
WR210 - Fordlandia und das Schweigen der Kautschukbäume
Freitag, 3. April 2026 · 49 min
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Shownotes
1927 hatte Henry Ford eine Idee. Er würde seinen eigenen Kautschuk anbauen — im Amazonas, im größten möglichen Maßstab. Also kaufte er ein Stück Regenwald, so groß wie mehr als zwei Harz, und baute mitten hinein eine amerikanische Kleinstadt: Wasserturm, Golfplatz, asphaltierte Straßen, Feuerhydranten aus Detroit.
Die Arbeiter sollten leben wie in Michigan. Amerikanische Arbeitszeiten, amerikanisches Essen, Alkoholverbot — und abends Pflicht-Square-Dance.
Der Dschungel hatte andere Pläne.
Ein Pilz, der seit Millionen von Jahren im Amazonas lebt, fraß die Kautschukbäume von innen. Die Arbeiter revoltierten. Und Ford, 10.000 Kilometer entfernt in Dearborn, steckte immer mehr Geld in ein Projekt, das von Anfang an zum Scheitern verurteilt war.
20 Millionen Dollar. Kein einziger Tropfen Kautschuk. Und Ford hat Fordlândia nie betreten — nicht ein einziges Mal.
Eine Geschichte über Arroganz, Kontrolle und die Grenzen des Geldes.
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#Neuere und neueste Geschichte #Lateinamerika und Karibik #Nordamerika #Kautschuk #Henry Ford #Amazonas #Plantage
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Ja, nur eine ganz kurze Sache. Was ist das? Das ist ein Gummibaum. Ich sehe, dass das ein Gummibaum ist. Lass mich mal konkreter werden. Warum steht ein Gummibaum am Raumzeitschiff deswegen heute? Das erklärt es erstmal gar nichts und vor allen Dingen nicht, warum dieser Baum alles andere als gesund aussieht.
Ja, das liegt vielleicht daran, dass der Baum wirklich krank ist. Guck dir immer die Blätter an, dieser Pilz, der frisst sie von unten und gegen den gibt's bis heute kein Mittel, nirgendwo. Auf der Welt. Na super, aber was hat das so konkret mit uns zu tun? Wir gucken uns heute an, wie es dazu kommen konnte, dass dieser Pilz einen Mann $20000000 gekostet hat.
Moment, kurz Fort Landia am Fluss Capagos in Brasilien 4. Juli 1930 11:45 Uhr Ortszeit Wissensreisende Chris, Willkommen im Amazonas. Haben wir uns verflogen? Das sieht gar nicht aus wie der Amazonas, das ist sehr aus wie eine amerikanische Kleinstadt. Genau. Aber stimmt, da hinten kann ich auch den Dschungel erkennen.
Das ist echt alles ein bisschen verwirrend. Guck mal nach links. Ein Wasserturm mit einem. Ford Logo drauf. Jawohl, 50 Meter hoch in Miching gebaut, in Einzelteilen hierher gebracht und wieder zusammengeschraubt, genauso wie die Häuser, die Straßen, die Feuerhydranten. Die Feuerhydranten ja. Sogar die Hydranten. Was war das?
Mittagspause ist vorbei, gleich kommen sie und die sehen nicht glücklich aus. Ja, es ist gleich 12 und die Hitze gepaart mit der Luftfeuchtigkeit hier ist gegen Mittag kaum auszuhalten und sie müssen trotzdem raus zur Arbeit. Ja, aber warum arbeiten die nicht früh morgens, wenn es noch erträglich ist, ist ein Blödsinn.
Ja, an sich schon. Aber Henry Ford sitzt in Michigan, und der findet, dass Arbeit um 06:00 Uhr morgens anfängt und um 03:00 Uhr nachmittags zu Ende ist. Genauso wie in Dearborn. Ja, aber das hier ist nicht Dearborn. Nicht wirklich. Aber das Kümmert Ford. Recht wenig Avea ginovo was hat er gesagt, also direkt. Übersetzt hat er gesagt, schon wieder Haferflocken. Die gab es heute nämlich schon wieder zum Mittagessen. Haferflocken, Brot aus Vollkornmehl, Dosenpfirsiche alles aus Detroit.
Hier, mitten im fruchtbaren Amazonas. Jap, kein Fisch, keine Bohnen, kein Maniok. Ford findet nämlich, dass amerikanisches Essen bessere Arbeiter macht. Okay da brauche ich wenigstens nicht mehr zu fragen, wessen brillante Idee das hier alles war, oder? Nee, ich denke, das sollte wohl klar sein. Ford wollte seinen eigenen Kautschuk, also kaufte er sich ein Stück Amazonas, rund zweimal so groß wie der Harz. Dann baute er Amerika rein und nannte es Fort Landea. Und hat's funktioniert?
Chris, Guck mal zu den Bäumen da drüben. Oh, die sehen genauso krank aus wie dieses arme Gewächs hier drin. Und die Blätter sind. Tot. Zumindest die meisten davon. Es gibt halt diesen Pilz hier, der genau auf diese Bäume scharf ist. Je enger man sie pflanzt, desto schneller frisst er sich durch. Und Ford hat sie pflanzen lassen wie auf einer Plantage halt so üblich, Reihe an Reihe.
Oh, das klingt nicht so, als würde das gut ausgehen. Das geht auch nicht gut aus. Kein einziger Tropfen Kautschuk aus diesen Bäumen hat je ein Ford Auto berührt und um diesen Ort und seine Geschichte und was sie uns heute noch zu sagen hat, darum soll es in dieser Folge gehen. Herzlich Willkommen bei Wissensreisende, dem Podcast über Menschen, Geschichte und Hintergründe.
Und bevor ich das vergesse, möchte ich als allererstes mal einen kleinen Shoutout an Horst rauslassen. Vielen, vielen, vielen Dank ist es gut angekommen, danke sehr, es macht echt Spaß so eine E Mail zu bekommen und natürlich an dieser Stelle auch herzlich willkommen für alle anderen Unterstützer die mit Sicherheit schon in der ersten Klasse im Raumschiff Platz genommen haben exakt.
Und auch alle anderen auf den billigen Plätzen sind uns natürlich nicht weniger willkommen. Ich denke, ihr kennt uns schon nichtsdestotrotz, mitten am Tisch sitzt der Jan. Hallo da draußen. Ich bin der Chris und wenn ich hier diese Anmoderation mache, dann bedeutet das bei uns n Umkehrschluss, dass Jan ne Geschichte mit hat. Ihr habt es schon gehört, es geht nach Brasilien, es geht um automobile Industriegeschichte.
Und ich würde sagen, ich laber hier gar nicht groß weiter rum und gebe das Wort an Jan ab. Ja danke dir und ich würde sagen, ich Fackel auch nicht lange, sondern ich leg besser mal los. Aber bevor wir wirklich nach Fort Landia kommen, wo wir eben schon kurz waren, müssen wir noch mal über ein Material und damit auch über unseren kranken Pflanzenfreund reden, den ich hier extra im Schweiße meines angesichts an Bord gehievt habe. Es geht erstmal um ein Material, dass die Welt um 1900 den Aufruf versetzte, das aber heute so selbstverständlich ist, dass kaum noch jemand darüber nachdenkt und. Und zwar ist das Kautschuk ohne Kautschuk, keine Reifen, ohne Reifen keine Autos und ohne Auto kein Henry Ford und keine Ford Motor Company.
