Science Busters Podcast· Folge 145

Wann wird's mal wieder richtig Sommer & was ist so super an Super El Niño - SBP145

Montag, 5. Oktober 2026 · 1 h 05

MP3

Shownotes

Über Solar-Cooling, heiße Städte durch Klimaanlagen, Tiefenbohrungen, Energiegemeinschaften, Elektro-LKW, gutes Speichern & nicht so gutes Speichern und Super El Niño
In Ausgabe 145 des Science Busters Podcasts geht es um die Hitze der Stadt, wie man sie erträglich gestalten kann, Tiefenbohrungen, nicht so gute Klimapolitik, fossile Subventionen und einen bacherlwarmen Pazifik.

Andreas Jäger:

Good News - The Ride (andreasjaeger.at/2026/08/17/loesungen-loesunge…)

Energiegemeinschaften (energiegemeinschaften.gv.at)

Solar Cooling (photovoltaik.biz/lexikon/solare-kuehlung)

Klimatisierung durch Sonnenenergie (selfmade-energy.com/solare-kuehlung-was-ist-das)

Klimafonds Österreich (klimafonds.gv.at/newsletter/co%E2%82%82-im-vis…) zu CCS

Landwirtschaftsministerium zu CCS (klimafonds.gv.at/newsletter/co%E2%82%82-im-vis…)

Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) (bund.net/service/publikationen/detail/publicat…)

AIT zu Erdwärme (ait.ac.at/themen/waermenetze-und-kaeltenetze-f…)

Spenden an die Letzte Generation (letztegeneration.at/spenden), Systemchange not Climatechange (systemchange-not-climatechange.at/spenden), Fridays for Future (fridaysforfuture.at/spenden)

Info & Mitmachen bei Lobau bleibt (lobaubleibt.at)

Lektüre

Das neue Buch der Science Busters ist da!!! "AUS! - Die Wissenschaft vom Ende" (hanser-literaturverlage.de/buch/science-buster…) erschienen im Hanser Verlag.

Zeitgleich gibt es im Hörverlag auch ein neues Hörbuch selben Namens, gelesen von Ralph Caspers (penguin.de/buecher/science-busters-aus-/hoerbu…).

Unser Jubel-Buch, erschienen vor drei Jahren anlässlich 15 Jahre Sience Busters giltet noch immer: "Wissenschaft ist das, was auch dann gilt, wenn man nicht dran glaubt: Das große Jubelbuch der Science Busters" (amzn.to/3q8ZzWz). Erschienen bei Hanser (hanser-literaturverlage.de/buch/wissenschaft-i…).

Florian Freistetter "Die Farben des Universums" (hanser-literaturverlage.de/buch/florian-freist…)

Hörbuch (amazon.de/Audible-Die-Farben-des-Universums/dp…), gelesen von Armin Hauser

Auftritte

Unsere aktuelle Live-Show “Weltuntergang für Fortgeschrittene” (sciencebusters.at/buehnenprogramme/weltuntergang)** mit Martin Moder, Florian Freistetter und Martin Puntigam berietet uns & unserem Publikum viel Freude, deshalb spielen wir sie so oft wie möglich vor:

8.10. Orpheum Wien (orpheum.at/produkt/science-busters-weltunterga…)

13.10. Z2000 Stockerau (z2000.at/Science_Busters)

15.10. Posthof Linz (posthof.at/event/science-busters-weltuntergang…)

17.10.26 Helmut List Halle Graz (helmut-list-halle.com/event/science-busters-we…)

24.10. Kulisse Wien (kulisse.at/programm/?p=Weltuntergang-f%C3%BCr-…)

SB4Kids aktuell digital in der ORF-Kids App, jede Folge zirka 10 Minuten. Analog gibt es die Show mit Martin Moder & Martin Puntigam am

15.10. Posthof Linz (posthof.at/event/science-busters-for-kids-3)

17.10. Helmut List Halle (helmut-list-halle.com/event/science-busters-fo…) 16.00 Uhr

24.10.26 Kulisse (kulisse.at/programm/?p=Science-Busters-for-Kids)

Infos & Tickets unter sciencebusters.at/termine & puntigam.at

Sternengeschichten Live (sternengeschichten.live) mit Florian Freistetter:

23.10. Fürth
9.11. Erfurt
10.11. Leipzig
11.11. Dresden

Alle Termine unter
sternengeschichten.live

Premiere neues Solo "Chatbot Moder" am 19.1.2027 in der Kulisse Wien

Das neue Solo v. & m. Martin Puntigam ab Herbst, Premiere am 10. November 2026 im Theatercafé Graz (hinwider.com/Veranstaltung/martin-puntigam-5/?…): Titel „Der Heilige Puntigam“.

Wien-Premiere 19.11. Kabarett Niedermair (niedermair.at/kuenstler/martin-puntigam)

Vor-Premieren:

30.10 Kulturhof Linz (kupfticket.com/events/martin-puntigam-der-heil…)

*4.11. Bettfedernfabrik Oberwaltersdorf (bettfedernfabrik.at/veranstaltung/martin-punti…)

6.11. Tischlerei Melk (wachaukulturmelk.at/de/programm/martin-puntiga…)

7.11. Bruno Brunn am Gebirge

Wer jedenfalls dabei sein möchte, wenn der Heilige Geist den MC der SB gebenedeit, kann schon jetzt Karten reservieren.

Alle Infos zu den Terminen unter sciencebusters.at und puntigam.at

Funk und Fernsehen

Die aktuelle Staffel ist seit Ende April fertig ausgestrahlt, jedoch noch ein halbes Jahr weltweit (!) abrufbar auf ORFON (on.orf.at/sendereihe/13886769/science-busters).

Die Science-Busters-Sendungen auf Radio FM4 findet man hier (radiothek.orf.at/podcasts/fm4/fm4-science-bust…).

Alle bisherigen TV-Folgen kann man hier auf DVD kaufen (shop.orf.at/orf/de/dvd/comedy/2482/science-bus…) oder bei Amazon (bit.ly/science_busters_amazon).

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Fragen zur heutigen Folge und andere Fragen, die wir beantworten sollen, und hoffentlich können, an podcast@sciencebusters.at oder über Instagram oder Facebook. Gern als Audiofile

Dank

Der Podcast wird produziert mit Unterstützung der TU Wien (tuwien.at) und der Universität Graz (uni-graz.at)

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Martin Puntigam Ausgabe 145 des Science Busters Podcasts und heute heißt es, die Sonne steht schon hoch am Himmel.

Andreas Jäger Und mit Solar Cooling kann man zwar die Klimakatastrophe nicht aufhalten, aber sie vielleicht besser aushalten.

Martin Puntigam Ausgabe 145 Designs-Wassers-Podcasts, wie immer unterstützt von der Uni Graz und der TU Wien. Mein Name ist Martin Puntigam und mein Gesprächspartner heute, kann ich sagen, mir gegenüber sitzt, weil schon irgendwie, aber halt entfernt gegenüber sitzt, Andreas Jäger, Meteorologe und Wissenschaftskommunikator. Hallo.

Andreas Jäger Hallo.

Martin Puntigam In der letzten Ausgabe 144 haben Martin Moda und ich unter anderem gesprochen über Standvermögen, zufällige Entdeckungen, glückliche Rentner mit Bluthochdruck, wo man die besten akademischen Titel kaufen kann, den Unterschied zwischen Tadalafil und Sildenafil und ob Blumen Viagra lieber mögen als Cialis.

Martin Puntigam Heute geht es unter anderem um die vergangenen Hitzewellen, dass der Sommer 2026 aus Sicht des Sommers 2050 vermutlich noch ein paradiesischer gewesen sein wird, Solar Cooling, Energiegemeinschaften, E-Mobilität, Gutes speichern und nicht so Gutes speichern und wenn noch Zeit ist, sprechen wir über El Nino und zwar über Super El Nino und was daran so super ist.

Martin Puntigam Bevor wir uns aber damit beschäftigen, warum Super El Nino deutlich weniger vergnüglich ist als Super Mario, eine kurze Produktinformation.

Werbung Hallo Martin. Hallo Martin. Und worum geht's heute? Young Urbans. Young Urbans? Das klingt ein bisschen wie Hausmartin. Sind das auch Zugvögel, die nur im Altbau brüten? Nicht ganz, aber Haus ist gar nicht so blöd, wie Sie glauben. Glaube ich nicht, dass es blöd ist. Ich meine den Young Urban Haushaltsrabatt von Unica. Der ist für Menschen unter 36.

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Martin Puntigam Andreas, Sommer 2026 ist vorbei, es ist Herbst geworden, es ist kühler geworden, es ist das eingetreten, was zu befürchten war, nämlich, dass es so weitergeht wie immer und so getan wird, als hätte es diesen katastrophalen Hitzesommer gar nicht gegeben. Aber in deiner Blase, in deiner Branche Klima und Meteorologie gibt es einen Witz dazu, oder?

Andreas Jäger Ja, 2026 ist nämlich der kühlste Sommer der nächsten 100 Jahre. Es ist ein Trauer.

Martin Puntigam Und es hat natürlich einen bitteren Beigeschmack, weil es ist eigentlich weniger ein Witz als eine Sachverhaltsdarstellung, weil nach all dem, und wir haben das auch schon öfter in unseren FM4-Sendungen, Frag Designs Passers Live besprochen, was publiziert wird, auch im Sachstandsbericht. Und natürlich, die Studien haben alle ein bisschen eine Verzögerung.

Martin Puntigam Die Daten, die dann publiziert werden, sind auch schon ein bisschen älter. Aber nicht nur deshalb kommen die Katastrophen und globalen Temperaturerhöhungen und die Extremwetterereignisse immer massiver und schneller und ärger, als man es eigentlich erwartet hat.

Andreas Jäger Absolut. Also 2015 beim Pariser Klimaabkommen, wo alle so glücklich waren, dass sich die Chinesen und die Amerikaner endlich zusammengefunden haben und man gemeinsam am Strang zieht, da ist man noch davon ausgegangen, wenn wir uns anstrengen, dann schaffen wir noch die 1,5 Grad. Ja, aber das müssen wir halt schon was tun. Aber die 2 Grad, die sollte man so oder so schaffen.

Andreas Jäger Und jetzt ist es so, dass wir jetzt schon ein paar Jahre 1,5 Grad haben. Also das Ziel ist, das ist gegessen, der Kars ist gegessen. Und das 2 Grad Ziel, also da gibt es ehrlich gesagt auch nicht mehr sehr viel Hoffnung. Also das ist uns entglitten, das Klima schwingt leider weiter nach oben. Und deswegen, ja, also das ist ein Sommer.

Andreas Jäger Der nächste kann schon wieder kühler werden, aber 2026, das können wir uns dann langsam gewöhnen.

