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AstroGeo - Geschichten aus Astronomie und Geologie· Staffel 2· Folge 91

Ein neuer Stern - die bevorstehende Nova in der Nördlichen Krone

Donnerstag, 16. Mai 2024 · 58 min

MP3

Shownotes

Für AstroGeo recherchieren wir regelmäßig eine ganze Geschichte. Nur wenn du uns finanziell unterstützt, bleibt der Podcast weiter kostenfrei. Danke! (astrogeo.de/unterstuetze-uns)

Im Februar 1946 verpasst der Amateurastronom Leslie Peltier die Gelegenheit seines Lebens: Im Sternbild Nördliche Krone ereignet sich ein regelmäßiges, aber seltenes astronomisches Ereignis, auf das er bereits Jahrzehnte gewartet hatte: Es erscheint für wenige Stunden ein neuer Stern – ein Lichtpunkt, der mit bloßem Auge sichtbar ist und der vorher nicht da zu sein schien.

Franzi erzählt in dieser Folge vom Phänomen solcher Stellae Novae, kurz Novae. Anders als der Name vermuten lässt, handelt es sich aber gar nicht um neue Sterne, sondern lediglich um das kurzzeitige Aufleuchten eines alten Weißen Zwergs in einer gewaltigen Wasserstoffexplosion. Obwohl Astronominnen und Astronomen den Prozess heute grob verstanden haben, sind noch viele Fragen um die Nova offen. Da passt es ganz gut, dass derzeit der fragliche Stern im Sternbild Nördliche Krone kurz vor dem nächsten Ausbruch steht.

Weiterhören bei Astrogeo

• Folge 43: Wann explodiert endlich die nächste Supernova? (astrogeo.de/wann-explodiert-endlich-die-naechs…)

Weiterführende Links

• WP: Leslie Peltier (en.wikipedia.org/wiki/Leslie_Peltier) (englisch)

• WP: Veränderliche Sterne (de.wikipedia.org/wiki/Ver%C3%A4nderlicher_Stern)

• WP: American Association for Variable Star Observers (en.wikipedia.org/wiki/American_Association_of_…) (englisch)

• WP: Nördliche Krone (de.wikipedia.org/wiki/N%C3%B6rdliche_Krone)

• WP: T Coronae Borealis (de.wikipedia.org/wiki/T_Coronae_Borealis)

• WP: de.wikipedia.org/wiki/Nova_(Stern)

• WP: Harlow Shapley (de.wikipedia.org/wiki/Harlow_Shapley)

• WP: Tycho Brahe (de.wikipedia.org/wiki/Tycho_Brahe)

• WP: Weißer Zwerg (de.wikipedia.org/wiki/Wei%C3%9Fer_Zwerg)

• WP: de.wikipedia.org/wiki/Supernova

Quellen

• AAVSO:Leslie Peltier: The World’s Greatest Amateur Astronomer (aavso.org/leslie-peltier-worlds-greatest-amate…)

• British Astronomical Association, Variable Star Section Circular, No. 138:The Historic Outbursts of T Coronae Borealis Revisited (2008) (britastro.org/vss/VSSC_archive.htm)

• Fachartikel:The Story of the „Socks Star“; A Bright Nova Discovered by a Schoolgirl in War Time (2000) (adsabs.harvard.edu/full/2000ASPC..220..392S)

• Fachartikel:Where have all the novae gone? (2006) (academic.oup.com/astrogeo/article/47/1/1.29/25…)

• Fachartikel:The recurrent nova T CrB had prior eruptions observed near December 1787 and October 1217 AD (2023) (arxiv.org/abs/2308.13668)

• Fachartikel:The B & V Light Curves for Recurrent Nova T CrB From 1842–2022, the Unique Pre- and Post-Eruption High-States, the Complex Period Changes, and the Upcoming Eruption in 2025.5±1.3 (2023) (arxiv.org/abs/2303.04933)

• American Institute of Physics, Oral History: Robert Kraft (aip.org/history-programs/niels-bohr-library/or…)

• Sky and Telescope, March 2024: Get Ready for a Nova’s Bright Return (skyandtelescope.org/sky-and-telescope-magazine…)

• Website der American Association of Variable Star Observers AAVSO (aavso.org)

• NZZ:Jeden Tag kann es so weit sein: Dann flammt am Himmel ein «neuer» Stern auf, der so hell wie der Polarstern sein wird (nzz.ch/wissenschaft/t-coronae-borealis-in-kuer…)

• BR24:Warten auf die Sternenexplosion: Diese Nova können Sie sehen (br.de/nachrichten/wissen/wartenaufdie-sternene…)

Episodenbild: ESO/L. Calçada/M.Kornmesser

Transkriptvom Podcast bereitgestellt · Zeitmarken springen hin

Franziska Konitzer 3, 2, 1, go. Karl, was ist im Februar 1946 passiert?

Karl Urban Da fällt mir jetzt nicht so viel Positives ein. Erster Nachkriegswinter oder so.

Franziska Konitzer Schauen wir mal.

Karl Urban Schauen wir mal. Hallo bei Astrogeo, dem Podcast der Weltraumreporter. Ich bin Karl Urban.

Franziska Konitzer Und ich bin Franzi Kohnitzer.

Karl Urban Und wir sind zwei Wissenschaftsjournalisten. Franzi ist Astrophysikerin, die leider früher im Geschichtsunterricht in der Schule oft eingeschlafen ist. Und ich bin Geologe, der sich in der Schule gelegentlich selbst entschuldigt hat, um statt im Unterricht eine Pressekonferenz zu besuchen. Allerdings erst in der Oberstufe, wo ich das durfte.

Karl Urban Genau, und in diesem Podcast erzählen wir uns gegenseitig Geschichten, die uns entweder die Steine unseres kosmischen Vorgartens eingeflüstert haben oder die wir in den Tiefen und Untiefen des Universums aufgestöbert haben.

Franziska Konitzer Heute mit der Ausgabe 91 und das heißt, dass ich dir heute eine Geschichte mitgebracht habe.

Karl Urban Und ich hoffe eine erfreuliche.

Franziska Konitzer Ja, eine erfreuliche. Gut. Die startet im Februar 1946. Und was ist da passiert? In der Nacht des 9. Februar 1946 hat eine Person verschlafen und zwar hat sie damit etwas verpasst, worauf sie über 20 Jahre gewartet hatte.

Karl Urban Oh nein.

Franziska Konitzer Ja, also das ist erstmal nicht so doll, aber gut, mein Gott.

Karl Urban Es kann nur besser werden.

Franziska Konitzer Diese Person heißt Leslie Pelletier, also oder Pelletier, also ich werde den Namen wahrscheinlich die ganze Zeit falsch aussprechen. Lesley Peltier ist nämlich Amerikaner, US-Amerikaner und wurde im Januar 1900 geboren und wächst auf in nahe Delfos in Ohio und…. Leslie Pelletier führt ein sehr ruhiges Leben. Er ist beruflich Designer für Kinderspielzeug und Kindermöbel und wächst auf einer Farm auf, möchte eigentlich auch nicht sein Zuhause verlassen, seine Heimat, bleibt sein ganzes Leben lang da.

Franziska Konitzer Hatte eigentlich alles, was er brauchte in Delfors. Seine Familie, seine Heimat, seine Gärten und seine Observatorien. Denn Leslie Pelletier ist Astronom, ein Amateurastronom. Und zwar war Leslie ein sehr guter Amateurastronom. Manche sagen sogar der beste Amateurastronom, der jemals gelebt hat. Warum? Also insgesamt hat er nämlich zwölf Kometen entdeckt.

Franziska Konitzer Das ist eine ganze Menge. Und sein Hauptinteresse in der Astronomie gilt den veränderlichen Sternen. Veränderliche Sterne sind, kurz gesagt, alle Arten von Sterne, die von der Erde aus gesehen kurzfristige Helligkeitsschwankungen aufweisen, aus welchen Gründen auch immer. Also wenn ein Stern irgendwie am Himmel rumfunkelt, dann liegt das ja in der Erdatmosphäre, das wäre kein veränderlicher Stern, aber es gibt ja Sterne, die aus welchen Gründen auch immer in ihrer Helligkeit zum Beispiel schwanken.

Franziska Konitzer Das berühmteste Beispiel vielleicht, was wir jetzt noch so kennen, wobei das eigentlich kein klassischer veränderlicher Stern ist, wäre jetzt Betagolze oder Beetlejuice von vor ein paar Jahren. Dieser rote Riesenstern, wo dann auf einmal die Helligkeit abgefallen ist und man sich gefragt hat, oh, was könnte das nur bedeuten? Ja.

