
WR216 - Der Prophet, die Insel und der Stein der Weisen: Die Hubbert-Kurve
Freitag, 22. Mai 2026 · 1 h 18
Kapitelklicken springt direkt hin
Shownotes
San Antonio, 8. März 1956. Ein texanischer Geologe steht vor der versammelten Ölindustrie und sagt einen Satz, der ihm jahrelang das Leben schwer macht: In vierzehn Jahren ist die amerikanische Ölförderung am Ende. Man verspottet ihn. Man versucht, ihn mundtot zu machen. Sein Name: Marion King Hubbert. Und vierzehn Jahre später bekommt er recht — auf den Monat genau.
Hubberts Glockenkurve beschreibt das Leben eines endlichen Rohstoffs. Aufstieg, Peak, unaufhaltsamer Niedergang. Was Hubbert fürs Öl gerechnet hat, hat sich später auf einer winzigen Insel im Pazifik in Reinform abgespielt — und gilt heute für ein chemisches Element, das ein Hamburger Alchemist 1669 aus 5.700 Litern Urin destilliert hat. Ein Element, von dem 70 Prozent der Weltreserven in einem einzigen Land liegen. Und ohne das wir keine acht Milliarden Menschen ernähren könnten.
Eine Folge über drei Geschichten, eine Kurve — und die Frage, was passiert, wenn wir so tun, als gäbe es Dinge, die niemals zu Ende gehen.
---
Wenn ihr uns unterstützen wollt, findet ihr hier alle notwendigen Infos: wissensreisende.de/premiumkanal
---
#Geologie #Energie #Rohstoffe #Phosphor #Alchemie #Landwirtschaft #Welternährung #Nauru #Ölkrise #Wissenschaftsgeschichte #FrüheNeuzeit #NeueUndNeuesteGeschichte #Zeitgeschichte #Nordamerika #Ozeanien #Europa
Transkriptvom Podcast bereitgestellt · Zeitmarken springen hin
Also Q von T gleich q unendlich geteilt durch 1 plus e hoch minus k mal t minus t Pik. Jan, Was machst du da? Die Ableitung ergibt die Glockenkurve. Ja, das passt. Jan Oh Chris schon da. Was soll das? Du stehst hier vor einem Whiteboard, wo kommt das überhaupt her und außerdem du redest in Formeln. Ich bereite mich vor, worauf Na auf die heutige Folge diese Woche machen wir nämlich mal was anderes, was anderes. Ja, wir reden über eine mathematische Kurve. Eine Kurve.
Exakt eine Kurve. Jan, Dir ist schon bewusst, dass wir eigentlich ein Geschichtspodcast sind, weiß ich okay ich meine, wir reden über Menschenereignisse, aber. Mathematik? Ja, auch das weiß ich. Und jetzt willst du, dass wir uns alle diese Woche was über ne Glockenkurve anhören, ja. Ja, irgendwie halt schon.
Ich will dir und unseren Hörern die Geschichte erzählen, die in dieser Glockenkurve steckt. Okay. Vertrau mir, lass mich mal machen, San Antonio, Texas 8. März 1956 kurz vor dem Vortrag Wissensreisende. Das ist ein Hotelzimmer und und was heißt überhaupt kurz vor dem Vortrag? Wir sind hier in einem Tagungshotel, unten im Saal sitzen schon seit gestern über 100 Leute aus der Ölindustrie zusammen, Geologen, Ingenieure, Manager, und gleich hält er seinen Vortrag.
Wer ist er? Ja, der Mann da drüben am Schreibtisch. Okay. Mit 50er, dunkler Anzug, weißes Hemd. Sieht nicht aus wie ein Typ, der es mag, wenn man ihm widerspricht. Und was macht er da? Er liest sein Manuskript für seinen Vortrag noch mal durch ungefähr 25 Seiten mit ein paar Tabellen und auch der Kurve, die du eben gesehen hast. Und was soll diese?
Kurve mir und unseren Hörern sagen. Nun ja, er arbeitet für Shell als Geologe. Er ist sozusagen der Chefwissenschaftler in deren forschungslaboren Houston und in diesem Manuskript steht eine Zahl, die seinem Arbeitgeber gar nicht passt. Was denn für eine Zahl? Dazu kommen wir gleich Pass auf. Jetzt dürft ihr nämlich erst mal das Telefon klingeln.
Das ist ja wie bestellt. Schon klingelt es. Yes, Hubert here. Das ist ein Anruf aus Houston. Ein hochrangiger Manager Shell hat das Manuskript für seinen Vortrag nämlich vorab bekommen und in Houston gefällt ihnen eine Stelle gar nicht. Und welche ist das? Die Stelle, an der er sagt, dass die amerikanische Ölförderung in spätestens 14 Jahren ihren Höhepunkt erreicht und dass es danach nur noch bergab geht. Und das darf er so nicht sagen.
Naja, stell dir vor, du bist eine Ölfirma. Och Nö, lieber nicht. Ja doch, mach das mal eben, zumindest jetzt gerade. Du verdienst also dein Geld damit, Öl zu finden und zu fördern und einer deiner eigenen Wissenschaftler steht vor der versammelten Branche und sagt, Liebe Kollegen, in 14 Jahren ist die Party vorbei, verstehe der Manager aus Houston will, dass er die Stelle rausstreicht oder dass er sie wenigstens abschwächt, das ist die Bitte am anderen Ende der Leitung. I understand.
Er steht auf, geht zum Schreibtisch, schnappt sich sein Manuskript und steckt sie in den Aktenkoffer. Das sieht mir gar nicht so aus, als ob er da was gestrichen hätte. Hat er auch nicht. Keine einzige Zeile. Und jetzt jetzt geht er nach unten in den Vortragssaal und in den nächsten 40 Minuten wird er etwas sagen, das ihm jahrelang das Leben schwer macht, er wird dafür verspottet und angegriffen werden, man wird versuchen, ihn mundtot zu machen. Und 14 Jahre später bekommt er recht praktisch auf den Monat genau die Kurve, die er heute zeigt, trägt seitdem seinen Namen, und sie erklärt nicht nur, was mit dem Öl passiert, sie erklärt generell, was mit endlichen Rohstoffen auf unserem Planeten passiert, die wir
ausbeuten und über die wir vielleicht gar nicht nachdenken, auch wenn wir es besser tun sollten. Hallo und herzlich Willkommen bei Wissensreisende, dem Podcast über Geschichte, Menschen und Hintergründe. Es ist wieder Freitag und wir haben uns hier wieder im Podcast Studio direkt hinter dem Cockpit unseres Raumzeitschiffs eingefunden. Wir, das sind wie jede Woche der Jan. Hallo ihr Lieben und ich bin Chris und ich begrüße Euch auch gerne hier vorne in der 1.
Reihe unserer Förderer und wir sind natürlich im großen Kreis, das heißt alle Kriegen die Geschichte heute. Wir haben gerade schon gehört, es geht irgendwo um Öl, um Rohstoffe und um mathematische Kurven. Letzteres macht mir am meisten Angst. Aber ich muss es zum Glück nicht erklären, ich kann mich genauso wie ihr einfach zurücklegen und zuhören und würde sagen, ich übergeb mal Jan den Staffelstab und sag, leg los.
Das mache ich. Und das Schöne ist, mit der Mathematik werden wir uns heute auch nicht so wirklich im Detail befassen. Ja, da würde ich nämlich auch selber in ganz schöne Erklärungsnot kommen. Das beruhigt mich schon mal sehr. Bevor ich aber anfange, erstmal ein ganz, ganz großes Dankeschön an unsere Hörerin Daniela. Die hat mir nämlich das Thema dieser Folge vorgeschlagen und ich kann euch schon mal verraten. Zuerst habe ich mich gefragt, Mensch, wie soll ich denn aus diesem Thema eine Folge für uns hier machen, aber je mehr ich gelesen und recherchiert habe.
Desto mehr ist mir klar geworden, dass ich darüber auch echt eine Folge machen will. Darum Daniela noch mal direkt an dich, vielen, vielen Dank für diesen Themenvorschlag, stellt euch alle mal einen Berg vor, aber keinen schroffen Felsgipfel mit steiler Wand und langem Tal, sondern einen sanften, gleichmäßigen Hügel auf der einen Seite geht es zuerst langsam rauf, die Steigung wird immer steiler, bis wir den Gipfel erreichen und auf der anderen Seite geht es ebenso wieder bergab, erst steil, dann immer flacher.
Das Erste, woran ich jetzt denke, ist Gauß. Ja, tatsächlich, die Kurve ist halt eine Glockenkurve und da die Normalverteilung die Gaußsche auch eine Glockenkurve ist. Ja bist du da gar nicht so falsch unterwegs. Ich habe fast was gewusst in Mathe. Ja, also was ihr da vor euch habt ist nun kein Berg im alpinen Sinn, sondern eben eine Glockenkurve wie du es gesagt hast.
Genauso wie die Normalverteilung. Und damit komme ich auch direkt mal zur zentralen Idee, die hinter dieser Kurve steckt. Die Kurve beschreibt eben nicht irgendeinen Berg, sie beschreibt das Leben eines endlichen Rohstoffs, also das Leben eines Rohstoffs, von dem es heute auf unserer Erde nur eine bestimmte Menge gibt, weil es möglicherweise Millionen von Jahren gedauert hat, damit die heutige Menge überhaupt existiert.
Und jetzt stellen wir uns mal vor, dass wir diesen Rohstoff abbauen wollen. Am Anfang fördern wir recht wenig, wir wissen noch nicht so genau, wo der Stoff überhaupt liegt. Wir haben noch keine Technik, um an die schwierigeren Stellen ranzukommen, aber wir lernen dazu, bauen bessere Werkzeuge und finden mehr Lagerstätten.
Und die Förderung wächst schneller und schneller, aber dann passiert etwas. Wir erreichen nämlich einen Punkt, an dem wir die Hälfte des gesamten Vorrats schon rausgeholt haben, und zwar genau die Hälfte. Ab diesem Moment beginnt der Abstieg und. Nicht, weil wir das wollen, nicht weil die Nachfrage danach einbricht, auch nicht, weil uns die Technik fehlt, sondern weil die einfachen, die ergiebigen, die reichen Lagerstätten einfach erschöpft sind. Was übrig bleibt, ist mühsamer zu erreichen, der Rohstoff liegt vielleicht tiefer oder ist von schlechterer Qualität, auf jeden Fall wird es teurer und schwerer ranzukommen und egal wie sehr wir uns anstrengen in.
Egal wie viele bohrtürme wir aufstellen, wie viele Stollen wir graben, egal wieviel Geld investiert wird, die Förderung geht zurück, bis am Ende fast nichts mehr da ist. Das ist die Hubbard Kurve, benannt nach dem Mann, den wir eben in seinem Hotelzimmer beobachtet haben und den wir gleich auch noch genauer kennenlernen.