Martin Puntigam Und das kann ja in den nächsten 10, 15, 20 Jahren sogar bis zu 45 Grad in den Städten kommen als Spitzen. Und das ist gar nicht unwahrscheinlich, weil es gibt ja eine gewisse Verzögerung. Also das, was wir 2026 erlebt haben, ist ja nicht die unmittelbare Auswirkung von 2025, wo es ja Österreich geschafft hat, wieder mehr CO2 in die Atmosphäre abzugehen.

Martin Puntigam Also in den Jahren davor war es besser, da hat man weniger CO2 abgegeben, aber mit Regierungswechsel und eben einer Regierung, die was Klimaschutz betrifft, Und mit unehrgeizig, schmeichelt man diese Regierung noch. Da haben wir es geschafft, noch mehr abzugeben. Aber in Wirklichkeit ist die Verzögerung ja fast 20 Jahre. Also das, was wir 2026 erlebt haben, das haben wir vor 20 Jahren verbrochen, oder?

Andreas Jäger So kann man das sagen. Wenn wir jetzt aufhören, und das reden alle nur, wir haben uns nicht gesteigert. Aber das Hauptproblem ist, wir müssten ja aufhören damit, CO2 rauszulassen. Nicht nur nicht steigern, sondern es müsste zurückgehen ganz massiv. Und es ist tatsächlich so, wenn wir heute kein CO2 mehr in der Atmosphäre blasen würden, weltweit, was natürlich nicht möglich ist, aber wenn wir das machen würden, würde Temperaturen trotzdem noch steigen, weil der aktuelle CO2-Gehalt global gesehen noch nicht im Klimagleichgewicht ist.

Andreas Jäger Also wir kriegen das sogenannte Overshooting zusammen. Wir kommen dann über zwei Grad rüber und dann müssen wir es aber so schauen, wie wir CO2 aus der Atmosphäre kriegen. Aber ich wäre schon mal froh, wenn wir es schaffen würden, die Quellen versiegen zu lassen.

Martin Puntigam Der Overshoot haben wir auch schon öfter bei FM4 gehabt. Klingt wie eine Fortsetzung eines Karl-May-Romans. Das ist auch eine sehr beliebte Ausrede momentan. Ja, Oberschut ist blöd, da hat man halt einmal über die Stränge geschlagen, aber dann erfinden wir lauter tolle Sachen und dann kriegen wir das bis Ende des Jahrhunderts wieder in den Griff.

Martin Puntigam In Wirklichkeit sind dann aber bis dahin, wenn ich es richtig verstanden habe, so viele Dinge kaputt oder gekippt, dass man sie nicht mehr reparieren kann. Und es ist natürlich auch eine Ausrede dafür, so weiterzumachen wie bisher. In Österreich, wo wir uns am besten auskennen, ist es ja politisch so, es gibt jetzt ein Klimagesetz, das kaum der Rede wert ist und gleichzeitig führen sehr viele Politiker, Politikerinnen, aber auch in den Medienlisten.

Martin Puntigam Das Wort Anpassung in den Reden. Das heißt, man muss nur schauen, dass es nicht zu heiß wird, dann kann man das schon alles überleben und irgendwie wird schon irgendwann irgendein Wundermittel daherkommen und dann kriegen wir das in den Griff. Was das so tut, als wären es zwei verschiedene Dinge, ist in Wirklichkeit ja, beides. Also wir müssen was gegen die Klimakatastrophe unternehmen, die schon stattfindet.

Martin Puntigam Die kann man leider nicht in die Zukunft legen. Die Klimakatastrophe hat begonnen und wir können nur schauen, dass sie nicht noch schlimmer wird, als sie ohne dies schon ist. Oder sich ankündigt zu werden. Da gibt es leider schlechte Vorzeichen dafür und wir müssen uns aber auch anpassen. Jetzt ist die Stimmung natürlich so, wie sie schon im Sommer erwartbar war.

Martin Puntigam Es gibt Klassenzimmer ohne Klimageräte, es gibt Krankenhäuser, Pflegeheime ohne Klimageräte. Das heißt, die Menschen, die dort arbeiten, ausgebildet werden, wohnen. Die müssen davon ausgehen, dass sich auch bis zum nächsten und übernächsten und zum nächsten Hitzesommer niemand darum kümmert, dass sie es besser haben und aushalten können, Aber Anpassung ist ja nicht nur eine Ausrede, sondern es bleibt uns ja gar nichts anderes übrig, oder?

Andreas Jäger Es bleibt uns nichts anderes übrig. Mit dem, was wir jetzt haben, müssen wir leben und hoffen, dass es nicht allzu schlimm wird. Aber wir müssen uns anpassen und zwar gleich, weil man kann ja keinem 80-Jährigen oder einer 80-Jährigen zumuten, dass sie in einer überhitzten Wohnung den nächsten Sommer schon wieder sitzt.

Andreas Jäger Das ist ja alles tödlich, das ist ja alles nicht lustig. Bei mir persönlich zum Beispiel, ich bin den ersten Sommer regelmäßig im Homeoffice, wo ich sage, das geht einfach nicht mehr. Ich muss ein bisschen kühlen hier auch. Das ist mir jetzt zu viel. Vor zehn Jahren habe ich es noch ausgehalten, aber jetzt, ich merke es einfach von der Arbeitsleistung und von allem.

Andreas Jäger Also wir alle müssen jetzt was machen und da ist das Schlagwort, kann nur sein Solar Cooling. Also woher nämlich die Energie für die Klimaanlage.

Martin Puntigam Was versteht man da drunter?

Andreas Jäger Unter Solarcooling versteht man, dass ich die Energie für die Klimaanlage direkt über die Sonne habe. Weil es passt zufälligerweise perfekt zusammen. Wenn die Sonne scheint, ist heiß und wenn die Sonne scheint, arbeiten die PV-Anlagen wunderbar. Dann nehme ich diesen Überschussstrom und betreibe damit die Klimaanlagen auch in der Nacht, weil ich über die Speicher, die es mittlerweile gibt, sozusagen diesen Sonnenstrom auch in der Nacht zur Verfügung habe.

Andreas Jäger Das wird weltweit teilweise schon vorexerziert.

Martin Puntigam Was bedeutet das denn konkret? Wenn du in, deinem Haus, deiner Wohnung, wo du arbeitest, wo du die Sommer in Homeoffice verbringen möchtest, ohne dass du die möglichst wenig bewegst und trotzdem schwitzt und das kaum aushaltest, was musst du denn da unternehmen? Weil das hat ja auch Konsequenzen. Also wenn man die Wärme von drinnen nach außen bringt, dann ist sie ja draußen. Die ist ja nicht weg, sondern dann ist es draußen wärmer.

Martin Puntigam Kann man sagen, ja, da ist es sowieso warm, aber das hat ja, glaube ich, Konsequenzen, wenn ich es richtig verstanden habe. Was musst du denn konkret unternehmen, dass es in der Wohnung zumindest aushaltbar ist, wenn man kaum noch rausgehen kann? Was bedeutet denn das tatsächlich Schritt für Schritt für dich jetzt?

Andreas Jäger Also man wird sich in der Wohnung in irgendeiner Form eine Klimaanlage einbauen müssen oder eine mobile nehmen, dass man sich wenigstens ein bisschen kühlt.

Martin Puntigam Außer man lebt halt auf einer Seehöhe, wo man es trotzdem aushalten kann, oder?

Andreas Jäger Ja, aber ich gehe jetzt davon aus, wir hatten ja diesen Sommer auch Nachtrekorde. Also das waren ja fast 28 Grad. Also es war ja irrsinnig heiß in der Nacht. Wir schlagen ja nicht nur die Nachmittagsrekorde, sondern auch die Nachtrekorde. Also man kann es ja gar nicht mehr holen. Ich habe ja nicht mehr diese kühle Nacht wie früher.

Andreas Jäger Das war diesen Sommer einfach nicht gegeben. Das heißt, ich werde es ohne irgendeine Klimaanlage in irgendeiner Form nicht schaffen. So, jetzt wird die Strom fressen. Egal, ob ich jetzt eine bauen darf oder nicht, jetzt wird die Strom fressen. Jetzt muss ich mich darum kümmern, dass ich einen Stromanbieter habe, der mir sozusagen den Sonnenstrom tagsüber, wo er ja wirklich sehr, sehr billig ist, teilweise geht da der Strom an irgendwelchen Märkten ins Negative rein. Ja.

Andreas Jäger Da kriegst du schon Geld, wenn du den Strom überhaupt abnimmst. Also das ist jetzt natürlich bei einem kleinen Verbraucher, wird das nicht so sein. Aber ich brauche dann einen Anbieter, der mir sagt, okay, wenn du tagsüber Strom beziehst, dann kriegst du ihn billig und zwar vielleicht sehr billig. Dann würde ich jetzt persönlich schauen, dass ich tagsüber zum Beispiel diese Klimaanlage laufen habe, dass die Wohnung erst gar nicht heiß wird und dass ich dann vielleicht mehr in der Nacht sie ausschalten kann.

Andreas Jäger Also das wäre jetzt einmal die erste Taktik, die ich vorschlagen würde. Und natürlich alles, was an Außenbeschattung irgendwie geht. Also Außenrollos, also überall, wo es südseitig ist, da muss man natürlich auch das Letzte rausholen. Da Geld investieren ist irrsinnig wichtig. Da hat natürlich auch nicht jeder Möglichkeiten und jede, aber das sind die Sachen, die man mal schnell machen kann. Die Klima, schauen, welcher Stromanbieter bietet mir günstigen Sonnenstrom zum Mittag.

Martin Puntigam Da gibt es ja, hat es ja heuer schon Möglichkeiten gegeben, den sogenannten Sommerstrom zu nutzen. Das wäre das, dass man, ich glaube, da muss man den Smart Meter, wenn man das hat, umstellen auf, glaube ich, Viertelstundenablesung oder so und dann kriegt man, wenn die Sonne im Sommer tagsüber stark scheint, billigeren Strom und soll dann waschen und den Geschirrspiel einschalten und föhnen und so weiter? Ja, absolut.

Andreas Jäger Also die sind ja, de facto ist es so, dass die sogar froh sind, wenn du ihnen zum Mittag den Strom abnimmst. Da sollte man eigentlich dann den Strom auch verwenden, ja, ganz genau. Und wie gesagt, dann kann ich sozusagen die Klimaanlage tagsüber laufen lassen und dafür sorgen, dass die Wohnung mal von vornherein gar nicht so heiß wird.

Martin Puntigam Mhm.

Andreas Jäger Das wäre sozusagen jetzt wichtig. Das ist der eine Teil. Also das ist das, was sich bei mir in der Wohnung abspielt. Was sich draußen abspielt, ist das andere. Natürlich transportierst du diese Wärme von drinnen nach draußen. Das macht das Klimagerät. Das kennt jeder. Ich meine, das ist ja nichts anderes als wie beim Kühlschrank.

