
Wissensreise durch die Länder der Erde· Staffel 1· Folge 48
Pakistan – Karakorum, Mohenjo-Daro und der zweitgrößte Gletscher außerhalb der Pole
Samstag, 15. August 2026 · 24 min
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Shownotes
🏔️ Pakistan ist mehr als nur ein Land der Gegensätze – es ist ein Schauplatz gewaltiger geologischer und kultureller Superlative. In dieser Folge reisen wir in den Karakorum, wo mit dem K2 der zweithöchste Berg der Erde und mit dem Siachen-Gletscher der zweitlängste Gletscher außerhalb der Polregionen aufeinandertreffen. 🧊 Wir sprechen über die sogenannte „Karakorum-Anomalie", ein Phänomen, bei dem sich viele Gletscher der Region dem globalen Trend des Gletscherschwunds entziehen, und darüber, wie eng die Wasserversorgung von Millionen Menschen im Industal mit dem Zustand dieser Eismassen verknüpft ist.
🏺 Anschließend reisen wir Jahrtausende zurück in die Zeit der Indus-Kultur und besuchen Mohenjo-Daro, eine der ältesten Großstädte der Menschheitsgeschichte mit einer für ihre Zeit revolutionären Wasserinfrastruktur und Stadtplanung. Wir sprechen über das bis heute ungelöste Rätsel der Indus-Schrift und über mögliche klimatische Ursachen für den Niedergang dieser faszinierenden Hochkultur.
🛣️ Außerdem geht es um den legendären Karakorum Highway, eine der anspruchsvollsten Straßenbauleistungen der Welt, sowie um Taxila, ein antikes Zentrum der Gandhara-Kultur, an dem sich griechische und buddhistische Einflüsse zu einer einzigartigen Kunstform verbanden. 🐬 Auch die einzigartige Tierwelt Pakistans, vom blinden Indus-Delfin bis zum Schneeleoparden, sowie die kulinarische und sprachliche Vielfalt des Landes kommen nicht zu kurz.
Viel Freude beim Zuhören und Entspannen!
Quellen:
– UNESCO World Heritage Centre: Archaeological Ruins at Moenjodaro
– UNESCO World Heritage Centre: Taxila
– International Centre for Integrated Mountain Development (ICIMOD): Berichte zu Karakorum-Gletschern
– Journal of Glaciology: Studien zur „Karakorum-Anomalie"
– Encyclopaedia Britannica: Einträge zu K2, Indus-Kultur, Karakorum, Siachen-Gletscher
– Possehl, Gregory L.: „The Indus Civilization: A Contemporary Perspective"
– WWF Pakistan: Berichte zum Indus-Delfin (Platanista minor)
– Pakistan Bureau of Statistics: Bevölkerungs- und Flächendaten
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Heute reisen wir nach Pakistan, in ein Land, das zwischen den höchsten Gipfeln der Erde und einer der ältesten Stadtkulturen der Menschheitsgeschichte liegt. Karakorum, Mohenjodaro und der zweitgrößte Gletscher außerhalb der Pole Lehn dich zurück, schließ die Augen und lass dich mitnehmen. Pakistan liegt im Süden Asiens und grenzt an Indien, Afghanistan, den Iran und China. Mit einer Fläche von rund 881000 Quadratkilometern gehört das Land zu den größten Staaten Südasiens und mit über 240000000 Menschen lebt hier eine der bevölkerungsreichsten Nationen der Welt.
Doch was Pakistan geologisch und geographisch so einzigartig macht, ist seine Lage an der Kollisionszone zweier Kontinentalplatten. Vor rund 50000000 Jahren prallte die indische Platte auf die eurasische Platte und dieser gewaltige Zusammenstoß hebt bis heute die umliegenden Gebirge empor. Das Ergebnis dieser tektonischen Kraft ist im Norden Pakistans zu bestaunen, dort, wo sich gleich 3 der mächtigsten Gebirgsketten der Welt treffen, der Himalaya, der Hindukusch und der Karakorum.
