
5-Minuten-Talk – wir haben ja nicht ewig Zeit· Folge 351
Dr. Linnemanns erste Sprechstunde
Mittwoch, 23. September 2026 · 5 min
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Shownotes
„Schuster bleib bei deinen Leisten“ – Mit diesen Worten hatte Carsten Linnemann, damals CDU-Generalsekretär, einmal erklärt, warum er, der studierte Volkswirt, gänzlich ungeeignet sei für den Posten des Bundesgesundheitsministers. Seit Friedrich Merz infolge von Jens Spahns Leihmutter-Affäre im Juli das Kabinett umbilden musste, ist Linnemann nun trotzdem Bundesminister für Gesundheit.
Hat er die Fachbegriffe inzwischen drauf? Und was wird zur Zukunft der privaten Krankenversicherung sagen? Das werden die Bundestagsabgeordneten heute vom Jung-Minister wissen wollen, denn Linnemann muss sich heute der Regierungsbefragung stellen. Besteht er die Prüfung? Und welche bittere Pille wird er mitbringen? Darüber diskutieren die stern-Politikchefs Veit Medick und Jan Rosenkranz.
+++Anregungen, Wünsche, Kritik? Dann schreibt Veit Medick und Jan Rosenkranz eine Mail an 5mt@stern.de+++
+++Redaktion und Produktion: Veit Medick, Jan Rosenkranz, Isa von Heyl und Lara Asmann+++
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Fünf-Minuten-Talk, wir haben ja nicht ewig Zeit. Mein Name ist Jan Rosenkranz. Und ich bin Veit Medik. Veit, heute ist ein großer Tag für Carsten Linnemann. Der ist übrigens nicht mehr CDU-Generalsekretär, wie viele ja nicht wissen. Der ist längst seit der Kabinettsumbildung im Sommer Bundesgesundheitsminister.
Siehste, ich hätte gedacht, ich müsste dich jetzt daran erinnern. Aber gut, du hast das tatsächlich auf dem Schirm. Hätte ich gar nicht gedacht. Ja, weißt du, was heute passiert mit ihm? Nee. Befragung, Regierungsbefragung im Bundestag. Und wer ist dran? Richtig, der Gesundheitsminister. Ah, das wird natürlich schon spannend.
Also die erste Frage, die ich ja so habe, ist so, ist er eigentlich happy in seinem neuen Amt? Weil er ist ja eigentlich so ein Christdemokrat mit Leib und Seele und als Generalsekretär, das war ja so ein bisschen wie gemacht eigentlich für ihn. Er war so entschieden, so ein bisschen unglücklich, klar, ist ja auch ein bisschen nervige Position, immer so schimpfende Christdemokraten am Telefon zu haben und so weiter.
Aber trotzdem, jetzt hat man den Eindruck, er buddelt sich schon ganz schön ein in seinem neuen Ministerium. Deswegen bin ich sehr gespannt darauf, ihn zu erleben. Ob da diese Lebhaftigkeit, die ihm ja ausmacht, manche sagen, er ist manchmal ein bisschen zu lebhaft, ob die auch als Minister noch sichtbar ist.
So, denn nur mal ganz kurz, wir erinnern uns alle, das war ja der lustige Nebenaspekt, dass er selbst, als er im, vergangenen Jahr eben bei der Kabinettspostenvergabe leer ausging, ihm sagt, der müsste da auch gar nichts machen, wäre ja auch ulkig, wenn er jetzt einfach beispielsweise Gesundheitsminister würde. Das ist er jetzt.
Und da wäre er ja eigentlich gar nicht für geeignet, so sagte er damals. Und jetzt ist er es doch und musste sich da einbuddeln. Ich hatte die letzten Wochen, glaube ich, viel mit Vokabeln lernen zugebracht. So Morbi, RSA, Risikostrukturausgleich. Weißt du, wie es lang heißt übrigens? Der Morbiditätsorientierte Risikostrukturausgleich. Du warst ja auch mal der Gesundheitsexperte des Sternen. Bin praktisch Staatssekretär eigentlich da lange gewesen. Eigentlich Gesundheitsminister auch des Sternen.
