
Akte Rheinland· Staffel 10· Folge 6
Vermisst, getötet, einbetoniert - Der Femizid an Anna
Montag, 13. April 2026 · 42 min
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Shownotes
+++Inhaltswarnung: Wir sprechen in dieser Episode über schwerste Gewalt und über Suizid.+++
In Gimmigen, einem Ortsteil von Bad Neuenahr-Ahrweiler, wird im Juli 2025 die 31-jährige Anna vermisst. Freunde und Familie organisieren eine Suche, das Dorf ist auf den Beinen. Wenige Tage später wird die Frau tot in einem Haus aufgefunden. Die Polizei nimmt den Bewohner des Hauses fest: Es ist Annas getrennt von ihr lebender Ehemann.
Wir rekonstruieren, was über die Tat und die Zeit davor bekannt wird – und was im Prozess vor dem Landgericht Koblenz verhandelt wird. Es geht um eine Trennung, um den Streit um das gemeinsame Kind und um die Frage, wie das Gericht die Tat juristisch einordnet. Das Urteil ist nicht rechtskräftig: Sowohl Staatsanwaltschaft als auch Verteidigung haben Revision eingelegt.
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📍 Standorte:
04.05.26 Möhneplatz Beuel – Uhr
05.05.26 Bad Godesberg Am Fronhof – Uhr
06.05.26 Brüser Berg Edisonallee – Uhr
07.05.26 Duisdorf Am Schickshof – Uhr
08.05.26 Münsterplatz – Uhr
An allen Standorten können sich Interessierte informieren und selber zu Tatortreiniger*innen werden. Vor Ort wird Equipment ausgegeben, das zum Einsammeln von Spuren genutzt werden kann. Wer die „Beweismittel“ abgibt, kann an einer Verlosung von zwei Tickets für „The Jury Experience“ teilnehmen. Bei der Abschlussveranstaltung am Freitag, 8. Mai auf dem Münsterplatz werden dann die „Asservate“ aller Teilnehmenden von 10 bis 16 Uhr in einer großen transparente Säule von RhineCleanUp gesammelt.
Weitere Informationen erhaltet ihr bei instagram.com/bonnorange_de!
Feedback, Themenvorschläge und Fragen an podcast@ga.de oder via Instagram-DM an @akterheinland (instagram.com/akterheinland).
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General-Anzeiger Bonn: ga.de
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Und jetzt Werbung. Und schon sind wir wieder zurück mit einem neuen Fall für Akte Rheinland. Der wirklich erschütternde Fall, von dem ich euch jetzt berichten möchte, ereignet sich in Bonn, im Rheinland und weit über dessen Grenzen hinaus. Und zwar tagtäglich. Unbekannte Täterinnen und Täter hinterlassen ihre Spuren.
Zigarettenkippen. Überall im Bonner Stadtgebiet. Unser heutiger Partner Bonn Orange ermittelt seit Jahren in diesem Fall, ist 365 Tage im Einsatz, um die Tatorte zu reinigen. Und jetzt brauchen sie unsere Unterstützung. In der Kippenwoche vom 4. bis 8. Mai 2026 können alle Bonnerinnen und Bonner bei der Tatortreinigung mithelfen.
Sammelt Beweisstücke und sichert euch damit sogar die Chance auf einen Gewinn. Alle Infos gibt's auf dem Instagram-Kanal von Bonn Orange und natürlich auch bei uns in den Shownotes. Werbung Ende. Bad Neuenahr-Ahrweiler, 19. Juli 2025. An einem warmen Samstag im Juli ist das ganze Dorf Gimmigin auf den Beinen.
Anna ist seit drei Tagen verschwunden. Der Freund der 31-Jährigen hat bereits am Donnerstag eine Vermisstenanzeige aufgegeben. Freunde und Familie organisieren eine private Suche. Währenddessen befragt die Polizei Annas getrennt lebenden Ehemann Markus. Er verstrickt sich in Widersprüche, bis er schließlich sagt, sie brauchen nicht mehr nach Anna zu suchen. Sie ist tot.
Hallo und herzlich willkommen zu einer neuen Episode von Akte Rheinland. Wir sprechen hier an jedem zweiten Montag über Verbrechen und Kriminalfälle aus dem Rheinland, speziell aus dem Raum Bonn. Mein Name ist Anna-Maria Bekes und du bist Ines Bressler. Hallo. Hi. Schön, dass du bei uns bist. Auch wenn der Fall, den wir heute besprechen wollen, wirklich alles andere als schön ist, der hat ein ganzes Dorf in Aufruhr versetzt und natürlich auch weit darüber hinaus für Aufsehen gesorgt.
Schon während der Berichterstattung zum Fall und zum Prozess, der dann folgte, hat ja ganz viele unserer Leserinnen und Leser bewegt, übrigens auch viele unserer Hörerinnen und Hörer. Ihr habt nämlich ganz oft nach diesem Fall schon gefragt und deshalb haben wir uns entschieden, da jetzt so kurz nach dem Urteil schon eine Folge zuzumachen.
Ines, du hast den Fall ja von Anfang an tatsächlich begleitet und verfolgt. Du warst auch beim Prozess dabei vor dem Landgericht Koblenz. Kannst du uns kurz erzählen, wie das alles losging? Das ging ja quasi, ganz zu Beginn war das ja eigentlich wie so oft ein Vermisstenfall. Genau, richtig. Eine 31-jährige Frau wurde seit dem 7. Juli 2025 einem Donnerstag vermisst.
An dem Tag hatte schon ihr Freund bei der Polizei eine Vermisstenmeldung aufgegeben. Und an dem Sonntag darauf teilte die Polizei dann mit, dass die Frau tot in einem Haus aufgefunden wurde. Zuvor war, das haben wir ganz zu Beginn schon gehört von Martin, quasi das ganze Dorf auf den Beinen gewesen, sind auf der Suche nach dieser vermissten Frau.
Freunde und Familie hatten diese private Suchaktion quasi organisiert, ne? Genau, dazu muss man sagen, Gimming ist ein Stadtteil von Bad Neuenahr-Ahrweiler. Das war früher eine eigenständige Gemeinde. Das ist wirklich eine Hauptstraße und ein paar Nebenstraßen. Da kennt man sich. Da gibt es, glaube ich, auch noch so eine Dorfgemeinschaft.
