
BAYRAKTAR + BAYRAKTAR - True Crime and Law· Staffel 1· Folge 13
Die Amokfahrt von Mannheim – 35 Sekunden, die eine Stadt veränderten
Dienstag, 2. Juni 2026 · 22 min
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Shownotes
#13: 🎙️ 🚨 Amokfahrt Mannheim 2025 – Das Urteil und die ganze Geschichte
Am Rosenmontag 2025 verwandeln sich die Mannheimer Planken innerhalb weniger Sekunden von einer belebten Fußgängerzone in einen Tatort. Ein Mann fährt mit seinem Auto gezielt in eine Menschenmenge. Zwei Menschen sterben, zahlreiche weitere werden verletzt.
In dieser Folge analysieren wir die Amokfahrt von Mannheim, sprechen über den Täter, die Hintergründe der Tat, die Ermittlungen und das Urteil des Landgerichts Mannheim. Außerwerfen wir einen Blick darauf, welche Auswirkungen solche Ereignisse auf eine Stadt und ihre Menschen haben.
Eine Folge über Schuld, Verantwortung, psychische Erkrankungen und die Frage, wie eine Gesellschaft mit solchen Taten umgeht.
#Mannheim #Amokfahrt #TrueCrimeDeutschland #Podcast #Strafrecht #Gerichtsprozess #Kriminalfall
Transkriptvom Podcast bereitgestellt · Zeitmarken springen hin
Stell dir vor, du gehst in deiner Mittagspause durch die Innenstadt, um dir schnell etwas zu essen zu holen. Die Stadt ist voller Menschen, alles wirkt völlig normal. Bis plötzlich ein Auto mitten in der Fußgängerzone beschleunigt und in eine Menschenmenge rast. Innerhalb weniger Sekunden wird aus einem gewöhnlichen Tag eine Tragödie.
Und. Und somit herzlich Willkommen zu einer neuen Folge bei Bidac. Dann bidac dann true Crime and law. Ich bin Sale Bidacter, Rechtsanwalt und Strafverteidiger. Und ich bin Nurjan bidacter, Rechtsanwältin. Wir sprechen hier über echte Fälle und darüber, was strafrechtlich wirklich dahinter steckt.
Aber dieser Podcast ist mehr als True Crime. Wir führen gemeinsam eine Kanzlei und wir sehen nicht nur das Aktenzeichen, sondern auch die Menschen dahinter. Heute sprechen wir über einen Fall, der uns wahrscheinlich mehr beschäftigt hat als viele andere Fälle, die wir bislang hier im Podcast behandelt haben. Nicht nur wegen der Tat selbst, sondern weil sie direkt vor unserer Kanzleitür passiert ist.
Wenn man in Mannheim lebt oder arbeitet, dann kennt man die Planken, das ist nicht irgendeine Straße, das ist das Herz der Stadt, und dort laufen jeden Tag Tausende Menschen entlang, Familien, Studenten, Rentner, Touristen. Man trifft Mandanten, täglich bekannte oder sitzt einfach auf einem café in der Innenstadt. Und genau deshalb hat mich dieser Fall eigentlich so schockiert, weil man sich sofort denkt, das hätte jeden treffen können.
Genau das war auch mein erster Gedanke, wenn man über große Kriminalfälle spricht, hat man oft eine gewisse Distanz, man kennt die Orte nicht, man kennt die Menschen nicht und manchmal fühlt es sich fast wie eine Geschichte an. Die irgendwo weit weg passiert ist. Bei Mannheim war das anders. Ich glaube, jeder Mannheimer konnte sich sofort vorstellen, wo das passiert ist.
Jeder wusste sofort, an welcher Stelle der Täter gefahren ist. Viele Menschen waren sogar an diesem Tag selber in der Innenstadt oder kannten jemanden, der dort gewesen ist. Dadurch wurde die ganze Sache unglaublich greifbar. Ja, auch für mich persönlich sogar und auch für. Die ganzen Mitarbeiter am Tag der Kanzlei, weil es war ein Rosenmontag und es war warm, so dass die Fenster bei uns in der Kanzlei auch offen waren und man hat wirklich einen Reifen quietschen gehört und dann anschließend schreie, was mich im Nachhinein besonders beschäftigt hat, ist die Tatsache, wie schnell sich das Leben an diesem Tag für viele Menschen verändert hat. Die Innenstadt war voll, die Menschen hatten teilweise frei in ihrer Mittagspause und
wollten das schöne Wetter genießen, einkaufen gehen oder einfach durch die Stadt laufen. Und dann entscheidet sich ein einzelner Mensch dazu, mit seinem Fahrzeug in eine Menschenmenge zu fahren und innerhalb weniger Sekunden sterben Menschen, andere werden schwer verletzt und hunderte Augenzeugen erleben etwas. Dass sie wahrscheinlich nie wieder vergessen werden. Genau diese Sekunden interessieren uns als Juristen immer besonders.
