Wissensreise durch die Länder der Erde· Staffel 1· Folge 47

Nordmazedonien – Ochrid, Alexander der Große und Identität am Balkan

Montag, 10. August 2026 · 20 min

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Shownotes

In dieser Episode reisen wir nach Nordmazedonien – ein Land, in dem sich antike Königreiche, byzantinische Heilige, osmanische Jahrhunderte und moderne Identität zu einem einzigartigen kulturellen Mosaik verweben. Drei große Themen führen durch die Folge:
• Ochrid & der uralte Ochridsee – einer der ältesten Süßwasserseen der Erde, UNESCO‑Welterbe, Heimat von über 200 endemischen Arten.
„Geologische Untersuchungen lassen schätzen, dass der Ochridsee zwischen einer und drei Millionen Jahren alt ist.“

• Alexander der Große & das antike Makedonien – warum sein Erbe bis heute politisch umkämpft ist.

• Identität am Balkan – Sprachen, Religionen, Minderheiten, Konflikte und das Ohrid‑Abkommen als Wendepunkt.

• Die Geschichte der Stadt Ochrid, einst Zentrum slawischer Schriftkultur.

• Die Rolle des kyrillischen Alphabets, das hier seinen Ursprung hat.

• Die Festung des Zaren Samuel und die dramatische Schlacht am Kleidion.

• Der jahrzehntelange Namensstreit mit Griechenland und die Lösung von 2018.

• Die kulturelle Vielfalt Nordmazedoniens: Makedonier, Albaner, Türken, Roma u. v. m.

• Skopje zwischen osmanischem Basar, brutalistischer Architektur und moderner Identität.

• Aktuelle Herausforderungen: UNESCO‑Warnung wegen Umweltbelastung des Ochridsees.

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Willkommen zu einer neuen Folge von Wissensreise durch die Länder der Erde, deinem Podcast zum Entspannen, Loslassen und lernen. Wenn dir der Podcast gefällt, bewerte ihn bitte, das hilft uns, weitere Folgen zu produzieren. Kennst du schon unsere anderen Podcastreihen wie Schlafreise durch vergessene Welten heute reisen wir an einen Ort am südlichen Rand der Balkanhalbinsel in ein Land. Das auf den ersten Blick klein wirkt und auf den zweiten Blick eine Geschichte erzählt, in der sich antike Königreiche, byzantinische Heilige, osmanische Jahrhunderte und moderne Staatlichkeit zu einem dichten Gewebe verbinden. Nordmazedonien, ein Binnenland mit rund 2000000 Einwohnerinnen und Einwohnern, eingebettet

zwischen Griechenland im Süden, Albanien im Westen. Kosovo und Serbien im Norden sowie Bulgarien im Osten umfasst eine Fläche von etwa 25 700 Quadratkilometern. Damit ist es kleiner als Belgien und doch eines jener Länder, deren kulturelle Schichten weit über die heutigen Grenzen hinausreichen. 3 Themen werden uns durch diese Folge tragen, die alte Stadt Ohrid mit ihrem Bergsee von atemberaubendem Alter. Die antike Gestalt Alexanders des Großen, deren Erbe bis heute umkämpft ist, und die vielschichtige Frage nach Identität auf einem Balkan, der sich seit Jahrhunderten neu zu erfinden versucht.

Beginnen wir mit Oschrit, einer Stadt am Ufer eines Sees, der zu den ältesten Süßwasserseen der Erde zählt. Geologische Untersuchungen lassen schätzen, dass der Ochridsee zwischen einer und 3000000 Jahren alt ist, womit er älter ist als nahezu alle anderen tektonischen Seen in Europa. Er liegt in einer Senke des Dinarischen Gebirgszugs, eingerahmt von steilen Hängen, die im Westen bereits zu Albanien gehören.