Und ich kann mir gut vorstellen, was ihr jetzt denkt, das war nämlich auch so mein erster Gedanke, Glockenkurve schön, na und aber passt auf. Diese Kurve klingt erstmal ganz simpel und harmlos, wenig nach Schulweisheit, aber das ist sie eben nicht. In dieser Kurve steckt eine Vorhersage, die einen Mann fast die Karriere gekostet hätte, in dieser Kurve steckt die Geschichte einer Insel im Pazifik, die heute zu 80% aussieht wie der Mond und in dieser Kurve steckt die Geschichte eines Elements, das in jeder einzelnen Zelle unseres Körpers steckt und das wir in gewaltigen Mengen aus dem Boden holen, um die Welt ernähren zu können. Heute erzähle ich euch von dem Mann, der sie entdeckt hat, von der Insel, die einen sehr guten
Beweis geliefert hat, dass die Kurve stimmt und was uns vielleicht erwartet, wenn wir nicht akzeptieren, dass es Dinge auf unserem Planeten gibt, die nun mal endlich sind. Alles dreht sich aber um diese Kurve, fangen wir aber besser erst mal an mit dem Mann, der die Kurve in die Welt gesetzt hat, einem texanischen Geologen, der eines bestimmt nicht war, und zwar bequem, sein Name ist Marianne King Hubbard und unsere Reise zu ihm. Beginnt im Jahr 1908 sanzaba ist ein kleiner Ort im texanischen Hügelland, etwa 200 Kilometer nordwestlich von Austin. Eine staubige Gegend mit Eichen, mit dem Fluss, der dem Ort seinen Namen gibt und mit Farmen, auf denen Familien sich mit Vieh und Ackerbau über
Wasser halten. So eine Farm gehört William und Cora Hubbard, sie haben 7 Kinder und das zweite davon, ein Junge, ist im Oktober 1903 zur Welt gekommen, und das ist unser Marianne King. 1908 als der junge 5 Jahre alt ist, kommt es zu einer Begebenheit, die er viele Jahre später als einen der Schlüsselmomente seines Lebens beschreibt.
An diesem Tag brennt dem Hof ein Feuer unter dem Waschkessel seiner Mutter, damals werden Wäschestücke noch in großen Eisenkesseln über offenem Feuer Ausgekocht, der kleine Junge schaut sich um und er findet eine ungeöffnete Konservendose, die irgendjemand vergessen hat. Was passiert wohl, wenn er die ins Feuer wirft? Und er tut das, was ein neugieriges Kind macht. Er probiert es einfach aus, was er nicht weiß. Eine verschlossene Dose mit Flüssigkeit über offenem Feuer ist nichts anderes als ein Mini Dampfkessel ohne Sicherheitsventil, der Inhalt im Inneren beginnt zu kochen, der Druck steigt und steigt, und dann platzt die Dose natürlich irgendwann auf, sein jüngerer Bruder steht zu nah am Feuer und verbrennt sich die Hand an dem
heißen Dampf, der durch die Öffnung ausgestoßen wird, das ist eine kleine Familienkatastrophe. Aber für den fünfjährigen Marion ist es etwas anderes. Er ist nämlich überwältigt, natürlich nicht von der Verletzung seines Bruders, sondern davon, wieviel Kraft in dieser kleinen Dose gesteckt hat, die ganze Energie aus dem Feuer hat sich im Innern aufgebaut und wurde mit einem Schlag freigesetzt. Diese Idee, dass Energie sich umwandeln und auf einmal entladen kann, lässt ihn nie wieder los, über 70 Jahre später wird er als alter Mann in einem Interview davon erzählen und er wird sagen er.
Das war der Moment, in dem ich begonnen habe, mich für Energie zu interessieren. Das ist auf der einen Seite schon fast kitschig, so n Kindheitsmoment, der irgendwie das ganze Leben prägt. Auf der anderen Seite. Aber ja, das ist genau das, was macht eure Kinder neugierig, denn das ist genau das, das Beste, was Ihr tun könnt, gibt ihnen möglichkeiten, weil das ist auch so ne Situation, wo ich heute manchmal einfach bedenken habe, wie das in der Zukunft weitergehen soll, du musst Dinge anfassen um zu erkennen wie ihre Materialeigenschaften sind, du musst experimentieren als Kind.
Und das sind immer so Sachen, wo ich denke, so geht das alles noch. Wenn du das nur vorm Bildschirm machst. Also das ist so die nächste Frage, von wann kommt der Punkt, an dem du gar nicht mehr diese Schlüsselerfahrung machen kannst? Das stimmt. Und was du sagst, dass es schon fast kitschig ist, ne, er hat das halt später selber so erzählt und vermutlich hat er diesen Moment jedes Mal, wenn er sich dran erinnert hat für sich auch noch mal ein Stück mehr romantisiert. Na klar, wie auch immer, Marianne King Hubbard wächst auf dieser Farm auf.
Auf der Bildung leider Mangelware ist. Die örtliche Schule ist klein, schlecht ausgestattet und das ganze Schuljahr dauert mal 4 * 7 Monate, je nachdem wie die Erntelage so ist. Aber seine Mutter Cora ist eine außergewöhnliche Frau, sie kann es nicht ertragen, dass die Kinder der Nachbarschaft praktisch Analphabeten bleiben, also eröffnet sie tatsächlich auf ihrer eigenen Farm eine kleine Schule und sie unterrichtet die Kinder selbst.
Ihr kleiner Sohn ist ein neugieriges Kind. Er bekommt von seiner älteren Schwester, die nach Washington gezogen ist, später im Leben Heft zugeschickt. Populärwissenschaftliche Magazine, und er verschlingt sie mit Anfang. 20 schließt er die einzige verfügbare High School ab, aber die High School macht in der Weltwirtschaftskrise nach dem Ersten Weltkrieg pleite, seine Lehrer kratzen die Stundenzettel irgendwie zusammen und stellen ihn halt auch irgendwie n Abschlusszeugnis aus.
Als nächstes will er studieren, aber Geld hat die Familie großartig auch nicht. Also macht er das, was viele junge Männer aus dem ländlichen, südlichen Amerika in dieser Zeit machen. Er arbeitet sich nach Norden, er wird Weizenschnitter in den Great Plains, danach jobbt er bei der Eisenbahn, rammt Schwellen in den Boden, schiebt schwere Werkzeuge und nach 2 Jahren hat er genug Geld und steht in Chicago. Und da an der Universität von Chicago studiert er Geologie als Hauptfach, dazu noch Physik und Mathematik. In Chicago trifft er auf einen Mann, der für seine spätere Karriere prägend sein wird, nämlich sein Geologieprofessor der heißt J.
Harlin, Bretz Bretz hat 1923 eine These veröffentlicht, die in der Geologie damals als völlig verrückt gilt, er behauptet, dass eine bizarre Landschaft im Bundesstaat Washington, die sogenannten Channel Skeblands. Nicht durch langsame Erosion entstanden sind, sondern durch eine einzige gigantische Flutkatastrophe.
Und da wären wir wieder im Staate Washington und bei einer gigantischen Flutkatastrophe. Und wenn Ihr wissen möchtet, warum mich das jetzt gerade getriggert hat, dann solltet ihr mal die Folge zum Donnervogel und dem Wal hören. Ja, wobei es ist tatsächlich nicht die gleiche, nein, nein, es ist nicht die gleiche, aber es ist zufällig wieder derselbe Bundesstaat und es ist wieder Wasser.
Auf jeden Fall war es eine Megaflut, die in wenigen Tagen hunderte Meter tiefe Schluchten in den Basaltboden gerissen hat. Und das widerspricht dem damaligen Dogma der Geologie radikal. Die Wissenschaft glaubt damals fest, geologische Prozesse sind immer langsam, sie sind gleichmäßig und wirklich allmählich.
Brad wird auf Konferenzen öffentlich auseinander genommen, Kollegen verhöhnen ihn über 50 Jahre lang gilt er als Spinner, erst 1979 als alter Mann wird Brad endlich rehabilitiert. Inzwischen ist nämlich klar, er hatte Recht. Im Studium der 20er Jahre lernt King Harbard von Bretz vor allem 1, was es bedeutet, wissenschaftlich recht zu haben und trotzdem von der eigenen Zunft beschimpft zu werden.
Und diese Erfahrung, die wir dann nicht vergessen. Ja, und dann sind wir ja schon wieder irgendwie so ein bisschen beim Hörspiel am Anfang der Tatsache, dass er eben dann doch nicht diese Passage streicht, weil er einfach weiß, ich habe recht, ich bin Wissenschaftler und ich muss jetzt mal für meine Überzeugung einstehen. Stimmt genau.
In den frühen 30er Jahren landet Hubbard in New York als junger Geophysik Dozent an der Columbia University. Und dort begegnet ihm 1931 ein Mann, der seinen Weg radikal verändert. Dieser Mann heißt Howard Scott Scott, ist ein selbsterklärter Ingenieur aus Greenwich Village, ein charismatischer Redner, der Geld damit verdient, Fußbodenwachs aus eigener Produktion zu verkaufen, manche halten ihn für einen Hochstapler, aber Scott hat eine Idee. Die Habbert sofort begeistert und diese Idee sieht so aus. Unsere gesamte Wirtschaft, so sagt Scott, ist in Wahrheit ein System der Energieumwandlung.
Geldpreise, Aktien, das ist alles nur Verpackung. Was wirklich zählt, ist die Energie, die wir einsetzen, um Dinge zu produzieren, und wenn man das einmal verstanden hat, dann müsste man, so sagt Halt Scott. Dann müsste man das gesamte Geldsystem abschaffen und durch ein System ersetzen, in dem die Wirtschaft direkt nach Energieeinheiten organisiert ist.
Und dieses System müsste dann geleitet werden von Wissenschaftlern und Ingenieuren, nicht von Politikern oder Bankern. Das klingt wirklich gut. Diese Bewegung nennt sich Technocrasy und Hubbard. Der junge Geologe mit Faszination für Energie ist hin und weg 1932 gründen Scott und Hubbard zusammen technocrasy Incorporated. Hubbard wird da Sekretär für Bildung, und er schreibt das wichtigste Lehrbuch der Bewegung, den sogenannten Technocracy Study Course, ein dickes Werk, das die thermodynamischen Grundlagen einer energiebasierten Wirtschaft ausbreitet.
Das klingt einerseits clever, andererseits aber auch ein bisschen so, als hätten wir es mit einer leicht skurrilen Sekte zu tun, aber damals, da muss man wirklich an die große Depression und das Geldsystem in Trümmern denken. Damals ist die Idee, dass Ingenieure die Wirtschaft sachlich nach Energiebilanzen führen, für viele kluge Köpfe ein verlockender Gegenentwurf. Und für Habbert ist es der Moment, in dem er gemerkt hat, dass Wirtschaft im Kern Energieumwandlung ist. Und diese Erkenntnis wird er nie wieder ganz loslassen. Die technocracy Bewegung wird in der großen Depression der 30er Jahre kurzzeitig zur Sensation.
Zeitungen schreiben darüber die New York Times alleine bringt zwischen Dezember 32 und Februar 33 über 100 Artikel, aber die Bewegung kommt politisch nicht voran, und sie spaltet sich, Scott wird zunehmend autoritärer und Hubbard merkt mit den Jahren aus dieser Bewegung, da wird nichts Konkretes, er bleibt zwar formal noch ne ganze Weile Mitglied.
Lebt sogar zeitweise in einer Wohngemeinschaft mit Howard Scott, aber innerlich distanziert er sich immer weiter und später wird er sagen, ich kam zu der Überzeugung, dass die Bewegung nichts erreichen würde, was mich wirklich interessierte. Entscheidend ist aber, dass die Idee bleibt, die Idee, dass Energie der eigentliche Maßstab unserer Wirtschaft ist, dass alles, was wir tun, in Wahrheit Energieumwandlung ist und dass Energie, die wir verbrennen, endlich ist.