Der Caracorum ist von diesen dreien vielleicht der eindrucksvollste, wenn auch der Öffentlichkeit weniger bekannte. Auf einer Länge von etwa 500 Kilometern erstreckt er sich durch den Norden Pakistans, durch Teile Indiens und Chinas, er beherbergt mit dem K 2 den zweithöchsten Berg der Erde, mit 8611 Metern überragt der k 2 fast alle anderen Gipfel des Planeten. Nur der Mount Everest im Himalaya ist noch höher. Anders als der Everest gilt der K 2 unter Bergsteigerinnen und Bergsteigern jedoch als der technisch anspruchsvollere und gefährlichere Berg.
Seine Flanken sind steiler, das Wetter schlägt schneller um und die Wahrscheinlichkeit, bei einem Besteigungsversuch ums Leben zu kommen, liegt statistisch deutlich höher als am Everest. Aus diesem Grund trägt der K 2 in Bergsteigerkreisen den Beinamen der Wilde Berg oder schlicht Savage Mountain. Der Caracorum ist aber nicht nur wegen seiner Gipfelhöhen bemerkenswert, sondern auch, weil er die höchste Dichte an Gletschern außerhalb der Polarregionen aufweist. Insgesamt bedecken Gletscher im Caracorum eine Fläche von schätzungsweise 16000 Quadratkilometern. Und genau hier finden wir auch das zweite große Naturwunder unserer heutigen Folge, den siachen Gletscher mit einer Länge von etwa 70 Kilometern
gilt der Siachen Gletscher als der zweitlängste Gletscher außerhalb der Polregionen, übertroffen nur vom Vetschenko Gletscher im benachbarten Tadschikistan, der auf gut 77 Kilometer kommt. Der Siachingletscher liegt in einer Höhe zwischen 3600 und über 5700 Metern und speist mit seinem Schmelzwasser den Nubrafluss, der wiederum in den Chiok und schließlich in den Indus mündet, jenen Strom, der Pakistan seinen Namen gab und über Jahrtausende hinweg das Rückgrat der Landwirtschaft und der Zivilisation in dieser Region bildete. Der siachen Gletscher ist jedoch nicht nur aus geographischer, sondern auch aus geopolitischer Sicht bedeutsam. Er liegt in einem umstrittenen Grenzgebiet zwischen Pakistan und Indien und gilt als eines
der höchstgelegenen Konfliktgebiete der Welt. Seit den 1900 80er Jahren sind hier Soldatinnen und Soldaten beider Länder stationiert. In Höhenlagen, in denen die Kälte, der Sauerstoffmangel und Lawinen eine größere Bedrohung darstellen als der jeweilige Gegner. Klimaforscherinnen und Klimaforscher beobachten die Gletscher der Region inzwischen mit wachsender Sorge, denn der Caracorum verhält sich in mancher Hinsicht anders als benachbarte Gebirge. Während viele Gletscher im Himalaya messbar an Masse verlieren.
Zeigen einige Gletscher im Charakorum eine bemerkenswerte Stabilität, teils sogar ein leichtes Wachstum. Dieses Phänomen wird als charakorum Anomalie bezeichnet. Fachleute vermuten, dass veränderte Windmuster verstärkte Schneefälle im Winter und eine besondere Geometrie der Täler dafür verantwortlich sind, dass Schmelzverluste im Sommer durch zusätzlichen Schneezuwachs ausgeglichen werden.
Dennoch warnen Klimaforschende davor, diese lokale Ausnahme als Entwarnung für die gesamte Region misszuverstehen. Denn die Wasserversorgung von Hunderten Millionen Menschen im Industal hängt langfristig von der Stabilität dieser Gletscher ab. Apropos Indus Kein Fluss hat die Geschichte Pakistans so geprägt wie er.
Der Indus entspringt auf dem tibetischen Hochplateau. Durchquert den gesamten Norden Pakistans und mündet nach über 3000 Kilometern in das Arabische Meer. Sein fruchtbares Schwemmland ermöglichte bereits vor mehr als 5000 Jahren die Entstehung einer der bedeutendsten frühen Hochkulturen der Menschheit, der Induskultur, die auch als harrappa Kultur bekannt ist. Und damit kommen wir zum zweiten großen Thema unserer heutigen Reise.