Also haben quasi dann wirklich fast alle zusammen gesucht. Und in unserem ersten Artikel zu diesem Fall wird nun also berichtet, dass diese vermisste Frau tot aufgefunden worden ist. Und die Polizei gibt auch bekannt, dass sie dem Bewohner des Hauses, in dem die Leiche gefunden wurde, festgenommen hat.
Genau, ein 31-jähriger Mann, der, so heißt es zunächst, Zitat, dem persönlichen Umfeld des Opfers zugeordnet wird. Er gilt als dringend tatverdächtig, die Frau getötet zu haben und soll noch an diesem Sonntag dem Haftrichter vorgeführt werden. Stimmt, im Nachhinein wird allerdings einiges klar, wenn man sich den ersten Bericht nochmal anguckt.
Da heißt es, dass Beamte einer Mordkommission vor Ort waren, außerdem Beamte der KTU, also der kriminaltechnischen Untersuchung. Also das ist im Grunde die Spurensicherung, ne? Genau. Außerdem war eine sogenannte technische Einsatzeinheit im Einsatz und ein Kollege von uns konnte beobachten, dass einer der Männer bei dem Einsatz einen Gehörschutz trug.
Was darauf hindeutet, dass da schweres Gerät zum Einsatz kommen musste. Ja, und heute wissen wir auch, warum das nötig war. Nämlich, weil der Täter sein Opfer im Haus einbetoniert hatte. Und der Beton musste aufgebrochen werden, um an die Tote zu kommen. Ja, das ist ein besonders schreckliches Detail, dieses rundum schrecklichen Falls.
Lass uns mal erklären, wer der Täter oder der da mutmaßliche Täter ist. Denn ja, das war ja ziemlich schnell klar. Das stimmt. Wir nennen den 31 Jahre alten Mann hier Markus. Wir haben den Namen geändert, weil wir Persönlichkeitsrechte auch des Täters ernst nehmen. Das gilt selbstverständlich auch und erst recht für das Opfer.
Und trotzdem nennen wir heute ausnahmsweise ihren echten Vornamen Anna. Der Grund ist, dass der Name schon in den Medien und sozialen Netzwerken sofort bekannt war, weil, wie gesagt, Freunde und Familie intensiv nach Anna suchten und auch Suchaufrufe im Internet teilten. Und eben bei dem Bekanntwerden ihres Todes offensiv mit dem Namen in die Öffentlichkeit ging.
Ja, deshalb und auch weil Anna, wie ich sagen kann, kein gerade seltener Name ist, nennen wir diesen Namen, also hier ausnahmsweise. Anna und Markus waren verheiratet, die lebten aber seit rund anderthalb Jahren getrennt. Und zu diesem Zeitpunkt, so sagen die Ermittler, wenige Tage nach dem Pfund der Leiche lockt Markus seine noch Ehefrau unter einem Vorwand in das Haus.
Tötet sie mit 17 Messerstichen und betoniert die Leiche anschließend in der Garage ein. Die Staatsanwaltschaft Koblenz leitet ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdacht des Mordes ein und am Dienstag nach der Tat, also dem 22. Juli, wird Annas Leiche obduziert. Die Staatsanwaltschaft teilt mit, dass sie infolge scharfer Gewaltbeibringungen in Form von Stich- und Schnittverletzungen an Kopf, Hals und Rumpf starb.
Im Januar 2026 beginnt dann schließlich der Prozess gegen Markus vor dem Landgericht Koblenz. Die Anklage wirft ihm Mord aus Heimtücke, Habgier und niedrigen Beweggründen vor. Du warst ja an fast allen Verhandlungstagen im Gericht, auch beim Prozessauftakt am 20. Januar. Was hast du denn im Gerichtssaal über diese Tat erfahren?
Also erstmal war mir als Laien sogar relativ schnell klar, warum das Gericht hier von Heimtücke ausgeht. Denn Markus soll die Tat akribisch vorbereitet und Anna in eine Situation gebracht haben, in der sie sich nicht wehren und auch nicht fliehen konnten. Du spielst jetzt auf diese Grube an, die er vorher ausgehoben haben muss, ne? Genau, das auch.
Nach Ansicht der Staatsanwaltschaft hat er die schon rund anderthalb Wochen vor der Tat ausgehoben und er soll Wasser in diese Grube gefüllt haben und die seiner neuen Freundin, die nennen wir hier Julia, gezeigt haben und gesagt haben, schau mal, es gibt einen Wasserrohrbruch. Und auch seinem Vater hat er wohl von diesem vermeintlichen Wasserrohrbruch erzählt. Also um quasi schon vorzubauen nach dem Motto, deshalb habe ich jetzt hier betoniert sozusagen.
Die neue Freundin, müssen wir dazu sagen, die wohnt jetzt mit ihm in diesem Haus, in dem er quasi vor der Trennung mit Anna gewohnt hat. Die Anklage geht jetzt also davon aus, dass Markus das alles mit dem Ziel getan hat, seine Frau zu töten und dort zu verstecken. Ja, da kann man sagen, das steckt einiges an Planung drin. Aber das war ja noch nicht alles.
Nee, bei weitem nicht. Einige Tage vor der Tat soll er einen Streit mit Julia, seiner neuen Freundin, vom Zaun gebrochen haben, damit sie ein paar Tage zu ihren Eltern zieht und er dann eben keine Zeugin im Haus hat. Außerdem hat er im Hausflur, dem späteren Tatort, schon Malervlies ausgelegt, um möglichst wenig Spuren zu hinterlassen und dann die Reinigung nach der Tötung zu erleichtern.
Und dann soll Markus mehrfach versucht haben, Anna unter verschiedenen Vorwänden ins Haus zu locken. Ja, und das war gar nicht so leicht für ihn, denn Anna wollte nach der Trennung am liebsten so wenig wie möglich Kontakt zu ihm haben, außer wenn es jetzt um den gemeinsamen Sohn ging. Genau. Er sprach zuerst von einer bedeutenden Änderung, die er am Telefon nicht mit ihr besprechen könnte.
Und sie insistierte aber auf ein Telefonat und dann stellte er sich bei WhatsApp auf Stumm und tat so, als sei das Mikro seines Telefons kaputt, um sie eben dazu zu bringen, zu ihm nach Hause zu kommen. Ein anderes Mal hieß es, der kleine Sohn hätte ein Bild gemalt, das er unbedingt der Mutter zeigen wollte.