Mit einer maximalen Tiefe von 358 Metern und einer Fläche von rund 358 Quadratkilometern reicht der See bis tief in die Erdkruste hinab. Sein Wasser ist von einer Klarheit, die selbst in 20 Metern Tiefe noch sichten erlaubt und seine Isolation über Jahrmillionen hat eine biologische Vielfalt hervorgebracht, die in dieser Dichte einzigartig ist. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler haben im See über 200 endemische Arten beschrieben, also Lebewesen, die nirgendwo sonst auf der Welt vorkommen. Dazu gehören eigentümliche Forellenarten wie die Ohridforelle, mehrere Schneckenarten und Schwämme, die wie Urzeitliche Zeugen am Seegrund leben. Aus diesem Grund wurde der See gemeinsam mit der Region Ocrit bereits im Jahr 1979 als

Welterbe der UNESCO aufgenommen, später erweitert um die Kulturlandschaft an seinen Ufern. Es ist eine der wenigen Städten weltweit, die zugleich als Natur und Kulturerbe ausgezeichnet sind. Doch der See ist nicht nur eine geologische Besonderheit, er ist auch der stille Hintergrund einer Stadt, die in der frühen mittelalterlichen Geschichte Europas eine ungewöhnlich große Rolle gespielt hat. Ohrid mit heute etwas mehr als 38000 Einwohnerinnen und Einwohnern blickt auf eine Besiedlung zurück, die mindestens bis in die Antike reicht. In römischer Zeit hieß die Stadt Lychnidos und lag an der via Egnacia, jener berühmten Heerstraße, die von der adriatischen Küste bis nach Konstantinopel führte. Über diese Straße zogen

Legionen, Pilgerinnen und Pilger, Händlerinnen und Händler und mit ihnen Ideen, Religionen und sprachen mit dem Verfall der römischen Ordnung und der Wanderung Slawischer Stämme im 6. Und 7. Jahrhundert wandelte sich die Region grundlegend. Ochrit wurde zu einem Treffpunkt slawischer Kultur und griechisch byzantinischer Tradition. Und genau aus dieser Spannung erwuchs später eine der bedeutendsten geistigen Bewegungen des frühen Mittelalters.

Im späten neunten Jahrhundert kamen 2 Schüler der berühmten Slavenapostel Kyrill und Method, der Heilige Clemens und der Heilige Naum nach ochrit sie waren aus Mähren vertrieben worden, nachdem sich dort die lateinische Liturgie durchgesetzt hatte. Und fanden im damaligen Bulgarischen Reich, zu dem Ochrid gehörte, eine neue Wirkungsstätte. Clemens gründete die Ochrider Literaturschule, manchmal als die erste slawische Universität bezeichnet, an der über die folgenden Jahrzehnte angeblich tausende Schülerinnen und Schüler in der slawischen Schrift unterrichtet wurden. Hier vollzog sich vermutlich auch der Übergang vom älteren Glagolithischen Alphabet, das Kyrill entwickelt hatte, zum kyrillischen Alphabet, das wir

heute kennen. Diese stille Entwicklung an einem See am Rand des damaligen Europas hat eine Folge gehabt, die kaum zu überschätzen ist. Das kyrillische Alphabet wurde später zur Schrift Russlands, der Ukraine, Bulgariens, Serbiens, Mazedoniens und vieler weiterer Sprachen. Wer heute ein russisches Buch in den Händen hält, hält in gewissem Sinne eine Erinnerung an Ohrid in den Händen.

Eine Legende behauptet, Ocrit habe einst 365 Kirchen besessen, eine für jeden Tag des Jahres, auch wenn diese Zahl wohl eher symbolisch zu verstehen ist, verdichtet sie ein historisches Bild, das nicht ganz unzutreffend ist. Auf den Hängen um den See finden sich noch heute zahlreiche Sakralbauten aus byzantinischer Zeit, viele davon kunstgeschichtlich von großem Rang, die Sophienkathedrale aus dem 11 Jahrhundert mit ihren beeindruckenden Fresken, die Kirche des Heiligen Johannes in Carneo.

