Schweigen ist Zustimmung!· Folge 99

Cheat like hell? Unser Blick auf die US-Midterms 2026

Sonntag, 25. Oktober 2026 · 1 h 48

MP3

Shownotes

3. November 2026: Die USA wählen ihren Kongress neu, alle 435 Sitze im Repräsentantenhaus und 35 von 100 im Senat. Donald Trump macht daraus eine Wahl über sich selbst: „Because in a way I am on the ballot.“ Beim Parteitag der Republikaner in Dallas lässt er seine Anhänger schwören und sagt dabei: „I’m going to try and cheat like hell, like they do.“ Gemeint sind die Demokraten, denen er Betrug vorwirft. Das Ergebnis erkenne er nur an, „if the elections are honest“.

Patrick und Jens fragen, wie fair diese Wahl noch ist. Ein Haus unter demokratischer Führung könnte Geld sperren, Zeugen und Akten erzwingen und ein Amtsenthebungsverfahren eröffnen, und die Demokraten liegen in den Umfragen mit fast zehn Punkten vorn. In Texas führt der Demokrat James Talarico knapp vor Trumps Kandidaten Ken Paxton. Dann häufen sich die Eingriffe: Die FCC hält Talarico aus dem Abendprogramm, das Weiße Haus schaltet Spots auf Steuerzahlerkosten, das Justizministerium verlangt die Wählerlisten der Bundesstaaten und lässt sie durch eine Einwanderungsdatenbank laufen, ein Dekret soll die Post zum Türsteher der Briefwahl machen, und Trump verspricht 5.000 Dollar für jeden Erwachsenen, falls die Republikaner gewinnen.

Gefährlich wird es nach dem Wahltag, sagen die beiden. Briefwahlstimmen werden oft zuletzt gezählt und drehen Ergebnisse zugunsten der Demokraten, deshalb forderte Trump in der Wahlnacht 2020 „Stop the Count“. Diesmal könnte er das Gegenteil wollen: Kalifornien und das Rangfolgesystem in Alaska zählen lange, die Frist für die Beglaubigung endet am 3. Januar, und wer bis dahin Stimmzettel beschlagnahmen lässt, Nachzählungen verlangt oder Wahlmaschinen anzweifelt, kann Sitze offen halten. Dazu kommen Wahlbeobachter des Justizministeriums bei fehlender OSZE und die Frage, ob Verteidigungsminister Hegseth Truppen an die Wahllokale schickt.

Themen

• Was die Midterms sind und warum sie als Denkzettel für den Präsidenten gelten

• Was ein Repräsentantenhaus unter demokratischer Führung kann: Geld, Vorladungen, Amtsenthebung

• Umfragen und enge Rennen: Texas mit Talarico und Paxton

• Was Trump offen sagt: „too big to rig“, Ergebnis nur bei „ehrlichen“ Wahlen, „cheat like hell“

• Fernsehen, Spots und Wählerlisten: FCC, Steuergeld, SAVE-Datenbank, Ausweispflicht

• Briefwahl und Post, 5.000 Dollar für alle

• Wahlbeobachter, FBI, ICE und Truppen am Wahllokal

• Bannon, Bongino und die Forderung, Wahlen zu „nationalisieren“

• Nach dem Wahltag: Stop the Count, Zählung, Fristen, Beglaubigung

• Kompetitiver Autoritarismus, V-Dem und „Alman MAGA“

Erwähnte Personen & Organisationen

• Donald Trump: US-Präsident, sagt, er sei bei den Midterms „in a way“ auf dem Wahlzettel

• Mike Johnson: Sprecher des Repräsentantenhauses, sagt, eine demokratische Mehrheit würde Trump „probably on the first day“ im Januar 2027 anklagen

• James Talarico: Demokrat, Senatskandidat in Texas, erschien nach der Absage bei Kimmel und Colbert auf Kimmels YouTube-Kanal

• Ken Paxton: Generalstaatsanwalt von Texas, von Trump unterstützt, tritt gegen Talarico an

• Jimmy Kimmel und Stephen Colbert: Late-Night-Moderatoren, die sagen, die Medienaufsicht FCC setze sie unter Druck

• Steve Bannon: früherer Strategieberater Trumps, forderte im Februar 2026, Wahlbehörden wie in Fulton County, Maricopa County und Philadelphia zu übernehmen

• Dan Bongino: Podcaster und bis Januar stellvertretender FBI-Chef, in seinem Podcast sagte Trump, die Republikaner sollten „nationalize the voting“

• Pete Hegseth: US-Verteidigungsminister, im Kongress gefragt, ob er Truppen in Wahlregionen schicken würde

• Steven Levitsky und Lucan Way: Politikwissenschaftler, prägten den Begriff „kompetitiver Autoritarismus“

• V-Dem-Institut: Demokratieforschung in Göteborg, stuft die USA seit März 2026 nicht mehr als liberale Demokratie ein

• Richard Hasen: Wahlrechtler an der University of California, beschreibt, was nach dem Wahltag passieren könnte

• Thom Tillis: republikanischer Senator, verglich die Steuergeld-Spots des Weißen Hauses mit Viktor Orbán in Ungarn

• Markus Söder: bayerischer Ministerpräsident, droht Berlin beim Länderfinanzausgleich, falls die Linke dort regiert, für Jens ein Beispiel für „Alman MAGA“

• Justizministerium: verlangt Wählerlisten und will im November 1.000 zusätzliche Bundesbeobachter schicken

• OSZE: beobachtet seit 1975 US-Wahlen, wurde in diesem Jahr nicht eingeladen

Begriffe

• Midterms: Zwischenwahlen in der Mitte der vierjährigen Amtszeit. Das Repräsentantenhaus wird komplett neu gewählt, im Senat steht ein Drittel der Sitze zur Wahl.

• Generic Ballot: Durchschnitt aller landesweiten Umfragen zur Frage, welche Partei die Wählenden im Kongress sehen wollen.

• Impeachment: Amtsenthebungsverfahren. Das Repräsentantenhaus erhebt die Anklage, der Senat entscheidet mit Zweidrittelmehrheit.

• SAVE-Datenbank: Datenbank des Heimatschutzministeriums für Einwanderungsfragen, durch die das Justizministerium Wählerlisten laufen lässt, um Nichtbürger zu finden.

• Rangfolgewahl: Wahlverfahren, bei dem Wählende die Kandidaten sortieren. Die Auszählung dauert länger, in Alaska bis zum 18. November.

• Beglaubigung: Amtliche Bestätigung eines ausgezählten Ergebnisses. Ohne sie bleibt ein Sitz leer, die Frist für Kongresssitze ist der 3. Januar.

• Chain of Custody: Die lückenlose Kette, wer Stimmzettel wann in der Hand hatte. Reißt sie, etwa durch eine Beschlagnahme, lässt sich nicht mehr beweisen, dass sie unverändert sind.

• Stop the Count: Trumps Forderung in der Wahlnacht 2020, die Zählung abzubrechen, als spät gezählte Briefwahlstimmen das Ergebnis drehten.

• Kompetitiver Autoritarismus: Systeme mit echten Wahlen und echter Opposition, in denen die Regierung den Staatsapparat nutzt, um das Spielfeld zu ihren Gunsten zu neigen.

• Alman MAGA: Patricks Wort dafür, dass in Deutschland dieselben Muster laufen wie in der MAGA-Bewegung.

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