Schlafreise durch vergessene Welten· Staffel 4· Folge 12

Der Turm von Babel – Zwischen Himmel und Erde

Freitag, 6. März 2026 · 29 min

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Shownotes

Es ist das sechste Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung. Zwischen den Flüssen Euphrat und Tigris, im heutigen Irak, liegt Babylon, die größte Stadt der damals bekannten Welt. Die Stadt erstreckt sich über etwa neunhundert Hektar, ihre Mauern sind so breit, dass angeblich vier Pferde nebeneinander darauf galoppieren können. Durch ihr Zentrum fließt der Euphrat, überquert von kunstvoll gemauerten Brücken. In der Luft liegt der Geruch von gebrannten Ziegeln, von Bitumen, von Gewürzen aus fernen Handelszügen. Und am Horizont, nicht zu übersehen, ragt das Gebäude auf, das wir heute den Turm von Babel nennen.

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Willkommen zu einer neuen Folge von Schlafreise durch vergessene Welten, deinem Podcast zum Entspannen, Loslassen und lernen. Kennst du schon unsere anderen Podcastreihen wie Wissensreise durch die Länder der Erde oder Schlafreise durchs Universum. Heute nehme ich dich mit auf eine Reise zu einem Bauwerk, das die Menschheit seit Jahrtausenden fasziniert und. Ein Turm, der den Himmel berühren sollte. Eine Stadt, die als Nabel der Welt galt, ein Name, der zum Sinnbild für menschliche Hybris und gleichzeitig für unbändigen Gestaltungswillen geworden ist.

Wir reisen nach Babylon, in das Zweistromland, dorthin, wo unsere Geschichte begann, lass die Gedanken des Tages langsam weiterziehen. Stell dir vor, wie sich die Bilder vor deinen Augen lösen und einer weichen goldenen weite Platz machen. Irgendwo in der Ferne, tief in der Zeit, erhebt sich ein Schatten gegen den Abendhimmel des Alten Orients, ein Turm, der in den Wolken verschwindet, du gehst auf ihn zu, es ist das sechste Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung. Zwischen den Flüssen Euphrat und Tigris im heutigen Irak liegt Babylon, die größte Stadt der damals bekannten Welt. Die Stadt erstreckt sich über etwa 900 Hektar, ihre Mauern sind so breit, dass angeblich 4 Pferde nebeneinander darauf galoppieren können, durch ihr

Zentrum fließt der Euphrat. Überquert von kunstvoll gemauerten Brücken in der Luft liegt der Geruch von gebrannten Ziegeln, von Bitumen, von Gewürzen aus fernen Handelszügen und am Horizont nicht zu übersehen, ragt das Gebäude auf, das wir heute den Turm von Babel nennen. Sein offizieller Name auf Babylonisch lautet Ethemenanki.

Das bedeutet auf Sumerisch Haus, der Grundlage von Himmel und Erde ethemenanki, war ein Zikurat, eine stufenförmige Tempelpyramide, wie sie in Mesopotamien seit dem dritten Jahrtausend vor Christus gebaut wurden. Doch Ethemenanki war nicht irgendein Zikurat es war das Größte, das ambitionierteste es. Das bekannteste dieser Bauwerke, es war das Zentrum Babylons und Babylon, war das Zentrum der Welt. Die Cikurats der Mesopotamier folgten einem klaren Konzept, sie waren keine Grabmäler wie die ägyptischen Pyramiden, keine Festungen, keine Wohngebäude, sie waren kosmische Achsen. Verbindungspunkte zwischen dem göttlichen oben und dem menschlichen unten auf ihrer Spitze befand sich ein kleiner Tempel, der heiligste aller

Orte, nur für Priester und Könige zugänglich. Hier, so glaubten die Babylonier, stieg der Gott Marduk herab, um mit der Erde in Verbindung zu treten. Der Turm war gleichsam eine Brücke zwischen den Welten, eine vertikale Straße ins göttliche Maduk war der höchste Gott Babylons, der Schöpfergott, der nach babylonischer Vorstellung aus dem Chaos die Welt geformt hatte, das Epos Inumaelisch.