Die Geschichte von Ford Landia beginnt also nicht im Amazonas, sondern erst mal in einer Fabrik in Michigan und mit der schlichten Tatsache, dass Ford für sein Imperium diesen Rohstoff brauchte, den er nicht kontrollierte. Aber fangen wir besser von vorne an. Kautschuk kommt aus dem Milchsaft eines Baumes.
Hevea Brasiliensis dieser Milchsaft, den nennt man Latex, fließt aus dem angeritzten Stamm wie weiße Farbe getrocknet und verarbeitet wird daraus Kautschuk, und das wiederum ist der Rohstoff für Gummi. Hevea Brasiliensis wächst von Natur aus im Amazonasbecken verstreut weit auseinander, eingebettet in den Dschungel. Jahrhundertelang war Brasilien das einzige Land der Welt, das in nennenswerter Menge Kautschuk produzierte und als die Industrialisierung im 19 Jahrhundert Fahrt aufnahm, wurde Brasilien steinreich damit.
Manaus ist eine Stadt tief im Amazonas, 1500 Kilometer vom Meer entfernt, und trotzdem war das eine der reichsten Städte Lateinamerikas, um 1900 mit einem Opernhaus, für das sich auch die europäischen Metropolen nicht zu schämen bräuchten, mit Straßenbahnen, mit Palästen. Mit europäischen waren, die per Schiff den Fluss Hochkamen. All das finanziert durch Kautschuk. Und dann kam ein Engländer, sein Name war Henry Wickham, und was er 1876 tat, hat Brasilien mehr geschadet als jeder Krieg. Wickham lebte damals in der Nähe von Santarin, direkt am Tapagos, einen Nebenfluss des Amazonas, und. Und er wusste, was die Briten wollten. Die hatten nämlich längst gecheckt, dass Kautschuk die Zukunft war.
Das Problem war halt, der gesamte Kautschuk kam aus Brasilien, und das wollten die Briten ändern, also wilkham reiste flussaufwärts ins Gebiet, um Boim am Tapagos und sammelte über mehrere Monate 70000 Samen von Hevea brasiliensis er packte sie in Bananenblattrollen, verlud sie auf ein Schiff, die SS Amazonas. Und deklarierte die Fracht gegenüber dem brasilianischen Zoll als äußerst empfindliche botanische Exemplare für die persönlichen Gärten Ihrer Majestät, der Königin und die Brasilianer ließen ihn passieren am 14 Juni 1876 kamen die Samen in den Royal Botanic Gardens in Q an, die Gärtner pflanzten alles sofort ein und warteten von 70000 Samen keimten am Ende gerade mal 2700, aber die
reichten. Die Keimlinge gingen nach Ceylon, nach Singapur und nach Java und dort weit weg vom Amazonas und weit weg von den natürlichen Feinden der Pflanze, explodierten die Plantagen. Die Briten konnten Kautschukbäume viel dichter Pflanzen als in Brasilien, weil die Schädlinge und Pilze, die den Baum befallen, in Südostasien einfach nicht existierten, und die Erträge waren enorm. In wenigen Jahrzehnten hatten britische Kolonien 3 Viertel der gesamten Welt Kautschukproduktion übernommen. Brasiliens Monopol war gebrochen und Manaus verarmte. Henry Wickham wurde 1920 geadelt für Verdienste um die Kautschukindustrie im Fernen Osten, wie es hieß. In Brasilien nennen sie ihn bis heute den größten Bioplünderer des 19 Jahrhunderts, in den 1920
ern hält Großbritannien dadurch 75% der weltweiten Kautschukproduktion. Und die Vereinigten Staaten verbrauchen 70 bis 75% des gesamten weltweiten Kautschuks. Das meiste davon geht in Autoreifen, und ja, da seht ihr das Problem. Die USA sind komplett abhängig von einem Rohstoff, den sie nicht selbst produzieren und der von einem einzigen Land kontrolliert wird, nämlich Großbritannien und im Jahr 1922 entschied Großbritannien diese Position auszunutzen, der Mann dahinter.
War ein Mann, den kennt man aus der Geschichte, nämlich ein Mann mit dem Namen Winston Churchill, damals noch nicht der Kriegsprämier, der er später werden sollte, sondern kolonialminister Churchill setzte sich an die Spitze einer Initiative, die den Kautschukmarkt neu ordnen sollte. Diese Initiative war der Stephenson Plan, benannt nach dem Vorsitzenden des Untersuchungsausschusses, Sir James Stephenson.
Das Prinzip war simpel. Die britischen Kolonien in Malaya und Ceylon, also die größten Kautschuk Produzenten der Welt, begrenzten die Menge, die sie exportieren durften, also künstliche Verknappung. Und der Preis schnellte nach oben, vor dem Stephenson Plan kostete ein Pfund Kautschuk etwa 17 US Cent auf dem Höhepunkt des Plans waren es schon über $1,20 pro Pfund, das war für die amerikanische Industrie eine Katastrophe. 1925 meldete sich US Handelsminister Herbert Hoover zu Wort und erklärte die Kautschukpreise durch den Stephenson Plan bedrohten den American Way of Life.
Ach, das kennt man ja. Thomas Edison versuchte, Kautschuk aus amerikanischen Pflanzen zu gewinnen. Goodyear baute Plantagen in Sumatra, Firestone kaufte sich in Liberia ein. Alle suchten nach einer Lösung und Henry Ford, der hatte eine ganz eigene Idee, wie man mit der Situation umgehen sollte. Die Ford Motor Company brauchte damals jährlich rund 38000 Tonnen Kautschuk, 38000 Tonnen für Reifen, Schläuche, Dichtungen und Dutzende andere Teile in jedem Auto. Ford hatte in seinem Leben fast jeden Rohstoff, den er brauchte, unter seine Kontrolle gebracht, Eisenerz, Kohle, Holz, Glas, er besaß Minen, Wälder, Fabriken und Eisenbahnlinien, er war so vertikal integriert wie ein Unternehmen nur sein konnte. Aber Kautschuk, den kaufte er
bei den Briten zu deren Preisen und zu deren Bedingungen. Das war für einen Mann wie Ford kaum auszuhalten. Er war nicht nur Unternehmer, er war jemand, der Abhängigkeiten hasste, der Kontrolle brauchte und der das Gefühl, von anderen abhängig zu sein, als persönliche Niederlage empfand und 1927 entschied Ford dann das zu ändern, er würde seinen eigenen Kautschuk anbauen. Und er würde das im größtmöglichen Maßstab tun. Im Amazonas, an dem Fluss, aus dessen Gebiet Henry Wickham 50 Jahre zuvor die 70000 Samen gestohlen hatte. Das ist erstmal die Ausgangslage rund um den Kautschuk, und jetzt müssen wir noch mal kurz über den Mann Henry Ford sprechen und was das so für ein Typ war. 1927 ist Ford einer der bekanntesten Menschen der Welt, sein Gesicht
ist auf Titelseiten von Detroit bis Tokio. Sein Name steht auf mehr als 15000000 Autos. Mehr als die Hälfte aller Autos, die weltweit auf den Straßen fahren, sind fort. Der Mann hat die industrielle Welt neu erfunden, die Fließbandfertigung, den 8 Stunden Tag, den $5 Lohn, das alles kommt von Ford, er hat eine Mittelklasse erschaffen indem er ein Auto baute, dass sich die Mittelklasse auch leisten konnte und jetzt also 1927 ist er 64 Jahre alt und. Unfassbar reich.