Mohenyodaro mohenyodaro was in der sindi Sprache so viel bedeutet wie Hügel der Toten, liegt in der heutigen Provinz, sind im Süden Pakistans. Die Stadt wurde vermutlich um 2500 vor unserer Zeitrechnung errichtet und war über mehrere Jahrhunderte hinweg eines der bedeutendsten urbanen Zentren der Induskultur neben dem weiter nördlich gelegenen Harrapa.
Zu ihrer Blütezeit lebten in Mohenio Daro schätzungsweise 35000 bis 40000 Menschen, was die Stadt zu einer der größten Siedlungen der damaligen bekannten Welt machte, vergleichbar mit den Zentren Mesopotamiens und des Alten Ägyptens. Was Archäologinnen und Archäologen bei der Ausgrabung von Mohenio Daro ab den 1900 20er Jahren besonders erstaunte, war der bemerkenswerte Grad an Stadtplanung. Die Straßen der Stadt waren in einem präzisen Rastermuster angelegt, das sich exakt an den Himmelsrichtungen orientierte. Es gab breite Hauptstraßen und schmalere Nebengassen, ein System, das erst Jahrtausende später in vielen anderen Kulturen wieder aufgegriffen wurde. Noch beeindruckender ist jedoch
die Wasserinfrastruktur. Mohenjo Daro verfügte über ein ausgeklügeltes System aus Brunnen, Bädern und einer der frühesten bekannten Kanalisationen der Weltgeschichte. Fast jedes Wohnhaus war an ein unterirdisches Abwassersystem angeschlossen, das Abwasser gezielt aus der Stadt ableitete. Zum Vergleich in vielen europäischen Städten sollte ein vergleichbar durchdachtes Kanalisationssystem erst im 19 Jahrhundert entstehen.
Also mehr als 4000 Jahre später im Zentrum der Stadt erhebt sich das sogenannte große Bad, ein wasserdichtes Becken aus gebrannten Ziegeln, das mit Bitumen abgedichtet wurde und vermutlich rituellen Waschungen diente. Die Bauweise mit fein aufeinander abgestimmten Ziegeln in einheitlicher Größe deutet darauf hin, dass die Induskultur über standardisierte Maßsysteme verfügte.
Ein bemerkenswertes Zeugnis früher Ingenieurskunst auch bei Gewichten und Maßen fanden Forschende bemerkenswerte Regelmäßigkeiten. Kleine, exakt gearbeitete Steingewichte folgen einer binären Zahlenreihe, was auf ein durchdachtes System für Handel und Besteuerung schließen lässt. Was die Induskultur von vielen ihrer Zeitgenossen in Mesopotamien und Ägypten unterscheidet.
Ist das weitgehende Fehlen monumentaler Paläste, Tempelanlagen oder aufwendiger herrschergräber? Es gibt bislang keine eindeutigen archäologischen Belege für einen zentralisierten König oder eine Priesterkaste, wie man sie aus anderen frühen Hochkulturen kennt. Diese Beobachtung hat unter Forschenden zu der Hypothese geführt, dass die Induskultur möglicherweise eine vergleichsweise egalitäre Gesellschaftsstruktur besaß oder zumindest eine Form der Machtausübung, die sich nicht in monumentaler Architektur ausdrückte.
Vollständig geklärt ist diese Frage bis heute nicht, denn ein entscheidendes Puzzleteil fehlt, die Schrift der Induskultur konnte bislang nicht entziffert werden. Auf unzähligen Siegeln, Tontafeln und Keramikscherben finden sich Zeichenfolgen der sogenannten Indusschrift mehr als 400. Unterschiedliche Symbole wurden bereits katalogisiert, doch da bislang kein zweisprachiger Text gefunden wurde, der eine Übersetzung ermöglichen würde, bleibt unklar, ob es sich überhaupt um eine vollständige Schrift im linguistischen Sinne handelt.