Eines der ältesten Schöpfungsgedichte der Menschheit erzählt, wie Marduk den Urdämon Tiamat besiegte und aus ihrem Körper die Erde und den Himmel formte. Ethemenanki war sein Haus auf Erden, sein Thronsaal inmitten der Menschenwelt, den Turm zu bauen und zu pflegen, war deshalb keine bloße Architekturleistung.

Sondern eine religiöse und politische Notwendigkeit ersten Ranges. Die Frage, wie Itemenanki genau aussah, beschäftigt Archäologen und Historiker seit Jahrhunderten, der Turm selbst steht nicht mehr, was heute noch an seinem Standort zu sehen ist, sind Fundamentreste in einer Senke nahe der irakischen Stadt Hilla.

Etwa 90 Kilometer südlich von Bagdad. Die Senke heißt Saan, arabisch für Schüssel oder Becken, ein Name, der die heutige Erscheinung treffend beschreibt, eine große rechteckige Vertiefung, gefüllt mit Grundwasser und dem Staub der Jahrtausende. Doch wir haben Beschreibungen, die wichtigste und berühmteste stammt von Herodot. Dem griechischen Geschichtsschreiber, der Babylon um 450 vor Christus besuchte und einen detaillierten Bericht hinterließ.

Er beschreibt einen massiven Turm in 8 Stufen, der sich auf einem quadratischen Grundriss von etwa 180 * 180 Metern erhebt. Im Inneren des Turmes gab es, so Herodot, spiralförmige Rampen. Die außen um das Gebäude herumführten, so dass man mit Eseln und Karren bis zur Spitze gelangen konnte. Auf der höchsten Plattform befand sich ein Tempel mit einer großen, Kostbar ausgestatteten Liegestadt, auf der Marduk selbst ruhen sollte, und so schreibt Herodot mit einem Hauch von Faszination und Skepsis, eine einzige Frau übernachtete, ausgewählt von den Priestern.

Noch präziser ist eine Keilschrifttafel aus dem sechsten Jahrhundert vor Christus, die seit dem 19 Jahrhundert in Übersetzung vorliegt und als die Esagilatafel bekannt ist. Sie enthält Maßangaben. Der Turm maß demnach an der Basis Ninety L. Also etwa 91,5 Meter in der Länge, ebenso viel in der Breite und 90 L in der Höhe. Die einzelnen Stufen werden mit abnehmenden Abmessungen beschrieben, bis zur Spitze mit dem Tempel des Marduk, das ergibt eine Struktur, die in etwa so hoch wie der heutige Dom zu Köln gewesen wäre, 9027 Meter. Gebaut nicht aus Sandstein wie mittelalterliche Kathedralen, sondern aus gebrannten und luftgetrockneten Lehmziegeln, Verkittet mit Bitumen, dem schwarzen, klebrigen Naturasphalt, der im

Zweistromland in großen Mengen natürlich vorkommt. Die Menge an Material war astronomisch, moderne Berechnungen schätzen. Dass für den Bau itemenankis mehrere Millionen Ziegel benötigt wurden. Herodot erwähnt, dass Bitumen aus dem benachbarten Is, dem heutigen Irakhid, herbeigeschafft wurde, einem Ort, an dem natürliche Bitumenquellen sprudeln.

Diese Quellen sind bis heute aktiv, das Bitumen diente als Mörtel. Als Abdichtung und als Kleber zwischen den Ziegelschichten. Eine Bautechnik, die für das feuchte, überschwemmungsgefährdete Klima des Zweistromlandes ideal war. Wer baute Itemenanki und wann? Diese Frage ist komplizierter, als sie zunächst scheint.