Nicht nur die Tat selbst, sondern auch das, was davor passiert ist. Denn wenn man später solche Verfahren verfolgt, stellt man oft fest, dass die eigentliche Tat nur die Spitze eines Eisbergs ist. Dahinter stehen häufig psychische Probleme, persönliche Krisen. Radikalisierungstendenzen oder andere Entwicklungen, die sich über Monate oder sogar Jahre aufgebaut haben. Das bedeutet natürlich nicht, dass dadurch irgendwas entschuldigt wird, aber wenn man verstehen möchte, warum solche Taten passieren, muss man sich genau diese Vorgeschichte anschauen.
Interessant fand ich auch, wie die öffentliche Diskussion unmittelbar nach der Tat verlaufen ist, finde ich. Weil noch bevor überhaupt gesicherte Informationen vorlagen, wurde bereits in alle mögliche Richtungen spekuliert. Das erleben wir inzwischen leider fast bei jedem größeren Gewaltverbrechen, viele Menschen wollen sofort wissen, wer der Täter ist, woher er kommt, welche Religion er hat und welche politische Einstellung er möglicherweise vertritt.
Es dauert oft keine Stunde, bis sich die ersten Lager gebildet haben, so war das an dem Tag auch tatsächlich. Und die einen sind sich sofort sicher, dass es ein Terroranschlag gewesen sein muss. Die anderen widersprechen und am Ende diskutiert das ganze Land über Dinge, die zu diesem Zeitpunkt niemand wirklich weiß.
Ja, und genau das zeigt ein Problem unserer Zeit. Die Geschwindigkeit, mit der Informationen verbreitet werden, ist mittlerweile so hoch, dass Fakten oft erst an zweiter Stelle kommen. Viele Menschen bilden sich bereits eine Meinung, bevor überhaupt Ermittlungen stattgefunden haben. Dabei müsste eigentlich das Gegenteil passieren, gerade bei solchen Taten sollte man zunächst abwarten, was tatsächlich bekannt wird, denn am Ende geht es nicht darum, ob die eigene politische Überzeugung bestätigt wird, sondern darum, dass Menschen gestorben sind. Genau als dann bekannt wurde, dass der Täter ein Deutscher aus der Region war.
Hatte ich tatsächlich den Eindruck, dass sich die öffentliche Debatte irgendwie verändert hat, weil davor hieß es, es ist ein Terroranschlag, es ist irgendwie ein Anschlag der Islamisten, und man hat nicht die Tat selbst, sondern die Art und Weise, wie über sie gesprochen wurde? Ja, doch. Etwas mehrere Täter, einer ist auf der Flucht. So sieht es aus und wir waren teilweise auch an dem Tag. Ich kann mich ganz genau erinnern. Meine Mitarbeiter, die waren panisch, weil die haben natürlich dann über Liveticker und über die ganzen sozialen Medien verfolgt, was da genau denn gerade abläuft. Und da wurde wirklich alles in den Raum geworfen, da wo das das hieß, das ist n Terroranschlag mit mehreren Personen und es wird noch nach Leuten gefahndet,
die mit irgendwelchen schwer bewaffneten Waffen da durch die Innenstadt rennen, also da war wirklich von alles von allem etwas dabei. Und das ist etwas natürlich, was man durchaus kritisch hinterfragen sollte, denn die Schwere einer Tat hängt nicht davon ab, welchen Pass auch der Täter besitzt. Für die Opfer macht es eigentlich keinen Unterschied und für die Angehörigen macht es auch keinen Unterschied und für die Menschen, die verletzt wurden oder das Geschehen mit ansehen mussten, macht das ebenfalls keinen Unterschied. Das sehe ich genauso und ich finde, dass man gerade deshalb immer wieder den Fokus auf die Opfer richten sollte. In vielen großen Verfahren geraten die Opfer irgendwann in den Hintergrund.
Dann spricht man nur noch über den Täter, seine Kindheit oder Motive. Seine psychische Verfassung und seine Biografie aber die Menschen, die ihr Leben verloren haben oder mit den Folgen leben müssen, verschwinden aus der öffentlichen Wahrnehmung. Dabei sind sie eigentlich die Hauptpersonen dieser Geschichte. Du hast völlig recht.