Die malerisch auf einer Klippe über dem See thront und die Bauten auf dem Plaoschnik, dem Hügel über der Altstadt, bilden zusammen ein Ensemble, das in seiner Dichte an wenigen Orten Europas zu finden ist. Über der Stadt erhebt sich die Festung des Zaren Samuel. Dieser Samuel war ein bulgarischer Herrscher des späten 10.

Jahrhunderts, der von etwa 997 bis 1014 regierte und seine Hauptstadt zeitweise nach Ochrid verlegte. Unter ihm wurde Ohrid zum geistlichen und politischen Zentrum eines weit ausgedehnten Reichs, das sich vom heutigen Albanien bis nach Thrakien erstreckte. Samuels Geschichte endet allerdings in einer Tragödie nach jahrzehntelangen Kriegen gegen den byzantinischen Kaiser Basileios II. Erlitt sein Heer im Jahrtausend 14 in der Schlacht am Kleidion eine vernichtende Niederlage.

Der byzantinische Kaiser ließ einer Überlieferung zufolge die rund 15000 gefangenen Soldaten blenden, wobei jedem 100. Mann ein Auge belassen wurde, damit er die anderen zurückführen konnte. Als die geblendeten Männer in Samuels Lager eintrafen, soll der Zar einen Schlaganfall erlitten haben und kurz darauf gestorben sein.

Ob die Zahl wörtlich zu nehmen ist oder spätere Übertreibung darstellt, wird in der Forschung diskutiert. Doch der Ruf des Kaisers als Bulgarentöter hat sich über 1000 Jahre gehalten. Für Ohrid bedeutete dies das Ende seiner Rolle als Hauptstadt eines unabhängigen Reichs, doch das Erzbistum von Ohrid blieb über Jahrhunderte ein bedeutendes geistliches Zentrum. Wenden wir uns nun der zweiten Schicht zu, die unweigerlich auftaucht, wenn man über Nordmazedonien spricht, dem Erbe Alexanders des Großen.

Hier müssen wir eine Unterscheidung treffen, die für das Verständnis unverzichtbar ist. Das antike Königreich Makedonien, in dem im vierten Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung Philipp der zweite und sein Sohn Alexander der Dritte herrschten, lag mit seinem politischen und geographischen Schwerpunkt im Norden des heutigen Griechenlands, in der Region, die noch heute Makedonien heißt und etwa um die Städte Pella, Vergina und Thessaloniki angesiedelt war.

Das antike Makedonien umfasste in seiner Hochzeit unter Philipp und Alexander auch Gebiete, die heute zu Nordmazedonien, Albanien und Bulgarien gehören. Doch das Zentrum, das kulturell und sprachlich an das griechische Festland anschloss, lag südlich der heutigen Staatsgrenze. Philipp der Zweite, ein Reformer von Begabung und Härte, baute das Makedonische Reich zwischen 359 und 336 vor unserer Zeitrechnung und. Zu einer dominierenden Macht im griechischen Raum aus. Er reformierte das Heer, er fand die makedonische Phalanx mit ihren überlangen Sarissen und bezwang in der Schlacht von Chaironea im Jahr 338 vor unserer Zeitrechnung die letzte gemeinsame Streitmacht der griechischen Stadtstaaten. Sein Sohn Alexander, geboren im

Jahr 356 vor unserer Zeitrechnung in Pella und ausgebildet unter anderem von Aristoteles. Übernahm nach Philipps Ermordung die Krone und brach im Jahr 334 vor unserer Zeitrechnung zum großen Feldzug gegen das Persische Reich auf. In weniger als einem Jahrzehnt erkämpfte er ein Reich, das von Griechenland über Ägypten und Mesopotamien bis nach Zentralasien und an den Indus reichte, er starb im Jahr 323 vor unserer Zeitrechnung in Babylon. 33 Jahre alt und sein Reich zerfiel in die Königreiche seiner Generäle, in denen sich die hellenistische Kultur entfaltete. Eine Kultur, die griechische und orientalische Elemente verschmolz und die mediterrane Welt für Jahrhunderte prägte. Warum nun ist Alexander für

