Akte Rheinland· Staffel 10· Folge 7

Erschlagen mit dem Salzkristallstein - Ein Cold Case wird gelöst

Montag, 27. April 2026 · 50 min

MP3

Shownotes

+++Inhaltswarnung: Wir sprechen in dieser Episode über schwere Gewalt, sexualisierte Gewalt, Drogenkonsum/Abhängigkeit und psychische Erkrankungen.+++

Im November 2017 wird in Bonn-Beuel der 42-jährige "Malik" tot in seiner Wohnung gefunden. Die Wohnung ist abgeschlossen, Einbruchsspuren gibt es nicht – die Ermittler gehen früh davon aus, dass Täter und Opfer sich gekannt haben müssen.

Jahre später bringt ein DNA-Treffer in einer internationalen Datenbank Bewegung in den Fall. Wir rekonstruieren, was über die Tatnacht und die Vorgeschichte bekannt wird, welche Rolle eine Traumafolgestörung im Prozess spielt – und wie das Landgericht Bonn das Geschehen juristisch einordnet.

Links & Hinweise:

PAUKE / Pauke LIFE (Bonner Suchthilfe) (stiftung-gemeindepsychiatrie.de/pauke)

+++ ANZEIGE+++ Unser Partner, die bonnorange AöR, wirbt mit der Storyline eines ungelösten Kriminalfalls im Vorfeld der Kippen-Woche vom 4. bis 8. Mai. Bonnorange macht auf Umweltschäden durch Zigarettenkippen und die Stadtsauberkeit aufmerksam und ruft zur Teilnahme an der Aktionswoche auf.

📍 Standorte:
04.05.26 Möhneplatz Beuel – Uhr
05.05.26 Bad Godesberg Am Fronhof – Uhr
06.05.26 Brüser Berg Edisonallee – Uhr
07.05.26 Duisdorf Am Schickshof – Uhr
08.05.26 Münsterplatz – Uhr

An allen Standorten können sich Interessierte informieren und selber zu Tatortreiniger*innen werden. Vor Ort wird Equipment ausgegeben, das zum Einsammeln von Spuren genutzt werden kann. Wer die „Beweismittel“ abgibt, kann an einer Verlosung von zwei Tickets für „The Jury Experience“ teilnehmen. Bei der Abschlussveranstaltung am Freitag, 8. Mai auf dem Münsterplatz werden dann die „Asservate“ aller Teilnehmenden von 10 bis 16 Uhr in einer großen transparente Säule von RhineCleanUp gesammelt.

Weitere Informationen erhaltet ihr bei instagram.com/bonnorange_de!
Feedback, Themenvorschläge und Fragen an podcast@ga.de oder via Instagram-DM an @akterheinland (instagram.com/akterheinland).

Unser Podcast zum Fall Michael Winterhoff (cdn.audiorella.com/podcasts/1465-akte-winterho…)

Akte Rheinland bei YouTube (youtube.com/playlist?list=PLKxR-1mH7nhxNVq2lgM…)

General-Anzeiger Bonn: ga.de

Transkriptvom Podcast bereitgestellt · Zeitmarken springen hin

Und schon sind wir wieder zurück mit einem neuen Fall für Akte Rheinland. Der wirklich erschütternde Fall, von dem ich euch jetzt berichten möchte, ereignet sich in Bonn, im Rheinland und weit über dessen Grenzen hinaus. Und zwar tagtäglich. Unbekannte Täterinnen und Täter hinterlassen ihre Spuren. Zigarettenkippen. Überall im Bonner Stadtgebiet. Unser heutiger Partner Bonn Orange ermittelt seit Jahren in diesem Fall, ist 365 Tage im Einsatz, um die Tatorte zu reinigen. Und jetzt brauchen sie unsere Unterstützung.

In der Kippenwoche vom 4. bis 8. Mai 2026 können alle Bonnerinnen und Bonner bei der Tatortreinigung mithelfen. Sammelt Beweisstücke und sichert euch damit sogar die Chance auf einen Gewinn. Alle Infos gibt's auf dem Instagram-Kanal von Bonn Orange und natürlich auch bei uns in den Shownotes. Akte Rheinland Ein Podcast des Bonner Generalanzeigers über wahre Verbrechen.

Bonn, 26. November 2017, früher Nachmittag. In einem ruhigen Wohngebiet in Bonn-Beuel im Ortsteil Limperich steht eine Frau vor der Tür einer Dachgeschosswohnung. Sie hat ihren Sohn seit Tagen nicht erreicht. Immer wieder hat sie versucht anzurufen. Keine Antwort. Sie schließt auf. Die Tür war abgeschlossen.

Drinnen ist es dunkel, die Rollläden sind heruntergelassen. Kein Licht, kein Geräusch. Sie geht ins Schlafzimmer. Auf dem Bett liegt ihr Sohn, beuchlings unter einer orangefarbenen Decke. Er bewegt sich nicht, gibt keinen Laut von sich. Sie spricht ihn an, mehrmals. Er reagiert nicht. Dann zieht sie die Decke weg. Unter dem Stoff ist Blut.

Eine große Lache rund um den Kopf. Sofort ist ihr klar, ihr Sohn ist tot. Hallo, da sind wir wieder mit einer neuen Episode von Akte Rheinland. Wir sprechen hier an jedem zweiten Montag über Verbrechen und Kriminalfälle aus dem Rheinland, vor allem aus dem Raum Bonn. Mein Name ist Anna-Maria Bekes und heute habe ich mir wieder meine Kollegin Marie Schneider eingeladen, um mit mir einen Fall zu besprechen.

Ja, hallo, vielen Dank für die Einladung. Nochmal. Immer gerne. Ja, ihr wisst ja, seit einiger Zeit gibt es uns nicht ausschließlich zum Hören, sondern bei Spotify und YouTube auch als Videopodcast. Guten Tag. Und ja, wir befinden uns da momentan noch in einer Testphase, die unter anderem auch beinhaltet, dass ich diese Episoden selbst schneide, was ich vorher nicht gemacht habe.

Und das hat zuletzt für ein paar Fehler gesorgt im Schnitt, die auch für euch hörbar waren. Das Feedback haben wir natürlich gesehen und ja auch darauf reagiert. Wir bitten euch nochmal dafür um Entschuldigung. Und wir arbeiten fleißig daran, dass das besser wird. Genaugenommen ich. Und es wurde ja auch der Wunsch laut, dass es hier ein bisschen gemütlicher werden soll. oder? Das stimmt und ehrlich gesagt, ich kann es total gut verstehen.

Also glaubt uns, es ist jetzt hier auch nicht unser Traumsetting, in dem wir uns wahnsinnig wohlfühlen. Es gibt aber Gründe, aus denen wir uns jetzt dazu entschieden haben, mit Videopodcasts anzufangen und manchmal ist es eben so, dass es ein bisschen dauert, bis sich das dann richtig eingespielt hat und bis es wirklich genau so ist, wie wir uns das wünschen.

Das war ja schon so, als wir vor mehr als sechs Jahren diesen Podcast begonnen haben und das war auch zwischendurch so, als wir ja nochmal deutlich an dem Konzept geschraubt haben und inhaltlich wie technisch einiges an der Qualität noch mal geändert haben. Ja, und auch jetzt wird es wieder so sein, dass wir da ein bisschen ausprobieren und uns einfinden müssen, weil wir haben ja keine Produktionsfirma im Hintergrund.

Wir müssen uns das alles ein bisschen selber beibringen. Und so ist es jetzt eben auch mit diesem gemütlichen Setting. Wir sind aber da dran. Also wir sind in der Planung tatsächlich auch letzte Woche ein großes Stück weitergekommen. Also allzu lange wird es nicht mehr dauern, hoffentlich, bis es hier ein bisschen schöner wird, auch für uns.

