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Shownotes
In dieser Deep Dive Folge geht es um die Sprache von Reality TV. Begriffe, Phrasen und Sprüche, die in den Formaten entstehen – und langsam oder rasend schnell ihren Weg in unseren Alltag finden. „Vercoupeln", „safen", „Full Circle Moment", „Heimat deine Sterne", „Mein Fuß klemmt". Wörter, die vor zehn Jahren niemand gesagt hätte. Heute fallen sie ganz beiläufig.
Teil 1 sortiert: Was wird in den Formaten eigentlich gesprochen, und welche Funktion hat diese Sprache? Vier Kategorien, eine Sub-Beobachtung zu Tiervergleichen – und die Frage, warum 46 % von euch sagen, sie nutzen Reality-Sprache „nur ironisch".
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Titelmusik: yourtunes über Pond5 / Titelmusik DeepDive: INPLUSMUSIC über pixabay
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Hi, ich bin Pia und das ist der Reality TV Check deep Dive folge Nummer 11 heute geht es ums Thema Sprache, genauer gesagt um die Sprache von Reality TV. Denn klar, das hier ist ja auch der Reality TV Check, also Begriffe, Phrasen, Sprüche die in den Formaten entstehen und die so langsam oder manchmal auch ziemlich schnell ihren Weg in unseren Alltag finden.
Verkappeln Safen Full Circle Moment. Ich kann mir vorstellen, du hast dich beim hören dieser 3 Begriffe mindestens einmal ertappt gefühlt oder hast du gedacht hä was und genau da setzen wir heute an. Diese Folge wird auch heute wieder eine zweiteilige, also heute gibt es den ersten Teil, nächste Woche dann den zweiten, genauso wie bei den Dating folgen in Teil 1 sortier ich erstmal. Wir gucken uns an, was eigentlich gesprochen wird, also in den Formaten selbst, welche Arten von Sprache da entstehen und was die jeweils tun.
Und nächste Woche in Teil 2 ziehen wir den Bogen nach außen. Was wandert in unseren Alltag, wer übernimmt was und was macht das eigentlich mit uns, bevor wir reingehen, noch eine kurze bitte, wenn dir beim hören noch Sätze, Begriffe oder Sprüche einfallen, die hier definitiv mit rein müssen, schreib sie mir, die Sammlung ist nicht abgeschlossen und alles was reinkommt kann es noch in Teil 2 schaffen.
Dafür kannst du hier, wo du hörst, einfach die Kommentarfunktion nutzen oder mir eine Nachricht oder einen Kommentar auf Instagram hinterlassen. Dort findest du den Podcast unter at Reality TV Check über follows Likes und weitere nette Worte freue ich mich natürlich genauso und jetzt tauchen wir ein.
Reality TV produziert nicht nur Bilder, Beziehungen und Skandale, es produziert auch ein eigenes Vokabular. Wörter, die es vor den Formaten gar nicht gab oder die durch ein Format eine ganz neue Bedeutung kriegen. Phrasen, die so oft fallen, dass sie irgendwann wie selbstverständlich klingen, obwohl da meistens eine ziemlich spezifische Logik mitschwingt. Sätze, die sich von der Person, die sie gesagt hat, längst gelöst haben und irgendwie n Eigenleben führen und vielleicht auch einfach Formulierungen, die auf den ersten Blick komplett sinnlos wirken, aber in unseren kollektiven Sprachgebrauch übergegangen sind.
Und dadurch jetzt irgendwie Sinn ergeben und vielleicht auch einfach richtig kultig geworden sind. Heute schaue ich mir also dieses Vokabular an, was Formate, Ansprache hervorbringen sagt, nämlich auch was darüber, was sie an Verhalten produzieren, schauen wir uns erst mal an, warum ich diese Folge eigentlich mache, denn bevor ich angefangen habe, daran zu arbeiten, hatte ich erst mal nur eine vage Beobachtung, bestimmte Begriffe aus Reality Formaten tauchen plötzlich überall auf. In Gesprächen mit Freundinnen, in Sprachnachrichten, in Captions auf Instagram oder in Moderationen ganz anderer Formate, die mit Reality vermeintlich eigentlich gar nichts zu tun haben.