Andreas Jäger Die Wohnung ist der Innere des Kühlschranks, die Hausmauer ist das Äußere des Kühlschranks und das weiß jeder, dass es hinter dem Kühlschrank warm ist. Und diese Wärme ist dann natürlich zunehmend in den Städten ein Problem. Also, wo es ganz eng ist und jeder eine Klimaanlage hat und viel Beton ist und eben die Häuser eng aneinander stehen und das eigentlich nur so eine Häuserei ist, dass ich da dann natürlich auch mir die Stadt nochmal aufheize, ist auch irgendwo logisch.

Andreas Jäger Übrigens sehr spannend ist, anders ist, wenn es gibt ja verschiedene Möglichkeiten, wenn du zum Beispiel eine Wärmepumpe hast. Es kommen ja zusehends Wärmepumpen und es gibt ja zusehends auch Lösungen für Wohnungen, wo du in deiner Wohnung, wo das gibt es zusehends. Also eine einzelne Wärmepumpe.

Martin Puntigam Wo man in der Wohnung eine Wärmepumpe hat?

Andreas Jäger Ja, es gibt mittlerweile Systeme. Es gibt Firmen, speziell ein Startup in Österreich, die habe ich gerade gestern besucht, zufälligerweise. Ich nenne jetzt keine Namen, aber das Konzept ist folgendes, dass du sozusagen, dass du deine Gastherme, speziell für Gasetagenwohnungen, dass die Wärmepumpe die Größe hat, dass du mehr oder weniger dort, wo deine Gastherme ist, die ganze Wärmepumpe reintust, mit allem Drum und Dran.

Andreas Jäger Also es gibt Möglichkeiten, Du holst dir von außen mit einer Tiefenbohrung, irgendwo musst du die Kühle herholen. Mit einer Tiefenbohrung zum Beispiel machst du eine Tiefenbohrung, die ganze Hausanlage gemeinschaftlich eine Tiefenbohrung und dann kann sich jeder Einzelne dort anhängen, wenn er dann will.

Andreas Jäger Und für diese Tiefenbohrung brauchst du dann rein rechtlich nur 50 Prozent der Menschen, die müssen dafür sein, weil es eine Verbesserung der Anlage ist. Und dann musst du aber nicht zwingen, dass alle im Moment... Sozusagen sofort sich dort anhängen, sondern Stück für Stück, wenn sie Geld haben, hauen sie ihre alte Therme raus und bauen diese Wärmepumpe rein und hängen sich dort an diese Tiefenbohrung an.

Martin Puntigam Aber wer macht denn diese Tiefenbohrung? Also ich kann ja keine Tiefenbohrung machen.

Andreas Jäger Das macht natürlich eine Firma. Das wäre jetzt eine Wohnhausanlage, wo man sich beim Mietertreffen, wo man sich trifft, üblicherweise in irgendeinem Raum, wo man sich trifft und dann darüber abstimmt, ob man das machen will. Und wenn 50% dafür sind, dann machst du diese, entweder machst du draußen eine Wärmepumpe, so eine Luftgeschichte oder Tiefenbohrung, da gibt es verschiedene Möglichkeiten.

Andreas Jäger Aber du teilst die Kosten auf circa 40 zu 60 auf. Also 40% der ganzen Kosten ist sozusagen das Ding da draußen und 60% ist drinnen. Aber das drinnen können dann die Leute machen, wenn sie es sich leisten können. Und wenn sie wollen, ja, die Gastherme wird kaputt, jetzt gehe ich her und tausche sie aus.

Martin Puntigam Und das kann man in der Stadt machen, da kann man einfach in der Gegend herumbohren?

Andreas Jäger Teilweise schon, da brauchst du nicht so viel Platz. Also es werden natürlich auch ganz normale Wärmepumpen mit Gebläse draußen ausgerichtet. Die Luft-Luft-Lösungen, für die brauchst du nicht viel Platz. Aber auch das Bohren selber, da musst du halt am Bohrtum aufstellen können, aber das ist keine Hexerei, das geht schon.

Martin Puntigam Okay, und die Anlage muss auch eine gewisse Größe haben wahrscheinlich. Also wenn in einem Haus nur sieben, acht Parteien sind, dann zahlt sich das nicht aus oder schon aus?

Andreas Jäger Das zahlt sich auch aus bei sieben, acht Parteien, auf jeden Fall. Wenn man gemeinschaftlich diese Bohrung zahlt, ist es einfach natürlich, je mehr, desto günstiger wird es. Das ist schon klar, aber das wird sich auch auszahlen, würde ich ganz stark annehmen. Das Spannende ist jetzt das, wenn du jetzt diese normale Anlagen hast mit Luft, Luft, dann transportierst du immer die Wärme draußen in die Stadt und die Stadt wird wärmer. Du hast eine kühle Wohnung, aber die Stadt wird wärmer.

Andreas Jäger Wenn du die Tiefenbohrung hast, jetzt kommt der Witz, das ist total witzig, entnimmst du ja Wärme dem Boden und der Boden kühlt da ab. Und da hat man gesehen, dass auf Dauer die Effekte schlecht sind. Und die Stadt Wien, wenn du so eine Tiefenbohrung machst in deiner Anlage und du machst es, das darfst du, machst die Tiefenbohrung, dann musst du im Sommer diese Wärme wieder zuführen.

Andreas Jäger Die gleiche Wärme, per Gesetz, die gleiche Wärme, die du im Winter, da unten hat es 10, 12 Grad, da geht es nicht um Thermalwasser, da unten hat es 10, 12 Grad und mit der Wärmepumpe holst du das rauf, diese Wärme im Winter. Und im Sommer musst du die gleiche Wärme, die gleiche Energiemenge, die du raufgeholt hast, wieder reinpumpen. Das heißt, du kühlst quasi die Stadt ab.

Andreas Jäger Das ist verpflichtend. Das ist sehr witzig und sehr gescheit.

Martin Puntigam Technisch kennen es ja die meisten Menschen ungefähr so schlecht aus wie ich, aber man sieht die Geräte. Dann würde man zum Beispiel in den Hof oder in den Garten oder was es auch immer bei einer Wohnhausanlage gibt, eine Wärmepumpe hinstellen, und wenn man daneben diese tiefen Bohrung gemacht hat, dann kann man das über diese Wärmepumpe rein- und rausfahren oder das schaut technisch ganz anders aus?

Andreas Jäger Es schaut technisch ganz anders aus. Wenn die Tiefenbohrung gemacht ist, siehst du da gar nichts mehr. Das ist der Vorteil der Tiefebohrung. Die Luft-Luft-Geschichte, da steht immer ein Kasten draußen. Vor den Einfamilienhäusern sieht man immer dieses Kasten mit Gebläse. Das ist eine Luftgeschichte, wo man sich die Energie aus der Luft holt und da hole ich die Energie aus dem Erdboden in ca.

Andreas Jäger 80 Meter Tiefe, bohre ich runter, da hat es 10, 11, 12 Grad, da hole ich mir diese Wärme rauf. Aber wenn die Bohrung einmal gemacht ist, wenn der Turm einmal runtergebohrt hat, die 80 Meter, dann ist da zu. Da hast du da oben eine Wiese, was immer du willst. Oder du hast einen Parkplatz. Das ist komplett wurscht.

Andreas Jäger Das ist komplett unsichtbar. Also die Tiefenbohrung ist in Wirklichkeit das absolut Deleganteste von allem.

Martin Puntigam Ich höre zum ersten Mal davon, sowas wird gefördert noch oder das muss man selber finanzieren, weil das klingt ja nicht sehr wohlfeil.

Andreas Jäger Also es gibt sehr wohl Einfamilienhäuser, die das für ihre Häuser gemacht haben. Also das ist die teurere Lösung, aber es gibt Einfamilienhäuser, die sich das leisten. Also mein Cousel hat sowas im Jahre Schnee gemacht. Das hat etwas mehr Geld gekostet, dafür hat er jetzt nur noch die Stromkosten. Weil das Geniale an der Wärmepumpe ist dieser Hebel von 1 zu 5.

Andreas Jäger Ich heizte die Wohnung sozusagen mit einem Fünftel aus Strom und die restlichen vier Fünftel ist die Energie aus dem Boden oder aus der Luft.

Martin Puntigam Das heißt, wenn man es dann schafft, auch noch, wenn es da Dach gibt, das nicht ausgebaut ist, oben auch noch PV-Paneele raufzugeben aufs Haus oder früher oder später, auch wenn es nicht schön ausschaut, wird man wahrscheinlich auch Häuserfronten entsprechend verkleiden. Und da gibt es glaube ich auch schon Lösungen, dass das nicht alles so ausschaut wie die Paneele, die man jetzt sieht, diese dunklen Paneele, sondern, wenn ich es richtig gesehen habe, gibt es auch schon Paneele, die ausschauen wie Dachziegeln, wenn man sie aufs Dach rauflegt, sodass das Dach weiterhin wie ein Dach ausschaut, wie man es gewohnt ist.

Martin Puntigam Dann kann man den Strom über die Sonne, über Solar Cooling erzeugen und die Wohnung über die Wärmepumpe, die man in der Wohnung drinnen hat, über diese tiefen Bohrung kühl halten.

Andreas Jäger Ja, es ist ganz genau so. Weil die Wärmepumpe, das ist wie ein Kühlschrank, da ist ein Kompressor drin, da ist ein Kühlmedium drin, das wird zusammengepresst. Und zusammengepresst, da erzeugt es Wärme, die muss abgeführt werden, die ist dann sozusagen draußen. Und wenn das expandiert im Kühlschrank oder in der Wohnung drinnen, dann nimmt das die Wärme auf. Also das ist dieser Prozess.

Andreas Jäger Und dieser Prozess wird mit Strom aufrechterhalten. So eine Wärmepumpe hat er, so leise wie ein Kühlschrank ungefähr. Weil es im Prinzip ein Kühlschrank ist. Du hast einen Kompressor, da wird mit Strom betrieben, eine Kühlflüssigkeit, ein Kühlmedium, ein Kühlgas, das ewig im Kreis fährt, solange das Ding nicht leck ist, ewig im Kreis fährt und sich selber nicht aufbraucht.

Andreas Jäger Und das Einzige, was es braucht, ist Strom und einen guten Kompressor. Das ist ja das, was bei alten Kühlschränken schlecht wird, der Kompressor. Nach 20 Jahren Kompressor austauschen und du hast wieder einen unglaublichen Wirkungsgrad.

Martin Puntigam Und den Strom, wenn in der Nacht die Sonne nicht scheint, was zumindest... Das ist, wie wir das benennen. Die Sonne scheint ja immer, aber wir sehen sie halt auf der Nachtseite nicht. Dann gibt es sogenannte Speicher. Das sind Batteriespeicher, nehme ich mal an. Da hat es ja einiges getan, oder?