Das ist doch schön. Ja, gute Aussichten. Finde ich auch, auf jeden Fall. Grundsätzlich bleibt es aber sowieso dabei, sehr, sehr langjährige und eingefleischte Hörerinnen und Hörer des Podcasts werden es ja wissen, dass wir das weiterhin mit unseren Radiogesichtern und Zeitungsstimmen machen. Okay, weiß ich jetzt nicht, was das genau heißen soll, aber lass uns nicht beleidigen.

Danke. Lass uns mal zu dem Fall kommen. Also, diesmal ist es ja nicht so, dass du den Fall mitgebracht hast, wie beim letzten Mal, sondern ich habe diesen Fall für uns recherchiert und werde ihn quasi heute erzählen und du stellst natürlich jederzeit Fragen und hast ja auch so ein paar Themen vorbereitet, die du dann erklärst.

Ja, genau, so machen wir das und wir bleiben ja tatsächlich heute auch hier in Bonn. Richtig, unser Fall spielt hier in Bonn, genauer gesagt in Bonn-Beul, also auf der rechten Rheinseite, der Schelsig. Und noch genauer im Ortsteil Limperich. Hier wird am 26. November 2017 die Leiche eines Mannes gefunden Und der Mann war zum Zeitpunkt seines Todes 42 Jahre alt. Wir nennen ihn heute Malik.

Das ist wie fast immer nicht sein echter Name. Wer findet denn die Leiche und wo genau? Also gefunden wird Malik in seiner eigenen Wohnung. Das ist eine Dachgeschosswohnung in diesem Ortsteil Limperich. Das ist ein Sechsparteienhaus in einem recht ruhigen Wohngebiet nahe der Gleise. Und er wird gefunden von seiner Mutter, die Malik nicht erreichen konnte, mehrmals versucht hat, ihn anzurufen seit einigen Tagen und sich dann natürlich Sorgen gemacht hat.

Gegen 14.30 Uhr an diesem 26. November, das ist ein Sonntag, macht sich die 62-jährige Mutter dann, also auf den Weg, nachdem sie mehrfach erfolglos angerufen hat, zu dieser Wohnung ihres Sohnes. Sie öffnet die abgeschlossene Wohnungstür, die ist also verschlossen und sie hat einen Zweitschlüssel, öffnet diese Tür und findet Malik dann im komplett abgedunkelten Schlafzimmer, Beuchlings auf dem Bett liegend vor.

Sie spricht ihn an und als er nicht reagiert, hebt sie das Tuch oder diese Decke, unter dem er liegt und ja, sie sieht sofort, dass der Sohn tot ist. Sein Kopf liegt in einer Blutlache und weist deutlich sichtbar mehrere schwere Wunden auf. Oh Gott, das muss wirklich schrecklich gewesen sein für die Mutter.

Was wissen wir denn über Malik? Malik wird ursprünglich in Eritrea geboren, kommt aber schon als kleines Kind in den frühen 1980er Jahren mit seiner Familie nach Deutschland. Der wächst in Bonn auf, besucht hier die Schule, macht einen Realschulabschluss und seit Mitte der 1990er Jahre, also als er so um die 20 Jahre alt ist, hat er Drogenprobleme, die bis zum Zeitpunkt seines Todes andauern.

Also Drogenprobleme ist ein bisschen, ja, gelinde gesagt, muss man sagen. Also er ist tatsächlich unter anderem heroinabhängig. Und 2017 konsumiert er unter anderem Heroin, aber auch noch Kokain und verschiedene Benzodiazepine. Also das sind starke Beruhigungsmittel, Tabletten. Ja, okay. Wie war denn sein Verhältnis zu der Familie, zu seiner Familie?

Ganz viel wissen wir darüber nicht. Wohl aber, dass seine Mutter wirklich ihn nie hat fallen lassen. Also hat ihn da nie alleingelassen, auch mit der Drogensucht und ihn nie aufgegeben. In diese Dachgeschosswohnung in Limperich zieht Malik erst kurze Zeit vor seinem Tod. Das war der Sommer davor und vorher hat er in Poppelsdorf gewohnt.

Seine Mutter putzt regelmäßig seine Wohnung, die wäscht seine Wäsche. Ja, man könnte vielleicht sagen, sie unterstützt ihn sehr, versucht ihm zu helfen, ein geregeltes Leben aufrecht zu erhalten. Ob das jetzt zielführend ist, das ist jetzt glaube ich nicht an uns, das zu diskutieren. Apropos geregeltes Leben, wie hat er denn seinen Lebensunterhalt beschritten?

Malik hat sich lange mit Gelegenheitsjobs über Wasser gehalten, hat aber im Herbst 2017, also kurz vor seinem Tod tatsächlich auch, einen Job angefangen und zwar im Café Pauke. Okay, ich erkläre mal kurz, was das ist. Die Pauke Bonn-Rhein-Sieg, GGMBH, so heißt das ganz korrekt, ist eine gemeinnützige Organisation, die ein wichtiger Teil der Bonner Suchthilfe ist.

Ihr Ziel ist es nämlich, Menschen, die zum Beispiel eine Abhängigkeitserkrankung haben und oder langzeitarbeitslos sind, dabei zu helfen, sich beruflich und sozial wieder zu integrieren. Im Mittelpunkt steht da die Unterstützung in den Bereichen Arbeit, Wohnen und soziale Kontakte, mit dem Anspruch eben, Menschen so zu stärken, dass sie langfristig ohne professionelle Begleitung auskommen, ganz alleine.

Die Leitidee der Pauke ist da, Abhängige machen sich unabhängig. Die Betroffenen werden dabei dann auf allen Ebenen aktiv einbezogen. Ein wichtiger Ort dafür ist eben das Pauke Live, heißt es, früher Kaffee Pauke. Eine alkoholfreie Tagesgastronomie und gleichzeitig auch Übungs- und Ausbildungsbetrieb mit Bildungsangeboten.

Inklusive auch Veranstaltungen wie Lesungen, Kabarett oder Musik sowie einer inklusiven Diskussion. Ja, also wirklich ein tolles Angebot, kann man sagen. Wir verlinken euch das auch mal in den Shownotes. Und für Malik war die Arbeit dort ganz sicher ein ganz wichtiger Anker und vielleicht auch eine große Chance, um da eben eine Wende in seinem Leben zu schaffen.

Deshalb wundert es nicht, dass seine Mutter total froh über diesen Job war, dass er den also angetreten hatte. In dieser Phase, so hat sie es dann beschrieben später, die Mutter, hatte sie das Gefühl, er kriegt die Kurve. So hat sie das beschrieben. Allerdings hat Malik noch viel größere Träume. Er will nämlich sich bei Amnesty International bewerben und möchte sich für Menschenrechte einsetzen.

Und dafür will er seinen jetzigen Job kündigen. Das klingt erstmal nach tollen Ambitionen und Zielen, aber man fragt sich natürlich schon, diese direkte Jobkündigung ist vielleicht nicht unbedingt der beste erste Schritt für jemanden, der eben gerade versucht, eine Suchterkrankung zu überwinden. Das findet mindestens eine Person. Genau, also Maliks Mutter findet das logischerweise.

Das kann ich auch tatsächlich gut verstehen. Die macht sich natürlich große Sorgen bei all dem, was sie jetzt schon mit ihrem Sohn mitgemacht hat. Und die hat Angst, dass er die Stabilität aufs Spiel setzt, die er sich ja gerade erst im Grunde erarbeitet hat. Darüber geraten die beiden Mutter und Sohn dann in Streit und zwar, das ist dann im November 2017 und sie gehen auseinander, ohne sich zu versöhnen.

Also sie gehen im Streit auseinander, haben zwei Wochen lang keinen Kontakt und das ist eben genau der Zeitraum vor Maliks Tod. Puder, das macht das für die Mutter ja wirklich noch viel schrecklicher. Also, dass sie im Streit auseinandergegangen sind und dann als nächstes findet sie einen Tod in der Wohnung auf. Ja, furchtbar.

