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AstroGeo - Geschichten aus Astronomie und Geologie· Staffel 2· Folge 82

Der hellste Gammablitz aller Zeiten

Donnerstag, 21. Dezember 2023 · 47 min

MP3

Shownotes

Für AstroGeo recherchieren wir regelmäßig eine ganze Geschichte. Nur wenn du uns finanziell unterstützt, bleibt der Podcast weiter kostenfrei. Danke! (astrogeo.de/unterstuetze-uns)

Eigentlich wollten die USA nur überprüfen, ob sich auch alle Beteiligten an den Partiellen Teststopp-Vertrag halten, der bestimmte Atomwaffentests und andere Kernexplosionen verbot: Dafür wurden in den 1960er-Jahren die Vela-Satelliten in hohe Erdumlaufbahnen geschickt. Doch zunächst fanden diese Satelliten keine Anzeichen auf geheime Kernwaffen-Tests, sondern auf mysteriöse helle Lichter aus dem All: Diese Gammablitze leuchteten im hochenergetischen Gammastrahlenbereich sekundenlang auf, bevor sie wieder verblassten. Sie schienen von überall her aus dem All zu kommen – was steckte dahinter?

Heute wissen wir: Gammablitze kommen von sehr weit weg, zum Glück, möchte man sagen: Denn würde ein Gammablitz von nebenan auf die Erdatmosphäre treffen, hätte das drastische Auswirkungen auf die Erde und auf das Leben auf ihrer Oberfläche. Ein solcher Gammablitz könnte ein Massenaussterben auslösen – und vielleicht ist das in der Vergangenheit schon einmal passiert.

In dieser Folge des AstroGeo-Podcasts erzählt Franzi die Geschichte der Gammablitze und was wir über sie bereits wissen. Und sie erzählt vom 9. Oktober 2022, als der bislang hellste jemals gemessene Gammablitz namens GRB 221009A auf die Erdatmosphäre traf, Spitzname: BOAT – brightest of all time.

Weiterhören bei AstroGeo

• Folge 64: Massenaussterben im Treibhaus (astrogeo.de/tod-im-treibhaus)

Weiterführende Links

• WP: de.wikipedia.org/wiki/Gammablitz

• WP: GRB 221009A (de.wikipedia.org/wiki/GRB_221009A)

• WP: Vela-Satelliten (de.wikipedia.org/wiki/Vela_(Satellit))

• WP: 774–775 carbon-14 spike (engl.) (en.wikipedia.org/wiki/774%E2%80%93775_carbon-1…)

• WP: Vertrag über das Verbot von Kernwaffenversuchen in der Atmosphäre, im Weltraum und unter Wasser (de.wikipedia.org/wiki/Vertrag_%C3%BCber_das_Ve…)

• WP: Ordovizisches Massenaussterben (de.wikipedia.org/wiki/Ordovizisches_Massenauss…)

• WP: Ionosphäre (de.wikipedia.org/wiki/Ionosph%C3%A4re)

• WP: Compton Gamma Ray Observatory (de.wikipedia.org/wiki/Compton_Gamma_Ray_Observ…)

Quellen

• Fachartikel: GRB 221009A: Discovery of an Exceptionally Rare Nearby and Energetic Gamma-Ray Burst (2022) (iopscience.iop.org/article/10.3847/2041-8213/a…)

• Fachartikel: Very high-energy gamma-ray emission beyond 10 TeV from GRB 221009A (2023) (science.org/doi/10.1126/sciadv.adj2778)

• Fachartikel: Evidence of an upper ionospheric electric field perturbation correlated with a gamma ray burst (2023) (nature.com/articles/s41467-023-42551-5)

• Fachartikel: Possible Role of Gamma Ray Bursts on Life Extinction in the Universe (2014) (journals.aps.org/prl/abstract/10.1103/PhysRevL…)

• Fachartikel: Did a gamma-ray burst initiate the late Ordovician mass extinction? (2004) (ui.adsabs.harvard.edu/abs/2004IJAsB...3...55M/…)

• Fachartikel: Observations of Gamma-Ray Bursts of Cosmic Origin (1973) (ui.adsabs.harvard.edu/abs/1973ApJ...182L..85K/…)

• Fachartikel: A Galactic short gamma-ray burst as cause for the 14C peak in AD 774/5 (2013) (academic.oup.com/mnras/article/430/1/32/983802…)

Transkriptvom Podcast bereitgestellt · Zeitmarken springen hin

Franziska Konitzer Was erwartest du dir von deiner astrophysikalischen Weihnachtsgeschichte, Karl?

Karl Urban Ein bisschen Wärme, ein bisschen Schubi, aber ganz, ganz, ganz bestimmt nichts vom Stern von Bethlehem. Hallo bei Astro Geo, dem Podcast der Weltraumreporter. Ich bin Karl Urban und ich bin Franzi Konitzer und wir sind zwei Wissenschaftsjournalisten. Franzi ist Astrophysikerin, die die langen der Zeit toll findet, weil da mehr Zeit zum Sternegucken ist.

Karl Urban Und ich bin Geologe, der lange Nächte auch toll finden würde, wenn da nicht fast immer Wolken wären. In diesem Podcast erzählen wir uns ja gegenseitig Geschichten, die uns entweder die Steine unseres kosmischen Vorgartens eingeflüstert haben, oder die wir in den Tiefen und Untiefern des Universums aufgestöbert haben.

Franziska Konitzer Und irgendwas ist heute anders.

Karl Urban Genau. Denn wer es noch nicht bemerkt hat, Wir haben den Aufbau unserer Folgen so ganz leicht verändert. Das Intro ist etwas kürzer, das lange Intro ist aber nicht weg, sondern ist nur ans Ende gewandert. Wir labern hier am Anfang nicht mehr über längst vergangene Folgen, sondern machen das in gesonderten Feedback-Folgen.

Karl Urban Und von denen habt ihr ja die erste auch schon vor zwei Wochen bzw. Ich glaube, vor einer Woche hören können.

Franziska Konitzer Wenn ihr gewollt habt, genau. Aber apropos labern oder nicht labern, ich finde das Wort ja eigentlich labern ganz schlimm, Egal. Weißt du noch, was ich dir beim letzten Mal erzählt habe?

Karl Urban Genau, es ging um unsere Sonne und ihre Neutrinos, die ständig durch, nicht nur durch meinen Daumennagel fliegen. Und warum man auf Basis dieser Neutrinos eine Zeit lang glaubt, die Sonne könnte kaputt sein.

Franziska Konitzer Ja, wenn ihr wissen wollt, warum die Sonne offensichtlich nicht kaputt war, dann könnt ihr euch die Folge anhören. nämlich Ausgabe 79 war das. Aber heute sind wir schon bei Ausgabe 81 angelangt.

Karl Urban Genau. Kleine Korrektur von Karl, der diese Sendung gerade schneidet. Das ist natürlich Ausgabe 82. Und das heißt, Franzi, dass du schon wieder eine neue Geschichte mitgebracht hast.