In den 40er Jahren geht Herbert zu Shell, genauer gesagt zur Shell Oil Company beziehungsweise deren Forschungslabor in Houston. Und während er dort arbeitet, fängt er an ein Problem ernsthaft zu rechnen, das ihn schon seit Jahren beschäftigt, nämlich die Frage wieviel Öl gibt es eigentlich? Noch.
Die Ölindustrie damals lebt in einem permanenten Rausch der Zuversicht. Texas, Oklahoma, Kalifornien. Überall sprudeln die Quellen, neue Felder werden entdeckt, alte werden tiefer gebohrt, die Förderung wächst Jahr für Jahr. Die offizielle Lesart der Branche und der amerikanischen Regierung lautet, Wir haben praktisch unbegrenzte Reserven, aber Hubbard glaubt Halt genau das eben nicht, er sieht sich die Statistiken an, er sieht sich die Entdeckungsraten an, wann wurden die großen Felder gefunden, wann die mittleren und wann die kleinen und er stellt fest.
Hm. Die wirklich großen Funde, die liegen schon Jahrzehnte zurück. Was jetzt noch neu gefunden wird, ist immer kleiner und die Förderung immer mühsamer und Hubbard kombiniert das mit einer mathematischen Beobachtung. Eine endliche Ressource kann keine ewig wachsende Förderung haben, das das geht einfach logisch.
Richtig. Sie muss eigentlich eine Art Glockenkurve folgen. Erst beschleunigtes Wachstum. Dann ein Höhepunkt, dann unaufhaltsamer Niedergang und dann setzt sich Herbert hin und rechnet aus, wann dieser Höhepunkt für die Vereinigten Staaten kommen wird und sein erstes Ergebnis zwischen 1965 und 1970 spätestens.
Es ist, es ist wirklich schon krass 1956, sagt da jemand voraus, dass die größte Ölmacht der Welt in 14 Jahren auf dem absteigenden Ast sein wird und. Und ich meine, wir sehen heute auch so die Auswirkungen davon, diese, diese merkwürdige Selbstverständlichkeit, mit der dieser orange Typ da in diesem Land meint, dass er dann, einfach weil er keins mehr hat, jetzt einfach woanders hingehen kann und zu sagen, das ist jetzt meins, Mhm, das ist einfach wirklich verrückt, wie weit das zurückgeht. Ja, und man darf auch nicht vergessen, du hast das gerade gesagt, nämlich dass die USA damals der größte Ölproduzent der Welt sind.
Damals kam die gesamte arabische Welt zusammen auf ungefähr 3000000 Barrel pro Tag. Das war weniger als die Hälfte der US Förderung zu dieser Zeit. Nun ja, den nächsten Teil der Geschichte kennt ihr schon, das ist nämlich der 8. März 1956 das Hotelzimmer in San Antonio, der Anruf aus Houston Hubbard hält seinen Vortrag, der Vortrag heißt Nuclear Energy and the Fossil Fields, also Kernenergie, und die fossilen Brennstoffe und. Und genau in diesem Vortrag vor der versammelten amerikanischen Ölindustrie zeigt er zum ersten Mal seine Kurve. Die Reaktion ist erwartbar, die Industrie reagiert mit einer Mischung aus Spott und echter Wut, Geologen schreiben Gegenartikel, Manager lassen ihre Verbindungen spielen, es gibt sogar Versuche, hubberts
wissenschaftliche Glaubwürdigkeit anzugreifen. Über die nächsten 15 Jahre wird er von allen Seiten attackiert. Industrievertreter, Regierungsbeamte, sogar Kollegen aus dem eigenen Fach werfen ihm vor, ein völlig übertriebener Pessimist zu sein. Aber, und so hat er es ja auch gelernt, aber bleibt stur, er rechnet, er publiziert und hält weitere Vorträge, er weicht keinen Zentimeter von seiner Behauptung zurück. Es heißt, dass zu dieser Zeit in seinem Büro ein Bild hängt. Und dieses Bild zeigt Don Quixote, den Ritter aus der Wand des Roman, der gegen Windmühlen reitet, die er für Riesen hält, eine Figur, über die man eigentlich lacht. Aber Hubbert sieht sich selbst darin, den einsamen Ritter, der gegen die Mühlen der Industrie
anrennt. Ja, was ja auch ein Bild ist, das durchaus irgendwo passt. Und recht bekommt er halt. Wie schon gesagt, und zwar im November 1970. In diesem Monat erreicht die amerikanische Ölförderung in den zusammenhängenden 48 Bundesstaaten ihren absoluten Höhepunkt. Knapp 10000000 Barrel pro Tag und danach geht es bergab, nicht für ein paar Monate oder ein paar Jahre 38 Jahre in Folge, bis die US Förderung 2008 auf weniger als die Hälfte des Peaks gefallen ist.
Hubbard hatte Recht behalten, und zwar wirklich so ziemlich auf den Monat genau. 3 Jahre später, im Oktober 1973, verhängen die arabischen Ölförderstaaten eine Embargo gegen den Westen und der Ölpreis explodiert, Tankstellen schließen und an den verbleibenden bilden sich Schlangen. In Deutschland gibt es damals ja autofreie Sonntage, die westliche Welt wacht auf in einer ganz neuen Realität, Öl ist eben nicht unbegrenzt verfügbar und derjenige der es gesagt hat, ist plötzlich der berühmteste Geologe Amerikas. Aber damit hat Hubbard noch lange nicht ausgekämpft. 1971 wird sein größter Gegenspieler Vincent Mckelvey zum Direktor des United States Geological Survey, kurz USGS. Das ist der wichtigste
geologische Dienst in den Vereinigten Staaten. Mckelvey vertritt offiziell weiter die Position, dass es in den USA gewaltige unentdeckte Ölreserven geben soll, Hubbard spricht von 200 Milliarden Barrel an Restreserven. Mc Calvy von bis zu 600 Milliarden Barrel und die beiden Männer können sich nicht ausstehen.
Mc Calvys erste Amtshandlung als neuer Chef des USGS ist es tatsächlich hubbart, seine persönliche Sekretärin abzuziehen, eine kleine bürokratische Bosheit, die in einer Zeit ohne Computer und E Mail eine echte Schikane ist. Hubbart schreibt fortan seine Korrespondenz handschriftlich und seine Frau Miriam tippt ihm zu Hause die Texte ab.
Der Streit der beiden zieht sich über Jahre. Hubbard beschuldigt MC Kelvy, falsche Zahlen zu verbreiten MC Kelvy beschuldigt Hubbard, Daten zurückzuhalten, man könnte sagen, sie ziehen sich vor versammelter Wissenschaftsgemeinde gegenseitig die Hammelbeine lang bis Anfang 1977 die neue Regierung unter Präsident Jimmy Carter ins Amt kommt und Carter, geprägt von einer Ölkrise, beruft sich ausdrücklich auf Hubbards Zahlen MC Kelvys optimistische Reserveschätzungen passen nämlich einfach nicht ins Bild und. Und wenige Monate nach Kaders Amtsantritt wird MC Calvey praktisch gezwungen zurückzutreten. Laut einem Artikel damals war das kein Rücktritt, das war ein Rauswurf und Hubbard schreibt
seinem alten Mentor Brats von der Universität aus Chicago dazu einen Brief, so sinngemäß MC Calvey ist mit der Desinformation, mit der er die Regierung seit 1961 gefüttert hat, endlich. Aufgeflogen, da ist jemand wohl ein wenig nachtragend. So scheint es zumindest. In seinen letzten Jahrzehnten bekommt Hubbard dann auch endlich die Ehrungen, die er verdient.
Die höchsten Auszeichnungen seines Fachs, die Geologische Gesellschaft von Amerika, wählt ihn zum Präsidenten, 1981 erhält er den Wetliston Preis, den man manchmal den Nobelpreis der Geowissenschaften nennt, er lebt mit seiner Frau Miriam in einem Haus in Bethester bei Washington, sie haben keine Kinder, das ist eine bewusste Entscheidung, denn Hubbard ist überzeugt davon, dass die Menschheit bereits schon zu viele Münder zu stopfen hat und. Und in seinem Wohnzimmer hängt nach wie vor ein Bild von Don Quijote an der Wand.
Am 11. Oktober 1989 6 Tage nach seinem 86 Geburtstag, stirbt maryan kinghabbart. Er hinterlässt eine Kurve, die seinen Namen trägt, eine Vorhersage, die sich sehr präzise bewahrheitet hat und eine wissenschaftliche Idee, die längst über das Öl hinaus angewendet wird. Aber Moment mal, die USA befinden sich ja derzeit wieder unter den größten Ölproduzenten weltweit. Wie passt das denn da mit der Kurve zusammen und dann? Eigentlich scheint das dann ja doch irgendwie nicht hinzuhauen. Doch.
Die Kurve stimmt, aber die Geschichte hat der Kurve einen Schlag versetzt, mit dem Harvard selbst nicht gerechnet hat, und dazu ein Stichwort, das viele bestimmt schon mal gehört haben. Fracking ab 2008 entwickeln Ingenieure in den USA eine Technik, mit der man Öl aus Gesteinen rausholen kann, an das man früher gar nicht rankommen konnte, das ist sogenanntes Schieferöl. Man bohrt erst senkrecht in die Tiefe, dann horizontal durch die ölhaltige Schicht und presst dann Wasser, Sand und Chemikalien mit hohem Druck ins Gestein. Das Gestein bricht auf und das Öl, das vorher in den feinsten Poren festsaß, beginnt, zufließen die amerikanische Ölförderung, die zwischen 1970 und 2008 brav der Hubbard Kurve gefolgt war und sich seitdem
mehr als halbiert hatte, fängt plötzlich wieder an zu steigen und steigt und steigt. Im Jahr 2018 überholt die US Förderung erstmals den alten Höhepunkt von 1970 und heute fördern die USA mehr Öl als jemals zuvor in der Geschichte. Und ja, da könnte man zu recht vermuten, dass habbert Unrecht hatte, aber das ist nicht so und das ist wichtig zu verstehen.
Habbert hatte für das konventionelle Öl recht, also für das Öl, das man mit der Technik der 50er Jahre entdecken und fördern konnte. Die Kurve hat sich exakt so abgespielt, wie er es vorher gesagt. Hat. Und dann haben sich die Bedingungen halt entsprechend verändert und entsprechend ja okay. Genau was das Fracking gemacht hat, ist nicht die Kurve zu widerlegen, sondern Fracking erzeugt eine zweite Kurve, eine neue Glockenkurve, die sich über die Alte anlegt oder die neben der Alten liegt.
