
ReWrite ReBirth· Folge 161
Digital Independence Day & QualityLand (Marc-Uwe Kling)
Mittwoch, 11. März 2026 · 1 h 07
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Shownotes
Jeden ersten Sonntag auf die gute Seite wechseln!
Unser digitales Leben befindet sich in der Hand weniger Überreicher. Mit der Monopolstellung ihrer Unternehmen bestimmen Menschen wie Elon Musk, Jeff Bezos oder Mark Zuckerberg weltweit, wie wir uns online informieren, wie wir diskutieren, kommunizieren oder handeln. Einen solchen unkontrollierten Einfluss sollte kein Mensch und kein Unternehmen besitzen, weil wir dann nicht mehr in Freiheit leben können. Die gute Nachricht: Diese Macht geben wir ihnen derzeit, und wir können sie ihnen auch wieder nehmen!
Transkript
Willkommen zum Rewrite Podcast, dem Science-Fiction-Analyse- und Schreibpodcast, heute mit Jürgen.
Hallo Jürgen.
Hallo Sönke und hallo Welt da draußen.
Und mit mir und mit sonst niemandem. Wir sprechen heute über Marc-Uwe Klings QualityLand und QualityLand 2, wenn wir schon mal dabei sind.
Genau. Ich habe versucht, etwas über den Autor herauszufinden, und es gibt herzlich wenig über Marc-Uwe Kling zu sagen.
Ja, ja, das ist jemand, der sich gerne rar macht.
Ja, aber abgesehen davon, dass es in diesem Fall keine Frage gibt, in welcher Form man am besten seine Werke sich einverleiben sollte – und zwar ist das immer das Hörbuch, das er auch immer selber liest. Marc-Uwe Kling ist ein Kleinkünstler aus Berlin, und es wird vermutet, dass er mit einem Känguru zusammenwohnt. Wenigstens hat er dazu mindestens vier Bücher geschrieben und als Hörbücher vertont. Es gibt eine Radiosendung, in der dieselben Tonschnipsel vorkommen. Es gibt Comics dazu. Er hat Kurzgeschichten geschrieben. Er hat dann noch zwei Romane zu QualityLand geschrieben, über die wir heute sprechen wollen. Und ein Aufklärungsbuch hat er dann noch geschrieben. Und ja, er hat zwei Filme gemacht, und er hat für den zweiten Film sogar das Drehbuch geschrieben. Den Film habe ich noch nicht gesehen, würde ich mir aber angucken. Er hat auch ein paar lustige Kinderbücher gemacht.
Genau. Das NEINhorn ist auch noch … und ein Kartenspiel und irgendwas.
Halt mal kurz, genau, das ist ein Kartenspiel.
Genau. Also, er ist sehr vielseitig, das muss man ihm zugestehen. Ja, und lustig.
Genau. Und wie ich schon gesagt habe: Seine Werke entfalten ihre Wirkung wirklich ganz extrem dadurch, dass man sich seine selbst eingesprochenen Hörbücher geben sollte. Also gelesen kommt es bei weitem nicht so rüber, als wenn man ihn das selber vortragen hört mit diesen verteilten Rollen. Er ist sehr stimmgewaltig, möchte ich sagen. Er hat das einfach richtig, richtig gut drauf. Und das ist sehr unterhaltsam anzuhören.
Genau. Also, er spielt sich nicht selber in den Filmen, was ich lustig, aber auch verständlich finde. Was halt dann schade ist, weil dann Marc-Uwe in den Känguru-Filmen nicht die Marc-Uwe-Stimme hat – aber wenigstens spricht er das Känguru. Dann ist es ja … also, ich freue mich sehr, den zweiten Film zu gucken. Den ersten habe ich im Kino gesehen. Der zweite kam dann gerade zu Anfang/Ende von Covid. Auf jeden Fall habe ich es nicht geschafft, den im Kino zu sehen.
So, ich würde sagen, Jürgen, du fasst das erste Buch zusammen, dann reden wir ein bisschen drüber, dann fasst du das zweite Buch zusammen, und dann machen wir Schluss.
Können wir so versuchen. Die Zusammenfassungen sollen auch relativ kurz ausfallen. Denn ich bemühe mich jetzt, obwohl ja du sagst, wir spoilern grundsätzlich, bemühe ich mich jetzt mal, nicht allzu sehr zu spoilern, weil es auch schwierig würde, das Ganze kleinschrittig mit den illustren Figuren und den verschiedenen Handlungssträngen, zwischen denen ständig hin- und hergesprungen wird, zusammenzufassen. Ich bemühe mich mal drum.