Nordmazedonien ein so umkämpftes Thema? Der Grund liegt in den Brüchen der modernen Geschichte, die. Die Region, in der das heutige Nordmazedonien liegt, war über 2 Jahrtausende keine zusammenhängende politische Einheit. Sie war Teil des Römischen Reichs, dann des Byzantinischen, dann des Bulgarischen, dann des serbischen, schließlich von Ende des 14.

Jahrhunderts bis zu den Balkankriegen, von 1912 und 1913 des Osmanischen Reichs über 500 Jahre osmanische Herrschaft haben tiefe Spuren hinterlassen, sichtbar in Skopje am alten Basar. An der Steinbrücke über den Wadar, an der Mustafa Pascha Moschee und an einer Bevölkerung, die bis heute religiös und ethnisch vielfältig ist. Als das Osmanische Reich zerfiel, wurde die Region in den Balkankriegen aufgeteilt und der größere Teil des historischen Makedoniens fiel an Griechenland, ein kleinerer an Bulgarien, ein dritter Teil das spätere Nordmazedonien an Serbien und damit später an das Königreich Jugoslawien. Innerhalb des sozialistischen Jugoslawiens entstand nach 1944 die Volksrepublik Mazedonien als

eine der 6 Teilrepubliken. Hier formierte sich erstmals in der Moderne eine mazedonische Nationalsprache, eine mazedonische Literatur, eine mazedonische staatliche Institution, als Jugoslawien zu Beginn der 90er Jahre auseinanderbrach, erklärte das Land am 8. September 1991. In einem Referendum seine Unabhängigkeit, friedlich, ohne Krieg.

Was unter den jugoslawischen Nachfolgestaaten eine seltene Ausnahme blieb. Doch sofort begann ein langer, zermürbender Streit mit Griechenland, Athen lehnte den Namen Republik Mazedonien mit dem Argument ab, Mazedonien sei eine griechische Provinz und ein griechisches Erbe. Und die Verwendung des Namens durch das nördliche Nachbarland Berge die Gefahr territorialer Ansprüche und einer Vereinnahmung antiker Symbolik. Tatsächlich hatte das junge Land in den ersten Jahren mit einer Flagge Geflockt, auf der die Sonne von Vergina prangte, jenes 16, strahlige Symbol, das auch auf dem Gold Sarg Philips des Zweiten in Vergina gefunden worden war. Griechenland forderte die Streichung des Symbols. Was im Rahmen eines

Zwischenabkommens 1995 erfolgte. Doch der Namensstreit blieb. Über 2 Jahrzehnte wurde das Land in den Vereinten Nationen als ehemalige Jugoslawische Republik Mazedonien geführt, ein sperriger Behelfsname, der die Schwere des Streits verdeutlichte. In den Jahren zwischen 2006 und 2017 verschärfte sich der Konflikt um die Identität noch durch ein innenpolitisches Großprojekt in der Hauptstadt.

Skopje 2014 eine konservativ nationalistische Regierung beschloss, das Zentrum Skopjes mit monumentalen Bauten und Statuen im klassizistischen und barocken Stil neu zu gestalten. Im Mittelpunkt stand eine gewaltige Reiterstatue, offiziell Krieger zu Pferd genannt, die unverkennbar Alexander den Großen darstellte, auch eine kolossale Statue Philips des zweiten wurde errichtet, dazu Brücken voller Bronzefiguren und repräsentative Fassaden.

Kritikerinnen und Kritiker sprachen von Antikisierung, einer Politik, die antike Symbolik nutzte, um eine direkte Verbindungslinie von Alexander zum modernen Nordmazedonien zu zeichnen. Eine Linie, die historisch zumindest fragwürdig ist, da die mazedonische Sprache der Gegenwart eine slawische Sprache ist und sich erst im sechsten und siebten Jahrhundert mit der slawischen Wanderung in der Region etablierte, also weit nach der Antike.