Franziska Konitzer Ja, ich habe dir eine neue Geschichte mitgebracht, Karl. Nicht vom Stern von Bethlehem, keine Sorge, sondern ich erzähle dir heute von einem Licht im Dunkeln. Kannst du auch sagen, ist nicht der Start von Bethlehem, keine Sorge. Also wenigstens ein bisschen passend zur Jahreszeit. Genauer gesagt erzähle ich dir vom allerhellsten Licht im Dunkeln, das auch einen sexy Namen hat, nämlich, ich erzähle dir vom Boat.

Franziska Konitzer B-O-A-T. Sagt dir das was?

Karl Urban Nee.

Franziska Konitzer Ja, also das Boat ist eine Abkürzung für brightest of all time, analog zu goat. Und da musste ich auch erst lernen, dass goat nicht etwa sich auf Ziegen bezieht, sondern auf allertolle, supertolle Sachen und Menschen, nämlich greatest of all time. Okay. Also, es geht ja aber heute nicht um Ziegen oder um sportliche Superhelden, sondern um eben dieses Boat, dieses Licht.

Franziska Konitzer Und dieses Licht hat nämlich nicht nur was mit den Tiefen und Untiefen des Universums zu tun, sondern auch mit potenziellen sowie bereits vergangenen Massenaussterben. Ist es nicht schön? Das ist quasi meine Weihnachtsgeschichte für dich heute.

Karl Urban Sehr schön, da freue ich mich jetzt schon drauf. Genau.

Franziska Konitzer Aber die Geschichte fängt nicht mit einem Massenaussterben an, sondern mit dem partiellen Teststopp-Vertrag von 1963. Der partielle Teststopp-Vertrag von 1963 ist der Vertrag über das Verbot von Kernwaffenversuchen in der Atmosphäre, im Weltraum und unter Wasser, der eben Atomwaffentests und andere Kernexplosionen verbietet, sowie auch Explosionen, in deren Folge radioaktiver Niederschlag außerhalb der Grenzen des Landes gelangen würde, das diesen Test eben durchführt.

Franziska Konitzer Und dabei waren eben 1963 schon die USA, Großbritannien und die Sowjetunion, später kamen dann noch andere Länder dazu, Deutschland auch. Also man hat sich also darauf geeinigt, wir möchten keine Atomwaffen mehr testen, sodass andere Länder auch was davon haben. Aber vor allem die in die USA haben sich gedacht, Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser.

Franziska Konitzer Und hat deshalb wenige Jahre später ein paar Satelliten ins All geschickt. Und zwar waren das Satelliten namens Vela, diese Vela-Satelliten waren eben dazu da, oberirdische Atombomben-Tests aufzuspüren, wenn diese denn durchgeführt werden sollten. Und zwar sollten die sie ausspüren anhand der Gammastrahlung.

Franziska Konitzer Und Gammastrahlung ist sehr hoch energetische Strahlung. Also wenn wir dieses, das elektromagnetische Spektrum vor uns haben, dann habe ich ja den sichtbaren Bereich und wenn es dann nicht ganz so energiereich ist wie sichtbares Licht, dann ist es dann irgendwie infrarot und Radio und so weiter. Und weiter oben kommt eben UV und Röntgen und dann schließlich eben Gamma-Strahlung.

Franziska Konitzer Gamma-Strahlung ist der ganze höchst energetische Bereich an elektromagnetischer Strahlung. Und diese Wähler-Satelliten sollten eben die Erde beobachten und sehen, ob da nun irgendjemand derartige Tests durchführt, eben anhand der Gamma-Strahlung. Tatsächlich waren die recht weit oben, also die meisten Satelliten sind ja so ein paar hundert Kilometer über der Erde.

Franziska Konitzer Die Vela-Satelliten waren in der Höhe von 65.000 Meilen. Das sind, was ist denn das? 100.000 Kilometer fast, ne?

Karl Urban Also weit oberhalb der geostationären Satelliten schon.

Franziska Konitzer Weit oberhalb der geostationären Seiten. Das hatte auch einen Grund. Sie haben, Sie waren über dem Fan-Alan-Strahlungsgürtel, der auch die Messungen, der auch die Sensoren gestört hätte. Und tatsächlich war diese Extrahöhe auch gewollt, weil die Vela-Satelliten in der Lage gewesen wären, Atomwaffenexplosionen auf dem Mond nachzuweisen.

Franziska Konitzer Ja, ja, weil die USA sich gedacht haben, vielleicht lässt die Sowjetunion einfach auf dem Mond ein paar Atombomben hochgehen, um quasi die irdischen Tests zu verstecken. Also, wie gesagt, Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser.

Karl Urban Das ist abgefahren, wenn man überlegt, 1963, das war ja noch ein paar Jährchen vor der ersten Mondlandung.

Franziska Konitzer Absolut, absolut. Und ich meine, gut, die Wähler-Satelliten haben sie, ich glaube, 65, 66. Also, ja, aber es war definitiv vor der ersten Mondlandung. Aber ja, gut. Also, ja, wie gesagt, Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser. Also, diese Wähler-Satelliten wurden also ins All geschickt, es gab mehrere davon.

Franziska Konitzer Und tatsächlich haben die Wähler 3 und 4 Satelliten am 2. Juli 1967 etwas gesehen. Und zwar haben sie einen hellen Blitz, einen hellen Ausbruch an Gammastrahlung gesehen. Aber…, Dieser Blitz, dieses helle Licht, sage ich jetzt einfach mal, dieses helle Licht passte nicht zu einem Test von Nuklearwaffen.

Franziska Konitzer Also es sah nicht aus wie ein Kernwaffentest, weil eben eine Atombombe oder eine Kernwaffenexplosion löst eben einen ganz kurzen Blitz aus, ein ganz kurzer Flash von Gammastrahlung und dann und dann geht's auch sehr schnell wieder runter. Und das Signal, was diese WLA-Satelliten gedeckt haben, sah irgendwie anders aus.

Franziska Konitzer Also es hatte weder diesen kurzen, intensiven Flash und dann auch nicht dieses runtergehen, sondern es waren irgendwie wie so zwei Blitze, zwei Peaks in der Lichtkurve. Also es war komisch, es war aber auch eigentlich klar, es ist kein Kernwaffentest. Also das war von Anfang an klar. Man hat sich gedacht, gut, vielleicht war es ein Sonnensturm.

Franziska Konitzer Also geladene Teilchen von der Sonne und hochenergetische Strahlung, aber den gab es nicht an dem Tag. Es gab keinen Sonnensturm an dem Tag. Oder es könnte eine Supernova vielleicht sein, aber auch die gab es nicht an dem Tag. Also, man hat das dann halt so, okay, man hat das registriert und dann hat sich aber auch keine Sorgen gemacht, weil wie gesagt, das war ja klar, es ist kein Nukleartest.

Franziska Konitzer Und später haben aber weitere der WLA-Satelliten auch solche Gamma-Blitze gesehen. Und WLA-5 zum Beispiel 1969 hat insgesamt zwölf solcher Blitze gesehen. Ja. Und dann war eben 1973 kam das erste, kam der erste Fachartikel raus. 1973 erst?

Karl Urban 1973.

