
BAYRAKTAR + BAYRAKTAR - True Crime and Law· Staffel 1· Folge 11
Der Staatsanwalt und die Drogenmafia - Teil 2: Die Geschichte des Verrats aus dem Inneren der Justiz.
Dienstag, 19. Mai 2026 · 27 min
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Shownotes
# 11: đïž Teil 2 unserer Folge zum Justizskandal um den Staatsanwalt und die Drogenmafia.
Nachdem es in Teil 1 um EncroChat, Kokaintransporte und die Frage ging, ob es einen Maulwurf in der Justiz gab, steht in Teil 2 der Staatsanwalt selbst im Mittelpunkt:
Wie konnte ein Jurist, der den Rechtsstaat vertreten sollte, plötzlich zur zentralen Figur eines Justizskandals werden? Wie kamen die Ermittler auf ihn? Welche Rolle spielte der mutmaĂliche Mittelsmann? Und warum wirft der Fall so viele Fragen an die Justiz auf?
Wir sprechen ĂŒber den Prozess, die eingerĂ€umten TatvorwĂŒrfe und die Frage, wie groĂ der Schaden fĂŒr das Vertrauen in die Strafverfolgung ist.
Ein besonderer Schwerpunkt dieser Folge ist aber die gesellschaftliche Ebene: Der Staatsanwalt hatte selbst einen Migrationshintergrund. Genau darĂŒber sprechen wir ausfĂŒhrlich â nicht, weil Herkunft eine Tat erklĂ€rt, sondern weil solche FĂ€lle in der Ăffentlichkeit anders wahrgenommen werden.
Aus unserer eigenen Perspektive als AnwĂ€lte mit Migrationshintergrund reden wir darĂŒber, wie man in juristischen Berufen gesehen wird, warum man sich oft stĂ€rker beweisen muss und warum ein solcher Skandal gefĂ€hrliche Klischees bedient.
Teil 1 war die Geschichte von Kokain, Kryptohandys und einer Bande, die sich sicher fĂŒhlte.
Teil 2 ist die Geschichte des Verrats â und der Frage, was dieser Verrat fĂŒr den Rechtsstaat und fĂŒr Juristen mit Migrationshintergrund bedeutet.
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Stell dir vor, du bist Beschuldigter in einem Strafverfahren gegen dich ermittelt die Staatsanwaltschaft. Du sitzt im Gerichtssaal. Vorne steht der Staatsanwalt in schwarzer Robe mit Samtbesatz, ein Vertreter der staatlichen Rechtspflege, er wirkt stolz, erhaben und fast schon heilig, er verlieĂ die Anklage, er spricht vom Gesetz, von Schuld, von Strafe, von Verantwortung und und spĂ€ter stellt sich heraus, genau dieser Staatsanwalt soll zuvor Informationen an die kriminelle Szene weitergegeben haben, vielleicht sogar an Leute aus demselben Umfeld, gegen das er jetzt Anklage fĂŒhrt.
Was macht das mit einem Verfahren, was macht das mit Vertrauen? Und was macht das mit all den Juristinnen und Juristen mit Migrationshintergrund, die jeden Tag korrekt arbeiten, aber durch solche FĂ€lle wieder unter Generalverdacht geraten? True crime and low by the ten by the true crime and low. Und somit herzlich willkommen zu unserem Podcast by the True Crime and Law.
Ich bin Rechtsanwalt und Strafverteidiger. Und ich bin RechtsanwÀltin Nojan Baidactas. Wir freuen uns sehr, dass ihr dabei seid. Das hier ist kein klassischer True Crime Podcast, Wir erzÀhlen nicht nur, was passiert ist, sondern wir erklÀren auch, warum Gerichte so entscheiden, wie sie entscheiden.