Andreas Jäger Also bei den Batteriespeichern, es gibt Speichersehen, was auch immer. Also irgendwie muss ich den Strom speichern, aber der Boom, der jetzt passiert ist, sind die Batteriespeicher. Also weltweit. In Bulgarien, in Chile. Bulgarien zum Beispiel. Haben innerhalb von nur drei Jahren, die hatten 2023 noch nichts, innerhalb von nur drei Jahren fast 9 Gigawattstunden an Speicher aufgebaut, also an Batteriespeicher aufgebaut.

Andreas Jäger Die Bulgaren jetzt schaffen es, einen Viertel der abendlichen Stromspitze, du hast ja am Abend einen großen Strombedarf, wenn die Leute nach Hause kommen und kochen und, und, und, und das ist teilweise schon dunkel. Sie schaffen es, ein Viertel dieser Stromspitze am Abend bereits mit Solar- oder Batteriestrom zu decken, der ja auch vor über die Sonne gekommen ist.

Andreas Jäger Also da findet eine Entwicklung statt, die man sich nicht vorstellen kann. In Kalifornien. In Kalifornien. Kalifornien hat extrem in PV investiert. Die haben auch riesen Mojave-Wüste und so. Die haben natürlich unglaubliche Flächen, die sind PV, aber die haben jetzt so hoch gerüstet, was Batteriespeicher betrifft, dass sie nicht nur diese abendliche Spitze komplett mit dem eigenen Batteriestrom bedienen und kein Gas mehr brauchen, dass das Gaskraftwerk hochfährt, sondern sie haben vom letzten Jahr auf dieses Jahr den Gasverbrauch um 26 Prozent ganz Kalifornien runtergefahren.

Andreas Jäger Also die sind gerade dabei, Gas aus dem System zu kicken. Das ist das, was gerade passiert. Wir sind quasi angekommen im solaren Zeitalter. Der feuchte Traum von vor, ich weiß noch, wie ich angefangen habe zu studieren, haben wir gesagt, Mann, was die Menschheit an Energie verbraucht, das ist ein Zehntausendstel von dem, was die Sonne runterbringt.

Andreas Jäger Wenn wir nur ein bisschen davon ernten, dann haben wir keine Energieprobleme mehr. Und wenn wir wollen, sind wir da genau jetzt. Und wenn wir sagen, Wind ist auch noch in Wirklichkeit Sonnenstrom, weil die Sonne erwärmt es unterschiedlich und schon weht der Wind. So geht es als Metallurgisch, für mich ist Wind auch nur so ein Strom mehr oder weniger.

Andreas Jäger Also mit Wind und Sonne können wir locker durchkommen und die ergänzen sich so unglaublich gut.

Martin Puntigam Dann haben wir die Energieproblematik ein bisschen entschärft, aber die Wärmeproblematik nicht. Weil ja eben durch diese vielen Geräte, wenn man die Wärme nicht wieder in die Erde zurückbringt, werden ja die Städte wärmer und insgesamt wird es auch wärmer. Und momentan fällt ja die Wärme nicht ins Gewicht, was die Erderwärmung betrifft, weil die Treibhausgase den Löwenanteil übernehmen. Aber wenn das immer mehr wird, dann muss man das auch berücksichtigen, oder?

Andreas Jäger Also global gesehen, wenn du mit Sonnenstrom heizt und die ganzen Klimaanlagen laufen, bringt das global genau null. Das gleicht sich ja aus. Dafür ist ja die Wohnung kälter. Also global, du erwärmst den Planeten nicht mit Klimaanlagen, aber du machst dir das Mikroklima in der Stadt kaputt.

Martin Puntigam Das heißt, die Stadt eh schon wärmer ist im Sommer, weil überall asphaltiert ist und Autos herumstehen. Die Autos heizen sie auf, die Straßen heizen sie auf und bis das alles abgekühlt ist, ist die Nacht oft schon vorbei, wenn es eine sogenannte Tropennacht ist. Und das wird dann noch schlimmer?

Andreas Jäger Das wird dann noch schlimmer, außer die Gegenbewegung, dass die Verbrenner gänzlich aus der Stadt raus sind. Weil das sind ja, wie du schon gesagt hast, das sind erfahrene Heizungen und, wenn das Auto dann abstellt, dann erwärmt das unglaublich die Umgebung auch. Also das spürst du natürlich auch. Wenn dann quasi die Autos draußen sind, aber trotzdem, wenn die Klimaanlagen überhand nehmen, dann werden wir sozusagen diesen Start-Effekt, den man hat, den man einfach kennt, diese, Wärmeglocke, die du in der Stadt hast, die wird noch einmal befeuert durch diese Klimaanlagen. Also das ist definitiv der Fall.

Martin Puntigam Also das, was man eigentlich anstreben sollte, was auch in Städten wie Paris oder Amsterdam schon weit fortgeschritten ist und Wien ist da leider eingeschlafen in den letzten 20 Jahren oder andere Städte in Österreich. Nämlich, dass man die Autos aus der Stadt rausbringt. Das ist jetzt bei Verbrennermotoren, noch schlimmer als bei Elektromotoren.

Martin Puntigam Aber selbst das wird, wenn alle Menschen mit Klimaanlage leben müssen, trotzdem dieses Wärmeproblem nicht lösen. In anderen Städten wie Paris und Amsterdam usw. werden ja Parkplätze in großem Stil aufgelöst. Es gibt ja in Wien zwischen 50.000 und 100.000 Parkplätze zu viel. Aber da gibt es diese Bewegung nicht. Aber selbst wenn man den motorisierten Individualverkehr endlich aus der Stadt rausbringt, dort wo er nicht notwendig ist und das ist eigentlich fast überall, außer jetzt bei Einsatzfahrzeugen oder Krankentransporten oder Zulieferbetrieben, müsste eigentlich in der Stadt niemand mehr mit dem Auto fahren, zumal in einer Stadt wie Wien, wo der öffentliche Verkehr so gut ausgebaut ist.

Martin Puntigam Es ist weitgehend flach, man kann mit dem Fahrrad oder mit dem E-Bike fahren, aber selbst wenn man diese herumstehenden Heizkörper, weil, da ist ja schon seit den 70er Jahren Fahrzeuge, sind eigentlich Stehzeuge in der Stadt, die meisten Autos stehen ja herum und heizen die Stadt auf, aber selbst wenn man das wegbekäme, hätte man auch immer ein Problem mit der heißen Abluft aus den Klimaanlagen.

Andreas Jäger Ja, würde ich schon sagen. Das kommt jetzt darauf an, wie viele Klimaanlagen jetzt wirklich gebaut werden. Aber in Asien weiß man, das geht jetzt in die Milliarden von Klimaanlagen. Da müssen wir uns jetzt wirklich das konkret anschauen. Aber das ist sicher eine Entwicklung, die ein bisschen Sorge bereitet oder da, wo man aufpassen müsste.

Andreas Jäger Da muss man wirklich darauf aufpassen, dass wir uns nicht die Stadt dann, das was wir uns bei den Autos gut machen, hoffentlich bald einmal, dass wir das bei den Klimaanlagen sozusagen wieder aufholen.

Martin Puntigam Weil dann heißt es ja, wenn es so ein Sommer ist, 2026, und wenn wir davon ausgehen, dass der Witz in deiner Branche stimmt, dass 2056 die Sommer vielleicht noch verheerender sein können, dann, kann man eigentlich in der Stadt leben. Da kann man, wenn dann überhaupt die Motoren der Lieferdrohnen noch funktionieren oder diese kleinen Autos die Sachen bringen, also da muss man vor dem Sommer genug Nahrungsmittel einlagern, weil man den halben Sommer dann nicht rausgehen kann in die Stadt, weil es so heiß ist.

Andreas Jäger Wir müssen die Städte extrem hitzeresistent machen und das ist ja das Problem, das ist ja genau das, worum es bei dem Schwammstadt-Prinzip geht. Also je mehr ich sozusagen vom Wasser zurückhalte, je mehr Räume ich schaffe, wo das Wasser bleiben kann und dann je mehr Bäume und Pflanzen ich habe, die auf dieses Wasser zugreifen, das Verdunsten, habe ich natürlich eine effektive Verdunstung und Kühlung des Verdunstungsführers.

Andreas Jäger Die effektivste Klimaanlage ist natürlich Beschattung mit einer Pflanze. Es gibt nichts Besseres. Das ist das Eleganteste und das Beste, was es gibt für die Stadt. Die Städte müssen grün, grün, grün, Bäume, Bäume, Bäume. Nur müssen die dann aber auch Wasser haben, damit sie das Ganze überleben. Das ist sozusagen der Punkt.

Martin Puntigam Aber ein Baum braucht ja viele Jahre, bis er einigermaßen gewachsen ist. Also man kann das ja jetzt sehen in der Stadt, Bäume, die vor fünf, sechs, sieben Jahren gepflanzt worden sind, die haben ja noch keine nennenswerte Höhe und Dicke am Stamm. Also in Wirklichkeit hätte man vor 30 Jahren anfangen sollen.

Martin Puntigam Und so ein bisschen wie ein Delay, in der Erderwärmung durch CO2-Ausstoß gibt es da natürlich auch in der Kühlung von Städten, nämlich Bäume, die man heute pflanzt, die hoffentlich die nächsten Extremwetterereignisse überleben, nämlich Überschwemmungen und Dürren. Die sind ja erst in 10, 15 Jahren in der Lage, sinnvoll Kühle zu spenden, oder?

Andreas Jäger Ja, das stimmt. Deswegen wird man Sonnen segeln und da wird sich sehr viele Sachen überlegen. müssen.

Martin Puntigam Das heißt, das Stadtbild wird sich grundlegend ändern. Hoffentlich verschwinden die geparkten Autos und dazwischen gibt es dann jede Menge Sonnensegel.

Andreas Jäger Ja, absolut. Also wieso nicht eine Straße, die vielleicht sehr eng ist, wieso dann nicht einfach die komplett überdecken mit einem Sonnensegel? Von einem Haus zum nächsten und die ganze Straße. Wieso nicht? Was spricht da dagegen?

Martin Puntigam Da muss man natürlich den Nichtraucherschutz auch noch rabiart verstärken, weil wenn die Leute dann weiter rauchen und kiffen, wie es momentan der Fall ist, dann stinkt halt die ganze Straße.

Andreas Jäger Ja, genau.

Martin Puntigam Das entbindet uns natürlich nicht davon, dass wir versuchen, endlich die Treibhausgasemissionen runterzubringen und auf Null zu stellen im Wesentlichen, zumindest was fossile Abgase betrifft. Selbst wenn Stadt und Land sich derartig verändern werden in den nächsten Jahren, damit man es dort überhaupt aushalten kann, Strom wird irgendwo herkommen müssen.

