040 Streng vertraulich: Die Lage in Hamburg· Folge 3

HSV und Ballett - dreht Hamburg durch?

Freitag, 16. Mai 2025 · 35 min

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Shownotes

Zur Aufstiegsfeier des HSV am Montag vor dem Rathaus und rund um die Binnenalster werden mehr als 100.000 Fans erwartet - da mag man sich gar nicht vorstellen, was passieren könnte, wenn der Club eines Tages mal wieder einen großen Titel gewinnen sollte. Ob die Euphorie angemessen oder übertrieben ist, ist eines der Themen, über das Matthias Iken und Lars Haider heute sprechen. Außerdem geht es um das Hamburg Ballett, und die Frage, ob es dort um schwere Vorwürfe gegen den neuen Intendanten oder um eine schlimme Intrige geht. Außerdem fragen sich die beiden Hamburg-Kenner, warum der Senat ausgerechnet die eigene Uniklinik im Stich lässt, wenn es um Investitionen in die Infrastruktur geht.
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Music. Ich bin Lars Heider, mein Kollege Matthias Igen, der wie immer mit mir im Studio ist und ich. Wir beschäftigen uns seit 20 Jahren mit Hamburg, mit Hamburger Politik, Gesellschaft, Wirtschaft und Sport. Und einmal die Woche wollen wir hinter die Kulissen all dieser Bereiche gucken, lieber Matthias.

Und die Woche ist schon wieder rum. Es ist unglaublich viel passiert. Wir hatten schon tatsächlich eine Sondersendung zum HSV. Ich bin immer noch ganz erschöpft von den Feiereien. Ein bisschen streichen. Streifen wir das auch, streichen nicht. Aber was sind unsere Themen heute? Ich fasse mal zusammen.

Nummer 1. Schwere Vorwürfe oder böse Intrige? Was ist eigentlich los beim Hamburg-Ballett? Nummer 2. Verluste beim UKE. Das ist das Universitätsklinikum Eppendorf. Warum kommt die Stadt ihren Verpflichtungen nicht nach? Und wieso ist die nächste Woche für Hamburgs Wissenschaft so wichtig? Darüber sprechen wir. und dann sprechen wir Nummer 3 natürlich nochmal über den HSV, über den Rasenhype und über die geplante Megafeier am Montag, was da eigentlich auf uns zukommt und was eigentlich passieren soll, wenn der HSV wirklich mal einen Titel gewinnen sollte und Nummer 4, Thema Nummer 4, Friedrich Merz bekommt Applaus von Olaf Scholz und wir beide fragen uns, haben wir da irgendwas verpasst? Das sind die Themen heute.

Lieber Matthias, fangen wir mal an Hamburg-Ballett. Das muss man ja ein bisschen erklären für die, die sich nicht so gut auskennen. Das Ballett in Hamburg ist 51 Jahre lang geprägt worden von John Neumeier und wir haben das letztes Mal schon gesprochen. Die Frage ist, wenn man sich das im Nachhinein jetzt anguckt, das war eine tolle Zeit und das Ballett ist eines der besten der Welt, aber war es am Ende auch zu lang, Hintergrund.

Weil dann die Nachfolge für denjenigen, der dann kommt, nach 51 Jahren total schwierig wird? Das ist auf jeden Fall so. Je länger eine Ära dauert, umso schwieriger wird die Zeit nach dieser Ära. Und ich glaube, das wird beim Hamburg-Ballett gerade sehr, sehr deutlich. Da wird inzwischen ja wirklich, muss man sagen, auf allen Ebenen auch mit schmutzigen Tricks und schmutziger Wäsche agiert und gespielt.

Also muss man ja sagen, wir haben wahrscheinlich in den letzten Tagen im Abendblatt mehr über Vorwürfe, Intrigen und Stimmungen geschrieben als in den 51 Jahren zuvor. Und das ist natürlich immer schlecht für so eine künstlerische Truppe. Und die Frage ist, was ist es jetzt? Also um mal alle mitzunehmen, es sind glaube ich sechs, fünf erste Solisten und Solistinnen haben gesagt, sie verlassen am Ende der Saison das Hamburg-Ballett.

Darunter Alexandre Trusch, einer der Star-Tänzer. Ich kann das immer gar nicht so beurteilen, aber ich vertraue da der Expertise unserer Kolleginnen und Kollegen aus der Kultur. Also ich maße mir auch nicht an, das zu bewerten, wer jetzt gut, schlecht oder besonders brillant tanzt, aber... Ich glaube, dieser Moment, wo man noch sagt, ja klar, es gibt einen personellen Wechsel, das ist bei einer Zeitung, das ist beim Fußballverein eigentlich überall so.

Da gehen halt einige Menschen dann auch mit, weil sie sagen, jetzt beginnt was Neues und ich habe nochmal Lust, mich anders auszuprobieren. Aber aus diesem Stadium sind wir lange raus, weil jetzt ja wirklich auch in aller Öffentlichkeit Vorwürfe erhoben werden, inzwischen ja auch wirklich teilweise eher abschneidende Dinge erzählt werden, wo man sich wirklich wundert oder sich die Frage stellt, wie groß ist am Ende der Kollateralschaden für dieses ja hoch anerkannte Hamburg-Ballett.