Franziska Konitzer Also man hat ein paar Jahre gesammelt. Sie waren auch jetzt auch nicht so häufig, Aber 73 hat man das dann gesammelt, in einen Fachartikel rausgebracht und da war eben klar, diese Gamma-Blitze, diese Beobachtungen dieser intensiven Gamma-Strahlung, die können nicht von der Erde kommen. Das passt nicht mit der Richtung, was die Satelliten auch gesehen haben.

Franziska Konitzer Sie können aber auch nicht von der Sonne kommen. Also weder Sonne noch Erde waren raus. Aber dann ist natürlich die Frage, wo kommen diese super energiereichen Gamma-Blitze her und durch welchen Mechanismus werden sie erzeugt? Das war unbekannt. Man sieht die, aber es ist eben nicht klar. Kurz nachdem das dann bekannt geworden ist, oder ich meine, die astrophysikalische Community hat sich dann natürlich damit beschäftigt, es war dann auch klar, okay, bislang hatte man ja nur diese Gamma-Blitze gesehen und man nimmt nun mal einfach an, es kommt von irgendwas aus dem All.

Franziska Konitzer Aber die Frage ist, von was aus dem All? Und dazu wollte man dann diese Gamma-Blitze, wenn möglichst, in anderen Wellenlängenbereichen sehen. Also man wollte gucken, ist es nur dieser eine Blitz und an der gleichen Stelle findet in anderen Wellenlängenbereichen gar nichts statt oder ist da vielleicht auch was, was wir im Röntgenbereich sehen können?

Franziska Konitzer Ist da was, was wir im UV-Bereich sehen können, im sichtbaren Bereich? Und eben feststellen, was da eigentlich blitzt, sage ich jetzt mal, was da so hell im Gamma-Bereich aufrechnet und wo es ist, weil man hat dann den folgenden Jahren auch ein paar Missionen gestartet, ein paar Satelliten gestartet, auch von mehreren Ländern, die eben nachgucken wollten, okay, wo sind diese, wie häufig sind diese Blitze wirklich und so weiter und so fort.

Franziska Konitzer Und was man eben, oder aber wo kommen sie her? Kommen sie aus dem Sonnensystem? Kommen sie aus der Milchstraße? Kommen sie von jenseits der Milchstraße? Man wusste gar nichts, man wusste nur, diese Blitze sind da. Und in den folgenden Jahren hat man eben ein paar Missionen gestartet und erst mal festgestellt, dass tatsächlich die vom ganzen Himmel gleich verteilt kommen.

Franziska Konitzer Also wenn du den gesamten Himmel oder das gesamte All als dieses Oval darstellst mit dieser Karte, dann kommen Gamma-Blitze von überall her. Isotropisch kann man auch sagen. Und das deutet schon mal eigentlich darauf hin, dass sie wohl nicht aus unserer Milchstraße kommen.

Karl Urban Genau.

Franziska Konitzer Weil wenn sie aus unserer Milchstraße kommen würden, dann würden sie ja anders verteilt und eben nicht komplett gleich aus allen Richtungen. Okay, also so weit war man dann schon. Das hat dann allerdings noch ein bisschen gedauert, bis in die frühen 1990er. Bevor man da irgendwie weitergekommen ist. Und man hat dann irgendwann, man hat dann eben Anfang der 90er das Compton Gamma-Ray Observatory gestartet.

Franziska Konitzer Also das Compton-Weltraum-Observatorium für Gamma-Strahlung, was darauf eben ausgelegt war, diese Strahlung zu beobachten. Und dann konnte man auch endlich diese Frage beantworten oder konnte man anfangen, diese Frage zu beantworten, wodurch werden Gamma-Blitze erzeugt und wo kommen sie her? Da hat dann das Compton-Observatorium auch das Rätsel Lösung gegeben, weil man ein paar Jahre später an einen bestimmten Gamma-Blitz, dessen Namen ich dir nicht vorlese, aber es war 1997, konnte man eben nachweisen.

Franziska Konitzer Erstmals, dass man eben den Gamma-Blitz gesehen hat und dann die Richtung bestimmen konnte und dann bestimmen konnte, woher er eigentlich kam und zwar aus einer sehr leuchtschwachen Galaxie. Also er kam nicht mehr irgendwie aus dem Nirgendwo, sondern man konnte dann eben in anderen Wellenbereichen eine sehr leuchtschwache Galaxie sehen.

Franziska Konitzer Und damit war auf jeden Fall klar, okay, diese langen Gammablitze kommen nicht von innerhalb der Milchstraße, weil es gab dann noch weiterhin die Leute, die gesagt haben, naja, das schaut halt isotropisch aus, aber es könnte schon auch aus der Milchstraße kommen. Aber damit war schon mal klar, nein, also es kommt von außerhalb der Milchstraße.

Franziska Konitzer Wenig später konnte man auch mit einem Gamma-Blitz aus dem Jahr 1997 nachweisen, dass man eben auch lokalisieren konnte. Da konnte man dann zum ersten Mal tatsächlich messen, von wie weit dieser Gamma-Blitz herkam. Und da kam eben raus, dass der eine Entfernung von sechs Milliarden Lichtjahren zurückgelegt hat.

Franziska Konitzer Also sechs Milliarden Lichtjahre sind eine Menge?

Karl Urban Ein Stück weit draußen schon.

Franziska Konitzer Ein Stück weit draußen, also, zur Vergleich 6 Milliarden Lichtjahre, die Andromeda-Galaxie, unsere benachbarte größere Galaxie ist, was? 250 Millionen Lichtjahre, oder? Ne, 250.000, das ist viel näher dran. Wie dem… Entschuldigung.

Karl Urban Müssen 250.000 sein.

Franziska Konitzer 250.000 sein. Die ist so weit weg und zählt damit absolut zur kosmischen Nachbarschaft. Zu kosmischen Nachbarschaft zählen wir im Grunde genommen alles, was so eine Milliarde Lichtjahre oder irgendwie so, also nah dran, sechs Milliarden Lichtjahre ist eine Menge. Und damit war klar, okay, Gamma-Blitze sind wirklich weit weg, also werden von Galaxien oder aus Galaxien gesandt, die wirklich weit entfernt sind.

Franziska Konitzer Und tatsächlich ist das eine super gute Nachricht, dass die so weit weg sind.

Karl Urban – Franzi, ich muss dich unterbrechen, es sind 2,5 Millionen Lichtjahre.

Franziska Konitzer Verdammt, lassen wir es doch drin. Also die Andromeda-Galaxie ist 2,5 Millionen Lichtjahre entfernt, danke dir, Karl. Und dieser Gammablitz aus dem Jahr 1997 war eben 6 Milliarden Lichtjahre, wurde der ausgesandt. Von daher, ja. Aber, wie gesagt, es trifft sich gut. Warum ist es gut, dass Gammablitze in so großer Entfernung losgeschickt werden?