Franziska Konitzer So, und Leslie ist auch Mitglied der AAVSO, der American Association of Variable Star Observers.

Karl Urban Es gibt auch für alles eine Vereinigung, oder? Es gibt für alles eine Vereinigung.

Franziska Konitzer Es gibt auch tatsächlich, aber es ist tatsächlich so, dass die Vereinigungen der, ich sag mal, Amateurastronomen weltweit, die haben ja alle unterschiedliche Sektionen und alle davon haben eigentlich eine Sektion für veränderliche Sterne. Also es gibt auch Amateurastronomen, die konzentrieren sich auf, weiß ich nicht, Galaxien oder speziell Astrofotografie oder speziell, weiß ich nicht, was auch immer, aber auch immer variable Sterne.

Franziska Konitzer Und Leslie wartet seit 20 Jahren, seit den 1920er Jahren, von seiner Zeit ausgehend, auf einen ganz besonderen, veränderlichen Stern. Nämlich auf einen Stern, der das letzte Mal im Jahr 1866 mit dem bloßen Auge beobachtet werden konnte. Das ist ein Stern, den kann man sonst nur sehen im Teleskop. Der ist also nicht besonders leuchtstark, könnte man sagen.

Franziska Konitzer Man kann ihn mit dem Teleskop sehen. Aber im Jahr 1865 läuft ein Ihre namens John Birmingham abends, an einem Abend am 12. Mai 1866 vom Haus eines Freundes nach Hause und schaut an den Himmel und bemerkt, dass da ein neuer Stern aufgetaucht ist. Ein neuer Stern im Sternbild nördliche Krone, Corona Borealis.

Franziska Konitzer John Birmingham schreibt, der Stern schaut so hell aus wie der hellste Stern sonst in diesem Sternbild nördliche Krone. Und irgendwie fast weiß, vielleicht ein bisschen bläulich. Und John Birmingham beobachtet diesen Stern weitere zwei Stunden lang. Da sind auch keine Helligkeitsschwankungen. Also es schaut so aus, als ob einfach an diesem Abend, das 12.

Franziska Konitzer Mai 1860, ein neuer Stern aufgetaucht ist. Im Sternbild nördliche Krone. Das Sternbild übrigens, das ist auf der Nordhalbkugel zur Zeit sehr gut sichtbar, dieses Sternbild. Das befindet sich neben dem Sternbild Bärenhüter. Und es schaut tatsächlich, wenn man sich so die Form anschaut, tatsächlich aus wie so eine Art Diadem.

Franziska Konitzer Also ja, tatsächlich wie so ein bisschen so eine Krone, wie so ein Bogen, aber es ist nur der Hauptstern, also der hellste Stern in diesem Sternbild, der ist recht hell und die anderen Sterne eigentlich nicht so sehr und deshalb ist es eher ein unscheinbares Sternbild. Also es ist jetzt nicht so, dass man jetzt an den Himmel guckt und sagt, oh, da ist eine Krone am Himmel, aber ja, wenn man weiß, wo es ist, dann findet man es.

Karl Urban Genau, wenn die Lichtverschmutzung nicht zu schlimm ist.

Franziska Konitzer Das kommt natürlich noch dazu, also 1866 in, was war es, Tuam County Galway in Irland war das mit der Lichtverschmutzung noch kein Thema und dann wundert es auch nicht, dass so ein Mensch wie John Birmingham da einen neuen Stern auf dem Nachhauseweg entdeckt. Kurioserweise hat sich auch John Birmingham erst danach ein Teleskop gekauft, also er war vorher jetzt nicht so als Amateurastronom oder als Hobbyastronom unterwegs, aber anscheinend hat ihn dann dieses Erlebnis dazu inspiriert, sich ein Teleskop zuzulegen.

Karl Urban Das ist Das ist nachvollziehbar, finde ich.

Franziska Konitzer Oder? Wenn man einen neuen Stern entdeckt. Also es war natürlich so, dieser Stern, auch 1866 gab es schon Observatorien und Teleskope und professionelle Astronomen. Aber es kommt bei so einem neuen Stern am Himmel immer darauf an, wer sieht ihn als erstes. Und das war eben John Birmingham. Und der Stern wurde aber auch in der Folgezeit und auch noch in derselben Nacht von professionellen Astronomen beobachtet.

Franziska Konitzer Und da konnte man eben dann sehen, dass dieser neue Stern nur wenige Tage finde ich. Nachts mit dem bloßen Auge sichtbar war und dann ist er wieder verblasst. Eigentlich ziemlich schnell. Also am 15. Mai hatte er nur noch eine scheinbare Helligkeit von 3,7 und Ende Juni war er dann wieder bei seiner normalen scheinbaren Helligkeit von Magnitude 10.

Franziska Konitzer Und diese Zahlen, die Magnitude sagt irgendetwas über die scheinbare Helligkeit aus. Das ist ein bisschen, naja, nicht so ganz intuitiv, weil je. Kleiner die Zahl, desto heller ist der Stern. Also der Polarstern zum Beispiel, Polaris, der hat eine Magnitude 2. Mit dem bloßen Auge sehen wir höchstens bis zur Magnitude 6.

Franziska Konitzer Also ohne Lichtverschmutzung in der Stadt braucht man das nicht versuchen. Und die Sonne zum Beispiel hat eine scheinbare Helligkeit von minus 26,7. Also es ist super hell, der Vollmond maximal minus 12,7. Daran sieht man schon, also je kleiner die Zahl, desto heller ist das. Und bei diesem neuen Stern im Sternbild Nördliche Krone war es eben so, er hatte erst, also das hat man dann auch gemessen, als John Birmingham beobachtet hat, hatte er eine Magnitude von 2.

Franziska Konitzer Also so hell wie der polarstern und ist dann aber sehr schnell wieder abgefallen so und.

Karl Urban Letztlich war es auch kein neuer stern sondern er war sozusagen auch davor da man hat ihm bloß gar nicht mit bloß im auge gesehen und das war jetzt plötzlich anders kurzzeitig.

Franziska Konitzer Eben das ist als neuer stern bezeichnen wir dann halt erstmal alles was was man was am himmel neu aufzutauchen scheint und das war halt schon so wie gesagt t corone borealis so ist der name dieses neuen sterns oder ja ich sage es Das ist einfach ein neuer Stern. Hat normalerweise eine Magnitude von Pi mal Daumen 10 oder 11.

Franziska Konitzer Und das kannst du nicht mit dem bloßen Auge sehen. Und da Magnitude 2, so hell wie der Polarstern. Also schon auffällig, aber jetzt nicht so, dass man sagt, boah, hellstes Licht am Himmel ever. Aber ja, der ist eben im Mai 1860 sehr hell aufgeleuchtet und danach wieder verschwunden. Und das war es eigentlich mit diesem neuen Stern. Aber in der Zwischenzeit schläft Leslie Pelletier immer noch.

Franziska Konitzer Also im Februar 1946. Der Pechvogel. Ja, der Pechvogel. Und ich hab ja gesagt, dass Leslie als Amateurastronom vor allem an den veränderlichen Sternen interessiert war. Also gerade solche Sterne wie der neue Stern im Sternbild Nördliche Krone. Und als passionierter, leidenschaftlicher Amateurastronom kannte er natürlich auch die Berichte und Messungen von 1866 von diesem Stern.

Franziska Konitzer Und ich weiß nicht warum, Leslie vielleicht auch nicht, aber auf jeden Fall fängt Leslie in den 1920er Jahren an, von Delfos, Ohio, diesen Stern zu beobachten, T. Coronae Borealis, weil er überzeugt davon war, dass dieser Stern wieder heller werden würde, dass er wieder ausbrechen würde, könnte man sagen.

Franziska Konitzer Sagen, dass seine Helligkeit wieder ansteigen möchte und er macht im Laufe der Jahrzehnte tausende von Beobachtungen, er guckt immer nach T. Coronae Borealis und schaut, was mit diesem Stern ist und misst seine Helligkeit und zunächst passiert recht wenig, aber dann wird T. Coronae Borealis tatsächlich heller.

Franziska Konitzer Erhöht sich seine scheinbare Helligkeit um eine Magnitude. Ist auch erstmal zunächst komisch. Und der Stern bleibt auch so hell über die nächsten Jahre. Also er hat eine, ja, seine Helligkeit wird ein bisschen heller, immer nur noch durch das Teleskop sichtbar. Aber das ist ja schon mal komisch. Und dann schließlich im Jahr 1945 beobachtet Leslie, dass dieser Stern wieder dunkler wird.