Ja, gemeinsam fĂŒhren wir eine Kanzlei und wir erleben Menschen in verschiedensten Facetten ihres Lebens. In diesem Podcast wollen wir euch mitnehmen in unsere Welt, nicht nur in die juristische, sondern in das echte Leben hinter den FĂ€llen, die Entscheidungen, die Zweifel, die Wendungen und auch die absurden Momente, die uns manchmal die Sprache verschlagen. Ja, und so war auch der erste Teil unserer letzten Podcast Folge.
Da ging es doch um einiges, bevor wir jetzt weitermachen, noch mal kurz zur Zusammenfassung des ersten teils. Es ging um Loco und Costa, das waren 2 MĂ€nner aus dem Drogenmilieu, und die standen wegen dem Enco Chat Ermittlungen massiv unter Druck und haben deshalb Kontakt zu einem Staatsanwalt aufgenommen.
Und von dem haben Sie sich Information und Schutz erhofft. Parallel dazu ging es um einen riesigen Drogendeal, der schlieĂlich geplatzt ist mit enormen finanziellen Folgen und der Gefahr, dass jetzt alles auffliegt. Ja, und dann haben wir darĂŒber gesprochen, welche Rolle die Staatsanwaltschaft im Strafverfahren eigentlich hat, wie sie ermittelt, welche Verantwortung sie trĂ€gt und warum sie nicht einfach nur Anklagebehörde, sondern auch zur ObjektivitĂ€t verpflichtet ist. AuĂerdem haben wir beleuchtet, wieviel macht diese Behörde im Verfahren tatsĂ€chlich hat und weshalb gerade diese Macht immer auch Kontrolle, Sorgfalt und Verantwortungsbewusstsein verlangt.
Ja. Im zweiten Teil schauen wir jetzt genauer drauf, was passiert, wenn dieses Vertrauen erschĂŒttert wird, etwa durch Fehler, Voreingenommenheit oder sogar Korruption innerhalb der Strafverfolgung. Genau, aber ein kurzes Dankeschön an dieser Stelle fĂŒr alle, die fĂŒr die ersten Teil wirklich schöne RĂŒckmeldung gegeben haben und auch an dieser Diskussion teilgenommen haben.
Was das denn? FĂŒr Folgen hat. Schon sehr erfreulich. So, also wir fangen an mit dem zweiten Teil. Wir hatten die 1. Folge damit beendet, dass am 3. MĂ€rz 2021 der groĂe Schlag kommen sollte. Nach monatelanger Ermittlungsarbeit rĂŒcken ĂŒber tausende Polizisten aus, es gibt 31 Haftbefehle, die MaĂnahme ist groĂ koordiniert und vorbereitet. FĂŒr Ermittler ist so ein Tag der Moment, auf den alles zulĂ€uft. Wochen, Monate, manchmal Jahre Arbeit. Wir sehen es meistens aus den Akten, wie lange man fĂŒr solche Momente hingearbeitet hat.
Richtige Aktenberge. Das sind teilweise wirklich Kartons an Akten, die man manchmal als Strafverteidiger dann zu lesen bekommt. Weil da kann man dann wirklich wieso ein Tagebuch nachlesen, was fĂŒr Observationen stattgefunden haben, Auswertungen, AntrĂ€ge, BeschlĂŒsse und alles muss Stimmen, der Timing ist hier entscheidend. Aber kurz vorher sickert eine Information durch. Eine Zielperson soll vorab erfahren haben, dass durchsucht wird und aus dieser Information ziehen die Beteiligten offenbar den Schluss, wenn bei einem durchsucht wird, dann möglicherweise bei allen.
Ja, und die Folge war gravierend. Von 31 Haftbefehlen können nur 19 vollstreckt werden. Ja, und das ist fĂŒr die Polizei eigentlich ein Alptraum. Nicht, weil jede MaĂnahme immer perfekt laufen muss, sondern weil hier der Verdacht entsteht. Die Aktion ist nicht zufĂ€llig schiefgelaufen, sie wurde verraten.