Die Vorwürfe richten sich gegen den Nachfolger von John Neumer, Demis Volpi, den neuen Intendanten, muss man auch sagen, der ist schon etwas länger Intendant und jetzt kommt das hoch. Die Vorwürfe sind unter anderem, er ist nicht genug bei den Proben da, er ist gar nicht genug innerhalb Hamburgs, es ist irgendwie alles nicht transparent, es gibt ein Klima der Angst.

Das kam zunächst von innen, jetzt kommt noch dazu aus Düsseldorf Kritik von seiner früheren. Das ist sehr, sehr schräg, dass plötzlich Kritiker von der alten Wirkungsstätte sich zu Wort melden, um den Konflikt in Hamburg weiter anzuheizen. Und da steht sich jetzt ja die Frage, wir waren beide zusammen am Mittwoch bei dem 75.

Überseetag und da kam auf mich ein entrüstetes Mitglied der Freunde des Hamburg-Balletts zu und sagte, was schreibt ihr da eigentlich, habt ihr sie noch alle, seht ihr denn nicht, dass das eine fiese Intrige ist und das ist ja die große Frage. Sind das Vorwürfe, die man ernst nehmen muss oder ist es eine Intrige, weil, und da ging das immer weiter, da will jemand anders diesen Posten haben, da ging es sogar so weit, ja, Alexandre Trusch, der möchte gern sozusagen der Nachfolger von John Neumann werden. Also kann man sagen, was es ist?

Also das fände ich jetzt anmaßend, das müssen wirklich die Insider, die ganz, ganz nah dran sind am Hamburg-Ballett, glaube ich sagen. Die es auch nicht sagen können, interessanterweise. Ja, die es auch nicht sagen können. Was ich halt, muss ich sagen, wirklich zunehmend befremdlich finde, ist, dass es da also einen Brand gibt, der sich zu einem Flächenbrand auszuweiten droht.

Und ich so ein bisschen das Gefühl habe, der Kultursenator, den man ja sonst zu Recht auch dafür lobt, dass er alles so wunderbar an der Hand hält, gerade bei diesem Konflikt, zumindest in der Öffentlichkeit, noch nicht aufgetaucht ist. Und man muss es ja auch ein bisschen in der Meta-Ebene denken. Du hast es vorhin selber gesagt.

Wir haben einen der besten Balletts dieser Welt in Hamburg. dann haben wir ja auch noch ein Konzept, das beste Opernhaus in Hamburg auch für dieses Ballett zu bauen. Nur wenn wir zwischendurch dieses Ballett verlustig gehen, weil sich gerade quasi alles in Rauch auflöst, dann stellt sich natürlich auch die Frage, was ist eigentlich mit dieser Rieseninvestition?

Also das finde ich hat noch eine Dimension, die inzwischen weit über das übliche, Wir haben Streit in einem künstlerischen Ensemble hinausgeht und dann droht halt am Ende die Stadt wirklich richtig beschädigt zu werden. Und ich weiß nicht, ob alle schon diese Dimension erkannt haben, aber weil du das so schön darstellst, dass man beim Überseetag überhaupt über das Hamburg-Ballett spricht, war ja bis...

Diesen Mittwoch völlig undenkbar. Da hatte man Wirtschaft, Wirtschaft, Wirtschaft und vielleicht noch ein bisschen Sport als Thema. Aber das war vorher nie, auch nur ansatzweise, etwas, was die Menschen umtreibt. Und jetzt hört man, was ist da los? Und die Strategie des Senates, des Kultursenators scheint ja zu sein, das möglichst flach zu halten, in der Hoffnung, das erledigt sich und die Strategie ist wohl auch, egal was ist, wir bleiben bei diesem Intendanten.

Was man dann ja auch für das CapMoney aus anderen Zusammenhängen, na klar, wenn du jetzt einmal den Intendanten auswechselst, dann wissen die Tänzerinnen und Tänzer, dann wissen alle Beteiligten, aha, es geht also, man muss nur, insofern kann eigentlich Carsten Broster überhaupt jetzt da etwas tun. Naja, zumindest müsste er versuchen, was schwer genug ist.

Also man kann natürlich auch schlecht irgendwelche Düsseldorfer koordinieren, die dann irgendwie noch von der Seitenlinie aufs Spielfeld schießen. Aber vielleicht verlangt es jetzt eine Geste, um auch mal klar zu machen, wohin die Reise geht. Im Augenblick hat man das Gefühl, es brennt, aber die Feuerwehr ist noch nicht da und wäre schon schön, wenn die Feuerwehr zumindest mal vorführe.

Noch eine Frage stellt sich natürlich, wenn so jemand wie John Neumeier, eine Legende, nach 51 Jahren geht, ob es dann vernünftig ist, den durch einen einzelnen Menschen zu ersetzen oder angesichts der vielen Themen, die da auftauchen, du hast es auch gesagt, bis hin zur neuen Oper, um die sich so ein Intendant ja auch gemusst, ob es nicht klüger wäre, und ich habe nachgelesen, dass es andere Ballettcompanies so gemacht haben, das mit zwei oder drei Mann zu machen und dann das zu verteilen.