Also das muss für sie wirklich schrecklich gewesen sein, ja. Ja, wir sind jetzt also am 26. November und Maliks Mutter findet die Leiche ihres Sohnes. Wie geht es jetzt weiter? Ja, in ihrem Schock bittet die Mutter Nachbarn um Hilfe. Die Nachbarn schauen dann tatsächlich auch selbst nochmal nach. Es ist aber völlig klar, dass da nichts mehr zu machen ist.

Und die Nachbarn verständigen dann die Polizei. Sofort ist, wie gesagt, klar, dass Malik einem Gewaltverbrechen zum Opfer gefallen sein muss. Also er hat diese schweren Kopfverletzungen, hat stark geblutet. Die Wohnung war abgeschlossen und Einbruchsspuren gibt es nicht. Ja, die Ermittlerinnen und Ermittler stehen also vor einem Rätsel quasi.

Wer hat Malik getötet und auch was war das Motiv? Richtig, die Polizei nimmt aufgrund der Situation in der Wohnung, also die Wohnung ist nicht durchsucht worden, die Tür war abgeschlossen. Deshalb denken die ganz schnell, ja okay, ein Raubdelikt wird das hier nicht sein, sondern Opfer und Täter werden.

Müssen einander gekannt haben. Malik ist zu dem Zeitpunkt, als seine Mutter ihn findet, etwa zwei Tage tot. Das ergibt die Obduktion der Leiche. Und Nachbarn sagen aus, das passt auch dazu, ihn zuletzt am Donnerstag oder Freitagabend gesehen zu haben. Die Mordkommission wendet sich nun mit einem Aufruf an die Öffentlichkeit und bittet Zeuginnen und Zeugen, sich zu melden.

Da lese ich mal kurz aus diesem Aufruf vor. Aber wer hat zwischen Donnerstagabend und Sonntagmittag im Talweg verdächtige Beobachtungen gemacht, die mit der Tat in Verbindung stehen könnten? Und wer weiß, mit wem sich der 42-Jährige, gemeint ist Malik, im genannten Zeitraum verabredet oder getroffen hat?

Wir haben diesen Aufruf natürlich damals auch im Generalanzeiger veröffentlicht. Aber viel Resonanz scheint es da nicht gegeben zu haben, oder? Nein, also nicht, dass wir wüssten, wobei die Polizei sich uns gegenüber zumindest offiziell zu diesem Zeitpunkt ziemlich bedeckt gehalten hat. Auch zu den Verletzungen übrigens, die Maliks Leiche aufweist.

Da gibt es gar keine offiziellen Informationen. Das ist oft so, denn die Ermittlungsbehörden wollen natürlich kein Täterwissen preisgeben, um zum Beispiel irreführende Spuren zu vermeiden oder auch falsche Geständnisse tatsächlich. Einen Tag nach dem ersten Artikel zu diesem Fall veröffentlicht wurde, also einen Tag nachdem der veröffentlicht wurde, gab es dann eine weitere Meldung bei uns in der Zeitung.

Hier heißt es, dass es, Zitat, dem Vernehmen nach nicht viele Hinweise gab. Einzig und allein den, dass Malik angeblich zuletzt in Begleitung einer schwarzen Frau gesehen worden ist, mit der er seine Wohnung betreten haben soll. Richtig, darauf kommen wir gleich nochmal zu sprechen. Mitte Dezember veröffentlicht die Polizei dann noch einen weiteren Zeugenaufruf, diesmal sogar mit dem vollen Vor- und Nachnamen von Malik.

Tja, danach, muss man sagen, wird es still um diesen Fall. Jetzt halte ich fest, der nächste Bericht, den man dazu im Generalanzeiger findet, der ist vom 15. Februar 2023. Das ist ja dann mehr als fünf Jahre später tatsächlich. Also ist der Fall Malik zum Cold Case geworden. Richtig, also es gab in all der Zeit keinerlei vielversprechende Ermittlungsansätze, erfährt man dann, oder Spuren.

Was es aber damals im November 2017 gab und was die Mordkommission damals nicht öffentlich bekannt gemacht hat, die Spurensicherung hat am Tatort, also in Maliks Wohnung, in seinem Schlafzimmer, diverse Gegenstände sichergestellt. Ein Spritzenkolben, ein Zigaretten-Endstück, eine Tasse und eine Jogginghose.

Auf diesen Gegenständen wurde dann DNA gefunden und mithilfe derer hat das Landeskriminalamt Nordrhein-Westfalen ein vollständiges DNA-Profil erstellen können. Es handelt sich um das DNA-Profil einer Frau, so viel ist klar. Und diese DNA kann aber keiner konkreten Person zugeordnet werden. Es werden zwar zahlreiche Frauen aus dem Großraum Bonn überprüft.

Übrigens, auch das ist vor der Öffentlichkeit verborgen geblieben, weitgehend. Aber zu keiner dieser Frauen passt die gefundene DNA. Und deshalb wird dieses Profil, das da angelegt wurde, schließlich in die internationale Datenbank eingestellt. Und dann passiert lange Zeit nichts. Genau genommen, nämlich fünf Jahre. Richtig.

Und plötzlich, im Sommer des Jahres 2022, gibt es einen Treffer in der Datenbank. Das Profil einer Frau, deren DNA nach einem mutmaßlichen Körperverletzungsdelikt in Weynendal, das ist in den Niederlanden, eingestellt wird. Das Match dann mit dem dieser Unbekannten, deren Spuren 2017 in Maliks Wohnung gefunden wurden.

Kleiner Exkurs an der Stelle. dieses Match, von dem du eben sprachst, verdanken wir dem Prümer-Vertrag oder genauer gesagt dem Vertrag über die Vertiefung der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit, insbesondere zur Bekämpfung des Terrorismus, der grenzüberschreitenden Kriminalität und der illegalen Migration.

Ganz schön lang, aber so heißt es eben. Dieser Vertrag ist ein Abkommen zur schnellen Zusammenarbeit zwischen aktuell 13 europäischen Staaten und wurde in Prüm in der Eifel, also gar nicht weit weg von uns, geschlossen. Vereinfacht gesagt erlaubt der Vertrag Ermittlerinnen und Ermittlern DNA-Spuren automatisiert mit DNA-Datenbanken anderer Länder abzugleichen. Genau.

Wobei man sagen muss, diese DNA vom alten Tatort kann lange ohne Namen in der Datenbank liegen bleiben. Denn erst wenn die Person dann später erneut auffällt, also zum Beispiel bei einer weiteren Straftat, bei der DNA genommen und gespeichert wird, entsteht überhaupt erst ein Datensatz, mit dem sie dann abgeglichen, also mit dem diese alte Spur dann abgeglichen werden kann und dann eben auch matchen kann.

So wie in unserem Fall hier, erst als die Frau in den Niederlanden mit ihrer DNA registriert wird. Gibt es einen Treffer in der Datenbank. Und dieser Treffer heißt übrigens nicht, dass der Polizei in Bonn dann direkt die persönlichen Daten der Frau frei ins Haus geliefert werden. Die müssen über die zuständigen Behörden offiziell angefordert werden, nämlich über ein Rechtshilfe ersuchen.

Ganz genau so ist das. Also ohne diesen automatisierten Abgleich, muss man ganz klar sagen, wäre die Bonner Polizei wohl nie auf die Spur dieser Frau gekommen. Und man muss natürlich der Vollständigkeit halber erst mal dazu sagen, Dieses Match beweist ja erstmal nur, dass die Frau zur Tatzeit in Maliks Wohnung war.

Jetzt muss man aber klar sagen, die Mordkommission sieht einen hinreichenden Verdacht, dass sie für seinen Tod verantwortlich ist. Okay, wie geht es dann weiter? Jetzt wird es wieder sehr verwaltungsmäßig. Das Amtsgericht Bonn stellt am 12. August 2022 einen europäischen Haftbefehl aus. Es dauert dann aber noch eine ganze Zeit, nämlich bis zum 8.

