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Shownotes
Es ist ein Krimi der Fluggeschichte. Offiziell sind die Brüder Wright die ersten, die mit einem Motorflugzeug geflogen sind. Aber da war noch ein anderer... Gustav Weißkopf. Er soll das angeblich schon vor ihnen geschafft haben, aber dafür gibt es keine Beweise. Was das ganze noch seltsamer macht, die Brüder Wright haben vertraglich festhalten lassen, dass SIE als die ersten gehandelt werden. What?! Wir klären: Gustav Weißkopf ein genialer Ingenieur ohne Sinn für Selbstvermarktung? Oder ein Aufschneider und Lügner?
Ein paar Stationen in der Geschichte des Fliegens haben wir schon erzählt:
Folge über Abbas bin Firnas (open.spotify.com/episode/7ceWJRbVcxmZgtt7xdIK8…) und einen der ersten Gleitflüge.
Folge über die Brüder Montgolfier (open.spotify.com/episode/6pU6RMVgOYAZaodvRfnH9…)und die erste Fahrt mit einem Heißluftballon.
Folge über Wernher von Braun (open.spotify.com/episode/0gxme238HeydJGDMFstvP…), der Raketen entwickelt hat.
“Behind Science” gibt’s jeden Samstag – am Science-Samstag. Zwischendurch erreicht ihr uns per Mail und Instagram, und hier gibt's unsere Links (linktr.ee/behindscience), die gerade wichtig sind.
Transkriptvom Podcast bereitgestellt · Zeitmarken springen hin
Schönen Science-Samstag. Oh, es ist der erste Science-Samstag ohne Adventskalender. Ich vermisse den schon. Was sagst du jetzt? Der erste ohne was? Ja, ohne Adventskalender. Der erste nach Weihnachten. Ja. Ohne Adventskranz. Genau. Es gibt sehr viele Erste. Aber wir sind da. Ja, ich vermisse den total, den Adventskalender.
Ich fand es richtig schön. Aber leider, das können wir nicht das ganze Jahr leisten. Es sei denn, ihr versorgt uns hier nochmal stärker mit Zitaten. Dann wären wir up for it. Wir wären bereit, auf jeden Fall. Wir können das von mir aus Ganzjahreskalender nennen. Ja, stimmt. Wir setzen da irgendwie so neue Traditionen. Das ist doch auch irgendwie gemein, dass man dann in diesen 24 Tagen jeden Tag so verwöhnt wird mit Schokolade und inspirierenden Zitaten.
Und dann ist es einfach zu Ende. Ja, ich finde auch, also wenn ihr hier nochmal ein paar Zitate für uns habt, dann überlegen wir uns was. Schickt uns die sehr, sehr, sehr gerne. Wir haben uns deshalb aber auch schon was Neues, Schönes für euch überlegt, damit der Schmerz nicht ganz so schlimm wird. Ja, und auch hier so diese Zeit zwischen den Jahren, ne? Das ist auch immer so eine leere Zeit.
Total, oder? Ich finde, das ist so, nennst du das auch zwischen den Jahren? Ja. Was gibt es noch für Bezeichnungen? Zwischen den Jahren? Das ist die Bezeichnung, ne? Zwischen den Jahren. Zwischen den Jahren. Und man nimmt sich da schon, also ich nehme mir da häufig mal so Sachen vor, die ich vor Weihnachten nicht mehr schaffe, wo ich dann sage, das mache ich zwischen den Jahren.
Ja, weil man denkt, das wären so drei Wochen. Ja. Und dann sind es wieder so zwei Tage, die so davonfliegen. Aber ist nicht schlimm. Absolut, ja. Also wir haben ja auf jeden Fall eine Geschichte natürlich für euch, um diese Zeit ein bisschen zu füllen. Falls ihr euch vorgenommen habt, den Keller auszumisten oder falls ihr irgendwie arbeiten müsst, aber eigentlich da auch nur so ein bisschen rumdümpelt.