Es ist leider genauso wie du es sagst. Kommen wir zum Tattag, es war der 3. März 2025 und es war ein Rosenmontag, wie vorhin schon gesagt. Gegen 12:14 Uhr fuhr ein damals vierzigjähriger Mann aus Ludwigshafen mit seinem Ford Fiesta in die Mannheimer Innenstadt. Nach den Feststellung des Landgerichts steuerte er sein Fahrzeug bewusst auf die Planken und beschleunigte dort gezielt in Menschengruppen und jetzt kommt's, diese Fahrt dauerte lediglich etwa 35 Sekunden. Und danach waren 2 Menschen tot und zahlreiche weitere verletzt. Und wenn man diese Zahl hört, 35 Sekunden, wirkt das zunächst unglaublich kurz, aber wenn man sich vorstellt, wieviel in 35 Sekunden passieren kann, wird auch einem klar, welche Dynamik eine solche Tat entwickelt.
Ja. Besonders erschütternd ist, dass die Opfer völlig zufällig ausgewählt wurden. Sie hatten nichts mit dem Täter zu tun. Sie waren einfach zur falschen Zeit am falschen Ort. Eine dreiundachtzigjährige Frau und ein vierundfünfzigjähriger Mann verloren ihr Leben 14 weitere Menschen wurden verletzt und einige davon schwer. Das macht solche Taten finde ich, auch so unbegreiflich, denn es gibt keinen persönlichen Konflikt, keine Vorgeschichte zwischen Täter und Opfer, die Menschen geraten einfach in die Gewalt eines anderen hinein.
Ganz zufällig ja. Nach der Tat setzt der Täter seine Flucht zunächst fort. Dabei kam es uns zu 10, die fast filmreif wirken. Ein ein Taxifahrer hat dann die Verfolgung aufgenommen und versuchte den Täter zu stoppen und später gab der Täter mit seiner Schreckschusswaffe Schüsse ab und versuchte schließlich sogar, sich selbst das Leben zu nehmen. Kurz darauf wurde er von der Polizei festgenommen und wir haben es zwar schon angeschnitten. Wer war der Täter?
Ja, natürlich stellt sich sehr schnell die Frage, wer macht sowas? Der Täter war 140 jähriger Deutscher aus Ludwigshafen, er lebte allein und war den Behörden bereits bekannt, in seinem Vorleben gab es verschiedene Straftaten, außerdem Hinweise auf psychische Erkrankungen, Ermittlungen. Haben später ergeben, dass er wohl auch Kontakte in rechtsextreme Kreise sowie zur sogenannten Reichsbürgerszene hatte.
Einen politischen Tatmotivnachweis konnten die Ermittler jedoch nicht führen. Und das ist ein wichtiger Punkt, denn unmittelbar nach solchen Taten beginnt ja häufig auch immer die politische Diskussion. Viele Menschen fragen zuerst nach Herkunft, Religion oder Ideologie, und hier haben die Ermittlungen. Gerade jedoch keinen Nachweis eines terroristischen oder politischen Tatmotivs bestätigt.
Vielmehr rückten hier die psychischen Erkrankungen, persönliche Krisen in den Mittelpunkt des Etas und nach den später bekannt gewordenen Feststellung befand sich der Täter seit Jahren in einer schweren seelischen Krise. Es gab Hinweise auf Suizidgedanken, gescheiterte Beziehungen. Familiäre Konflikte und auch eine erhebliche psychische Erkrankung.
Und schließlich kam es zum Prozess vor dem Landgericht Mannheim. Der Prozess begann Ende Oktober 2025 zahlreiche Zeugen wurden vernommen, viele Augenzeugen berichteten noch Monate später von den traumatischen Erlebnissen, der Vorsitzende Richter stellte bei der Urteilsverkündung ausdrücklich fest, dass die Tat tiefe Spuren in Mannheim hinterlassen hat. Über 50 Zeugen wurden gehört.
Und die Verhandlung an sich war ja auch sehr medienträchtig. Also man hat das ja als Mannheimer mitbekommen, man zumindest in der Nähe des Gerichts war OK, da ist wieder Prozesstag und es. Ist einfach rappelvoll. Medienvertreter und auch Zuschauer was mich allerdings etwas verwundert hat, muss ich sagen.
Obwohl so viele Menschen verletzt wurden und es auch zahlreiche Tote gab, gab es in dem Prozess keine Nebenkläger. Ja genau. Von den 2 Toten, die letztlich verstorben sind, haben die Angehörigen keine Nebenklage geführt. Ja, wahrscheinlich aus dem Grund, dass man. Mir passiert eigentlich auch nicht so oft. Ist selten der Fall, aber ich kann mir auch gut vorstellen, dass die Angehörigen das irgendwie. Noch nicht.