Verkappeln Safen Full Circle Moment, Wir hatten es ja eben schon Wörter, die vor 10 Jahren niemand gesagt hätte, und heute fallen sie ganz beiläufig. Also habe ich euch gefragt, ich habe 3 Umfragen auf Instagram gemacht und die Antworten waren deutlicher, als ich gedacht hätte. Frage Nummer 1 verändert sich Sprache in Reality Shows überhaupt? Da war das Bild eindeutig die Mehrheit der Community sagt ja total.
Die zweite Frage verändert Reality TV auch Sprache außerhalb der Formate, auch hier ein klares Ja mit einer kleinen Gruppe, die sagt, da habe ich noch nie drauf geachtet, das zeigt also auch wie selbstverständlich das irgendwie ist. Und dann die dritte Frage. Und die ist irgendwie die spannendste.
Benutzt du Selbstsprache aus Reality TV im Alltag, da war erwischt eine Antwort, die mehr als ein Drittel ankreuzt, würde ich niemals tun, eine kleine Minderheit, wahrscheinlich auch mit einem Augenzwinkern und die größte Gruppe mit fast der Hälfte aller Stimmen wählt, manchmal aber nur ironisch und genau diese Antwort ist ziemlich ausschlaggebend, weil nur ironisch eben nicht heißt, benutze ich nicht.
Es heißt, benutze ich aber mit Anführungszeichen drumherum. Und jetzt stellt sich die Frage, wie sichtbar sind denn diese Anführungszeichen überhaupt, wieviel von der Ironie kommt eigentlich beim Gegenüber an, wenn du im Alltag verkappeln sagst? Und was ist mit dir selbst? Merkst du noch, dass du gerade ein Reality Wort benutzt oder ist das längst durchgerutscht? Das ist die These, die beide Teile dieser Folge durchzieht. Reality Sprache landet bei uns nicht trotz Ironie, sondern eben über Ironie.
Wer ein Wort ironisch benutzt, hält es im Sprachgebrauch. Irgendwann fällt die Ironie weg, das Wort, die Formulierung oder die Phrase bleibt aber bevor wir uns angucken, was alles nach außen wandert, müssen wir erstmal hingucken, was drinnen überhaupt produziert wird, und das sind nicht einfach nur lustige Zitate. Das sind 4 ziemlich unterschiedliche Sorten von Sprache, die alle etwas anderes machen. Wenn ich von Reality Sprache rede, meine ich natürlich nicht jeden Spruch, der mal in einer Show gefallen ist. Dann würden Jahre Deep Dive allein zu dem Thema sehr wahrscheinlich nicht reichen, es geht nicht um Versprecher, nicht um Dialekte, nicht um den schlechten Witz, den jemand zwischendurch an irgendeiner
Stelle mal gemacht hat, es geht um Sprache, die aus dem Aufbau des Formats heraus entsteht, das ist der Unterschied. Ein Beispiel, nehmen wir noch mal verkappeln. Das gibt es nur, weil Reality Formate Couples produzieren müssen, um zu funktionieren. Also Paare by I you the One oder Bachelor in Paradise, aber eben auch bei Love Island, dem Format, aus dem der Begriff stammt.
Überall geht es darum, Paare zu bilden, zu halten, zu trennen, neu zu mischen, das Verb gibt es nur, weil es das Format gibt, nicht weil es eine Lücke im Alltagsdeutsch zu füllen gäbe, Sendezeit ist ein anderes Beispiel. Eigentlich ein ziemlich nüchterner Begriff aus der Fernsehproduktion in Reality Formaten wird er zur Währung.
Wer Sendezeit kriegt, ist relevant, wer keine kriegt, fliegt früher oder später heraus, Teilnehmer innen sprechen mittlerweile selbst darüber, manche völlig offen, das ist erstaunlich, weil sie damit zugeben, dass sie die Realität, die sie eigentlich darstellen sollen, längst als Produktion verstehen, aber Sendezeit hat noch eine zweite Schicht, und das ist die spannendere.
Valentina Doroninas Sendezeit aus dem Sommerhaus ein Ausruf, der als Vorwurf funktioniert. Du wirfst jemandem nicht mehr vor, dass sie was Falsches gesagt oder getan hat, du wirfst ihr vor, dass sie das nur tut, um Sendezeit zu kriegen, das ist ein Totschlagargument, damit kannst du jedes Verhalten entwerten, ohne es widerlegen zu müssen.