Also er hat sehr genau geplant, aber wie gesagt, Anna ist da erstmal nicht drauf eingegangen. Wissen wir denn, warum sie dann am Tag der Tat doch persönlich bei ihm vorbeigeschaut hat? Das wurde nicht so richtig im Prozess klar. Man weiß, sie war am Vortag schon mit ihrem neuen Freund am Haus gewesen.
Da haben sie eine Vollmacht für den Reisepass des kleinen Sohnes in den Briefkasten geworfen. Und damals sah sie schon, also am Vortag sah sie schon das Malervlies im Hausflur liegen. und hat dann auch mit ihrem neuen Freund gescherzt, ach, das ist bestimmt die große Veränderung, von der er spricht, dass er die Wände streichen will.
Ja, also nachweislich lag dieses Maler-Fleece da offenbar schon am 16. Juli an dem Tag vor der Tat. Genau, und am nächsten Tag, so sagte ihr Freund vor Gericht aus, wollte Anna sich zuerst um die Wohnung kümmern ein bisschen, sie hätte frei und dann doch zu Markus fahren, um sich mal anzuhören, was er zu sagen hat.
Und ihr Freund soll noch gesagt haben, Nimm das Gespräch wenigstens auf, wenn du zu ihm gehst. Aber eher so im Hinblick auf den Rechtsstreit, auf den Streit des Scheidungsverfahrens. Also weder der neue Freund noch Anna selbst haben da irgendwie im Ansatz geahnt, was da passieren würde. Was dann passiert ist, ist folgendes. Im Flur soll Markus dann mit einem Fleischermesser aus einem Messerblock in der Küche auf Anna losgegangen sein.
Er stach insgesamt 17 Mal zu, fügte ihr dabei zwei tödliche Stiche zu, einen ins Herz und einen in den Hals. Das hat die gerichtsmedizinische Untersuchung ergeben. und danach wickelte er die Leiche in dieses Malervlies ein, brachte sie in die Garage und detonierte sie ein. Später hat er dann noch Blutspritzer im Flur, die da offensichtlich doch nicht zu vermeiden waren, mit weißer Farbe übermalt.
Genau, und dazu passte auch Julias Aussage als Zeugin gut. Die kamen abends nach Hause und im Flur waren die Jacken von der Garderobe genommen und es roch nach frischer Farbe. Ja, Julia, also der neuen Freundin gegenüber, hat Markus ja sogar ein Geständnis abgelegt. Das stimmt, das hat sie vor Gericht ausgesagt. Sie sagte, ihr Freund sei dann abends aus dem Kinderzimmer gekommen und habe völlig fertig ausgesehen.
Und dann zu ihr gesagt, es ist was passiert, was sich dazu bringen wird, die Beziehung zu beenden. Und dann sagt er zuerst, Anna wird nicht wiederkommen. Und das verstand sie nicht so richtig. Und irgendwann sagt er dann, Anna ist nicht mehr am Leben. Und er behauptete dann, Anna sei reingekommen, habe ihn angeschrien, habe gesagt, sie wollte ihn zerstören, der Sohn bekommt jetzt einen Ersatzpapper und sie habe geschlagen und getreten, bis er so wütend war über die Trennung, dass er das Messer aus dem Küchenblock gezogen habe und dann erst wieder zu sich gekommen sei, als sie schon tot war.
Das Gericht hat das ein relativierendes Geständnis genannt. Das ist eigentlich ziemlich klar, was damit gemeint ist. Also er hat offenbar versucht, zu diesem Zeitpunkt schon seine Tat irgendwie zu rechtfertigen, zu relativieren. Und für meine Begriffe hat er auch schon da versucht, irgendwie seiner Ex so ein bisschen die Schuld dafür zu geben, dass er dann ausgerastet ist.
Genau, er versuchte, das als Affekt tat darzustellen. Und Julia sagte auch aus, er habe bei einem Gefängnisbesuch erzählt, Er habe seiner Anwältin gesagt, was passiert sei und er werde ein paar Jahre wegen Totschlags bekommen. Also er hat da offensichtlich schon so ein bisschen juristisch in Anführungsstrichen vorgebaut, um da auf Totschlag, damit es auf Totschlag hinausläuft und nicht auf Mord.
Und was ich da ehrlich gesagt ganz besonders schlimm fand, Julia, die Freundin, hat auch berichtet, Markus hätte sich bei ihr über Rückenschmerzen beklagt, weil Annas toter Körper so schwer gewesen sei. Den musste er ja tragen. Der Vollständigkeit halber gegen Julia liefen auch zwei Ermittlungsverfahren, weil sie ja Mitwisserin war.
Darauf gehen wir hier aber jetzt nicht genauer ein. Die wurden wegen Geringfügigkeit der Schuld eingestellt und sind für den Fall nicht weiter relevant. Genau. Und was die Angehörigen und viele, die den Prozess verfolgt haben, so schockiert hat, ist, dass er eben Anna nach der Tötung in die Grube, in die Garage gelegt hat, mit Aushub bedeckt, dann mit dem Schnellbeton und erst zwei Tage später, als das trocken war, die Fläche verfließt hat, als der kleine Sohn, der kleine gemeinsame, fährige Sohn dabei war.
Also das ist wirklich unfassbar. Ein Polizist hat vor Gericht ja auch gesagt, als die da auf der Suche waren nach der Vermissten, hätte ihnen das stutzig gemacht. Das ganze Dorf sucht eben nach dieser Frau, die ja auch immer noch seine Frau ist und die Mutter seines Kindes. Und er fließt da die Garage.
Bei der Polizei soll er dann sogar von einer Vater-Sohn-Aktion gesprochen haben. Genau, und da kannst du dir vorstellen, dass ein Rauen durch den Gerichtssaal ging, weil es wirklich so makaber ist. Absolut. Ja, auch über Anna, über das Opfer hat man im Prozess einiges erfahren. Welches Bild ist da entstanden? Wie würdest du sie beschreiben nach dem, was du gehört hast?
Also erstmal war das Interesse wirklich groß. Das ist ja häufig bei Mordfällen, aber an fast wirklich jedem Tag. Ich war ja bis auf einen Prozestag jeden Tag da. Da waren die Zuschauerreihen voll. Wir haben das auch online gemerkt und dann fielen Rückmeldungen auf unsere Berichte, dass eben sehr großes Interesse da war.