Ist natürlich auch dann das Eingeständnis nach außen, das was vorher war, war so groß, das können wir nie wieder erreichen. Also da finde ich erstmal plausibel auch zu sagen, wir bauen jetzt einen neuen Star auf und natürlich ist es immer eine Umbruchphase. Man kann nicht erwarten, dass nach 51 Jahren, im 52.

Jahr, es sofort allen genauso gut gefällt wie vorher. Es gibt auch welche, die das jetzt besser finden. Also es ist natürlich schon schwierig, aber der Gegenwind ist jetzt so massiv geworden, dass ich mir momentan nicht so recht vorstellen kann, wie man da unbeschädigt rauskommen will. Und du hast es gesagt, interessant ist natürlich auch, wir sehen das ja an den Zahlen, wie viele Menschen diese Texte lesen, wie großes Interesse auf einmal am Hamburg-Ballett ist. Und ich habe gestern gedacht, wie emotional es dann auch auf einmal dazu geht.

Also auch das scheint ja ein Zeichen dafür zu sein, dass es auf der einen Seite diejenigen gibt, die sagen, das ist ganz klar eine Intrige. Da will jemand sozusagen den jetzigen Intendanten weg loswerden, vielleicht auch aus eigenem Interesse. Und die anderen sagen, nein, das sind schwerwiegende Vorwürfe, denen man nachgehen muss.

Und wir werden uns vielleicht, wir werden uns mit Sicherheit weiter damit beschäftigen. Thema Nummer zwei ist ein interessantes Thema. Hamburg ist ja seit vier Jahren Exzellenz-Uni, glaube ich, ungefähr. Schon länger. Schon länger, ne? Also Hamburg ist Exzellenz-Uni, stolz darauf. Hat vier sogenannte, nein, so lange ist es nicht.

Doch da gab es die erste Vergabe, wo Hamburg, glaube ich, siegreich war. Also es war noch Siegfried Lenz. Siegfried Lenz, ja, ja. Dieter Lenz, der Präsident, war noch Präsident der Uni Hamburg. Egal, in der nächsten Woche fällt die Entscheidung. Hamburg bewirbt sich um diesen Exzellenzstatus mit sechs sogenannten Clustern.

Das ist zum Beispiel die Klimaforschung, das ist aber auch zum Beispiel alte Schriften und so. Und man ist in Hamburg, ich weiß nicht, ob du das auch mitkriegst, ob du auch da schon Gespräche geführt hast, ziemlich aufgeregt, weil sicher ist wohl... Nicht alle sechs Cluster werden Exzellenzstatus bekommen.

Das wäre ein Riesensensatz. Man befürchtet sogar, dass von den bisher bestehenden vier Clustern eines, und das ist ganz interessant, nicht diesen Exzellenzstatus kriegt, nämlich das Klimacluster. Offensichtlich war das schon bei der Vergabe, bei der vorherigen Vergabe umstritten. Wichtig ist natürlich für Hamburg insgesamt diesen Exzellenzstatus zu erhalten.

Also da groß ist und ganz interessant, wer vertritt Hamburg da nochmal auf politischer Seite? Und die Wissenschaftssenatoren. Ja, und wer ist das? Das ist nicht mehr Katharina Fegebank, sondern das wird jetzt Frau Blumenthal. Eben nicht. Das ist das Interessante. Katharina Fegebank fährt sozusagen noch einmal dahin.

Und da habe ich mich jetzt auch gelernt, das sagen ja viele aus der Wissenschaft auch, habe ich auch gelernt, okay, die hat bei der Vergabe vor vielen Jahren, wir wissen nicht wie viel, ich würde sagen vier, wir liefern es nach, hat bei der Vergabe damals einen entscheidenden Ausschlag gegeben. Und jetzt kommt es nämlich, dass damals sozusagen über Katharina Fegebank in diesen Runden gesagt wurde, ist das wirklich eine Politikerin oder ist das in Klammern eine von uns, also eine Wissenschaftlerin.

Da steht also sozusagen die letzte ganz große Bewährungsprobe für Katharina Fegebank jetzt noch aus, um eben Hamburg diesen Exzellenzstatus in möglichst vielen Clustern zu erhalten. Dazu passt, du googelst gerade, wann die Exzellenzentscheidung war. Ja, das tue ich gerade wirklich. Freut mich, deshalb erzähl ich so lange.

Dazu passt eine exklusive Nachricht, die wir in der vergangenen Woche im Abendland hatten und auch darüber müssen wir mal sprechen. Wir hatten den Chef des UKE, des Universitätsklinikums Eppendorf zu Gast, der uns verraten hat, dass das UKE im vergangenen Jahr etwas über 50 Millionen Euro Verlust gemacht hat.

Und eigentlich sollten es sogar 60 Millionen werden, da ist man also drunter geblieben, aber jetzt kommt es, etwa sechs Jahre wird das UKE brauchen, um wieder schwarze Zahlen zu schreiben. Und dann habe ich ihn natürlich gefragt, ob das an der Krankenversorgung liegt und dann sagte er, nein, die Krankenversorgung ist nicht das Problem, das Problem sind die Kosten für die Instandsetzung der Infrastruktur.

