die falsche Entscheidung, da sie nicht das Ganze der Stadt Berlin sieht und gerade im Bereich des Antisemitismus leider in ihrer Partei Unklarheiten zugelassen hat.
Da würde ich tatsächlich gerne kurz anschließen. Da gibt es ja wirklich viel Kritik, gerade an den Berliner Linken. Sie haben ja gerade Charlotte Knoblauch vergangenen Monat besucht, die 93-jährige Holocaust-Überlebende hat Veranstaltungen wegen einer Morddrohung absagen müssen. Da fragen wir uns eigentlich alle oder ich frage mich, was haben wir da als Gesellschaft nicht verstanden, wenn das passiert?
Ja, in der Tat. Das hat Elemente eines kollektiven Versagens, dass in Deutschland, gerade Jüdinnen und Juden wieder einen derartigen Schutz benötigen, dass sie hier in Berlin mit einer Kippa, mit dieser Kopfbedeckung, sich wirklich nicht richtig gut in allen Stadtteilen und in allen öffentlichen Verkehrsmitteln bewegen können.
Das ist schon wirklich mehr als besorgniserregend. Das ist eine katastrophale Fehlentwicklung und ich hätte mir insgesamt gewünscht, dass die. Dass die Parteien hier klarer sind, dass wir aus dem nie wieder wirklich einen klareren Imperativ machen. Wissen Sie, ich teile mit der Linkspartei viele Grundüberzeugungen, was Gesellschaftspolitik, was Wirtschaftspolitik angeht. Überhaupt nicht.
Ich habe mich trotzdem mit manchen Linken auch immer wieder gut unterhalten und auf Sachen verständigen können. Aber wenn ich erlebe, dass eben Menschen wie der frühere Sozialsenator Lederer hier ausgetreten sind, weil sie den Antisemitismus dieser Partei nicht mehr ausgehalten haben, dann ist das ein Alarmzeichen.
Und dass jetzt diese Partei hier Regierungsverantwortung in der Hauptstadt bekommen könnte, das darf nicht geschehen in Berlin. Wie schwer ist es manchmal auch in so einer Gemengelage sagen zu können, auch als Außenminister, ich muss aber auch die israelische Regierung womöglich kritisieren können? Das wird ja häufig vermischt. Ja, das wird leider vermischt, aber ich finde, das gehört selbstverständlich dazu. Das mache ich auch, das müssen wir auch machen, weil ich lange nicht mit allem einverstanden bin, was die israelische Regierung macht.
Aber wir müssen davon eben trennen, dass wir nicht jede Jüdin und jeden Juden für die Regierung verantwortlich machen. Ich will ja auch nicht jeder Deutsche für seine Regierung verantwortlich gemacht werden. Das ist ja vollkommen klar, das ist ja überall auf der Welt so. Und erst recht darf das ja nicht in eine persönliche Gefährdung ausarten, was ja mittlerweile schrecklicherweise in Deutschland und auch an anderen Plätzen wieder der Fall ist. Und Sie haben Gaza als eine Hölle auf Erden genannt.
Und da fragt sich, wer hat die Verantwortung für diese Hölle? Viele, fängt ehrlich gesagt aber natürlich bei Extremisten auf der palästinensischen Seite an, wie Hamas, die bis heute die Waffen nicht abgelegt haben, die bis heute verantwortlich sind für den 7. Oktober. Diese Sendung findet ja fast am 7. Oktober statt.
Und der 20-Punkte-Plan von Präsident Trump, der überraschend zustande kam und auch manche Elemente enthält, auf die ich nicht gekommen wäre, aber der sagt ja immerhin, eine Voraussetzung ist, dass Hamas entwaffnet wird und nicht eine einzige Waffe ist bis heute abgegeben worden, im Gegensatz, sie werden wieder bewaffnet.