Ja, und das ist fĂŒr Ermittler das Schlimmste. Du arbeitest gegen Kriminelle, aber plötzlich hast du das GefĂŒhl, du arbeitest auch gegen jemanden in den eigenen Reihen. Nach dieser Razzia beginnt die Suche nach dem Leck. In den Chats taucht eine Figur auf, genannt der Coach, ein Kampfsporttrainer aus Hannover. Er hat offenbar Kontakt in das Milieu und zugleich eine Verbindung.
Zu einem Staatsanwalt. Ja, weil die Durchsuchen diese Jim RĂ€umlichkeiten und da durchsuchen sie natĂŒrlich alle möglichen MitgliedsantrĂ€ge, irgendwelche aufnahmebögen Fotos von irgendwelchen Veranstaltungen und dort finden Sie ganz zufĂ€llig einen Hinweis auf Jascha G, dem Staatsanwalt. Der nĂ€mlich auch in der organisierten KriminalitĂ€t ermittelt. Die finden dort einen Mitgliedsantrag und somit ist das nicht mehr nur ein GerĂŒcht, sondern die VorwĂŒrfe sind greifbar.
SpĂ€ter wird die Wohnung des Staatsanwalts durch die Staatsanwaltschaft durchsucht und was dort gefunden wird, ist kaum zu fassen, es sind vertraulich Dokumente aus den Akten, es sind gespeicherte Unterlagen, zahlreiche Lichtbilder. Die er selbst aus den Akten fotografiert hat. Es befinden sich dort Observationsmaterial und die privaten DatentrĂ€ger wurden einfach kopiert. Ja, und das sind Dinge, die im privaten Besitz eines Staatsanwalts nichts zu suchen haben. Punkt, hier muss man als Jurist auch nicht lange herumreden, natĂŒrlich kann es dienstliche GrĂŒnde geben, Akten zu bearbeiten und so arbeiten auch Juristen viel, aber. Vertrauliche Ermittlungsinformationen auf privaten GerĂ€ten, Fotos von
sensiblen Unterlagen, Listen mit Durchsuchungsobjekten das ist brandgefĂ€hrlich. Ja, und spĂ€testens an dieser Stelle stellt sich natĂŒrlich die nĂ€chste Frage. Warum durfte dieser Mann denn danach weiter arbeiten, obwohl so viele Sachen gefunden worden sind, denn hier wurde trotz dieser Verdachtsmomente zunĂ€chst nicht sofort.
Also er wurde nicht sofort aus dem Verkehr gezogen. Er soll laut Medienberichten weiter in der Justiz gearbeitet haben, sogar weiter in einem sensiblen Bereich, nÀmlich hier in der UK in der organisierten KriminalitÀt. Ja, und das ist fast der zweite Skandal im Skandal. Ja, der, der der erste Skandal ist.
Ein Staatsanwalt lĂ€sst sich kaufen und der zweite Skandal ist, das System reagiert nicht konsequent genug. Und den BĂŒrgerinnen und BĂŒrger erwarten ja von der Justiz nicht Fehlerfreiheit. Ja, das ist ja allgemein bekannt, aber ja, Behörden machen Fehler, Menschen machen Fehler, aber bei einem solchen Verdacht muss der Schutz des Verfahrens und das des Vertrauens absolute PrioritĂ€t haben. Ja, wenn ein Staatsanwalt im Verdacht steht, Informationen an eine Drogenbande gegeben zu haben. Dann kann man ihn nicht einfach weiter in Verfahren einsetzen, als wĂ€re nichts passiert.
Ja, das beschĂ€digt alles laufende Verfahren, spĂ€tere Urteile, das Vertrauen der Beschuldigten, das Vertrauen der Ăffentlichkeit und das Vertrauen auch der Polizei. Ja, vor allem. Man darf nicht vergessen, die Strafverfahren leben nicht nur davon, dass sie formal korrekt sind. Sie mĂŒssen auch den Eindruck der IntegritĂ€t wahren. Und wenn der Eindruck entsteht, dass die Anklagebehörde selbst verunreinigt ist, dann wird es damit jedes Verfahren hier angreifbar.