Aber wer ist dieser Typ eigentlich? Weil Ford Landia ohne Henry Ford gar nicht zu verstehen ist? Nicht das Scheitern, nicht die Arroganz und auch nicht die Sturheit, das alles kommt nämlich direkt von ihm. Henry Ford wurde 1863 auf einem Bauernhof in Michigan geboren, sein Vater war Farmer, seine Mutter Farmers Frau und Henry hasste die Arbeit auf dem Land von früh auf.
Nicht die Natur, die liebte er, aber die Plackerei und die Abhängigkeit vom Wetter und die endlose Handarbeit, die waren ihm einfach zuwider. Was ihn aber faszinierte, das waren Maschinen. Schon als Kind nahm er jeden Mechanismus auseinander, den er in die Finger kriegen konnte, Uhren, pumpen, alles, und mit 16, die von zu Hause weg nach Detroit und fing an, sich als Mechaniker durchzuschlagen, ihr wisst was daraus wurde, aber hier ist die Sache.
Ford verließ den Bauernhof und verbrachte dann die zweite Hälfte seines Lebens damit, ihn zu konservieren, als wäre er in Panik geraten über das, was er angerichtet hatte. Die Fabrik, das Fließband, die Massenproduktion, all das hatte diese alte ländliche Welt ein Stück weit zerstört, und Ford, der Zerstörer dieser Welt, konnte sie trotzdem absolut nicht loslassen, ich glaube, das ist so ein bisschen die Idylle der Kindheit, die dann. Immer vermisst und in die man sich immer irgendwie zurücksehnt, weil einfach das Leben als Kind so viel einfacher und simpler war, als als Erwachsene hundertprozentig 1929, eröffnete er Greenfield Village in Dearborn in Michigan, ein rekonstruiertes Amerika, wie
es nie wirklich existiert hatte. Er ließ Thomas Edisons Laboratorium originalgetreu wieder aufbauen, die Gebrüder Wright Werkstatt, eine Windmühle, eine Schmiede und auch sein eigenes Kindheitshaus. Eingefroren auf das Jahr 1876 Ford ließ Historiker kommen und befragte alte Bauern nach Volksliedern, die kurz vor dem Aussterben waren.
Er sammelte antike Landmaschinen, er ließ Square Dances organisieren und bestand darauf, dass Manager, Ingenieure und gelegentlich auch europäische Adlige teilnahmen, die Halt auf Besuch da waren. Das klingt nach Nostalgie, und das ist es auch, aber es steckt noch mehr dahinter. Ford war überzeugt, dass die Moderne etwas Grundlegendes zerstört hatte, einen moralischen Kern, eine Schlichtheit, eine Ehrlichkeit der Arbeit.
Und er glaubte, er könne beides haben, die Effizienz der Fabrik und die Tugenden des Bauernhofs, wenn man es nur richtig machte und fort Landia war natürlich neben der Sache mit dem Kautschuk ein Versuch, genau das zu beweisen. Über sein Vermögen sprach er nicht gern. Aber 1927 war er eben einer der reichsten Menschen der Erde.
Sein persönliches Vermögen wurde auf rund 1,2 Milliarden Dollar geschätzt. Ja, inflationsbereinigt sind das mehrere 100 Milliarden, also wir reden hier über einen musklevel Reichtum und doch bei ihm selbst Geld irgendwie komischerweise ein bisschen gleichgültig. Es gibt Berichte, dass er einen Scheck über $120000 vergessen hatte, der dann wochenlang Uneingelöst in seiner Jackentasche lag.
Was ihn Interessierte, war nicht der Reichtum. Es waren Kontrolle, Unabhängigkeit und die macht, die Dinge so zu gestalten, wie er es genau für richtig hielt. Der Mann vertraute niemandem außer sich selbst. Und das ist wirklich keine Übertreibung, wenn man sich anschaut, wieviel Vertrauen er seinen Arbeitern entgegenbrachte. Er hatte eine sogenannte soziologische Abteilung gegründet, Inspektoren gingen in die Häuser seiner Arbeiter und prüften, ob sie sauber wohnten.
Ob Sie sparsam wirtschafteten, ob sie tranken, ob die Kinder ordentlich gekleidet waren, wer die moralischen Anforderungen des Unternehmens nicht erfüllte, verlor seinen Bonus oder im schlimmsten Fall sogar seinen Job. Und dann war da das Ford Service Department, ein interner, ja, man muss schon sagen, Geheimdienst, geführt von Harry Bennett, einem ehemaligen Boxer mit Verbindung zum organisierten Verbrechen. Bewaffnete Männer, die Betriebsgelände überwachten, Gewerkschaftsorganisatoren Einschüchterten und Spitzel in die Belegschaft schickten als hungernde Arbeiter während der Depression 1932 zum riveroke Werk marschierten, ließ Bennett auf sie schießen und 4 Menschen starben. Sogenannte Experten waren für
Ford grundsätzlich verdächtig, er stellte sie bewusst nicht ein oder ignorierte sie, wenn er sie dennoch hatte. Er vertraute nur seinem Instinkt und sein Instinkt, so hat er es selber gesagt, hatte ihn ja auch noch nie im Stich gelassen. Und das wird für die Geschichte in Brasilien später auch noch wichtig. Und dann ist da noch ein ziemlich dunkles Kapitel in der Geschichte von Ford 1918 kaufte er eine kleine Lokalzeitung in seiner Heimatstadt The Dearborn Independent, und er verwandelte sie in sein persönliches Sprachrohr. Ab 1920 lief auf der Titelseite Woche für Woche eine Serie mit dem Namen The International Jew The World's Problem und das kann man einfach übersetzen in das internationale Judentum. Das Problem der Welt Auflage bis
zu 900000 Exemplare, verteilt an jeden Fordhändler im Land, kostenlos an Schulen und Bibliotheken ausliegend. Die Artikel beschuldigten Juden hinter Kriegen, Finanzskandalen, dem Bolschewismus und natürlich auch den hohen Kautschukreisen zu stecken. Natürlich selbstverständlich. Das Blatt wurde in 16 Sprachen übersetzt und die Zeitung wurde nach Deutschland exportiert und dort begeistert aufgenommen.