So, und jetzt kommen wir zu einem interessanten Punkt und darüber müssen wir mal sprechen. Weißt du, wer per Gesetz für die Kosten der Infrastruktur von Krankenhäusern zuständig und verantwortlich ist? Du stellst mir eine schwere Frage. Es ist immer das Land oder die Stadt. Das heißt, die Stadt Hamburg müsste eigentlich zu 100% die Kosten tragen, die für Infrastrukturmaßnahmen an Krankenhäusern entstehen.

Und jetzt kommt das Verrückte, sie tut es einfach nicht. Das wäre so, als wenn du jetzt sagen würdest, vielen Dank für deine Einkommenssteuererklärung, ich selber möchte aber nur 80% bezahlen. Schöne Idee. Und das ist ja etwas, das fand ich interessant, weil es immer auch ein Vorwurf war, der von Asklepios, von den Asklepios-Kliniken kam.

Die sagten, die Stadt kommt ihren Verpflichtungen hin nach und jetzt sagt der UKE-Chef das ganz, ganz offen und sagt, ich verstehe ja. Dass der Finanzsenator Andreas Dressel Geld sparen will, um in Hamburg die Schulden abzubauen. Aber wenn alle sich an ihre Pflichten halten würden, hätten wir als UKE kein finanzielles Problem. Und da muss ich sagen, bin ich so ein bisschen sprachlos.

Ja, dieses Thema Krankenhausfinanzierung ist ja eines, was uns schon in der Stadt seit wirklich 20 Jahren umtreibt. Das war ja auch damals einer der Gründe, weil die Krankenhäuser als fast ohne Boden galten, weshalb die Regierung damals unter Ole von Beust anfing, die Krankenhäuser zu privatisieren. Und das, was wir jetzt im UKE erleben, das ist ja ganz lustig, lange Zeit war das UKE ja so ein bisschen unser Vorzeigeklinikum, Während es politische Streitigkeiten gab um Asklepios, um die Privatisierung des Landesbetriebs Krankenhauses, wie das früher hieß.

War ja am UKE lange Zeit noch alles gut. Das hat sich jetzt so ein bisschen gedreht und ich habe es ja auch gelesen, das hat mich schon auch wirklich überrascht. Denn lange Zeit hatte man ja den Eindruck, man könne dort am UKE Spitzenmedizin mit Spitzenzahlen verbinden. Das ist aber leider Geschichte. Und das Interessante ist, das hat ja auch erklärt, warum war das in den vergangenen Jahren so?

Weil ungefähr vor 15 Jahren im UKE wesentliche Häuser saniert wurden und man dann diese Instandhaltungskosten nicht hatte. Jetzt kommen diese Instandhaltungskosten wieder. Und weil die Stadt sozusagen die Kosten dafür nicht trägt, es wird immer absurder, schreibt das UKE Verluste. Aber wer muss diese Verluste ausgleichen?

Die Stadt. Und da muss ich sagen, das verstehe ich nicht ganz, gerade an einer Stadt, die sich als Wissenschaftsmetropole sehen möchte, dass man dann letztendlich sozusagen die entscheidende Klinik da so mehr oder weniger im Regen stehen lässt. Das ist natürlich eine schwierige Debatte. Interessant ist ja, der Neubau damals des UKE war ja meines Wissens der letzte Bau in Hamburg, der letzte öffentliche Bau in Hamburg, der im Zeit- und im Kostenrahmen liegt.

Seitdem wissen wir, dass alles ungefähr eher zehnmal so teuer wird und zehnmal so lange dauert. Das hat damals noch geklappt. Das war natürlich auch unter Jörg Debertin, dem damaligen UKE-Chef, der da auch eine harte Hand führte. Und wir haben uns wahrscheinlich auch so ein bisschen, weil das lange sehr, sehr gut lief, auch so einlullen lassen.

Natürlich haben wir auch durch Dinge, die jetzt nicht alleine die Stadt auch am Ende verantworten kann, wie zum Beispiel die sehr, sehr hohe Lohnerhöhung, die wir alle auch wollten. Dieses sehr, sehr fein austarierte System, das Gesundheitssystem auch so ein bisschen aus dem Lot gebracht. Und hier stellt sich wieder die Frage, wenn man die Zahlen des UKE sieht und die Zahlen von Asklepios, ob nicht doch die Privatisierung am Ende des Tages zumindest als Steuerzahler interessanter ist.

Asklepios hat ja das vergangene Jahr mit einem Plus, ich glaube es war ziemlich genau dasselbe, 60, 70 Millionen Euro abgeschlossen, wovon die Stadt dann ja immer profitiert, weil die Stadt ja zu 25 Prozent an Asklepios, also an den Hamburger Kliniken beteiligt ist. Das heißt, die Stadt bekommt dann sogar Geld. Und spart Geld bei den Investitionen. Und spart Geld.

Und das ist ja irgendwie so ein bisschen, finde ich, so ein bisschen fast schon frech. Weil wenn du und ich das machen würden, wenn wir gegen geltendes Recht verstoßen würden, würden wir, glaube ich, ganz schön Ärger kriegen. Und die Stadt macht das einfach. Und am Ende weder Asklepios noch das UKE, wobei das war jetzt für den UKE-Chef schon eine klare Ansage.

