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Auf den Punkt· Folge 2431

Hubert Aiwanger: Zum Tod eines einzigartigen Politikers

Donnerstag, 5. November 2026 · 9 min

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Shownotes

Hubert Aiwanger hatte einen großen politischen Traum. Er wollte seine Partei, die Freien Wähler, aus Bayern in die Bundespolitik führen. Am Mittwoch hat seine Partei in Berlin ein Hauptstadtbüro eröffnet und Aiwanger wollte dort eine Rede halten. Aber daraus ist nichts geworden. Wegen gesundheitlicher Probleme ist er nicht zur Eröffnung gekommen und später tot in seinem Hotelzimmer gefunden worden.

Hubert Aiwanger hat die Politik, zumindest in Bayern, viele Jahre lang geprägt. Er war die Gallionsfigur seiner Freien Wähler, hat sie in den Landtag geführt und sogar in die Landesregierung. Sein plötzlicher Tod ist ein Schock für seine Partnerin, die beiden Kinder, für seine Partei und für die gesamte bayerische Landespolitik.

Warum genau Aiwanger gestorben ist, das wird noch untersucht. Am Donnerstagnachmittag hat die Staatsanwaltschaft in Berlin mitgeteilt, dass es keine Hinweise auf ein Fremdverschulden gebe.

Katja Auer aus dem Bayern-Ressort sagt in dieser Folge des SZ-Nachrichtenpodcasts “Auf den Punkt” über Aiwanger und seinen ganz besonderen Politikstil: “Das war sein Kunststück, dass er immer gegen das Establishment geschimpft hat, auch wenn er dem längst selbst angehörte.”

Weitere Nachrichten: Folgen der Midterms; Bombendrohungen gegen Flüge.

Zum Weiterlesen:
Einen Nachruf von Katja Auer und anderen auf Hubert Aiwanger könnt ihr hier lesen. (sueddeutsche.de/bayern/hubert-aiwanger-freie-w…)

Hier ist die Analyse zur Kritik von Vance an Trump. (sueddeutsche.de/politik/midterms-2026-j-d-vanc…)

Und hier gibt es Wissenswertes zu Quallen. (sueddeutsche.de/leben/weltquallentag-3-novembe…)

Moderation, Redaktion: Philipp Saul
Redaktion: Johannes Korsche, Ann-Marlen Hoolt
Produktion: Ann-Kathrin Schneider

Zitiertes und zusätzliches Audiomaterial über Phoenix.

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Transkriptvom Podcast bereitgestellt · Zeitmarken springen hin

Er war die zentrale Figur der freien Wähler in Bayern, stellvertretender Ministerpräsident und ein Populist, der für das kernige ländliche Bayern stand wie kaum ein anderer. Am Mittwoch ist Hubert Aiwanger völlig unerwartet mit nur fünfzig Jahren gestorben. Wofür stand der Politiker Aiwenger? Und was bleibt von ihm?

Darüber spreche ich heute mit Katja Auer aus der Bayern Redaktion. Das war sein Kunststück dass er immer gegen das Establishment geschimpft hat auch wenn er dem längst selbst angehörte. Das ganze Gespräch gleich hier im SZ Nachrichten Podcast auf den Punkt. Ich bin Philipp Saul. Hubert Aiwanger hatte einen großen politischen Traum, er wollte seine Partei die freien Wähler aus Bayern in die Bundespolitik führen.

Am Mittwoch hat seine Partie in Berlin ein Hauptstadtbüro eröffnet und Aiwenger wollte eine Rede halten – aber daraus ist nichts geworden! Wegen gesundheitlicher Probleme ist der nicht zur Eröffnung gekommen und später ist er dann tot in seinem Hotelzimmer gefunden worden – ausgerechnet in Berlin. In Bayern hat Aiwanger die Politik viele Jahre lang geprägt.

Er war die Gallionsfigur seiner freien Wähler, hat sie in den Landtag geführt und sogar in die Landesregierung. Sein plötzlicher Tod ist ein Schock für seine Partnerinnen, die beiden Kinder, für seine Partei und für die gesamte bayerische Landespolitik. So ähnlich hat es auch Bayerns Ministerpräsident Markus Söder ausgedrückt als er am Donnerstagvormittag vor die Kameras getreten ist – er war Koalitionspartner von Aiwenger starker Bayer, guter Wirtschaftsminister.