Also die sind auch dafür verantwortlich. Wir haben manche Form der Kriegsführung der Israelis auch kritisiert, das hat der Bundeskanzler im vergangenen Sommer sehr klar formuliert, Und wir haben und kritisieren noch heute, dass zu wenig humanitäre Güter in den Gazastreifen hineinkommen. Das ist Gegenstand ständiger Gespräche. Wir versuchen jetzt Beiträge dazu zu leisten, dass das mehr wird. Es muss auch mehr werden.
Aber nochmal, all diese Kritik an der israelischen Regierung darf nicht dazu führen, dass wir hier Antisemitismus in Deutschland wiederzulassen. Auch wenn das ein harter Cut ist. Ich habe eben angedeutet, dass Sie mit vielen Followern auf Instagram unterwegs sind und dort aber eben auch diese Dinge versuchen in Teilen zu erklären, weil man eben versucht, einen anderen Kanal zu finden, sage ich mal.
Ich will den Zuschauerinnen und Zuschauern mal einmal zeigen, wie Herr Wadefuhl auf Insta unterwegs ist. Er bringt gerne Schärfe rein. Ola aus Mexiko City. La Salsas, Yano Pican. Ja, jetzt wollen wir das mal testen. Bleibt also dran, wenn ihr wissen wollt, wie ich auf die Schärfste reagiere. Johann Wadephul ist mit 63 Jahren auf neuem Terrain unterwegs. Erst etwas trocken.
Moin, ich bin Johann Wadephul, der neue Außenminister der Bundesrepublik Deutschland. Doch dann nehmen seine Social-Media-Kanäle raketenmäßig Fahrt auf. Willkommen im Auswärtigen Amt. Rock your body right. Guten Morgen, Sportfreunde. Raus aus den Betten und hinein in die Bewegung. Auf dieser 1-Euro-Mütze, da fehlen ein Talender. Das wollen wir ändern. German Air, Force, cleared for takeoff. So, werden wir los. Ich komme jetzt gerade aus Deutschland.
Der Ukraine. Pfefferkeien. Warschau. Sogar eine Pressekonferenz stellt Wadefuhl nach und lässt sich feiern. Das ist auch auf YouTube. Keine Journalistin sagen, so geht es normalerweise nicht zu. Ist das so der wahre Johann Wadephul, den wir da sehen? Oder ist da so ein Schauspieler an ihm vorbeigegangen? Nee, also hat mir verloren gegangen. Hat er verloren gegangen, ja. Weiß ich nicht.
Ich bin auch sonst jemand, der durchaus fröhlich ist und gerne ungezwungen ist. Nein, also meine Bedingung an das Team war, lasst mich bitte so bleiben, wie ich bin. Aber sie lassen mich eben auch manchmal wirklich so sein, wie ich bin und das ist schön, das bringt Spaß und, vielleicht ist es deswegen eine Sache, die man so macht, dass Menschen das gut finden, dass sie es gerne schauen und ich finde jetzt wirklich.
Auch weil ich natürlich weit entfernt davon bin, noch ein Jungpolitiker zu sein, was wirklich ein schönes Erleben für mich ist, dass es regelmäßig im In- und Ausland so ist, dass junge Menschen mich als erstes erkennen. Und das liegt an diesem, ja, wenn ich auch privat, aus der Kathedrale in Mailand herauskomme, weil ich mir auch gerne mal Kirchen anschaue, dann kommen mit einmal eine Schar junger Menschen auf mich zu und sagen, hey. Sie sind doch der Influencer aus Insta.
Nein, die wissen schon, welches Amt ich habe und wollen dann ein Foto mit mir. Und das ist dann auch okay, obwohl ich natürlich im Urlaub auch gerne mal ein bisschen alleine bin oder nicht automatisch wieder Politik machen möchte. Aber es zeigt eben, wir erreichen junge Menschen. Und das ist natürlich schon auch wirklich eine Aufgabe.
Ist das schön, mal undiplomatisch sein zu können? Ja, also natürlich, wissen Sie, die Geschichten auch mit dem Essen, mit dem scharfen Essen da aus Mexiko zeigen ja halt, also erstens esse ich wirklich gerne. Zweitens probiere ich auch gerne mal unterschiedliche Essen aus. Aber der Hauptzweck dieser Geschichte ist auch, dass man das ja wirklich auch bei einer Reise macht.