Und ich glaube, das lag auch daran, dass Anna gut vernetzt und beliebt war. In Gimmingen, wo sie starb und auch in ihrem Heimatort im Rhein-Sieg-Kreis, auf den wir jetzt nicht näher eingehen. Ja, den nennen wir nicht, um da eben die Persönlichkeitsrechte zu wahren. Genau, und mein Eindruck ist, dass sie eine junge, lebensfrohe Frau war, die offenbar auch in ihrem Heimatort und in ihrem neuen Zuhause eingebunden war, gerne Karneval feierte.
Im Prozess kam raus, dass sie vieles, gerade in der Kommunikation mit Markus, nach der Trennung schriftlich festhielt. Also auch so sorgfältig irgendwie war. Und beruflich hat sie wohl zurückgesteckt, um sich um den kleinen Sohn zu kümmern. Und sie war auch sehr in der Familie ihres Mannes eingebunden, zumindest bis zur Trennung.
Und der Bruder des Angeklagten sagte, Markus habe das so erlebt, dass die Familie ihm in den Rücken falle, wenn sie weiterhin Kontakt zu Anna hält. Deshalb haben die sich dann wohl auch eher zurückgezogen. und auf die Frage, was für eine Mutter Anna gewesen sei, antwortete Markus' Bruder, eine fürsorgliche Liebevollheit.
Also auch die Familie des Täters hat hier nur gute Worte für sie gehabt offensichtlich. Ich finde, das führt nochmal vor Augen, wie weitreichend so eine Tat wirklich ist. Vor allem eben auch für diesen kleinen Sohn, der ist jetzt fünf Jahre alt. Natürlich auch für Annas Eltern, Verwandte, Freunde, ihren neuen Partner.
Das kann man sich kaum vorstellen. Ja, natürlich hat gerade das Schicksal des Kindes viele Menschen bewegt. Das merkt man schon im Saal und auch in Gesprächen am Rand. Der Junge war zum Tatzeitpunkt vier. Das ist alt genug, da stellen Kinder schon Fragen. Aber du kannst ihnen nicht erklären, was passiert ist. Also wie erklärst du kindgerecht, warum die beiden Elternteile jetzt nicht mehr da sind?
Ja, also ein Vierjähriger, der ist ja nicht zu klein, um das mitzukriegen. Der, wie du schon sagst, der stellt Fragen, der erinnert sich an Dinge, die er beobachtet. Der spürt natürlich auch, dass irgendwas nicht stimmt. Und ich glaube, für die Angehörigen ist das doppelt schwer nochmal. Die müssen dieses Kind auffangen und begleiten und haben natürlich mit ihrer eigenen Trauer auch zu tun.
Ja, also wirklich kann man sich kaum vorstellen. Und deshalb finde ich es umso bemerkenswerter, dass beide Familien sich offenbar gemeinsam um den Sohn kümmern. Im Prozess sagte Markus Brude, dass der Junge gerade bei ihm und seiner Familie sei und der Anwalt von Annas Eltern sagt mir dann nochmal, dass sich beide Familien gemeinsam um das Kind kümmern.
Also das zeigt wirklich, wie weit so eine Tat in den Alltag hineinwirkt. Ich finde, das ist tatsächlich sehr ungewöhnlich, dass die das so hinkriegen. Denn nicht nur Annas Familie, ja auch natürlich Markus' Familie, also auch das Täterumfeld, die Täterangehörigen, die müssen mit dieser schrecklichen Tat umgehen jetzt.
Ja, und das ist mir nochmal im Prozess sehr deutlich geworden, wie man sich selbst und sein eigenes Urteilsvermögen wahrscheinlich in Frage stellt. wenn jemand, der dir nahe ist, sowas tut, mit dem du ja nicht rechnest. Und sowohl Julia, also die neue Freundin, als auch Markus, bis dahin bester Freund, sagten vor Gericht, sie fragen sich im Nachhinein, ob sie manipuliert wurden. Von Markus.
Ja, lass uns Markus den Täter doch nochmal genauer anschauen. Der Angeklagte wollte ja nicht mit einem psychiatrischen Gutachter sprechen. Also er hat sich nicht explorieren lassen sozusagen. Aus dem Gutachten, das aber erstellt wurde, ging dann hervor, dass keine schwere seelische Störung vorliegt, keine Intelligenzminderung, also auch kein Grund für eine geringere Schuldfähigkeit. Er war voll schuldfähig.
Welchen Eindruck hattest du von ihm im Prozess? Also erst mal glaube ich, dass mein Eindruck jetzt im Nachhinein auch durch das Urteil eingefärbt ist ein bisschen. Aber ich weiß noch, dass ich beim Prozessauftakt dachte, der ist auffällig, unauffällig. Also wirklich jemand, den nun vielleicht gar nicht wahrnehmen würdest, wenn er dir auf der Straße begegnen würde. Aller Welt Typ.
Und am Beginn des Verfahrens war er 31 und wirkte solide eingebunden. Er hatte einen festen Job als Chemikant, er soll regelmäßige wöchentliche Familienessen gegeben haben. Und dann im Verlauf von Aussagen von der Freundin, dem Freund, dem Bruder, auch der Therapeutin und auch dem Gutachten, setzte sich Stück für Stück ein Bild zusammen von jemandem, der schon an seiner Familie hing.
Und auch eher ein reflektierter Mann war. Aus meiner Sicht legt das zumindest die Psychotherapie bei einer Heilpraktikerin nahe. Ja, da kommen wir ja gleich nochmal drauf. Genau. Und gleichzeitig sagte sein bester Freund, die hätten eigentlich kaum über Gefühle gesprochen. Und seine Biografie, wie ich gerade schon gesagt habe, wirkte eher geradlinig.
Normale Schullaufbahn, Ausbildung zum Chemikanten, feste Arbeit, war am Ort verwurzelt, lebte mit Anna im Haus, das sie von den Großeltern gekauft hatten. Der Bruder und Cousin wohnten in der Nähe. Und auch eben sein Bruder zeichnete das Bild von einer Familie, die sich häufig sieht. Markus und Anna heirateten im September 2019 und anderthalb Jahre später kam der Sohn zur Welt.