Franziska Konitzer Weil, ich meine, bei uns auf der Erde kommt das immer noch im Gamma-Bereich an, ne? Also wir empfangen die Gamma-Strahlung dieser Gamma-Blitze und dann kann man sich ja irgendwie auch mal ausrechnen, okay, wie viel Energie wurde da eigentlich losgeschickt? Und ja, dann konnte man schon feststellen, dass Gamma-Blitze tatsächlich die energiereichsten Explosionen sind, die es heutzutage im Universum gibt.

Franziska Konitzer Also tatsächlich sind Gamma-Blitze im elektromagnetischen Spektrum das energiereichste Ereignis oder die energiereichsten Ereignisse seit dem Urknall. Also sie sind energiereicher als eine Supernova-Explosion. So ein Gamma-Blitz. Setzt in zehn Sekunden mehr Energie frei als unsere Sonne während ihrer gesamten Lebensdauer, die ja immerhin mehrere Milliarden Jahre lang ist.

Franziska Konitzer Und wenn so ein Gammablitz als erstes aufleuchtet, ist er heller als alle übrigen Gammastrahlenquellen am Himmel. Und dann haben Sie, und dann gibt's ja, also es ist wirklich hell.

Karl Urban Ja.

Franziska Konitzer Und dann haben Sie noch ein Nachglühen im optischen Bereich und im Röntgenspektrum, das ist ja auch nochmal Energie.

Karl Urban Also mir wird jetzt schon ganz weihnachtlich auf jeden Fall.

Franziska Konitzer Der ist ganz weihnachtlich. Habt ihr gesagt, ich erzähl dir von einem super hellen Licht. Also ein Gamma-Blitz ist in der Größenordnung von 100, also er ist hunderte Male heller als die typische Supernova. Und eine Supernova ist hell, ne? Das sagt man bei der Supernova immer. Wenn eine Supernova hochgeht, ist sie heller als ihre gesamte Galaxie.

Franziska Konitzer Ein Gamma-Blitz ist dann nochmal hundertmal mehr. Und er ist ungefähr so hell wie, was ist das mal, Million Trillion, also eine Million Trillion, Billionen auf Deutsch, als die Sonne. Also er ist wirklich, wirklich hell. Das ist das, was man sich merken kann. So. Und angesichts dieser gewaltigen, einerseits schön für uns, weil wir können das immer noch aus großen Entfernungen sehen, andererseits könnte man sich schon überlegen, dass es dann vielleicht, nicht dann so praktisch wäre, wenn so ein Gammablitz gleich nebenan in unserer Milchstraße losgehen würde und die Erde aus nächster Nähe treffen würde.

Franziska Konitzer Also nicht nach sechs Milliarden Lichtjahren, sondern fünf Sternsysteme weiter oder so. Das wäre schlecht, weil auch das, aber ich meine, Astrophysikerinnen und Astrophysiker beschäftigen sich natürlich auch mit derartigen potenziellen apokalyptischen Szenarien. Was würde überhaupt passieren, wenn so ein Gamma-Blitz wirklich aus nächster Nähe die Erde treffen würde.

Franziska Konitzer Also der sofortige Schaden wäre tatsächlich nicht so groß. Also es ist nicht wie Instant Apocalypse, dass dann ein Gamma-Blitz auf die Erde trifft und dann ist hier alles weg. Also unmittelbar ist es nicht so schlimm wie so dieser große Asteroid, der mal auf die Erde gefallen ist. Aber was passiert ist, dass die Gammastrahlung von der Atmosphäre absorbiert wird.

Franziska Konitzer Und dabei entsteht unter anderem Stickoxid. Und dadurch würde so viel Stickoxid entstehen, dass die Ozonschicht der Erde schwer geschädigt werden würde. Das könnte natürlich auch die unberührte Erdseite, also der Gammablitz trifft ja nur eine Seite, aber ich meine, das zieht sich ja durch die gesamte Erdatmosphäre durch.

Franziska Konitzer Also ein Gammablitz würde letztendlich über Reaktionen in der Erdatmosphäre dazu führen, dass die Ozonschicht geschädigt, wenn nicht sogar zerstört werden würde. Und ohne Ozonschicht würde es auf der Erde wahrscheinlich ein Massenaussterben geben, da uns die Ozonschicht vor der UV-Strahlung der Sonne beschützt.

Franziska Konitzer Und würde diese UV-Strahlung ungehindert auf die Erdatmosphäre treffen, würde das zum Beispiel auch Lebewesen im Meer betreffen, weil das Plankton auf der Meeresoberfläche zerstört werden würde und dieses Plankton ist die Grundlage von Leben im Ozean. Also, hochenergetischer Gamma-Blitz zerstört die Ozonschicht der Erde und führt dadurch zu einem Massenaussterben.

Franziska Konitzer Was lustig ist, weil in der Feedback-Folge, in dem Astrogeo-Geplänkel-Folge 1, hatten wir es ja gerade, was passieren würde, wenn das Erdmagnetfeld nicht mehr da wäre. Und da ist ja eine ähnliche Folge, ohne Erdmagnetfeld würde die Ozonschicht geschädigt werden und das wäre schlecht für uns, höchstwahrscheinlich.

Karl Urban Genau, und auch dieses Stickoxidproblem könnte sich dann unter Umständen ergeben.

Franziska Konitzer Genau. So, also ja, Gammablitz nebenan wäre schlecht. Deshalb ist natürlich dann die nächste Frage, wie wahrscheinlich ist es, dass die Erde von einem Gammablitz aus der Nähe getroffen wird? Und dazu sollte man dann vielleicht auch erstmal rausfinden, durch was Gammablitze überhaupt erzeugt werden, weil alles, was man ja dann bislang wusste oder in den 90ern war, okay, Gammablitze aus Galaxien, die wahnsinnig weit weg sind.

Franziska Konitzer Aber offensichtlich nicht in der Milchstraße, in der wir ja drinnen sind. Und ich spreche hier tatsächlich nur über lange Gamma-Blitze. Es gibt verschiedene Arten von Gamma-Blitzen. Es gibt auch kurze Gamma-Blitze. Das ist nicht Teil meiner Geschichte heute. Ich spreche von den langen Gamma-Blitzen.

Karl Urban Was heißt lang eigentlich? Wie lang sind die?

Franziska Konitzer Länger als zwei Sekunden.

Karl Urban Na, das ist ja ordentlich. Wow.

Franziska Konitzer Das Initialleuchten ist auf jeden Fall länger als zwei Sekunden. Das war ja auch bei diesen Vela-Satelliten, die eben diese Kernwaffentests rausfinden wollten, wenn sie denn passiert sind. Da ist zum Beispiel dieses Gammablitz-Aufleuchten ist weniger, weit weniger als eine Sekunde lang. Also weit, weit weniger als eine Sekunde. Und ein langer Gammablitz ist wirklich länger als zwei Sekunden und teilweise noch länger.