Die Schieferölförderung hat ebenfalls einen Peak, Schätzungen zufolge irgendwann in diesem Jahrzehnt und wird dann genauso wieder abfallen. Also es hat wirklich nur den Zeitpunkt Rausgezögert, an dem die fundamentale Endlichkeit relevant wird. Aber die mathematische Endlichkeit selber, die bleibt, was Habbert für Texas und für die Vereinigten Staaten gezeigt hat, das gilt trotzdem im Prinzip für jede endliche Ressource, jeden Rohstoff, von dem es nur eine bestimmte Menge gibt, und das bringt uns auch zum zweiten Teil der heutigen Folge, denn natürlich hätte es ja auch sein können, dass er mit dem Öl in den USA bloß ein Glückstreffer gelandet hat. Dass das aber nicht so war, das zeigt die angekündigte Geschichte einer Insel im
Pazifik, einer kleinen, abgelegenen Insel, auf der sich die Harvard Kurve in Reinform abgespielt hat. Einer Insel, die durch einen einzigen Rohstoff kurzzeitig in der pro Kopf Betrachtung zu einem der reichsten Länder der Welt wurde und die heute wirklich fast aussieht wie die Oberfläche des Mondes. Und ihr Name ist nach oben.
Nauru liegt im westlichen Pazifik, etwa 42 Kilometer südlich des Äquators zwischen den Salomonen und Kiribati. Sie ist winzig, gerade mal 21 Quadratkilometer, das ist weniger als die Fläche der Stadt Bonn. Heute ist Nauru nach dem Vatikan und Monaco der Drittkleinste Staat der Welt, geologisch ist Nauru eine sogenannte gehobene Korallenkalkinsel. Stellt euch vor ein Korallenriff, das vor Millionen von Jahren um einen alten Vulkan Kegel herum gewachsen ist. Über die Jahrmillionen hat sich der Kegel gesenkt, das Riff blieb und dann hat sich die Insel langsam wieder gehoben. Das Ergebnis ist eine flache Küste rundum und in der Mitte ein erhöhtes Plateau aus Kalkstein, die Einheimischen nennen dieses Plateau topside.
Auf dieser Topside hat wiederum über Millionen Jahre etwas stattgefunden, das die Insel später zu einem der reichsten Orte der Welt machen wird. Seevögel haben hier in unvorstellbaren Mengen gebrütet und ihr Kot, der sogenannte Guano, hat sich über Jahrmillionen mit dem Korallenkalk zu etwas verbunden, das in der Geologie als Hochreiner Phosphatstein bekannt ist.
Auf diesen 21 Quadratkilometern liegt eines der reinsten Phosphatvorkommen, das jemals entdeckt wurde. Aber davon an zunächst niemand etwas auf dieser Insel leben auch Menschen und das vermutlich schon seit 3000 Jahren mikronesia mit polynesischen Einflüssen sie organisieren sich in 12 Stämmen und diese 12 Stämme sind heute noch im Wappen Naurus zu finden, als 12 zackiger Stern auf der Flagge.
Die Nauruaner haben eine Kultur entwickelt, die für die Verhältnisse einer winzigen Insel bemerkenswert ausgeklügelt ist. In der einzigen Süßwasserlagune im Inneren der Insel, der Buada Lagune, züchten sie Milchfische. Sie fangen die Jungfische am Riff, gewöhnen sie an Brackwasser und züchten sie über Monate in eingezäunten Becken zur Speisegröße heran, Aquakulturen, und zwar Jahrhunderte, bevor in Europa irgendjemand auf so eine Idee kommt, am 8. November. 1798 sieht zum ersten Mal ein Europäer diese Insel. Es ist John fern, ein britischer Walfangkapitän auf der Snowhunter.
Er ist auf dem Weg von Neuseeland nach Kalkutta. Die Nauruaner paddeln in Kanus zu seinem Schiff, neugierig und freundlich, fern, lässt niemanden an Bord und auch niemanden seiner Besatzung von Bord, aber er ist von dem freundlichen Empfang so angetan, dass er die Insel Pleasant Island nennt, die angenehme Insel, und unter diesem Namen taucht sie dann zum ersten Mal in europäischen Seekarten auf.
In den nächsten Jahrzehnten kommen vor allem Walfänger. Sie tauschen Lebensmittel gegen Schnaps und Feuerwaffen. Und genau diese Kombination führt um 1878 zu einer Katastrophe, nämlich einem zehnjährigen Stammeskrieg Auslöser ist ein Streit, bei dem ein junger Mann durch einen versehentlichen Schuss aus einer dieser importierten Waffen stirbt. Die Eskalation wird durch den Alkohol und die Gewehre noch befeuert.
Innerhalb dieser 10 Kriegsjahre halbiert sich die Bevölkerung der Insel fast. Die deutschen Kolonialherren beenden den Krieg. 1888 annektiert das Deutsche Reich Nauru und gliedert es ins Marshallinseln Schutzgebiet ein. Die SMS Eber landet 36 Soldaten, die die Waffen einsammeln und der Alkoholhandel wird verboten. König Auweiida unterzeichnet die Annektionsurkunde. Und jetzt kommen wir zu den Ereignissen, die mit der heutigen Folge und unserer Rohstoffkurve etwas zu tun haben.
Aber sie spielen nicht nur auf Nairo selbst. Es geht los im Jahr 1896 auf einem Schiff namens Lady M segelt ein Frachtoffizier namens Henry Denson durch den Pazifik, bei einem Zwischenstopp auf Nairou hebt er einen merkwürdigen Stein auf, er sieht aus wie versteinertes Holz, ist grau, schwer und kompakt und. Und Denzen nimmt den Stein mit nach Sydney zur Zentrale der Pacific Islands Company.
Dort denkt er kurz daran, daraus Murmelnd für seine Kinder zu schnitzen, aber er legt ihn erstmal aufs Regal und von dort wird der Stein dann zu einem Türstopper für eine Bürotür. Okay und. Was hat jetzt dieser Stein mit endlichen Ressourcen zu tun? Also erstmal hält dieser Stein 3 Jahre lang die Bürotür offen. 3 Jahre, in denen Mitarbeiter wahrscheinlich über ihn stolpern, ihn ignorieren oder vielleicht auch manchmal in eine andere Ecke treten.
Dann im Jahr 1899 wird ein neuer Mitarbeiter nach Sydney versetzt. Sein Name ist Albert Fuller. Alice Alice ist ein junger Neuseeländer, 29 Jahre alt, und er ist nicht irgendwer, er hat 3 Jahre auf den Phönixinseln verbracht, kleinen Pazifikatrollen, und dort hat er den Abbau von Guano vorkommen geleitet, er weiß, wie Phosphat aussieht, er weiß auch, wie es sich anfühlt, und er weiß auch, wie es riecht. Und an einem Tag im Jahr 1899 sieht er den Türstopper, bückt sich.
Er nimmt ihn in die Hand und er sagt, das ist kein versteinertes Holz, das ist phosphatstein. Aber Henry Denzen winkt erst mal ab und sagt, Quatsch, das ist bloß Holz, aber Alice lässt sich nicht abwimmeln, er bringt den Stein ins Labor und macht eine chemische Analyse, das Ergebnis. 78% Phosphat, Wow, das ist nicht nur Phosphat, das ist hochreines Phosphat, Reiner als alle anderen bekannten Vorkommen und bei den Mengen, die Alice vermutet, liegt auf dieser kleinen Insel ein Reichtum, der die landwirtschaftliche Geschichte des britischen Empires verändern könnte. Was dann passiert, ist wieder mal eine wenig ruhmreiche Episode der britischen Kolonialgeschichte. Alice fährt im Mai 1900 in den
Pazifik und besucht zuerst nicht Nauru, sondern eine geologisch ähnliche Insel. Ein paar 100 Kilometer weiter. Das ist Banaba, auch bekannt als Ocean Island Banaba ist damals britisch, Nauru ist ja wie gesagt Deutsch und mit den deutschen Kolonialbehörden zu verhandeln ist einfach komplizierter. Auf Banaba schließt Alice innerhalb weniger Tage einen Vertrag mit den Bewohnern, die Konditionen 50 Pfund jährlich für die Abbaurechte. 199 Jahre Wahnsinn die Banabana, die verstehen nicht wirklich, was sie da unterschreiben, aber sie unterschreiben möglicherweise auch unter Waffen. Auf einer Uru zieht.
Sich das ein paar Jahre erst 1906, schließt die Pacific Voss Fate Company mit der Deutschen Yaloid Gesellschaft einen Vertrag. Auch hier ist die Beteiligung der Nauruaner an den Einnahmen am Anfang echt lächerlich, ein halber Pfennig pro Tonne abgebauten Phosphat vor. Später wird es etwas mehr, aber die wirklichen Gewinne machen die britische, australische und neuseeländische Phosphatindustrie diese. Geschichte könnte.
Allein eine ganze Folge füllen. Aber für uns ist sie hier nur der Auftakt, denn jetzt beginnt der Phosphatabbau auf Nahuru erst langsam, dann immer schneller und damit beginnt der Aufstieg in die Glockenkurve, die. Ersten Jahrzehnte verlaufen. Für die Nahuruaner alles andere als gut. Erst die Deutschen.
Dann, nach dem Ersten Weltkrieg, die Australier zusammen mit Großbritannien und Neuseeland, die das Mandat über die Insel übernehmen, die sogenannten British FOS Fate Commissioners kontrollieren den Abbau, die Verkaufspreise und die Geldströme. Die Nauruaner arbeiten in den Minen, leben in einfachen Verhältnissen und das hochwertige Phosphat geht für lächerliche Beträge nach Australien und Neuseeland, wo es die Felder der Siedlerlandwirtschaft Düngt, die. 1920 kurz nach dem Ersten Weltkrieg schleppt ein Schiff die spanische Grippe auf die Insel und 18% der Bevölkerung sterben meine Güte 1942 kommt der nächste Schlag. Japan besetzt Nauru im Zweiten Weltkrieg, die japanische Armee deportiert, 1200 nauruana zur
Zwangsarbeit auf das Atoll Truk, ungefähr 2000 Kilometer entfernt, und dort verhungern die Menschen, sterben an Krankheiten oder an Erschöpfung. Von den 1200 kommen nach Kriegsende nur etwa 700 zurück. Nach dem Ende des zweiten. Weltkriegs übernimmt Australien die Verwaltung der Insel im Auftrag der Vereinten Nationen und damit beginnt das nächste Kapitel in den 50er Jahren. Dann tritt eine Person auf die Bühne, die für den Rest der Geschichte der Insel zentral ist. Sein Name ist Hammad Ruburt.
Geboren 1922 in jungen Jahren als Lehrer ausgebildet. Er ist einer der Druck überlebenden, also einer von diesen 700, die es zurückgeschafft haben und nach dem Krieg politisiert er sich, er führt 1953 einen viermonatigen Streik der nauruischen Arbeiter an und. 1906 und. 50 also rein zufällig im selben Jahr, in dem in San Antonio ein gewisser Maryan King Hubbard einen Vortrag hält, wird Hammer, der Robot zum Chief der Nauruaner gewählt.
Der. Der Robot hat ein Ziel, Unabhängigkeit und vor allem auch noch die Kontrolle über das Phosphat. Die Australier haben. Anfang der 60er Jahre eine andere Idee sie schlagen der Robot vor, die gesamte nauruische Bevölkerung, damals etwa zweieinhalb 1000 Menschen, nach Curtis Island, eine Insel vor der Küste Queenslands, umzusiedeln.
Die Australier bieten an, dort ein neues Nauru zu bauen. Das Problem ist aber, die Nauruaner sollen dann australische Staatsbürger werden. Souveränität gibt es nicht und der Robot lehnt ab und seine Antwort wird zur Legende. Sinngemäß sagt er den australischen Verhandlungspartnern die Souveränität des Nauruischen Volkes liegt in der nauruischen Rasse, unser Volk will frei und unabhängig sein, Punkt.