Also das ist im Jahr 2021 dann, das war auch das Jahr der Flut im Ahrtal. Markus war davon zwar nicht direkt betroffen, aber die Auswirkungen spielten im Prozess dann trotzdem eine Rolle, oder? Offenbar war der Betrieb, in dem er arbeitete, stark betroffen. Und Zeugen sagten, dass danach bei der Arbeit Chaos herrschte, dass es für ihn schlechter lief, er zunehmend frustriert war und dann auch immer häufiger krank wurde und Migräne hatte.
Das hat sich dann auch auf die Beziehung ausgewirkt? So wurde es geschildert. Der Bruder sagte, Markus habe öfter bei Familienfeiern gefehlt, weil er Migräne hatte. Und er zog sich wohl auch aus dem Familienleben mit Anna zurück, sodass er nicht mehr der Vater und der Ehemann war, den sie brauchte, den sie sich gewünscht hätte, bis es dann Anfang 24 zur Trennung kam.
Und vorher waren beide eben bei der besagten Paartherapeutin, einer Heilpraktikerin für Psychotherapie gewesen. Die sagte vor Gericht aus, die beiden kamen, weil sie ihre Ehe in Gefahr sahen. Und in Einzelgesprächen kam dann aber raus, Anna wollte sich trennen, sie liebte ihn nicht mehr. Sie hatte das Gefühl, die haben sich auseinandergelebt, aber Markus wollte noch an der Beziehung festhalten.
Laut seiner neuen Freundin, Julia, kam die Trennung für ihn plötzlich. Was ja oft bei Männern so ist. Ja, die beiden lebten da, wie gesagt, schon länger getrennt, hatten Anfang 2025 dann die Scheidung eingereicht, also zum Zeitpunkt des Todes, sage ich jetzt. Und beide hatten, wie gesagt, neue Partner oder Partnerinnen.
Staatsanwaltschaft und Nebenklage, Annas Eltern sind als Nebenkläger in diesem Prozess aufgetreten, hatten dennoch den Eindruck, der hat nicht abgeschlossen mit dieser Beziehung. Obwohl er eben jetzt mit einer neuen Frau, mit einer anderen Frau zusammen ist, konnte er aus deren Sicht mit der Beziehung nicht abschließen.
Und die Staatsanwaltschaft warf ihm deshalb dann auch vor, aus niedrigen Beweggründen gehandelt zu haben. Also ja, aus verschmähter Liebe wurde das genannt. Das hat das Gericht, das können wir schon mal verwecknehmen, am Ende dann nicht festgestellt. Da gehen wir später noch drauf ein. Aber kommen wir doch mal zu seiner neuen Beziehung.
Die hat er im Mai 2024 kennengelernt. Wohlgemerkt, ein paar Monate erst nach der Trennung, ne? Das stimmt, ja. Ja. Wie es auch ja nicht so selten der Fall ist. Und sie war über Frau und Kind im Bild und wirkte auch in allem, was sie so gesagt hat vor Gericht, eher solidarisch mit Anna. Also ich glaube, sie war auch da um Harmonie und ein gutes Verhältnis bemüht.
Und im Oktober 24 zog sie bei ihm ein, in dieses Haus der Großeltern eben. Und ab Frühjahr 25 wollten die beiden eine eigene Familie gründen. Aber Voraussetzung für Julia war, dass Markus den Ehering seiner noch Ehefrau aus der Nachttischschublade nahm, wo er den noch aufbewahrte. Und daraufhin sei er dann stundenlang im Keller verschwunden, dass sie sich schon Sorgen machte.
Und später stellte sich heraus, er hat so eine Art Zeremonie gemacht mit dem Ehering, mit Fotos aus der Ehe, offenbar auch mit Rosenblättern. Und hat Anna davon auch Fotos geschickt und eine längere Nachricht. Also für die Staatsanwaltschaft war das ein Hinweis darauf, dass er eben nicht über Anna hinweg war.
Ich muss sagen, aus Laien-Sicht, ich finde das ganz merkwürdig. Also wenn man jetzt sagen könnte, dass er vielleicht ein bisschen spirituell veranlagt ist, okay. Aber ihr dann Fotos davon zu schicken, das finde ich das Komische daran. Warum muss sie das wissen? Guter Punkt. Ja, die Verteidigung und später auch das Gericht, die Strafkammer sahen das aber anders.
Genau. Gerichtssicherheit war eine kurze, skurrile Situation, als die Verteidigerin aus der Brigitte der Frauenzeitschrift zitierte, zum Stichwort conscious uncoupling. Das meint eine respektvolle, achtsame Trennung. Und sie argumentierte, Markus habe die Beziehung noch mal Revue passieren lassen und sich mit einem lachenden und einem weinenden Auge verabschiedet.
Und diese Deutung hat eigentlich das Gericht im Kern anerkannt. Also noch mal kurz, bei dem kann ich folgen, auch wenn ich das jetzt selber nicht nachvollziehbar finde. Aber warum schickt man ihr davon Bilder? Für mich ist das hochmanipulativ und ein guter Punkt. Es gibt ja auch so Tipps, dass du Sachen verbrennen sollst oder so für dich selber als Prozess.
Aber genau in dem Moment, in dem du wieder in Kommunikation trittst, hat es sehr nach außen gerichtet von ihm. Im Prozess ist ja auch irgendwie, trotzdem ist ja dieses Bild geblieben, dass er nicht so richtig drüber wegkommt, oder? Auf jeden Fall. Vor allen Dingen die Aussage von Annas neuem Freund hat dieses Bild gezeichnet.
Markus ging wohl häufiger abends an ihrer Wohnung vorbei spazieren und schrieb ja auch viele Nachrichten und machte den neuen Freund schlecht. Also er sagte aus, dass der Sohn dann auch gesagt hat, der neue Freund ist böse und der Papa braucht meine Unterstützung. Und das sei wohl auch der Grund gewesen, warum Anna das Wechselmodell dann nicht mehr haben wollte. Sie hatte Angst, dass Markus den Jungen manipuliert.
Nachvollziehbar aus meiner Sicht. Also es gab dann einen Antrag auf Änderung des Wechselmodells, also im Normalfall eine Woche bei Mama, die andere Woche bei Papa. Und dieser Antrag hat bei Markus offenbar nochmal was ausgelöst. Genau, ich glaube, das war so ein Schlüsselmoment in der ganzen Geschichte.