Entweder vielleicht verarbeitet haben oder sich nicht noch mal dem ganzen aussetzen, ja. Man kann ja auch verstehen, dass sie sich vielleicht diesen Medienrummel nicht hingeben wollten, ja. Juristisch war vor allem ja eine Frage entscheidend in dem Prozess, weil dass die Tat so geschehen ist, wie auch die Anklage das wiedergab, war auch auf Videoaufzeichnungen zu sehen.
Man konnte sozusagen die Tat an sich ja rekonstruieren aufgrund dieser Videoaufnahmen, und deswegen war nur eine Frage entscheidend, war der Angeklagte schuldfähig, denn psychische Erkrankungen führen nicht automatisch dazu, dass jemand strafrechtlich nicht verantwortlich ist. Das deutsche Strafrecht kennt verschiedene Abstufungen.
Und jemand kann voll schuldfähig sein. Er kann vermindert schuldfähig sein oder er kann auch schuldunfähig sein. Und genau darüber wurde in Mannheim intensiv in dem Prozess gestritten, insbesondere durch den Verteidiger selbstverständlich. Ein psychiatrischer Sachverständiger kam letztlich zu dem Ergebnis, dass beim Angeklagten zwar eine erhebliche psychische Erkrankung vorlag, diese aber nicht dazu führte, dass er das Unrecht seiner Tat nicht mehr erkennen konnte.
Deshalb ging das Gericht von einer verminderten, aber nicht aufgehobenen Schuldfähigkeit aus. Ja, und deshalb wurde dann am 18. Dezember 2025 das Urteil insofern verkündet, dass der Angeklagte wegen zweifachen Mordes und wegen sechsfachen versuchten Mordes und sowie weitere Delikte schuldig gesprochen wurde. Die Kammer verhängte eine lebenslange Freiheitsstrafe. Und gleichzeitig, und das ist so eigentlich das der noch mal der stärkere Hebel.
Sie ordnete die Unterbringung in ein psychiatrisches Krankenhaus an und außerdem wurde natürlich selbstverständlich in die Fahrerlaubnis entzogen. An dieser Stelle muss man aber auch sagen, für viele Menschen klingt das zunächst widersprüchlich. Wie kann jemand lebenslang verurteilt werden und gleichzeitig in die Psychiatrie kommen? Tatsächlich ist das rechtlich möglich. Das Gericht sagt, damit, der Täter ist strafrechtlich verantwortlich, gleichzeitig besteht aufgrund seiner psychischen Erkrankung eine erhebliche Gefahr weiterer schwerer Straftaten und deshalb wird er in erster Linie nicht in einem normalen Gefängnis untergebracht, sondern in einem psychiatrischen Krankenhaus.
Und was bleibt, ist, wenn man sich den Fall heute anschaut, vor allem eine Erkenntnis. Finde ich so im Nachhinein. Die Tat dauerte 35 Sekunden, also muss man sich mal überlegen und die und die Folgen, die begleiten Menschen ein Leben lang. 2 Menschen verloren ihr Leben und viele Verletzte kämpfen bis heute mit den körperlichen und psychischen Folgen und die ganze Stadt Mannheim erinnert sich noch daran alle Mannheimer, Wir erinnern uns daran, man ist trotzdem, obwohl man nicht. Unmittelbar betroffen ist trotzdem mittelbar betroffen, weil jedes Mal, wenn ich irgendwie durch diese Planken laufe und irgendwie ein Geräusch höre, zum Beispiel, muss ich an diese Tat denken und man ist einfach skeptisch, sei es mit den Kindern oder Familien mit
irgendwelchen Kinderwagen da vorbeilaufen sehen, dann muss man irgendwann an diese Tat denken und man ist einfach. Man. Ist auch vorsichtiger geworden, finde ich. Also ich finde. Höre das auch von vielen Menschen, dass sie teilweise sagen, nee, die Innenstadt, die wollen wir jetzt mal vermeiden und dass ich finde, das erschlägt sich auch bisschen so, auch im Stadtbild bei uns nieder.
Es gibt zahlreiche Geschäfte, Läden, die 1 a Lage sind in Mannheim, insbesondere auf den Planken, und die haben alle geschlossen, also viele Geschäfte haben geschlossen, viele Geschäfte stehen leer, natürlich spielt natürlich auch der. Ja, das sind natürlich auch andere Faktoren. Klar, selbstverständlich.