Am 31. Januar 1968 wird Nauru unabhängig. Drobod wird zum ersten Präsidenten und 2 Jahre später 1970 kauft die Junge Republik die Phosphatindustrie für 21000000 australische Dollar von den British fosway Commissions zurück und ab jetzt gehört das Phosphat den Nahruanern selber und ab jetzt kommt das Geld.
Mitte der 70er Jahre. Erreicht Nahuru ein pro Kopf Einkommen, das die Welt in Staunen versetzt? Etwa $50000 pro Kopf im Jahr 1975 gemessen am Einkommen pro Einwohner ist die kleine Insel damit 1 der reichsten Länder der ganzen Welt. Es ist nur schade, dass wir. Jetzt schon diese Geschichte mit der Glocke kennen und wahrscheinlich wir entweder schon dabei sind abwärts zu gehen oder sehr bald in die steile Flanke kommen.
Ja so. Lange haben Sie nicht mehr. Die Phosphateinnahmen liegen damals jährlich bei rund 100000000 australischer Dollar. Die Nauruaner zahlen keine Steuern, Schule, Krankenversorgung, Transport, alles ist kostenlos. Wer eine Hochschulausbildung will, geht auf Staatskosten nach Australien oder Neuseeland, wer krank ist, fliegt auf Staatskosten zur Behandlung nach Sydney oder Melbourne, sie gründen sogar eine eigene Fluggesellschaft, Air Nauru, eine Flotte aus mehreren Boeing 737, später sogar eine 727. Auf einer Insel mit ein paar 1000 Einwohnern. Air Nauru.
Fliegt. Nach Australien, Neuseeland, Hongkong, Tokio und Manila. Und das oft fast leer. Die Flugzeuge waren zeitweise das nationale Statussymbol des Präsidenten, und es hieß, wer will, darf mitfliegen. Oh Mann, in Melbourne bauen. Sie, Nauru, Haus einen 52 stöckigen Wolkenkratzer an der Ecke Collins und Exhibition Street. Bei seiner Fertigstellung 1977 ist es eines der höchsten Gebäude.
Melbourne bezahlt mit Phosphatgeld, einer Insel im Pazifik. Oh Mann und. Es kommen die wirklichen. Anekdoten, Geschichten, die so absurd klingen, dass man manchmal nicht weiß, ob sie wahr sind oder nicht. Es gibt zum Beispiel die Geschichte, dass sich der Polizeichef einen Lamborghini bestellt haben soll, nur um dann erstaunt festzustellen, dass er zu groß ist, um ihn zu fahren. Die Geschichte zirkuliert in Reiseberichten, sie ist nicht hundertprozentig dokumentiert, aber zu der Stimmung passt sie. Und dann, mitten in dieser Phase, passiert etwas, das selbst die Lamborghini Geschichte in den Schatten stellt.
Im Jahr 1993 investiert die nauröische Regierung etwa 2000000 britische Pfund in ein Musical ein. Musical über Leonardo. Da Vinci der Titel Leonardo A Portrait of Love, der berühmte Nuruana. Ein. Erfundenes Liebesdrama. Zwischen Leonardo da Vinci und der Mona Lisa mit der Logik. Die Mona Lisa sei nicht nur Modell, sondern auch seine große Liebe gewesen. Und Premiere ist am 3.
Juni 1993 im Strand, Theater in London, okay. Eine Delegation von. Etwa 100 Nauruanern reist zur Premiere inklusive Präsident Bernardo Viogo und auch seiner Frau beim Abflug von Nauru kommt es zu Tumulten, weil Bürger der Insel auf der Startbahn protestieren. Sie haben nämlich mitbekommen, was für ein Projekt da gerade mit ihrem Geld finanziert wird. Und die Premiere ist auch noch ein Desaster. Die Vorstellung dauert fast 4 Stunden und ein großer Teil des Publikums verlässt vorzeitig das Theater Oh mein Gott, der. Guardian schreibt am.
Nächsten Tag sinngemäß die Bewohner Naurus, die reich geworden sind durch Vogelkot, haben in dieses Musical investiert. Leider haben Sie einen Haufen Müll gekauft. Leonardo ist ein Dodo, ein ausgestorbener Vogel, der nicht fliegen konnte. Andere Kritiken sind ähnlich gnadenlos. Die Sunday Times zum Beispiel nennt das Stück Schieren Unsinn, und andere Zeitungen nennen es betäubend langweilig nach 7.
Und 30. Vorstellungen wird Leonardo am 10 Juli 1993 abgesetzt. Die 2000000 Pfund sind weg und Duke. Minks. Einer der Co Autoren der Musik sagt später, Leonardo starb 1519 in Italien und noch einmal 1993 im Londoner Strand. Aber Leonardo ist nur. Die spektakulärste Episode einer ganzen Reihe von Fehlinvestitionen.
Nauru kauft Hotels in Hawaii Hotels auf Wanatou es betreibt zwischenzeitlich eine Bank, die in den späten 90er Jahren zu einem internationalen Geldwäscheparadies wird russische Banken nutzen Nauru, um Milliarden zu schleusen. Schätzungen sprechen von bis zu 70 Milliarden US Dollar russischem Schwarzgeld, das in einem einzigen Jahr durch nauröische Briefkastenfirmen geschleust wird.
Und während. Die Insel sich. In absurden Investitionen verliert, läuft im Hintergrund die Harvard Kurve unaufhaltsam weiter. Die Phosphatförderung erreicht nämlich schon Mitte der 70er Jahre ihren Höhepunkt, dann fängt sie an zu singen, erst langsam, dann immer schneller. Die hochwertigen Lagerstätten sind erschöpft. Was übrig bleibt, ist mühsamer im Abbau, die tiefer und ist von schlechterer Qualität und plötzlich noch in den 90er Jahren steht die Insel vor einem doppelten Problem, das Phosphat ist praktisch weg und das Geld, das während des Booms in einem Treuhandfonds angespart worden ist, in der Spitze etwa eine Milliarde australische Dollar, ist durch Fehlinvestitionen, Korruption und Misswirtschaft
fast vollständig aufgezehrt. In etwa 20 Jahren hat sich die Insel von einer der reichsten Nationen der Welt zu einer praktisch insolventen Minirepublik entwickelt. Oh Mann. Es ist einfach auch so. Tragisch, weil im Endeffekt, sie haben ja irgendwann festgestellt, es wird jetzt weniger, spätestens ab dem Punkt hätte man ja sagen müssen, so, ich halte jetzt alles ganz fürchterlich doll zusammen, aber na ja, letztendlich sehen wir zumindest mal die Hubbard Kurve mehr oder weniger in ihrer Perfektion, oder? Ja, Naodoo hat diese Kurve.
Wirklich eindrucksvoll bewiesen. Und dann stellt man sich auch ganz schön schnell eine Frage. Wovon? Lebt diese Nation? Eigentlich heute. Und die Antwort? Auf diese Frage. Die ist wirklich tragisch 80. Prozent der. Inselfläche das gesamte zentrale Plateau ist heute wirklich eine Kraterlandschaft, ausgebeutet und ausgehöhlt.
Übrig sind bizarre, bis zu 15 Meter hohe Korallenkalksäulen, die wie Skulpturen aus dem Boden ragen und auf dem schmalen Küstenstreifen. Drängen sich die etwa 11000 Einwohner? Es gibt dort fast keine Landwirtschaft, oh Gott. Ich denk schon, dass. Das jetzt passiert, was letztendlich mit sehr, sehr, sehr vielen Inseln in diesem Gebiet passiert, ist irgendwo, dass dann ja, wenn die Landwirtschaft zusammenbricht, irgendwann nur noch hoch Process Food irgendwo reinholst oder zeugst, dass irgendwie aus Tüten kommt oder aus Dosen oder sonst was und die Leute dann hinterher ausnehmen wie Marshmallows exakt, ganz, ganz. Genau das Lebensmittel werden praktisch alle importiert und fast alles ist hochverarbeitet.
Die Folgen sind wirklich dramatisch. Nauru hat heute die höchste Adipositas Rate der Welt über 70% der Erwachsenen sind stark übergewichtig und die Diabetes Rate liegt bei etwa 31%, das ist Weltspitze, die Lebenserwartung ist deutlich geringer als in den umliegenden Ländern und wovon lebt das Land heute vor allem von einem sehr unschönen Geschäft, das Australien Anfang der 2000 er Jahre erfunden hat.
Asylsuchende, die Australien per Boot erreichen, werden auf Nauru in einem Lager interniert. Das Regional Processing Center Australien zahlt dem kleinen Inselstaat dafür Geld, es ist eine mehr als traurige Form der Wirtschaftshilfe, eine Insel, die einst durch Phosphatreichtum geblendet wurde. Dient heute als ausgelagertes Internierungslager für die australische Politik. Oh Mann, das ist so bitter.
Wenn man überlegt, dass halt irgendwo die Besiedlung von Australien ja auch sehr, sehr viel mit Strafgefangenen zu tun hatte, absolut. Ach, nach dem. Motto Wir sind eine. Gefängnisinsel jetzt nicht mehr. Jetzt brauchen wir eine neue. Ja, wir sind eine, wir sind eine. Ehemalige Gefängnisinsel Wir bräuchten mal eine Gefängnisinsel, ach.
Ja, und damit. Endet die Geschichte? Der Insel, die im Kleinen alles vorgespielt hat, was die Hubbard Kurve im Großen meint. Eine endliche Ressource, steiler Aufstieg, ein vorhersagbarer Höhepunkt und ein unaufhaltsamer Niedergang. Hubbard hatte schon Recht mit dem Öl in den USA, aber diese Insel hat gezeigt, dass es eben nicht nur um Öl geht, es geht um jeden endlichen Rohstoff und es geht um die Frage, was passiert, wenn eine Gesellschaft den Aufstieg genießt und nicht vorbereitet ist auf den Abstieg.
Aber das ist auch noch nicht das Ende unserer Folge. Im Gegenteil sogar. Denn was sich auf den 21 Quadratkilometern im Pazifik abgespielt hat, das spielt sich gerade in Zeitlupe und im Weltmaßstab auf unserem gesamten Planeten ab, mit einem entscheidenden Unterschied auf Narulu ging es um fast fahrtstein ein Rohstoff wertvoll, aber im Prinzip auch nur das ein Wirtschaftsgut bei dem, worüber ich als nächstes spreche, ist das anders.
Es geht nämlich um ein chemisches Element, ohne dass überhaupt kein Leben auf der Erde existieren würde. Es steckt, wie schon am Anfang gesagt, in jeder einzelnen Zelle unseres Körpers, es ist die Grundlage unserer gesamten modernen Landwirtschaft und ohne dieses Element könnten wir nicht ansatzweise 8 Milliarden Menschen ernähren.
Beim Öl haben. Wir ja auch inzwischen Alternativen entwickelt, zum Beispiel Strom aus Sonne und Wind, so dass wir vom Öl auch eigentlich immer weniger brauchen. Bei diesem Element gibt es aber keine Alternative, kein anderes chemisches Element könnte seine Rolle übernehmen. Ich möchte aber zu dem Öl noch.