Oder eher um ein System symbolischer Markierungen etwa für Handelswaren oder religiöse Zwecke? Diese ungelöste Frage zählt zu den großen Rätseln der Archäologie und beschäftigt Forschungsteams bis heute ebenso rätselhaft wie ihre Schrift ist der Niedergang der Induskultur, um etwa 1900 vor unserer Zeitrechnung begann eine schleichende Auflösung der großen Städte.
Lange Zeit vermutete man kriegerische Eroberungen als Ursache, heute gehen die meisten Forschenden jedoch von einem komplexen Zusammenspiel klimatischer und ökologischer Faktoren aus. Untersuchungen von Sedimentablagerungen deuten darauf hin, dass sich die Monsun Muster in der Region über Jahrhunderte hinweg verschoben haben, was zu wiederkehrenden Dürreperioden führte.
Gleichzeitig gibt es Hinweise darauf, dass der Flusslauf des Kagar Hakra eines heute weitgehend ausgetrockneten Flusses, der einst viele Siedlungen versorgte, sich allmählich verlagerte oder versiegte. Die Kombination aus veränderten Wasserverhältnissen und einer möglicherweise übernutzten Landwirtschaft dürfte die Städte der Induskultur nach und nach unbewohnbar gemacht haben.
Sodass sich die Bevölkerung über einen längeren Zeitraum in kleinere ländlichere Siedlungen zurückzog. Von den Bergen des Nordens zu den archäologischen Städten des Südens erstreckt sich Pakistan über eine erstaunliche Vielfalt an Klimazonen und Ökosystemen. Im äußersten Norden, in der Region Gilgit Baltistan, herrscht ein hochalpines Klima mit ewigem Eis und Schnee, während im Süden in der Provinz sind subtropische und teils wüstenartige Bedingungen vorherrschen, die Wüste tar. Im Südosten des Landes zählt zu den am dichtesten besiedelten Wüstenregionen der Welt, obwohl dort im Jahresdurchschnitt oft nur 100 bis 500 Millimeter Niederschlag fallen. Zwischen diesen Extremen liegt das fruchtbare Punjab, wörtlich übersetzt Land der 5 Flüsse,
benannt nach den 5 großen Zuflüssen des Indus yelum Cenab, Ravi, Sudley und Beas. Diese Region gilt als eine der wichtigsten Agrarregionen Südasiens und wird bereits seit der Antike durch ein ausgeklügeltes System künstlicher Bewässerungskanäle bewirtschaftet. Ein System, das in seinen Grundzügen bis in die Zeit der britischen Kolonialherrschaft im 19 Jahrhundert massiv ausgebaut wurde und noch heute eines der größten zusammenhängenden Bewässerungssysteme der Welt bildet.
Diese klimatische und geographische Vielfalt spiegelt sich auch in der Tier und Pflanzenwelt Pakistans wider. In den Hochgebirgsregionen des Caracorum und Hindukusch leben Schneeleoparden, deren Bestand aufgrund von Lebensraumverlust und Wilderei als gefährdet gilt, sowie Marco Polo Schafe, eine besonders großwüchsige Wildschaffart mit imposanten spiralförmigen Hörnern der Indus selbst.
Beherbergt eine echte Rarität der Evolution den Indus Delfin, eine von nur sehr wenigen Süßwasser delfinarten der Welt, die vollständig blind ist und sich mittels Echoortung im trüben Flusswasser orientiert. Aufgrund von Wasserverschmutzung, Staudammbau und der Zerschneidung seines Lebensraums zählt der Indus Delfin heute zu den am stärksten bedrohten Süßwasser Säugetieren weltweit.
Wobei gezielte Schutzprogramme in den vergangenen Jahrzehnten immerhin zu einer leichten Erholung der Population beigetragen haben. Auch kulturell ist Pakistan von bemerkenswerter Vielfalt geprägt, mehr als 60 Sprachen werden im Land gesprochen, von Urdu, der Nationalsprache, über Punjabi. Das von der größten Bevölkerungsgruppe gesprochen wird, bis hinzu Sinti, Paschtu und Baloki sowie zahlreichen kleineren Sprachen in den Bergregionen des Nordens, von denen einige wie das Boruschaski mit keiner anderen bekannten Sprachfamilie der Welt verwandt sind, und Sprachwissenschaftlerinnen und Sprachwissenschaftler bis heute vorrätsel stellen.