Sicher ist, dass der Turm nicht zu einem einzigen Zeitpunkt errichtet wurde, sondern über Jahrhunderte wuchs, renoviert, zerstört und wieder aufgebaut wurde. Die frühesten Fundamente gehen möglicherweise bis ins dritte Jahrtausend vor Christus zurück, doch die prächtigste Form, die größte Vollendung. Erhielt Ethemenanki unter König Nebukadneza, dem Zweiten, der von 605 bis 562 vor Christus in Babylon herrschte, Nebukadneza der zweite ist eine der faszinierendsten Figuren der alten Geschichte.

Unter ihm erreichte das neu Babylonische Reich seinen Höhepunkt. Er ließ Babylon zur prächtigsten Stadt der Welt ausbauen. Das Ischtator, heute teilweise rekonstruiert im Pergamonmuseum Berlin mit seinen leuchtend blauen glasierten Ziegeln und Goldenen Löwen und Drachen, stammt aus seiner Zeit, die berühmten hängenden Gärten, falls sie existiert haben, werden ebenfalls Nebukadneza zugeschrieben. Und er ließ Ettemenanki in seiner endgültigen, gewaltigen Form vollenden.

Eine Inschrift, die man Nebukadnezar zuschreibt, lautet sinngemäß, Ich legte seine Fundamente bis zum Inneren der Erde und baute seine Spitze in den Himmel. Diese Formulierung atmet denselben Geist wie die biblische Beschreibung des Turmbaus zu Babel. Jene kurze, eindringliche Erzählung im ersten Buch Mose, Kapitel 11, in der die Menschen beschließen, eine Stadt und einen Turm zu bauen, dessen Spitze bis an den Himmel reichen soll. Gott aber verwirrt Ihre Sprache so, dass sie einander nicht mehr verstehen, und zerstreut sie über die ganze Erde. Daher so die Bibel.

Heißt die Stadt Babel, denn der Name klingt im Hebräischen wie das Wort für verwirren Balal die Etymologie ist tatsächlich eine volkstümliche Umdeutung. Babylon bedeutet auf Akadisch schlicht BAB Ilu Tor des Gottes. Aber die biblische Geschichte hat sich in das kulturelle Gedächtnis der Menschheit eingebrannt wie wenige andere Erzählungen.

Sie erscheint in unzähligen Gemälden vom flämischen Meister Peter Brügel, dem Älteren der 1563 seinen berühmten Turm zu Babel malte, bis hinzu modernen Kunstwerken, sie taucht in Romanen auf, in Filmen, in. In politischen Reden als Metapher für misslungene Kommunikation, für den Hochmut der Mächtigen, für die Vielfalt der Menschheit.

Kommen wir zurück zu den Steinen, zur Erde, zu den Händen, die itemenanki bauten das Zweistromland, auf griechisch Mesopotamien genannt, zwischen den Flüssen. Ist eine der Wiegen der menschlichen Zivilisation hier in der südlichen Aluvialebene zwischen Euphrat und Tigris entstand die Schrift, die Keilschrift, gedrückt mit einem dreikantigen Griffel in weichem Ton, erscheint in den archäologischen Quellen, etwa um 3200 vor Christus.

Und ist damit das älteste bekannte Schriftsystem der Menschheit. Hier entstand die erste Stadt Uruk, die um 3000 vor Christus bereits 30 bis 50000 Einwohner gehabt haben soll, hier wurde das Rad erfunden, das Pflugfeld bewässert, der Kalender geordnet, die Menschen, die Babylon bauten, waren Sumera. Acada Babylonia Assyra ein Strom von Kulturen über Jahrtausende. Sie beobachteten den Sternenhimmel mit einer Präzision, die moderne Astronomen immer wieder verblüfft.