In mein Kampf ist Henry Ford der einzige namentlich genannte Amerikaner. Und Hitler nennt ihn den einzigen großen Mann des amerikanischen Volkes, der sich dem jüdischen Einfluss widersetzt. In Hitlers Münchner Büro hing sogar ein Portrait von Ford 1927 verklagte ein Anwalt namens Aaron Sapiro fort wegen Verleumdung, Ford lenkte ein, entschuldigte sich öffentlich, und er schloss die Zeitung aber 1938 an seinem 75 Geburtstag nahm er das Großkreuz des deutschen Adlerordens entgegen.
Die höchste Auszeichnung, die Nazi Deutschland an Ausländer vergab. Er war der erste Amerikaner, dem sie verliehen wurde, das erzähle ich jetzt nicht, um Henry Ford extrem zu dämonisieren, sondern einfach, weil es zum Bild gehört, zum Bild eines Mannes, der glaubte, er allein sieht die Dinge klar, der jedem, der ihm widersprach, völlig egal ob Experte, Gewerkschaft oder Journalist, unterstellte, Teil einer Verschwörung zu sein. Ein Mann, der in dieser Überzeugung $20000000 im Amazonas in den Satz gesetzt hat. Inflationsbereinigt sind das übrigens heute über 350000000. Das ist irgendwie komisch, dass Amerikaner. Recht anfällig für sowas zu sein scheinen. Er.
Dieser Kontrollwahn ist schon echt extrem und ich also den sieht man häufiger, gerade bei so extrem reichen Leuten, dass sie halt meinen sie machen alles richtig. Auf jeden Fall machen Sie keine Fehler. Und ja, bei Henry Ford war das scheinbar auch noch übermäßig ausgeprägt. Und dann noch ein letztes Detail, bevor wir dann endlich wirklich nach Brasilien aufbrechen. Ford hat Ford Landia nie betreten, er hat die Pläne entworfen, er hat die Regeln festgelegt, das Geld geschickt, er hat aus 10000 Kilometern Entfernung entschieden, wie Menschen am Äquator zu essen, zu arbeiten und zu leben haben, aber hingefahren ist er nie, nicht ein einziges. Mal gloriose Ignoranz.
Naja, jetzt haben wir zumindest was über den Mann gehört, aber wie ist jetzt dieses Wahnsinnsprojekt dann effektiv zustande gekommen? Naja, Ford brauchte dafür jemanden, der Brasilien kannte, jemanden mit Kontakten, mit lokalem Wissen, mit Zugang zu Regierungsstellen und er fand George Du Montvillardes einen Kaffeepflanzer aus Sao Paulo mit besten politischen Verbindungen. Das war kein Wunder, dass dieser Name Türen öffnete, denn Viaris war der Neff von Albertus Santos du Mont, dem Mann, den Brasilien bis heute als den Warenerfinder des Flugzeugs verehrt. Das ist aber eine ganz andere Geschichte. 1926 reiste Viaris nach Dearborn, Michigan, und traf fort persönlich, er malte ein Bild vom Amazonas als
Ungehobenen Schatz, Kautschuk, Gold. Holz, Erdöl, Diamanten und er bot sich als Vermittler an, als jemand, der die Gegend kannte, der die richtigen Leute kannte und der das alles möglich machen konnte. Was Ford allerdings nicht wusste. Wie Jahres arbeitete, nicht nur für ihn, er hatte nämlich kurz zuvor im September 1926 gemeinsam mit 2 Partnern eine riesige Land Konzession vom Staat para erhalten, das ist einer der Bundesstaaten von Brasilien.
Und zwar kostenlos auf Grundlage eines brasilianischen Gesetzes, das den Kautschukanbau fördern sollte. Und jetzt suchte dieses Konsortium dringend einen Käufer, und den fanden sie in Henry Ford. Ford schickte zunächst einen Botaniker vor Dr. Karl Larou von der Universität Michigan, Larou sollte das Gelände prüfen und Bericht erstatten, Larou prüfte und wählte dann ausgerechnet das Land aus, auf das wir ja das und seine Partneroptionen hielten.
Ob das Zufall war oder nicht, das lässt die Forschung offen. Sein botanischer Bericht jedenfalls lobte die üppige Vegetation, ohne die eigentlichen wirklich wichtigen Fragen zu stellen. Lass mich raten. Die Frage war, ob das Gebiet eigentlich überhaupt für Kautschuk Plantagen geeignet. War exakt und ein kleiner Spoiler. Nö, war es nicht.
Super, ganz toll. Es fängt ja prima an, ja. Vielleicht sollte man doch mal hinfahren und sich vielleicht ein eigenes Bild machen. Mal so ein bisschen das Klima anfühlen. Ja, das braucht man aber nicht, wenn man es besser. Weiß. Ach ja, du hast vollkommen recht. Allwissenheit Allwissenheit ist Trumpf, Allwissenheit ist Trump Trumpf, sorry. Ja, okay dieser Fakt, der wurde erst später klar und als nächstes kamen dann die eigentlichen Unterhändler OCID und WL Reeves Blake.
Villares empfing die beiden in Belem, führte sie zum Gouverneur des Staates Para und zeigte ihnen ausschließlich sein eigenes Land. Die brasilianischen Quellen sind da unmissverständlich, es interessierte ihn überhaupt nicht, den Leuten auch irgendwas anderes zu zeigen, er wollte ja schließlich sein Land loswerden. Natürlich.
Dass Ford Gleichwertiges oder vielleicht sogar ein besseres Land direkt vom Staat hätte bekommen können, und zwar kostenlos auf Basis derselben Gesetze, das erfuhren die Unterhändler nicht. Der Deal, den Ford am Ende machte, war eine zweigeteilte Konstruktion. Die eine Hälfte des Landes war Privatland, also wie Jahreskonzession. Dafür zahlte Ford $125000, die andere Hälfte war öffentliches Staatsland.
Dass der Staat para Ford kostenlos überließ, und zusammen ergaben die beiden Teile rund 1000000 Hektar am Tapagos mehr als doppelt so viel wie die Fläche des Harz, die. Villares kassierte diese $125000 für eine Konzession, die er selbst nie bezahlt hatte. Er war gleichzeitig Verkäufer und Berater und arbeitete in der frühen Aufbauphase auch noch als Co Manager mit. Ja, alles mitnehmen.
Brasilianische Historiker nennen das einen Golpe, einen Betrug. Die Vertragsbedingungen mit dem Staat para waren ansonsten extrem großzügig für Ford. 50 Jahre Steuerbefreiung und erst ab dem 12. Betriebsjahr musste Ford Gewinne abführen, und zwar 9% aufgeteilt zwischen 7% für den Staat und 2% für die Gemeinden. Die brasilianische Regierung war trotzdem davon begeistert und Ford auch im August. 1928 verließen die ersten Schiffe Detroit, die Lake Allmog und ein schwer beladener Last kann an Bord Traktoren, Baumaschinen, vorgefertigte Häuser in Einzelteilen verpackt und.