Martin Puntigam Jetzt gibt es ja diese absurde Situation, dass eine Transformation stattfindet hin zu erneuerbarem Strom. Trotzdem ist zu wenig da, weil immer mehr verbraucht wird. Es gibt E-Mobilität, das heißt E-Autos verbrauchen viel. Diese absurden Rechenzentren für die KI-Modelle verbrauchen wahnwitzig viele Ressourcen, Strom und Wasser.

Martin Puntigam Und jetzt schaut es so aus, als ob dieser viele sogenannte erneuerbare Strom trotzdem nicht ausreicht, um das abzudecken. Aber es gibt eben sehr viel davon und da gibt es eine Organisationsform, wie die Menschen untereinander Strom teilen können. Nämlich sogenannte Energiegemeinschaften. Was kann man sich denn darunter vorstellen?

Andreas Jäger Ja, das ist ja eigentlich relativ neu. Erst seit ein paar Jahren dürfen wir, das war vorher nämlich nicht erlaubt, wir dürfen Strom erzeugen, speichern und jetzt kommt es kaufen und verkaufen. Das dürfen wir, das durfte ich ja früher nicht. Ich durfte nicht sagen, mein Nachbar, ich mache da irgendwie ein bisschen Strom, keine Ahnung, ich habe einen Generator und ich verkaufe den immer.

Andreas Jäger Und man passt schon, das war früher nicht möglich. Mittlerweile dürfen wir das, und es kommt noch viel mehr. Der Energieversorgung muss mir dafür, ich sage zum Nachbarn, du, ich habe eine PV-Anlage, ich verkaufe dir meinen Strom, jetzt muss ich dem keine Leitung rüberwerfen, sondern der Stromversorger muss mir die Leitung zur Verfügung stellen.

Andreas Jäger Ich zahle dafür, ich zahle Leitungsgebühren, aber er muss sie mir geben. Und das ist die Grundidee der erneuerbaren Energiegemeinschaften. Dass du sozusagen jeder von uns, das ist quasi wie ein Verein, wir zwei könnten jederzeit eine Energiegemeinschaft gründen und sagen, wir zwei, wir gehören zusammen, Energiegemeinschaft.

Andreas Jäger Und da können auch andere Mitglieder werden und ich bin der Erzeuger oder du bist der Erzeuger, wir erzeugen beide, was auch immer. Du brauchst immer Produzenten, also Leute, die Strom machen und Leute, die Strom sozusagen brauchen und die Idee, die so genial ist, ist ein Riesenerfolg gewesen. Es gibt fast 4000 mittlerweile Energiegemeinschaften in Österreich.

Andreas Jäger Es ist in Österreich extrem, unglaublich ein toller Erfolg. Und die Grundidee, es gibt ja bei den Leitungen verschiedene Leitungsebenen. Die unterste Ebene ist sozusagen, wo die einzelnen Leute an einem gewissen Trafo hängen und so. Und da geht es immer bis zu Überlandleitungen, wo ich den Strom von Wien nach Tirol transportiere oder umkehrt.

Andreas Jäger Und die Leitungsgebühren, also man kriegt die Leitungsgebühr, die Netzgebühr relativ, also die Leitungsgebühr relativ, also die kriege ich billiger. Und die billigste, die ich kriege, ist unter dem Trafo. Also die Netzebene, die bei mir in der Nähe ist, kriege ich am billigsten. Die Idee dahinter ist, man will sozusagen dafür sorgen, über so erneuerbare Energiegemeinschaften, dass der Strom auch dort verbraucht wird, wo er gemacht wird.

Andreas Jäger Wo nicht irgendwie lang über Leitungen transportiert wird und dann habe ich die Verluste und alles drum und dran. Das ist ein Riesenvorteil.

Martin Puntigam Das heißt, wenn du in der Nähe von Wien wohnst und ich wohne in Wien und du hättest viel zu viel Strom und wir würden gemeinsam eine Energiegemeinschaft gründen, dann würden wir uns auch den Strompreis untereinander ausmachen?

Andreas Jäger Absolut, ja, ja, komplett. Das ist ja auch ein Riesenvorteil. Wir können sagen, du, so und so viel Cent will ich haben für meinen Strom und dann machen wir einen Vertrag für die nächsten fünf Jahre. Können wir machen, kann uns niemand daran hindern.

Martin Puntigam Und das wäre dann billiger als der Strom, den man über einen der zahlreichen Anbieter in Österreich bekommen wird?

Andreas Jäger Ja, die kommen dann natürlich auch. Das ist dann die Frage, ob er wirklich billiger ist. Aber du kannst dir natürlich eine große, also du kannst diese Schwankungen vermeiden, die es jetzt gibt. Also wenn du einfach weißt, okay, die nächsten fünf Jahre zahle ich diesen Preis oder die nächsten drei Jahre, wo hast du es schon, dass du sicher weißt, dass du drei, fünf oder zehn Jahre den gleichen Preis hast?

Andreas Jäger Zehn Jahre sowieso nicht. Aber du weißt, was ich meine. Also ich kann mir ja Sicherheit holen. Das haben wir ja gesehen beim Ukraine-Krieg, wie plötzlich der Strompreis so in die Höhe geschnalzt ist und die Energiepreise in die Höhe geschnalzt sind. Also kann ich mir eine gewisse Stabilität reinholen und Sicherheit und Resilienz.

Martin Puntigam Was ist denn, wenn es einmal einen verregneten Sommer gibt und viel weniger produziert wird im Rahmen dieser Energiegemeinschaft? Was soll man denn dann machen? Da muss man ja erst recht teuren Strom dazukaufen, oder?

Andreas Jäger Ja, also die Schwäche der Energiegemeinschaft ist, also es gibt wahrscheinlich nicht viele Energiegemeinschaften, die wirklich 100 Prozent des Stroms, den die Mitglieder brauchen, den die Vereinsmitglieder brauchen, wirklich hat. Das heißt, alles, was sie selber nicht erzeugen, das macht dann der Energieversorger vor Ort.

Andreas Jäger Also der Verein hat einen Vertrag mit dem quasi. Und da kriegst du sozusagen von dem den Strom. Und da haben wir schon die Schwäche. Wenn ich also lokal bin, die meisten haben ja in Wirklichkeit, kaum jemand hat ein Windrad, oder? Das ist schwierig. Manche haben ein bisschen Wasserkraft. Also es gibt auch solche, die das haben. Aber es überwiegt PV-Strom.

Andreas Jäger Und wenn du jetzt natürlich regional am gleichen Trafo bist und um die gleichen sechs, sieben oder zehn Kilometer um den Trafo herum bist, wenn es da halt regnet, dann regnet es bei allen und wenn die Sonne scheint, scheint bei allen die Sonne. Also du hast dann oft einfach Zeiten, wo es zu viel Strom gibt und Zeiten, wo es gar keinen Strom gibt.

Andreas Jäger Und das ist ein bisschen die Schwäche von dem System.

Martin Puntigam Aber man hat dann gleichzeitig noch einen Vertrag mit Stromlieferanten und verbraucht halt entsprechend weniger, wenn die Sonne scheint und die Energiegemeinschaft untereinander austauscht.

Andreas Jäger Ja, und günstiger.

Martin Puntigam Und muss mehr nehmen, wenn die Sonne nicht so auf die Erde scheint.

Andreas Jäger Ja, genau. Also du hast sozusagen einen Vertrag mit dem Energieversorger, da zahlst du dann so und so viel Cent und untereinander zahlt man dann meistens weniger. oder man probiert, dass man da unten ist, dass das auch Sinn macht, dass ich bei meinen Nachbarn kaufe. Und dann fährst du vielleicht, keine Ahnung, zwei Drittel des Jahres mit einem günstigeren Strom und ein Drittel musst du vielleicht von außen zukaufen.

Andreas Jäger Also das ist jetzt sehr unterschiedlich, wie groß jetzt diese Energiegemeinschaften sind. Wie gesagt, das kann gehen von zwei Menschen bis zu, keine Ahnung, 2000.

Martin Puntigam Der große Vorteil ist die Langfristigkeit der Preisgestaltung.

Andreas Jäger Der große Vorteil ist auch, wenn du selber zu viel Strom hast, hast du auch Abnehmer. Also die Energiegemeinschaft, die nicht nur Produzenten, sondern auch Konsumenten hat, ist die, die am besten funktioniert. Weil ich habe ja, wenn ich eine Anlage habe, sehr oft, also da sind dann zum Beispiel, ihr sind Weinbauern oder so, die einfach dann eine Fläche haben und das gleich machen. Also ich kenne solche Beispiele.

Andreas Jäger Dann hat der im Sommer viel zu viel und wenn es dann in der Energiegemeinschaft, genug Mitglieder gibt, die selber keine PV haben, dann verdient er dort mehr, dann kann er dort mehr verlangen, als, der Energiebetreiber dir zahlt für den Strom, den du sozusagen bringst. Der Preis ist oft sehr schlecht, weil im Sommer eh viel zu viel Strom da ist, im Sommer am Nachmittag.

Martin Puntigam Okay, das heißt, da verdient man dann doch noch ein bisschen was, obwohl man eigentlich nichts verdienen würde im Sommer.

Andreas Jäger Ja, genau. Es ist auch eine sehr soziale Komponente. Man ist in einem Verein, man ist zusammen, man lernt sich regional kennen. Also es ist bewusst auch diese Komponente drin. Und das ist das, was in Österreich funktioniert. Dieses, ah, mein Nachbar, du magst nicht kommen, ich habe jetzt so eine Energiegemeinschaft aufgesetzt und so.

Andreas Jäger Das ist wirklich passiert. Umsonst haben wir nicht fast 4000 Energiegemeinschaften in Österreich.

Martin Puntigam Birgt zumindest die Gefahr, viele Nachbarn verstehen sich ja auch nicht gut miteinander, was ist denn, wenn die zu streiten anfangen? Dann haben sie einen Fünfjahresvertrag miteinander und der eine möchte dem anderen aber keinen Strom mehr geben?

Andreas Jäger Ja, also deswegen gibt es ja viele Energiegemeinschaften, wo das sozusagen von außen jemand für dich abwickelt. Also du kannst es komplett selber aufsetzen, das alles selber programmieren und das alles selber machen. Und du machst das wirklich nur alleine oder es gibt gewisse Firmen, die das sozusagen diese ganze Bürokratie dahinten für dich abwickeln.

Andreas Jäger Und dann gibt es dann eben auch einen Vertrag, den du dann unterschreibst. Ja, ich gebe meinen Strom und das und das. Und da kommst du dann nicht mehr aus, weil da gibt es sozusagen eine höhere Instanz.

Martin Puntigam Aber rein theoretisch ist nur gedacht, dass die Situation, die ja viele Menschen haben, wenn sie in die Stadt gezogen sind, dann entsteht das Elternhaus noch am Land und die Eltern leben hoffentlich vielleicht auch noch drinnen. Die produzieren viel Strom und können das dann direkt den Kindern weitergeben.