Aber auch ein warmherziger Mensch.". Warum genau Eivanger gestorben ist? Das wird gerade noch untersucht – am Donnerstag Nachmittag hat die Staatsanwaltschaft in Berlin mitgeteilt, dass es keine Hinweise auf einen Fremd verschulden gäbe. Über Hubert Eivange und seinen ganz besonderen Politikstil spreche ich jetzt mit Katja Auer.

Sie ist stellvertretende Leiterin des SZ-Ressorts Münchenregion Bayern und sie kannte Eivenger seit Beginn seines politischen Aufstiegs. Katja, ich komme nicht aus Bayern und hatte immer einen etwas distanzierten Blick auf Eibanger. Für mich war er so der Prototyp eines Populisten und er stand vor allem für das sehr ländliche Bayern.

Du kennst ihn schon lange und deutlich besser als ich! Was war denn für ein Mensch? Tatsächlich war Hubert Eibinger eine zutiefst niederbayerische Figur. Jetzt hat dieses Land schon viele prägnante Politiker hervorgebracht – Typen wie Franz Josef Strauß. aber trotzdem war Hupert Eibenger eine singuläre Erscheinung Und genau das hat ihn zu Hause so eine Art Volksheld gemacht und ihm aber jenseits von Bayern auch viel gespürt eingebracht.

Auch weil er ja immer im Dialekt gesprochen hat oder zumindest seine Herkunft dialektal, immer gut erkennbar war. Das hat ihn doch mehr getroffen als er zugegeben hat dass er deswegen nicht so ernst genommen wurde wie er gerne ernst genommen hätte werden wollen Aber dafür haben wir ihn Menschen draußen geliebt.

Er hat es wie kein zweiter verstanden die Sorgen der Menschen aufzunehmen. Und immer, wenn irgendwo ... Die Stimmung zu Kippen drohte, dann war Hubert Eivanger schon da und hat diese Stimmung aufgegriffen und in Politik verwandelt.". Das spricht das bundesweite schon an. ein Thema, dass viele Menschen bundesweit von ihr mitbekommen haben ist diese Flugblatterfähre gewesen.

Da hast du im Jahr zwanzig mit anderen Kollegen berichtet, dass Eivange als Schüler für ein antisemitisches Pamphlet bestraft worden ist. Ist da einen Markel hängen geblieben? Also bei seinen Fans draußen nicht. Kurz darauf war die Landtagswahl, und das lag sicher auch daran. Weil in vielen Menschen damit demonstrativ unterstützen wollten.

Intern schon! Auch in der CSU – es haben nicht alle gutgeheißen wie er mit dieser Affäre umgegangen ist. Lass uns aber jetzt mal zusammen auf seine politische Karriere schauen. Eibanger wurde im Jahr twohntausend sechs Chef der Freien Wähler. Wie hat er die Partei dann verändert? Genau, Hubert Eibanger kam im Jahr twohntausendsechs tatsächlich aus dem Nichts.

Den hatte fast niemand auf dem Schirm, der hat ja kein kommunales Mandat und hat sich dann mit einer bemerkenswerten Rede durchgesetzt auf der Versammlung und hat von da an sein Ziel verfolgt die freien Wähler in den Landtag zu führen. Die Freien Wählern waren bis dahin eine sehr erfolgreiche kommunalpolitische Vereinigung tief verwurzelt in den Kommunen aber weit weg von einer landespolitischen Kraft.

Und Hubert Eibanger hat tatsächlich, ich würde sagen eigenhändig diese freien Wähler dann tatsächlich in den Landtag geführt. Erst im Landtag, und auch in der Landesregierung. Wäre das ohne ihn möglich gewesen? Nein, das wäre ohne ihn auf gar keinen Fall möglich gewesen. Es gibt keine zweite Partei die so sehr auf eine Figur zugeschnitten ist wie die Freien Wähler auf Hubert Eibanger.

Also er wollte das unbedingt. es gab da auch lange Widerstände in der eigenen Partei. also längst nicht alle kommunalen Politiker der freien Wählern wollten in den Landtag. Das hat Hubert Eiwanger betrieben dann auch erfolgreich und natürlich sind jetzt viele froh dass er soweit gebracht hat. aber das war schon sein Verdienst.

Und jetzt ist ja die Landesregierung gekommen vor vielen Jahren. Und trotzdem hat er immer auch den Oppositionspolitiker noch gegeben. Den hatte er irgendwie nie daheim gelassen, sondern hat immer noch scharf provoziert. Genau! Wie ist das so angekommen und wie passt es zusammen? Das war sein Kunststück sozusagen, dass er immer gegen das Establishment geschimpft hat – auch wenn er dem längst selbst angehörte.