Das größte Sägewerk Brasiliens und unser 50 Meter hoher Wasserturm in Michigan, gebaut für den Amazonas, ebenfalls in Einzelteilen sorgfältig verpackt. Die Schiffe fuhren den Atlantik hinunter, Bogen in den Amazonas ein, fuhren den Tapagos hinauf und standen dann 80 Kilometer vor dem Ziel vor einem Problem, das keiner einkalkuliert hatte, obwohl es das mit Sicherheit vorher schon gegeben hatte, nämlich eine Felsbank mitten im Fluss, zu flach für die beladenen Schiffe. Alles musste umgeladen werden, jeder Traktor, jedes Hauspaket, jeder Teil des Wasserturms auf kleinere Boote. Das kostete Zeit, Geld und Nerven, aber das ganze Material kam an und dann fingen die Männer anzubauen, was dann mitten im Urwald des Amazonas
entstand, muss echt atemberaubend gewesen sein, der Wasserturm natürlich 50 Meter hoch, weiß mit dem Ford Logo drauf, der steht übrigens auch heute noch. Das Vorlogo ist zwar weg, aber der Turm ist immer noch da. Das ist so ein Monument aus einer ganz anderen Welt, ein Krankenhaus mit 120 Betten, eine Schule, eine Bibliothek, ein Kino und auch ein Schwimmbad, ein Golfplatz, Tennisplätze, eine Eisenbahn und 48, Kilometer asphaltierte Straßen und natürlich nicht zu vergessen die Feuerhydranten aus Detroit, importiert mitten im Amazonas, wo es fast jeden Tag regnet und der nächste Fluss ein paar Schritte entfernt ist.
Aber sei es drum, Henry Ford wollte das Halt so haben. Ja, der hat sich wahrscheinlich auch nicht im Ansatz je vorgestellt, wie es da aussieht. Nö, dafür hätte man ja, hast du ja eben schon gesagt, vielleicht schlauerweise mal hinfahren sollen, aber er wusste das ja sowieso besser und bei dem Bau gab es eine sehr klare Trennung auf der einen Seite gab es die Villa Amerikaner Häuser für die amerikanischen Manager mit Veranden und Ventilatoren und auf der anderen Seite die Unterkünfte für die brasilianischen Arbeiter.
Wellblechdächer bei 35 Grad und tropischer Luftfeuchtigkeit wurden diese Dächer, wie es ein amerikanischer Ingenieur später beschrieb, heißer als die Tore der Hölle. Die brasilianischen Arbeiter schliefen draußen in den Hütten war es schlichtweg nicht auszuhalten, und dann waren da noch Fords regeln, kein Alkohol, absolutes Verbot auf dem gesamten Gelände Ford war leidenschaftlicher Abstinenzler, und was für ihn galt, galt für alle, außerdem kein Tabak.
Stechuhren an jedem Arbeitsplatz, Ausweispflicht, amerikanische Arbeitszeiten und was das bedeutete, haben wir ja schon am Anfang mitbekommen, nämlich mit durch die Mittagshitze des Äquators zu arbeiten, wenn die Sonne senkrecht vom Himmel drückt. Oh Mann, zu dem Alkohol muss man sagen, das ist auch direkt zurzeit der Prohibition gewesen, dementsprechend, also das war in den gesamten USA Gesetz und Ford war halt wirklich begeisterter Abstinenzler, das heißt, das war für ihn ganz, ganz klar, das gibt's da nicht, das.
Aber tabakverbot, ich sag mal, das gab's in den USA während der während der Prohibition nicht. Das Essen waren Haferflocken und Brot nach Fords Gesundheitsvorstellung geliefert aus Detroit die brasilianischen und bolivianischen Arbeiter kannten Haferflocken nicht mal, ihr gewohntes Essen war Reis, Bohnen, Fisch aus dem Fluss, Maniok, Mehl, aber was interessiert das schon Henry Ford, was die Leute da normalerweise essen und gewöhnt sind und abends Pflicht Square Dance. Englischsprachiger Gesang Ford hatte sogar Tanzlehrer mitgeschickt, die den Arbeitern amerikanische Volkszänze beibringen sollten.
Oh. Mann ey, man muss sich wirklich fragen, was so in dem Kopf von Ford vorgegangen ist. Wahrscheinlich gar nicht so viel das mit Ford Landia zu tun hatte, denn die Frage ist einfach, war das jetzt der versucht totale Kontrolle zu haben oder hat er wahrscheinlich sogar wirklich selber daran geglaubt, dass er den Leuten was Gutes tut? Ja du, das ist eine Frage, die werden wir nie beantworten können.
Aber ich glaube tatsächlich, wahrscheinlich hat er es. Hat er einfach wirklich daran geglaubt? Er weiß es besser und tut den Leuten was Gutes, weil hier ist ja der große Henry Ford. Ja, und außerdem ist überall das gleiche gute überall gleich gut, hundertprozentig auf jeden Fall. Ich meine gerade sowas wie Klima spielt ja keine Rolle.
Das gibt es ja auch gar nicht. Wir sind, wir gucken das aus der Sicht eines Amerikaners, ja eben eines amerikanischen, industriellen, schwerreichen Mannes, lass mich so sagen, nicht alle Amerikaner hier über einen Kamm scheren. Naja, auf jeden Fall kam natürlich irgendwann auch mal die Bäume ins Spiel, die Kautschukbäume, denn darum ging es ja eigentlich bei dieser ganzen Sache.
Tausende dieser Bäume wurden gepflanzt, in sauberen Reihen wie auf einer ordentlichen Plantage, genauso wie Ford sich das vorgestellt hatte und genau das war einer der schwerwiegendsten Fehler und dieser Fehler, der hat auch einen Namen Mikrozyklus Uli, ein Pilz. Winzig, unsichtbar, überall im Amazonasbecken vorhanden, und zwar seit Millionen von Jahren. Er hat sich gemeinsam mit dem Kautschukbaum entwickelt und ist auf ihn spezialisiert, erkennt jede Schwäche des Baums in der Natur hält sich der Befall in Grenzen, weil die Bäume weit verstreut wachsen, versteckt zwischen hunderten anderer Baumarten, getrennt durch Unterholz, mit Schatten und Abstand.
Aber Ford hatte den Abstand Halt abgeschafft, auf einer Plantage stehen Bäume, Reihe für Reihe dicht an dicht, die. Genau wie in Südostasien, wo Kautschuk so unglaublich erfolgreich angebaut wurde, was keiner vor Ort erklärt hatte oder was er vielleicht auch einfach nicht hören wollte. Das war eben der entscheidende Unterschied, dass es eben in Südostasien diesen Pilz halt nicht gibt, der Kautschukbaum wurde dort eingeführt, ohne seinen natürlichen Feind, in Brasilien ist dieser Feind zu Hause und auf Forts Plantage fand dieser Feind des Kautschukbaums ein absolutes Paradies vor. Die ersten Anzeichen zeigten sich schon 1929 Blätter, die sich braun verfärbten und abfielen, junge Triebe, die vertrockneten, bevor sie sich
richtig entfaltet hatten, Bäume, die immer wieder neu ausschlugen und immer wieder befallen wurden, bis sie keine Kraft mehr hatten. Ende 1929 waren rund 95% der Setzlinge tot oder so schwer geschädigt, dass an Kautschukgewinnung überhaupt nicht zu denken war. Fords Männer vor Ort schickten Berichte nach Detroit, die Berichte wurden gelesen. Maßnahmen wurden diskutiert und Ford machte weiter, denn das war sein Instinkt.