Ja, so sieht's aus. ZurĂŒck zum Fall und erst im Oktober 2024 ist endgĂŒltig Schluss fĂŒr ihn. Denn dann wird er festgenommen und kommt erstmal in Untersuchungshaft. Ausgerechnet er, der Staatsanwalt, der hier jahrelang in der organisierten KriminalitĂ€t ermittelt hat, landet nun selbst in einem Gerichtssaal. Nicht als Vertreter des Staates, sondern diesmal als Angeklagter. Und das Bild, was sich hier herausbildet, ist sehr stark. Ein Mann, der frĂŒher Anklagen verlesen hat, sitzt nun selbst auf der Anklagebank.
Ja, und dann ging es so weiter, dass er anfangs die Zusammenarbeit mit der Drogenmafia bestritten hat. Er war sehr gut vorbereitet, er kannte die Akten in und auswendig, ja, er verteidigte sich sehr klug, und das ĂŒberraschte auch nicht, denn ein Staatsanwalt, der kennt das System. Er weiĂ, worauf es ankommt, erkennt beweisprobleme LĂŒcken und auch die rechtlichen Anforderungen. So wie Verteidiger auch an diesem Stelle. Genau.
Und am Ende rĂ€umt er 9 Taten ein. Und dieses GestĂ€ndnis wirkt sich strafmildernd aus. Trotzdem wird er zu viereinhalb Jahren Freiheitsstrafe verurteilt. Genau an dieser Stelle vielleicht etwas vertiefend. Angeklagt wurde er wegen 14 TatvorwĂŒrfen und gestanden hat er 9. Deswegen wurde er wegen Bestechtigkeit und Verletzung von Dienstgeheimnissen in 9 FĂ€llen verurteilt, also gemeint sind hier die 9 konkrete Informations weitergaben aus Ermittlungsverfahren gegen Geld und inhaltlich ging es nach dem Anklage. Laut Medienberichten insbesondere folgende Arten von Informationen, die angeblich weitergegeben haben soll. Er hat angegeben, welche Angro Chat Crypto Chats hier bereits entschlĂŒsselt waren, er hat
angeblich weitergegeben welche Chat Teilnehmer identifiziert wurden, wer gegen wen ausgesagt hat, wer beim Observationen oder Haftbefehlen hier in Betracht kommen und. Und dann hat er auch ErmittlungsstĂ€nde aus Verfahren der organisierten DrogenqualitĂ€t weitergegeben und die Warnung hier einer bevorstehenden Razzia Anfang MĂ€rz 2021, wo ja ĂŒber 1000 Polizeibeamte hier involviert waren.
Und wichtig ist aber an dieser Stelle die Sache mit den 16 Tonnen Kokain. Waren nach der Staatsanwaltschaft nicht selbst Gegenstand der verhandelten Taten, also sprich keiner der weitergegebenen Informationen soll sich direkt um diesen Rekordfund gedreht haben. Allerdings ja, man kann das ein bisschen sich schon denken, kamen halt diese verratenen Informationen natĂŒrlich den Drogen, Bossen und den Mitgliedern dieser KriminalitĂ€t zugute und die im Umfeld dieses 16 Tonnen Komplexes eine Rolle gespielt haben sollen. Da so gesehen.
Sehen kann man ja auch Informationen weitergeben, wo sich eben die TĂ€ter selbst dann SchlĂŒsse dazu ziehen. Eben kommen wir zu dem Coach. Der Coach, der hier als Mittelsmann fungiert haben soll, wird ebenfalls verurteilt, aber er bekommt knappe 2 Jahre und. Und damit steht fest, hier der Fall ist nicht mehr nur ein Verdacht, sondern es ist ein verurteilter Justizskandal. Ja, juristisch bewegen wir uns hier in einem Bereich, der mehrere Ebenen hat.