Außer euch keiner arbeitet, genau. Genau, das ist auch immer so irre, außer natürlich den Menschen, die Berufe haben, die nicht pausiert werden können. Hut ab natürlich wie immer an die. Wir haben hier eine Geschichte für alle, die so ein bisschen den Kopf schwirren lassen wollen und ja, irgendwie was Kurioses, wo man am Ende mit vielen Fragezeichen rausgeht.
Und das Schönste, dieser Themenvorschlag kommt von euch und zwar von Elke Festerling. Sie hat uns per Mail geschrieben und zwar schreibt sie, hallo ihr beiden, ich mag euren Podcast sehr und er ist mein täglicher Einschlafbegleiter. Das ist richtig schön, dass wir quasi beim Einschlafen mit dabei sein dürfen.
Nach der Heißluftballon- Folge schwirrt mir schon länger ein Mann im Kopf herum, der euch vielleicht interessieren könnte und zwar Gustav Weißkopf beziehungsweise Gustav Whitehead. Dieser soll noch vor den Gebrüdern Wright erstmals einen bemannten Motorflug durchgeführt haben. Die Geschichte wird kontrovers diskutiert und die Familie von Orwell Wright, das ist einer der...
Brüder, die da angeblich den ersten Motorflug gemacht haben, hat einen Geheimvertrag mit dem Smithsonian Institute geschlossen, welches das Museum verpflichtet, deren Prioritätsanspruch auf den Erstflug zu vertreten. Es würde mich freuen, diese Geschichte bei euch zu hören. Viele Grüße, Elke Festerling. Also da sind so viele Begriffe, die mich schon aufhorchen lassen.
Also einmal irgendwie so dieser Geheimvertrag und dass es nicht ganz klar ist. Wer da jetzt wie der Erste war. Auch dieser Name Whitehead, das klingt wirklich straight out of Krimi, Roman oder irgendwie True Crime. Also wir sind dabei. Da sind wir dabei. Also diese Mail schlummert schon ein bisschen länger bei uns im Mailpostfach.
Und ich glaube jetzt diese Zeit zwischen den Jahren, die ist perfekt, um sich diese Geschichte mal anzugucken. Diesen Fall könnten wir vielleicht auch sagen. Ja, das ist ein Fall für uns. Ja, ein Fall für Behind Science. Wir sprechen heute über Gustav Weißkopf und den vielleicht ersten bemannten Motorflug.
Behind Science – Geschichten aus der Wissenschaft Mit Marie Eickhoff und Luisa Pfeifenschneider Musik Wir geben hier ja ganz gerne Namens-Inspos für eure Kinder, Haustiere, Autos oder Sonstiges. Es gibt ja Leute, die benennen alles, so Toaster oder Straßennaterne vor der Tür oder so. Stimmt, alles von Nahen.
Und wir haben ja schon häufiger mal Namen hier entdeckt, die wir gar nicht kannten. Sowas liebe ich ja immer, das finde ich einfach so cool. Und heute ist hier ein Name dabei, der mir auch auf jeden Fall im Kopf geblieben ist. Also Gustav finde ich schon einen genialen Namen. Aber der Zweitname von Gustav ist Albin. Und Albin ist doch irgendwie, finde ich, ein tolles Name. Ja, finde ich auch cool. Hat sich aber auch noch nicht gehört.
Nee, ne? Hab den Namen zu vergeben. Also Gustav Albin Weißkopf, mit dem haben wir es heute hier zu tun. Auch der Nachname ist schon mal top. Allerdings soll Gustav Weiskopf bald schon einen anderen Namen haben und zwar White Hat. Wir haben es am Anfang schon erwähnt. Er hat seinen Nachnamen also einfach ins Englische übersetzt.
Ich weiß nicht, ob du dir schon mal Gedanken gemacht hast. Klingt cool, aber ist auch ein bisschen einfelslos eigentlich. Ja, stimmt. Es wäre wirklich die Chance für ihn gewesen, sich nochmal einen völlig neuen Namen auszudenken. Ja. Ich habe mir mal deinen Namen übersetzt auf Englisch. Ich weiß nicht, ob du es schon mal gemacht hast. Das wäre sowas wie Oak Yard.