Franziska Konitzer Also die Magnitude nimmt wieder ab auf 10,8. Auch erstmal komisch. Und Leslie schreibt diesen Fund auch an Harlow Shapley. Harlow Shapley ist ein sehr berühmter Astronom jener Zeit. Das war der Direktor am Harvard Observatory. Unter anderem dafür bekannt, dass er in der großen Debatte, ob es noch Galaxien außer unserer eigenen Milchstraße gibt, die Meinung vertreten hatte, dass unsere Milchstraße die einzige Galaxie ist. Aber gut, das war zu dem Zeitpunkt auch schon Jahrzehnte her.

Franziska Konitzer Also Harlow Shapley, berühmter Astronom, Leslie schreibt ihm und das wird dann auch verkündet in den Mitteilungskarten des Harvard Observatories eben im Jahr 1945, dass T. Coronae Borealis wieder ein Stückchen dunkler geworden ist. Und man würde jetzt eigentlich nicht erwarten, dass ein Stern erst wieder dunkler ist, bevor er dann ums Millionenfache heller wird.

Franziska Konitzer Aber Leslie gibt nicht auf und tatsächlich glauben auch andere Astronomen, dass eben dieser Helligkeitsabfall bedeuten könnte, dass der Stern bald wieder heller werden wird, dass ein Ausbruch bevorsteht. Und deshalb beobachtet Leslie den Stern natürlich immer weiter. Bis zu jener Nacht des 9. Februar 1946.

Franziska Konitzer Und Leslie als sehr bekannter Amateurastronom hat ein Buch geschrieben, Starlight Nights, und da beschreibt er eben diese jene Nacht. Also, er schreibt, grob übersetzt aufs Deutsche, über 25 Jahre lang habe ich diesen Stern von Nacht zu Nacht angeschaut, as it tossed and turned in fitful slumber, also als dieser Stern quasi in seinem Schlaf sich hin und her geworfen hat. Das ist sehr blumig.

Franziska Konitzer Und dann hat er eben 1945 das beobachtet, dass der Stern ein bisschen dunkler wird. Und dann schreibt er Then, one night in February 1946, it stirred, slowly opened its eyes, then quickly threw aside the draperies of its couch and rose. Also auch eine sehr blumelige Umschreibung von dieser Stern. Auf jeden Fall sehr viel, weil er heller wurde. Und Leslie schreibt And where was I, its self-appointed, Also, Leslie hat verschlafen.

Franziska Konitzer Also, Leslie wacht auf, offensichtlich. 2.30 Uhr, sieht, dass diese Nova explodiert ist. Nova, neuer Stern. Und denkt sich, Mist, ich gehe wieder zurück ins Bett. Und damit hat Leslie eben das Ereignis verschlafen, auf das er so lange gewartet hat, nämlich als Erster den Ausbruch dieses veränderlichen Sterns T-Corone Borealis zu beobachten.

Franziska Konitzer So, also wer hat dann den Ausbruch als Erstes entdeckt im Jahr 1946? Das war ein weiterer Amateurastronom, nämlich aus England, namens N.F.H. Knight, dessen Vornamen ich partout nicht herausfinden konnte tatsächlich.

Karl Urban Nennen wir ihn NFH.

Franziska Konitzer Ja genau, nennen wir ihn NFH. Der wollte als Amateurastronom einen ganz anderen Stern eigentlich beobachten in jener Nacht, nämlich R. Corona Borealis im selben Sternbild, nördliche Krone immerhin, auch ein veränderlicher Stern. Und dann fällt eben NFH Night auf, dass da ein neuer Stern aufgetaucht ist, nämlich T. Corona Borealis, dass er ausgebrochen ist.

Franziska Konitzer Und diese Entdeckung hat er gemacht um 20 vor 6. Und was macht man im Jahr 1946, wenn man einen neuen Stern am Himmel entdeckt, Karl? Als guter Engländer.

Karl Urban Sich Tee kochen? Ich weiß es nicht.

Franziska Konitzer Man ruft das Royal Observatory in Greenwich an. Ach so, ja logisch.

Karl Urban Entschuldigung.

Franziska Konitzer Man ruft das Royal Observatory in Greenwich an, um Viertel vor sechs, erreicht leider Gottes nur den Nachtporter, der dann mitgeteilt hat, dass alle Astronomen im Bett seien und dass jegliche Versuche, sie aufzuwecken, nicht Erfolg hatten.

Karl Urban Die gucken auch auf ihre Gesundheit wahrscheinlich.

Franziska Konitzer Die haben auch auf ihre Gesundheit geachtet, an diesem wahrscheinlich auch kalten Februar morgen. Und deshalb hat das Royal Observatory dann erst morgens um neun die Details dieses Ausbruchs erhalten. Damit war NFH Night der Entdecker dieses neuen Sternstil Corona Borealis im Jahr 1946 und als das Royal Observatory dann in die Pötte kam, war es leider schon Tag. Aber gut.

Franziska Konitzer And then it arose in my hour of weakness as I nodded at my post. Leslie schreibt das im Jahr 1973 und er schreibt, I'm still watching it. But now it is with the very eye, there is no warmth between us anymore.

Karl Urban Ah, und das bei den Sternen, ja, tragisch.

Franziska Konitzer Aber die gute Nachricht ist vielleicht, T-Corone Borealis verhält sich genau wie im Jahr 1866, ein plötzlicher Helligkeitsanstieg und dann wird der Sternrass wieder dunkler, hat dann tatsächlich noch ein paar Monate später nochmal einen kleinen Helligkeitsanstieg, aber das ist auch nur im Teleskop zu sehen, bleibt bis etwa 1956 noch ein bisschen heller als sonst und dann ist der Stern wieder ganz der alte.

Franziska Konitzer Das ist natürlich die Frage, warum eigentlich? Also was ist das überhaupt für ein Stern? Was ist da los? Alles, was man wusste zum damaligen Zeitpunkt 1866 sicherlich und auch im Grunde genommen noch 1946 ist, dass T. Coronae Borealis ein veränderlicher Stern ist natürlich, also ein Stern, der in seiner Helligkeit schwankt und eine sogenannte Nova ist.

Franziska Konitzer Und der Begriff Nova kommt vom lateinischen Nova Stella, was heißt neuer Stern. Und dieser Begriff Nova oder Nova Stella wurde geprägt von einem Astronomen namens Tycho Brahe. Hast du von dem schon mal was gehört?

Karl Urban Von Tycho Brahe habe ich schon was gehört. Der hat doch quasi die Beobachtung gemacht, die dann Johannes Kepler verwendet hat, um seine Keplerschen Gesetze aufzustellen. Der Brahe war, glaube ich, ein ziemlich guter Beobachter, während Kepler, glaube ich, nicht so ein gutes Augenlicht hatte. Also der hätte diese Beobachtung selber gar nicht machen können.

Franziska Konitzer Kepler war vor allen Dingen der Theoretiker und Mathematiker und genau, Tycho Brahe ist eben, hat ja so Ende des, Mitte, Ende des 16. Jahrhunderts gelebt und gewirkt, war ein dänischer Adliger und tatsächlich der letzte große bekannte Astronom, der den Himmel ohne Teleskop beobachtet hat. Die gab es damals noch nicht. Mhm.

Franziska Konitzer Und von daher ist es schon irre, was er tatsächlich alles beobachtet hat, unter anderem nämlich einen neuen Stern am Himmel im Jahr 1572, am Abend des 11. November. Im Sternbild Cassiopeia entdeckte Tycho Brahe einen neuen Stern, so hell wie die Venus. Wow. Was ich daran, was ich daran, ja, ist, dass Tycho Brahe diesen, diesen, diesen.

Franziska Konitzer Also, dass er einfach, als er nach Hause ging, hat er ihn nicht gemerkt. Und als er dann abends wieder ins Observatorium gehen wollte, hat er dann gemerkt, dass eine Menschenmenge auf irgendwas am Himmel hinter ihm gucken. Dann hat er sich umgedreht und gedacht, hoppala, da ist ja was im Sternbildkasten.

Karl Urban Also technisch war er nicht der Entdecker. Nein, nein.

Franziska Konitzer Er hat sie nur beschrieben. Nee, das ist auch tatsächlich, das ist auch ziemlich auffällig, dass die wenigsten Nobel- oder Neuen Sterne von professionellen Astronomen entdeckt wurden. Also inzwischen sowieso nicht mehr, weil inzwischen schauen ja professionelle Astronomen und Astronomen mit sehr hoch spezialisierten Teleskopen ins All, die ja meistens nur ein sehr enges Gesichtsfeld abdecken.

Franziska Konitzer Und damit entdeckst du ja nichts Neues, sondern du guckst gezielt irgendwo hin. Und das ist auch der Grund, warum solche Sachen wie Novell oder neue Sterne und Kometen bis heute vor allem von Amateurastronomen und Astronomen entdeckt werden, weil die die, ich sag mal, die Muße haben und auch den Nerv, einfach nur zu schauen.