Franziska Konitzer Tatsächlich, der Boat, von dem ich dir erzähle, ist über 1000 Sekunden lang gewesen, das erste Glühen. Aber, Also wie entsteht das? Also wie entstehen solche Gamma-Blitze, solche langen Gamma-Blitze? Und dann kann man ja auch rausfinden, wie wahrscheinlich das ist, dass es bei uns nebenan passiert. Also, was man dann eben rausgefunden hat, indem man mehr Gamma-Blitze beobachtet hat und dann auch die rausgefunden hat, wo sie eben herkommen, ist, dass Gamma-Blitze oder lange Gamma-Blitze vor allem aus Galaxien zu stammen scheinen, in denen es sehr viel, sehr schnelle Sternentstehung geht, gibt und dass sie in vielen Fällen mit einer Kernkollaps-Supernova zusammenhängen.

Franziska Konitzer Also, dass wenn ein massereicher Stern am Ende seiner Entwicklung zu einer Supernova, als Supernova explodiert, dass dann dabei ein solcher Gamma-Blitz entsteht. Genau wie, ist nicht bekannt, auch heute noch nicht, aber das hat auf jeden Fall, das linkt auf jeden Fall Gammablitze mit quasi dem…, Tod der Explosion, dem Ende der Entwicklung von sehr massereichen Sternen.

Franziska Konitzer Und das macht ja dann auch Sinn, dass Gamma-Blitze in Galaxien vorkommen, wo es sehr viel Sternentstehung gibt, weil so massereiche Sterne, die gibt es nur extrem kurz, weil unsere Sonne zum Beispiel ist ja ungefähr 10 Milliarden Jahre, hält die durch. Ein sehr, sehr massereicher Stern hat im Grunde genommen seinen gesamten Wasserstoff innerhalb von 10 Millionen Jahren verbrannt.

Franziska Konitzer Und damit, wenn viele Sterne entstehen, entstehen natürlich auch massereiche Sterne, die dann aber relativ bald als Supernovae explodieren. So, und da denkt man also, kommen also diese, die langen Gammablitze vor allem her. Es gibt aber auch inzwischen Hinweise, dass lange Gammablitze teilweise durch verschmelzende Neutronensterne erzeugt werden.

Franziska Konitzer Aber man kann sich erstmal merken, okay, Gammablitze, lange Gammablitze hat Irgendwas mit sterbenden, massereichen Sternen zu tun.

Karl Urban Aber sag mal, wenn du am Anfang gesagt hast, so die klassische Supernova ist es nicht. Und jetzt sagst du, es sind doch auch Supernovae dabei. Also es ist einfach eine ganz andere Klasse von Supernovae, oder?

Franziska Konitzer Nee, es ist keine ganz andere Klasse von Supernovae. Es ist ja so, dass man sich das schon vorstellt, dass du hast die Supernova und die kollabiert. Und was wir dann auf der Erde messen, dieser Supernova ist ja sicherlich ihre elektromagnetische Strahlung, aber auch ihre Neutrinos, wo sie ja die meiste Energie aussendet.

Franziska Konitzer Also eine Supernova strahlt ja am hellsten im Neutrino-Bereich. Und die beiden, was wir von der Supernova sehen und von den Neutrinos, das Gesamt können wir dann sagen, okay, oder kann man sagen, nicht ich, okay, das ist dann die Gesamtenergie der Supernova. Die Supernova leuchtet heller. So ein Gamma-Blitz stellt man sich ja schon vor, dass es irgendwie wie so eine Art Jet ist, der aufgrund einer engen Achse an beiden Enden rausschießt.

Franziska Konitzer Also das würde ich nicht zu der Gesamtenergie der Supernova dazu zählen. Man betrachtet es als zwei getrennte Phänomene. Das ist eben auch aber noch nicht komplett raus tatsächlich. Unter anderem, weil du es ja nicht aus der Nähe beobachten kannst, Gott sei Dank. Also möglicherweise.

Karl Urban Kannst und willst. Genau.

Franziska Konitzer Aber tatsächlich, wie Gammablitze es hinkriegen. Es ist nach wie vor nicht so richtig. Also man kann es damit quasi in Verbindung bringen, auch gut in Verbindung bringen, aber genau, wie das alles funktioniert, weiß man tatsächlich noch nicht. Aber was wir für unsere Zwecke wissen müssen, ob wir jetzt demnächst von einem Gammablitz getroffen werden und wie hoch die Wahrscheinlichkeit davon ist, ist, dass prinzipiell.

Franziska Konitzer Scheinen lange Gammablitze aus Galaxien zu kommen mit viel und schneller Sternentstehung im Rahmen von Kernkollaps-Supernovae oder verschmelzenden Neutronensternen. Das klingt jetzt nicht gerade nach unserer Milchstraße, weil unsere Milchstraße derzeit hat natürlich noch weiterhin Sternentstehungsgebiete, aber allgemein ist sie ja recht ruhig, langweilig, stabil, was besser klingt als langweilig.

Franziska Konitzer Aber unsere Milchstraße ist ja jetzt nicht, das schwarze in ihrem Zentrum ist ruhig. Also es ist kein aktiver Galaxienkern. Es passiert allgemein jetzt nicht so viel. Wir sind eine Balkenspiralgalaxie und das ist auch ganz gut so und ansonsten da tut sich jetzt nicht so viel. Also es klingt jetzt nicht, wie eine Galaxie aus der Gabablitze entstehen, aber sie war ja nicht immer so langweilig wie heutzutage oder so stabil und ruhig.

Franziska Konitzer Und deshalb haben da auch Forschende mal nachgerechnet oder halt ein Modell entworfen, wie das denn in der Erdvergangenheit aussah. Und in diesem, das ist ein Fachartikel von 2014, da kommen sie eben zum Schluss, dass es, die Wahrscheinlichkeit ist sehr hoch, dass in den letzten fünf Milliarden Jahren es einen Gamma-Blitz gegeben haben könnte, der das Leben auf der Erde signifikant negativ beeinflusst haben könnte.

Franziska Konitzer Also, es ist, die Wahrscheinlichkeit ist sehr hoch. Und sie haben ausgerechnet, dass die Wahrscheinlichkeit, aber ich meine 5 Milliarden Jahre ist eine lange Zeit, Leben gibt es noch nicht seit 5 Milliarden Jahren. Und sie haben ausgerechnet, dass die Chance, dass ein solcher Gamma-Blitz die Erde in den letzten 500 Millionen Jahren getroffen hat und da eines der Massenaussterben ausgelöst hat, von denen es ja einige gibt, dass diese Wahrscheinlichkeit tatsächlich 50 Prozent beträgt.

Karl Urban Okay. Also tossing one coin.

Franziska Konitzer Genau. Also wenn wir unsere fünf großen Massenaussterben in der Erdgeschichte haben, dann sagen sie rein statistisch gesehen oder aufgrund, ne, wie Gamma-Blitze, wo man da so ist, 50 Prozent. So. Ja, dann ist natürlich die Frage, welches der Massenaussterbenden? Wir haben ja ein paar.

Karl Urban Nicht das vor 66, da sind wir ziemlich sicher.

Franziska Konitzer Nicht das vor 66, das war tatsächlich der Asteroid. Per Trias wohl auch nicht.

Karl Urban Genau, da hab ich ja eine Folge zu gemacht, das ist ja mittlerweile auch einigermaßen erklärt.

Franziska Konitzer Von dem, von dem du mir erzählt hast.