Diese sprachliche Vielfalt ist ein Echo der langen Geschichte Pakistans als Kreuzungspunkt großer Handelsrouten. Über Jahrhunderte hinweg verliefen Teile der Seidenstraße durch die Täler des Caracorum, entlang derer nicht nur waren wie Seide, Gewürze und Edelsteine transportiert wurden. Sondern auch Ideen, Religionen und Schriftsysteme ihren Weg von China nach Persien und weiter in den Mittelmeerraum fanden.
Entlang dieser alten Routen finden sich bis heute buddhistische Felsreliefs und Inschriften, Stille Zeugen einer Zeit, in der die Region ein bedeutendes Zentrum des Buddhismus war, bevor sich hier ab dem achten Jahrhundert der Islam als vorherrschende Religion etablierte, die. Auch architektonisch hat Pakistan der Welt bedeutende Zeugnisse hinterlassen. Die Bergwelt des Nordens, insbesondere das Hunzartal, zählt zu den landschaftlich eindrucksvollsten Regionen Asiens mit terrassierten Feldern, jahrhundertealten Aprikosenhainen und Blick auf schneebedeckte 8 tausender wie den Rakaposhi.
In der Stadt Lahore wiederum finden sich beeindruckende Beispiele der Mogularchitektur, etwa die Batschahi Moschee aus dem 17 Jahrhundert, die zu ihrer Errichtungszeit die größte Moschee der Welt war, sowie die Lahore Festung, die gemeinsam mit den historischen Gärten der Stadt zum UNESCO Weltkulturerbe zählt. Auch Moheno Daro selbst steht seit 1980 auf der Liste des UNESCO Weltkulturerbes.
Eine Anerkennung, die zugleich die Verantwortung mit sich bringt, diese einzigartige, aber empfindliche archäologische Stätte für kommende Generationen zu bewahren. Salzhaltiges Grundwasser, das durch Bewässerung in der Umgebung aufsteigt, stellt die Konservierung der jahrtausendealten Ziegelbauten vor erhebliche Herausforderungen und Fachleute arbeiten kontinuierlich an neuen Methoden, um den Verfall der freigelegten Mauern zu verlangsamen. Nicht weit von den Gletschern des Caracorum entfernt, verläuft eine der spektakulärsten Straßen der Welt, der Caracorum Highway. Der Pakistan mit China verbindet. Die Straße folgt über weite Strecken dem historischen Verlauf der Alten Seidenstraße
und windet sich durch enge Täler, vorbei an Steilwänden und über Pässe auf mehr als 4700 Metern Höhe bis zum kunjirap Pas an der chinesischen Grenze, dem höchstgelegenen befestigten Grenzübergang der Welt. Der Bau dieser Straße, der in den 1900 60er Jahren begann und rund 2 Jahrzehnte dauerte, gilt bis heute als eine der anspruchsvollsten Ingenieursleistungen im Straßenbau überhaupt.
Immer wieder mussten Bauarbeiterinnen und Bauarbeiter mit Erdrutschen, Lawinen und instabilen Felshängen kämpfen. Und Fachleute schätzen, dass auf jeden Kilometer der fertiggestellten Strecke im Durchschnitt ein Menschenleben kam. Der Caracorum Highway ermöglichte erstmals eine durchgehende Straßenverbindung zwischen Südasien und Zentralasien und ist bis heute von enormer wirtschaftlicher und strategischer Bedeutung.