Reality Sprache ist also Sprache, die nur Sinn ergibt, wenn man weiß, wie das Format dahinter aufgebaut ist. Und genau deshalb ist sie so interessant. Wer sie übernimmt, übernimmt immer auch ein Stück von der Funktionsweise mit. Aus dem ganzen Material, dass ich zusammengetragen habe, plus euren Antworten aus der Fragenbox. Ihr habt mir wirklich schöne Sammlungen geschickt, haben sich 4 Kategorien herauskristallisiert und die schauen wir uns jetzt der Reihe nach an. Die erste Kategorie Spiellogik Vokabular, das ist die strategische Wörter, die nur funktionieren, weil das Format eine bestimmte Spielanordnung hat. Verkappeln fiel ja eben schon, und das ist hier einfach das Paradebeispiel in den Antworten
aus der Community kam das fast reflexartig, genauso wie safen man Saft jemanden, das heißt, man sichert strategisch eine Person, meistens vor einer Entscheidung oder einer Eliminationsrunde manchmal wird Safen in der Show auch als nette Geste verkauft, ich nehme nicht noch mit, aber unterm Strich bleibt es meistens ein strategischer Move.
Beides sind nicht nur sprachlich ziemlich falsche Verben, sondern auch Verben, die Beziehungen als taktischen Vorgang behandeln. Du suchst dir nicht jemanden aus, weil du die Person magst, du savest sie, weil du in der nächsten Runde selber noch dabei sein willst. Im englischen Original heißt das Verkappeln übrigens Coupling, oder bei der Neuverkapplung Recoupling, also beides eher technische, fast bürokratische Begriffe, die Eindeutung Verkappeln macht daraus etwas anderes, das. Das ver davor zieht das Wort in eine Reihe mit verloben, verheiraten, verkuppeln.
Also werten, die etwas mit jemandem machen. Beziehung als Vorgang, der jemandem zugefügt wird das Verb entsteht aus dieser Spielanordnung, also nicht aus dem Alltag, Kappel sei Tag 1 ist die nächste Stufe, da wird die Beziehung mit Datum versehen, fast wie eine Dienstzeit, der Satz funktioniert nur in einem Format, wo die Tage gezählt werden, weil sie strukturiert sind.
Im Alltag würdest du das nicht sagen, denn in welchem Setting gibt es schon einen allgemeinen Tag 1, aber innerhalb einer Show ist es eine Auszeichnung. Es bedeutet, wir gehören zusammen und zwar konstant das ganze Format hindurch. Wir haben das durchgehalten, also zählt unsere Verbindung bei Love Island, wo es ja darum geht, dass vermeintlich echte Verbindungen am Ende den Sieg ausmachen, ist das essentiell.
Wer ein kappelseit Tag 1 ist, behauptet damit eigentlich unsere Verbindung ist die Richtige, die wahre seine Zeit hab ich ja eben schon kurz angerissen, das gehört auch in diese Kategorie, weil es ein klares Spielelement ist. Nicht das Beziehungsspiel, sondern das Aufmerksamkeitsspiel, was diese Begriffe gemeinsam haben, wer sie benutzt, übernimmt eine bestimmte Sicht auf Beziehungen, Beziehungen werden zu Zügen, andere Menschen werden zu Optionen, das ist die Logik, die damit schwingt.
Und genau deshalb ist es so spannend, wenn diese Wörter den Sprung nach draußen schaffen. Ob im Freundeskreis, in Chats, in Dating Geschichten, die mit Reality TV eigentlich gar nichts zu tun haben. Die zweite Kategorie, das Storytelling Vokabular, ist die Selbstkommentierende hier reden Teilnehmerinnen nicht mehr nur, sie beschreiben sich gleichzeitig selbst mit dem Vokabular, das eigentlich aus der Produktion stammt. Reality Formate haben Storylines. Die Redaktion entscheidet, wer der Bösewicht ist, wer die naive Heldin, wer einfach lustig ist.