Aber so richtig gehen sie natürlich nicht dagegen vor, weil sie wissen, ohne die Stadt geht hier halt gar nichts. Das ist der Punkt. Die sind aufeinander angewiesen. Und das ist dann manchmal auch eine Position der Stärke. Aber am Ende des Tages, irgendeiner wird diese Verluste tragen müssen. Und dieser irgendeiner sind am Ende wir, nämlich die Steuerzahler. So ist es.

Wir ziehen Punkt 4 mal vor Punkt 3, weil mit dem HSV kann man gut, glaube ich, am Ende rausgehen aus diesem Podcast. Hast du die Regierungserklärung von deinem neuen Lieblingskanzler Friedrich Merz denn verfolgt? Ich habe gar keinen Lieblingskanzler. Ja, ich habe sie gehört und... Ich muss sagen, ich war jetzt nicht so überrascht, wie viele andere politische Beobachter.

Ich weiß nicht, was die gedacht haben, dass er jetzt als neuer Kanzler im weiteren Wahlkampf und Bierzeltreden hält. Das war natürlich irgendwie eine etwas skurrile Annahme. Nein, er hat versucht, alle zu umarmen, auf alle zuzugehen. Und verdammt nochmal, das ist auch seine Pflicht als Kanzler. Also, dass er sich erstmal wohlwollend gegenüber seinen Vorgängern äußert, fand ich ganz angenehm, aber auch angebracht, dass er versucht hat, auch Andersdenkende, er hat ja am Ende des Tages auch eine Koalition, die ja automatisch aus Andersdenkenden besteht, weil sie erstreckt sich ja vom linken SPD-Flügel zum rechten CSU-Rand.

Da kann man schon sagen, da haben wir schon 80 Prozent des politischen Spektrums locker mit drin. Auf die ist er zugegangen und ja, er hat sich so ein bisschen als versöhnlicher Kanzler präsentiert. Das ist die Rolle, die er, wenn er sein Ziel erreichen will, das fand ich eigentlich die stärkste, die mutigste, aber vielleicht auch die gefährlichste Aussage.

Er hat ja gesagt, er will spätestens im Sommer die Stimmung schon gedreht haben. Nun gucke ich raus, sehe, dass es schon relativ sommerlich ist. Fühlt sich schon an wie Sommer. Geben wir ihm noch zwei, drei Monate und natürlich kann man dann das alte Spielchen wieder spielen. Das ist so, immer wenn man konkrete Zeitangaben macht, Fing damals schon bei Ronald Schill an, er wollte die Kriminalität in 100 Tagen halbieren.

Olaf Scholz wollte 10.000 Wohnungen bauen, hat er auch geschafft. Dann nicht mehr als Kanzler, da wollte er 400.000 bauen, da ist der Krachen gescheitert. Also wenn man so konkrete Angaben macht, dann kann man ihn darauf festnageln. Und da bin ich mal gespannt, ob die nächste Stimmungsumfrage im Sommer schon diesen Turnaround beinhaltet.

Er scheint ja ein bisschen Glück zu haben, weil zumindest sind das die volkswirtschaftlichen Frühindikatoren, die ich mir immer noch so als alter Wirtschaftsredakteur immer gerne angucke. Die zeigen ja, dass es wirklich langsam in den grünen Bereich dreht. Und das wird bis Sommer, wenn dem so bleibt, auch bei den Leuten ankommen.

Dass Olaf Scholz geklatscht hat. Ich habe gedacht, der klatscht jetzt, weil er sich denkt, der redet ja genauso wie ich. Also es war ja so eine, sagen wir mal, du hast es ja nett umschrieben. Wenn ich jetzt ein bisschen böser sage, sage ich, das war jetzt nicht die beste Rede von Friedrich Merz. Er hat viel abgelesen, er hat kaum Emotionen da reingebracht.

Es war viel klein, klein, viele Details. Und ich habe so gedacht, weißt du, wenn das die gleiche Rede Olaf Scholz vorgelesen hätte, hätten alle gesagt, was für ein typischer Scholz. Und dann sah ich Scholz im Fernsehen, der klatschte und dachte, naja, der klatscht jetzt nicht, weil er klatschen muss, sondern der klatscht, weil das, was er da hört, etwas ist, was er selber hätte sagen können, was auch viele Dinge davon, hat auch die Ampel schon so oder ähnlich angekündigt und da war ich jetzt so ein bisschen enttäuscht, verstehe aber natürlich, was du sagst, dass der Friedrich Merz natürlich nicht jeden Tag sagen kann, weil das hat er einen Tag vorher gesagt, Leute, wir müssen mehr arbeiten, das mit Work-Life-Balance ist totaler Quatsch, vier Tage Woche könnt ihr euch

abschminken, das war glaube ich genau einen Tag vorher. in irgendeinem Interview. Trotzdem habe ich so gedacht, für so eine erste Regierungserklärung, Hätte ich mir jetzt ein bisschen mehr Aufbruch und ein bisschen mehr so die größeren Linien, da war ja einiges dabei, wir müssen den Menschen mehr vertrauen, das fand ich gut.

Ich fand auch stark am Ende, wie er gesagt hat, natürlich ist Deutschland ein Einwanderungsland und ohne Einwanderung geht es. Das muss man ja auch sehen, also es wird ja immer gesagt, er ist so ein Politiker der 90er Jahre und in den 90er Jahren hat das die CDU natürlich knallhart in Abrede gestellt.