Karl Urban Da waren die Vulkane schuld.

Franziska Konitzer Es gibt da noch ein Massenaussterben, da sagen zumindest Astrophysiker, könnte das sein und zwar das Ordovizische Massenaussterben. Weißt du da was drüber, Karl?

Karl Urban Ja, ich habe neulich ein Buch gelesen und ich glaube, ich will da auch mal eine Geschichte drüber machen, aber aus der anderen Perspektive. Insofern erzähl mal, was die Astrophysiker sagen.

Franziska Konitzer Also nein, was war mit dem ordovizischen Massenaussterben los? Das ordovizische Massenaussterben war vor ungefähr 443 Millionen Jahren, also es war tatsächlich das erste der fünf großen Massenaussterben auf der Erde. Das war das zweitschlimmste Massenaussterben nach dem Perm-Trias-Aussterbeereignis vor ungefähr 252 Millionen Jahren.

Franziska Konitzer Also es war jetzt auch nicht so witzig, also überhaupt nicht. Und da haben Forscher eben gesagt, genau das, was ich vorhin erzählt habe, dass eben dieses ordovizische Massenaussterben dadurch ausgelöst werden sein könnte, dass ein Gammablitz aus der Nähe die Erdatmosphäre getroffen hat und dadurch die Ozonschicht zerstört worden ist, dadurch die UV-Strahlung ungehindert auf die Oberfläche aufgetreten ist und dann dadurch Organismen, die nahe der Wasseroberfläche lebten, abgetötet worden sind, was relevant ist, weil es zu dieser Zeit vor 443 Millionen Jahren noch keine Landlebewesen gab.

Franziska Konitzer Das Leben spielte sich ausschließlich im Meer ab. Und als Indiz für dieses Szenario, haben die Forscher eben gesagt, ist, dass am Ende dieses Erdzeitalter, ich hoffe es ist Erdzeitalter, aber nicht Äon, Also am Ende des Ordoviziums, Karl, was ist das? Ist das ein Zeitalter?

Karl Urban Das ist ein System, glaube ich.

Franziska Konitzer Okay, also am Ende dieses Erzsystems, des Ordoviziums.

Karl Urban Klingt total bescheuert, sagt Zeitalter.

Franziska Konitzer Ich kann mir das nicht merken, aber Zeitalter ist ja eigentlich nicht richtig. Wie dem auch sei, am Ende des Ordoviziums, ich mogel mich jetzt drum herum, am Ende des Ordoviziums starben eben viele Trilobiten. Die nahe der Wasseroberfläche lebten. Das sagen, also tatsächlich starben ungefähr 85 Prozent aller Arten aus, so viel dazu.

Franziska Konitzer Und da gab es eben Astrophysikerinnen und Astrophysiker, die sagen, oh, das könnte ja ein Gammablitz gewesen sein. Geologen und Geophysiker und Menschen, die sich mit der Erdgeschichte auskennen, sagen eher, nee, das war wahrscheinlich eher die Bewegung von Gondwana, von dem Superkontinent Und dadurch wurde es sehr kalt und globales Klima hat sich abgekühlt.

Franziska Konitzer Aber an der Stelle beende ich das jetzt auch, weil wenn du mir darüber eine Geschichte erzählen möchtest, dann möchte ich für mich selber nicht so viel spoilern, aber ja.

Karl Urban Ja, ich meine, das ist ja eine total offene Frage. Ich glaube, da kann man beliebig tief eintauchen und überlegen, was das für und das wieder ist und so. Aber ja, ich finde das schon spannend, einfach nur zu sagen 50 Prozent, dass wir das in den letzten 500 Jahrmillionen, also seit es höhere Tiere gibt, erlebt haben.

Karl Urban Also wir als Lebewelt auf diesem Planeten. Schon eine Hausnummer, ja.

Franziska Konitzer Das war eine Hausnummer, aber man muss auch ehrlich sagen, es gibt Vorstellungen, die sagen, das ordovizische Massenaussterben könnte es gewesen sein. Aber es gibt dafür keine harten Hinweise. Die Frage ist ja, 50%. Ob das Massenaussterben davon ausgelöst worden ist, weiß man nicht, also die Frage, okay, wie könnte man das überhaupt nachweisen, dass ein Gamma-Blitz die Erde getroffen hat? Das ist ein bisschen schwierig.

Franziska Konitzer Es gibt tatsächlich ein sehr viel kleineres Event. Es gab in den Jahren 774 und 775 weltweit einen Anstieg von C14, vom Kohlenstoffisotop C14 auf der ganzen Welt. Und das hat man als erstes nachgewiesen in Bäume auf Japan? Und von denen man dann auch das das Alter feststellen konnte. Und da konnte man eben sehen, okay, C14 ist da mehr, ungefähr 20 Prozent mehr in diesen beiden Jahren als sonst. Was hat das nun mit unseren Gammablitzen zu tun?

Franziska Konitzer C14 wird ja auch mit der Radiokarbon-Methodik nachgewiesen, das ist ja ein radioaktives Isotop des Kohlenstoffs und es wird normalerweise oder es wird ständig durch Kernreaktionen gebildet in den oberen Schichten der Erdatmosphäre. Weil wenn kosmische Strahlung oder halt geladene Teilchen, wie auch immer, auf die Erdatmosphäre treffen, dann werden Neutronen freigesetzt und dann kann der Stickstoff in der Atmosphäre von einem solchen Neutron getroffen werden und dann ergibt das über eine Kernreaktion einen C14-Kern.

Franziska Konitzer So, und dann war die Frage, okay, jetzt haben wir mehr von diesem C14. Warum? Und da gab es einige Physiker, die gesagt haben, das könnte sein, weil die Erde von einem Gamma-Blitz getroffen worden ist. Also jetzt nicht von so einem zerstörerischen, dem man gleich ein ganzes Massenaussterben in die Schuhe schieben möchte, sondern eben von was Kleineren, wodurch es aber mehr Kernreaktionen in der Erdatmosphäre gab und das könnte diesen Anstieg erklären in den Jahren 774 und 75.

Franziska Konitzer Da gab es nun aber auch wieder Forscher, die sagen, wir glauben eher, dass es ein sehr, sehr, sehr, sehr starker Sonnensturm war. Vielleicht der stärkste Sonnensturm, den es jemals gab, aber kein Gamma-Blitz. So, also auch das eine offene Frage. Kurzum, wir wissen nicht, ob ein hochenergetischer Gamma-Blitz je die Erde getroffen hat, der Probleme für das Leben auf der Erde bereitet hat.

Franziska Konitzer Und ja, das ist so vielleicht die gute oder die schlechte Nachricht. Wir wissen es nicht.

Karl Urban Ja, ich find das echt spannend, weil es ist ja nicht so leicht rauszufinden, so in vorhistorischer Zeit vor allen Dingen, wenn man auch keine Aufzeichnung mehr hat. Und auch diese C14-Methode hat ja irgendwo ihre Grenze.