Stimmt. Findest du das? Ickhoff? Das klingt ganz cool, oder? Steht für Hof mit Eiche oder sowas. Ja, genau. Ein Eichenhof oder so. Das könntet ihr uns beibringen, ja, genau. Ja, finde ich eigentlich ganz cool, oder? Klingt doch gut. Warte mal, was wärst du dann? Pipecutter oder so? Pipecutter. Ja, Pipecutter habe ich mir tatsächlich schon mal überlegt.
Klingt wild. Ich weiß nicht, ob Cutter, das klingt irgendwie auch so halb eingedeutscht. Das klingt auch nach so einem True Crime Namen. Voll, stimmt, es klingt auch nicht so ganz ungefährlich, aber tatsächlich gibt es Verwandte, Ausgewanderte, Vorfahren von mir, die in die USA ausgewandert sind und weißt du was Marie, es ist so enttäuschend, die haben sich einfach umbenannt dann in Snyder.
Nee. Die haben einfach den letzten Teil des Nachnamens genommen, den langweiligeren Teil. Und heißen jetzt Schneider oder Snyder. Und das heißt, man kann die auch ganz schwer nur wiederfinden. Weil Schneider heißt ja irgendwie jeder Dritte, der wahrscheinlich in die USA ausgewandert ist aus Deutschland. Wie enttäuschend. Richtig bitter, ja.
Aber guck mal, das finde ich trotzdem gute Inspo. Dann wärst du ja nicht Pipe Cutter, sondern Pipe Snyder. Das klingt wieder cool. Ah, ja, guck mal, den haben sie liegen lassen. Mensch, nimm ihn. Also hier nochmal an die Vorvorfahren, falls die Gastron meiner Vergangenheit das hören. Ich würde sagen, nächste Folge machen wir mit Künstlernamen. Ja, stimmt.
Es ist richtig, richtig bitter. Ich würde da gerne mal dem Stammbaum nachgehen. Aber ja, die Snyders, falls ihr sie mal getroffen habt, vielleicht sind sie mit mir verwandt. Ach Mensch, das könnten dann viele sein wiederum. Ja, auch schön. Ja, das ist auch schön, genau. Da kann man einfach sagen, ey, wir sind bestimmt verwandt über Drölfecken.
Naja, so jedenfalls meine persönliche Geschichte. Oh Mann. Zurück zu Gustav. Zu Gustav, oh Mann, ja. Okay, wir müssen uns konzentrieren. Zu Gustav und seinen Verwandten. Also was Gustav und deine Verwandten auf jeden Fall gemeinsam haben, ist, dass er auch nach Amerika ausgewandert ist. Und zwar wird er 1874 in Leutershausen in Bayern geboren, also erst mal in Deutschland vor 151 Jahren. Und sein Leben verläuft auch nicht so richtig glatt am Anfang.
Gustavs Eltern, die sterben schon früh und Gustav und seine Geschwister werden getrennt. Insgesamt waren es wohl sieben Geschwister und Gustav wächst dann bei seinen Großeltern auf. Und auch so beruflich, ja, es ist irgendwie schwierig für ihn. Er bekommt einfach nicht so richtig die Füße auf den Boden. Also, ja, so...
Der Weg ist wirklich alles andere als gerade. Ja, das stimmt. Aber manchmal sind das ja gerade die Wege, die dann am Ende irgendwie so eine spannende Entdeckung stehen haben. Erst beginnt er nämlich eine Lehre als Buchbinder, bricht die aber ab und wird stattdessen zu einem Schlosser in die Lehre geschickt.
Also man ist da wohl schon hinterher, dass er was Richtiges, nenne ich es jetzt mal, lernt. Und auch diese Lehre bricht er aber im ersten Lehrjahr schon ab. Diesmal, weil er sich unerlaubt aus dem Ort bewegt hat, wo der Betrieb ist, anscheinend war das nicht erlaubt. Anschließend arbeitet er dann als Tagelöhner in Höchst am Main.