Februar wiederum 2023, bis Bonner Ermittler in die Provinz Utrecht reisen und dort diese gesuchte Frau an deren Wohnort gemeinsam mit niederländischen Beamten festnehmen können. Die wird dann schließlich am 3. Mai, also nochmal fast drei Monate später 2023, nach Deutschland ausgeliefert. Dort kommt sie in Untersuchungshaft und schließlich wird sie dann wegen Totschlags angeklagt.

Sie soll Malik in der Nacht vom 24. auf den 25. November 2017 getötet haben. Was wissen wir denn über die Frau? Ja, sie ist gebürtige Niederländerin und zum Zeitpunkt ihrer Inhaftierung ist sie 35 Jahre alt. Sie hat bis 2017 in ihrem Heimatland gelebt, ist dann regelrecht ins europäische Ausland geflüchtet.

Warum, darauf kommen wir gleich zu sprechen. Wir nennen die Frau hier Emma. Es ist natürlich auch wieder nicht ihr echter Name. Sie wird 1988 geboren und wächst mit ihren Eltern und einer vier Jahre jüngeren Schwester in einer Wohnwagensiedlung auf. Ihre Kindheit und Jugend sind alles andere als glücklich und behütet.

Auch darauf kommen wir gleich noch genauer zu sprechen. Und nur der vollständige Kalber auch in diesem Fall. Schwarz ist Emma eindeutig nicht. Wen die Zeugin oder der Zeuge da also im November 2017 mit Malik gesehen haben wollen, das bleibt völlig unklar. Vielleicht hat er oder sie sich in der Zeit vertan Maliks Mutter gesehen.

Oder aber es handelt sich hier um unbewusstes Framing. Das heißt, jemand sieht eine Frau mit Malik. Das war ja auch abends, also im Dunkeln. Und schlussfolgert unbewusst sofort, ach ja, die wird dann auch schwarz sein. Ja, verstehe. Also es ist jetzt inzwischen Januar 2024 und Emma sitzt nun also als Angeklagte vor dem Landgericht Bonn.

Erstmal das Wichtigste, gesteht sie Malik getötet zu haben? Und was ist denn nun in dieser Nacht damals tatsächlich passiert? Ja, also sie gesteht die Tötung und ist vollumfänglich geständig. Soweit sie sich an diese Nacht erinnern kann. Das wird dann im Urteil später klar. dass sie da auch nicht unbedingt alles erinnert, aber sie macht ein vollumfängliches Geständnis, gibt das also alles zu.

Also das ist hier nicht das Spannende in Anführungsstrichen an diesem Fall, der ist dann recht einfach zu lösen. Ihr werdet aber gleich merken, warum dieser Fall trotzdem sehr, sehr interessant und auch sehr tragisch ist, nach meiner Meinung. Und teilweise sagt sie übrigens unter Ausschluss der Öffentlichkeit aus, also Emma.

Und warum das so ist, darauf komme ich sofort zu sprechen. Aber erst mal zur Tatnacht selbst. Die Staatsanwaltschaft wirft Emma in der Anklage vor, Malik in der Nacht auf den 25. November 2017 erschlagen zu haben. Und zwar mit einem Salzkristallstein. Okay, sind das diese orangenen Steine, die eben salzig schmecken?

Also in unserer Berichterstattung hieß es doch, es sei eine Lampe gewesen. Ja, wie das zustande kam, weiß ich nicht genau. Also da wird immer wieder von der Salzkristalllampe gesprochen tatsächlich. Also es war ein Kerzenständer, dieser Salzkristallstein, der diente als Kerzenständer. Deshalb kam wahrscheinlich diese Bezeichnung dadurch zustande.

Aber das ist so in etwa handgroßer Stein, ein bisschen kugelförmig. Und mit diesem Stein, so steht es eben Emma jetzt vor Gericht, hat sie in dieser Nacht zunächst viermal auf den Kopf von Malik eingeschlagen, ihm dadurch mehrere große und auch stark blutende Platzwunden zugefügt über dem rechten Ohr.

Und als Malik durch diese, ja, man kann sagen massive Gewalt bewusstlos wird, da hat sie eben weitere zweimal zugeschlagen, diesmal auf den Hinterkopf. Und dadurch hat er weitere Wunden natürlich erlitten und ist schließlich dann an einem Schädelhirntrauma gestorben. Puh, das ist auch echt heftig. Und man fragt sich natürlich vor allem, warum?

Also warum hat sie das getan? Wie konnte es überhaupt zu dieser Situation kommen? Ja, wir kommen darauf gleich. Ich glaube, es ist sinnvoll, dass wir vorher ganz kurz genauer auf Emmas Leben eingehen. Und jetzt muss ich noch mal ganz klar dazu sagen, wie jedes Mal ist nichts von dem, was ich jetzt berichte, soll oder kann eine Entschuldigung für diese Tat sein, aber gerade in diesem Fall ist es nicht nur eine Erklärung.

Es ist tatsächlich auch unbedingt maßgeblich für das Urteil, das hier schließlich verhängt wird. Deshalb ist es so wichtig, dass wir darüber sprechen. Okay, also du hast schon gesagt, dass Emma unter schwierigen Bedingungen in einer Wohnwagensiedlung aufgewachsen ist. Was genau bedeutet das überhaupt? Ja, also der niederländische Begriff Wohnwagenbewohner, das ist logisch, bedeutet Wohnwagenbewohner.

Gemeint sind Menschen, deren Leben traditionell mit dem Wohnen in Wohnwagen verbunden ist, aber eben festes Wohnen, nicht rumreisen, beziehungsweise nicht nur im Urlaub sozusagen. Die reisen aber durchaus rum oder sind rumgereist. gereist. Heute wohnen diese Menschen oft in den sogenannten Chalets oder stationären Wohnwagen und viele davon auf speziellen Standplätzen oder eigens dafür vorgesehenen Wohnanlagen.

Die sind meistens ein bisschen außerhalb der Gemeinden. Sich selbst nennen diese Menschen Reisigeres, also das heißt Reisende. Und in Deutschland gibt es ja auch diesen Begriff fahrendes Volk, der sicher auch eher abwertend gemeint ist. Historisch war das Verhältnis zwischen Staat, Gemeinden und diesen Bewohnern in den Niederlanden stark von Regulierung geprägt. Im 19.

Jahrhundert gab es keine einheitlichen Regeln, jede Gemeinde hat selbst entschieden und teils hatten die natürlich das Ziel, dass die Menschen möglichst schnell weiterziehen und dann nicht sesshaft werden. Ein großer Einschnitt kam dann 1968, dieses Umherziehen, also das Reisen, ist denen untersagt worden und viele mussten dadurch in große, wie ich gerade schon gesagt habe, oft abgelegene Zentren ziehen.

Und so sind dann eben diese Wohnwagensiedlungen entstanden. Wichtig ist auch die Sprache. Von solchen Siedlungen ist manchmal als Kamp die Rede. Also dadurch entstand das Wort Kampers. Das hört sich jetzt erstmal ganz neutral an. Es gilt aber auch als sehr abwertend den Menschen gegenüber. Deshalb spricht man neutral besser von Wohnwagenbewohnern. Und wichtig ist auch, dass diese Gruppe oft gleichgesetzt wird mit Sinti und Roma.

Das ist aber falsch, auch wenn es Überschneidungen gibt. Was ich interessant fand, ich habe da direkt aufgehorcht, als ich das las, weil wir ein recht ähnliches Thema auch in unseren beiden Episoden zum Eifelmord besprochen haben. Also hört da auch gerne nochmal rein, falls ihr die noch nicht kennt. Und in so einer Siedlung wächst Emma auf, also auf jeden Fall unter schlechten finanziellen Bedingungen, kann man glaube ich so sagen.