Da geht es um Bestechlichkeit, Geheimnisverrat, so wie du gesagt hast. Strafvereitelung im Amt und möglicherweise auch, um Beihilfe zu BetĂ€ubungsmittelstraftaten je nachdem, wie genau einzelne Handlungen bewertet wurden. Aber man muss gar nicht jeden Tatbestand im Detail durchprĂŒfen, um den Kern zu verstehen.
Ein AmtstrĂ€ger hat eine besondere Pflicht, er verfĂŒgt ĂŒber Macht, Aktenzugang und auch Vertrauen, und wenn ihr diese Stellung verkauft, ist die Rechtsordnung doppelt betroffen. Ja. Also ein normaler Informant aus dem Umfeld einer Bande kann natĂŒrlich gefĂ€hrlich sein, aber ein Informant aus der Staatsanwaltschaft ist ein anderes Kaliber. Und ja, weil er nicht nur Informationen hat, sondern staatliche AutoritĂ€t verkörpert, und der BĂŒrger muss glauben können, die Justiz mag streng sein, sie mag auch Fehler machen vielleicht, aber sie ist einfach nicht kĂ€uflich, und wenn dieser Glaube wegbricht, wird es gefĂ€hrlich. Dann sagt die Ăffentlichkeit, na ja, die da oben machen doch sowieso, was sie wollen.
Kriminelle sagen, alles ist kĂ€uflich und ehrliche Beamte und Juristen mĂŒssen ausbaden, was ein Einzelner hier zerstört hat. Und das bringt das ganze System zum Schwanken und auch zu dem Punkt zu kommen, der gesellschaftlich sehr weh tut. Jasha G, also der Staatsanwalt, hat iranische Wurzeln, und das wurde ja medial auch sehr oft aufgegriffen.
Das darf man ja auch erwĂ€hnen, aber man muss es sauber einordnen. Seine Herkunft erklĂ€rt die Tat nicht, sie entschuldigt sie nicht und sie beweist gar nichts ĂŒber andere Menschen mit Ă€hnlichem Hintergrund. Ja, aber trotzdem hat der Fall hier eine Wirkung. Und diese Wirkung trifft auch Menschen, die nichts damit zu tun haben, finde ich. Juristinnen und Juristen mit Migrationshintergrund kennen das.
Wir beide auch. Man steht in einem Beruf, in dem Sprache, auftreten, Habitus und Vertrauen enorm wichtig sind. Man muss oft gegen subtile Erwartungen arbeiten, der Name klingt anders, die Familie kommt woanders her, vielleicht sieht man auch anders aus. Vielleicht wird man auch schnell gefragt. Ja, woher kommen Sie wirklich?
Und dann sagt man ja, ich komme aus Mannheim, nee, nee, ich mein, woher wirklich, ja? Ja, da gibt man sich ja auch durch. Da das kennt einfach das kennt weder wirklich jeder, der Migrationshintergrund hat und viele solche Menschen, die kÀmpfen sich da wirklich durch, sie studieren Jura, bestehen 2. Staatsexamen, werden AnwÀlte, Richter, StaatsanwÀlte und gerade in diesen Berufen ist der Weg wirklich sehr hart. Nicht wegen den offiziellen Barrieren allein, sondern wegen unausgesprochener Zweifel.
Und dann kommt jemand, der es geschafft hat. Ja 2 prÀdikatsexamen, wovon ich sehr stark ausgehe, einer, der als Beweis hÀtte stehen können. Ja, dieser Rechtsstaat ist offen. Und auch Menschen mit Migrationsgeschichte können Ihnen reprÀsentieren. Und sie gehören nicht nur als Mandanten oder Angeklagte oder Betroffene in den Gerichtssaal, sondern auch als Entscheider.