Beziehungsweise sogar die These vertreten, Helmut Kohl, Deutschland ist kein Einwanderungsland. Und zwar ganz klar und als dann Rot-Grün die Weichen, Gottlob, Richtung Einwanderungsland stellte, hatte sich eine Oppositionsführerin namens Angela Merkel damals noch mit Händen und Füßen dagegen gewehrt.

Das ist schon ganz interessant. Also er hat gezeigt, ich glaube, das war eine Rede. Ja, sie war jetzt nicht das rhetorische Feuerwerk. Und sie war auch keine, wie ich sagte, Bierzeltrede. Also links ist vorbei, war das auch nicht. Sein Versprechen aus der letzten Wahlkampfnacht. Aber es war ein Angebot an das Land.

Und das wird er auch brauchen, wenn die CDU hat 30 Prozent. Da kann er sich auch nicht hinstellen breitbeinig und sagen, jetzt machen wir nur noch CDU-Politik. er muss am Ende die Mehrheit der Leute hinter sich bekommen. Und das schafft er eher, wenn er spricht wie Olaf Scholz, als wenn er spricht wie Friedrich Merz im Wahlkampf.

Wobei ich dazu sage, Olaf Scholz hat ja oft das Richtige gesagt. Er hat ja manchmal auch einfach es rhetorisch nicht auf die Gleise bekommen. Das ist übrigens das, was mir jetzt auch auffällt am Rande, dass natürlich die Art und Weise, wie Friedrich Merz auftritt, Wenn er lacht, wenn er offen ist, wenn er einen offenen Blick hat, natürlich gleich ein ganz anderes Gefühl vermittelt als dieser immer sehr kontrollierte Olaf Scholz.

Was mir auffällt, Stichwort Einwanderung, ich habe jetzt in den vergangenen Tagen mit drei Unternehmern gesprochen und unterschiedlich groß. Christian Gerloff, der Chef vom UKE, sagt, ohne die ausländischen Ärzte und Pfleger könnten wir den Betrieb im UKE nicht aufrechterhalten. Der Erdbeerkönig, also der Erdbeerhof, sagt, ich habe unter den Erntehelfern überhaupt keinen einzigen Deutschen. Klar, die haben alle Rücken.

Seit Jahren habe ich keinen einzigen Deutschen, die kommen zur Hälfte aus Polen, die kommen zur Hälfte aus der Ukraine. Und dann hatte ich neulich ein Gespräch mit Carsten Werner, das ist der Inhaber des Hotels Strandgut in St. Peter-Ording, der mir erzählte, dass sie da oben an der Nordsee so einen Zusammenschluss von Gastronomen haben, die sich ihre Servicekräfte aus Vietnam holen.

Weil sie sagen, sonst können wir hier bestimmte Dienstleistungen gar nicht mehr anbieten. Und dann kommt hinzu, dass Andrea Nahles in Hamburg neulich mal gesagt hat, dass der Zuwachs an Sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten in Deutschland in den vergangenen Jahren eigentlich nur noch durch Zuzug kam.

Das ist ja auch demografisch keine Sensation. Wenn du siehst, dass also die Zahl der Autochonen, also der einheimischen Deutschen immer weiter sinkt, dann kann natürlich das Arbeitskräfteangebot auch schlechterdings nicht wachsen. Aber ja klar, also deshalb, wie ich eben sagte, war das schon vor 25 Jahren richtig und ist heute noch richtiger denn je.

Was wir halt nicht begreifen ist, dass wir Einwanderung und Asylproblematik nicht trennscharf angehen. Wir tun so, als ob die, die ins Land wollen, alle Flüchtlinge sind. Was natürlich Unsinn ist, weil viele von denen hätten sie legale Wege nach Deutschland wahrscheinlich sich ganz normal bewerben würden.

Auf der anderen Seite haben wir dann aber ein so üppiges Sozialsystem und muss man auch sagen eine durch institutionelle Gruppen aufgebaute Struktur für Flüchtlinge, die auch was Bevormundenes hat und die auch dazu führt, dass diese Leute uns gerade nicht da, wo wir die großen Defizite haben, uns weiterhelfen oft.

Dass wir also jetzt in Vietnam noch Leute on top quasi anwerben müssen, zeigt natürlich, dass wir mit der Migration über Asyl in den letzten Jahren, in den letzten zehn Jahren zwar Millionen ins Land geholt haben, aber sich viele immer noch schwer tun, im Arbeitsmarkt anzukommen. Das wäre auch interessant, mal bei dem Enno Glanz zu fragen, wenn er sagte, die Hälfte meiner Leute sind aus der Ukraine, aber offensichtlich sind das nicht die Geflohenen. Die kommen tatsächlich dann hierher. Also auch das geklärt.

Letztes Thema natürlich nochmal unser Sonderthema. Unser Sonderthema übrigens vielen Dank für die, natürlich die zweite Folge hat dank des HSV glaube ich viele, viele tausend Hörerinnen und Hörer gehabt, worüber wir uns dann natürlich auch freuen. Zwei Themen muss man vielleicht kurz besprechen. Das eine ist dieser Hype, also das Hype um den Rasen im Volksparkstadion, wo, wenn man ganz ehrlich ist, all die Leute, die jetzt Tornetze, Torstangen, Rasen, eigentlich ist das böse Sachbeschädigung, aber interessiert keinen.