Ja, also wenn Sie in ein anderes Land reisen, wo Sie noch nicht waren, dann probieren Sie doch das, was die Menschen dort essen. Herr Suda macht das auch in Deutschland immer unabhängig davon. Ja, also ich mache sie fast auf Reisen und es zeigt eben halt, dass mich das Land auch interessiert. Es interessiert mich ja auch.
Ich hätte ja, ich musste ja nicht Außenminister werden. Ich konnte mir ja die Außenpolitik ausführen. Mich interessieren andere Länder. Mich interessiert, wie ein Land tickt. Und das spüren Sie ja nicht nur im Gespräch mit den jeweiligen Außenministerkollegen, sondern da müssen Sie schon mal ein bisschen tiefer reinkommen.
Und die Zeit habe ich nicht immer, aber das Essen ist ein Zugang. Und die Reaktionen darauf sind auch immer so, dass die Leute es gut finden. Sie haben gerade die jungen Leute angesprochen. Eine ihrer Töchter ist auch politisch aktiv. Guckt die sich da was bei Ihnen ab oder können sie sich bei ihr noch was abgucken?
Ich gucke mir, glaube ich, mittlerweile mindestens so viel bei ihr ab, wie sie sich bei mir. Haben Sie eigentlich den Eindruck, dass Frauen anders bewertet werden im Netz? Mir fiel das auf, als ich mir den Kanal anschaute und musste an Annalena Baerbock denken, die viel Häme teilweise abgekriegt hat.
Die hat auch noch in ihrer Position, als sie bei der UN war, ein Foto gepostet oder ein Video, wie sie ein Taxi anhält. Das erinnerte irgendwie an eine Serie. Und da waren Kommentare drunter, die will man nicht lesen. Haben Sie den Eindruck, da wird mit zweierlei Maß gemessen? Ich fürchte schon, dass das mit zweierlei Maß manchmal gemessen wird. Das finde ich auch nicht immer fair.
Du bist ja aber auch eine ganz andere Type als ich. Also vielleicht geht es ja auch an manche Sachen anders ran. Sie. Mag ja auch mehr an der einen oder anderen Stelle die Zuspitzung. Was ja auch gut ist, wegen der Erkennbarkeit. Und man tickt ja auch. Wir sind auch unterschiedliche Politiktypen. Und was nachher besser ist, weiß ich auch nicht. Aber jeder muss ja so sein, wie er ist. Und ich finde, sie ist sehr authentisch.
Oder dann triggert sie mehr sozusagen, würde man Neudeutsch sagen. Ja, das kann sein. Das würde man wahrscheinlich heutzutage so sagen. Aber das ist ja auch nicht schlecht, damit die Leute auch Unterschiede erkennen und sagen, da bin ich sehr dafür und das ist eine Sache, die mich sehr anspricht. Andere reagieren dann negativer. Das ist auch Teil der Geschichte dann.
Herr Wadephul, die letzte Frage, die auch irgendwie passt. Was würden Sie sich als Social-Media-Post für Ende dieses Jahres wünschen, als positive Nachricht, die Sie posten könnten? Wir versetzen uns Ende Dezember 2026. Was wäre der Satz, den Sie sagen? Naja, realistischerweise Waffenstillstand in Deutschland.
Ist mir fast egal wo, wir haben zu viele Kriege. Ich nehme ihn gerne in der Ukraine. Waffenstillstand an der Straße von Hamus. Waffenstillstand in Sudan. Jedes einzelne wäre eine tolle Nachricht. Dann hoffen wir darauf. Danke für Ihren Besuch hier im Studio. Mal sehen, was Sie hier aus der Sendung posten.
Ich werde es nachgucken. Vielen Dank auch für Sie ans Zuschauen. Nächste Woche sehen Sie hier an dieser Stelle Blume und Pfeffer. Wir sind danach die Woche wieder für Sie da. Haben Sie noch einen schönen Abend. Tschüss.