Und ausgerechnet dieser Mensch verkauft Informationen an die Unterwelt. Ja, das ist brutal, weil es genau denen hilft, die schon vorher gesagt haben, siehst du, denen kann man nicht vertrauen. Und genau deshalb muss man zweierlei gleichzeitig sagen. Erstens. Niemand darf wegen dieses Falles Menschen mit Migrationshintergrund pauschal verdÀchtigen.
Das wÀre ohnehin rassistisch und falsch. Und zweitens, wer als Minderheit in einer sichtbaren Machtposition steht, sollte wissen, dass sein Verhalten symbolisch gelesen wird. Das ist nicht fair, ja, aber es ist einfach RealitÀt, und wer dann den Rechtsstaat auch noch verrÀt, beschÀdigt nicht nur sich selbst, sondern auch das Vertrauen in viele andere, die jeden Tag hier hart und korrekt arbeiten und. Ja, eben.
Aber das wiederum bedeutet nicht, dass Menschen mit Migrationshintergrund plötzlich mehr Pflichten haben als andere. Rechtlich haben alle dieselben Pflichten, aber gesellschaftlich ist die Fallhöhe oft höher. Ja, und deswegen ist Wut hier vielleicht berechtigt. Einfach, ja. Nicht, weil er jetzt iranische Wurzeln hatte, sondern weil er in einer Position war, in der er Vertrauen aufgebaut hatte und dieses Vertrauen einfach zerstört hat.
Und weil er damit auch denen jetzt geschadet hat, die sich in diesem Beruf ohnehin doppelt beweisen mĂŒssen. Ja, aber an dieser Stelle noch mal. Findest du nicht, dass irgendwie in letzter Zeit Menschen vor allem mit Migrationshintergrund auch sensibler darauf reagieren? Ăberhaupt auf ihren Migrationshintergrund angesprochen zu werden. Ja, weil man will zu der Gesellschaft ohnehin dazugehören.
Man hat das, wir sind ja auch mittlerweile so, sag ich mal, jetzt die Menschen, die mit Migrationshintergrund sind, in der dritten oder vierten Generation schon hier, die sind einfach alle angekommen, so wie wir hier geboren, hier zur Schule gegangen, hier studiert und man fĂŒhlt sich als Deutscher und dann? Kommt immer die Debatte auf?
OK, woher kommen Sie denn wirklich oder wie jetzt bei ihm ist, wie ich das im ersten Teil gesagt habe, ein ein korrupter Staatsanwalt ist ein korrupter Staatsanwalt, aber wenn der Migrationshintergrund hat, dann heiĂt das der Staatsanwalt mit Migrationshintergrund, also es wird noch mal ohnehin.
Debattiert und wir wissen, dass ja auch Medienberichten zufolge, es wird dann immer die Frage, ja okay ist es jetzt der Bio Deutsche, der das gemacht hat, oder ist es der Pass Deutsche und auch die ganze Diskussion jetzt auch ĂŒber den hier youtuber und dieser der diese 6000 Kilometer oder 600 Kilometer gelaufen ist? Artassachi was ist er jetzt wirklich? Ne, es ist ein.
Deutscher mit Migrationshintergrund es ist der DeutschtĂŒrke, es ist der TĂŒrkendeutsche, das wird immer thematisiert, und das wird auch niemals aufhören. Von bestimmten Menschengruppen sag ich jetzt mal, wird das natĂŒrlich direkt dann aufgegriffen, wenn eben jemand mit einem auslĂ€ndischen Namen was verbrochen hat.
Ja, das auch jetzt. Beispiele wie Ăzil oder? GĂŒndorn oder wie die alle heiĂen, das ist natĂŒrlich momentan ein sensibles Thema, so in der Gesellschaft und ja, und letztens habe ich auch wieder zum Beitrag gelesen, da hat einer geschrieben, wenn man etwas ja verbrecherisches tut, dann ist es der TĂŒrke, wenn er was einigermaĂen gutes tut, ist es der deutsch TĂŒrke, aber wenn er dann eine gesellschaftliche Vorbildfunktion hat, dann ist es der Deutsche und.