Franziska Konitzer Deshalb haben diese ganzen astronomischen Vereinigungen auch diese Sektion für veränderliche Sterne. Astronomische Vereinigungen von Amateurastronomen gab es damals eher weniger im Jahr 1572 und wie gesagt, Tycho Brahe brauchte eine Menschenmenge, um zu merken, dass da ein neuer Stern aufgetaucht ist. Aber was macht man denn damals?

Franziska Konitzer Man schreibt darüber ein Buch. Und das hat Tycho Brahe auch gemacht und darin hat er eben diesen Begriff des neuen Sterns geprägt. Was zu der damaligen Zeit besonders war, vielleicht für uns heute nicht mehr so, ist das…. Es ist ja damals trotzdem die Vorstellung, aber das war ja auch eben vor Kepler, der gesagt hat, übrigens dreht sich alles um die Sonne und nicht um die Erde.

Franziska Konitzer Man ist damals ja davon ausgegangen, dass der Fixsternhimmel, also dass der Himmel unveränderlich ist. Das ist ewig so und das wird immer so bleiben.

Karl Urban Göttlich, ja.

Franziska Konitzer Genau und das konnte ja auch kein Planet sein, weil ansonsten wäre ja mehr gewandert. Und dieser Stern war ein Jahr lang am Himmel, bevor er verblasste, aber war erst wieder aufgetaucht und war dann wieder weg. Und damit hat Tycho Brahe eben auch diese Vorstellung von dem unveränderlichen Fixsternhimmel ganz schön ins Wanken gebracht.

Franziska Konitzer Das war auch die Bedeutung dieser Publikation damals. Es hat dem aristotelischen Weltbild im Grunde genommen widersprochen, dieser neue Stern im Sternbild Cassiopeia. Naja, aber man wusste damals und ja dann auch später immer noch nicht, was das da oben am Himmel war, aber immerhin hatte nun das Phänomen einen Namen, Stellanova oder kurz Nova.

Franziska Konitzer Aber was ist das jetzt? Was ist eine Nova? Und tatsächlich sollte es noch ein paar hundert Jahre dauern, bis Forscher das herausgefunden hatten. Und zwar auch weder John Birmingham im Jahr 1866 noch Leslie Peltier oder NFH Knight im Jahr 1946 wussten so richtig, was da eigentlich los ist. Stattdessen hat es tatsächlich noch ein paar, zehn Jahre gedauert ungefähr, bis man dann entdeckt hatte, dass Nove tatsächlich enge Doppelsternsysteme sind.

Franziska Konitzer Wo ein, ich sag jetzt mal, normaler Stern und ein weißer Zwerg sich einander umkreisen. Also ein weißer Zwerg ist ja der ausgebrannte Überrest, sag ich mal, von einem sonnenähnlichen Stern. Also unsere Sonne wird auch irgendwann mal ein weißer Zwerg sein und eben ein normaler Stern. Entweder auch ein normaler Stern wie die Sonne oder eben ein roter Riese, der sich schon expandiert hat. Und Novae sind eben enge Doppelsternsysteme, die sich normalerweise in wenigen Tagen, drehen die einmal so eine Runde um sich rum.

Franziska Konitzer Und wie hat man herausgefunden, was nun also eine Nova ist? Indem Astronomen quasi ehemalige Novae oder so Systeme untersucht haben mit dem Teleskop. Und du kannst es ja nicht räumlich auflösen oder konnte man zum damaligen Zeitpunkt auch nicht. Du kannst also nicht draufgucken und sagen, ah ja, hier ist der weiße Zwerg und hier ist der, ich sag jetzt mal, roter Riese zum Beispiel.

Franziska Konitzer Stattdessen, was du normalerweise siehst von so einer Nova und was auch Les Depeltiers zum Beispiel über 20 Jahre beobachtet hat, ist nur das Licht des roten Riesen. Weil der weiße Zwerg selber ist nicht leuchtstark genug. Aber die umkreisen sich ja. Und das heißt also auch, dass der weiße Zwerg ja aus unserer Sicht, wenn es günstig ist, aus unserer Sicht vor diesem roten Riesen vorüberzieht.

Karl Urban Einen Transit macht.

Franziska Konitzer Einen Transit macht. Und dann siehst du nämlich einen leichten Abfall in der Helligkeitskurve dieses roten Riesen. Und damit hast du rausgefunden, dass das also ein Doppelstern-System ist. Und wie kommt es nun also zu dieser Explosion? Oder ja, Explosion, Ausbruch, Helligkeitsanstieg. Nove sind Doppelsternsysteme, die so eng aneinander sind, dass der weiße Zwerg tatsächlich Materie von seinem Begleiter absaugt.

Franziska Konitzer Also ich könnte jetzt auch machen, aber so klingt es halt nicht, weil ja Vakuum. Aber dieser weiße Zwerg saugt Materie von seinem Begleiter ab und dann bildet sich auch so eine Akkretionsscheibe um den weißen Zwerg herum, aber das Material oder die Materie fällt ja irgendwann auf diesen weißen Zwerg hinauf.

Franziska Konitzer Und irgendwann, wenn es genug oder zu viel Material ist, dann steigt die Temperatur am unteren Ende dieser Extraschicht von dem roten Zwerg, steigt die Temperatur so sehr an, dass du tatsächlich wieder die Kernfusion zünden kannst.

Karl Urban In dieser äußeren Schicht?

Franziska Konitzer In dieser äußeren Schicht auf der Oberfläche des Weißen Zwergs. Der Weiße Zwerg ist ja ausgebrannt, also da findet keine Kernfusion mehr statt, deshalb ist er ja auch nicht mehr hell oder irgendwie sowas. Aber eben, wenn die Temperatur in dieser akkumulierten Schicht hoch genug ist, dann startet da wieder die Kernfusion.

Franziska Konitzer Und das heißt aber auch, dass damit auf der Oberfläche des Weißen Zwerges einfach, ja, eine thermonukleare Explosion stattfindet. Also das kann man sich schon so vorstellen wie eine riesengroße Wasserstoffbombe und damit explodiert quasi dieses gesamte akkumulierte Material oder Teile oder sogar noch mehr, dieses Material ins All. Mhm.

Franziska Konitzer Und das ist das, was wir als Nova-Ausbruch sehen. Das ist der Ausbruch, die Eruption. Und wenn dieses Material explodiert als Wasserstoffbombe, dann pustet dieser weiße Stern ja dieses gesamte Material ins All. Und das leuchtet ja. Und das ist tatsächlich das Leuchten, diese Schicht, die dann ins All expandiert.

Franziska Konitzer Das ist das, was wir sehen als Nova-Ausbruch. Also tatsächlich ist es nur so, in dem Moment, wo eine Nova explodiert, dann sehen wir tatsächlich die Schicht von diesem weißen Zwerg. Und wenn der ganze Zauber vorbei ist, dann sehen wir wieder nur den Begleitstern. Und dann fängt es eigentlich wieder von vorne an mit diesem Zyklus.

Karl Urban Aber das heißt, also neuer Stern stimmt eh nicht, weil Stern war auch vorher da. Aber auch der Stern, der vorher da war, ist nicht der, der leuchtet, sondern eigentlich sein weißer Zwergbegleiter.

Franziska Konitzer Genau, genau. Tatsächlich ist es so. Also der überstrahlt den Begleitstern halt in dem Moment. Ja, und dann kann ich nämlich auch zum Beispiel rausfinden, aus was der weiße Zwerg besteht. Also welche Art von weißer Zwerg, da gibt es ja auch Unterschiede und so. Genau. Und für die meisten Nove, und ich meine, der Name hat sich halt einfach eingeprägt, weil, wie gesagt, historische Gründe.

Franziska Konitzer Als Nova ist dann echt meistens, ja, eine Nova ist inzwischen wirklich Wirklich diese engen Doppelstern-Systeme, wo dann irgendwann mal die Oberfläche von dem weißen Zwerg Kabumm macht, ohne das Kabumm. Und die meisten Nove sieht man tatsächlich von der Erde aus nur einmal. Weil dieser Zyklus, wo der weiße Zwerg quasi Material von dem Begleitstern abzieht, der kann bis zu Millionen von Jahren dauern.

Franziska Konitzer Und ist ja klar, dann sehen wir das nur einmal in unserer Generation. Aber es gibt eben auch, Viel weniger, aber es gibt sie, sogenannte wiederkehrende Nove.

Karl Urban Das sind die, die mit den Amateurastronomen persönlich befreundet sind.