Eine Wendung kam im Jahr 2018 die. Die griechische Regierung unter Alexis Tsipras und die nordmazedonische Regierung unter Zoran Seif einigten sich am 17 Juni 2018 am Ufer des Prespersees auf einen Kompromiss. Das Land sollte sich künftig Republik Nordmazedonien nennen, was die geographische Lage präzise wiedergab und zugleich den griechischen vorbehalten Rechnung trug. Im Gegenzug erkannte Griechenland an, dass die mazedonische Sprache und Nationalität existieren und legitime Bezeichnungen sind, die. Die Vereinbarung wurde nach kontroversen Debatten in beiden Ländern ratifiziert und trat im Februar 2019 in Kraft. Der lange Namensstreit, der dem jungen Staat den Beitritt zur Nato und Verhandlungen mit Deus

mit der Europäischen Union jahrzehntelang versperrt hatte, war damit beigelegt, im März 2020 wurde Nordmazedonien das 30. Mitglied der Nato EU Beitrittsverhandlungen wurden eröffnet. Bulgarien wiederum erhob in den vergangenen Jahren ähnliche Einwände auf einem anderen Feld. Die bulgarische Regierung sieht die mazedonische Sprache und Identität als historisch eng an, die Bulgarische gebunden und fordert eine Anerkennung dieser Verbindung in der Nordmazedonischen Verfassung, was wiederum in Skopje als Eingriff in die nationale Selbstbestimmung empfunden wird. Eine gemeinsame Historikerkommission arbeitet seit Jahren an einer geteilten Lesart, doch der Prozess ist mühsam.

Damit kommen wir zur dritten Schicht unserer Reise, der Frage nach Identität am Balkan. Nordmazedonien ist nach Volkszählungsdaten von 2022 zu etwa 58% von ethnischen Makedoniern bewohnt, zu rund 24% von ethnischen Albanerinnen und Albanern, daneben gibt es Türkinnen und Türken, Roma, Serben, Bosniaken, Walachen und kleine Gemeinden weiterer Gruppen. Religiös überwiegt das orthodoxe Christentum, gefolgt vom sunnitischen Islam, der vor allem unter der albanischen Bevölkerung verbreitet ist.

Das Verhältnis zwischen den Bevölkerungsgruppen war nicht immer einfach. Im Jahr 2001 kam es zu einem bewaffneten Konflikt zwischen Sicherheitskräften und einer albanischen Aufstandsbewegung im Nordwesten des Landes, der durch das Rahmenabkommen von Orid im August 2001 beendet wurde. Dieses Abkommen sicherte der albanischen Minderheit weitreichende Sprachrechte eine stärkere Repräsentation in den staatlichen Institutionen und Reformen der Verfassung.

Albanisch wurde später im Jahr 2019 als zweite Amtssprache anerkannt, was bis heute kontrovers diskutiert, von vielen aber als Modell für die Integration ethnischer Minderheiten betrachtet wird. Dass dieses Abkommen in Orid geschlossen wurde, ist mehr als geographischer Zufall und macht die alte Stadt am See zu einem Symbolort gleich mehrerer Identitäten. Die Hauptstadt Skopje, in der etwa ein Viertel der Bevölkerung des Landes lebt, ist ein Spiegel dieser Vielfalt, die Stadt liegt am Fluss Vada im Schatten des Wodnowbergs mit seinem großen Millenniumskreuz und vereint osmanisches Erbe, sozialistische Architektur.