Also so richtig ambitioniert ist er bei seiner Berufsausbildung nicht. Warum genau, das kann man leider jetzt nicht mehr so richtig herausfinden. Aber ja, vielleicht kann man jetzt mutmaßen, fehlt ihm auch das Besondere, das Abenteuer und die Freiheit. Und er will einfach raus in die Welt, vielleicht auch deswegen diese illegale Entfernung von seinem Ausbildungsort.
Also irgendwie, wenn man das jetzt so ganz laienhaft mal sich anguckt, könnte man meinen, er will... Er strebt nach was Größerem oder Höherem. Ja, zumindest, finde ich, kriegt man dieses Bild, auch wenn man seine Geschichte dann so ein bisschen weiterkennt und weiß, er wird die ganz große Freiheit suchen und in die USA auswandern.
Und da, ihr habt schon eben gehört, am Anfang ändert er dann auch seinen Namen. Da wird er Gustav Whitehead und beginnt ein ganz neues Leben. Vorher reist er wohl auch schon mal durch Brasilien und macht da allererste Flugversuche. Also wir kommen so langsam in dieses Flugthema. Zumindest, und hier geht es jetzt schon ein bisschen los, schwierig zu werden nach eigenen Angaben.
Ja, in den USA landet er dann ziemlich schnell in einem Netzwerk von vielen Flugbegeisterten. Er arbeitet in Boston mit der Boston Aeronautical Society zusammen und trifft dort auf Leute, die sich ernsthaft auch wissenschaftlich mit dem Fliegen beschäftigen. Und 1899 beginnt er dann wohl mit den ersten Flugzeugexperimenten und macht jetzt laut Zeitzeugen auch erste kurze motorisierte Erhebungen.
Seine berühmteste Flugmaschine ist die Nummer 21. Wie sah die so aus? Die hatte zwei Propeller, einen 20 PS Motor für den eigentlichen Flug. Und jetzt kommt's, noch ein extra Motor für den Start. 10 PS, nur um Geschwindigkeit aufzunehmen. Und das Fluggerät konnte sogar auf der Straße fahren. Also das ist schon ziemlich durchdacht für die Zeit.
Es ist also schon was Wahres dran an den ersten Flugversuchen von Gustav mit einem Motorflugzeug. Aber ja, so richtig kräftig. Und beweisen kann man es halt irgendwie nicht. Wir tasten uns da mal ran. Wir schauen jetzt mal genauer, wo stehen wir denn überhaupt in der Geschichte des Fliegens, um mal einzuordnen, was Gustav eigentlich da jetzt Neues gemacht hat.
Ganz frühe Ideen vom Fliegen gab es schon in der Antike mit dem Mythos von Derdalus und Icarus, der zu nah an die Sonne geflogen ist und so weiter. Also dieser Traum vom Fliegen, den gibt es eigentlich schon seit es Menschen gibt, könnte man so sagen. Leonardo da Vinci hat dann zwischen 1452 und 1519 so erste Zeichnungen von Fluggeräten gemacht.
Könnt ihr euch noch angucken, die sehen ganz anders aus als die Flugzeuge, die wir heute so im Himmel sehen. Über ihn haben wir ja auch schon mal eine Folge gemacht, verlinken wir euch hier nochmal. Er ist zwar nie selbst geflogen, hat aber wichtige theoretische Grundlagen geliefert und ist deswegen auf jeden Fall so ein...
Ein Meilenstein, sage ich mal, in der gesamten Fluggeschichte. Es gab vorher sogar noch einen, über den haben wir auch schon mal eine Folge gemacht, hier Abbas Ibn Firnaz. Der hat 875 in der Nähe von Cordoba einen Gleichflug gemacht mit einem selbstgebauten Fluggerät, was keinen Motor hatte und deshalb sehr, sehr waghalsig war und für ihn auch sehr schmerzhaft endete.