Die babylonischen Astronomen konnten Sonnenfinsternisse mit einer Genauigkeit von wenigen Minuten vorhersagen, sie kannten den Saroszyklus. Die 18 jährige Periode der Sonnen und mondfinsternis Wiederkehr. Sie berechneten die Umlaufbahnen der Planeten, ihr Zahlensystem auf der Basis 60 ist bis heute in unserer Zeitrechnung lebendig 60 Sekunden 60 Minuten, der Kreis mit 360 Grad oben auf Ittermenanki in dem kleinen Tempel der Spitze.

Standen Priesterastronomen und beobachteten den Himmel. Sie führten Aufzeichnungen in Tontafeln, die heute in Museen weltweit aufbewahrt werden. Sie sahen, wie Jupiter am Abendhimmel erschien und interpretierten seine Bahn als Botschaft marduks sie sahen, wie der Mond die Plejaden bedeckte, und deuteten es als Omen. Der Turm war nicht nur ein Haus des Gottes, er war auch ein Observatorium, ein Instrument zur Vermessung der Zeit, ein Interface zwischen Menschenwelt und kosmischer Ordnung. Stell dir vor, du stehst am Fuß von Ettemernanki, die Sonne neigt sich dem Horizont zu, das Licht ist golden und warm. Wie es nur im Nahen Osten sein kann. Ein Licht, das jeden Stein, jeden Ziegelstein glühen lässt. Die Mauern vor dir sind mit

emaillierten Kacheln verkleidet, blau und Ockergelb, mit Reliefs von Drachen, Stieren und Palmwedeln. Unter deinen Füßen liegen breite Pflastersteine und. Poliert von unzähligen Schritten neben dir bewegen sich Prozessionen, Priester in langen weißen Gewändern, Händler mit waren aus fernen Ländern, Pilger aus allen Teilen des Reiches.

Die Gerüche sind überwältigend, Weihrauch aus Arabia, der Qualm von Opferfeuern. Das scharfe Aroma von Bitumen, das in der Mittagshitze weich wird und einen eigenartigen, ehrerbriedigen Duft verströmt. Hinter dir die Stadt, ein Labyrinth aus Häusern, Kanälen, Märkten und Tempeln, eingebettet in das grüne Band der Dattelpalmen entlang des Euphrats. Und vor dir der Turm, der sich 7 Stufen hoch in den Abendhimmel erhebt.

Oben vom Abendrot angestrahlt, unten schon in den Schatten der Dämmerung getaucht. Du beginnst zu steigen, die äußere Rampe ist breit und sanft ansteigend, sodass man sie bequem begehen kann. Jede Stufe bringt dich höher und. Und mit jeder Stufe öffnet sich die Welt unter dir weiter. Im ersten Stockwerk siehst du die Prozessionsstraße, die schnurgerade durch die Stadt führt, gesäumt von Löwenfiguren aus glasiertem Ton.

Im zweiten Stockwerk erscheint die Kurve des Euphrats, ein silbernes Band in der Abenddämmerung, im dritten Stockwerk erkennst du die Felder jenseits der Stadtmauern. Die Bewässerten Äcker, auf denen Gerste und Emma wachsen. Im vierten Stockwerk liegt die Stadt als Teppich zu deinen Füßen und der Horizont wölbt sich sichtbar.

Im fünften Stockwerk weht ein anderer Wind, kühler, klarer, der Staub der Stadt liegt weit unten, im sechsten ist der Lärm der Straßen verstummt, und im Siebten. Ganz oben auf der Plattform vor dem kleinen Tempel des Marduk bist du in einer anderen Welt. Der Himmel ist nah, die ersten Sterne erscheinen, Venus leuchtet als Abendstern über dem Horizont, die Landschaft um dich erstreckt sich endlos flach, uralte Schwemmebene bis zum Horizont.

Über den die Welt sich rundet. Vielleicht ist das der Gedanke, der die Erbauer des Turmes antrieb, nicht Hochmut, wie die spätere Überlieferung es deutet, sondern ein tief menschliches Verlangen, die Welt zu verstehen, das Große zu begreifen, die Verbindung zwischen dem kleinen Menschenleben und dem weiten Kosmos zu erleben.