Und das ist so momentan ohnehin auch bei solchen Themen immer wieder in Fokus geraten, wenn der Staatsanwalt irgendwie ein toller Staatsanwalt wÀre. Jetzt der hier zum Beispiel jetzt die DrogenkriminalitÀt irgendwie komplett zur Strenge gebracht hÀtte, dann wÀre es, wÀre er der Deutsche, aber jetzt ist er der Staatsanwalt mit Migrationshintergrund.
Aber ich denke auch, das ist eher die Sensationsgeilheit der Medien. Das ohnehin. Das ohnehin. Dass man jetzt plötzlich gar nicht mehr irgendwie auf seinen Migrationshintergrund angesprochen wird. Ich meine, das gehört doch irgendwie dazu, das ist ja nichts schlimmes oder so, man. Muss auch hier kurz auch ĂŒber das Berufsbild finde ich sprechen. Also das Berufsbild des Staatsanwaltes, weil viele Menschen stellen sich StaatsanwĂ€lte als harte korrekte.
Beinahe unnahbare Vertreter des Staates vor, sofern man keine im Freundeskreis hat, so wie ich. Und sie treten auf, wenn der Staat sagt, dieses Verhalten akzeptieren wir hier nicht, und deshalb ist dann Korruption in diesem Amt also toxisch, wenn ein Polizist zum Beispiel korrupt ist, ist das natĂŒrlich schlimm, ja ohnehin, aber wenn ein Richter korrupt ist, ist das katastrophal. Und wenn ein Staatsanwalt korrupt ist, sitzt die FĂ€ulnis mitten im Ermittlungsverfahren.
Ja, weil die Staatsanwaltschaft an der Schnittstelle sitzt zwischen Polizei, Gericht, beschuldigte. Was gibt es noch, Verteidigung natĂŒrlich Opfer und auch der Ăffentlichkeit, ja. Und ein korrupter Staatsanwalt kann natĂŒrlich auf jeder ebene Schaden anrichten. So ist das nicht, er kann Ermittlungen verzögern, er kann Hinweise geben, er kann Risiken einschĂ€tzen, er kann AktenstĂ€nde von mir aus irgendwie verraten, er kann warnen, bevor der Zugriff kommt. Das ist aber nicht ein Fehler im System. Das ist ein Angriff aus dem System heraus und das ist halt einfach fatal.
Und solche FĂ€lle haben immer auch Nachwirkungen. Denn Verteidiger werden prĂŒfen, welche Verfahren hat dieser Staatsanwalt geleitet, welche Akten hat er bearbeitet und könnte es sein, dass Informationen abgeflossen sind? Und ja, und umgekehrt werden sich auch wahrscheinlich auch Gerichte jetzt Fragen, bei dem der Staatsanwalt hier irgendwie involviert war. Sind Beweise noch ĂŒberhaupt belastbar und sind die Verfahren ĂŒberhaupt gefĂ€hr gefĂŒhrt worden?
Gab es Verzerrungen, irgendwie hat jemand irgendwie jemanden gewarnt und jemand anderen nicht? Klar, das hat jetzt sozusagen fatale Folgen auch fĂŒr die Polizei ist es demotivierend, weil. FĂŒr die Justiz ist es peinlich, fĂŒr die Ăffentlichkeit ist es beĂ€ngstigend und fĂŒr ehrliche Kolleginnen und Kollegen ist das eine Zumutung. Denn am Ende muss eine gesamte Institution erklĂ€ren, warum ein Einzelner so lange wirken konnte. Ja, und nachdem Bekanntwerden solcher VorgĂ€nge ist es logisch, dass die Politik reagiert.