Am 18. Juni 25 ging der Antrag auf Änderung des Wechselmodells bei ihm ein. Genau, wie du gerade sagtest, der Sohn war vorher wochenweise bei Mutter und Vater. Und jetzt sollte er nur noch mittwochs nach der Kita und jedes zweite Wochenende bei seinem Vater sein. Und Julia, die neue Freundin, sagte, Markus habe darauf ganz extrem reagiert.
Er hielt das für schlecht fürs Kind und hatte Angst, dass Anna damit durchkommt. Und ab da sei er sehr kühl gewesen, sie habe ihn gar nicht mehr wiedererkannt und sie sagte, ab dem Moment war einfach alles anders. Auch sein bester Freund berichtete, Markus sei sauer und genervt gewesen und wollte das mit seiner Anwälte.
Also erstmal kann ich das natürlich aus einem menschlichen Aspekt heraus total nachvollziehen, dass man gerne mehr Zeit mit dem Kind verbringen möchte. Und ich halte das Wechselmodell auch für das beste Modell, wenn eben alles in Ordnung ist und man sich auch noch versteht. Ich glaube aber schon da merkt man ja im Rückblick, dass das bei ihm so ein bisschen über diese normale Reaktion hinausgeht.
Es ist dann festgestellt worden später, dass er ab diesem Zeitpunkt quasi, also ab Mitte Juni, angefangen hat, sich, Zitat, gedanklich selbst zu korrumpieren. Er hat dann mit Julia, also der neuen Freundin, Darüber gesprochen, Anna Drogen unterzuschieben und sie dann anzuzeigen, damit ihr das Kind weggenommen wird.
Und er hat auch offenbar überlegt, das Kind zu entführen, das eigene Kind. Julia wollte dabei nicht mitmachen. Sie sei eine Partnerin, die zu ihrem Partner steht, hat sie ausgesagt. Aber bei illegalen Sachen sei sie raus. Im Rückblick muss man sagen, das wären natürlich mildere, in Anführungsstrichen, Verbrechen gewesen, als das, was dann in Wirklichkeit passiert ist.
Genau, und auf diesem Punkt ist die Staatsanwaltschaft auch deutlich eingegangen. Und da hieß es, der Markus hätte gedanklich oder hatte gedankliche Alternativen, die zwar kriminell waren, aber deutlich weniger gravierend, weil da wäre zumindest kein Mensch beigestorben. Ja, wir spulen nochmal ganz kurz zurück zum Zeitpunkt kurz nach der Trennung. Das ist April 2024.
Da hat Markus einen Suizidversuch unternommen. Und zwar hat er 400 Milliliter Methanol getrunken und sich dann schlafen gelegt. Dann haben mehrere Zeugen ausgesagt vor Gericht, dass er sich am nächsten Morgen wohl gewundert hätte, dass er noch da ist. Das hat er dann offenbar in eine Familien-WhatsApp-Gruppe geschrieben, woraufhin dann seine Schwägerin den Notarzt rief.
Über Motiv und Einordnung dieses Suizidversuchs, da gab es ja in dem Gerichtsverfahren auch unterschiedliche Sichtweisen, oder? Genau, das Gericht wertete die Menge als ernst gemeinten Suizidversuch, denn Methanol kann ja auch, selbst wenn es sich nicht tötet, zur Erblindung führen. Und der Gutachter sprach von einem demonstrativen bzw.
Appellativen Versuch. Also Appellativ heißt, dass das jetzt nicht nur gegen sich selbst gerichtet war, sondern ja auch als Signal sozusagen an andere, ans Umfeld. Also das heißt jetzt überhaupt nicht automatisch, dass dieser Versuch nicht ernst gemeint war. Und es ist ja ganz klar, objektiv gesehen ist das hochgefährlich, was er da gemacht hat.
Es ist aber wohl definitiv klar, dass Markus hier ein Zeichen setzen wollte. Und auch das ist für mich dann wieder dieses, ich sende nach außen. Also die anderen sollen das sehen sozusagen. Ja, der Gutachter, der wie gesagt ja nicht selbst mit Markus sprechen konnte, weil er sich nicht hat explorieren lassen, diagnostiziert ihm eine Anpassungsstörung bei ehelicher Belastung.
Er schloss eine schwere seelische Störung aus und sagte, Krisen und Suizidalität seien dem menschlichen So-Sein nach gewissen Problemen zuzuordnen. Kurz, Krise ja, aber keine krankhafte Störung, die strafmildernd wirken. Aus psychiatrischer Sicht sei es möglich, dass Markus Kränkung und Enttäuschung nicht hinnehmen konnte und sich nicht von Anna lösen konnte, obwohl es ihm zumutbar gewesen wäre.
Und auch die Migräne, die mehrfach erwähnt wurde, führte eher zu autoaggressiven Verhalten. Also, wenn ich das richtig verstanden habe, soll er sich ja dann nach diesem Suizidversuch erstmal stabilisiert haben. Seine Therapeutin hat dann ausgesagt, er sei aus dieser Depression oder zumindest aus dieser depressiven Phase rausgekommen.
Er hatte dann eine Hochphase. Er wollte zurück ins Leben und es jetzt besser machen, sozusagen. Genau. Und während er wohl danach besser drauf war, es ihm besser ging, war Anna erstmal ein bisschen vorsichtig. Sie hatte Bedenken, ihr Kind allein mit dem Vater zu lassen, auch aus nachvollziehbaren Gründen. und laut der Therapeutin gab es dann Gespräche mit dem Kinderschutzbund und der Lebenshilfe.
Die Gespräche habe Markus als schwierig erlebt, weil die Beraterin angeblich Anna bevorzugt habe. Ja, vermutlich hat sie nicht das gesagt, was er hören wollte. Mutmaße ich. So, jetzt haben wir Sommer 2024 und da haben sich die beiden dann auf dieses Wechselmodell geeinigt. Also das Kind lebt eine Woche bei der Mutter und die nächste Woche beim Vater.
Eigentlich auch praktisch. Und genau, Anna war nämlich um einen guten Umgang bemüht, so kommt es an verschiedenen Stellen im Prozess raus. Sie wollte, das berichtet auch ihr Freund, Kommunikation nur zur Absprache übers Kind. Sie wollte nicht mehr mit ihm zu tun haben, aber was den Sohn anbelangt, war sie eben offen für Kommunikation.