Brutalistische Großbauten und die antiquisierenden Statuen des Projekts Skopje 2014 auf engem Raum im Jahr 1963 wurde Skopje von einem schweren Erdbeben heimgesucht, das große Teile der Stadt zerstörte und über 1000 Menschenleben forderte. Beim Wiederaufbau half eine internationale Solidaritätswelle, an der sich Architektinnen und Architekten aus aller Welt beteiligten, darunter der Japaner Kenzo Tange. Dessen Stadtentwicklungsplan, die heutige Form Skopjes maßgeblich geprägt hat.

In Skopje wurde übrigens auch Mutter Theresa geboren, am 26 August 1910 in eine albanisch katholische Familie hinein, was die Verflechtung der Religionen und Sprachen in dieser Stadt auf eindrückliche Weise zeigt. Außerhalb der Hauptstadt entfaltet sich ein gebirgiges Land. Der Berg Corap an der albanischen Grenze und der Shar planina Zug ragen über 2600 Meter auf das Tal des Varder durchquert das Land von Norden nach Süden und in den Weingebieten gedeiht die dunkle Rebsorte Wranek.

Die Wirtschaft ist vergleichsweise klein und von Landwirtschaft, Bergbau und einer wachsenden Zuliefererschaft für die Automobilindustrie geprägt, die Auswanderung ist hoch und in den letzten Jahrzehnten haben viele junge Menschen das Land in Richtung Mitteleuropa verlassen, die. Was demografische Spannungen erzeugt und politische Anstrengungen um Rückkehr motiviert. Was bleibt, ist eine Landschaft und eine Geschichte, in der sich Schichten überlagern, wie sie sich in wenigen anderen Ländern Europas überlagern.

Wer am Ufer des Ohridsees steht, im Schatten einer alten Platane und auf das Wasser blickt, dessen Klarheit Jahrhunderte byzantinischer Kunst gespiegelt hat, der spürt etwas von der Tiefe der Zeit. Hier ist die slawische Schrift gewachsen, die heute hunderte Millionen Menschen verbindet. Hier ist eine Stadt zum Ort des Friedens geworden, an dem ethnische Gegensätze in eine gemeinsame politische Form gefasst wurden. Hier liegt eine biologische Vielfalt unter Wasser, die anderswo längst verloren wäre, und hier liegt auch die die Erinnerung daran, dass kulturelle Identität nicht etwas ist, das man besitzt, sondern etwas, das man pflegt. Befragt und im besten Fall mit den Nachbarn teilt. In jüngerer Zeit machen sich

allerdings auch Sorgen bemerkbar, der Ohridsee, dieses uralte, kostbare Gewässer leidet unter steigenden Wassertemperaturen unter ungeklärten Abwässern aus Tourismusbetrieben und unter dem Bau von Hotels in geschützten Zonen. Im Jahr 2021 wurde die Welterbestätte von der UNESCO auf die Liste des gefährdeten Welterbes gesetzt. Eine Mahnung, die in Nordmazedonien und Albanien gemeinsame Anstrengungen für besseren Schutz angestoßen hat. Der Schutz dieses Sees ist nicht nur ein nationales Anliegen, sondern auch ein europäisches und ein globales, Weil das, was an seinen Ufern und unter seiner Oberfläche zu erhalten ist, in seiner Einzigartigkeit nirgendwo anders existiert. Vielleicht ist das die stille

Lehre, die Nordmazedonien einem aufmerksamen Reisenden mit auf den Weg gibt. Identität hier wie überall, lässt sich nicht aus einer einzigen Linie weben. Sie entsteht aus Geologie und Migration, aus Schrift und Krieg, aus Heiligen und Generälen, aus Übereinkünften und aus Streit und immer wieder aus dem Versuch, das Erbe zu achten, ohne darin zu erstarren. Demokratisches Zusammenleben am Balkan, das so oft zerbrach und doch immer wieder neu versucht wird, ist eine Errungenschaft, die nicht selbstverständlich ist. Und ein See, der die Zeiten überdauert hat, ist eine Mahnung, dass auch das Bewahrenswerteste nur dann bleibt, wenn jede Generation neu daran arbeitet.

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