Ergänzen. Das ist zwar wahr, wenn wir Öl als Brennstoff sehen, aber müssen wir überlegen, was wir sonst alles noch so aus Erdöl machen? Ja, vor allen Dingen, gerade wenn ich an den Bereich Medizin denke, ist Öl eigentlich viel zu wertvoll, um das einfach zu verbrennen, absolut. Und man muss auch sagen, ich finde es halt sehr interessant. Ich glaube, wir haben beide in der Schule gelernt. Das Öl reicht nur noch 40 Jahre und heute, wenn man mal ein bisschen liest, hört man immer noch die gleiche Jahreszahl. Komischerweise ist das 30 Jahre später, als wir das damals gehört haben, also eigentlich dürfte das Öl ja nur noch 10 Jahre vom Wir haben keins mehr entfernt sein, aber das ist eben genau die Sache, wir benutzen
weniger, wir haben Alternativen entwickelt, ja wir haben auch neue Quellen gefunden wo wir halt Öl hernehmen können, also da ist schon noch Veränderung drin bei diesem Rohstoff. Nun ja, bei diesem Element, auf das ich jetzt eingehe, da ist es so 70% der Weltreserven dieses Elements liegen in einem einzigen Land, und das bezieht sich, wir denken noch mal ans Fracking, eben auf bekannte, wirtschaftlich förderbare Reserven nach heutigen Definitionen, aber die globale Förderung folgt derselben Glockenkurve, die Habbert für Öl vorhergesagt und Narudo im Kleinen für Phosphat vorgespielt hat. Es ist ein Element, das ein deutscher Alchimist im Jahr 1669 entdeckt hat, als er versucht hat, aus menschlichem Urin Gold zu machen.
Sein Name war Henning Brandt, und das Element ist Phosphor und darum. Jetzt mal weiter nach. Hamburg. Irgendwann 1669 in einem Hinterhaus brennt seit Wochen ein Feuer Tag und Nacht im Innern des Hauses steht ein Mann vor einem riesigen Tonkrug, es stinkt bestialisch. Nicht nach Schwefel, nicht nach den üblichen Alchemisten düften, sondern nach etwas anderem.
Es stinkt nämlich nach Urin, genauer gesagt nach 5700 Litern menschlichem Urin, über Wochen gesammelt in den Soldatenkasernen Hamburgs, eingedickt zu einer 10 dunklen Brühe erhitzt. Destilliert. Und wieder erhitzt der Mann, der das Macht, heißt Henning Brandt. Er ist ungefähr in seinen Vierzigern, war als junger Mann Soldat im Dreißigjährigen Krieg, danach glasbläserlehrling.
Danach hat er sich selbst zum Arzt erklärt, seine. Erste Frau. Brachte ein beachtliches Vermögen mit in die Ehe und Brandt hat es vollständig durchgebracht bei der Suche nach dem Stein der Weisen, der Stein der Weisen, das ist die große Obsession der Alchemie seit über 1000 Jahren eine geheimnisvolle Substanz, die unedle Metalle in Gold verwandeln soll. Und Brandt ist überzeugt, dass das Geheimnis in einer ganz bestimmten Flüssigkeit liegt, nämlich in unserem Urin. Weil Urin gelb ist wie Gold, und weil eine alte alchemistische Schrift behauptet, dass die Lebenskraft des Menschen sich darin konzentriert.
Man darf dabei auch nicht. Vergessen, dass Alchemie heute natürlich irgendwo lächerlich klingt, aber das war damals das, was du an Wissenschaft hattest. Ja, die die wissenschaftliche Methode, wie wir sie heute kennen, gab es einfach in der Form noch nicht. Und es hatte immer noch so ein bisschen was magisches und auch selbst Leute, die wir heute als Wissenschaftler ansehen, rückwirkend wie Newton, haben auch ihr halbes Leben mit Alchemie verbracht und natürlich auch ohne diese ganzen Fehlschläge, diese Art Sackgasse in der Forschung wäre die moderne Chemie dann auch wahrscheinlich nicht so entstanden, das stimmt, das stimmt. Naja, auf jeden Fall Brand, der hat ein Rezept aus dem Jahr 1630 von einem Mann namens Kessler
und das Rezept verspricht aus Urin Silber zu gewinnen. Brand probiert das aus, er gewinnt natürlich kein Silber, aber während er die eingedickte Brühe immer weiter erhitzt, passiert etwas, das er nicht erwartet hat. Aus dem Kolben steigen weiße Dämpfe auf, diese Dämpfe kondensieren am Glas, sie kühlen ab und dann, im Halbdunkel der Werkstatt fängt das, was sich dann niedergeschlagen hat, zu leuchten an, ein kaltes, grünlich weißes Licht, ohne Hitze, ohne Funken oder Flammen, es leuchtet einfach so.
Stundenlang. Brandt hat etwas entdeckt, das niemand vor ihm jemals gesehen hat, er nennt es zunächst kaltes Feuer und später wird es einen Namen aus dem Griechischen bekommen, Phosphorus Lichtträger aber. Was ist jetzt? Eigentlich der Unterschied zwischen Phosphor und Phosphat. Wir hatten ja schon beides jetzt mal, das stimmt Phosphor. Ist das wirklich reine chemische Element? Phosphat ist die Verbindung, in der Phosphor in der Natur fast immer vorkommt.
Das ist Phosphor mit Sauerstoff auf Nauru wurde Phosphat abgebaut, in unseren Zellen ist Phosphat, was Brand entdeckt hat, ist tatsächlich reiner Phosphor, und das hat in der Natur praktisch niemand vor ihm jemals gesehen. Brand ist auf. Jeden Fall hin und Weg von. Seinem leuchtenden Material. Er hält es wirklich für den Stein der Weisen. 6 Jahre lang behält er sein Verfahren geheim.
Er versucht mit dem leuchtenden Material Gold zu machen. Das funktioniert natürlich nicht, aber er kann den Phosphor verkaufen, als Wundermittel, als Kuriosität, als Showstück für reiche Fürsten. Schließlich verkauft er das Verfahren an einen anderen Alchimisten, das ist Daniel Kraft aus Dresden, und er zahlt dafür 200 Taler Kraft.
Reist mit dem Phosphor. Durch Europa und führt ihn an den Höfen vor. In London beeindruckt er Robert Beuel, einen der wichtigsten Wissenschaftler seiner Zeit. Boil erkennt schnell, dass es sich um etwas Neues handelt und stellt das Element bald darauf selbst her. Über 100 Jahre vergehen, bis ein Mensch endlich versteht, was er da eigentlich vor sich hat Antoine Larosier, der Begründer der modernen Chemie, klassifiziert 1777 Phosphor als chemisches Element, es ist 1 der ersten 12 Elemente überhaupt, die als solche erkannt werden. Die Frage, die.
Sich da jetzt stellt ist, wenn Phosphor so selten ist, dass man im Endeffekt irgendwie tausende Liter Urin braucht, die Destillieren muss. Wie klappt dann der Schritt zum Massenrohstoff für die Landwirtschaft? Die Antwort auf die. Frage die kommt im 19 Jahrhundert und sie verändert tatsächlich die Welt. 1840 veröffentlicht der deutsche Chemiker Justus von Liebig ein Buch mit dem etwas sperrigen Titel die Organische Chemie in ihrer Anwendung auf Agrikultur und Physiologie.
Und in diesem Buch beschreibt Liebig etwas, das für die Geschichte der Menschheit von fundamentaler Bedeutung ist. Er zeigt nämlich auf, Pflanzen brauchen zum Wachsen vor allem 3 Stoffe aus dem Boden, Stickstoff, Kalium und Phosphor nicht in irgendwelchen mystischen Formen, sondern als ganz konkrete chemische Verbindungen.
Liebig formuliert auch das. Gesetz des Minimums. Es klingt für uns total simpel, aber es ist damals echt revolutionär. Eine Pflanze wächst nur so gut, wie es der Nährstoff erlaubt, der im Boden am knappsten vorhanden ist. Egal wieviel Stickstoff und. Kalium da sind, wenn der Phosphor fehlt, wächst halt gar nichts und auch umgekehrt mit Liebig beginnt die moderne wissenschaftliche Landwirtschaft.
Felder, die seit Jahrhunderten ausgelaugt sind, können auf einmal wieder Erträge bringen, wenn man ihnen die fehlenden Nährstoffe gezielt zuführt. Und einer dieser Nährstoffe ist eben Phosphor, aber, und das nur als kleiner Sidefact eigentlich war Liebig nicht der erste, der das rausgefunden hat, ein Mann namens Karl Sprengel hatte das Gesetz des Minimums schon 1828 formuliert, Liebig hat es übernommen und populär gemacht, ohne Sprengel ausreichend zu zitieren, eine historische Ungerechtigkeit. Die heute manchmal mit der Bezeichnung Sprengel Liebig gesetzt, korrigiert wird.
So und plötzlich ist Phosphor nicht mehr ein alchemistisches Kuriosum, plötzlich ist Phosphor ein industrieller Rohstoff, aber woher soll? Man ihn nehmen um. Millionen von Hektar landwirtschaftliche Fläche damit zu düngen. Die ersten Quellen sind tatsächlich ziemlich makaber in den 40er und 50er Jahren des 19 Jahrhunderts werden in Europa massenhaft Tierknochen zu Düngemittel verarbeitet. Aber auch, und das ist.
Nicht bloß ne Anekdote. Die Knochen der gefallenen Soldaten von Schlachtfeldern wie Waterloo und Leipzig, die werden ausgegraben, gemahlen und zu Phosphordünger verarbeitet, es gibt einen regelrechten Handel damit und dann kommt Guano, also Vogelkot, zunächst aus Peru, von den Phosphatinseln im Pazifik und aus Marokko. Und schließlich, ab den 70er Jahren des 19 Jahrhunderts, der industrielle Abbau von Phosphatgestein genau das, was wir dann später auch auf Nairu gesehen haben. Und das beginnt dann auch in Florida, in Tunesien und in Marokko.
Parallel zu dieser landwirtschaftlichen Revolution entdeckte die Industrie noch eine andere Anwendung für Phosphor im Jahr 1827 erfindet ein englischer Apotheker namens John Walker das erste Reibungsstreichholz bis dahin musste man Feuer mühsam mit Feuerstein und Stahl entzünden. Walkers Erfindung war ein kleines Holzstäbchen, an dessen Spitze eine chemische Mischung klebt, die durch Reibung an einer rauen Oberfläche entzündet werden kann.
Ebenso einfach wie genial. Die ersten Streichhölzer funktionieren mit verschiedenen Chemikalien, aber in den 30er Jahren des 19 Jahrhunderts setzt sich eine besonders praktische Substanz durch, nämlich weißer Phosphor. Streichhölzer mit weißem Phosphor sind billig herzustellen, leicht entzündbar und sie funktionieren sogar bei Feuchtigkeit. Und das Geschäft mit diesen Streichhölzern boomt. Die größte Streichholzfabrik der Welt entsteht in London, die Fabrik gehört der Firma Bryant and May, sie wird. Von einigen 1000.
Arbeiterinnen betrieben junge Frauen, die oft erst 14 oder 15 Jahre alt sind. Sie tauchen die Streichhölzer in flüssigen weißen Phosphor und liegen sie zum Trocknen aus, was niemand ihnen sagt. Weißer. Phosphor ist. Hochgradig giftig. Wer ihn einatmet, wer ihn auf der Haut hat, wer Essen mit Phosphor verschmierten Händen anfasst, der erkrankt.