Auch ich habe zu Hause im Garten jetzt ein Stück Volksparkrasen liegen. Und man kann nur davor warnen, weil das ging ja auch sofort los, dass auf Ebay dann Leute so Rasen für 1000 Euro anbieten. Volksparkstadion Rasen. Erstens kann man ganz normal dahin gehen, glaube ich, und sich den mehr oder weniger holen.

Nur falls macht man schnell einen Kindergeburtstag, geht er auch. Und zweitens weiß ja keiner, ob es wirklich der Rasen ist. Und drittens kann es auch sein, dass er schnell vertrocknet. Ja, wobei, ich finde das ganz interessant. Also ich gucke ja, du weißt das mit der braun-weißen Distanz auf diesen ganzen Zauber.

Also als Fan des FC St. Pauli. Weil es zu distanziert ist, aber mit dieser Geschichte, die Tore, die Trainerbänke, sogar die großen Schilder, wo man also sich quasi auf welcher Tribüne man sich befindet, dass die Leute alles mitgehen lassen hat vor roundabout zehn Jahren, als Düsseldorf gegen Hertha BSC spielte.

Gab es eine Empörungswelle noch im Land? Wie kann man so bescheuert sein, noch den Elfmeterpunkt, da ist ja einer mit dem Elfmeterpunkt erwischt worden in der U-Bahn. Ich glaube, den hat man sogar vor Gericht gestellt. Da muss man auch sagen, ja, ist vielleicht ein bisschen übertrieben. Aber inzwischen ist das voll anerkannt.

Das liegt, glaube ich, auch ein bisschen daran, dass wir unsere Feiern heute einfach ganz anders inszenieren, als das vor 10, 20, vor der Zeit war, als wir alles Instagrammable gemacht haben. Und inzwischen ist jede Party ja nur eine gute Party, wenn es gute Bilder von uns gibt. Und deshalb, glaube ich, gibt es auch diesen riesen Hype um jeden Feieranlass.

Ich sage ganz ehrlich, ich habe mir schon die Frage gestellt, Freunde, der HSV war mal der Dino, der war Europapokalsieger, der ist jetzt in die erste Liga wieder aufgestiegen. Übrigens immer noch in Gefahr mit dem schlechtesten Ergebnis aller Zweitligamannschaften. Das geht nur nicht, wenn er morgen, also er muss morgen. Wenn er gewinnt hat, hat er Nürnberg überholt, die vor 21 Jahren.

Mit 61 Punkten. Mensch, du bist ja richtig im Punktefilm. Also ich finde es interessant, wie man da so ausflippen kann. Aber da hat auch hier unser Sportkollege zu mir gesagt, jetzt hab dich mal nicht so. Du bist vor einem Jahr auch völlig ausgeflippt. Das ist wahrscheinlich immer eine Frage des Betrachters.

Und ich kenne viele, die vielleicht nicht so nah beim HSV sind, die wirklich den Kopf schütteln. Und ich kenne auch ganz viele HSV-Fans, einer sitzt mir hier gegenüber, die immer noch in der nur der HSV-Party-Party-Laune irgendwie vor sich hin prudeln. Aber es hat jetzt nicht auch was Gutes, dass die Hamburger, denen immer nachgesagt wird, die sind so kühl und langweilig und so, dass die so durchdrehen bei einem, muss man ja sagen.

Verhältnismäßig, ja es ist ein schöner Erfolg, aber es ist am Ende, Wir haben schon mal drüber gesprochen, der Aufstieg von der zweiten in die erste Liga. Es ist nicht die Champions League, es ist nicht die deutsche Meisterschaft. Und jetzt wird ja, das finde ich ja so irre, also es wird ja damit gerechnet, dass am Montag, wenn die Party ist, Montagabend, dass da bis zu 120.000 Leute kommen.

Und dann fährt der HSV, die stehen ja nicht nur auf dem Rathausbalkon, sondern die fahren offensichtlich in so offenen Bussen, vielleicht zweimal um die Binnenalster, damit die Leute sich auch alle sehen können. Und dann denkt man sich ja, einerseits denkt man natürlich, es ist völlig übertrieben, aber ist nicht genau das, was sich ganz charmant an den Hamburger findet, weil ehrlich gesagt neigten die Hamburger immer in gewisser Weise zum Größenwahn und das tun sie jetzt, also das war dieser hanseartische Understatement, war eigentlich immer zu sagen.

Der Bürgermeister gestern erzählte dann, wie toll Hamburg ist und leitet das ein mit dem Satz, so viel Hansa-Artisches an das Statement muss sein und dann erzählt er, dass Hamburg die tollste Stadt und alles mögliche ist. Aber eigentlich finde ich das, in dem Fall jetzt, weil es auch so lustig ist, ganz charmant, dass die Hamburger bei so einem im Verhältnis nichtigen Anlass so ausflippen und so sehr ihre Liebe zu dieser Stadt zeigen.

Also wie gesagt, ich glaube, mit der HSV-Brille stimme ich dir 100% zu. Man findet es super cool, dass die Hamburger so aus sich rausgehen können. Wenn ich diese Brille absetze und ich versetze mich einfach rein, du machst irgendwie im Stadtpark ein Fußballspiel und jedes Tor, was du schießt, feierst du überschwänglich, indem du jeden umarmst.