Das könnt ihr in der Folge noch mal nachhören. Und dann im 18. Jahrhundert, also wir machen einen richtig großen Sprung jetzt schon. Dann kommen wir zu dieser Folge, wo nach Elke sich ja auch bei uns gemeldet hatte, diese Folge über die Erfindung des Heißluftballons von den Gebrüdern Montgolfier, die die ersten bemannten Heißluftballonfahrten gemacht haben.
Die Folge unbedingt auch nochmal nachhören, es werden viele Links hier folgen. Genau, wir füllen das hier langsam mit Leben, so diese Fluggeschichte. Ja, und Jacques Charles, der hat einen Gasballon mit Wasserstoff entwickelt, mit dem auch menschliche Flüge möglich waren, aber der sich noch nicht so richtig steuern ließ. Und im 19.
Jahrhundert geht es dann weiter mit Gleitflügen und da kommt Sir George Cayley ins Spiel. der erkennt die Relevanz von Auftrieb, Gewicht und Schub. Und es wird der erste Gleitflug mit Menschen dokumentiert. Ja, also wie man sehen kann, da kommt eine Entdeckung nach der nächsten, die immer so aufeinander aufbauen.
Und nach weiteren Wissenschaftlern, die sich dem Fliegen widmen und dabei teilweise auch ihr Leben lassen. Das ist ja eben das Krasse, finde ich, bei diesem Wissenschaftsfeld. Das zuwackelt sich, ja. Das ist ja nicht nur ... Also man muss nicht nur physikalisches Know-how haben, mechanisch sich auskennen, also ingenieurstechnisch da irgendwie eine Ahnung haben, sondern man muss ja auch einfach mutig sein, sportlich sein.
Außer man hat andere Leute das ausprobieren lassen. Aber die meisten haben es irgendwie selber gemacht, weil es keine andere Leute machen wollen. Deswegen finde ich dieses Fliegen so ein krasses und spannendes Feld. Und man sieht, finde ich, daran so gut, wie groß dieser Traum war, das zu können. Dass Leute das auch einfach dann ausprobiert haben, obwohl sie gar nicht sicher sein konnten, dass es wirklich klappt.
Das ist ja richtig, richtig beeindruckend. Und jetzt kommt eben unser Gustav Weißkopf an die Reihe. Er behauptet 1901, den ersten bemannten Flugversuch mit einem Motorflugzeug gemacht zu haben. Wir haben es eben schon gesagt. Das Problem, es gibt keine Beweise und somit ist seine Behauptung bis heute historisch umstritten.
Dieser angebliche Flug wird dann auch ziemlich ausführlich beschrieben, also das schon. Ein Reporter vom Bridgeport Sunday Herald war dabei bei diesem angeblichen Flug und der schreibt von ungefähr 15 Metern Flughöhe, das ist ja schon echt ziemlich hoch. Ja, ist so wie so ein Baum. Ja, stimmt, das ist ein guter Vergleich. Ich stelle mir immer ein Drei-Meter-Brett vor und dann...
Mal fünf oder so, das ist ja schon echt richtig hoch. Das ist auch eine krasse Vorstellung, ja. Also ziemlich waghalsig. Und er ist wohl auch über eine halbe Meile geflogen, also von der Strecke. Und hatte eine ruhige Landung, das beschreibt dieser Reporter. Das ist schon mal viel wert. Ja, und dieser Bericht wird später von über 100 Zeitungen weltweit aufgegriffen, weil es eben sowas Besonderes ist, dass da der erste angebliche motorisierte Flug stattgefunden hat.
Also komplett aus der Luft gegriffen scheint das Ganze erstmal nicht, aber, und das ist jetzt der eine Knackpunkt, es gibt kein einziges Foto von diesem Flug, nur eine Zeichnung und die ist später entstanden und das macht die Sache natürlich schwierig. Ja, und damit beginnt ein richtiger Flugkrimi, denn nur zwei Jahre später wird der erste gesteuerte und nachweislich dokumentierte Motorflug gemacht und zwar von den Brüdern Wilbur und Orville Wright.