Es beginnt mit Zahnschmerzen, dann fängt der Unterkiefer an zu Eitern, der Kieferknochen stirbt ab, bei Vorgehaltenem Spiegel kann man im Dunkeln sehen, wie der Knochen grünlich weiß leuchtet, wie damals der Phosphor von Henning Brandt. Die Krankheit hat auch einen sehr, sehr passenden Namen, nämlich Fossi Jaw, auf deutsch Phosphor Kiefer.
Die Symptome sind grauenhaft und die Sterblichkeit liegt bei etwa 20% der Erkrankten. Aus diesem Grund streiken im Juli 1888 die Arbeiterinnen von Brian und May nach knapp 2 Wochen muss die Firma einlenken, das ist einer der ersten erfolgreichen Frauenstreiks in der Geschichte der britischen Arbeiterbewegung. Aber bis weißer Phosphor in Streichhölzern weltweit verboten wird, dauert es noch 2 Jahrzehnte. Ja, das ist wieso oft?
Irgendwo in der beginnenden Industrialisierung einfach nur krass und fürchterlich bitter. Du hast da diesen diesen industriellen Wunderstoff im 19. Jahrhundert, ja, aber der Einsatz ist halt einfach so fürchterlich gefährlich, ich mein, Ihr habt bestimmt schon mal diese Bilder gesehen, halt eben von diesen Arbeiterinnen, denen halt im wahrsten Sinne des Wortes der Unterkiefer fehlt. Ja, es ist einfach.
Es ist nichts, was irgendwie wegzureden ist. Es ist einfach fürchterlich, was sie da gemacht haben, absolut. Und du, das ist. Ja, nicht die das einzige Mal in der Geschichte, man denke nur an die Radium Girls. Ja ja klar wir auch nach Deutschland jemand sprechen können, Na ja, aber das Element bekommt im 20.
Jahrhundert eine noch düsterere Karriere, weißer Phosphor, der brennt nämlich nicht nur, er brennt extrem heiß ja und ist extrem schwer zu löschen. Wer ihn auf die Haut bekommt hat ein Problem. Wasser hilft nicht, Sand kann helfen. Aber sobald der Phosphor wieder mit Sauerstoff in Kontakt kommt, brennt er weiter und das macht ihn zu einer idealen Waffe im Juli. 1903.
Und 40 beginnt das britische Bomber Command zusammen mit der amerikanischen achten Luftflotte, einer Operation, die in die Geschichte eingehen wird. Sie heißt Operation Gomorra, und das Ziel ist die Stadt Hamburg über mehrere Nächte und Tage werden über 1000 Bomber eingesetzt. Sie werfen eine Mischung aus Spreng und Brandbomben ab, und viele dieser Brandbomben enthalten weißen Phosphor.
In der Nacht vom 27 auf den 28 Juli passiert dann etwas, das die Welt vorher noch nie gesehen hat. Über Hamburg entsteht nämlich ein Feuersturm etwa. 40. 1000 Menschen sterben in dieser Nacht und Phosphor wird nicht nur in Hamburg eingesetzt, er kommt in Tokio zum Einsatz, in Korea, in Vietnam. Und auch heute in Konflikten der Gegenwart, gibt es immer wieder Berichte über den Einsatz von weißem Phosphor als Brandwaffe oder als Rauchwaffe.
Trotz der Tatsache, dass dies inzwischen völkerrechtlich verboten ist. Ja, du hast ja gerade dieses Wort. Feuersturm gesagt, ich weiß nicht, ob das so so für jeden so nachvollziehbar ist, was da passiert. Du hast nicht einfach nur ne brennende Stadt, sondern weil so viel brennt. Bekommst du ja ne Thermik. Das heißt du hast Hitze, Hitze beschleunigt, die Luft nach oben dementsprechend du bekommst einen tatsächlichen regelrechten Sturm, nur dass dieser Sturm hunderte oder Tausende von Grad heiß ist und einfach alles versenkt was was da im Weg ist. Sauerstoff wird sofort rausgezogen, weil den brauchst du ja für die Verbrennung dementsprechend, das ist höllisch im wahrsten Sinne des Wortes, das ist wirklich. So wie man sich die Hölle
wahrscheinlich vorstellt, ja. Aber kommen wir von. Diesem düsteren Thema mal wieder zurück zu dem, was für unsere Folge entscheidend ist, nämlich Phosphor als Düngemittel. Denn das ist das große Bild, um das es jetzt geht, nämlich die Welternährung und die Abhängigkeit der Welternährung von chemischen Düngemitteln. Heute leben ungefähr 8.
Milliarden Menschen auf der Erde im Jahr 1900 waren es gerade mal eineinhalb Milliarden. Diese unglaubliche Bevölkerungsexplosion war nur möglich. Weil im selben Zeitraum die Ernteerträge pro Hektar dramatisch gestiegen sind, ver 5 ver 10 und in manchen Regionen sogar verzwanzigfacht. Und der Hauptgrund dafür sind chemische Düngemittel, Stickstoff, Kalium und natürlich Phosphor. Wissenschaftler wie der Kanadier Vatzlav Smil schätzen, ohne chemische Düngemittel könnten wir vielleicht die Hälfte der heutigen Weltbevölkerung ernähren, vielleicht. 4 Milliarden.
Menschen sind. Faktisch nur deshalb am Leben, weil wir gelernt haben, Pflanzen mit künstlichem Stickstoff und gefördertem Phosphat zu düngen. Und da kommt jetzt die unangenehme Frage, woher kommt eigentlich der Phosphor, von dem wir alle abhängen? Die Antwort ist ernüchternd, denn über 70% der bekannten Weltreserven an wirtschaftlich abbaubarem Phosphat liegen halt in einem einzigen Land, und das ist Marokko, genauer gesagt Marokko plus die annektierte Westsahara. Der staatliche, der staatliche marokkanische Konzern OCP, kontrolliert diese Reserven, und er ist einer der größten Phosphatförderer der Welt und damit faktisch eine geopolitische Supermacht, von der die globale Ernährungssicherheit abhängt.
Die anderen. Größeren. Vorkommen verteilen sich auf China, Russland, Jordanien und die USA, alles in deutlich kleineren Mengen. Kein Land hat auch nur annähernd die Reserven, die Marokko hat. Ja, und damit. Sind wir natürlich wieder gerade am Anfang der unweigerlichen Frage, die sich da stellen muss, was passiert eigentlich, wenn sich ein einzelnes Land, das irgendwie das meiste von einem Rohstoff hat, sich dazu entschließt, mal den Hahn zuzudrehen?
Ne Vorahnung. Davon haben wir im Jahr 2008 schon bekommen. Der Phosphat Weltmarktpreis explodiert in dem Jahr in wenigen Monaten um 800%. Bauern in Indien, Pakistan und Bangladesch können sich Dünger nicht mehr leisten. Es gibt Proteste, es gibt Hungerwarnungen erst die Wirtschaftskrise im Herbst 2008 lässt die Preise wieder fallen. Forscher.
Wie die Australierin. Dana Cordel stellen 2009 eine Studie vor, die den Begriff Peek Phosphores populär macht. Cordeles These, auch das globale Phosphat folgt der Habat Kurve, der Peek könnte laut Cordel bereits und 2030 liegen. Vielleicht etwas später. Danach geht es bergab. Nicht abrupt, aber unaufhaltsam. Diese Studie löst eine Debatte aus, die Phosphatindustrie widerspricht, verweist auf neu gemeldete Reserven in Marokko, die die offiziellen Zahlen über Nacht vervierfachen. Andere Wissenschaftler bleiben skeptisch, was wirklich noch im Boden liegt, ist nämlich nicht eindeutig zu sagen, und selbst wenn der Peak erst 2050 oder 2080 kommt. Bleibt die fundamentale Tatsache, Phosphatvorkommen sind endlich, sie werden weltweit
abgebaut, weltweit verbraucht und ein großer Teil davon landet am Ende in Ozeanen und Sedimenten, wo wir ihn auf menschlichen Zeitskalen nicht wiederkriegen. Und während wir noch über genaue Jahreszahlen streiten, zeigt uns ein aktuelles Ereignis, wie verletzlich unser globales Düngemittelsystem wirklich ist. Wir nehmen diese Folge im Mai 2026 auf und seit Ende Februar diesen Jahres ist der Schiffsverkehr in der Straße von Humus deutlich eingeschränkt.
Eine Wasserstraße, durch die ein Fünftel des weltweit gehandelten Öls fließt und durch die etwa die Hälfte des weltweit gehandelten Düngemittel Schwefels transportiert wird. Schwefel ist die Grundlage der Schwefelsäure, mit der aus Phosphatgestein erst der landwirtschaftlich nutzbare Dünger wird. Auslöser dieser Situation.
Ist natürlich der Ausbruch des Kriegs zwischen den USA und Israel auf der einen Seite und dem Iran. Iranische Revolutionsgarden haben die Wasserstraße zur Sperrzone erklärt und die Düngemittelpreise weltweit sind seitdem über 30% gestiegen. Die Welternährungsorganisation warnt vor genau dem, was wir auf einer kleinen Insel im Pazifik schon einmal gesehen haben. Nur diesmal nicht in der pro Kopf Statistik einer Inselbevölkerung von 10000 Menschen, sondern in den Weizenfeldern Bangladeschs, in den Maisfeldern Ostafrikas. Bauern, die sich plötzlich ihren Dünger nicht mehr leisten können, die ihre Felder mit weniger besehen, die im Herbst dann weniger ernten und die mit weniger Ertrag weniger Menschen ernähren können.
Es ist eine Vorschau auf das was. Passiert, wenn die Hubbard Kurve für Phosphat irgendwann tatsächlich unweigerlich nach unten zeigt, nicht als hypothetisches Zukunftsszenario, sondern in Echtzeit vor unseren Augen. Hubbard hat 1956 vor der Erschöpfung des amerikanischen Öls gewarnt, Nauru hat im Kleinen gezeigt, dass er recht hatte, und Phosphor zeigt im Großen, was es bedeutet, wenn ein Lebensnotwendiges, nicht ersetzbares Element den gleichen Weg geht.
Und jetzt? Muss man. Sich fragen, was machen wir denn als Menschheit mit dieser Erkenntnis beim Öl haben? Wir uns Zeit. Erkauft mit Fracking, mit Tiefseebohrungen und neuen Technologien, die zurzeit haberts unvorstellbar waren. Aber selbst diese erkaufte Zeit ist endlich und wichtiger noch, solche Tricks gibt es halt auch nicht für jeden Rohstoff.
Beim Phosphor gibt es zumindest nach unserem Wissen keine zweite Lagerstättenklasse, an die wir mit besserer Technik rankommen. Es gibt keinen geheimen Vorrat, der nur darauf wartet, mit der richtigen Methode gefördert zu werden. Was im Boden ist, ist im Boden und wenn die hochwertigen Lager erschöpft sind, müssen wir auf die minderwertigen Ausweichen, die mehr Energie kosten und mehr Abfall produzieren, also noch mal was machen wir mit haberts Erkenntnis, wenn wir nicht weiter naiv durch die Welt laufen und so tun wollen, als wären unsere Ressourcen unbegrenzt, na ja, und dann müssten. Wir uns eigentlich auch fragen, was sind denn überhaupt noch unsere Optionen?