Franziska Konitzer Ja, genau, wo sie dann 20 Jahre darauf warten, ohne eine Idee zu haben, ob es nochmal passiert. Weil in der ganzen Milchstraße sind tatsächlich nur zehn wiederkehrende Nove bekannt. Und von denen ist T. Corona Borealis eben eine und tatsächlich die uns nächste. Also T. Corineborealis gilt auch als der Art Prototyp für wiederkehrende Nove.

Franziska Konitzer Der Stern ist, oder ja, diese Nova, dieses Sternsystem ist für uns dann während des Ausbruchs mit dem bloßen Auge sichtbar, weil es eben nur in Anführungszeichen rund 3000 Lichtjahre von uns entfernt ist und besteht aus einem weißen Zwerg mit 1,35 Sonnenmassen und einem roten Riesenstern. Und tatsächlich, was an T-Kurone Borealis ein bisschen komisch ist, ist, dass der Weiße Zwerg und der Rote Riesenstern sich in einer recht, die haben eine recht lange Umlaufzeit, die brauchen 227 Tage für eine Runde um sich rum.

Franziska Konitzer Und haben wir gesagt, die meisten anderen Nove ist die Umlaufzeit sehr viel kürzer. Man weiß es nicht, weil die meisten Nove tatsächlich nicht Tage, sondern Stunden. Die meisten Nove kreisen sich mit einer Umlaufzeit von ja drei bis acht Stunden. So, aber ja, das ist eben T-Corone Borealis. Jetzt wissen wir, was eine Nova ist. Tatsächlich ist das, was Tycho Brahe damals beobachtet hat, ich hatte ja gesagt, das war so hell wie die Venus.

Franziska Konitzer Tycho Brahe hat damals keine Nova gesehen. Tycho Brahe hat eine Supernova gesehen. Genauso wie Johannes Kepler im Jahr 1604, der das übrigens auch nicht direkt nach dem Ausbruch beobachtet hatte, weil bei ihm war es damals bewölkt. Er kam erst ein paar Tage später zum Zug, Johannes Kepler. Aber was ist der Unterschied zwischen Nova und Supernova?

Franziska Konitzer Also allein der Name sagt es ja schon, Supernova ist natürlich super. Es ist von der absoluten Helligkeit sehr viel heller und es gibt verschiedene Arten von Supernovae, aber es gibt auch eine Supernova vom Typ 1a und da ist auch ein weißer Zwerg involviert. Und bei einer Supernova-Explosion zerreißt es den ganzen weißen Zwerg.

Franziska Konitzer Also da fliegt nicht nur seine Atmosphäre oder seine Oberfläche in die Luft, sondern der ganze weiße Zwerg und da kann man sich schon vorstellen, dass das heller ist. Wenn ich einen ganzen weißen Zwerg irgendwie so, ich sag mal, mit einer Sonnenmasse oder 1,45 Sonnenmassen habe und der fliegt quasi als Wasserstoffbombe in die Luft, dann ist das natürlich intrinsisch heller, als wenn ich ungefähr ungefähr, ja, Zehntausendstensommelmasse habe oder vielleicht eine Erdmasse.

Karl Urban Also das, was in dieser äußersten Schicht ist.

Franziska Konitzer Ne? Genau, was bei dieser Nova explodiert. Man weiß immer noch nicht genau, wie viel Materie bei so einer Nova-Explosion wirklich explodiert. Aber es ist, ja, ein Zehntausendstensommelmasse-Grob bis zu einer Erdmasse. Was für uns natürlich immer noch riesen viel ist. Also wenn wir uns vorstellen, die ganze Erdmasse explodiert als Wasserstoffbombe, weil das ist schon ein hochenergetisches Ereignis.

Karl Urban Jo. Ja.

Franziska Konitzer Und zwar sind Supernovae heller und das wäre natürlich viel spektakulärer, wenn wir sowas beobachten könnten am Himmel. Aber darüber habe ich ja auch schon mal eine Geschichte gemacht, dass ich genauso wie viele andere Menschen auf dieser Welt in den vergangenen Jahrhunderten immer noch auf die nächste galaktische Supernova warte, in der Hoffnung, dass man die dann auch am Taghimmel sehen könnte.

Karl Urban Bloß nicht zu nah an der Sonne, ja. Ja.

Franziska Konitzer Genau. aber die letzte galaktische supernova hat eben johannes kepler gesehen im jahr 1604 und seitdem es ist mit galaktischen supernovae also supernovae innerhalb unserer galaxis leider gottes essig und deshalb weiß ich nicht ob ich mein leben lang umsonst warten werde oder ob ich schon morgen beglückt werde weiß man nicht das schöne ist bei so einer nova wie t-corone borealis gerade wie bei dieser wiederkehrenden nova, alle Jahre wieder. Ich habe ja gesagt, die ist im Jahr 1866 explodiert, dann 1946.

Franziska Konitzer Was heißt circa alle 80 Jahre?

Karl Urban Und das heißt? Eigentlich dürfte es bald wieder soweit sein. Also was heißt zu unseren Lebzeiten in den nächsten Jahren, wenn die sich so an diesen Rhythmus hält? Okay, nicht schlecht.

Franziska Konitzer Steht die Chance gut für die größte Explosion, die du wahrscheinlich jemals in deinem Leben sehen wirst.

Karl Urban Jedenfalls, wenn ich nicht schlafe.

Franziska Konitzer Ja, also genau. Also wann wird T-Corone Borealis explodieren? Also 1946 plus 80 ist gleich 2026. Und das ist auch einem Astronomen namens Bradley Schäfer aufgefallen. Der ist inzwischen eigentlich emeritiert, aber der interessiert sich schon seit seiner Schulzeit für diese Nova. Und hat auch sehr viele Fachartikel über diese Nova geschrieben und sammelt quasi auch immer, engagiert sich auch bei den Amateurastronomen, auch er ist Mitglied der AAFSO, also dieser Assoziation für die variablen Sterne.

Franziska Konitzer Und auch er hat natürlich schon sehr früh, genauso wie eigentlich alle anderen Menschen, gemerkt, so ja, da müsste es ja wieder bald soweit sein. Also 2026 ist ja jetzt nicht mehr so weit weg. Und es ist auch inzwischen immer noch so, dass dieser Nova oder dieser Stern wird vor allem von Amateurastronomen untersucht und die Helligkeit beobachtet, weil natürlich auch große Observatorien, du kannst ja nicht einfach ein großes Teleskop einfach die ganze Zeit auf diesen einen Stern draufhalten.

Franziska Konitzer Das macht keiner, also das geht nicht. Und deshalb sind das vor allen Dingen Amateurastronomen, die eben in den Jahren nach 1946 auch Ticorone borealis weiterhin beobachten. Und gucken, was passiert. Und unter ihnen ist eben auch Bradley Schäfer. Der schreibt dann eben auch, dass tatsächlich von 1955, wo dann T-Corone Borealis wieder ganz normal geworden ist, sage ich jetzt mal, bis 2015 ist auch eigentlich nicht viel passiert.

Franziska Konitzer Also genau wie vorhergesehen eigentlich. Und dann wurde er auf einmal heller, dieser Stern, im Jahr 2015. Und zwar war er dann bei einer Magnitude 9,8. Und das ist genau das Gleiche, was im Jahr 1935 passiert ist. Also ungefähr elf Jahre, bevor er dann 1946 wirklich explodiert ist.

Karl Urban Was sehr stark dann für 2026 spricht, also das ist.

Franziska Konitzer Ja…, Immer noch nicht so richtig. Aber bekannt ist, dass auch ja im Jahr, wir erinnern uns, Leslie Pelletier hat an Harlow Shepley diesen Brief geschrieben, diese Notiz, dass er eben auch im Jahr 1945 dunkler wurde, bevor er dann eben ein gutes Jahr später explodiert ist. Und das würde bedeuten, wenn T-Corone Borealis im März 2023 auf einmal dunkler wurde, ist, dass es ungefähr 1,1 Jahre dauern sollte, bis dann diese Nova explodiert.

Franziska Konitzer Und daraus haben Bradley Schäfer und andere Astronomen geschlossen, dass tatsächlich T-Corone Borealis zwischen Januar und September 2024 explodieren sollte.

Karl Urban Wow, das ist sozusagen, sind wir gerade mittendrin, ja?

Franziska Konitzer Genau, und das heißt, dass die Nova T-Corone Borealis wird bald explodieren, wenn es nicht schon passiert ist zwischen der Aufnahme dieser Geschichte und.

Karl Urban Franzi, das ist ja äußerst riskant, was du hier machst. Ja, es ist furchtbar.

Franziska Konitzer Es tut mir so leid.