Franziska Konitzer Absolut, die C14-Methode hat ihre Grenze. Die geht ja auch nur ein paar tausend Jahre zurück. Und ansonsten, wie gesagt, ein starker Gamma-Blitz würde, würde die Ozonschicht schädigen, aber wie willst du das hinterher nachweisen? Also, es ist halt nicht so, nicht so einfach, wie bei dem Asteroiden, der runtergerumpelt ist, wo ich dann diese Iridium-Schicht auf der ganzen Welt hinterher habe. Also, es ist schwierig.

Franziska Konitzer Aber ich wollte dir eigentlich heute vom allerhellsten Licht erzählen und keine dieser Lichter sind das allerhellste Licht, sondern wir kommen wieder zum Boat. Zum 9. Oktober 2022. Letztes Jahr, Karl. Was hast du am 9. Oktober 22 gemacht?

Karl Urban Wahrscheinlich lag ich mit einer Erkältung im Bett oder so. Keine Ahnung.

Franziska Konitzer Also, am 9. Oktober 2022 hat dieser Gamma-Blitz die Erdatmosphäre getroffen. Boat ist die Abkürzung, Die eigentliche Bezeichnung ist GRB 22 10 09 A, weil das eben der 9. Oktober 2022 war. Kam anscheinend aus dem Sternenbild Pfeil und tatsächlich handelt es sich um den stärksten jemals registrierten Gamma-Blitz, Carl.

Franziska Konitzer Also, brightest of all time, der stärkste Gamma-Blitz, den wir jemals gemessen haben. Tatsächlich, der war so hell, dass er die Kameras und, Kameras kann man ja gar nicht sagen im Gamma-Bereich, aber dass er auf jeden Fall die dafür ausgelegten Weltraum-Observatorium, die Instrumente saturiert worden sind.

Franziska Konitzer In Indien haben Sensoren für Blitzmessungen angeschlagen. Und in Deutschland konnten Detektoren messen, dass die Ionosphäre der Erde dadurch beeinflusst wurde. Er war so hell, oder es war so, dass sogar anscheinend die Auswirkungen von Voyager 1 registriert worden sind, von dieser Sonde, inzwischen weit außen im Sonnensystem, die übrigens nicht dafür gebaut ist, irgend so was überhaupt nachzuweisen.

Karl Urban Ja, und auch nicht technisch jetzt nicht mehr auf dem allerbesten Stand.

Franziska Konitzer Nee, natürlich nicht. Aber so ein Gamma-Blitz, wenn er da durchschießt, ionisiert ja natürlich auch die Teilchen in seiner Umgebung und hat Auswirkungen und so weiter und so fort. Das wurde dann auch von dieser Voyager-Sonde registriert. Und das ist eben Boat. Zur Beruhigung, nein, dieser Boat hat kein Massenaussterben ausgelöst und der Ozonschicht geht's gut von der Erde. Es geht zumindest nicht schlechter als sonst.

Franziska Konitzer Er war auch mal wieder sehr weit weg. Er wurde vor 1,9 Milliarden Jahren losgeschickt von einem Ort, der inzwischen aufgrund der Expansion des Universums 2,4 Milliarden Lichtjahre von uns entfernt ist, also sehr weit weg. Aber aufgrund der Tatsache, dass dieser Gammablitz so hell war, hat man tatsächlich erstmalig Auswirkungen gesehen, die man sonst noch nie gesehen hat und gerade auf die Ionosphäre der Erde.

Franziska Konitzer Und die Ionosphäre der ist ja der Teil der Erdatmosphäre, der eben geladene Teilchen enthält. Und da hat man – und die ist ungefähr, die Ionosphäre fängt so ungefähr 50 Kilometer über der Erdoberfläche an und geht bis 950 Kilometer hoch, also wirklich hoch. Und da hat man jetzt erstes Mal gesehen, dass dieser Gammablitz die Ionosphäre gestört und beeinflusst hat und zwar nur wenige, naja, Dutzend Kilometer über der Erdoberfläche tatsächlich.

Franziska Konitzer Also es war, es war auch in den unteren Teilen der Ionosphäre, konnte man das eben sehen. Und das ist tatsächlich ziemlich krass, weil das, das konnte man bislang noch nicht sehen. Kein Gammablitz zuvor war jemals so stark und es Sagt ihr halt auch tatsächlich, welche Auswirkungen ... Hoch energetischere Gammablitze haben würden. Du kannst es ja dann extrapolieren.

Franziska Konitzer Aber dieses allerhellste Licht, dieser Boat, dieser allerhellste Gammablitz war nicht gefährlich für das Leben auf der Erde, überhaupt nicht. Aber Forscher, die sich mit solchen Gammablitzen beschäftigen, haben sich trotzdem extrem gefreut, weil es nicht nur das hellste je gebessene Licht aller Zeiten war und ist, sondern, das ist rein statistisch, sollte sowas auch nur alle 10.000 Jahre passiert.

Franziska Konitzer Also wenn ein Forscher oder wenn ich dir jetzt diese Geschichte erzähle, erzähle ich dir jetzt von dem Boat und erwarte aufgrund dieser Statistik nicht, dass ich dir jemals nochmal von einem helleren Boat, was live gemessen wurde, erzählen werde. Und das, lieber Karl, war meine Geschichte für dich vom allerhellsten Licht, was es eventuell mit Massenaussterben zu tun haben könnte, aber wir wissen es nicht.

Franziska Konitzer Dankeschön!

Karl Urban Gammablitze sind ein schönes Thema, wirklich ein schönes Weihnachtsthema.

Franziska Konitzer Ich habe mir krampfhaft überlegt, ich brauche irgendwie was Weihnachtliches. Und dann habe ich mir gedacht, so Massenaussterben plus Licht, super.

Karl Urban Aber sag mal, dass das jetzt der allerhellste ist. Da gilt auch, wie bei den anderen Gammablitzen, so ganz, man kann jetzt das auch nicht erklären, warum der jetzt irgendwie heller war oder so, weil man ja auch überhaupt den Prozess nicht versteht.

Franziska Konitzer Nein, also man sagt auch, es ist der allerhellste je gemessene Gamma-Blitz. Wir wissen nicht, ob mal ein hellerer so… Man weiß es tatsächlich nicht. Das ist ein bisschen interessant, weil auch Hubble und James Webb, da geht es dann wieder darum, von was genau wurde er ausgelöst. Und auch Hubble und James Webb haben geguckt, ob man an der Stelle dieses Boats nicht vielleicht das Nachleuchten einer Supernova finden würde, weil dann wüsste man, okay, dieser Gamma-Blitz wurde durch eine Supernova-Explosion aufgelöst.

Franziska Konitzer Aber das hat man bislang tatsächlich noch nicht gefunden. Du würdest dann auch erwarten, okay, Gamma Blitz, man hat auch nach den Neutrinos geguckt, die durch so eine Supernova-Explosion ankommen, die hätten ja zeitgleich sein müssen mit dem Gamma Blitz, war nichts. Und James Webb und Hubble haben tatsächlich auch noch keinen quasi optischen oder infrarot Gegenpart gefunden.