Jedenfalls das eigentlich Interessante, glaube ich, worauf ich achten würde, ich würde Ihnen nämlich folgende Frage stellen. Die kriegt der morgen garantiert. Nachdem der Bundeskanzler ja am Montag in der PK nach den Wahlen, muss man ja auch mal sagen, so nebenbei fallen gelassen hat, dass mit der Gerechtigkeitsfrage, da hätten die Leute hier schon auch Probleme in diesem Land, haben die Wahlergebnisse ja gezeigt.
Und deswegen glaube er, das mache sich auch deutlich an der Frage GKV, PKV, also gesetzliche Krankenkasse, private Krankenversicherung und da müssen wir schon was unternehmen. Ja, also jetzt im Linnemann-Spirit könnte man ja sagen, einfach mal machen. Das wäre doch mal eine echte Reform auf jeden Fall.
Das wäre eine maximale Reform. Höhere Arbeit. Linnemann soll wohl ziemlich überrascht gewesen sein von diesem kleinen, spontanen Vorstoß Bundeskanzlers. Ja, war nicht abgesprochen, so heißt es. Deswegen gehe ich jetzt erstmal nicht davon aus, dass er sagt, es ist eine gute Idee, wird in drei Monaten der Gesetzentwurf vorliegen, sondern es ist ja jetzt auch so ein bisschen allgemein der Talk auch im Kanzleramt.
Also das hat er ja gar nicht gefordert, der Bundeskanzler. Er hat ja nur mal in den Raum gestellt, dass es da ein Gerechtigkeitsdefizit gibt und so weiter. Ich glaube trotzdem, Carsten Linnemann wird sich überlegen müssen. Wo er eine Reform noch anstößt, die seine Vorgängerin Nina Wagen noch nicht gemacht hat.
Weil er kann ja jetzt nicht einfach so das übernehmen, was Frau Wagen gemacht hat, sondern es braucht einen eigenen Akzent. Und Linnemann ist immer für einen eigenen Akzent. Ich meine, du kennst ihn auch. Klar. Er ist so ein bisschen hibbelig und so, genau. Also da wird irgendwas kommen. Ich könnte mir vorstellen, man muss ja nicht gleich die PKV abschaffen.
Das wünschen sich zwar manche und gerade in der Sozialdemokratie ist der Wunsch natürlich sehr verbreitet. Da will man ja, wie wir alle wissen, die Bürgerversicherung. Also heißt, alle sollen in eine gesetzliche große Kasse einzahlen und nicht mehr diese Trennung, damit am Ende eben auch alle gleiche Leistung bekommen und alle gleich behandelt werden.
Man kann den Rest ja dann beispielsweise privat aufstocken, das war so ein bisschen die Idee und damit nicht eine Vollversicherung privat machen, sondern nur so Zusatzversicherung. Ich glaube aber, er könnte was machen und zwar vielleicht irgendein Instrument entwickeln, das verhindert, dass du als Privatversicherter so bevorzugt wirst und damit aus Sicht der gesetzlichen Versicherten eben so benachteiligt wirst, bei der Terminvergabe.
Wir kennen ja alle diese Portale, Dr. Lippe, wie die heißen, wo man eingeben kann, ich besuche jetzt einen Orthopäden oder. Herzchirurgen oder was weiß ich, was man da so sucht, wenn man gleich einen Spezialisten will und dann gibt man mal an, privat oder gesetzlich und wie sich da die Terminangebote doch deutlich verändern, je nachdem was man da eingeklickt hat, das macht maximal schlechte Laune.
Ich meine, das wäre natürlich ein sehr sozialdemokratisches Programm, wenn du so willst. Die Bürgerversicherung, die Angleichung im System, das ist immer schon ein Herzensanliegen der SPD gewesen. Und wäre natürlich überraschend, wenn jetzt ausgerechnet Carsten Linnemann, der früher CDU-Generalsekretär, das anstoßen würde.
Ich würde es aber noch nicht mal hundertprozentig ausschließen, weil er ist eben jetzt ja auch nicht mehr CDU-Generalsekretär. Er ist jetzt in seinem Element, wenn du so willst. Er darf Reformen auch selbstständig anstoßen. Und erinnere dich an das Sprichwort, only Nixon could go to China. Also vielleicht ist nur ein Christdemokrat in der Lage, da eine gewisse Form von neuer Gerechtigkeit herzustellen, weil die stehen nicht in Verdacht, da ein sozialistisches System draus zu machen. Und Gerechtigkeit, das ist ja das Wort der Stunde.