Markus schrieb ihr aber täglich, wovon sie wohl genervt war. Es war von einer Nachrichtenflut die Rede und ihr Freund sagte auch auf Nachfrage des Richters, er habe zwischendurch immer mal die Nachrichten gesehen, Anna hätte ihm zwischendurch welche gezeigt. Der Freund hat auch ausgesagt, dass Markus nach seinem Eindruck regelrecht von Anna besessen war, wortwörtlich, weil er eben auch abends oft an dieser Wohnung vorbeiging.
Die Verteidigung wiederum hat dann dagegen gehalten, das ist ja so ein kleiner Ort und da ist es ja normal, dass man da mal vorbeikommt. Genau, das ist auch die Frage, kann man das vermeiden, dann an der Wohnung vorbeizugehen oder nicht. Aus Sicht des Gerichts aber hat Markus mit der Beziehung abgeschlossen.
Die Staatsanwaltschaft sah das anders. Am 24. Februar 2026 fällt dann das Urteil in diesen Prozess. Generalanzeiger Bonn, 24. Februar 2026. Die Tat hatte er dem Gericht zufolge über Tage vorbereitet. Seine Ehefrau ins Haus gelockt, sie mit 17 Messerstichen getötet und anschließend in der Garage einbetoniert. Die 14.
Kammer des Landgerichts Koblenz hat am Dienstag ihr Urteil verkündet. Der 31-jährige Mann aus Gimmingen muss wegen heimtückischen Mordes lebenslänglich ins Gefängnis. Die Mordmerkmale Habgier und niedrige Beweggründe, die Staatsanwaltschaft und Nebenklage in ihren Plädoyers eingeführt hatten, sah das Gericht nicht als erwiesen an.
Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Staatsanwaltschaft und Verteidigung wollen Rechtsmittel prüfen. Das Gericht hat also entschieden, Mord aus Heimtücke. Staatsanwaltschaft und Nebenklage hatten ja außerdem Habgier und niedrige Beweggründe angeführt. Das hat die Kammer aber dann nicht gesehen. Als vorherrschend im Motivbündel, so wird es genannt, sah das Gericht vor allem die Befürchtung von Markus, dass nach dem Scheitern der Ehe nun auch dieses neue Lebenskonzept, also diese Patchwork-Familie, das Wechselmodell, dass das scheitern könnte.
Und außerdem spielte nach Ansicht der Kammer Verzweiflung eine zentrale Rolle. Etwa wegen der Sorge, der Umgang mit dem Sohn könne sich jetzt zu seinem Nachteil verändern. In der Begründung des Urteils klang dabei auch an, es ging stark um ihn selbst, um dieses neue Lebenskonzept, dem sich aus seiner Sicht irgendwie alles unterzuordnen hatte.
Also er möchte dieses Modell und dann muss alles auch so funktionieren. Es soll ihm aber nicht um finanzielle Vorteile gegangen sein oder um ein klassisches Besitzmotiv, was bei niedrigen Beweggründen eben eine Rolle spielen kann. Genau, das ist auch ganz interessant. Denn nach der Urteilsverkündung sagte Marion Faust, seine Verteidigerin, sie und ihr Mandant hätten das Verfahren als sehr fair empfunden.
Sie hatte allerdings eine zeitlich begrenzte Freiheitsstrafe mit der Verurteilung wegen Totschlags beantragt. Und das hat das Gericht ja anders gesehen. und die Verteidigung machte deutlich, dass die Kammer ihrer Argumentation in vielen Punkten gefolgt sei. Nämlich das Gericht sei auch keine niedrigen Beweggründe, keine Habgier und stellte auch keine besondere Schwere der Schuld fest, wie von der Staatsanwaltschaft gefordert.
Was aber blieb, war eben die Heimtücke und die reicht für eine Verurteilung wegen Mordes aus und damit auch zu einer lebenslänglichen Freiheitsstrafe. Das werde sie prüfen. Ja, ein zentraler Punkt war die Frage nach der möglichen Habgier. Das ist ja ein weiteres Mordmerkmal. Juristisch meint das Gewinnstreben um jeden Preis, also im Extremfall eben bis zu dem Preis, dass jemand dafür sterben muss oder sehr stark geschädigt wird bei versuchtem Mord dann.
Warum hat das Gericht dieses Mordmerkmal jetzt hier nicht angenommen? Das fand ich ganz interessant. Das Gericht sagte, Habgier greift nur, wenn das Gewinnstreben tatbeherrschend ist. Also das Motiv, dass die Tat dominiert. Und diese Dominanz hat die Kammer ausgeschlossen. Er sagte zum Beispiel, in nahezu der gesamten Handy-Auswertung ging es eigentlich nur um den Sohn.
Und die finanziellen Scheidungsfolgen und Geldsorgen spielten eine untergeordnete Rolle. Auch wenn der Täter durch die Trennungs- und Unterhaltszahlung belastet war. War das nicht so im Vordergrund für ihn einfach. Und selbst die Sorge, dass er das Haus seiner Großeltern nicht halten könnte, war nicht ausschlaggebend. Zumal sein Bruder auch angeboten hatte, da finanziell unter die Arme zu greifen.
Ja, das finde ich ehrlich gesagt nachvollziehbar, also dem kann ich folgen. Bei den niedrigen Beweggründen sieht es bei mir jetzt persönlich ein bisschen anders aus. Da hat die Kammer ja betont, dass Wut oder Enttäuschung nicht automatisch reichen, sondern es auf die genaue Einordnung ankommt. Kannst du das nochmal erklären?
Ja, das Gericht hat gesagt, man muss da genau hinschauen. Bei Femiziden, und das hier ist ganz klar ein Femizid, das hat auch die Kammer anerkannt, können niedrige Beweggründe zum Beispiel dann vorlegen, wenn ein Mann eine Frau tötet, weil sie ihn abweist. Und er denkt, wenn ich sie nicht haben kann, soll sie auch kein anderer haben.
Also aus einem Besitzdenken heraus, was das Opfer abwertet. Also was nicht die Person des Opfers anerkennt, sondern sie als Objekt sieht. Der Richter sagte, wenn es bei einer Partnerin Tötung um Wut oder Enttäuschung geht, reicht es nicht automatisch für die Einordnung niedriger Beweggründe. Dann muss geprüft werden, woher diese Gefühle kommen.