Ja, weil man hat ja auch hier sozusagen einen Untersuchungsausschuss. GegrĂŒndet die zentrale Frage war, warum konnte der Staatsanwalt nach ersten ErmittlungsmaĂnahmen noch hier weiter arbeiten, weil der war ja weiter im Amt. Ja, das ist ja keine Kleinigkeit, was da passiert ist. Ja, und Untersuchungsausschuss ist halt politisch und auch das schĂ€rfste Instrument parlamentarischer Kontrolle.
Da geht das nicht mehr nur um die persönliche Schuld des Angeklagten, sondern es geht hier um Behördenversagen. Wer wusste was wann? Welche MaĂnahmen wurden hier ergriffen, warum wurde er nicht so sofort suspendiert? Wer hat entschieden? Ja, gab es Warnsignale? Wurden sie vielleicht einfach ignoriert?
Ja, und genau diese Fragen sind sehr wichtig, denn Vertrauen entsteht nicht dadurch, dass man Skandale vertuscht, sondern dass man sie aufklÀrt. Ja, diesen Vertrauen entsteht. Wie du es gesagt hast, erst dadurch und dieser Fall zeigt, wie verletzlich ein Rechtsstaat ist. Nicht weil Kriminelle einfach stark sind.
Kriminelle gab es schon immer und die wird es auch immer schon geben und Strafverteidiger verdienen dadurch ihr Brot, sondern weil ein Rechtsstaat darauf angewiesen ist, dass seine eigenen Vertreter nicht kÀuflich sind. Wenn ein Staatsanwalt Informationen verkauft. Dann ist das halt ein persönlicher Absturz.
Es ist ein institutioneller Verrat, wie ich das schon. Und ja, dieser Fall tut besonders weh, weil der Mann offenbar selbst, wie gesagt, Migrationsgeschichte hatte. Nicht weil er diese Herkunft, ja ihn verdĂ€chtiger macht, sondern weil sein Fehlverhalten denen schadet. Jeden Tag beweisen, dass Herkunft nichts ĂŒber IntegritĂ€t sagt. Ja, man muss eben so klar sagen, Wer in einer solchen Position sitzt, weiĂ um die Verantwortung und wer diese Verantwortung verkauft, bedingt Klischees, die andere mĂŒhsam bekĂ€mpfen mĂŒssen. So, und am Ende, finde ich, bleibt einfach ein bitterer Satz, der Reststaat wurde hier nicht von auĂen angegriffen, er wurde von ihnen verraten, ja und jetzt aber noch mal zurĂŒck zu dem Fall an sich, weil wir
hatten ja Locke und Costa. Und es gibt noch einen Punkt, nĂ€mlich dieses Urteil ist nicht rechtskrĂ€ftig geworden, denn der Staatsanwalt ist in Revision. Also bis dahin muss man schon noch sagen. Ich bin mal gespannt, wie es weitergeht. Jetzt Verurteilter. Man muss so sagen, dass da er in die Revision gegangen ist, mĂŒssten wir erst mal abwarten, bis das Urteil rechtskrĂ€ftig.
Wird, dann kommt auch Teil 3 unserer Folge. Ja. Ja, uns interessiert Eure Meinung. Ist dieser Fall ein Einzelfall eines korrupten Juristen oder zeigt er gröĂere SchwĂ€chen im System? Und wie spricht man denn hier ĂŒber Migrationslecke? Und in solchen FĂ€llen, ohne pauschal zu werden, aber auch ohne die gesellschaftliche Wirkung zu verschweigen? Schreibt uns gerne eure Gedanken in die Kommentare und wenn euch diese Folge interessiert hat, folgt unserem Podcast und teilt sie mit Menschen, die sich hier fĂŒr True Crime mit Recht und die dunklen Seiten der Justiz interessieren. Wir wĂŒrden uns freuen, wenn ihr uns abonniert, ein Like da lĂ€sst und euren Freunden bekannten empfiehlt. Ja, und bis dahin bleibt
vorsichtig und achtsam. Auf Wiederhören. Tattoo, Crime and Love. By the tan by the tacho.