Die Storylines sind das Rohmaterial der Inszenierung. Was passiert, Teilnehmerinnen übernehmen das Vokabular dieser Storylines und beschreiben sich selbst. Damit der Full Circle Moment, das ist ein Beispiel aus Staffel 5 von Love Island und dem Poeten Adriano und seitdem gefühlt omnipräsent, das ist das beste Beispiel für solche Begriffe.
Eigentlich ein erzählerisches Konzept, also ein Bogen, der sich schließt, wenn jemand am Ende einer Show da landet, wo sie angefangen hat. Oder wenn ein Konflikt sich auflöst, der in der 1. Folge angelegt wurde, aber in Reality Formaten sagen die Teilnehmerinnen das selbst zu, völlig random Zeitpunkten. Auch sie sehen Ihren eigenen Bogen, sie kommentieren Ihre eigene Geschichte, als wären sie nicht Teil davon, sondern selbst Zuschauerinnen ein weiterer Klassiker. Die Masken fallen, das ist ähnlich ein narratives Bild. Jemand zeigt sein wahres Gesicht. In den Formaten wird es selten von außen beobachtet, es wird angekündigt, jetzt fallen die Masken, was eigentlich nur ein Erzähler oder eine Erzählerin
sagen sollte, sagen die Beteiligten selbst. Und das haben wir schon oft im Reality TV Check beobachtet, dass es meistens vereinzelte Kandidatinnen gibt, die die Rolle des Erzählers oder der Erzählerin im Laufe der Staffel übernehmen. Jetzt fallen die Masken, ist ein Vorwurf, der verlässlich in jedem Format fällt, manchmal fallen auch die Facetten, das ist vom Sinn her glaube ich einfach das gleiche. Signature Move haben einige von euch in die Fragebox geschickt, auch das ist ein Beispiel aus der Kategorie. Kandidatinnen beschreiben sich nicht mehr als Mensch, der manchmal das eine, manchmal das andere tut. Sie haben eine Marke, ein wiedererkennungsmerkmal, Move, das Spannende an dieser
Kategorie, die Teilnehmerinnen reden über sich, als wären sie längst Figuren, sie haben das Vokabular der Produktion gelernt und nutzen es, um sich selbst zu rahmen, das ist die Sprache von Menschen, die wissen, dass sie zugleich gespielt und beobachtet werden, Kategorie Nummer 3, entlastungs und Beziehungsrhetorik hier wird es konfliktreich.
Diese Sorte von Sprache hat eine ganz spezifische Funktion. Sie verschiebt Verantwortung, Sie macht aus aktivem Handeln passives Geschehen und sie verlagert Streit von der Sache auf die Beziehung. Ein Kuss ist gefallen, das ist natürlich mein Lieblingsbeispiel, weil es so absurd ist, wenn man nur kurz darüber nachdenkt, ein Kuss fällt nicht, 2 Menschen entscheiden sich aktiv, sich zu küssen, bestenfalls hoffentlich, das muss noch mal dazu gesagt werden, küssen bitte nur mit Konsens und.
Aber in der Sprache der Formate ist es ein Naturereignis. Wer auch immer geküsst hat, passiert ist es einfach, niemand kann was dafür, wir kennen das sonst eher in einem ganz anderen Kontext, ein Schussfeld, eine Bombefeld, das ist martialische Sprache, ursprünglich aus dem Krieg, und ausgerechnet diese Sprache wird in Reality Formaten für etwas verwendet, das eigentlich ein schöner, ein zärtlicher Moment sein sollte, der Kuss als Detonation. Als wäre Liebe etwas, das einschlägt und Trümmer hinterlässt.
Das ist übrigens eine der ältesten Reality Formulierungen überhaupt. Die fällt seit Anbeginn der deutschen Reality Geschichte verlässlich in eigentlich jeder Folge noch ein Favorite. Wo ist die Fairness geblieben? Elena Miras im Sommerhaus neulich beim Kdas hat sie sich damit auch selbst zitiert, was dahinter steckt, ist eigentlich derselbe Mechanismus. Nicht die Produktion oder das Spiel war unfair zu mir, sondern die Fairness ist verschwunden, als wäre Fairness ein Objekt, das jemand verloren hat.