Diese zwei Ereignisse, also das von Gustav und das von diesen zwei Brüdern, die liegen so nah aneinander, einfach nur so zwei Jahre auseinander, das ist halt in dieser Geschichte von diesen Flugerfindungen so wenig und gerade weil es so nah beieinander ist, könnte man natürlich schon sagen. Ja okay, vielleicht haben sich die Rides hier von Gustav inspirieren lassen und das ist ja auch so.
Aber so genau kann man es halt nicht sagen und damit sind wir mitten in einer ganz großen Kontroverse um Gustav Weißkopf. Manche sehen in ihm einen genialen Ingenieur, ohne Sinn für Selbstvermarktung, also der vielleicht einfach diese Chance verpasst hat, aus seinem Flug wirklich jetzt eine gut dokumentierte Sache zu machen.
Andere sagen, nee, Gustav war ein Träumer, der hätte vielleicht gerne so diesen ersten bemannten Motorflug gemacht. Aber eigentlich war es nur ein Aufschneider und der hat so ein bisschen übertrieben und kann es halt nicht beweisen. Und beides, das ist halt das Problem, lässt sich nicht belegen, aber auch nicht widerlegen.
Und das ist irgendwie sehr, sehr unbefriedigend. Total. Aber auch so, ja ... Ein bisschen manchmal das Problem von Wissenschaft. Ja, total. Und das zeigt aber auch, wie wichtig es ist, Dinge zu dokumentieren. Also nicht nur, um quasi den Ruhm abzugreifen, auch um für die nachfolgenden Generationen was zu hinterlassen.
Und deswegen auch dieser Gedanke von Open-Source-Wissenschaft zum Beispiel. Also dass Dinge nicht in der Schublade verschwinden, sondern die nächste Generation an Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern darauf zugreifen kann. Also das zeigt einfach, dass so das Wissen auch einfach so versanden kann, wenn es nicht dokumentiert wird.
Und wie wichtig das ist immer so zu gucken, woher kam die Info? Also zum Beispiel in dem Fall von Gustav haben es ja total viele Zeitungen berichtet. Aber alle haben eben von diesem einen Reporter abgeschrieben, der nur diese selbstgemachte Zeichnung hatte und halt behauptet, er war dabei. Ja, das ist irgendwie, ja, ich will irgendwie ein Mäuschen spielen und es genau wissen. Zeitreise.
Ja, wirklich. Das wäre cool. Also, wenn wir uns nochmal die Beweislage anschauen, du hast es gerade auch schon ein bisschen zusammengefasst, es gibt keine verlässlichen Fotos oder die detaillierte technische Dokumentation dieses Flugs von Gustav. Und was auch noch so ein bisschen... Gegen ihn spricht, ist, er meldet erst 1905 ein Patent für einen motorlosen Gleiter an.
Also nach dem nachgewiesenen Flug der Gebrüder Wright. Diese Wright-Brüder hatten hingegen frühzeitig Patente angemeldet und sie hatten eine super PR-Strategie. Also die waren da ziemlich hinterher. Ein ziemlich brisanter Punkt ist auch das Smithsonian Museum, das haben wir eben schon in der Mail erwähnt von Elke.
Orville Wright, also einer der Brüder, übergibt seinen Flyer wohl mit einem Vertrag an dieses Museum, der festlegt, dass das Museum die Wrights immer als erste Motorflieger darstellen muss. Das finde ich auch so ein bisschen schräg, weil es irgendwie so eine Art Knebelvertrag klingt. Wie Zensur auch.
Ja, genau, so ey, wir wissen ja beide, wir waren nicht die Ersten, aber hier mit diesem Vertrag, genau, werden wir da in die Geschichte eingehen. Also könnte man in beide Richtungen deuten oder dass sie halt sicher gehen wollen. Ja, da ist dieser Aufschneider. Dieser Gustav, der behauptet, er war zuerst dran, wir wollen hier ganz sicher sein, dass das nicht so gedreht wird.