Das allein ist aber nicht das, was ihre Kindheit so furchtbar macht. Nee, absolut nicht. Also Emma wird schon als Kind sexuell missbraucht, zunächst mit elf Jahren von einem Freund der Familie, was sie vor ihren Eltern geheim hält und das setzt ihr sehr, sehr schwer zu, logischerweise. Also im Alter von etwa 14 Jahren kommt es dann zu weiteren sexuellen Übergriffen durch Cousins.

Und als Emma 18 Jahre alt ist, wird sie vom Mann ihrer Tante sexuell missbraucht. Und aufgrund dieser familiären Nähe hat sie weder Familie noch Polizei je davon berichtet, geschweige denn Anzeigen erstattet. Das Beispiel bestätigt einmal mehr, was wir aus zahlreichen Studien wissen. Sexualisierte Gewalt passiert viel häufiger im sozialen Umfeld als durch völlig Fremde, also durch Partner, Ex-Partner, Bekannte oder auch eben innerhalb der Familie.

Gerade bei sexualisierter Gewalt in der Kindheit ist der Täter oft jemand, den das Kind kennt und dem es vertraut. Und genauso wichtig, die meisten Betroffenen gehen damit eben nicht zur Polizei. In EU-Erhebungen liegen Meldungen an die Polizei nur bei einem kleinen Teil der Fälle. Bei Gewalt durch Partner etwa im einstelligen Prozentbereich und bei Nichtpartnern auch nur im niedrigen zweistelligen Bereich.

Ja, ich glaube in Partnerschaften ist es tatsächlich um die fünf Prozent, die überhaupt nur angezeigt werden. Und von Verurteilungen muss man da erst noch gar nicht sprechen. Dass das Emma als Kind und als Jugendliche massiv psychisch belastet haben muss, das liegt auf der Hand, der Missbrauch und dazu natürlich noch dieses Gefühl, sich niemandem anvertrauen zu können.

Also dieses Geheimnis dann noch mit sich rumtragen zu müssen. Es ist wenig überraschend, dass sie da einen Ausweg sucht und diesen leider in Drogen findet. Mit elf Jahren fängt es mit Marihuana an, mit 13 nimmt sie Kokain, Speed und Ecstasy, raucht Zigaretten, trinkt Alkohol. Mit 15 probiert sie erstmals Heroin, dass sie zunächst raucht, später dann aber auch intravenös spritzt.

Man kann also sagen, sie versucht sich dauerhaft zu betäuben. Vielleicht um die furchtbaren Erlebnisse ihrer Kindheit und die Gefühle, die diese Erlebnisse ausgelöst haben, zu verdrängen. Ja, das liegt auf jeden Fall nicht fern. Sie versucht aber wiederum auch immer wieder ihrer Sucht zu entkommen, was sehr, sehr schwer ist, wenn diese Sucht auch schon so früh beginnt.

Und sie entläuft immer wieder Entgiftungen ab, Also sie macht immer wieder Entgiftungen und anschließend auch Therapien. Und zwar 2007, 2008, 2009, 2011 bis 2012 und 2015. Also sie macht wirklich immer wieder den Versuch, da rauszukommen. Jedes Mal leider längerfristig erfolglos. Und in diesem Zeitraum entwickelt die damals junge Frau eine psychotische Störung aus dem schizophrenen Formenkreis.

Vielleicht kannst du da auch kurz erklären. Genau, das kann ich kurz erklären. Das ist eine schwere psychische Erkrankung, bei der die Wahrnehmung der Realität zeitweise deutlich verändert sein kann. Betroffene können zum Beispiel Wahnvorstellungen entwickeln, also feste Überzeugungen, die sich durch Fakten kaum korrigieren lassen.

Oder sie entwickeln, sie hören Stimmen und nehmen Dinge wahr, die andere gar nicht wahrnehmen. Häufig ist auch das Denken und Sprechen weniger geordnet. Und manche ziehen sich stark zurück oder wirken emotional abgeflacht. Wichtig ist, das hat nichts mit einer gespaltenen Persönlichkeit zu tun. Und das bedeutet auch nicht automatisch, dass jemand gefährlich ist.

Also entscheidend ist, dass solche Symptome medizinisch abgeklärt werden, natürlich und behandelt werden, weil sie für die Betroffenen selbst extrem belastend sind. Ja, Emmas Leben verläuft weiterhin sehr problematisch, denn das wird natürlich erstmal nicht behandelt. Sie lernt in einer Therapieeinrichtung in Südafrika eine Frau kennen, führt mit dieser eine Beziehung von 2009 bis 2015, also recht langjährige Beziehung.

Und diese Beziehung bringt ihr aber leider nicht die so dringend benötigte Stabilität und Ruhe, sondern weitere Traumata. Die Frau ist manipulativ, übt Emma gegenüber psychische und physische Gewalt aus. Eine Episode gibt es da, da packt sie Emma gemeinsam mit einem Mann und droht sie vom Balkon einer Wohnung im 21. Stock zu werfen.

Es ist wirklich kein Wunder, dass sich Emmas Gesundheitszustand in dieser Zeit noch mal deutlich verschlechtert. Sie leidet an Panikattacken und wie du gerade schon gesagt hast, hört auch zeitweise Stimmen. Ja, das klingt wirklich nach viel zu vielen Belastungen für einen Menschen. Und es wird ja auch nicht besser, oder? Leider nein. Im Gegenteil.

Im Jahr 2016 macht Emma eine weitere gewaltsame und traumatisierende Erfahrung. Sie steigt zu einem Mann ins Auto, der sie mitnehmen soll. Der bringt sie aber nicht dahin, wo sie hin will, sondern stattdessen an einen abgelegenen Ort. Und dort vergewaltigt er sie mit vorgehaltener Pistole. Also er bedroht sie mit einer Pistole und vergewaltigt sie.

Und im Anschluss an dieses Erlebnis bekommt sie immer häufiger Panikattacken und steht Todesängste aus. Ja, was mit Sicherheit auch nicht übertrieben ist. Todesangst ist eines der typischen Merkmale einer Panikattacke. Viele Betroffene sind in dem Moment überzeugt, sie würden gerade sterben, z.B. Ersticken oder einen Herzinfarkt bekommen, das liegt daran, dass der Körper in einem extremen Alarmzustand, also so ein Fight-or-Flight-Modus sozusagen, schaltet.

Also man bekommt dann Herzrasen, Enge in der Brust, Atemnot, Schwindel, Zittern, das sind so Symptome. Und die sind real und werden dann als Zeichen einer akuten Lebensgefahr interpretiert oder fehlgedeutet. Ja, und bei Emma kommt ja noch dazu, dass sie ja durchaus schon mit realer Lebensbedrohung konfrontiert war.

Also dass mindestens in zwei Situationen, einmal diese Balkonsituation, als sie damit bedroht wurde, da runtergeworfen zu werden und dann die Vergewaltigung unter Bedrohung mit einer Pistole, da hat sie natürlich zu Recht Todesangst ausgestanden und die durchlebt sie dann eben in diesen Panikattacken wieder.

Jetzt ist also der Zeitpunkt gekommen, wo Emma in ihrem Heimatland den Rücken zukehrt. Ja, man kann also wirklich sagen, sie flüchtet vor ihren Ängsten, vielleicht auch vor realer Bedrohung und dieser Weg führt sie jedenfalls unter anderem nach Deutschland und da unter anderem nach Bonn. Nun wird sie sich sicher auf eine Art eine Verbesserung ihres Zustandes gewünscht haben, aber man muss ganz klar sagen, zu diesem Zeitpunkt ist sie derart schwer belastet und dazu natürlich auch weiterhin suchtkrank, dass jetzt eigentlich erst recht jede Stabilität aus ihrem Leben verschwindet.

Sie lebt nämlich auf der Straße, prostituiert sich, um Geld zur Finanzierung der Drogen zu verdienen und zu diesem Zeitpunkt, wir befinden uns jetzt inzwischen natürlich im Jahr 2017, Da ist sie völlig haltlos, instabil, auch orientierungslos. Wir haben ja eben schon gehört, sie kann manchmal nicht mehr zwischen Realität und Wahn unterscheiden.