Und jetzt suchen wir sie alle gemeinsam. Aus der Community kam dazu auch bodenlos ein Bewertungswort, das Empörung ausdrückt, ohne dass zwangsläufig jemand benannt werden muss. Klar sind teilweise auch Menschen einfach bodenlos oder handeln bodenlos, aber Dinge und Situationen werden als bodenlos bezeichnet, die Tat schwebt frei. Mittlerweile ist irgendwie alles bodenlos und die nächste Steigerung ist gottlos.
Da kommen wir an einer interessanten Beobachtung gar nicht vorbei. Religiöse Sprache hat im Reality TV einen erstaunlich festen Platz, einige Kandidatinnen und das sehen wir in der letzten Zeit wieder verhäuft definieren sich offen über ihren Glauben, beten, vorspielen, danken Gott, wenn sie weiterkommen und parallel dazu wandert christliches Vokabular in die Bewertungssprache etwas ist gottlos. Jemand betet darum, manche sehen sich als Schöpferinnen. Das ist eine eigene Schicht, die unter der konfliktreichen Sprache mitläuft.
Nonpolities Entschuldigungen, die keine sind. Es tut mir leid, wenn du dich verletzt gefühlt hast. Das ist ein Klassiker, nicht nur im Reality, denn die Formulierung, die begegnet mir auch tatsächlich ständig außerhalb von Reality TV deshalb. Müssen wir da ein bisschen genauer reingehen, weil es mich auch jedes Mal einfach so wütend macht?
Denn was passiert eigentlich in diesem Satz? Es tut mir leid, das ist schön, das klingt nach Verantwortung, aber dann kommt das entscheidende Wort, nämlich wenn und genau an dieser Stelle kippt der ganze Satz, wenn dir jemand sagt, dass sie durch dein Verhalten verletzt wurde, ist es eine Aussage, es ist passiert, sie ist verletzt, wenn du jetzt darauf antwortest. Es tut mir leid, wenn du dich verletzt gefühlt hast, stellst du genau diese Aussage in Frage.
Du sagst implizit, vielleicht hast du dich ja gar nicht verletzt gefühlt, vielleicht habe ich dich ja auch gar nicht verletzt, vielleicht ist deine Reaktion auch einfach übertrieben, vielleicht bildest du dir was ein, das wenn macht aus einem Gefühl das Real ist, eine Möglichkeit die noch zu prüfen wäre vielleicht. Und damit ist das Gefühl der anderen Person plötzlich nicht mehr Tatsache, sondern Verhandlungssache. Und die zweite Variante von Ontologies die ist noch ein bisschen perfider.
Es tut mir leid, dass du das so empfunden hast. Auch hier wird das Gefühl in Frage gestellt, aber zusätzlich noch die Wahrnehmung. Du hast nicht erlebt, was passiert ist. Du hast es so empfunden, das Macht das eigene Handeln vollständig unsichtbar, vergleicht es mal mit, es tut mir leid, dass ich dich verletzt habe, das ist ein vollkommen anderer Satz.
Hier ist die Verletzung gesetzt, es gibt sie, sie ist passiert. Ich habe sie verursacht und es tut mir leid, das ist Verantwortungsübernahme. Nonpologies hingegen behalten die Tür offen, dass das Problem eigentlich woanders liegt, bei dir, bei deinem Empfinden mit deiner Reaktion. Die andere Person wird mit der Verantwortung dafür allein gelassen, aus der sich der oder die Sprecherin gerade Herausgeschoben hat. Und Reality TV ist dafür ein riesiger Resonanzraum, weil in fast jeder Versöhnungsszene genau diese Konstruktion fällt und weil wir so oft hören, klingt es irgendwann normal und super, viele Leute in diesen Shows und in diesen Kontexten nehmen diese Entschuldigungen auch einfach als solche an, und dann sind da noch die direkten
verbalen Geschosse, die mir in der Fragenbox zugeschickt wurden. Du bist eine Ratte oder du bist eine Schlange oder Schwamm drüber in der Steinvariante von Domenico de Chico. Der ist längst verschwunden, aus Gründen, aber der Spruch, der bleibt irgendwie Stein drauf, funktioniert in 2 Richtungen einmal versöhnlich im Sinne von lass uns das hinter uns lassen, einmal als Schließung im Sinne von die Diskussion ist für mich beendet die zweite Variante ist die häufigere im Reality Kontext wer Stein drauf sagt will oft keine Auseinandersetzung mehr. Es ist ein sprachliches schließen, was diese Kategorie zusammenhält.