Den Himmel zu berühren, bedeutete für sie nicht, Gott zu stürzen. Es bedeutete ihm, näher zu kommen, ihm zu hören, seine Botschaften in den Sternen zu lesen. Babylon überlebte Nebukadneza nicht lange als Weltmacht 539 vor Christus fiel die Stadt an den persischen König Kyros den Großen. Beinahe kampflos der Legende nach durch eine Ableitung des Euphrats, der die Stadtmauer Unterspülte.

Kyros ließ Babylon bestehen und nahm es als Residenz an, Itemenanki blieb stehen, der persische König ließ sogar Restaurierungsarbeiten durchführen, unter den Seleukiden, den griechischen Nachfolgern Alexanders des Großen, begann der langsame Verfall. Alexander selbst soll kurz vor seinem Tod im Jahr 323 vor Christus Pläne gehabt haben, Itermenanki zu restaurieren.

Doch dazu kam es nicht mehr. Die Priesterschaft versuchte, Steine des Turmes abzutragen, um das Material für eine Restaurierung zu verwenden, doch das Projekt blieb unvollendet, Alexander besuchte Babylon kurz vor seinem Tod. Und soll die Trümmerfelder des begonnenen Abbruchs gesehen haben. Ein Bild, das in antiken Quellen als Omen seines eigenen Endes gedeutet wurde.

In den folgenden Jahrhunderten nahmen Erosion, osusion, Regen und die Entnahme von Ziegeln durch spätere Bauherren dem Turm immer mehr das flache Mesopotamien hat keine Steinvorkommen. Jeder Stein, jeder brauchbare Ziegel war wertvoll und wurde wiederverwendet. Die gewaltigen Ziegel ite menankis, hart gebrannt und mit Bitumen verfestigt, waren begehrtes Baumaterial.

Sie wanderten in Häuser, Brücken, Kanalmauern die Strukturen lösten sich auf, langfristig die. Über Jahrhunderte, bis nur noch die Grundmauern blieben und schließlich auch diese von Schutt und Erde bedeckt wurden. Die moderne archäologische Erforschung Babylons begann im späten 19 Jahrhundert, der deutsche Architekt Robert Coldewey leitete von 1899 bis 1917 systematische Ausgrabungen in. Im Auftrag der deutschen Orientgesellschaft er legte das Ishtar Tor frei, die prozessionsstraße Tempel und Paläste den Standort Itemenankis identifizierte er anhand der gewaltigen Fundamentreste.

Er konnte beweisen, dass hier ein Bauwerk von außergewöhnlichem Ausmaß gestanden hatte, auch wenn vom Turm selbst so gut wie nichts mehr übrig war. Neuere Ausgrabungen und geoarchäologische Untersuchungen des irakischen Antikendienstes und internationaler Teams haben das Bild weiter geschärft. Mittels Bodenradar und Kernbohrungen konnten Archäologen die Fundamentstruktur vermessen, ohne weitere Erdmassen bewegen zu müssen. Die Resultate bestätigen die antiken Beschreibungen in den Grundzügen.

Ein Quadrat von knapp 91 Metern Seitenlänge, fundamentreste aus mehreren Bauphasen, Bitumenspuren, Ziegelfragmente mit den Stempelabdrücken Nebokadnezas. Einer dieser Ziegelstempel ist besonders berühmt. Er lautet in Übersetzung nebokadnezar König von Babylon, Sohn von nabopolasar, König von Babylon bin ich.

Tausende dieser gestempelten Ziegel existieren in Museen weltweit. Jeder von ihnen ist ein kleines Stück des Turmes, ein materieller Rest der größten Ambitionen des alten Mesopotamien. Die Geschichte des Turmes von Babel ist auch eine Geschichte der Sprachvielfalt Babylon war im 6. Jahrhundert vor Christus eine Weltstadt im wahrsten Sinne.