Denkst du am Anfang, die sind ja ganz lustig und irgendwann denkst du dir, die sind aber ganz schön peinlich. Und ich weiß nicht, wie das auf den Rest der Republik wirkt. Wenn die Hamburger komplett durchdrehen, weil der HSV es geschafft hat. 16 oder 17 Mannschaften hinter sich zu lassen und nach sieben Jahren wieder aufzusteigen.

Ich finde, da haben wir beim letzten Mal darüber gesprochen, der HSV hat diese zweite Liga wunderbar genutzt, um neue Sympathien zu gewinnen. Die hatten vorher keinen guten Ruf, den haben sie jetzt. Und ich kann mir vorstellen, dass zumindest bei Fußballfans anderer Mannschaften der Eindruck entsteht, jetzt ticken sie wieder durch. Und das wäre eigentlich schade.

Ja, da ist was. Wenn ich das überlege gerade, wenn man so von draußen drauf guckt, nehmen wir mal an, so jemand aus Hoffenheim oder aus Kaiserslautern. Guck mal einfach in die Mannschaften, die es vielleicht nicht geschafft hat. Oder auch die Bayern, wenn du denkst, guckst. Also am Ende wird wahrscheinlich Hamburg den Aufstieg in die zweite Liga viel größer feiern als bei München die 35., 36.

Deutsche Meisterschaft. Ja, und es ist halt so, also es ist ein bisschen wie das Wahlkampfbild, weißt du, als die Grünen ihr Wahlergebnis eingeblendet bekommen haben nach der Prognose und alle in Jubel ausbrachen und wir uns anguckten und sagten, die haben doch 6% verloren. Ja. Ist halt auch die Innensicht, hurra, das Ergebnis ist viel besser, als wir gedacht haben.

Die Außensicht aber, was spinnen die jetzt? Warum jubeln die denn über diese Verschlechterung? Und da muss man, glaube ich, immer die Innen- und die Außensicht gemeinsam im Blick haben, weil ich fremdele immer noch damit, wenn man nichts Großartiges geleistet hat, dann muss man sich auch nicht großartig feiern lassen.

Aber das mag jetzt auch der Gedanke eines alten weißen Mannes sein. Wie war es vor einem Jahr? Da ist ja der FC St. Pauli auch aufgestiegen, die haben auch im Rathaus gefährt. Danach in der Hanse-Lounge interessanterweise. Auf den ersten Blick passt das gar nicht zum FC St. Pauli, wenn man nicht weiß, dass der Inhaber der Hanse-Lounge ein großer St. Pauli-Fan ist.

Wenn damals 100.000 Leute gekommen wären, wäre es dasselbe gewesen? Wir waren ja damals auf dem Kiez und da war ja dann auch die Balkonszene beim Schmitz. Schmitz-Zeebelüben. Genau. Und auch da hatte ich schon ein bisschen den Eindruck, es geht auch darum, dass diese 40.000 oder 60.000, die damals da waren, sich natürlich auch ein bisschen selber feiern.

Die Sonne schien, es war Pfingstmontag, es gab viel Bier. Das ist halt auch ein Party-Event. Aber das ist ja das Schöne, guck mal, die Hamburger können das. Denk mal an 2006, Sommermärchen. Und jetzt denkt man, guck mal, diese Hamburger, diese verknöcherten Hamburger, die sich da sieben Jahre in der zweiten Liga blamiert haben.

Boah, und jetzt geben die mal richtig Gas. Vielleicht, wir gucken... Vielleicht müsste man eine Umfrage machen. Also es kann sein, dass es einige so sehen, andere werden es anders sehen. Sommermärchen war ja schon noch ein bisschen was anderes, weil da war man Gastgeber und hat irgendwie wirklich ein Fest auch ja denen gegenüber zelebriert, die zu Gast waren.

Jetzt hat man sich schon selbst gefeiert, genau wie vor einem Jahr sich da der FC St. Pauli gefeiert hat. Das ist vielleicht noch ein kleiner Unterschied, aber so nun denn, ich finde auch, also man sollte jetzt auch nicht zu lange zu viel rummeckern. Wenn man mal was zu feiern hat, Herrgott, dann feiern wir halt, aber irgendwann muss man vielleicht auch mal wieder sehen, dass es genug gefeiert wurde und muss sich jetzt der Herausforderung stellen, in Liga 1 zu bleiben.

Mal sehen, ob das dann auch gefeiert wird, wenn das gelingt. Und wir gucken uns das nächste Woche an, wie das war. Wir danken euch für euer heutiges Interesse. Nächste Woche, wenn jetzt nichts Großartiges dazwischenkommt, gibt es die nächste Folge am Freitag. Wenn irgendwas Tolles passiert, gibt es natürlich wie immer eine Sonderfolge von 0 für 0 streng vertraulich.

Tschüss. Sagst du auch noch Tschüss, Matthias? Tschüss. Ein Podcast von Funke. Weitere Podcasts vom Hamburger Abendplatz finden Sie in unserer Abendblatt-Podcast-App und auf abendblatt.de slash podcast.

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