Niemand handelt, Dinge passieren, Beziehungen sind plötzlich das Thema, nicht das tun, das ist Sprache, die Konflikte nicht löst, sondern verschiebt. Die vierte Kategorie ist ne eigene Welt, das sind Sätze, die sich von ihren Sprecherinnen gelöst haben, dein drauf gehört hier eigentlich auch rein, fällt aber besser in die dritte Kategorie, weil es dort eine Funktion hat, hier geht es mehr um Sätze die als Zitate weiterwandern.
Manche kennen den Ursprung gar nicht mehr, andere werden erst durch ihre absurde Form zu Memes. Fick dich, ich bin Krebs Sommerhaus Klassiker Lisha und Lou, das liegt irgendwo zwischen Sternzeichen Auseinandersetzung in einer Pardynamik und Eskalation der Satz funktioniert, weil er so unsinnig ist, dass er eine eigene Logik aufmacht, das Wissen über das Sternzeichen als Verteidigungslinie es fiel bereits an meiner prominente Trendfolge gemeinsam mit Franzi Heimat deine Sterne der Schäfer Heinrich am Stand. Das ist eigentlich ein Liedzitat, wie ich jetzt erfahren habe in der Show.
Aber so dramatisch von Heinrich eingesetzt, dass es zur Personenmarke wird. Inhaltlich ist es irgendwie kaum greifbar, aber ich zumindest weiß, woher es kommt, also woher es in dem Format kommt und wie ich auch zu Franzi schon gesagt habe, wahrscheinlich hat es irgendwie auch eine fragwürdige Herkunft. Ein weiterer Klassiker ist mein Fuß klemmt. Maurice Gievac auch im Sommerhaus aus einer akuten Notlage entstanden, längst zum Kultsatz geworden. Es bedeutet Drama, Eskalation, übertriebene Inszenierung und alle, die es gesehen haben, hören sofort die Stimme dazu. Maurice ist überhaupt eigentlich eine ganz eigene Beobachtung wert, weil er ein paar Monate später im Dschungel direkt das nächste Kultzitat geliefert hat,
das berühmte Liley. 3 Minuten am Stück hat er bei der Dschungelprüfung mit Lilly Becker geschrien. Immer nur ihren Namen. Ich kann den Namen Lilly seitdem kaum hören, ohne dass das in meinem Kopf abgespielt wird. Das interessante daran, dieselbe Person produziert in 2 verschiedenen Momenten 2 verschiedene Memes und seitdem kann man sich eigentlich darauf verlassen, dass Maurice das im nächsten Format und im nächsten Format immer und immer wieder tun wird. Manche Reality Teilnehmerinnen sind anscheinend einfach Resonanzkörper für solche Zitate. Maurice ist definitiv einer davon. Yoshi, Josh Rede Lautmalerei, die nur lebt, wenn man sie hört, schriftlich verliert das Wort fast alles, aber wenn man das von Yoshi Josh gesprochen im
Kopf hört und mit der Gedehnten Vokalenergie ist es sofort als Zitat erkennbar. Jetzt noch jemand der aus sehr guten Gründen in der Versenkung gelandet ist. Bon schlonzo du erinnerst dich vielleicht Henrik Stoltenberg. Bonschlonso ist ne Wortneuschöpfung, die nichts heißt, aber von ihm so oft wiederholt wurde und zu seinem Signature Satz gemacht wurde, dass sie sich ziemlich verbreitet hat. Das war zu Henriks Reality Zeit irgendwie kultig, also genau das, was er wahrscheinlich erreichen wollte. Mittlerweile ist es aber wie er selbst hoffentlich in Vergessenheit geraten, im Gegensatz zu Good Morning in The Morning, das ist irgendwie peinlich, aber genau deshalb zitierfähig und es fällt
überall. Als ich mal einen neuen Job angefangen habe, wurde ich morgens so von einer Kollegin begrüßt. Als ich sie dann auf den Wendler ansprach, wusste sie nichts von der Verbindung und das ist ein perfektes Beispiel für losgelöste Zitate, die einfach komplett angekommen sind und bei denen die fragwürdige Herkunft einfach überschrieben wurde. Ich hab dir packen geholfen Desirenick schmeißt Claudia Oberts Koffer bei Promis unter Palmen die Treppe hinunter, funktioniert auf 2 Ebenen gleichzeitig einerseits ist das wörtlich, was sie tut, sie hilft beim Packen. Ganz nett eigentlich, aber nicht, wie sie es macht, denn die Aggression liegt im Subtext.