Wir gehen gleich noch ein bisschen genauer auf den gesundheitlichen Zustand ein. Aber an dieser Stelle können wir schon mal sagen, Emma versucht teilweise in Notunterkünften für Obdachlose unterzukommen. Da wird sie aber nie lange geduldet, weil ihr Verhalten völlig unberechenbar erscheint und sie teilweise auch aggressiv und auf jeden Fall hochgradig reizbar ist.

Okay, das klingt ein bisschen wie so eine tickende Zeitbombe. Ich glaube, im Nachhinein kann man das ganz sicher so sehen, ja. Wie begegnen sich dann Eimer und Malik? Die zwei treffen sich im November 2017, also wirklich tatsächlich erst kurz vor seinem Tod in der Drogenszene um den Bonner Hauptbahnhof.

Wohlgemerkt, wir haben November, das heißt, es gibt schon durchaus kalte Nächte und in solchen Nächten ist Emma aus den eben genannten Gründen darauf angewiesen, dass sie irgendwo übernachten kann. Und so ist es dann eben auch an diesem Abend des 24. November. So ist es. Malik bietet Emma an diesem Abend an, bei ihm zu übernachten, allerdings nicht ohne Gegenleistung.

Dafür, dass sie bei ihm schlafen darf und mit ihm gemeinsam Drogen konsumieren darf, vereinbaren die beiden Sex. Also das ist ein Geschäft. Man könnte jetzt lange darüber sprechen, ob man das jetzt wirklich als einvernehmlich bezeichnen soll oder will. Denn schließlich ist Emma aus meiner Sicht in diesem Moment extrem abhängig von Malik. Sie braucht die Drogen, sie braucht den Schlafplatz.

Aber wir lassen das jetzt mal so stehen. Sie lässt sich also auf diesen Handel ein. Und die zwei gehen dann also in seine Wohnung und da eskaliert die Situation irgendwie. Ja, also erstmal läuft tatsächlich alles wie abgesprochen. Malik und Emma konsumieren gemeinsam größere Mengen Heroin und Kokain.

Er nimmt auch Betäubungsmittel noch, also Benzodiazepine. Und danach haben sie eben wie vereinbart Sex. Und Emma, das ist auch wichtig, glaube ich, ihr ist das, so heißt es später im Urteil, Zitat, eigentlich zuwider. Sie lässt es aber für ein Dach über dem Kopf und Drogen über sich ergehen. Okay, das sagt schon viel über die Einvernehmlichkeit. Ja, finde ich auch.

Im Anschluss geht Emma ins Bad und hier hat sie seit langem endlich mal wieder die Gelegenheit zu duschen. Also das vergisst man ja oft, wenn es um Obdachlosigkeit geht. Die Möglichkeiten, sich zu waschen oder auch nur aufs Klo zu gehen, die sind sehr, sehr begrenzt. In Deutschland tatsächlich noch ein bisschen mehr als in anderen westlichen Ländern.

Und gerade für Frauen, die menstruieren, ist das natürlich ein Riesenproblem. Ja, Emma hat also Drogen konsumiert, den Sex über sich ergehen lassen und konnte danach dann duschen. Soweit so gut, aber mir ist nicht klar, wie dann die Situation offenbar so plötzlich eskalieren kann, dass Malik am Ende stirbt.

Das wird im Gerichtsprozess deutlich. Wobei hier bei Emmas Schilderungen zu ihrem Leben und der Tatnacht die Öffentlichkeit, wie gesagt, ausgeschlossen wird. Wir also die Informationen nur im schriftlichen Urteil finden. Wie kam es eigentlich dazu, dass die Öffentlichkeit ausgeschlossen wurde? Das kommt ja eigentlich nicht so häufig vor.

Ja, grundsätzlich sind Gerichtsverhandlungen in Deutschland natürlich immer öffentlich, damit die Justiz transparent und kontrollierbar bleibt. Wenn aber intime Details aus dem höchstpersönlichen Lebensbereich der Sprache kommen, kann das Gericht die Öffentlichkeit ganz oder teilweise ausschließen zum Schutz der Betroffenen.

Und das passiert nicht automatisch. Es braucht dafür einen förmlichen Gerichtsbeschluss, oft nur für bestimmte Zeugenaussagen. Ja, und bei Jugendstrafverfahren ist die Verhandlung in der Regel ohnehin nicht öffentlich. Okay, in Emmas Fall stellt also ihre Verteidigerin den Antrag, die Öffentlichkeit für die Dauer der Aussage auszuschließen und das Gericht gibt dem statt.

Wie wird der Antrag denn begründet? Unser Gerichtsreporter hat damals geschrieben, Zitat, mit den Besonderheiten der Biografie ihrer Mandantin mit sexuellen Verflechtungen sowie allgemein mit deren Sexualverhalten hatte die Strafverteidigerin den Antrag begründet. Das klingt ehrlich gesagt ein bisschen nebulös.

Ja, ich denke aber, wenn man sich Emmas Geschichte anschaut, wird deutlich, dass es sich hier durchaus Anlass gibt, ihre Privatsphäre zu wahren. Es geht natürlich auch dann unter anderem über diese sexuellen Übergriffe, die sie erleben musste. Wir wissen also auch nicht in allen Details, was sie da alles vor Gericht berichtet und das müssen wir auch gar nicht wissen.

Wir stützen uns jetzt auf die Infos im Urteil, die hier relevant sind für den Fall und ich denke, mehr steht uns auch nicht zu. Ja, es wird ja auch durch diese Infos schon klar, was sie alles Schreckliches erlebt hat. Absolut. Vor Gericht ist dann vor allem relevant, inwieweit das, was sie erlebt hat, beziehungsweise was das in ihr ausgelöst hat, ihr Verhalten in der Tatnacht beeinflusst hat.

Die Strafkammer um den Vorsitzenden Richter Klaus Reinhoff kommt zum Ergebnis, dass das durchaus ganz wesentlich einen Einfluss hatte. Und das hat wiederum deutliche Auswirkungen auf das Urteil. Okay, aber kommen wir erstmal zurück zur Tatnacht. Was passiert denn, nachdem Emma aus dem Bad zurückkehrt, nach dem Duschen?

Ja, sie legt sich zu Malik ins Bett. Er liegt auf der linken, an der Wand befindlichen Seite des Bettes, sie auf der rechten. Sie legt sich auf den Rücken und Malik wendet sich ihr jetzt zu und macht ihr deutlich, dass er jetzt nochmal, also dass er erneut Sex haben will. Er hat einen roten Gürtel um den Hals gebunden, also was er da genau will, weiß man nicht, vielleicht irgendeine Form von BDSM oder was ähnlichem.

Emma macht sich ein ungutes Gefühl jetzt breit und sie lehnt seine Forderung ab. Malik fordert den Sex daraufhin aber lautstark ein und reißt auch an ihrem T-Shirt. Und in diesem Moment, da stützen wir uns wirklich aufs Gerichtsurteil bei dem, was ich jetzt erzähle, in diesem Moment fühlt sich Emma in frühere Situationen zurückversetzt, in denen ihr sexuelle Gewalt schon mal angetan wurde und sie gerät in Panik.

Sie bekommt dann mit der linken Hand diesen Salzkristallstein, also diesen wirklich massiven Stein zu fassen und schlägt Malik damit auf den Kopf viermal. Und Malik, der, wie gesagt, Heroin genommen hat, Benzodiazepine genommen hat, der kann sich kaum zur Wehr setzen, der ist ziemlich betäubt. Und vor allem kommen die Schläge auch direkt sehr schnell nacheinander.

Er leidet, jetzt das haben wir schon gehört, vier stark blutende Platzwunden über dem rechten Ohr, wird bewusstlos und in dem Moment rutscht er von der Seite in die Bauchlage. Und jetzt in diesem Moment richtet sich Emma auf, kniet jetzt neben Malik und schlägt ihm weitere zweimal mit dem Stein diesmal auf den Hinterkopf.