In ihren Märkten und Quartieren lebten Menschen aus aller Herren Länder, Ägypter, Phönizier, Aramäer, Judäer, Perser, Inder, Lyda. Man hörte Dutzende von Sprachen, das Aramäische verbreitete sich als Handels und Verwaltungssprache über das gesamte nahe Osten. Eine Sprache, die in verschiedenen Dialekten bis heute lebt. Das hebräische der jüdischen Exilanten, die Nebukadneza nach der Zerstörung Jerusalems, 597 und 586 vor Christus nach Babylon deportieren liess, wurde in dieser Stadt weiterentwickelt und viele Texte des Alten Testaments erhielten in Babylon ihre endgültige Form.

Die Turm von Babel Erzählung selbst entstand wahrscheinlich in dieser Zeit, als jüdische Schreiber in Babylon lebten und den gewaltigen Itemenanki vor Augen hatten, Sprachvielfalt als göttliche Strafe zu deuten, wie es die biblische Geschichte tut, ist eine von vielen möglichen Deutungen, man kann sie auch umkehren, Vielfalt der Sprachen bedeutet Vielfalt der Weltsichten. Reichtum der Ausdrucksmöglichkeiten die unerschöpfliche Kreativität menschlicher Kultur, jede Sprache ist eine eigene Art, die Welt zu sehen. In Babel lag nicht nur der Untergang der Verständigung, in Babel entfaltete sich die menschliche Sprachphantasie in voller Blüte, was bleibt vom Turm von Babel physisch fast nichts.

Ein paar Meter Fundament, ein paar gestempelte Ziegel, eine Senke im irakischen Flachland, die bei Regen unter Wasser steht und in der Sonne zu heißem, staubigen Boden wird. Und doch ist der Turm von Babel überall, in jedem Hochhaus, das in den Himmel wächst, in jedem Wolkenkratzer, dessen Architekten die Schwerkraft trotzen, im Burd Khalifa in Dubai 8. 182 Meter hoch, im Ehrgeiz jeder Generation höher zu bauen als die vorherige. Der menschliche Drang, sich vertikal auszudehnen, gen Himmel zu streben, scheint Unausrottbar, aber vielleicht liegt die tiefste Botschaft itemenankis in etwas anderem. Die Babylonier bauten ihren Turm nicht aus Gier oder Rücksichtslosigkeit, sie bauten ihn aus einer tiefen Überzeugung heraus, dass die Welt eine

Ordnung hat, dass Himmel und Erde verbunden sind, dass der Mensch Teil eines kosmischen Ganzen ist. Sie nannten Ihren Turm das Haus der Grundlage von Himmel und Erde. Weil sie glaubten, dass die Erde selbst heilig ist. Fundament und Boden alles lebendigen, diese Überzeugung hat in unserem technologischen Zeitalter manchmal den Anschein verloren, wir bauen ein nicht mehr, um dem Himmel näher zu kommen.

Wir bauen, um zu wohnen, zu handeln, zu produzieren, doch die Erde, die unter allem liegt. Die Erde, die Item Menanki trug dieselbe Erde, die die Fundamente jedes Gebäudes trägt, das je gebaut wurde und je gebaut werden wird, ist das einzige Fundament, das wir wirklich haben. Sie zu kennen, zu verstehen, zu achten und zu hüten.

Das ist vielleicht die Lektion, die die Ruinen von Babylon uns flüstern, wenn wir lange genug still sind, um zuzuhören. Laß die Bilder weich werden, der Turm löst sich auf in Licht, die Ziegel sinken zurück in die Erde, das Zweistromland liegt still unter einem Sternenhimmel. So klar und tief wie vor 6000 Jahren Babylon schläft und du schläfst auch gute Nacht.

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