Karl Urban Zumal, also wir müssen ja hier offenlegen, also wir nehmen diese Folge an einem Tag auf und es dauert noch drei, nee, zehn Tage, bis sie dann wirklich erscheint. Oh Gott, also wenn ihr hinten dran keine Ergänzung hört, dann ist es noch nicht passiert oder so. Ja, genau.

Franziska Konitzer Es tut mir sehr leid, aber ich musste da jetzt quasi, ja, also, genau.

Karl Urban Mann.

Franziska Konitzer Also höchstwahrscheinlich bis September 2024. Für mich persönlich, von meinem Standpunkt in Süddeutschland wäre es sehr schön, wenn die Nova vorher in die Pötte kommt, weil zurzeit ist das Sternbild nördliche Krone sehr gut zu sehen. Von unseren Breitengraden im September dann schon nicht mehr. Dann müsste man dann irgendwie nach Norddeutschland, Hamburg, Gott bewahre.

Karl Urban Naja, das wäre zur Not wahrscheinlich eine Option, ja.

Franziska Konitzer Ja, um dann eben diese Nova zu sehen, aber absolute Notlage natürlich. Aber, also Leslie Pelletier wird das natürlich nicht mehr sehen, der ist 1980 gestorben. Leider Gottes. Aber wie gesagt, falls die Nova noch nicht explodiert ist und ich gucke die ganze Zeit, also es ist ja tatsächlich so, dass, wie gesagt, ich habe ja gesagt, Amateurastronomen und Astronomen verfolgen diese Nova.

Franziska Konitzer Es gibt auch innerhalb der Community wirklich Vorfreude darauf, weil ich meine, es warten zwar mehr oder weniger alle auf die nächste galaktische Supernova, aber wie ich ja auch gesagt habe, du weißt nicht, ob sie zu seinen Lebzeiten kommt. Während hingegen diese Nova wird man sehr wahrscheinlich selber sehen können, wenn es nicht bewölkt ist.

Franziska Konitzer Und ungefähr alle zwölf Minuten macht jemand auf der Welt eine Beobachtung von dieser Nova. Es gibt auch eine Datenbank und dann kannst du das zum Beispiel dieser AFVSO melden, kannst es an sie schicken und die haben eine ganze Datenbank und da kannst du dir quasi den ganzen Tag lang, Moment, das machen wir jetzt auch.

Karl Urban Genau, zur Sicherheit, nicht, dass jetzt über Nacht schon was passiert ist.

Franziska Konitzer Naja, wenn sie jetzt in den letzten fünf Minuten explodiert ist, dann könnte man das auch quasi dran machen. Da kann man sich Helligkeitsmessungen von sämtlichen Sternen anzeigen lassen. Und wenn ich jetzt hier TCRB eingebe, genau, dann gab es heute schon 1, 2, 3, 4, 5, 6, 7, 8. Das sind zu viele Messungen heute, als dass ich zählen könnte, aber der Stern ist immer noch bei einer Magnitude von hier 10, 11, 9.

Franziska Konitzer Das sind natürlich auch die Messunsicherheiten und die verschiedenen Filter von den verschiedenen Menschen, aber das kann man sich hier echt angucken in dieser Datenbank, die ist auch verlinkt in den Shownotes. Genau, es gibt insgesamt zum jetzigen Zeitpunkt über 200.000 Beobachtungen von 1.751 Beobachtungen von T-Corone Borealis und wie gesagt, zum jetzigen Zeitpunkt ist er immer noch nicht explodiert. Glücklicherweise, denn es ist ja gerade Tag.

Karl Urban Was ist denn die Motivation, das zu machen, außer zu sagen, ich war dabei? Also gibt es da auch irgendwie tiefer gehende physikalische Erkenntnisse, die man gewinnen möchte?

Franziska Konitzer Also ist es so, für die Amateurastronomen ist es natürlich, ich meine, das ist ihr Hobby. Das ist so, wie wenn du jemanden fragst, warum er oder sie Vögel beobachtet. Natürlich bei hier ist es auch so, ich hab dir ja jetzt von Leslie Pelletier erzählt, der verschlafen hat und NFH Knight und John Birmingham.

Franziska Konitzer Du bist dann natürlich der oder die Entdeckerin dieser Nova dieses Mal und das ist halt schon Fame. Das ist so wie wenn du jetzt einen Kometen entdeckst oder oder oder irgendwie sowas. Also es ist jetzt außerhalb der Community wie bei allen anderen, ich sag jetzt mal, speziellen Hobbys, das sagt der beiden Bevölkerung vielleicht nichts, aber innerhalb der Community ist natürlich schon toll.

Franziska Konitzer Es ist natürlich auch Interesse und es ist halt auch Freude dabei zu sein.

Karl Urban Das kann ich alles verstehen, klar.

Franziska Konitzer Für die Forschung und tatsächlich ist es so, ich meine, es muss schnell gehen. Wie gesagt, wenn die Nova aufleuchtet, T-Corone Borealis, dann wird sie innerhalb, die maximale Helligkeit hat sie echt nur einen halben Tag lang. Sprich, wenn das Ding jetzt gerade hochgeht, wo es bei uns morgens um halb elf ist, dann, selbst wenn ich heute Abend Sternklar habe, habe ich quasi verloren, weil dann ist die Nova schon wieder hell.

Franziska Konitzer Sprich, das ist wie so eine Art Warnsystem auch für professionelle Astronominnen und Astronomen, weil sobald die Messung drin ist, dass die Nova explodiert ist, können die natürlich im Zweifelsfall dann ihre professionellen Teleskope darauf richten. Und dann gucken, aber dazu musst du halt erstmal wissen, dass es passiert ist.

Franziska Konitzer Das ist ja nicht wie damals, 1572, wo Tycho Brahe mal kurz sechs Stunden lang die taghelle Supernova verpasst hat. Heutzutage muss es schnell gehen. Also deshalb, das ist unter anderem auch die Motivation der Amateurastronomie. Für professionelle Astronomen und Astronomen ist da auch schon immer noch ein bisschen Forschungsbedarf da.

Franziska Konitzer Zum einen würde man auch immer noch gerne verstehen, tatsächlich die genaueren Mechanismen. Ich habe ja gesagt, es gibt zehn Jahre vorher und zehn Jahre hinterher ist die Nova eine Magnitude heller als sonst. Warum? Warum genau gibt es vorher so einen Helligkeitsabfall?

Karl Urban Warum?

Franziska Konitzer Ist der physikalische Mechanismus nicht geklärt? Wie viel Material genau explodiert denn? Ich habe gesagt Pi mal Daumen, vielleicht ein Zehntausend, eine Sonnenmasse, vielleicht so eine Erdmasse. Das weiß man auch nicht. Und dann ist außerdem eine Frage, was die Vorgängersysteme von Supernova-Systemen sind.

Franziska Konitzer Ich habe ja gesagt, Supernovae vom Typ 1a ist ja ein weißer Zwerg in einem Doppelsystem, wobei es den gesamten weißen Zwerg zerreißt. Und da ist die Frage, was sind denn die Vorgängersysteme von diesen Supernovae? Das ist eine der großen, ja, nicht ganz gelösten Fragen der Astrophysik. Da ist man früher davon ausgegangen, das steht auch noch in meinem Uni-Lehrbuch zur Astrophysik, dass das Vorgängersystem auch so ein weißer Zwerg ist und einfach auch ein Begleitstern.

Franziska Konitzer Und der weiße Zwerg dann einfach so viel Materie akkumuliert, dass es über ein bestimmtes Limit geht und dann explodiert eben nicht nur die Oberfläche, sondern der ganze weiße Zwerg. Ist die Frage, also warum ist das eine dann nur Nova und die Oberfläche geht hoch Und beim anderen Mal zerreißt es dann den ganzen weißen Zwerg. Also man weiß es nicht.

Franziska Konitzer Oder die andere Möglichkeit wäre, sind Supernovae vom Typ 1a nicht einfach zwei weiße Zwerge, die miteinander verschmelzen? Also zwei unterschiedliche Systeme und das hat auch wiederum eine große Bedeutung, weil ja weiße, solche Supernovae werden ja unter anderem dazu verwendet als Standardkerzen für Entfernungsmessungen im Universum.

Franziska Konitzer Anhand dieser Supernovae hat man letztendlich die beschleunigte Expansion des Universums nachgewiesen oder beobachtet, also deshalb möchte man schon wissen, wie diese Supernovae zustande kommen. Und deshalb sind Beobachtungen auch von dieser Novae dann wichtig, weil man möchte einfach das besser verstehen. Genau.

Karl Urban Also diese ganze Nachschärfung von den Modellen. Genau, die Nachschärfung.