Franziska Konitzer Also man weiß nicht, woher genau dieser oder wodurch dieser Gamma Blitz erzeugt worden ist, tatsächlich. Und man hat deshalb auch keine Ahnung, warum so stark. Man weiß nur, Also ich meine, am spekulativeren Ende des Spektrums. War tatsächlich, dass man am Anfang gedacht hat, dass, also es ist sowieso so, die Teilchen dieses Gamma-Blitzes oder halt die, das sind Energien, die sind höher als die, die der LHC hinkriegt.

Franziska Konitzer Und da denkt man Teil, und das ist dann interessant, weil Lichtteilchen mit diesen Energien eigentlich nicht so weit den gängigen Vorstellungen zufolge durchs Universum reisen. Sollten. Also die sollten eigentlich vorher reagieren, mit dem interstellaren Medium, mit dem interstellaren Hintergrund leuchten.

Franziska Konitzer Die sollten gar nicht auf der Erde ankommen. Und tatsächlich gab es dann direkt nach diesem Gabelitz sehr viele theoretische Forscher, die fast vor Freude aus dem Häuschen waren, weil dann irgendwie man dachte, man hätte ein Teilchen mit 18 Teraelektronenvolt gefunden und das würde eben bedeuten, Und dann haben einige Theoretiker schon gesagt, oh, vielleicht liegt das daran, dass dieses Teilchen mit dunkler Materie gewechselt wirkt hat.

Franziska Konitzer Vielleicht ist das ein Hinweis auf Aktionen und so weiter und so fort. Ja, oder vielleicht ist das Verständnis von diesem kosmischen Hintergrundleuchten einfach ... nicht so ganz vollständig. Aber ja.

Karl Urban Sehr schön, ja, also, es sind diese Themen, da kann man dann gelegentlich mal wieder was Neues auskramen.

Franziska Konitzer Genau, ich hätte auch auf diesen dunklen Materie-Aspekt näher einkommen können. Da hätt ich so viel über dunkle Materie gesprochen in den letzten Folgen. Ich hab mir das selber als Weihnachtsgeschenk ...

Karl Urban Du und dunkle Materie passtst nicht zu Weihnachten. Das tut mir leid.

Franziska Konitzer Ja, eben, eben. So, dann hab ich noch ein paar Fragen für dich.

Karl Urban Ja, ich hab's befürchtet. Dann schauen wir mal, ob das hier weiterhin super funktioniert. Ich bin ganz hoher.

Franziska Konitzer Frage Nummer eins. Was bedeutet die Abkürzung Boat?

Karl Urban Brightest of all times.

Franziska Konitzer Richtig! Frage Nummer zwei. Die Wela-Satelliten haben zufällig Gammablitze aus dem All entdeckt. Aber wofür hatte man sie eigentlich ins All geschickt?

Karl Urban Um Kernwaffentests auf der Erde und möglicherweise auf dem Mond zu kontrollieren, ob die stattfinden.

Franziska Konitzer Richtig. Frage Nummer drei. Wo kommen Gammablitze her?

Karl Urban Von der Richtung her, von überall isotrop verteilt. also höchstwahrscheinlich nicht oder nicht nur aus der Milchstraße oder wir wissen heute eigentlich bis jetzt gar nicht aus der Milchstraße.

Franziska Konitzer Richtig.

Karl Urban In der Zeit, wo wir messen zumindest.

Franziska Konitzer Ja, ja, könnte auch noch sagen, wahrscheinlich aus weit entfernten Galaxien mit viel Sternentstehung, Supernova, Explosionen und so weiter Pipapo, aber das ist eine sehr schöne Antwort. Frage Nummer vier.

Karl Urban Welche Auswirkungen auf die Erdatmosphäre hätte ein Gamma-Blitz von ganz aus der Nähe, zum Beispiel aus unserer eigenen Genau, da würde diese Strahlung die Ozonschicht schädigen, dadurch, dass Stickoxide entstehen und ich habe gerade vergessen, wie die Stickoxide eigentlich entstehen. Tja.

Franziska Konitzer Da ich auch keine Chemikerin bin, sage ich, ich akzeptiere deine Antwort.

Karl Urban Dankeschön. Durch Magie.

Franziska Konitzer Frage Nummer 5. Da es die letzte Folge von AstroGeo für dieses Jahr ist, freust du dich auch schon so wie ich auf das nächste Jahr AstroGeo und ganz viele neue Geschichten?

Karl Urban Ja! Auf jeden Fall.

Franziska Konitzer Richtig.

Karl Urban Sehr schön. Ja, das war doch ein schöner Abschluss, würde ich sagen.

Franziska Konitzer Finde ich auch.

Karl Urban Genau, dann bevor wir zum letzten Rest kommen, vielleicht schon mal die Ankündigung. Also wir machen eine etwas längere Weihnachtspause, also wundert euch nicht. Wir werden im nächsten Jahr auf jeden Fall wieder auftauchen in euren Podcatchern und auf euren Podcast-Plattformen oder wo auch immer ihr uns hört.

Karl Urban Anfang Januar. Nicht wundern, dass die Pause kurz länger ist. Es hängt nur damit zusammen, dass wir hier auf den neuen Modus kommen, wo wir die Feedback-Folge mit einbauen Und dass Franzis Weihnachtsfolge wirklich zu Weihnachten rauskommt. Weil das ist ja auch sehr wichtig.

Franziska Konitzer Eben.

Karl Urban Dann würde ich sagen, dann war sie das, die 81. Ausgabe von Astrogeo. Und wir danken wie immer allen, die unsere Arbeit unterstützen. Das sind die regelmäßigen AbonnentInnen der Riff Reporter. Die Riff Reporter sind eine Genossenschaft von über 100 freien und unabhängigen Journalistinnen und Journalisten, die zu vielen relevanten Themen arbeiten.

Karl Urban Alles frei von Werbung und Trackern.

Franziska Konitzer Und da bei den Riff-Reportern könnt ihr auch den Weltraum-Report bestellen. Das ist unser Newsletter, in dem wir euch über neue Folgen von AstroGeo und andere Astro-Texte informieren. Und der Newsletter kostet nichts.

Karl Urban Und wir danken auch allen, die diesen Podcast direkt unterstützen. Eure Beiträge helfen uns schon, die Fixkosten dieses Podcasts zu decken. Leider noch nicht für viel mehr. Und deswegen freuen wir uns auch weiter über eure Unterstützung auf Steady oder über direkte Überweisungen und alle Möglichkeiten, uns finanziell zu unterstützen, findet ihr auf unserer Webseite astrogeo.de.

Franziska Konitzer Und wenn euch die Folge gefallen hat, hinterlasst uns gerne einen freundlichen Kommentar oder eine Bewertung bei Apple Podcasts, Spotify, direkt auf unserer Webseite oder wo immer ihr diesen Podcast hört. Feedback oder Ideen für neue Themen könnt ihr uns auch auf Mastodon zukommen lassen unter astro-geo.chaos.social oder ihr könnt uns sehr gerne eine E-Mail schreiben an redaktion, Und zuletzt danken wir euch fürs Zuhören.

Karl Urban Wir sagen Tschüss, ad astra und Glück auf! Bis zum nächsten Mal!

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