Rolle spielen. Aber ich finde, Mannheim hat in den letzten Jahren ja leider seinen guten Beruf so ein bisschen eingebüßt. Vielleicht ist genau auch das die eigentliche Tragödie solcher Taten, sie treffen nicht nur die unmittelbaren Opfer, sie verändern das Sicherheitsgefühl einer ganzen Stadt. Und trotzdem haben wir in diesem Fall auch etwas anderes gesehen. Menschen, die geholfen haben, Ersthelfer, Rettungskräfte, ja Polizeibeamte und Bürger, die in einer absoluten Ausnahmesituation Verantwortung übernommen haben. Ja, und vor allem, man muss auch hier finde ich erwähnen, dass die Stadt hat ja auch lange Zeit eine Anlaufstelle für. Betroffene, genau betroffene Stationen. Aufgebaut und das ging ja
wirklich auch noch Monate nach der Tat, dass Menschen zu dieser Station gehen konnten und ja ihr Leid noch mal teilen konnten, was sie eigentlich erlebt haben, insbesondere, weil ja auch noch ja knapp vor einem Jahr der Fall Ruwen die Stadt auch noch erschüttert hatte. Und ich finde, dass war auch noch mal so ne Nachwirkung. Viele erinnern sich natürlich an 31.5. 2024, das sind jetzt mittlerweile genau 2 Jahre her, an diesem Tag fand auf dem Mannheimer Marktplatz eine Kundgebung statt, während der Veranstaltung griff ein Mann plötzlich mehrere Menschen mit einem Messer an, unter den Verletzten befand sich auch der Polizeihauptkommissar Rouven Lauch, er stellte sich dem Angreifer entgegen, um andere
Menschen zu schützen. Und wenige Tage später lag er leider seinen schweren Verletzungen. Ich glaube, viele Menschen außerhalb Mannheims haben diesen Fall irgendwann wieder aus den Augen verloren. Für Mannheim war das aber anders. Der Tod von Ruven hat die Stadt tief bewegt, nicht nur, weil ein Polizeibeamter getötet wurde, sondern weil viele Menschen das Gefühl hatten, dass Gewalt plötzlich dort angekommen ist, wo man sie eigentlich nie erwartet hätte.
Und dann keine 12 Monate später kommt die nächste Tat, die bundesweit Schlagzeilen macht. Wieder Menschen, die völlig unbeteiligt sind, wieder eine Innenstadt, wieder eine Stadt, die sich fragt, wieso etwas überhaupt passieren konnte. Natürlich sind die beiden Fälle völlig unterschiedlich. Die Hintergründe sind andere, die Täter sind andere, die Motive sind andere, aber für viele Mannheimer hat sich ein ähnliches Gefühl eingestellt, wie du gesagt hast.
Und dieses Gefühl, dass Orte, die man seit Jahren kennt, plötzlich mit schlimmen Erinnerungen verbunden werden. Wenn man heute über den Marktplatz läuft, denken viele Menschen an Ruven, und wenn man über die Planken läuft, erinnern sich viele an die Amokfahrt. Vielleicht ist die wichtigste Erkenntnis aus beiden Fällen, dass hinter jeder Schlagzeile.
Echte Menschen stehen hinter jeder Nachricht, stehen Familien, die plötzlich mit einem Verlust leben müssen, den niemand wieder gut machen kann. Als Juristen sprechen wir oft über Tatbestände und Schuldfähigkeit. Mordmerkmale, das gehört zu unserer Arbeit, aber am Ende darf man nie vergessen, dass es bei all diesen Verfahren um Menschen geht, und genau deshalb beschäftigen uns solche Fälle auch weit über das eigentliche Gerichtsverfahren hinaus.
Ja, aber ich muss noch 1 sagen. Am Ende jetzt als gebürtiger Mannheimer. Mannheim ist eine starke Stadt, das hat man nach dem Tod von Ruwen klar gesehen, und das hat man auch nach der Amokfahrt gesehen. Die Menschen haben hier zusammengehalten, sie haben geholfen, sie haben Anteil genommen und sie haben gezeigt, dass Gewalt eine Stadt zwar erschüttern, aber nicht zerstören kann, und vielleicht ist das jetzt auch ein passender Schlusspunkt für diese Folge, wir erinnern uns an die Opfer der Amokfahrt, wir erinnern uns an Ruwen und wir hoffen, dass solche Ereignisse. Ausnahmen bleiben und nicht zur Normalität werden. Und vielen Dank, dass ihr heute zugehört habt. Bis zur nächsten Folge bleibt
vorsichtig und achtsam.