Ich sorge dafür, dass du hier verschwindest, wird natürlich noch deutlich dadurch, dass sie den Koffer tatsächlich die Treppe runterwirft. Der Satz ist deshalb so mimwürdig, weil er passiv, aggressiv, perfekt ist, vermeintlich höflich formuliert, vernichtend gemeint. Die Regels sind die Regels mag Terenzi im Dschungel doppelt pluralisiert grammatikalisch falsch, gerade deshalb, so witzig, fällt seitdem überall, wenn es um Regeln geht, auch fernab vom Reality und relativ frisch dazu Pine Lash von Arielle, das ist natürlich Schweizer Dialekt, der sich so schnell verbreitet hat wie kaum etwas anderes in der letzten Zeit im Reality. Sie mag es eigentlich gar nicht, wenn man ihren Sound und ihren Dialekt nachmacht, aber das ist
einer dieser Fälle, wo sie selbst auch dazu beigetragen hat, dass es irgendwie kultig wird, sobald ein Wort wie peinlich erst mal seinen Weg in die Memessphäre gefunden hat, gehört es nicht mehr der Person, die es gesagt hat, es gehört dem Internet und wir werden es auch nicht mehr los, wenn ich irgendwo das Wort peinlich höre, habe ich sofort ariels Stimme im Kopf. Was alle diese Zitate gemeinsam haben, sie funktionieren nicht trotz ihrer Absurdität, sondern gerade wegen ihr. Sie sind irgendwie sprachliche Unfälle, die sich verselbständigt haben, und es ist vielleicht der eindrücklichste Beweis dafür, wie Reality Sprache funktioniert, nicht das gut formulierte bleibt hängen, sondern das unkontrollierte,
eine Beobachtung dazu, die ich wichtig finde bei einigen dieser Zitate ist die Person, die sie gesagt hat, längst aus dem Reality Kosmos verschwunden, wenn danach den Schwurbildeskapaden, wobei der ja irgendwie zurück zu sein scheint. Henrik, unter anderem nach seinem Hitlergruß, aber die Sprüche zumindest teilweise zirkulieren weiter, manchmal sogar gerade, weil die Verbannung das Zitat zur ironischen Markerphrase macht.
Sprache überlebt ihre Sprecherinnen bevor ich jetzt Teil 1 abschließe, machen wir einen kurzen Abstecher in eine eigene Unterkategorie, die quer durch die anderen läuft, Reality Formate, vor allem die mit Männerdominanz, reaktivieren ein erstaunlich biologistisches Vokabular. Der Alphawolf der Platzhirsch Männer vergleichen sich selbst mit Tieren, die in einer Hierarchie stehen, die Kämpfen, die Reviere markieren, der Löwe verlässlich gefühlt einmal pro Staffel, wenn ein Mann erklärt, warum er der Löwe ist und es deshalb so selbstverständlich ist, dass alle anderen ihm folgen. Bei Maurice ist es auch irgendwie wieder anders, aber das ist n anderes Thema, auch der Adler ist hoch im Kurs, Adler müssen fliegen, Adler
lassen sich nicht einsperren, Adler kreisen über den Mäusen. Also egal was passiert, die anderen sind die Mäuse. Männer vergleichen sich also selbst mit Tieren, die in einer Hierarchie stehen, die Kämpfen, die Reviere markieren, die Fliegen, die Jagen, das ist Pseudowissenschaft aus den Achtzigern, die in fast keinem anderen Kontext mehr so durchgeht, aber im Reality TV ist sie fester Bestandteil der Selbstinszenierung, Frauen sind in dieser Bildwelt erstaunlich abwesend, mit einer Ausnahme. Die Löwenmutter taucht auch regelmäßig auf, immer dann, wenn eine Frau ihre Kinder verteidigt oder eine Person aus ihrer Gruppe schützt.