Ein weiteres bedeutendes Kapitel der pakistanischen Geschichte liegt in der Region um die Stadt Taksila, nicht weit von der heutigen Hauptstadt Islamabad entfernt. Taksila war über Jahrhunderte hinweg ein Zentrum der gandara Kultur, einer faszinierenden Zivilisation, die an der Schnittstelle zwischen griechisch, Hellenistischem, Persischem Zentralasiatischem und indischem Kulturerbe entstand. Nach dem Feldzug Alexanders des Großen im vierten Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung blieben in der Region hellenistische Einflüsse zurück, die sich in einzigartiger Weise mit buddhistischer Kunst und Architektur verbanden. Aus dieser Verschmelzung entstand die sogenannte Gandara Kunst, bekannt vor allem für
ihre Buddha Darstellungen mit wallenden. An griechische Statuen erinnernden Gewändern, ein Stil, der später die buddhistische Kunst in ganz zentral und Ostasien maßgeblich beeinflusste. Taxila entwickelte sich zudem zu einem der bedeutendsten Bildungszentren der antiken Welt an den dortigen buddhistischen Klosteranlagen sollen zeitweise tausende Studierende aus dem gesamten asiatischen Raum Philosophie, Medizin.
Astronomie und Grammatik studiert haben, weshalb manche Historikerinnen und Historiker Taxila als eine der frühesten Universitäten der Menschheitsgeschichte bezeichnen. Auch Taxila zählt heute zum UNESCO Weltkulturerbe, kulinarisch ist Pakistan ebenfalls von seiner geografischen Lage und seiner langen Geschichte als Handelsdrehscheibe geprägt, Gerichte wie Biryani. Ein aromatisches Reisgericht mit Fleisch und Gewürzen oder Nihari, ein langsam geschmorter Eintopf, der ursprünglich als kräftigende Mahlzeit für die Zeit vor Sonnenaufgang während des islamischen Fastenmonats diente, Zeugen von einer Küche, die zentralasiatische, persische und südasiatische Einflüsse miteinander vereint.
Auch der Chai, ein stark gesüßter, mit Milch gekochter Tee, ist aus dem pakistanischen Alltag nicht wegzudenken und wird gesellschaftlich als wichtiges Ritual der Gastfreundschaft verstanden. In den nördlichen Bergregionen wiederum, etwa im Hunzatal, hat sich aufgrund der isolierten Lage und des besonderen Mikroklimas eine eigene, vergleichsweise leichte Küche entwickelt, die stark auf getrocknete Früchte. Insbesondere Aprikosen sowie auf Vollkorngetreide setzt, was in den vergangenen Jahrzehnten sogar ernährungswissenschaftliches Interesse geweckt hat, wenngleich frühere Behauptungen über eine außergewöhnlich hohe Lebenserwartung der dortigen Bevölkerung wissenschaftlich nicht ausreichend belegt werden
konnten und heute mit Vorsicht zu betrachten sind. Wenn wir also heute an Pakistan denken, sollten wir nicht nur an ein Land der Gegensätze denken, sondern an ein Land, das eine der ältesten Errungenschaften der menschlichen Zivilisation geplante Städte mit funktionierender Wasserversorgung und eine der jüngsten Herausforderungen unserer Zeit, den Klimawandel und seine Auswirkungen auf gewaltige Gletschersysteme, in sich vereint.
Die Geschichte Mohenjo Daros erinnert uns daran, dass selbst hochentwickelte Gesellschaften nicht vor ökologischen Veränderungen gefeit sind und die Beobachtungen im Charakterum zeigen, wie eng die Wasserversorgung von Millionen Menschen mit dem Zustand entlegener Gletscher verknüpft ist. Es sind Geschichten wie diese, die uns vor Augen führen, wie verletzlich unser Planet ist und wie wichtig es ist, ihn und die Errungenschaften unserer offenen, demokratischen Gesellschaften zu schützen, damit auch kommende Generationen noch die Möglichkeit haben, aus der Vergangenheit zu lernen und die Zukunft verantwortungsvoll zu gestalten. Damit sind wir am Ende unserer heutigen Reise durch Pakistan angekommen.
Wir hoffen, dir hat der Ausflug zwischen den Gipfeln des Caracorum und den jahrtausendealten Straßen von Mohenyo Daro gefallen. Wenn dir diese Folge gefallen hat, lass uns gerne eine Bewertung da, das hilft uns dabei, weiterhin spannende Wissensreisen für dich zu produzieren, bis zur nächsten Folge bleib neugierig.