Wenn etwas nicht funktionierte, dann lag es selbstverständlich nicht an seinem Plan, es lag an der Ausführung, man musste einfach mehr tun, härter arbeiten, noch besser organisieren. Der Dschungel war ein Problem der Disziplin, zumindest in seiner Sicht, und nächster kleiner Spoiler, nee, war er nicht, und während die Bäume starben, entwickelte sich das Leben in fortland Jahr auf eine ganz eigene Weise. Die Arbeiter hatten sich arrangiert, nicht mit Fords regeln, aber mit den Lücken da drin, außerhalb des Firmengeländes auf einer kleinen Insel mitten im Tapagos, hatte sich eine inoffizielle Parallelwelt. Gebildet natürlich hatte.
Sie eine Bar, ein Bordell, brasilianisches Essen, Alkohol. Die Arbeiter nannten sie Ilja da innocentia die Insel der Unschuld, und natürlich war der Name erotisch geweint. Auf gute Nachbarschaft. Und innerhalb des Geländes wurde geschmuggelt, was das Zeug hielt. Wassermelonen, vor allem aufgeschnitten, ausgehöhlt und mit Cachasa, dem brasilianischen Nationalschnaps aus Zuckerrohr, gefüllt. Oh mein Gott, ich stell mir das einfach gerade vor. Es ist ja alles schön und gut mit dem mit dem Cachasa, aber ne Wassermelone, wieviel Cachasa haben Sie mit sich rumgetragen? Genug.
Um es auszuhalten, wahrscheinlich genug für alle. Das ist so ungefähr. Na ja, das Alkoholverbot, das existierte auf dem Papier. In der Praxis war Fortland ja nach Einbruch der Dunkelheit wirklich eine ganz andere Stadt. Na ja, der Chef kommt ja auch nicht vorbei, dementsprechend ist das ja auch alles überhaupt kein Problem.
Ja ja, und es ist halt ja genau, du hattest die Prohibition, das hast du ja schon gesagt, die war in den USA, aber es war halt nun mal nicht hier und du hattest auch einheimische Leute, die dort einfach andere Sachen gewohnt waren, genau die auch einfach nichts mit den USA zu tun hatten. Und unterm Strich muss man ja auch sagen, es klingt halt auch genauso wie in den zumindest in den Großstädten.
In den USA hast du irgendwas Verbotenes, wird es jemanden geben, der gerne gutes Geld damit verdient, halt diese Bedürfnisse dann doch zu decken. So ich sag nur speak easy, ich meine wir haben den Mob, wir haben irgendwie Ecker Polen im Kopf, alles Sachen wo man auch deutlich darüber reden sollte, wird man so 1 ja das. Ist ein Thema.
Schreibt das mal auf den Themenspeicher, das mache ich ja mit allem, was du gerade gesagt hast, hast du natürlich recht, aber. Henry Ford lässt sich doch nicht erzählen, was geht und was nicht. Immer dran denken zu Hause hatte er eine Abteilung, die ihren Mitarbeiter, seine Arbeiter zu Hause besuchten und das kontrollierten, also ein Staat im Staat, nun ja, und dann kam der Dezember 1930 es war eine scheinbar kleine Entscheidung, die das fast zum Überlaufen brachte, das Management wechselte nämlich das System in der Kantine, bisher hat ein Kellner das Essen gebracht, brasilianischer Stil, Tisch für Tisch. Jetzt sollten die Arbeiter sich anstellen, sich ihr Essen selber nehmen.
Also so ein amerikanisches Selbstbedienungssystem effizienter, logischer und viel moderner für die brasilianischen Arbeiter war das aber eine Demütigung. In ihrer Kultur brachte man das Essen zum Tisch, das Gegenteil war ein Zeichen von Respektlosigkeit und dazu kam das Essen war halt immer noch das verhasste amerikanische Einheitsminimum, es war die eine Amerikanisierung zu viel.
Und am Abend des 4. Dezember 1930, begannen die Arbeiter, die Kantine zu zerstören. Mit Macheten, Messern und bloßen Händen. Tische flogen durch, Fenster und Maschinen wurden umgeworfen, das Chaos griff auf andere Gebäude über, Werkzeuge, Ausrüstung, alles, was vorsymbolisierte wurde angegangen, der Aufstand dauerte mehrere Stunden, und als er vorbei war, belief sich der Schaden auf rund $25000. Oh, das ist eine Menge damals ja. Das brasilianische Militär rückte sogar an und stellte die Ordnung wieder her.
Die Riddes Führer wurden verhaftet und abgeführt, Fort Lunya war damit erst mal wieder ruhig, aber auch einige der Stechuhren waren zerstört worden und eine dieser Stechuhren, die Ford von Detroit in den Amazonas verschifft hatte, Symbol seiner Kontrolle über Zeit und Arbeit, diese zerstörte Stechuhr liegt heute im Henry Ford Museum im Dearborn, Michigan, als Exponat der Ausstellung. Was folgte, war eine Art trotzige Sturheit auf beiden Seiten.
Ford schickte mehr Geld, neue Manager und neue Anweisungen, der Pilz fraß sich weiter durch die Plantage und die Arbeiter blieben misstrauisch, die Bäume wuchsen nicht so, wie sie sollten, und wenn sie wuchsen, wurden sie befallen. Die Erkenntnis, die sich langsam durchsetzte, war dieser Ort, war vielleicht doch von Anfang an falsch gewählt worden.
Durch das Gelände des Vyar, das ihnen empfohlen hatte, war hügelig, der Boden sandig, die Luftfeuchtigkeit ideal für den Pilz. Eine katastrophalere Kombination hätte man kaum finden können, aber diese Erkenntnis setzte sich nur bei den Leuten vor Ort durch und Henry Ford war ja ganz anderer Meinung, da musste einfach nur härter und disziplinierter gearbeitet werden, also teilte man ihm diese Erkenntnis auch nicht mit super und Ford machte weiter.
Prima. Aber zumindest machte er woanders weiter. 1934 gab die Ford Motor Company stillschweigend zu, was sie nie offiziell zugeben würde. Fort Lanya war gescheitert und dieses zugeben passierte nicht durch eine große Ankündigung, nicht durch ein Eingeständnis, sondern durch eine Entscheidung, man würde eine zweite Plantage anlegen, 100 Kilometer flussabwärts, an einem anderen Standort, flacheres Gelände, besserer Boden und der neue Ort, der hieß Beltera diesmal holte man sich Hilfe.
Dr. James wir, ein erfahrener Pflanzenpathologe, kam an die Tapagos und brachte mit, was in Fort Land ja gefehlt hatte, nämlich notwendiges Fachwissen. Aus Singapur wurden über 2000 Veredelungen importiert, das waren Ableger der 53 besten Kautschuk Klone aus ganz Südostasien, ausgewählt nach ihrer Widerstandsfähigkeit gegen den Pilz.