Wut und Enttäuschung seien nur dann niedrige Beweggründe, wenn sie aus einem Besitz- oder Abwertungsdenken gespeist werden und dadurch menschlich kaum noch nachvollziehbar seien. Und das war das Gericht hier eben nicht. Das war eher die Verzweiflung darüber, dass das eigene Lebensmodell gescheitert war.
Die Staatsanwaltschaft und Nebenklage, das hast du gerade schon erwähnt, die hatten auch die besondere Schwere der Schuld gefordert. Die bedeutet ja dann im Endeffekt, dass der Täter nicht nach 15 Jahren aus dem Gefängnis gegebenenfalls entlassen werden kann, also keinen Antrag auf Entlassung stellen kann. Das hat die Kammer nicht so gesehen. Was hat das Gericht denn diesbezüglich entschieden?
Da hieß es unter anderem zur Begründung, Spuren zu verwischen und zu versuchen, die Leiche verschwinden zu lassen, auch mit diesem sehr planvollen Vorgehen, seien bei Tötungsdelikten nicht ungewöhnlich. So schwer das auch für die Angehörigen auszuhalten sei, ist das nicht keine besondere Schwere der Schuld, sondern ein planvolles Vorgehen gehört dann eben zum Mord, zum heimtückischen Mord dazu.
Der Vorsitzende Richter hat die Tat ja trotzdem sehr klar eingeordnet. Ja, er sprach von einem Femizid nach gescheiterter Ehe und sagte zugleich, solche Konstellationen kämpfen vor Schwurgerichten relativ häufig viel zu häufig vor. Femizid bezeichnet die vorsätzliche Tötung von Frauen und Mädchen aufgrund ihres Geschlechts oder aufgrund geschlechtsspezifischer Machtstrukturen und Rollenvorstellungen.
In Deutschland existiert Femizid weder als eigener Straftatbestand, noch ist der Begriff anderweitig rechtlich definiert. Tötungsdelikte an Frauen werden strafrechtlich als Mord oder Totschlag verfolgt. In der Mehrzahl der Fälle handelt es sich um Tötungen im Kontext von Partnerschaftsgewalt, insbesondere nach Trennungen.
Das Bundeskriminalamt erfasst Femizide nicht gesondert statistisch, wertet jedoch seit 2015 Partnerschaftsgewalten in der polizeilichen Kriminalstatistik aus. Ja, an dieser Stelle kann ich sagen, das wird vielen Hörerinnen und Hörern ja auch auffallen, dass Femizide leider auch in diesem Podcast einen sehr großen Platz einnehmen.
Wir sprechen immer wieder über solche Taten und tatsächlich, muss man leider sagen, könnten wir hier sogar noch viel mehr Episoden zu Femiziden aufnehmen. Auch das zeigt, wie häufig sie sind, wie häufig sie leider vorkommen. Was ich da auch interessant fand, war das, was der Nebenklageanwalt dir nach den Plädoyers sagte, Das ist Heiner Osterhüß.
Die Anklage und auch die Tatbestandsmerkmale zeigen aus seiner Sicht ja einen fast typischen Fall, wie er mittlerweile häufiger zwischen Eheleuten in Deutschland vorkomme. Eine Ehefrau trennt sich, erstarkt dann und befreit sich sozusagen aus diesen Kontrollmechanismen des Mannes und der Ehemann schafft es nicht, mit dem Kontrollverlust adäquat umzugehen.
Genau, das sagte der Nebenklageanwalt. Und er sagte auch, je mehr Druck Markus auf sich fühlte, desto deutlicher reagierte er. Eben mit dieser Vielzahl von WhatsApp-Nachrichten, aber auch mit der Diffamierung seiner Ehefrau im Freundeskreis, wo er versuchte, sie als schlechte Mutter darzustellen. Und schließlich mit der Tötung.
Und die ist für Osterhus ein Ausdruck davon, dass der Mann keinen anderen Weg mehr sah, um seine Frau zum Schweigen zu bringen und seine eigene Position und Macht wiederherzustellen. Und genau deshalb erzählen wir das ja auch nicht als tragische Ausnahme, denn das ist es nicht. Ein Femizid ist auch kein Beziehungsdrama.
Dahinter stehen Muster wie Kontrolle und Besitzdenken, aber Frauen gehören niemandem. Und auch das Gericht, das diese Tat als Femizid nach gescheiterter Ehe einordnet, hat die Mordmerkmale genau differenziert und das Motiv in einer eher stark auf den Täter bezogenen Logik gesehen. Nämlich in der Angst eben, dass das eigene Lebenskonzept erneut scheitern könnte.
Ja, ich finde das irgendwie erstaunlich, dass der Richter so klar sagt, ja, das ist ein Femizid und die kommen viel zu häufig vor. Aber dann, ich sehe es genauso wie du, dann doch in der Logik eher der Täterlogik folgt. Das mag ja für den Täter logisch sein, für Markus in diesem Fall, aber ich weiß nicht, ob man das nicht tatsächlich als Abwertung ganz klar sehen muss.
Wir werden es erleben, glaube ich, denn rechtskräftig ist dieses Urteil ja noch nicht. Genau, es geht noch weiter. Das hat das Landgericht Koblenz mir auf Nachfrage mitgeteilt, denn sowohl Staatsanwaltschaft als auch Verteidigung werden nach der Urteilsabsetzungsfrist Revision einlegen. Das heißt, es geht dann zum Bundesgerichtshof.
Also wir wissen noch nicht, ob es in diesem Fall vielleicht sogar noch einen weiteren Prozess geben könnte. Wir halten euch natürlich hier auf dem Laufenden. Und wir bedanken uns dafür, dass ihr euch diese Episode angehört oder vielleicht sogar angeschaut habt. Denkt dran, uns zu folgen oder zu abonnieren. Folgt auch unserem Instagram-Kanal at Akte Rheinland.
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Gerne wieder. Gerne wieder, ja. Dann macht's gut. Bis zum nächsten Mal. Tschüss. Das war Akte Rheinland. Der GA-Podcast zu Kriminalfällen aus Bonn und der Region. Akte Rheinland ist eine Produktion der Generalanzeiger Bonn GmbH. Redaktion und Moderation Anna Maria Bekes. Produktionsleitung Andreas Deick.
Mitarbeiter Sabrina Bauer, Simeon Gerling und andere. Sprecher Daniel Dähling, Martin Busch.