Also habe ich das jetzt richtig verstanden? Malik hat Emma de facto eigentlich gar keine Gewalt angetan, aber sie hat sich eben in frühere Situationen zurückversetzt gefühlt. Und deshalb auf ihn eingeschlagen. Ja, also genau so sieht es das Gericht. Emma erlebt in diesem Moment einen Flashback. Das ist jetzt kein normales Erinnern, sondern ein wirkliches plötzliches Wiedererleben einer Situation.

Das Gehirn springt in eine frühere Extremsituation, so als würde sie jetzt in diesem Moment passieren. Mit denselben Bildern, mit denselben Gefühlen, auch Körpergefühlen und mit denselben Reaktionen. Nach dem letzten Schlag legt Emma jetzt diesen Salzkristall zurück auf den Nachttisch. Sie deckt den toten Malik mit dieser orangefarbenen Decke ab oder zu.

Sie nimmt seinen Schlüssel, verlässt die Wohnung, schließt die Tür hinter sich ab und sofort danach kehrt sie zu ihrer Familie in die Niederlande zurück. Okay, das klingt für mich jetzt nicht so, als wäre sie in dem Moment nicht zurechnungsfähig. Ich hoffe, ich sage jetzt nichts Falsches. Das ist wirklich nicht ganz unkompliziert. Ich komme gleich drauf.

Aber lass uns kurz über dieses orange Tuch sprechen. Wie hört sich das für dich an? Ja, gute Frage. Also. Sie deckt die Leiche zu oder ab, als wollte sie die Leiche nicht sehen oder das Ganze irgendwie ungeschehen machen oder sowas? Ja genau, also psychologisch kann man diese Handlung, das wird tatsächlich auch im Prozess dann so erklärt, kann man diese Handlung als Undoing bezeichnen.

Also quasi genau wie du sagst, als ungeschehen machen. Nach der Tat folgt eine symbolische Handlung, hier dieses Zudecken, die Schuld und Überforderung dämpfen kann. weil das Geschehene eben weniger sichtbar wird und man irgendwie so eine Art Ordnung herstellt. Aber natürlich hat das nichts mit tatsächlicher Schuld oder Unschuld zu tun.

Ja klar, ja. Wie lautet denn das Urteil dann? Emma wird wegen Totschlagsverurteil, also genau wie sie auch angeklagt ist, das Strafmaß beträgt in diesem Fall fünf Jahre Haft. Das kommt mir wenig vor. Jein, also das ist innerhalb des Strafrahmens, tatsächlich laut Strafgesetzbuch. Bei Emma erkennt das Gericht letztlich einen minderschweren Fall.

Also auch das ist jetzt nicht ganz unkompliziert. Ja, wie so oft bei juristischen Begründungen. Das ist wahr. Also ich versuche es jetzt mal so kurz und verständlich wie möglich zu erklären. Rechtlich ist der Ausgangspunkt klar. Totschlag nach §212 Absatz 1 Strafgesetzbuch hat normalerweise einen Strafrahmen von 5 bis 15 Jahren.

Und nur wenn ein minderschwerer Fall nach §213 vorliegt, geht der Rahmen runter auf 1 bis 10 Jahre. In der Urteilsbegründung heißt es in diesem Fall, als es um die Strafzumessung geht, zunächst mal, dass hier nicht der klassische Provokationsfall vorliegt. Was heißt das denn? Also es gibt die Möglichkeit, einen minderschweren Fall zu erkennen, wenn der Totschläger oder die Totschlägerin...

Zitat, ohne eigene Schuld durch eine ihm oder einem Angehörigen zugefügte Misshandlung oder schwere Beleidigung von dem getöteten Menschen zum Zorn gereizt und hierdurch auf der Stelle zur Tat hingerissen worden ist. Da könnte man hier aber auch drüber streiten. Absolut, Stichwort Impulskontrolle, das ist wirklich in vielen Verfahren ein Thema, aber wie gesagt, das sieht die Kammer hier auch nicht.

Und zwar, weil Malik Emma ja, genau wie du gesagt hast, nicht in dem Sinne körperlich angegriffen hat. Und auch einen sogenannten unbenannten minderschweren Fall, so heißt das im Gesetz, sieht sie nicht als erfüllt an. Das wäre der Fall, jetzt nochmal Zitat, wenn bei einer Gesamtschau aller für und gegen die Angeklagte sprechenden Umstände die Anwendung des Regelstrafrahmens unangemessen erscheint.

Der Fall hier, also Emmas Fall, weicht aber nach Ansicht des Gerichts nicht derart stark vom Durchschnitt ähnlicher Taten ab, dass dieser Grundsatz ziehen könnte. Kannst du den Punkt vielleicht noch ein bisschen genauer erklären? Ja, ich versuche es. Also da sind wir bei den strafmildernden und strafschärfenden Aspekten, die man ja aus Gerichtsurteilen kennt.

In Emmas Fall überwiegen tatsächlich die strafmildernden Umstände. Sie hat die Tat, auch ihre Motivation gestanden. Sie bereut ihr Handeln aufrichtig. Sie ist kaum vorbestraft. Es gibt ein paar Einträge aus dem niederländischen Strafregister wegen Widerstands gegen Beamte. Sie ist außerdem Erstverbüßerin, also sie sitzt erstmals in Haft und ist deshalb und natürlich auch wegen ihrer psychischen Erkrankung besonders haftempfindlich.

Aber, und das ist ein großes Aber, strafschärfend wird hier berücksichtigt, dass sie mehrfach brutal die Tatwaffe gegen den Kopf des Opfers eingesetzt hat, obwohl dieses Opfer, also Malik, gar keine Gegenwehr geleistet hat. Ja, okay. Und warum ist es am Ende dann trotzdem ein minderschwerer Fall? Ja, das ist der entscheidende Punkt.

Emmas Steuerungsfähigkeit war zum Tatzeitpunkt nach Überzeugung des Gerichts erheblich vermindert. Die Tat wird vom Gericht, Zitat, als Ausdruck einer Traumafolgestörung gesehen. Und erst mit diesem Faktor wird also jetzt der Paragraf 213 Strafrahmen eröffnet, das heißt 1 bis 10 Jahre und das Gericht setzt die Strafe auf 5 Jahre fest.

Okay, das klingt nachvollziehbar. Ich habe hier ein bisschen gekleckert. Aber wir müssen auf die psychische Erkrankung von Emma, glaube ich, noch mal genauer eingehen. Ja, also Emma wird von einem psychiatrischen Sachverständigen untersucht, wie das eben vor Gericht meistens ist. Und dennoch leidet sie unter einer komplexen Persönlichkeitsstörung in Form einer Traumafolgestörung, die in ihrer Ausprägung den Schweregrad der sonstigen schweren seelischen Störung erfüllt.

Das ist also eben die Voraussetzung dafür, dass es so angewandt werden kann per Gesetz. Es handelt sich um eine komplexe posttraumatische Belastungsstörung als Folgeerkrankung der Traumatisierung durch sexuellen Missbrauch im Kindes- und Jugendalter. Also durch diesen Muss-Missbrauch hat sich eben ein Trauma entwickelt und dadurch dann wiederum ein posttraumatisches Belastungssyndrom.

Infolgedessen ist sie in ihrer Affektregulation und Selbstwahrnehmung gestört, was sich auch in dissoziativen Phänomenen äußert. Okay und was heißt das genau, wie äußert sich das? Also laut Urteil heißt es, in Stresssituationen kommt es bei Emma zu intensiv erlebten Affekten, wie etwa Panik. Und da kann es dann wiederum, das habe ich eben schon kurz angesprochen, sowohl zu motorischem Stillstand kommen, das nennt man Einfrieren oder Freeze.