Weltherr funktionierte besser deutlich besser. Das Gelände war flacher, der Boden fruchtbarer und zum ersten Mal hörte man auch auf die Leute, die sich mit kautschukbäumen Auskannten. Die Plantage wuchs, die Bäume wurden nicht sofort wieder krank und es gab tatsächlich Latex 1942 mitten im Zweiten Weltkrieg produzierte Beltera 750 Tonnen Latex, nur ein Bruchteil dessen, was Ford brauchte, aber es war ein Anfang und. Und zum ersten Mal seit fast 15 Jahren sah es so aus, als könnte dieses Projekt vielleicht doch noch funktionieren. Ja, aber dann veränderte sich von ganz alleine die industrielle Welt, und zwar durch synthetischen Kautschuk. Chemiker hatten schon jahrzehntelang daran gearbeitet, der Zweite Weltkrieg hatte diese
Entwicklung massiv beschleunigt, denn die USA waren auf natürlichen Kautschuk angewiesen und die japanische Besetzung Südostasiens hatte die Lieferketten gekappt. Diese Notlage erzwang, was der Markt allein nie so schnell geschafft hätte. 1945 war synthetischer Kautschuk, nicht mehr nur ein laborprodukt, er war in ausreichender Menge verfügbar, er war günstig und vor allem er war gut genug für Autoreifen, wofür Ford eben den meisten Kautschuk brauchte.
Fords ganzes Projekt basierte auf einer Prämisse, die gerade obsolet geworden war, das. Der Grund, warum Ford Lanya überhaupt existiert hatte und man es in Beltera noch mal versucht hatte, war einfach weg. Nun ja, und im Dezember 1945 wurde dann der Verkauf abgeschlossen, die Ford Motor Company übergab Ford Lanya und Beltera an die brasilianische Regierung zum Preis von 244 $200 für beide Anlagen zusammen für alles was dort gebaut, gepflanzt und versucht worden war.
Nach rund $20000000 Investition. Ein bisschen mehr als ein Prozent. Den Verkauf, den unterzeichnete auch nicht Henry Ford senior. Der war zu dem Zeitpunkt schon 82 Jahre alt, krank und auch nicht mehr handlungsfähig. Es war sein Enkel Henry Ford II, der den Deal abschloss, er war zu diesem Zeitpunkt seit 6 Wochen Präsident der Ford Motor Company, 6 Wochen im Amt und schon das größte Verlustgeschäft der Familiengeschichte abgewickelt.
Henry Ford starb am 7. April 1947 in seinem Haus in Dearborn in Michigan. Er war 83 Jahre alt und in seinen letzten Jahren hatte er kaum noch Einfluss auf das Unternehmen, das seinen Namen trug und wie schon am Anfang gesagt, Ford Landia hat er wirklich nie betreten, nicht ein einziges Mal. Er hatte eine Stadt gebaut, Tausende Menschen dorthin gebracht, $20000000 in den Regenwald gepumpt und den Ort nie mit eigenen Augen gesehen.
Heute, fast 80 Jahre später, ist Ford Landia eine Geisterstadt. Die Stechungen sind längst verstummt, das Krankenhaus verfällt, die Straßen, die mal asphaltiert waren, die hat der Dschungel inzwischen schon zurückerobert, nur der Wasserturm ragt halt noch raus, ohne Logo und ohne Bedeutung, aber er steht, und jetzt, wo wir eigentlich so ein bisschen, so schon gegen Ende dieser Geschichte kommen, lohnt es sich, mal kurz innezuhalten, weil das ist nicht wirklich eine Geschichte über einen bösen Mann.
Ja, Ford hat nämlich seine Arbeiter in Brasilien tatsächlich besser bezahlt als alle anderen Arbeitgeber in der Region. Er hat Krankenhäuser gebaut, Schulen und eine Bibliothek, er wollte wahrscheinlich in seiner Tief kontroll fixierten Art wirklich etwas Gutes schaffen, er wusste es einfach nur besser, denn er hat nie gefragt, ob das, was er für gut befunden hat, für andere auch gut war.
Er hat nie gefragt, ob die Menschen am Tapagos ein Mischigen im Amazonas wollten. Er hat nie ein Botaniker ernst genommen, nie einen Agronomen zu Rate gezogen, nie einen einzigen brasilianischen Arbeiter nach seiner Meinung gefragt, weil er es besser wusste. Und das ist auch das Muster, dass diese Geschichte so seltsam vertraut macht, denn wenn wir heute hören, dass Techmillardiere sich alles so ausdenken und umsetzen wollen, dann ist da immer diese Logik mit dabei. Ich habe in meinem Bereich alles richtig gemacht, also werde ich auch in einem anderen Bereich alles richtig machen. Ford dachte nicht, er würde einfach eine Kautschukplantage bauen.
Er dachte wahrscheinlich in seiner Vermessenheit, er würde eine bessere Welt bauen mit denselben Werkzeugen, die das Fließband erfolgreich gemacht hatten, aber der Dschungel, der hatte andere Pläne und am Ende des Tages war der Dschungel auch der Stärkere. Wahnsinn. Es ist wirklich. Immer wieder erstaunlich halt diese Großprojekte, die dann angefangen werden, angestoßen werden und man aus der Ferne halt diese Arroganz hat.
Von ich weiß das schon, wie das funktioniert und man eben nicht vor Ort halt sagt. Wie sieht es denn eigentlich hier aus, das ist ja auch nicht nur, dass du. Damit grob Sachen falsch machst und auch einfach Chancen liegen lässt. Weil du überhaupt gar nicht der Sache gewahr wirst, was es da vielleicht für Möglichkeiten gibt und sowas. Und gleichzeitig ist es ja auch noch sowas wie Spätkolonialismus es ist ja noch immer diese Einstellung von wir wissen, dass besser wir, die die Locals können es ja nicht wissen, die sind ja nicht so gut wie wir sind ja wilde genau richtig, ja Eingeborene.
Ja, und ich meine, da gibt es ja auch noch. Es gibt ja wahnsinnig viele Großprojekte, da geht es gar nicht mal nur um Milliardäre, wenn ich einfach nur an den Versuch denke, eine neue Hauptstadt in Myanmar zu bauen, wo es einen Fünfzehnspurigen Highway gibt, auf dem einfach kein Auto fährt, weil niemals ein Mensch dahin gezogen ist.
Gut, aber das muss auch nicht immer schief gehen. Ich mein, Das ist ja gerade auch Brasilien, wir sind in Brasilien, die haben ja auch genau diese Nummer gemacht von, wir bauen jetzt Brasilien ist glaub ich ne neue Hauptstadt, ne, wir bauen halt ne neue Hauptstadt, die ja auch letztendlich erstmal in The Middle of Nowhere gebaut worden ist. Es hat sich eben entwickelt, nur die haben es halt geschafft es so anzu.
