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Shownotes
Nachruf auf Dan Simmons
Dan Simmons gehört zu den außergewöhnlichsten Stimmen der modernen Genre-Literatur. Kaum ein anderer Autor bewegte sich so souverän zwischen Science-Fiction, Horror, historischem Roman und Thriller. Mit sprachlicher Eleganz, literarischen Anspielungen und epischer Vorstellungskraft schuf er Werke, die sowohl Genre-Fans als auch literarisch anspruchsvolle Leser begeistern.
Geboren 1948 in Peoria (Illinois), arbeitete Simmons zunächst viele Jahre als Lehrer, bevor er in den 1980er-Jahren als Schriftsteller bekannt wurde. Sein Debütroman Song of Kali gewann sofort den World Fantasy Award und machte deutlich, dass hier eine neue Stimme im Horror-Genre entstanden war. Den weltweiten Durchbruch brachte ihm jedoch 1989 der Science-Fiction-Roman Hyperion, ein Werk, das häufig zu den bedeutendsten SF-Romanen des späten 20. Jahrhunderts gezählt wird.
Simmons’ Bücher zeichnen sich durch enorme Bandbreite aus:
• philosophische Space Opera
• düsterer literarischer Horror
• historische Abenteuer
• literarische Experimente mit realen Persönlichkeiten
Romane wie The Terror oder Drood verbinden sorgfältige historische Recherche mit unheimlichen Elementen, während der Hyperion-Zyklus zu den großen Epen der modernen Science-Fiction gehört.
Sein Werk zeigt, dass Genre-Literatur ebenso anspruchsvoll, poetisch und tiefgründig sein kann wie klassische Literatur. Simmons hinterlässt eine Bibliothek voller Welten – von fernen Planeten bis zu den dunkelsten Winkeln der menschlichen Geschichte und Psyche.
Transkript
Willkommen zum Rewrite Podcast, dem Science-Fiction-Lese-Podcast, heute mit Fabian und Stefan. Hallo, ihr beiden.
Hallo.
So, und heute sprechen wir über Hyperion von Dan Simmons. Dan Simmons ist ein amerikanischer Science-Fiction- und Horrorautor. Tatsächlich treibt er sich in vielen Genres herum: Science Fiction, Horror, aber auch Fantasy. Er ist Jahrgang 1948. Am bekanntesten ist er wohl für seinen Hyperion Cantos, auf Deutsch die Hyperion-Gesänge. Er ist seit Anfang der 80er-Jahre aktiv. Eigentlich ist er Grundschullehrer; er hat einen Master of Education an der Washington University in St. Louis gemacht.
Angefangen hat er mit Kurzgeschichten, und seinen Durchbruch hatte er dann mit Hilfe von Harlan Ellison. Der Name dürfte vielen gerade auch aus dem Horror-Genre ein Begriff sein. Mit der Kurzgeschichte „The River Styx Runs Upstream“, die im Twilight Zone Magazine erschienen ist, wurde er dann auch bekannt. Tatsächlich hat er aber noch bis 1989 weiter als Grundschullehrer gearbeitet.
Unter anderem hat er noch The Terror geschrieben. Das ist eines seiner neueren Werke und erzählt eine fiktionalisierte Geschichte von John Franklins Expedition auf der Suche nach der Nordwestpassage. Wahrscheinlich ist die Verfilmung am bekanntesten. Ich glaube, die ist bei Amazon erschienen. Ansonsten hat er noch relativ viel im Horrorbereich geschrieben. Da werden zum Beispiel Summer of Night oder Winter Haunting genannt, für die er unter anderem auch in der Presse, im Feuilleton, gelobt worden ist. Und sein erstes Buch war tatsächlich ebenfalls eher im Bereich Horror/Fantasy angesiedelt, nämlich Song of Kali von 1985. Und er schreibt immer noch munter vor sich hin, hat eine ganze Reihe von Kurzgeschichten geschrieben, mehrere dicke Romane, und eventuell werden wir bald eine Verfilmung von Hyperion sehen – als Film statt als Miniserie. Aber das ist noch in einer sehr frühen Verpflichtungsphase.
Das kommt wahrscheinlich dazu, wenn wir in die Details der Story kommen: Es ist nicht so, dass es keine gute Idee wäre, Hyperion und die unmittelbaren Nachfolgebücher zu verfilmen. Das ist eine fantastische Space Opera, aber es ist einfach so viel Stoff. Das kann sich locker mit Star Wars oder dem Star-Trek-Universum messen in der Komplexität, und es wird irgendwie alles angerissen in den Büchern, aber es ist auch alles vorhanden, um daraus etwas Großes zu machen. Nur: Du kannst die Leute auch leicht vor den Kopf stoßen damit. Du kannst es ja nicht auf 90 Minuten runterdampfen. Nicht mal diese sechs Geschichten aus dem ersten Buch kriegst du in einen Film. Also wäre eine Miniserie definitiv die bessere Wahl gewesen, meiner Meinung nach.
