Blindflug – Wein-Podcast· Folge 187

Blindflug 187: Gären oder Gammeln

Donnerstag, 18. Juni 2026 · 1 h 23

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Shownotes

Der QR-Code und romantische Vorstellungen. Da braut sich was zusammen. Darüber müssen wir reden. Dazu Malvasia von Mallorca der nach deutschem Riesling schmeckt und deutschen Spätburgunder, der an gereiften Bordeaux erinnert.

Es ist verlockend: Neuerdings erlaubt die verpflichtende Auflistung von Inhaltsstoffen auf dem Weinetikett, wahlweise als QR-Coder hinterlegt, einen Einblick in das Winemaking. Und siehe da: alles Panscher! Wir müssen darüber reden, welcher Aspekt dieser Neuerung ein Segen und welcher ein Fluch ist.

Riesling von Mallorca

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Flo schenkt Felix einen faszinierenden Wein ein: Riecht nach Leberwurst, macht nach hinten raus mit austrocknendem Gerbstoff zu und ist trotzdem attraktiv. Dazu hält Felix den Wein für einen Riesling, obwohl Riesling selten nach Leberwurst riecht. Das liegt aber nicht daran, dass Felix völlig auf dem Schlauch stünde. Flo, der den Malvasia Cati Ribot 2024 von Galmés i Ribot von der Insel Mallorca einschankt, denkt schließlich auch: das kann man locker als Riesling trinken. Drei Tage später ist er Wein am Schneidetisch weitweniger sperrig und zeigt: Luft oder Lager, dann zündet die Rakete.

Bordunder von Bardorf

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Stefan Bardorf ist ein Tüftler, der großartige Weine produziert. Sein Spätburgunder Randersackerer Teufelskeller 2020 Reserve ist ein ganz eigenes Gewächs. Die Frucht ist sehr untypisch, die erdigen Aromen sind leicht animalisch-ledrig eingefasst, was nur so halb burgundisch erscheint, eher wie (gut) gereiftes Medoc. 13,5 Prozent Alkohol und eine deutlich reife Note gelten vielen nicht als ideal (hat aber sogar Romanée-Conti manchmal), aber auch das geht hier. Ein Spätburgunder, den man gerne mal erkunden darf. Flo liegt fröhlich daneben, aber wie beim Riesling aus Mallorca findet auch hier der nicht blind verkostende Einschenker die Beschreibung durchaus passend.

Viel Spaß bei einer neuen Episode unseres Podcasts.

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Hier ist eine strukturierte Zusammenfassung der Folge. Zeitangaben sind ungefähre Startpunkte der jeweiligen Themen.

Außer der Reihe: Neu verkorkter Wein ( – )

Felix „überfällt“ Flo mit einem Wein, den er selbst noch nie getrunken hat. Das Besondere: Die Flasche wurde vor vier Wochen neu verkorkt und mit einer kleinen Schwefelgabe aufgefrischt. Hintergrund: Alle 304 vorhandenen Flaschen wurden geöffnet, vier hatten Kork (wurden aussortiert), der Rest wurde aufgefrischt, neu verkorkt und nach 25 Jahren neu in den Handel gebracht – inklusive nochmal „25 Jahre Garantie“. Fachlicher Punkt: Bei Süßwein kann man die Schwefelwerte nicht auf Weißwein hochrechnen – der Wein hatte bei der Füllung 2002 noch 69 mg freien Schwefel, davon waren zuletzt nur noch 25 mg übrig. Der Schwefel ist schmeckbar, aber angenehm.

Würfeln & Wein 2 ( – )

Flo schenkt ein: ein Malvasia von Mallorca vom Weingut Cati Ribot, Jahrgang 2024, 12 %, naturnah und „nonkonformistisch“ produziert. Felix‘ erster Eindruck: „Das riecht nicht nach Wein.“

News-Block: Prinz zur Lippe kauft Schloss Staufenberg ( – )

Prinz zur Lippe (Schloss Proschwitz) kauft Schloss Staufenberg samt Ländereien vom Markgraf von Baden. Das Gut hat in Baden bereits gerodet, übrig sind ca. 55 Hektar (eher Richtung Bodensee/Salem). Da Proschwitz schon rund 90 Hektar hat, würde der Winzer mit ~140 Hektar zu einem der größten Winzer Deutschlands. Der Sohn von Prinz zur Lippe (Ausbildung u. a. bei Weil und Rebholz) soll das Gut übernehmen.