Andreas Jäger Auch dieses Modell gibt es. Da gibt es auch eine tolle, sehr große, auch im Sinn Energiegemeinschaft österreichweit. Und dort kannst du zum Beispiel, und das nehmen die anderen vermehrt auf, kannst du einem Freund, einem Verwandten den Strom auch schenken. Du sagst, du, ich mag dich, du kannst, ich habe so eine große PV-Anlage, ich schenke dir den Strom.

Andreas Jäger Das Einzige, was es dich kostet, ist diese Leitungsgebühr vom Energieversorger, vom Netzbetreiber. Die musst du zahlen, aber den Rest, den Rest den Stromkosten, ich mag dich, ich schenke dir das. Ja, diese Möglichkeiten hast du, du bist völlig frei. Das ist ja das Lässige. Du darfst kaufen, verkaufen und du darfst schenken.

Martin Puntigam Und das geht aber bis zu dem Grad, wo man halt den eigenen Strom wieder vermehrt brauchen wird, weil man das Haus und die Wohnung kühlen muss, weil es ja immer wärmer wird.

Andreas Jäger Ja, aber es geht noch weiter. Die Entwicklung hört ja nicht auf. Jetzt, wo diese Hausspeicher, also das Problem von diesen Energiegemeinschaften, sie sind sehr PV-lastig, dann hast du wieder in der Nacht keinen Strom, also spätestens in der Nacht muss der Energieversorger einspringen. Aber jetzt kommen diese Batteriespeicher und immer mehr Menschen, also die meisten, wenn die sich eine PV-Anlage aufs Dach tun, dann kaufen die auch schon einen Speicher dazu.

Andreas Jäger Das heißt, das macht das ganze System natürlich noch autarker, wenn ich schaffe, sozusagen diesen zu viel an Strom am Nachmittag in die Nacht zu bügeln. Das ist schon sehr, ich finde trotzdem eine sehr, sehr spannende Geschichte.

Martin Puntigam Wir stellen einige Links auch in die Shownotes, wie man sich da weiter informieren kann über Energiegemeinschaften, über diese Tiefenbohrungen und so weiter und kommen jetzt zu einem anderen Thema, das in den letzten Wochen, relativ prominent diskutiert worden ist und ab und zu hat es das auch in die Medien geschafft, aber meistens nur so irgendwie, nämlich CO2-Äquivalent ist ja deshalb wichtig.

Martin Puntigam Der Maßstab, wie die Atmosphäre sie aufheizt, weil eben so viel CO2 in den letzten mindestens 150 Jahren von uns Menschen in die Atmosphäre geblasen worden ist. Das ist ein Riesenproblem, man kann CO2 natürlich versuchen zu vermeiden, das geht manchmal besser, man muss nicht mit dem Auto fahren oder in der Gegend herumfliegen, manchmal schlechter, bei vielen Industriebetriebe haben da Probleme, manche lösen es besser.

Martin Puntigam In Linz zum Beispiel ist, glaube ich, jetzt ein riesen Elektro-Licht-Bogenofen, angekündigt worden, dass er in Betrieb geht, der mit Strom arbeitet und in manchen Industriebranchen geht es schlecht. Da fällt CO2 an und das möchte man dann gern abscheiden und am besten vergraben. Die Abkürzung klingt ein bisschen wie ein Einkaufszentrum, ist CCS.

Martin Puntigam Was verbirgt Sie denn dahinter?

Andreas Jäger Ja, das ist Carbon Capture and Storage. Die Idee ist, in diesem Fall geht es jetzt zum Beispiel um die Zementindustrie, wo einfach im Prozesssystem immanent, ich komme da nicht aus, beim Kalkbrennen entsteht ein großer Teil des CO2, also dieser Kalk sozusagen aus CaCO3 mache ich halt CaCO, auf jeden Fall wird da CO2 frei, systemimmanent.

Andreas Jäger Und die Idee ist, dass beim Schornstein direkt, wo ganz viel da ist, du hast dort einfach gar nicht erst herauszunehmen aus dem Schornstein, zusammenzupressen und durch eine Leitung zu führen und dann irgendwo im Boden reinzupressen in alte Gaslagerstätten.

Martin Puntigam Und das gelingt? Also das ist eine gute Idee, das kann man einfach abscheiden und dann leitet man es weiter und dann verschwindet es für immer und bleibt dort?

Andreas Jäger Also das Grundprinzip machen wir schon lange bei der Gasspeicherung. Also wenn wir sozusagen, unsere Gasspeicher, keine Ahnung, sind glaube ich jetzt so zwei Drittel voll und wir können das, was wir in der Nähe von Salzburg unten in der Tiefe an Gas gespeichert haben, da können wir zwei Monate heizen. Also was wird gemacht?

Andreas Jäger Das sind alte Gaslagerstätten. Da muss man unten, man kann sich sowas wie poröses Gestein in vielleicht einen Kilometer Tiefe vorstellen oder wahrscheinlich noch tiefer und da drückt man einfach wieder mit Gewalt das Gas, das man vorher rausgenommen hat. Das drückt man wieder mit Gewaltdruck bei anderes Gas, nämlich CH4 in dem Fall rein, Methan rein und das bleibt dann da unten und wenn man es im Winter braucht, macht man wieder auf, da ist ein Überdruck und dann kommt es wieder raus.

Andreas Jäger Und die Idee bei CO2 ist jetzt, dass diese Gaslagerstätten, dass man es da halt auch runterdrückt, aber halt nicht mehr rauslässt und das muss dann halt dicht sein. Das ist die Herausforderung. Das soll dann halt, keine Ahnung wie lange, tausend Jahre einfach dicht sein. Das ist die Geschichte. Und da ist die Idee. Und damit ist es verschwunden. Das ist sozusagen eine End-of-Pipe-Lösung.

Andreas Jäger Ich habe da irgendwo CO2 und den Prozess kann ich nicht verändern. Ich habe einfach das CO2, alter Drück ist im Boden rein, auf Nimmerwiedersehen und da kann es auch nicht als Treibhausgas wirken. Das ist die Idee dahinter. Und so alte Gaslagerstätten gibt es ja zuhauf. Also die Norweger haben ja daraus ein Riesengeschäftsmodell gemacht.

Andreas Jäger Die haben zuerst Geld mit Gas verdient und jetzt Geld damit, dass sie uns zum Beispiel in Schweden viel Gas, CO2 abnehmen und die pressen das dann in alte Gaslagerstätten rein.

Martin Puntigam Und das wird über Gasleitungen einfach von Schweden nach Norwegen, von Österreich nach Norwegen transportiert und dann eingelagert?

Andreas Jäger Also von Österreich noch nicht, aber das ist die Idee. Und das ist auch das große Problem, weil das kostet ja unglaublich viel Energie. Ich muss das Gas verpressen und dann über diese ganze Entfernung, weil es geht dann keine Ahnung, ich sage jetzt was, bis Hamburg, mir fährt jetzt kein anderer Hafen ein, aber das geht zu einem Hafen da.

Andreas Jäger Da wird das Gas auf ein Schiff mit Druckbehältern gegeben und von den Schiffen dann bei irgendeinem Bordtum wieder irgendwo in der Nordsee halt rein wieder in diese Gaslagerstätte. Das ist extrem aufwendig, nämlich energieaufwendig. Das ist ja die Geschichte. Jetzt wäre es natürlich, ja, deswegen die Initiative der Industrie, die sagt ja, aber wäre das nicht gescheiter, wir machen es gleich in Österreich. Wir haben ja auch alte Gaslagerstätten.

Andreas Jäger Da müssen wir uns nicht so weit transportieren. Das Argument hat natürlich was. Die Frage ist nur grundsätzlich, ob man es machen soll.

Martin Puntigam Aber gibt es Industriebereiche, wo man sie zumindest sehr schwer tut? Vermeiden kann man es ja letztlich überall. Irgendwann gibt es ja genug Innovation, wenn der Druck groß genug ist. Aber gibt es aktuell Industriebereiche, wo man CO2 in der Produktion schwer vermeiden kann?

Andreas Jäger Das ist die Zementindustrie. Also du hast bei der Stahlerzeugung, also bei der Stahlerzeugung ist es möglich, grünen Stahler zu erzeugen, weil bei der Stahlerzeugung mit Koks zum Beispiel machst du die ganze Hitze, die du brauchst, um das Eisenerz zu schmelzen, ich weiß nicht, 1700 Grad oder sowas, die Hitze und gleichzeitig musst du das Eisen, das Fe2O3, musst du den Sauerstoff wegkriegen, damit das Eisen übrig bleibt und das machst du, dieses Kohlenmonoxid, das du dafür brauchst, das liefert auch das Koks, also es geht alles in einem.

Andreas Jäger Und dabei entsteht ganz viel CO2. Und das kann ich allerdings mit diesem Lichtbogenofen, kann ich das machen, und vorgelagert aus dem Fe2O3 das Fe2 zu machen, vorgelagert kann ich das mit Wasserstoff auch das Eisenoxid, reduzieren, wie der Chemiker sagt. Also das geht. Also die Stahlindustrie mit sehr viel Aufwand kann, wenn dann auch noch der Wasserstoff des Gases natürlich grün ist, weil im Moment wird der Wasserstoff aus Erdgas gemacht, das ist ja nicht grün, Aber wenn jetzt der Wasserstoff sehr grün wäre, theoretisch ist das möglich.

Andreas Jäger Dann hast du Wasserstoff und dann hast du grünen Strom in diesem Lichtbogenofen und dann kannst du die Stahlindustrie CO2 freimachen. Du musst dir vorstellen, jetzt pro Tonne Stahl hast du, glaube ich, zwei Tonnen CO2, so Größenordnung.

Martin Puntigam Das kannst du machen. Bei Zement ist es schwieriger, weil da fällt das einfach an und die Kosten, die man hat, um das abzuscheiden, weil das ist ja ein Wort, abscheiden, aber in Wirklichkeit ist das energieaufwendig, dann das, unter Druck irgendwo hinzubringen, das braucht Energie und das dort dann zu lagern braucht auch Energie.

Martin Puntigam Das heißt, das muss man wieder abziehen von dieser Bilanz, oder?

Andreas Jäger Absolut. Und das kostet auch viel Geld. Ich habe jetzt mitgekriegt, dass dieses Gas, dieses Gas für den Winter, das Erdgas für den Winter zu speichern in Österreich, dass wir das Erdgas haben, wenn sonst die Russen irgendwann nicht, wissen wir eh, was da. Das hat anscheinend 90 Millionen Euro gekostet. Und jetzt kostet es ja ein Mieterwettbewerb gemacht, das kostet 60 Millionen Euro. Also es ist ja auch nicht kostenlos.

Andreas Jäger Du hast ja laufende Kosten. Dieses Gasfeld, ich muss es zuerst einmal reinpressen, dann muss ich es auch monitoren. Also ich muss ja schauen, bleibt es eh dicht? Und, und, und. Und was machen wir, wenn es nicht dicht ist? Ja, also das ist eigentlich eine End-of-Pipe-Lösung, die auch laufend richtig Geld kostet.