Also es ist alles ganz schräg. Ja, und es macht alles die historische Einordnung super schwierig und natürlich auch politisch. Also es ist eine total politische Diskussion, die man dann da auf einmal führt. Ja, und ihr wisst ja, wir haben ja schon häufiger Geschichten erzählt, wo die Lauteren, die sich besser verkaufen konnten, am Ende irgendwie in die Geschichte eingegangen sind und deswegen sind wir da natürlich sehr vorsichtig und möchten irgendwie auch sicher gehen, dass wir die Geschichten hier richtig erzählen.
Aber bei dieser ist es wirklich sehr schwierig und wir können das gar nicht einordnen, wem da jetzt am Ende diese Ehre gebührt und vielleicht ist aber auch genau das die Geschichte. Ja, stimmt. Auch wenn sie unbefriedigend ist in diesem Moment. Ja, Gustav gründet dann sogar noch eine Flugzeugfabrik, aber seine Förderer ziehen sich bald darauf zurück und das bedeutet für ihn das Ende des Geschäfts.
Also wenn er wirklich der erste Mensch war, der ein Motorflugzeug geflogen ist, dann hatte er am Ende ziemliches Pech mit seinen Ideen und auch mit seinem Fluggeschäft. Ja, wahrscheinlich wäre das Geschäft auch besser gelaufen, wenn er immer der gewesen wäre, so... Der den ersten motorisierten Flug gemacht hat. Dann wäre er so eine Faszinationsfigur gewesen.
Ja, wir können es nicht mit Bestimmtheit sagen. Also irgendwie klingt es ein bisschen wie die traurige Geschichte des Scheiterns. Aber ja, manchmal muss man es vielleicht auch als Kette sehen. Kette von Ereignissen und wissenschaftlichen Erkenntnissen, die aufeinander aufbauen, die am Ende dann zum Ergebnis führen. Und spätestens mit dem Flug der Rides beginnt ja auch dann die moderne Luftfahrt.
Also manchmal spielt vielleicht auch der Einzelne gar nicht so eine große Rolle, sondern man muss ihn eher so untergeordnet sehen und das große Ganze in den Blick nehmen. Weil wenige Jahre später fliegt Louis Blériot nämlich als erster Mensch über den Ärmelkanal und spätestens im Ersten Weltkrieg, der ja bald darauf folgt, sind Flugzeuge wirklich allgegenwärtig.
Also egal, wer jetzt genau den ersten motorisierten Flug ist. Gemacht hat. Das Ganze ist der Beginn eines völlig neuen Zeitalters. Und ja, man kann vielleicht beiden danken oder allen dreien, muss man ja sagen, dass das Ganze so angestoßen wurde. Sie waren dabei. Ja, sie waren alle drei definitiv dabei.
Sie waren dabei und da hört die Entwicklung ja auch noch lange, lange nicht auf. Also im 19., 20. Jahrhundert, da folgte dann das Jet-Zeitalter mit den ersten Flügen in einem Düsenflugzeug und dann natürlich die Entwicklung von Raketen, zum Beispiel durch Werner von Braun, über den wir ja auch schon mal gesprochen haben.
Und dann kam ja sogar die Mondlandung, also Fliegen nochmal Next Level weiterentwickelt. Heute nutzen viele Menschen Flugzeuge wie Busse, muss man auch sagen, einfach als tägliches Verkehrsmittel. Es gibt Drohnen, es gibt Hyperschallflugzeuge, Raumflugzeuge. so, so viel zum Fliegen. Also der Traum vom Fliegen ist wahr geworden. Ja, auf jeden Fall.
Obwohl wir ja schon mal drüber gesprochen haben, dass wir eigentlich davon träumen, wie... Und Icarus mit Flügeln zu fliegen, so aus eigener Kraft. Das wäre cool. Also das ist so richtig, außer wenn man irgendwie so gleitet, ist richtig nicht wahr geworden. Das wäre auch ein toller Umweltschoner drin. Ja, das stimmt.
Da müsste man irgendwie so ein Muskelaufputschmittel noch erfinden, dass man so stark ist, dass es irgendwie funktioniert. Oder Vögel haben ja da. Genau, Vögel haben da ja irgendwie hohle Knochen oder so. Also da weiß ich nicht, ob es in die Richtung nochmal geht, aber schon auch spannend sich zu überlegen, wo wir in ein paar hundert Jahren stehen werden, also welche fantastischen Flugobjekte es vielleicht dann geben wird.