Spiel: Vier Schaumweine blind im schwarzen Glas ( – )

Ein Format, das beide wärmstens empfehlen („Wir müssen mehr spielen!“). Aufbau: vier Schaumweine im schwarzen Glas, pro Person in unterschiedlicher Reihenfolge eingeschenkt (professioneller Einschenkplan). Drei (Christoph, Sascha, Flo) tranken komplett blind, Felix „halbblind“ (er kannte die Weine, die Gläser wurden nur durchgemischt). Erst verkosten und nach Vorliebe ordnen, dann erst zuordnen – beides gleichzeitig geht schief.

Die Aufgaben kamen gestaffelt: zuerst nur Rangfolge, dann die Kategorien (Blanc de Noir, Blanc de Blanc, Traditionscuvée, Rosé), und erst im vierten Durchgang die Info „dreimal Champagner, einmal Pirat“.

Die vier Schaumweine waren: Krug Rosé, Taittinger Comte de Champagne, Jules Bonnet von Bonnet-Ponson und als „Pirat“ (Nicht-Champagner) Ca‘ del Bosco Anna Maria Clementi (Franciacorta).

Die großen Aha-Momente:

• Alle drei Blindverkoster hielten den Blanc de Blanc für den Rosé – obwohl sie sich (verschiedene Gläser) nicht beeinflussen konnten. Felix erkannte als Einziger den Blanc de Blanc, lag dafür beim Rosé daneben.

• Der Rosé war der Krug Rosé (Brut) – sehr zurückhaltend und auffällig sauer, obwohl er 11 % Rotweinanteil hatte (Mittelfeld; üblich sind 10–15 %). Genau diese Säure brachte alle auf die falsche Fährte.

• Der „Pirat“ war der Anna Maria Clementi von Ca‘ del Bosco, ein Brut Natur – niemand erkannte ihn als Nicht-Champagner.

• Der Taittinger Comte de Champagne (Basis 2008, 2019 degorgiert, schöne Karamellnote, 10 g Restzucker, tolle Säure) wurde von Flo fälschlich als Pirat getippt – eine „bestechende“ Flasche, von der es laut Felix aber auch schwächere Varianten gibt.

Ernüchterndes Fazit: Von den drei komplett Blinden hatte praktisch niemand die Kategorien getroffen (Sascha eine, sonst null richtige Zuordnungen – statistisch im Zufallsbereich). Die Kernlektion: Schaumwein im schwarzen Glas ist das Allerschwierigste, und alle tippen den geschmeidigsten/karamelligsten Wein als Rosé. Der Jules Bonnet von Bonnet-Ponson (50 €, 124 Monate Hefelager, Basis 2013, aber erst 2025 degorgiert) wurde Letzter, weil ihm nach dem späten Degorgement noch die „Molligkeit“/Flaschenreife fehlte – darum steckte Flo ihn auch zum Brut Natur. Felix betont den Spaßcharakter ohne Wettbewerbsdruck – das Format funktioniert auch mit Chardonnays, Rieslingen verschiedener Qualitätsstufen usw., und sogar für Gäste, die sich nur am Rande für Wein interessieren.

Probe: 2022er Bordeaux jung verkostet ( – )

Eine separate Runde, auf die sich Flo besonders gefreut hatte, weil er noch nie Bordeaux in dieser Breite so jung (vier bis fünf Jahre nach Ernte) getrunken hat – genau an der Schwelle, an der angeblich alle in die „Verschlussphase“ abtauchen. Felix hat dazu einen Blogbeitrag geschrieben. Im Feld u. a. Mouton, Lafite, La Fleur, Léoville Las Cases, Léoville Barton, Montrose und der gehypte Les Carmes Haut-Brion – Letzterer war für die Runde „erschütternd“: Alle fragten sich, warum der 100 Punkte bekommt, wo sie ihn eher bei 91–92 sahen.

Daraus eine Grundsatzdiskussion: Auffällig viele Weine hatten 100 Punkte, und die Meinungen am Tisch gingen weit auseinander (Hitzenoten, Blaubeere, balsamische Anklänge – für manche kein Problem, für Felix und Flo eher schon). In den Primeur-Verkostungsnotizen steht von Blaubeere und Hitzenoten nichts – die Weine müssen also frisch aufgestellt ganz anders geschmeckt haben, was den Wert von Primeur-Noten infrage stellt. Felix‘ These: Der Klimawandel bringt reifere Noten und veränderte Reifeverläufe; selbst Parker hätte heute vielleicht nicht mehr recht (2009 2010 und 2005 schon nicht mehr so – warme Noten waren nicht seine Sternstunden). Vielleicht stimmt auch die alte Vorstellung von der „absoluten Verschlussphase“ nicht mehr; manche Weine gehen womöglich nie dahin. Andererseits zeigten Vieux Château Certan und Léoville Las Cases …

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