Auffällig dabei, Frauen werden zu Tieren, sobald es ums Beschützen geht, Männer werden zu Tieren, sobald es ums dominieren geht, das ist natürlich nicht zufällig, aus der Community kam dazu eine richtig gute Antwort, der maskuline Mann. Mit Clown Emoji, da geht es jetzt nicht mehr um Tiervergleiche im engeren Sinn, sondern um das ganze Selbstinszenierungspaket drum herum. Also Löwe, Alpha, Wolf, Adler, der Platzhirsch, alles wird da unter einem Begriff zusammengefasst. Männlichkeit, der maskuline Mann und das Clown Emoji zeigt ja auch, die Selbstinszenierung wird glücklicherweise längst nicht mehr ernst genommen, aber sie zirkuliert, trotzdem gibt es ein vergleichbares Tier Vokabular für Frauen jenseits der Löwenmutter.
Ehrlich gesagt doch, denn wenn ich genauer hingucke, fallen mir doch n paar Sachen ein. Frauen werden durchaus zu Tieren gemacht, aber halt zu ganz anderen Schlange Ratte, falsche Natter, das sind auch Tierbegriffe die im Reality TV regelmäßig fallen, wenn Frauen über andere Frauen reden oder halt Männer über Frauen und das ist n eigenes System Männer kriegen also Raubtiere und Greifvögel, also Tiere die Jagen herrschen oben stehen von Kriegen, Kriechtiere und Schädlinge. Tiere, die sich anschleichen, hintergehen, die im Verborgenen agieren.
Männer sind in dieser Bildwelt offen aggressiv, Frauen heimlich gefährlich und daneben gibt es dann auch noch ne andere Kategorie, Zicke, Hexe, Diva, das sind keine Tiere, das sind Mythen und Archetypen, und auch hier ist es ne eigene Logik, die Tiervariante macht aus Frauen Bedrohungen, die Mythenvariante macht aus ihnen Karikaturen, das ist n Unterschied der was bedeutet, aber um den auseinander zu nehmen.
Müssen wir auch noch mal eine ganz andere Folge aufmachen, also 4 Kategorien, spiellogik, Storytelling, Entlastung, Einzelzitate plus die Tiervergleich sonderbeobachtung, die quer dazu liegt. Was du jetzt im Kopf haben solltest. Reality Sprache ist nicht zufällig, sie ist Hochfunktional, jede Kategorie tut etwas bestimmtes, Spiellogik macht Beziehungen, taktisch Storytelling, macht Menschen zu Figuren.
Entlastungsrhetorik verschiebt Verantwortung und ikonische Zitate machen aus Unfällen Marken. Wenn dieses Vokabular nach außen wandert, wandert die Funktion mit und genau das gucken wir uns in Teil 2 an. Was passiert, wenn diese Sprache die Formate verlässt? Wer übernimmt sie wann und warum, was machen die ironischen Anführungszeichen, die so viele von euch beim Benutzen mitsprechen und ab wann fallen sie weg?
Dazu gibt es Spannenderweise einen Mechanismus, den Reality TV als Übersetzungsmaschine genauso gut bedient. Ghost and Shamon Grinch sind im deutschen Alltag gelandet und Reality Formate sind eine der wichtigsten Schleusen dafür gewesen. Wie das funktioniert, schauen wir in Teil 2 an, bis dahin, wenn dir beim Hören noch weitere Begriffe eingefallen sind, die hier rein gehören, schreib sie mir gerne wie gesagt, die Sammlung ist noch nicht abgeschlossen. Wir hören uns zum nächsten Deepdive wieder hinterlass sehr gerne eine Bewertung auf der Plattform, auf der du hörst. Lass mir Kommentare da folgt mir auf Instagram unter Reality TV Check und lass auch da ein bisschen Liebe da. Ich freue mich auf die
Interaktion am Anfang der Woche gibt es meine Folge zu prominent getrennt Folge 2 mit einer Gästin und im Laufe der Woche dann auch wieder Kampf der Reality Allstars. Ich freue mich drauf, bis dann.