Das Gute an. Dieser Frage ist, und das ist auch die gute Nachricht, mit der wir ganz, ganz langsam Richtung Ende kommen, ist, es gibt Optionen und einige davon funktionieren auch schon. Die erste, wahrscheinlich wichtigste klingt fast banal. Und zwar ist das. Recycling. Phosphor unterscheidet sich nämlich in einem entscheidenden Punkt von Öl.
Wenn wir Öl verbrennen, dann ist das Weg verbrannt zu Kohlendioxid und Wasser in der Atmosphäre verteilt und praktisch auf Dauer verloren. Phosphor verschwindet nicht. Phosphor, den wir auf unsere Felder streuen, der landet in den Pflanzen. Aus den Pflanzen landet er in unserem Essen, aus unserem Essen landet er in unserem Körper und am Ende landet er dann unweigerlich in unseren Klärwerken. Da ist der Phosphor.
Und genau da müssen wir auch hingehen, um ihn zurückzuholen. Ja, und letztendlich ist es ja auch. Ein sehr natürliches Verfahren, wenn wir uns mal überlegen, dass ja eigentlich ackerwirtschaft auch damit arbeitet. Du hast die Kühe und die Schweine, die fressen pflanzen und letztendlich wird dann wieder die Gülle gesammelt und wieder zurück aufs Feld gebracht, absolut.
Und das passiert halt gerade auch. Also die Sache mit den Klärwerken. Deutschland hat 2017 ein Gesetz verabschiedet, das ab dem Jahr 2029 für alle größeren Kläranlagen verpflichtend macht. Dass sie den Phosphor aus dem Klärschlamm zurückgewinnen müssen. Aus etwas, das wir bisher als Müll behandelt haben, wird ein Rohstoff, die Schweiz hat ähnliche Regeln seit 2016 die Niederlande, Österreich und einige skandinavische Länder ziehen nach, dazu gibt es verschiedene Verfahren, 1 davon nennt.
Sich zum Beispiel. Struvit Fällung. Klingt technisch, ist aber im Grunde recht simpel. Man lässt im Abwasser bestimmte Salze auskristallisieren, die Phosphor enthalten, und diese Kristalle kann man rausfiltern und direkt als hochwertigen Dünger verwenden. Über 50 Klärwerke weltweit setzen das schon ein.
Und in Hamburg, Stuttgart und Berlin gibt es dafür pilotanlagen. Sehr schön, also gewinnen wir. Tatsächlich endlich auch Dünger aus unseren eigenen Abfällen, statt das einfach nur ich meine klar, runter spielen wir immer noch, aber halt eben ne am Schluss dann wieder auffangen absolut ja und das ist auch nicht eklig.
Sondern elegant. Das ist nämlich das, was du eben gesagt hast. Eigentlich ist das der Kreislauf, den die Natur über Millionen Jahre vorgesehen hat, den wir damit eigentlich wieder schließen, statt ihn als gerade offen zu lassen, ja. Die zweite Option, die wir haben, die ist genauso wichtig, nämlich einfach weniger verschwenden in der konventionellen Landwirtschaft werden Düngemittel oft großzügig auf die Felder ausgebracht, was ja dann wieder ein Problem an. Sich ist, weil ich meine, man kennt das auch irgendwo, ich denke mal 90er 2000 hast du auch ganz häufig diese ganzen Berichte über zu viel Phosphat in der Umwelt gehört? Genau eigentlich.
Wird halt gesagt, Mensch. Viel hilft viel, aber eine Menge von dem Phosphor, den wir in den Pflanzen brauchen, um ihn danach in unseren Klärwerken wieder rauszuholen und. Der landet dann nicht in den Pflanzen, sondern wird einfach vom Regen weggespült, gelangt in Bäche und Flüsse und letztlich dann in die Meere. Und da löst er Algenblüten aus und erzeugt damit sogenannte Todeszonen, in denen dann kein Fisch mehr leben kann. Die moderne Präzisionslandwirtschaft macht das anders GPS gesteuerte Düngemaschinen, Bodenanalysen, Satellitenbilder und technisch unterstützte Auswertungen Düngemittel werden nur dort ausgebracht, wo sie wirklich gebraucht werden.
Studien zeigen, so lässt sich bis zu 50% Phosphor einsparen, und das bei gleichem oder sogar besserem Ernteertrag. Die Dritte. Option, die wir. Haben ist tatsächlich so ziemlich die Unbequemste, denn wir Menschen verändern uns ja nicht so gerne. Und die dritte Option ist unsere Ernährung, etwa 80% des globalen Phosphorverbrauchs gehen in die Tierhaltung.
Entweder direkt als Futtermittelzusatz oder indirekt für den Anbau von Soja, Mais und anderem Tierfutter. Wenn wir weltweit weniger Fleisch essen würden, würden wir automatisch weniger Phosphor verbrauchen und das soll an dieser Stelle wirklich absolut absolut keine Moralpredigt sein, das ist einfache Mathematik und die ist nicht moralisch, Mathematik ist einfach das. Und es.
Gibt auch noch eine. Vierte, vielleicht subtilste Lehre, die wir aus habberts Geschichte ziehen können und aus seiner Kurve. Sie hat nämlich was mit dem zu tun, was 1973 passiert ist. 3 Jahre nach habberts großem Triumph im Oktober 73 verhängen die arabischen Ölförderstaaten die Embargo, und der Westen wacht auf in einer Welt, in der Öl plötzlich teuer und knapp ist.
Und was passiert innerhalb von 10 Jahren passieren Dinge, die vorher als unmöglich galten, aber. Autos werden dramatisch sparsamer, Häuser werden besser gedämmt. Die ersten echten Investitionen in Wind und Solarenergie beginnen. Japan, das gar keine eigenen Ölvorkommen hat, baut sich zur effizientesten Industrienationen der Welt um, mit anderen Worten, Habbert hat eine Warnung geliefert, und als die Realität dieser Warnung 1973 mit Wucht eingeschlagen ist, hat die Welt reagiert. Nicht schnell genug und definitiv auch nicht radikal genug für den heutigen Klimaschutz. Aber.
Sie hat. Reagiert. Und genau das ist die positive Botschaft dieser ganzen Geschichte. Haberts Kurve ist keine Prophezeiung des Untergangs, sie ist ein Frühwarnsystem mit einer Vorwarnzeit, sie sagt uns, an dieser Stelle geht's bergauf, an jener Stelle kommt der Peak, dahinter geht's bergab und. Und wenn wir das. Wissen können wir uns.
Vorbereiten wir können den Niedergang abfedern. Wir können einen Plan haben, bevor wir hinter dem Berg im Tal ankommen. Nauru hatte dieses Frühwarnsystem nicht oder hatte es und hat es ignoriert. Das Ergebnis war auf jeden Fall der freie Fall ohne Netz. Wir haben in Sachen Phosphor dieses Frühwarnsystem und nicht nur beim Phosphor, Wir haben das auch beim Helium, beim Lithium, sogar bei Sand, überall, wo endliche Ressourcen am Berg sind und. Und wir haben Forscher und Forscherinnen wie Dana Cordell, die wie Habert vor 70 Jahren ihre Warnung formulieren. Manchmal lacht man über sie, manchmal hört man ihnen zu, manchmal werden sie zu Don Quixote einsame Ritter gegen vermeintliche Windmühlen, die
sich später als Riesen entpuppen, aber sie sind da, und durch sie wissen wir halt mehr als die Menschen vor uns, wir haben Werkzeuge, die die Menschen vor uns nicht hatten. Und das ist jetzt nicht naiv optimistisch, das ist einfach die Wahrheit und die Realität und damit. Komme ich jetzt wirklich? Langsam mal zum Ende, weil ich eure Zeit schon schon ganz schön lange in Anspruch nehme, denn wir haben uns heute echt eine Menge Dinge angeschaut.
Wir haben einen texanischen Geologen kennengelernt, der gegen den Spott seiner Branche eine mathematische Kurve in die Welt gesetzt und verteidigt hat. Wir haben eine kleine Insel im Pazifik besucht, die zu einem unfreiwilligen Lehrbuchbeispiel dieser Kurve geworden ist. Und wir haben ein chemisches Element zurückverfolgt, dessen Entdeckung mit 5700 Litern Urin begonnen hat und das heute für das Schicksal von Milliarden Menschen entscheidend ist. Hubbard war zu seinen Lebzeiten ein Außenseiter. Belächelnd, attackiert, bekämpft heute weiß aber jedes Lehrbuch der Geologie, dass er recht hatte, und vielleicht ist genau das die Hoffnung, mit der wir auch aus dieser Folge rausgehen sollten, dass die unbequemen
Wahrheiten von heute die selbstverständlichen Erkenntnisse von morgen. Werden können. Denn Don. Quijote war kein. Narr und manchmal sind Windmühlen wirklich Riesen. Ich danke dir. Erstmal für diesen wirklich umfassenden Ritt. Also ich meine wir sind echt ein gutes Stück weit gekommen würde ich sagen, das ist gut, gut Meilen drauf gebracht aus es raumt sein Schiff, so sieht das aus. Oh Mann, ja, also da.
War viel, viel Neues drin und vor allen Dingen sehr viel zum sehr bewusst drüber nachdenken sollte man wirklich mal tun. Ich danke dir erstmal ganz herzlich, auch im Namen unserer Zuhörer. Und ja, wir sind wirklich wieder am Ende angekommen. Das worüber? Wir uns immer. Freuen ist Feedback und Feedback könnt ihr uns überall da geben. Im Endeffekt wo ihr uns hört oder auch in den sozialen Medien, also bei Spotify, Apple Podcast, Facebook, Instagram, was auch immer, ihr findet uns eigentlich überall unter Wissensreisende, ihr könnt es aber selbstverständlich auch gern per E Mail machen, nämlich an Feedback at wissensreisende. De.
Wenn ihr uns Themenvorschläge schicken möchtet, dann seid ihr auch gerne dazu eingeladen. Das könnt ihr entweder an die Feedback oder die Infoadresse machen oder auch direkt an uns persönlich, wenn ihr möchtet, dass ne bestimmte Person von uns beiden den Vortrag dazu schreibt, das ist dann janetwissensreisende.de. Oder Chris ohne Harald wissensreisende.de. Und an dieser Stelle auch.
Noch ein weiteres Mal, liebe Daniela, falls du jetzt noch zuhörst und nicht schon abgeschaltet hast, weil ich das Ganze vollkommen übertrieben habe, wirklich noch mal vielen Dank für diesen Themenvorschlag. Das war auch für mich ein echt erstaunlicher Reiseabschnitt heute. Ja, und wenn ihr auch in Zukunft mal.
Ganz vorne sitzen möchtet hier bei uns in der vordersten Reihe unseres Studios, dann empfehle ich euch ne Premium Mitgliedschaft. Das heißt, damit könnt ihr uns unterstützen und ihr bekommt auch alle 5 Wochen eine Premium Folge, die dann nur für unsere Unterstützer da ist. Ja. Ich freue mich schon auf.
Nächste Woche, ich werde auch noch nicht verraten, worum es dann geht und wir beschließen letztendlich diese Folge mit einem Wort, mit dem wir jede Folge beschließen. Und das lautet Tschüss.