Das kommt darauf an, wie es umgesetzt wird. Es gab ja auch die Verfilmung von Cloud Atlas mit Tom Hanks und ein paar anderen bekannten Schauspielern. Die hat zum Beispiel sehr gut funktioniert, und das Werk ist tatsächlich auch relativ episch. Von daher kann ich mir schon vorstellen, dass so etwas funktionieren könnte. Wobei das Buch, was die Verfilmung angeht, das Problem hat – und das haben ja auch manche Kritiker angemerkt –, dass der Plot so ein bisschen dahinplätschert, weil ja unsere Pilger, und da kommen wir gleich zu, ihre Geschichten erzählen.
Ja, ich erinnere mich halt auch an den Anfang und an die Geschichten – nicht mal im Detail an die Geschichten, sondern eher an das grobe Anfangsbild dieses ersten Buches. An die anderen drei erinnere ich mich kaum, und ich kann auch nicht sagen, wie das Ganze zu Ende gegangen ist. Das ist dann bei Ilium und Olympus für mich besser; da weiß ich eher noch, wie es ausgegangen ist. Aber hier weiß ich das überhaupt nicht.
Also ganz kurz: Cloud Atlas und Hyperion sind nicht ganz gleich. Bei Cloud Atlas ist das eher wie Perlen auf einer Schnur, also eine gemeinsame Geschichte. Das ist bei Hyperion anders. Hier haben wir diesen äußeren Konflikt, und dazu können wir vielleicht kommen, wenn Stefan das kurz zusammenfasst. Stefan, einmal ein Interlude mit einer groben Zusammenfassung des Hyperion-Zyklus, und dann gehen wir wieder zurück. Warum ich nicht glaube, dass das ein guter Vergleich mit Cloud Atlas ist: Es könnte schon funktionieren, aber strukturell ist es doch etwas verschieden.
Okay. Also, Cloud Atlas ist ungleich einfacher aufgebaut. Ich komme erst mal zur groben Geschichte, zur Außengeschichte. In der Welt oder im Universum von Hyperion ist es so, dass die Erde durch ein großes wissenschaftliches Experiment vernichtet wurde: den Großen Fehler von Kiew. Innerhalb der Erde wurde ein künstlich erzeugtes schwarzes Loch hergestellt, und damit ist sie zerstört. Die Menschheit lebt auf kolonisierten Welten im All, und die meisten dieser neu besiedelten Planeten werden von der Regierung der Hegemonie beherrscht. Die wird von KIs beraten. Dann gibt es noch ein Allwesen, das irgendwie aus der kollektiven Intelligenz der Menschen besteht, die darüber abstimmen – das bleibt ein bisschen undurchsichtig.
Daneben gibt es noch den sogenannten TechnoCore, also diese künstlichen Intelligenzen. Die sind die Erbauer und Betreiber des Farcasternetzes. Man kann sich das wie Sternentore vorstellen: Es gibt überall Farcaster-Portale im Bereich der Hegemonie, und wenn man durch so ein Tor tritt, wird man sofort zu einem anderen Tor auf einem fremden Planeten transportiert. Der TechnoCore ist auch der Erfinder des Fatline-Netzes, also der Echtzeitkommunikation über beliebige, auch astronomische Distanzen quer durchs All, hauptsächlich über Avatare oder Hologramme.
Zusätzlich verkehren zwischen den verschiedenen Systemen auch überlichtschnelle Schiffe mit dem sogenannten Hawking-Antrieb. Die reisen aber mit relativistischer Zeit und erzeugen eine sogenannte Zeitschuld. Das heißt, die Zeit vergeht für die Reisenden langsamer als für die Zurückgebliebenen.
Die Ränder der Hegemonie und die leeren Räume zwischen den Systemen bewohnen die sogenannten Ousters. Der Name ist eine Anspielung auf die zwangsweise Entfernung aus dem Machtbereich der Hegemonie. Diese Ousters haben sich in Schwärmen organisiert und sich genetisch weiterentwickelt – durch Genmanipulation und Nanotechnologie. Ihnen haftet kaum noch etwas Menschliches an. Von der Regierung der Hegemonie und vom TechnoCore werden sie als Feinde betrachtet. Es kam in der Vergangenheit bereits zu bewaffneten Auseinandersetzungen, die von beiden Seiten mit großer Grausamkeit geführt wurden.
Der Hyperion-Zyklus besteht aus vier Büchern, die …