QualityLand ist ein Roman, erschienen im September 2017. Das Ungewöhnliche daran ist zuallererst, dass es zwei Editionen davon gibt. Es gibt die helle und die dunkle Edition. Das hat damit zu tun, dass dieser Roman – modern nennt man das – in Montagetechnik konzipiert ist. Die Haupthandlung, die sich um die Hauptfigur Peter Arbeitsloser dreht – warum der so heißt, werde ich nachher noch erklären –, wird immer wieder unterbrochen und durchsetzt von eingewobenen Werbespots oder Presseberichten. Und je nachdem, ob man die helle oder dunkle Version des Romans erstanden hat, sind diese unterbrechenden Schnipsel von einer anderen Gestalt. Also, die dunkle Version ist eher so die düstere, bösartigere Version, und die helle Version hat dann eher so optimistischere und positiv gestimmte Medienbeiträge. Das stammt natürlich alles aus der Feder Marc-Uwe Klings, aber das Ganze unterstützt ganz fantastisch das Worldbuilding, was er dort nämlich betreibt.
QualityLand – Namensgeber ist eben die Welt, in der das Ganze spielt. Es geht darum, dass ein Land, wo nicht genauer bestimmt ist, wo das sein soll – es könnte sich um ein großeuropäisches Reich handeln –, also der deutschsprachige Raum Europas könnte zum Beispiel zu QualityLand umbenannt werden, und andere Regionen der Welt heißen dann nicht mehr QualityLand, sondern werden der Einfachheit halber QuantityLand genannt und dann durchnummeriert. Es ist zu mutmaßen, dass QuantityLand 1 China sein soll, und andere Länder sind nicht näher bestimmt.
Und worum geht es bei QualityLand? Es geht darum, dass ein Land sich neu erfunden hat und sich einfach erklärt zu einem Land der Superlative. Es ist nämlich komplett durchdrungen von künstlicher Intelligenz, die den Menschen in vielerlei Hinsicht die Arbeit abnimmt, wenn nicht gar sie arbeitslos macht. Die Maschinen sind sogar so hoch entwickelt, dass sie oftmals eigene Persönlichkeiten haben. Und wenn man eine Persönlichkeit besitzt, kann man auch unter Persönlichkeitsstörungen leiden. Und das ist die Aufgabe, die die Hauptfigur Peter Arbeitsloser hat. Er ist nämlich damit betraut, Maschinen, die als irreparabel gestört angesehen werden, aus dem Verkehr zu ziehen. Er hat nämlich eine Schrottpresse zu Hause und soll dann eigentlich diese Maschinen im wahrsten Sinne des Wortes platt machen. Aber er tut das nicht. Er hat so einen heimlichen Gnadenhof in seinem Keller, wo er diese Maschinen, die alle unterschiedliche Marotten haben, als seine sonderbaren, schrägen Freunde beherbergt. Da ist zum Beispiel eine Flugdrohne mit Höhenangst, ein Liebesroboter, der neurotisch ist, eine androidische Autorin, die eine Schreibblockade hat, und ein Kampfroboter mit einer posttraumatischen Belastungsstörung.
Man kann sich schon vorstellen, dass das alles sehr skurril und schrill ist. Der ganze Roman ist eigentlich eine Aneinanderreihung von Absurditäten, damit angefangen zum Beispiel, dass man andauernd heimgesucht wird von Flugdrohnen, die einem Lieferungen von dem größten und erfolgreichsten Onlinehandel überhaupt bringen, nämlich von TheShop. Wir wissen das natürlich heute in modernen Zeiten schon, dass Algorithmen und Social-Media-Plattformen ein ständiges Profiling betreiben. TheShop hat das so sehr ausgeklügelt, dass die Kunden überhaupt nicht mehr irgendwas bestellen müssen. Sie müssen gar nicht mehr Wünsche äußern, sondern TheShop weiß vorher schon, was die Kunden unbedingt haben wollen. Zum Beispiel die neueste Ausgabe eines Produktes oder irgendwas anderes, wovon sie angeblich gar nicht wussten, dass sie es haben wollten.
Damit beginnt auch die Handlung, dass Peter Arbeitsloser eine Lieferung von TheShop kriegt, und er ist mal gespannt, was das denn sein soll. Und dann entfaltet sich der Konflikt dieses Romans: Er kriegt etwas, was er gar nicht haben will, nämlich einen rosafarbenen Delfin-Vibrator. Und was will er, als jemand, der gerade seine Freundin verloren hat, mit so einem Ding? Und er möchte das Teil zurückgeben und stellt dann fest, dass das gar nicht so einfach ist. Denn man kann sich nicht mit einem Megakonzern anlegen, der natürlich viel besser weiß, was man will, als man selbst. Und er findet dann halt heraus, dass sein Online-Profil, das irgendwie generiert wurde, wohl nicht ganz der Wahrheit entspricht.
Und das ist die große Kulturkritik, die in diesem Roman eben aufkommt: …