Ich hoffe, dass das in eine positive Richtung geht und ja, ich finde es schön, dass wir immer noch träumen können von diesem Fliegen, so wie die Menschen in der Antike. Gustav jedenfalls, der hat vom Fliegen geträumt wie so viele andere. Und ob er am Ende jetzt der erste Mensch in einem Motorflugzeug war, das wissen wir nicht.
Aber wir haben gerne seine Geschichte und die Geschichte des Fliegens hier erzählt. Tatsächlich ist es dann so, nach dem Scheitern seiner Selbstständigkeit arbeitet er dann wieder wohl als Fabrikarbeiter. Also irgendwie beginnt die Geschichte da wieder, wo er ein bisschen angefangen hat. Sehr bodenständig und gar nicht so hoch hinaus dann. Nicht so abgehoben. Ja, stimmt.
Oh, ich finde, wir können jetzt noch mal sagen, statt guten Rutsch können wir doch jetzt eigentlich wünschen guten Flug oder so ins neue Jahr. Stimmt. Eigentlich sehr, sehr passend. Ja, guten Flug. Wir hoffen, ihr hattet ein schönes Behind-Science-Jahr. Kannst du sagen, was dein Highlight war dieses Jahr? Oh, ja.
Boah, das ist jetzt richtig schwierig, ne? Muss ich fast selber durch unsere Podcast-Folgen mal scrollen und gucken, was so ein Highlight war. Boah, doch. Warte mal. Doch, das war doch auch dieses Jahr, oder? Was denn? War die unsere 100. Folge? Ja. Doch, das war auch dieses Jahr noch, ne? Mit der großen Ankündigung.
Das war krass. Das war aufregend im Gewächshaus. Stimmt. Die Folge im Gewächshaus. Da sind wir übrigens neulich noch mal dran hängen geblieben, weil wir es beide so schön fanden und ich glaube ihr auch. Falls ihr Ideen habt, wo wir noch mal eine Outdoor-Folge aufnehmen können, schickt uns das gerne. Wir wollen dafür nicht fliegen, so viel kann ich sagen.
Das muss irgendwo in der Nähe sein. Wir waren schon bei so Planetarium oder Labor. Aber vielleicht gibt es ja Wissenschaftsorte, die wir noch gar nicht auf dem Schirm haben. Das ist gut. Wir brauchen eure Inspo. Für uns. Ich überlege jetzt gerade, was war noch ein Highlight. Aber es gab so viele. Ich scrolle hier gerade schon selber durch.
Live-Sachen, Adventskalender. So viele schöne Sachen. Interview mit Rubinga, Schnögelrögel war auf jeden Fall ein Highlight. Mit Alexander von Humboldt, durch Amerika reisen. Also ja, es gibt so, so viele. Für uns privat war es ja auch beide ein sehr spannendes Jahr. Es hat sich sehr viel verändert. Also ich glaube, wir können ganz gut abschließen mit diesem vielleicht-Flug hier von Gustav Whitehead.
Schön, vielen, vielen Dank. Ich freue mich aufs nächste. Ich auch. Vielen, vielen Dank an dich, dass wir das hier zusammen machen. Nochmal emotional werden. Und vielen Dank an euch, dass ihr so gerne dabei wart in diesem Jahr. Hoffentlich auch im nächsten Jahr. Fliegt gut rüber ins neue Jahr und wir hören uns dann schon am 3.
Januar wieder. Nächste Woche schon, Leute. Aber irgendwie fühlt sich das immer an wie, Es ist anders, es ist ein größerer Tageswechsel als normalerweise, oder Wochenwechsel. Es ändert sich nur eine Zahl, mehr nicht. Das stimmt, mehr nicht. Und in der nächsten Folge lernen wir auch, dass Veränderungen möglich sind.
Also vielleicht das schon mal als kleiner Teaser. Ja.