Franziska Konitzer Also man weiß inzwischen so, was das ist und pipapo, aber halt auch, ich meine, das ist natürlich, ja, kann man auch sagen, Nische. Ich meine, warum sind manche super, warum sind manche Novell, warum haben die so kurze Umlaufzeiten und explodieren nur, weiß ich nicht, alle tausend Jahre, alle Millionen Jahre und warum diese Nova seit mindestens 800 Jahren, also die Bradley Schäfer hat zum Beispiel in Archivmaterial nachgekramt und hat die älteste Beschreibung dieser Nova gefunden aus dem Jahr 1217.

Franziska Konitzer Da hat ein Mönch in Süddeutschland diesen Stern beobachtet tatsächlich und schreibt eben auch von einem neuen Stern. Tatsächlich damals schon. Also das kann noch tausend Millionen Jahre lang so weitergehen. Also man will ja die physikalischen Mechanismen einfach besser verstehen.

Karl Urban Dieser Mönch hat das bestimmt auf Latein getan. Insofern hieß das eigentlich schon damals Nova Stella wahrscheinlich, oder?

Franziska Konitzer Er hat geschrieben, ein Stern und von einem wunderbaren Ereignis. Und daraus hat eben Bradley Schäfer auch geschlossen, weil er hat auch damals schon geschrieben im Sternbild nördliche Krone. Das hieß damals noch nicht nördliche Krone, aber das ist das, was er gemeint hat. Ariadnes Crown hat er es genannt. Also die Krone der Ariadne.

Franziska Konitzer Aber aufgrund der Tatsache, dass er von einem Stern, also offensichtlich von einer Punktquelle gesprochen hat, in diesem Sternbild zur richtigen ... In Jahreszeit hat Bradley Schäfer eben darauf geschlossen, dass er diese Nova beobachtet haben muss, weil wenn er einen Kometen zum Beispiel gesehen hätte, hätte das ja A nicht ausgesehen wie einen Stern und B galten Kometen damals als eher unglücksbringend und das wäre dann gewiss kein wunderbares Ereignis gewesen.

Franziska Konitzer Von dem allen wirst du nichts sehen, wenn du Glück hast, diese Nova zu beobachten. Aber man kann zum Beispiel, wenn du selber Interesse hast, kannst du schon mal üben, diese Nova zu sehen, wenn es denn soweit ist. Und das Sternbild nördliche Krone kann man natürlich einfach finden, wenn man eine Sternkarte hat oder einfach eine App.

Karl Urban Ja, das wollte ich gerade sagen. Also das muss ich jetzt mal anfangen zu üben, dieses Sternbild zu sehen.

Franziska Konitzer Genau, aber du kannst auch einfach Starhopping betreiben. Das muss ich selber auch noch machen, weil es die ganze Zeit bewölkt war, aber das Sternbein nördliche Krone kann man recht einfach finden. Du fängst beim großen Wagen an, den großen Wagen, vier Kasten Sterne, Deichsel, so. Und wenn du dann die Deichsel verlängerst, gelangst du zu Arctur.

Franziska Konitzer Und das ist ein, hast du jetzt eine Sternkarte? Gott, du hast sogar was. Also du verlängerst die Deichsel des großen Wagens in einer gedachten Linie. Und dann müsstest du zu einem Stern namens Arctur gelangen.

Karl Urban Jetzt muss ich erst mal den großen Wagen finden, Franz. E1 nach dem Wagen.

Franziska Konitzer Okay.

Karl Urban Am Himmel ist das Leichtheiz auf der Sternenkarte. Also da ist Cassiopeia. Naja, erzähl mal weiter. Okay.

Franziska Konitzer Du hast den großen Wagen. Von der Deichsel machst du eine gedachte Linie weiter. Also du musst die Bogen weiterziehen und dann gelangst du zu Arctur.

Karl Urban Bootes.

Franziska Konitzer Und Arctur, ja genau, der Bärenhüter. Und Arctur ist immerhin zur Zeit der hellste Stern, den wir am Himmel sehen können. Also der dürfte leicht zu finden sein. Und direkt neben diesem Sternenbild befindet sich nordöstlich das Sternenbild nördliche Krone.

Karl Urban Stimmt.

Franziska Konitzer Tada!

Karl Urban Gemma als hellster Stern.

Franziska Konitzer Ja. Und in diesem Sternbild, wie er jetzt schaut aus wie ein kleiner Halbkreis, er erinnert einem Diadem. Und wenn, blumig ausgedrückt, in diesem Diadem ein neues Juwel erscheint, dann ist die himmlische Wasserstoffbombe hochgegangen.

Karl Urban Schön.

Franziska Konitzer Und wenn es soweit ist, ist es hoffentlich nicht bewölkt und hoffentlich nachts bei uns und hoffentlich verschlafen wir nicht.

Karl Urban Sehr schön.

Franziska Konitzer Und das, lieber Karl, war heute meine Geschichte für dich von einer in kosmischen Maßstäben tatsächlich eher kleinen Explosion, die für uns aber wahrscheinlich die größte Explosion sein dürfte, die wir je zu Gesicht bekommen.

Karl Urban Dankeschön, mit einem kleinen Himmelsspaziergang. Das müssen wir öfter machen, das gefällt mir. Weil das ist ja auch so eine Fähigkeit, also mal abgesehen von den Apps, die es auch gar nicht mehr unbedingt nötig machen, die so in unserer Zeit der starken Lichtverschmutzung in den Großstädten so völlig verloren gegangen ist.

Karl Urban Dass man in der Lage ist, irgendwie ein Sternbild zu erkennen, das jetzt nicht der große Wagen ist. Oder vielleicht noch Cassiopeia.

Franziska Konitzer Ja, halt ein Sternbild zu erkennen, aber auch diese neuen Sterne.

Karl Urban Ja, sehr gut.

Franziska Konitzer Dass einem was auffällt, dass da was anderes ist. Ich meine sicher, es gibt inzwischen Amateurastronomen und Astronomen, die gucken, aber in der Hinsicht fand ich die Geschichte am abgefahrensten, wo auch, war es 1942, glaube ich, da ist auch eine Nova aufgetaucht, also keine Wiederkehrende, aber es ist eine Nova aufgetaucht und die wurde zuerst von einem japanischen Schulmädchen beobachtet, weil die spätnachts die Socken gestopft hat.

Franziska Konitzer Und dann hat sie aus dem Fenster geguckt. Und weil sie mit den Wintersternbildern vertraut war, ist ja aufgefallen, dass in dem Sternbild was anderes ist. Und ich würde mal behaupten, dass 99 Prozent von uns, wenn es überhaupt reicht, heutzutage nicht merken würden, wenn da ein neuer Stern am Himmel erscheint.

Karl Urban Wir stopfen keine Socken mehr, das ist das Problem.

Franziska Konitzer Wir stopfen keine Socken mehr, wir haben Lichtverschmutzung, aber ich meine, selbst ohne Lichtverschmutzung, also ich meine, diese Nova wird man auch mit der Lichtverschmutzung sehen, sie wird erst so hell sein wie der Polarstern. Den kann ich auch von München auch aussehen.

Karl Urban Ja, wobei der Polarstern jetzt ja auch nicht der auffälligste Stern des Himmels ist. Die Leute denken ja immer, also die Leute, die jetzt wenig Ahnung von Astronomie haben, haben einen höheren Polarstern. Das ist bestimmt der hellste Stern. Und das ist ja nicht so. Also da muss man auch schon wissen, wie man zu ihm hinfindet. Genau.

Franziska Konitzer Auch mit dem großen Wagen übrigens.

Karl Urban Ja, natürlich.

Franziska Konitzer Kastensterne, die hinteren Wagenkastensterne verlängern.

Karl Urban Ich denke das ja schon immer, wenn mal wieder irgendwie so die, also ich glaube zur Zeit ist es von den Planeten her ganz, ganz übel, weil man sie fast nicht sieht, aber so in den Zeiten, wo irgendwie Jupiter und Mars so ganz, ganz hell im Himmel sind, ich denke, ich rede dann irgendwie mit Leuten, na guck mal da oben, der rote Punkt, das ist Mars und die Leute, mhm, okay.

Franziska Konitzer Ja, man ist sehr, also es ist eher eine Entfremdung, würde ich sagen.

Karl Urban Ja, total. Ja, und ich glaube schon dadurch bedingt, dass man halt es einfach nicht mehr so gewohnt ist. Also wann sieht man mal die Milchstraße? So Sachen irgendwie. Das haben die Leute halt früher in jeder Nacht gehabt, wo irgendwie die Wolken das zugelassen haben und das ist einfach verloren gegangen.