Er regierte jetzt mit seit Jahrzehn und hat sich trotzdem immer wieder draußen auf dem Land vor allem als Oppositionspolitiker darzustellen Und auch das haben die Leute gutiert. Das ist ein Spagat, den man als politischer Beobachter verwundert betrachtet aber der für die Leute kein Widerspruch war. Die Leute haben gesagt er vertritt uns und lässt sich nichts vorschreiben.

Auch als Minister ist er ein einfacher Mann geblieben einer von uns und deswegen hat er es so erfolgreich betrieben. Ein bisschen vergleichbar vielleicht zu wie es die CSU früher gerne auf Bundesebene gemacht hat. Auch die haben ja oft gerne im Bund mitregiert und in Bayern trotzdem ein bisschen Opposition gegen Berlin gemacht.

Da musste ich auch sehr daran denken, wenn wir jetzt nochmal kurz auf Bayern schauen was machen die Freien Wähler denn jetzt ohne Eivanger? Ja das wird eine spannende Frage! Die freien Wählers sind tatsächlich in einer Art Schockstarre. also alle ersten Reaktionen sind zutiefst erschüttert. also natürlich einfach weil er so jung war und völlig überraschend gestorben ist aber schon auch weil glaube ich keiner weiß wie es jetzt weitergehen soll.

Die politischen Debatten haben noch nicht angefangen. Aber er reist natürlich eine riesige Lücke, weil er war eben Landesvorsitzender und Bundesvorsitzer. Er war Wirtschaftsminister stellvertretender Ministerpräsident. Wie sich das jetzt neu sortieren soll? Das ist noch eine offene Frage! Das werden wir in den nächsten Wochen- und Monaten sehen.

aber Katja hat zum Schluss nochmal eine Bilanz und vielleicht einen Ausblick. was bleibt denn von dem Politiker und Menschen Hubert Eivanger. Was bleibt ist auf jeden Fall die Erinnerung an einen Politiker, wie es in dieser Form keinen zweiten gab. In Bayern und auch keinen gibt. Und etwa diese Naturgewalt im Bierzelt, wer einmal Hubert Eivanger im Bierzeit erlebt hat, wie er da wirklich stundenlang zur Not ohne Manuskript schimpfend und schwitzend die Menge erobert hat – das war ein Phänomen!

Das muss einem nicht gefallen aber es war ein Phenomen dass in dieser form singulär ist. Liebe Katja, vielen Dank für deine Einschätzung. Danke dir, Philipp! In den Nachrichten blicken wir jetzt noch mal in die USA und da haben die Republikaner bei dem Mitterm sehr krachend verloren und die allermeisten Beobachter geben Präsident Donald Trump die Schulter ran.

Er selbst will das zwar nicht zugeben aber die Kritik an Trump wird stärker auch aus der eigenen Partei. Am Mittwochabend hat ihn dann sogar sein Stellvertreter JD Vance indirekt attackiert. Das war ja heute Morgen hier schon Thema bei auf den Punkt. Vance hat nämlich den Iran-Krieg für die Wahlniederlage der Republikaner verantwortlich gemacht, und damit ja vor allem Donald Trump.

Und auch an anderer Stelle remote es bei den Republikenern. Es gibt nämlich Gerüchte dass Trump seinen Verteidigungsminister Pete Hexess entlassen wolle. Das hat Trump aber bis jetzt noch abgestritten. Hexesses war ein großer Befürworter des Iran Kriegs. Und dann noch eine Nachricht aus Europa. Da haben in dieser Woche nämlich mehrere Bombendrohungen den Flugverkehr in verschiedenen Ländern gestört.

Mindestens dreizehn Flüge waren betroffen. Eine finnische Maschine ist deshalb über Italien sogar von Kampfjets eskortiert worden. Mehrere andere Flügel sind umgeleitet worden. Wer hinter den Drohungen steckt, ist noch unklar. So am Ende dieser Folge möchte ich noch etwas nachholen was bei den Nachrichten der letzten Tage völlig untergegangen ist.

Am Dienstag war nämlich Weltquallentag. Also mir war nicht klar dass das Quallen schon seit mehr als fünfhundert Millionen Jahren gibt. Und wusstet ihr dass quallen in manchen Ländern sogar als Delikatesse gelten? Wie die wohl schmecken? In den Show-Nords verlinke ich euch vier Fragen und Antworten zu diesen seltsamen durchsichtigen Tieren.

Redaktionsschluss für auf dem Punkt war, hat diese Folge an Kathrin Schneider. Vielen Dank fürs Zuhören und bis morgen!

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