Martin Puntigam Also End-of-Pipe-Lösung bedeutet in Wirklichkeit so weitermachen wie bisher, weil man das Zeug irgendwo unterbringt und dann hofft, dass es dort auch bleibt. Also eigentlich ist es nicht viel besser als die, vollkommen ungelöste Atommüllendlagerung, über die wir übrigens in 14 Tagen sprechen werden, aber auch dort ist es ja so, es gibt nach wie vor überhaupt keine sinnvolle Lösung, um Atommüll, zu lagern oder was man damit tun soll, weil es wird zwar eingegraben, aber dann ist es zwar eingegraben, aber was in tausend Jahren ist, weiß kein Mensch und das ist bei CO2-Einlagerung ähnlich?

Andreas Jäger Ich würde schon sagen, dass es ganz anders ist, weil CO2 dann nicht so gefährlich ist. Weil wenn, dann ist ein Leck und es kommt nicht auf einmal raus. Bis dann haben wir hoffentlich genug Möglichkeiten, wie wir CO2 aus der Luft kriegen. Genug technische Möglichkeiten oder auch überhaupt Möglichkeiten, uns das gut überlegt.

Andreas Jäger Weil das ist ein Problem, das wir so oder so angehen müssen. Dieses angesprochene Überschießen, dass wir viel zu viel CO2 in der Atmosphäre haben. Wir müssen sowieso Methoden entwickeln, wie wir CO2 rauskriegen. Da mag ich halt gern die Photosynthese, wie vier Milliarden Jahre alt, funktioniert einfach.

Andreas Jäger Das ist zum Beispiel eine gängige Methode, wie man CO2 aus der Luft kriegt. Aber da gibt es auch viele technische Ansätze, die alles noch viele Luftschlösser dabei sind. Also ich würde das Atommüll schon viel ärger sehen als das Gasproblem von der Lagerung her.

Martin Puntigam Und von den Auswirkungen her, wenn was passiert?

Andreas Jäger Das verteilt sich doch auf viele Gaslagerstätten und die sind großteils halt schon sehr lange dicht gewesen. Sonst hätte sich das Gas doch gar nicht halten können über Jahrmillionen. und ansammeln können.

Martin Puntigam Es wäre eine Lösung, eine kurzfristige Lösung, aber eben wieder nur eine Übergangslösung, weil eben überall, wo man End of the Pipe hinschreiben kann, ist es keine wirkliche Lösung. Ein bisschen so wie Elektromobilität. Das wird ja auch völlig zu Recht als Übergangslösung tituliert, auch wenn manchmal so getan wird, dass dann die Elektroautos die Lösung aber in Wirklichkeit sind.

Martin Puntigam Kaum noch Autos die Lösung, aber als Übergangslösung gibt es auch dort ziemliche, Fortschritte, nämlich LKWs können mittlerweile ganz gut durch die Gegend fahren, auf Basis von E-Mobilität mit Strom. Das funktioniert tatsächlich über längere Distanzen.

Andreas Jäger Ja, das ist total witzig. Es war in den letzten Jahren immer die Diskussion, wird der LKW-Verkehr, okay, BKWs mit Strom, das funktioniert. Das haben wir dann langsam gelernt. Okay, funktionieren tut das mit Strom. Aber LKWs, da werden wir Wasserstoff brauchen. Aber der Casis Gessen, es gibt unglaublich viele Busse und LKWs, die jetzt elektrisch fahren.

Andreas Jäger Der Knackpunkt war diese viereinhalb Stunden. Ein LKW-Fahrer darf viereinhalb Stunden fahren und dann muss er per Gesetz eine Pause von einer Dreiviertelstunde machen. Wenn du also schaffst, dass der elektrische LKW 4,5 Stunden die Akku durchhält und ich dann in diesen 45 Minuten den LKW wieder vollkriege, dass der nach der vorgeschriebenen Pause weiterfährt, dann habe ich gewonnen.

Andreas Jäger Und diesen Kipppunkt, den hat man jetzt geschafft. Also das kommt jetzt die E-LKWs. Ich habe selber solche Mega-Charger gesehen und ich bin in diesen LKWs mitgefahren. Das kommt jetzt und zwar sehr schnell.

Martin Puntigam Das heißt, da wird eine Infrastruktur aufgebaut werden müssen, ähnlich wie das Tankstellensystem, damit, möglichst viele LKWs, und man sieht es ja, neben der Autobahn sind ja auch schon oft die Rastplätze schon, am späten Nachmittag randvoll und da müssten alle LKW-Fahrer, Fahrerinnen die Möglichkeit haben, ihre Gefährte, während sie pausieren und schlafen, aufzuladen?

Andreas Jäger Ganz genau. Das ist der Punkt. Das ist jetzt die Herausforderung. Das war ja bei der Elektromobilität das Gleiche. Mittlerweile gibt es genug Ladestationen. Mit den Karten ist alles noch ein bisschen kompliziert. Aber das wird auch besser werden. Aber ich kann jetzt problemlos eigentlich mein Elektroauto aufladen.

Andreas Jäger Ich fahre nur mit Haushaltsstrom. Aber das geht. Und das ist jetzt die Herausforderung bei LKWs, dass man halt genug Lademöglichkeiten auch hat. Aber die Wirtschaftlichkeit ist extrem hoch von diesen LKWs. Die brauchen einfach viel weniger Energie. Das vergisst man immer, dass der Grundenergiebedarf von der Elektromobilität nämlich viel geringer ist.

Andreas Jäger Die sind nicht laut, wenn sie irgendwo stehen bei irgendeinem Parkplatz und dann die Motoren warm laufen lassen. Sie vibrieren nicht. Also der Fahrkomfort für den Fahrer ist enorm. Also das hat wirklich sehr viele Vorteile. Trotzdem hast du vollkommen recht. In Wirklichkeit sollten keine LKWs fahren.

Martin Puntigam Das wäre das Scheinste. Also Eisenbahn wäre nach wie vor die bessere Lösung.

Andreas Jäger Ja, sicher.

Martin Puntigam Insofern immer eine Übergangslösung, weil ja auf den Autobahnen und Autostraßen durch den Rollwiderstand so viel leiser sind ja außerhalb der Stadt die E-Mobile nicht mehr, oder?

Andreas Jäger Überhaupt nicht. Ich glaube, so ab ca. 50 kmh spätestens ist vom Lärm her das E-Auto vom Verbrenner nicht zu unterscheiden.

Martin Puntigam Mhm.

Andreas Jäger Da sind die Rollgeräusche, die dominieren dann. Und du hast den Reifenabrieb, du hast alles genau gleich. Ich bin vollkommen bei dir, dass wir nicht nur anders Auto fahren müssen. Und Elektromobilität ist eindeutig besser als das andere. Und da gibt es viele Gründe. Aber wir müssen vor allem weniger Auto fahren. Also da bin ich zu 1000 Prozent bei dir und zwar viel weniger.

Andreas Jäger Und man merkt überall dort, wo man halt Alternativen schafft. Wie jetzt gerade, da war vom VCE eine wunderbare Aussendung. Also wo man von St. Pölten nach Wien rein, hat man die Bahnstrecke verbessert und es hat sich total dieser Modalsplit verlagert zur Bahn. Also es wird weniger Auto gefahren, also noch vor 20 Jahren Richtung Wien gependelt, als mit dem Zug. Früher ist man viel weniger im Zug gependelt, weil der Zug einfach nicht so oft gefahren ist, die Züge schlecht waren und, und, und.

Andreas Jäger Also ich muss da auch diese anderen Akzente machen, bin ich vollkommen bei dir. Es ist mir ein irrsinniges Anliegen, wir müssen ganz anders uns bewegen, wenn wir uns bewegen.

Martin Puntigam Es gibt aus Holland, ich glaube Amsterdam, Auto-Low heißt das, wenn ich es richtig ausspreche, ein Konzept, wie man eben, Auto-Low, wird man es vielleicht auf Englisch übersetzen, also wie man keine Autos, aber wenig Autos in der Stadt hat und wie man das Fahren so, unattraktiv macht, dass man es wirklich nur damit in Anspruch nimmt, wenn es sich nicht vermeiden lässt.

Martin Puntigam Wir verlinken das ja gerne in den Shownotes. Das wäre natürlich ein Konzept, wie man im Rahmen der bestehenden Klimakatastrophe sie ein bisschen besser anpassen kann an die verheerenden, Situationen, die zwangsläufig jetzt kommen und die man auch gar nicht mehr verhindern können, weil wir eben in den letzten eineinhalb Jahrhunderten so viel CO2 in die Atmosphäre geblasen haben und in den letzten 25 Jahren im Speziellen noch viel mehr und ja auch noch längst nicht gebremst haben. Und dazu kommen dann noch...

Martin Puntigam Dann kommen wir auch langsam zum Ende. Und dazu kommen noch Klimaphänomene, die wir gedacht haben, die wir nicht beeinflussen können, weil sie regelmäßig kommen, aber die wir offensichtlich doch beeinflussen können, nämlich El Nino. Das klingt alles sehr nett und weihnachtlich und Super El Nino klingt eigentlich fast wie ein Computerspiel, ist aber ganz was anderes, oder?

Andreas Jäger Ja, Super El Nino ist einfach ein besonders starker El Nino und El Nino ist nichts anderes als zu Weihnachten vor der südamerikanischen Pazifikküste eine überraschende Meereserwärmung um ein 2-3 Grad. Und das hat es immer schon gegeben und es hat unglaubliche Auswirkungen. Dann habe ich plötzlich Überschwemmungen, wo es normalerweise trocken ist und dort, wo es normalerweise genug regnet, habe ich plötzlich Trockenheiten.

Andreas Jäger Und die haben fast eine weltweite Wirkung von diesem El Nino-Phänomen. Und was jetzt stattfindet, das hat schon angefangen, also es gehen alle Modelle davon aus, dass ein Super-Linio wird in dem Sinn, dass die Erwärmung des Meerwassers vor der chilenischen Küste drei bis vier Grad betragen wird. Und das ist eine Erwärmung, die es noch nie gegeben hat in der Form.

Andreas Jäger Und die Auswirkungen sind immer extrem. Also das spürt man in Australien, in Indonesien, da wird es plötzlich dann trocken. Das spürt man in Indien mit dem Monsum, der schwächer ist. Man spürt es fast weltweit. In Europa ist es noch die Frage, wie gut man es spürt. Aber es gibt eine gewisse Wahrscheinlichkeit, dass mit dem Super El Nino der Polarwirbel schwächer wird und deswegen wir leichter Kaltluftausbrüche haben. Das heißt, mit dem El Nino vielleicht, dass der Spätwinter kalt werden könnte.