Anzugehen, dass es letztendlich auch funktionieren. Kann, na ja, es gibt ja schon mehrere Beispiele, glaub ich von Ländern wo wo wirklich die Hauptstadt umgesetzt wurde, wo es funktioniert hat. Manchmal ist es ja auch so, dass vielleicht der Umzug einer Hauptstadt einfach ja praktisch erzwungen ist, wenn man sich überlegt, ja, Berlin war halt für Westdeutschland ganz sicher nicht unbedingt eine sinnvolle Hauptstadt, wenn man dran denkt, dass die Stadt geteilt war und komplett von der DDR umschlossen, die ja zum Sowjetostblock gehört hat, das funktionierte dann nicht.
Da muss man dann vielleicht so etwas ändern. Aber auch freiwillig gab es ja schon Situationen. Du hast ja gerade eben Brasilia schon gesagt, das ist halt keine Geisterstadt, ja, da leben über eine Millionen Menschen dementsprechend, das kann schon funktionieren. Ja klar, es muss nur vernünftig angegangen werden.
Im Endeffekt absolut. Ja, ja, ich dank dir auf jeden Fall sehr für für die Geschichte. Das ist einfach so n verrücktes Ding, du baust einfach ne Stadt irgendwo und vor allen Dingen einfach auch dieses, dieses unglaublich amerikanische Ding von wir bauen diese ganze Stadt, wir packen die in Kisten und dann fahren wir die dahin, dann bauen wir ne Stadt auf das an sich ist ja auch schon so n Plan wo du denkst so Boah ey irgendwas ist da falsch in eurer denke. Ja und?
Also wenn ich an solche solche Beispiele, die jetzt aktuell sind, denke, wie zum Beispiel diese Stadt, die sich The Line nennt im Nahen Osten, wir werden in den nächsten Jahren mit Sicherheit noch so das ein oder andere absolute Megaprojekt sehen, das einfach scheitert, ja, und du hast da ja auch das Ding, dieses, dass The Line ja wiederum Teil von Neom ist.
Und Neom ist ja auch der Versuch, eine neue Hauptstadt zu. Bilden ne neue Metropole aufzubauen. Und dann alleine schon dieses Deline halt ne Stadt, die über 100 Kilometer ist, die halt ne gerade Linie ist. Das ist so unglaublich merkwürdig diese Idee. Und dann noch noch die Tatsache von du baust das halt in die Wüste, wo du ja ganz andere Probleme auch einfach mit hast. Und dann noch das Ding von du baust das irgendwie komplett verglast.
Das ist ich weiß, dass die jetzt so ne gute Idee ist den Gedanken zu haben warum. Wir packen jetzt irgendwie ne Millionen Menschen in ein Gewächshaus in die Wüste, so ja, also ich glaube persönlich, dass das nicht funktionieren wird. Aber ich glaube, genau das ist zum Beispiel auch eine Frage. Weißt du, ob du, wenn du eine Stadt baust und die wirklich aus dem nichts heraus baust, ob du den, der zumindest ein, eine gewisse Natürlichkeit sich zu entwickeln überlässt oder ob du Halt sagst? Nein, ich habe hier ein Stück Papier und ich habe eine gerade Linie darauf gezogen, und das ist der Grundriss meiner Stadt, ich habe gerade so diesen Gedanken, ich glaube so die die jüngste Corporate City irgendwie
auf der Welt müsste Starbase sein, ja, starbase ist, der ist ist der Platz, wo die die. Ilon Mascakete wo Space X hat letztendlich das das ganze Starship Projekt macht und das ist inzwischen auch ne Stadt. Wir sind angefangen als als Fabrikgelände, im Endeffekt hast du da ja auch irgendwie 3 verschiedene Zonen, du hast irgendwie n Testgelände das Baugelände und den eigentlichen Startplatz und das Ganze ist halt auch im Nichts gebaut worden, du hattest halt eben irgendwie so diese Gemeinde Boca Chica, die aber eigentlich nur irgendwie 23 Leute war und n Strand.
Und jetzt plötzlich hast du dort eine Stadt, aber sie ist halt eben nicht mit dem Intent gebaut worden, sondern du hattest plötzlich einfach nur die Tatsache, dass da so viele Leute gelebt haben, weil die da arbeiten, dass du sagen konntest, das wird jetzt eine Stadt, um einfach auch andere Möglichkeiten zu haben, ja, und dass Industrialisierung oder die Tatsache, dass du irgendwo einen riesengroßen, möglicherweise staatlichen Arbeitgeber hast oder überhaupt einen riesengroßen Arbeitgeber, natürlich Menschen dorthin bringen, ist was anderes da, da gibt es eine gewisse Natürlichkeit dahinter. Dass es dort einen Ballungsraum gibt, der entsteht. Eben.
Und das ist ja auch noch mal wie ne andere Sache. Das ist im eigenen Land, das ist ja auch noch so n Ding, die haben halt weder angefangen vorher vorzuschreiben, wie diese Stadt auszusehen hat, noch irgendwie ne Kultur irgendwo hingebracht, wo sie überhaupt nicht funktioniert und im Endeffekt, ich überleg gerade, wir haben es ja selbst in Deutschland, Wolfsburg ist ja auch im Endeffekt nur durch das VW Werk entstanden und ist auch ne funktionierende Stadt, weil es ja auch nur. Ne Entscheidung war von, wir setzen jetzt in ne strukturschwache Zone halt n großes Werk, A ist da Platz, es ist billig b da könnten wir Leute gebrauchen und dann kann es funktionieren.
Ja, und mit den ganzen Zulieferern. Das ist halt die Sache. Wenn du dort dann deine Arbeit findest, ja dadurch n gut bezahlten Job hast dir vielleicht n Haus leisten kannst, so, ja dann gehen Menschen dort hin und dann entwickelt sich halt auch ne Stadt in einer in einer Größenordnung wo du sagen kannst, ey das ist ne wirkliche Stadt, aber noch mal.
Du baust nicht erst die Stadt und sagst dann, ich mach was, sondern du machst etwas und die die Leute kommen so n bisschen. Wie eben, wenn du es baust, werden sie kommen. Ja, das ist so. Wenn du es baust, werden sie kommen und dann kommen die Leute auch. Ja, so ist es ja. Also noch mal vielen Dank, da waren wir eben ja auch schon mal angekommen.
Ich hoffe euch da draußen hat es genauso gut gefallen wie mir, wenn ihr uns Feedback geben wollt, dann könnt ihr das über die Kommentare bei Spotify, Apple Podcasts, in den sozialen Medien. Oder auch per e Mail machen. So ganz klassisch an Feedback at Wissensreisende. De. Ihr könnt uns auch Themenvorschläge schicken, das könnt ihr natürlich auch direkt über die Hauptadresse machen oder an Janetwissensreisende.
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Und natürlich wird es auch für alle Unterstützer alle 5 Wochen weiterhin eine Sonderfolge geben, so als kleines Dankeschön. Und jetzt bleibt uns nur noch mit Freude auf die nächste Woche zu warten und in der Zwischenzeit diese Folge mit dem einen Wort zu beenden, das jede Folge bei uns beendet und das lautet natürlich Tschüss.