Franziska Konitzer Ja, ich denke mir halt auch so, ich meine, schau dir diesen Menschennamen, diesen John Birmingham an in Irland, ja 1866, der ist nach Hause gelaufen nach einem Abend bei einem Freund und dann ist ihm das aufgefallen. Auf dem Nachhauseweg, der hat ja jetzt auch nicht irgendwie so, boah geil, ich geh jetzt Himmelkurs, ne? Und das ist halt schon, das würde uns ja überhaupt nicht auffallen.

Karl Urban Aber, was ich interessant finde, ich habe neulich einen Text gelesen, da ging es eigentlich um ein unerfreuliches Thema, nämlich das Thema GPS-Jamming total zunimmt, jetzt in diesen Kriegszeiten, gerade so im Ostseeraum, irgendwie gibt es in Kaliniengrad irgendwelche Anlagen, die dann halt auch für viele Ostseeanrainer das GPS unverwendbar machen.

Karl Urban Und deswegen ist es bis heute so, dass zum Beispiel die US Marines in ihrer Ausbildung Sternenkunde lernen, dass sie halt zur Not auch mit den Sternen navigieren können. Also vielleicht ist das ein Thema, was auch irgendwie wieder kommt. Zumindest in manchen Kreisen.

Franziska Konitzer Ja, naja, es ist, allgemein ist es ein bisschen so, es ist ja wie, wie, wie alle, so, ich sag mal, ja, Naturbeobachtung, wenn du spazieren gehst, welche, welche Blumen kennt man, welche, welche Vögel kennt man, Pflanzen, Blaumeise, es ist jetzt eine Kohlmeise, Amsel, männlich, weiblich und das ist halt, ja, es ist für mich schon so ein bisschen Entfremdung, aber Aber vielleicht deshalb, ja, ich freue mich trotzdem auf die Nova.

Franziska Konitzer Bei meinem Glück ist es entweder Tag oder bewölkt. Es wird so sein, ich weiß es. Aber vielleicht habe ich auch Glück und kann sie mir auch mal angucken.

Karl Urban Ich habe noch eine andere Frage, weil im Abgleich mit meinem astronomischen Allgemeinwissen hatte ich eine Nova abgespeichert als eine ... Ähm, den Tod eines kleineren Sterns, also eher eines sonnengroßen Sterns, der dann einfach stirbt und zum weißen Zwerg wird. Aber es ist nicht so, ja?

Franziska Konitzer Nein, nein, das ist, das ist, äh, eine Nova ist wirklich, äh, diese engen Doppelsternsysteme, die ab, ab, abziehen und eine, ein sonnenähnlicher Stern, der zu einem weißen Zwerg wird, das dauert ja viel länger.

Karl Urban Mhm.

Franziska Konitzer Ähm, da gibt's, gibt's Ne, da gibt es keinen Helium-Flash, das ist nur bei größeren Sternen. Der wird ja erst dann zu so einem roten Riesenstern letztendlich, expandiert, expandiert, expandiert und irgendwann fällt er wieder zusammen und das gibt zwar auch dann so eine Art, ja, wie Flash aufleuchten wahrscheinlich, aber dann entsteht da hinterher draus ein planetarischer Nebel.

Franziska Konitzer Das ist das, was ein weißer Zwerg, also auch unsere Sonne wird wahrscheinlich einen planetarischen Nebel erzeugen. Die Bezeichnung ist eigentlich Quatsch, weil das hat nichts mit Planeten zu tun, aber das ist historisch bedingt, dass das so heißt. Die sind auch sehr hübsch. Aber ne, ein Nova ist wirklich eine Wasserstoffbombe mit einem engen Doppelsternsystem, so kann man sich das merken.

Franziska Konitzer Aber das hab ich dir gerade nochmal erklärt, jetzt müsstest du eigentlich perfekt vorbereitet sein für meine Fragen.

Karl Urban Ich wollte das jetzt nochmal ganz genau wissen, damit ich jetzt auch wirklich die Fragen richtig beantworte. Wie immer.

Franziska Konitzer So. So. Frage Nummer eins. Was ist eine Nova?

Karl Urban Eine Nova. Jetzt muss ich es in eigenen Worten sagen. Eigentlich entsteht eine Nova in einem Doppelsystem aus einem weißen Zwerg und einem noch normal leuchtenden Stern. Und der weiße Zwerg zieht dem Material ab und da kommt es in regelmäßigen Abständen zu einer Wasserstoff-Explosion in dessen äußeren Hülle.

Franziska Konitzer Richtig! Die Abstände können regelmäßig oder unregelmäßig sein, aber egal. Frage Nummer zwei. Was ist der Unterschied zwischen einer Nova und einer Supernova vom Typ 1a?

Karl Urban Die Supernova ist super.

Franziska Konitzer Richtig!

Karl Urban Nein, bei der Supernova zerreißt es den Weißen Zwerg komplett und deswegen ist die deutlich heller.

Franziska Konitzer Richtig. Also intrinsisch deutlich heller, ne? Ich meine, wenn sie sehr viel weiter weg von uns ist, dann schaut sie nicht heller aus.

Karl Urban In absoluten Werten, ja. Aber sie ist mehr leuchtkrank.

Franziska Konitzer Genau. Frage Nummer drei. In welchem Sternbild befindet sich T. coronae borealis?

Karl Urban In der nördlichen Krone.

Franziska Konitzer Richtig.

Karl Urban Und die ist sogar auf meiner Sternkarte drauf.

Franziska Konitzer Jetzt kannst du sogar spicken. Pass auf, Frage Nummer vier. Wenn ich Starhopping betreibe und keine App habe, wie finde ich dann das Sternbild nördlicher Krone?

Karl Urban Also, Sternkarte. Also, ich muss den großen Wagen erkennen und finden und dann diesem Bogen der Deichsel folgen, so ein bisschen um die Kurve bis zur Arktur, was momentan im Frühlingshimmel der hellste Stern ist. Sternbild, wie heißt der auf Deutsch? Bärenhüter, ne?

Franziska Konitzer Bärenhüter.

Karl Urban Genau. Und so links oberhalb davon ist diese Krone, die eher unscheinbar ist, hat einen recht hellen Stern und wenn da drin noch so ein Diadem auftaucht, dann ist es soweit.

Franziska Konitzer Richtig. Sehr gut.

Karl Urban Sehr gut.

Franziska Konitzer Ich habe überhaupt gar keine Sternenkarte mehr. Ich brauche immer wieder eine. Frage Nummer 5. Wie hell wird diese Nova T. Corona Borealis sein?

Karl Urban Oh, Magnitudenzahl hast du gesagt.

Franziska Konitzer Nö, kannst du es auch vergleichen.

Karl Urban Ach so. So hell wie? Also so hell wie der Polarstern.

Franziska Konitzer Richtig.

Karl Urban Was war das? 4? 2. 2.

Franziska Konitzer Maximal, aber nur über sehr kurze Zeit. Also halber Tag, Tag. Ja genau, alle Fragen richtig beantwortet.

Karl Urban Sehr gut, das freut mich. Ja, die Wiederholung davor war nicht schlecht.

Franziska Konitzer So, wie gesagt, wenn die Nova zwischen hier und jetzt bei der Veröffentlichung hoch geht, dann überlegen wir uns was. Hoffentlich nicht.

Karl Urban Ja, aber es wäre auch aufregend.

Franziska Konitzer Ja, dann muss man sich die Folge einfach 80 Jahre lang speichern und dann kann man sie sich dann nochmal anhören.

Karl Urban Genau, also kurz vorher kann man sie dann nochmal anhören.

Franziska Konitzer Im Jahr, was, 2104?

Karl Urban Genau. Ja, Podcast kann man ja lange hören, glaube ich. Solange das mit der Datenarchivierung irgendwie hinhaut.

Franziska Konitzer Das ist eine zeitlose Geschichte.

Karl Urban Genau. Okay, dann haben wir es, oder? Für heute?

Franziska Konitzer Dann haben wir es.

Karl Urban Dann haben wir es. Dann war sie das, die 91. Ausgabe von Astrogeo. Und wir danken allen, die unsere Arbeit unterstützen. Das sind die regelmäßigen AbonnentInnen der Riff Reporter. Und die Riff Reporter sind eine Genossenschaft von über 100 freien und unabhängigen Journalistinnen und Journalisten, die zu vielen relevanten Themen arbeiten und das alles frei von Werbung und Trackern.

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Karl Urban Ja und zuletzt danken wir euch fürs Zuhören. Wir sagen Tschüss.

Franziska Konitzer Ad Astra.

Karl Urban Und Glück auf. Bis zum nächsten Mal.

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