Andreas Jäger Also das könnte eine Auswirkung sein, die wir haben. Bei uns ist es allerdings nicht so sicher wie im Rest der Welt. Aber was El Nino auf jeden Fall schon gemacht hat, dass wir halt dieses Rekordjahr haben an den Temperaturen, die Meerestemperaturen, weil El Nino ist auch eine Wasserkühlung. In Linio kommt immer kaltes Tiefenwasser vor Chile rauf und das ist kalt, das kühlt die Atmosphäre, wenn diese Tiefenwasserzirkulation unterbringt.

Andreas Jäger Unterbunden ist, also wenn das Tiefenwasser nicht mehr hochsteigt, ist die Kühlung weg und dann die Meere haben ja weltweit Rekordtemperaturen. Das hat es ja noch nie gegeben, so warme Meere. Und das geht jetzt wirklich von der Adria bis zum Pazifik. Es ist wurscht wo, überall ist es sehr heiß.

Martin Puntigam Wenn man jetzt aber sagt, ich lebe nicht im östlichen Pazifik, nicht in Südamerika, Australien, Indonesien, es ist mir egal. So ist das natürlich sehr ignorant und kurzsichtig, weil ja die Welt, Auch was die Verkehrsrouten betrifft, zusammenhängt und dann gibt es die weltberühmten Lieferketten und auf die kann das dann einen Einfluss haben?

Andreas Jäger Auf jeden Fall, zum Beispiel einfach auf die Nahrungsmittelproduktion. Das ist ja kein Zufall, dass in den letzten Jahren Kakao so extrem gestiegen ist. Die Grundsubstanz für gute Schokolade ist unvergleichlich teurer geworden, weil das Klima in diesen Ländern halt immer so gut funktioniert. Und das kann extreme Auswirkungen haben.

Andreas Jäger Palmöl zum Beispiel, das Mehle verwenden soll. Das kann sehr viel teurer werden, wenn es so trocken wird und und und. Also da gibt es viele, ja, also ich glaube am ehesten wird man es im Supermarkt spüren.

Martin Puntigam Weil die Preise noch mehr steigen können, weil eben nicht überall gleich viel produziert werden kann. Ganz abgesehen davon, dass es natürlich Leib und Lebensgefahren für die Menschen und die Tiere bringt, die in den Gegenden wohnen. Und wie lange kann dieser Super El Nino, wie er genannt wird, dauern, wenn er super wird?

Andreas Jäger Ja, das geht so ziemlich über den Jahreswechsel. Also das ist so der Höhepunkt. Weihnachten, Jahreswechsel wird der Höhepunkt sein. Und das ist dann, wenn es ins neue Jahr geht, irgendwann einmal im späten Frühjahr wird es dann abklingen, wird es vorbei sein.

Martin Puntigam Woher weiß man denn eigentlich, dass er super wird? Was sind denn da die Anzeichen?

Andreas Jäger Die Anzeichen sind, am Ende geht es, man tut sich da leichter bei den Berechnungen, weil es im Grunde ums Meer geht. Also mehr Wasser zu prognostizieren ist leichter als Luft, als die Atmosphäre, weil die Meereströmungen doch eine gewisse Trägheit haben. Es gibt große Modelle, die das berechnen. Und wenn man die vergangenen drei Monate anschaut und dann sozusagen ozeandynamisch in die Zukunft rechnet, dann kommt das ziemlich aufgrund der Trägheit dieser Strömung.

Andreas Jäger Und das dauert ja lange, bis dieses warme Wasser von dieser Küste wieder zurückschwappt. Indonesien, also von Chile nach Indonesien schwappt. Da muss sich der Wind wieder aufbauen, das Wasser muss bewegt werden. Und das dauert alles Monate. Und das kann man berechnen und das ist passiert. Also, Alle Indizien, und da macht man Laufen, die berechnen das ständig und da hat man schon sehr viele Erfahrungen und das ist, also mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit wird das ein super Linie. Da reden wir von 90% Wahrscheinlichkeit.

Martin Puntigam Also kann man nur hoffen, dass er nicht ganz so super wird, aber die Wahrscheinlichkeit ist nicht sehr hoch. In Europa können die Auswirkungen geringer sein, unmittelbar, aber mittelbar kann es für die ganze Welt katastrophal werden. Und grundsätzlich kommt man sowieso nicht drum herum, wenn wir die Erde bewohnbar halten wollen, dass wir die Klimakatastrophe einigermaßen einbremsen, egal wie wir in Zukunft unsere Häuser und Wohnungen kühlen, ob mit Sonnensegel, Bäumen oder Tiefenbohrungen.

Andreas Jäger Ganz genau, so muss man das sehen.

Martin Puntigam So, und bevor wir am Ende, wie immer, zu den Verlautbarungen kommen, noch zwei Projekte, mit denen du, Andreas, unterwegs bist. Einerseits mit dem Fahrrad unterwegs und andererseits öffentlich.

Andreas Jäger Ja, mit dem Fahrrad und meinem Faltrad fahre ich zu Unternehmen und Firmen, die Lösungen haben. Das nennt sich Good News the Ride. Extrem coole Sache. Und das andere, das ist genauso cool, das ist ein Gesprächsformat, das nennt sich Bahn zum Berggespräche. Und dabei geht es darum, dass man öffentlicher Wanderung unternimmt und dabei ein bisschen talkt. Ich war da mit Martin Moda unterwegs, sehr, sehr lustig.

Andreas Jäger Es geht aber darum, dass man eben nicht mit dem Auto wandern fährt, sondern mit dem Zug oder mit dem Bus und mit allem, was öffentlich ist. Das macht riesen Spaß. Das ist mir ganz wichtig.

Martin Puntigam Und das ist wahrscheinlich auch ein bisschen sicherer, weil ich habe das in Erinnerung. Man fährt dann, wenn man halt bei der ersten Fahrt bei der Bergbahn sein möchte, wo man es mit dem Zug oder mit dem Bus noch nicht hinschafft, den Auto hin, dann wandert man den ganzen Tag. Und dann ist ja die Heimreise, wo man schon müde ist, deutlich gefährlicher, als wenn man da einfach im Zug vor sich hin ratzen könnte.

Andreas Jäger So ist es und lustiger. Wir haben jetzt vier Folgen gedreht, gesponsert vom Klimaministerium, weil es einfach wichtig ist. Und jetzt suchen wir für nächstes Jahr Sponsoren.

Martin Puntigam Weil es ja das Klimaministerium nicht mehr gibt.

Andreas Jäger Ja, ich weiß nicht, wie viel genug ist. Aber sie haben uns jetzt einen Start ermöglicht und dafür sind wir sehr, sehr dankbar. Aber ja, wir würden gerne noch mehr machen, weil es echt lustig ist, echt Spaß macht und echt Vorbildwirkung hat. Es ist einfach, es ist so lässig, so kommunikativ im Zug und im Bus.

Andreas Jäger Wir haben da so tolle Gespräche geführt und es hat allen, allen wirklich sehr gut gefallen. Einen ganzen Tag wandern, reden.

Martin Puntigam Wir verlinken gern in unseren Shownotes, wo man sich da weiter informieren kann. Und teilen uns jetzt wie in einer guten Energiegemeinschaft noch die Parteienverkehre der ScienceBusters auf. Wir spielen natürlich wieder live. Einerseits unsere Show Weltuntergang für Fortgeschrittene in der Besetzung Martin Modor, Florian Freistädter und ich.

Martin Puntigam Das nächste Mal schon am 8. Oktober im Orpheum Wien, dann am 13. Oktober in Stockerau, am 15.10. Im Posthof Linz, am 17. in der Listhalle in Graz und am 24. In der Kulisse Wien und noch viele weitere Termine bis zum Jahresende, wo wir wiederum unseren naturwissenschaftlichen Jahresrückblick zu Silvester präsentieren werden. Und es gibt auch Science Busters for Kids natürlich.

Andreas Jäger Ja, Science Busters for Kids, aktuell digital in der ORF Kids App. Und dann am 15.10. spielt sie im Posthof Linz, am 17.10. Dann wieder in der Helmut-Listhalle und am 24.10. in der Kulisse in Wien. Weitere Infos und Tickets unter sciencebusters.at slash Termine.

Martin Puntigam Weil wir spielen die Kids-Show, Martin Modo und ich natürlich auch noch weiter, aber wir solieren auch alle jeweils. Florian Freistetter mit seiner Soloshow Sternengeschichten live, sein erfolgreicher Podcast dramatisiert. Den gibt es auf der Bühne auf Tour. Das nächste Mal in Fürth am 23. Oktober in Franken ist es. Und von links nach rechts von 9. bis 11.

Martin Puntigam November in Erfurt, Leipzig, Dresden. Aber es gibt auch noch weitere Termine und die findet man unter sternengeschichten.live.

Andreas Jäger Du solltest aber dein Licht nicht unter den Scheffel stellen, weil du hast ein neues Soloprogramm, das gerade fertig wird. Der heilige Puntigam, stimmt, oder? Und der wird gespielt am 10. November, wird er zu sehen sein. Die Uraufführung gibt es im Theatercafé Graz und die Wien-Premiere am 19.11. Im Kabarett Niedermeier.

Andreas Jäger Die ersten Previews sind vorbei, aber es wird langsam ernst. Ein paar Vorpremieren gibt es noch vor der Uraufführung. Zum Beispiel am 13.10. im Kulturhof Linz, am 4.11. In der Bettfedernfabrik Oberwaltersdorf, Am 06.11. In der Tischler Rhein-Melk und am 07.11. in Brunheim-Gebirge. Infos und Tickets unter puntigam.at.

Martin Puntigam Und der Dritte im Bunde, zumindest von den Science Busters, die auf der Bühne zu sehen sind, Martin Moder. Er bereitet auch einen Solo-Abend vor mit dem Titel Superintelligenz oder Sautrottl. Und Premiere wird sein nach dem Jahreswechsel 2027 am 19. Jänner in der Kulisse in Wien. dann am 22. im Posthof in Linz zu sehen, am 23. im Kronenkino Mistelbach und am 2. April in der Helmut-Liesthalle in Graz.

Martin Puntigam Weitere Termine unter martinmoder.at. Das war Podcast Ausgabe 145. Die nächste Ausgabe 146 beschäftigt sich mit der schwierigen Suche nach Endlagern für Atommüll und dass, wenn man eins gefunden hat, die Probleme eigentlich erst beginnen. Danke an die TU Wien und die Uni Graz, die diesen Podcast unterstützen.

Martin Puntigam Danke Andreas Jäger für die Auskünfte. Danke fürs Streamen, Downloaden, Abonnieren, Bewerten, Empfehlen, Kühlen, Einspeisen, Teilen, Speichern, Vergraben, Tiefbohren, Supersein und Nicht-So-Supersein und was man sonst noch alles mit einem Podcast anstellen kann. Bis zum nächsten Mal. Tschüss und habe die Ehre.

Andreas Jäger Tschüss.

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