Als auch eben zu aggressiven Attacken. Also sie kann auch aggressiv werden und daneben leidet sie zur Tatzeit auch unter einer Schizophrenie-Spektrumsstörung und natürlich einem Abhängigkeitssyndrom. Also sie ist natürlich auch noch abhängig. Und auch das wird als tatrelevant betrachtet, denn, so heißt es im Urteil, Zitat, mit einer psychotischen Störung geht regelmäßig auch eine Minderung der Impulskontrolle einher.

Das Gleiche gilt für die enthemmende Wirkung psychotropa Substanzen. Also sowohl die psychotische Störung, die sie hat, als auch der Substanzmissbrauch führen dann eben dazu, dass hier im Grunde letztlich gesagt wird, sie war nicht 100%ig steuerungsfähig. Okay. Fand ich nochmal spannend, das ist ja dieses Fight and Flight, dieser Modus, den wir eben schon mal angesprochen hatten mit dem Einfrieren oder eben das Gegenteil.

Also zusammengefasst, Emmas komplexe Erkrankung hat sich auf ihre Steuerungsfähigkeit gelegt. In der Tatnacht ausgewählt. So ist es, genau. Die Kammer führte dann noch aus, dass Emma zum Tatzeitpunkt auf der Straße lebte und medikamentös gar nicht eingestellt war. Sie war, Zitat, ohnehin emotional labil und in der Impulskontrolle vermindert.

Ja, und als sich dann Malik ihr ungewollt erneut sexuell nähert, da ist sie aufgrund dieser Trauma-Folgestörung nicht in der Lage, adäquat mit diesem fordernden Verhalten umzugehen und gerät in Panik. Also ich stelle mir das so vor, sie hat diesen Handel mit ihm geschlossen Ich bekomme hier einen Schlafplatz, ich bekomme Drogen, dafür bekommst du Sex.

Das hat sie gemacht, auch wenn es ihr zuwider war. Dann konnte sie duschen und dann war das für sie durch das Thema. Und als er dann nochmal angefangen hat, ist es zu dieser Situation gekommen. Und diese Panik, die sie dann ergriffen hat, die äußert sich in diesem Moment dann eben nicht als Einfrieren, in Einfrieren, sondern in einem sehr aggressiven Impulsdurchbruch.

Das Gericht nennt den Totschlag, Zitat nochmal, eine Symptomtat ihrer komplexen Persönlichkeitsstörung, begünstigt durch die schizophrene Grunderkrankung und den Betäubungsmittelkonsum vor der Tat. Was, wie wir eben schon gesagt haben und ich will es nochmal betonen, natürlich keine Entschuldigung ist, Emma wird ja verurteilt und mit einer Haftstrafe bestraft. Ja, richtig.

Also es wird deutlich gemacht, dass sie auf jeden Fall schuldhaft gehandelt hat und es wird auch auf ihr Nachtatverhalten eingegangen. Das hattest du ja eben auch schon angemerkt. Ich habe ja beschrieben, sie verlässt die Wohnung nicht irgendwie fluchtartig. Hals über Kopf, sondern sie legt diesen Salzkristallstein zurück ordentlich.

Sie bedeckt den Leichnam, schließt die Tür ordentlich hinter sich ab. Das Urteil wirkt am Ende für mich nachvollziehbar, auch wenn wir natürlich auf keinen Fall vergessen dürfen, dass Emma eine schreckliche und wirklich sehr brutale Tat begangen hat, der auch Malik eben zum Opfer gefallen ist. Auch sein Verhalten rechtfertigt diese Tat natürlich nicht. Nein, das sehe ich genauso, ja.

Und einen Satz möchte ich hier auch noch anbringen, den ich übrigens vor ein paar Monaten mal hier im Podcast gehört habe, nämlich verletzte Menschen verletzen Menschen. Ich finde, dieser Fall ist wieder so ein klassisches Beispiel dafür, wie zutreffend diese Aussage oft ist. Wissen wir eigentlich, wie es mit Emma nach der Tat weiterging?

Ja, wie schon gesagt, sie ist wirklich unmittelbar nach der Tat zurück in die Niederlande gegangen. Man kann vielleicht sagen, zurückgeflüchtet wiederum. Und tatsächlich hat sie es schließlich geschafft, so der Stand zum Zeitpunkt des Prozesses, ihre Drogensucht zu überwinden. Sie hat sich erneut in eine stationäre Entgiftung und Drogentherapie begeben und anschließend, was vielleicht der entscheidende Punkt ist, in eine stationäre psychiatrische Therapie.

Okay, man könnte natürlich spekulieren, dass die Tat in Bonn so eine Art Weckruf war, dass sie ihr Leben umkrempeln muss. Ja, also ich finde es jedenfalls nicht fernliegend. Man muss natürlich trotzdem genau, wie du gerade sagst, sagen, es ist natürlich schrecklich, dass es zu dieser Tat gekommen ist.

Für sie kann das tatsächlich ein Weckruf gewesen sein, denn nach der Therapie lebt sie eben bis zu ihrer Inhaftierung. Drogenabstinent tatsächlich, sie hat es also erstmals geschafft, wirklich weg von den Drogen zu kommen. und, das ist auch ein großer Unterschied, medikamentös eingestellt. Sie lebt eigenständig in ihrer Wohnung und wird im Alltag von einer sozialen Einrichtung unterstützt, erhält Leistungen nach dem niederländischen Gesetz über die Arbeitsunfähigkeitsversicherung junger Menschen mit Behinderung.

Das ist vielleicht ein bisschen verwirrend, weil sie ja nicht mehr ganz jung war zu diesem Zeitpunkt. Aber dieses Gesetz richtet sich an Personen, die in jungen Jahren erwerbsunfähig geworden sind, wegen eines Handicaps wirklicher Art. Und Emma hat, das haben wir bisher noch nicht erwähnt, eine 2015 geborene Tochter, die mit ihrer Schwester, deren Sohn und ihren Eltern zusammenlebt.

Und bis zu ihrer Inhaftierung hatte sie tatsächlich auch regelmäßigen Umgang mit dieser Tochter. Jetzt scheint es ja da eben so eine gewisse Stabilität zu geben, die, wie ich vermute, aber durch die Haft wieder, aus der sie herausgerissen wurde, Emma. Man kann nur hoffen, dass sie stabil genug war, um ihr Leben nach dem Gefängnis so fortzusetzen.

Ja, sie darf zumindest die Haftstrafe in ihrem Heimatland verbüßen. Es ist also davon auszugehen, dass sie regelmäßig Kontakt mit ihrer Familie haben kann. Wir wissen natürlich nicht, wie es dann nach der Haft für sie weitergeht. Und wir kommen damit zum Ende dieses Falls. Und natürlich sind wir wie immer sehr gespannt, was ihr dazu sagt.

Genau, schickt uns auf jeden Fall eure Gedanken als Kommentar bei YouTube oder Spotify oder Instagram unter oder per Mail an podcast.ga.de. Folgt unserem Podcast, abonniert ihn, aktiviert unbedingt bei Spotify die kleine Glocke, um keine Episode zu verpassen. und was für uns nach wie vor das Wichtigste ist, bewertet uns mit fünf Sternen.

Sonderpunkte gibt es hier natürlich für eine schöne, nette Bewertung bei Apple Podcasts. Das ist ja ein hartes Pflaster. Das stimmt. Und das freut uns deshalb umso mehr und hilft uns total. Auf jeden Fall. Vielen Dank, dass ihr dabei wart und bis zum nächsten Mal. Ja, danke schön. Tschüss. Das war Akte Rheinland. Der GA-Podcast zu Kriminalfällen aus Bonn und der Region.

Akte Rheinland ist eine Produktion der Generalanzeiger Bonn GmbH. Redaktion und Moderation Anna-Maria Bekes. Produktionsleitung Andreas Deick. Mitarbeiter Sabrina Bauer, Simeon Gerling und andere. Sprecher Daniel Dähling, Martin Busch. Musik.

0:00 / 0:00