Blindflug – Wein-Podcast· Folge 189

Blindflug 189: Die Rache des Kritikers (2)

Dienstag, 8. September 2026

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Shownotes

Erfolgreiche Geschichten schreien nach einer Fortsetzung. Das gilt für das Champagner-Pop-up wie für die beliebteste Publikumsbeschimpfung in unserer Podcastgeschichte.

Heute gibt es eine Tonne Links vorweg. Zum ersten sind da natürlich die Siegerpakete des Berliner Chardonnay Awards, die ihr hier über den Planeten beziehen könnt. (planet-weinhandel.de/weinshop)

Dann haben wir die Eintrittskarten für das Champagner-Pop-up und viele spannende Wein-Events von Sascha (fwh-events.de).

Und dann freuen wir uns weiterhin über die Teilnahme an unserer Hörerbefragung. (docs.google.com/forms/d/1OczL4bPpdqUxldaiETOD6…)

Wettbewerbe und Listen

Felix erzählt vom Berliner Chardonnay Award, was für Leser des Blogs (schnutentunker.de/berliner-chardonnay-award-2026) natürlich ein bisschen wie die Zeitung von gestern klingt. Deswegen vermengt er das Thema mit einem anderen, dem Update zur Frage nach guten Kritikern, berechtigter Kritikerkritik und so weiter. Sascha hat einen arbeitsamen Sommer hinter sich und berichtet von Ergebnissen. Mehr Infos unten in der ausführlichen Zusammenfassung mit Timecodes.

Monteti mit viel Petit Verdot

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Der ‚Große‘ 2020er der Tenuta Monteti aus der Maremma (Toskana), den Felix Sascha ins schwarze Glas einschenkt ist ein eigenständiger, eher leiser und eleganter Wein, den Sascha zunächst in Italien verortet, bevor er sich für Spanien entscheidet. Gut zur Hälfte aus Petit Verdot, mit etwas Luft übernimmt der Cabernet mehr Verantwortung und das Holz ist zu 70 Prozent gebraucht – das ergibt etwas recht Eigenes, das zu bestimmen wohl nur gelingt, wenn man es schon mal im Glas hatte. Die Freude über einen schönen Wein zum vergleichsweise kleinen Preis ist auf jeden Fall groß.

Ist Huff süß? Gar nicht!

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Sascha hat für Felix den 2024er Riesling Pettenthal vom Weingut Huff ausgewählt. Der startet mit so verführerischer Frucht, das Felix erst denkt, es geht um einen süßen Wein. Doch mit der Zeit merkt er: das ist kein Zucker (der Wein hat auch nur 2,2 Gramm). Doch so richtig kommt er nicht hinter das Geheimnis dieses sehr schönen und vor allem vielversprechenden Weines. Egal, das Glas ist rasch leer und die Begeisterung groß.

Viel Spaß bei einer neuen Episode unseres Podcasts.

Hier geht es zur Episodenübersicht. (schnutentunker.de/blindflug)

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Begrüßung & Wein 1 wird eingeschenkt ( – )

Rückkehr aus der Sommerpause. Nach dem Würfeln fängt Felix an und schenkt blind einen Rotwein ein: den großen Wein der Tenuta Monteti aus der Maremma, eine Bordeaux-Cuvée, Jahrgang 2020. Kurzer Aufruf zur laufenden Hörer-Umfrage: bisher 198 Antworten, er hätte gern 250; abgefragt werden u. a. Kellerbestand und Erwartungen an den Blindflug (auch Leute ohne Keller sind erwünscht), die Auswertung folgt in einer eigenen Folge.

Rahmen des Hauptthemas: „Was macht einen guten Kritiker aus?“ ( – )

Felix vermengt bewusst zwei Themen: den Berliner Chardonnay Award und ein Update zur alten Folge „Die Rache des Kritikers“ (Folge 75). Die gehört zu den meistgehörten Folgen – neben „Je mehr Lametta, desto better“ (Erklärung von Burgund und Barolo, hart geskriptet mit vier Seiten Listen) war „Die Rache des Kritikers“ mit ihren Bestenlisten und der Einordnung von VDP-„Blue Chips“ ein Dauerbrenner. Anlass ist eine provokante Frage aus einer Steady-Session: Ein Mitglied lobte die von-Buhl-Kollektion und wollte wissen, ob Felix seinen damaligen „Abgesang“ auf die drei Forster/Deidesheimer Niederberger-Güter (von Winning, von Buhl, Bassermann-Jordan) zurücknehmen müsse, nachdem von Winning nun den Chardonnay Award gewonnen hat. Witzigerweise hatte Felix genau das in Folge 75 gesagt – so lässt sich beides zusammenführen. Als „Fortschritt“ formuliert er: Seine Dauer-Angst – jemand kauft alle Jahresempfehlungen und erklärt sie für schlecht – entschärft sich, weil die frühen Jahrgänge (2012, 2014) ihren Zenit überschreiten und es dort ohnehin „nur noch gute und schlechte Flaschen“ gibt.

Berliner Chardonnay Award – der Bericht ( – )

Anja hat wieder Siegerpakete gepackt (Bestellung über ihren Shop, Planet Wein), (planet-weinhandel.de/weinshop) diesmal zwei Varianten: nur die drei Sieger (in Kategorie 1 gibt es zwei Sieger) oder ein erweitertes Paket mit drei zusätzlichen „Großes Gold“-Weinen. Die Sieger waren diesmal vergleichsweise günstig, das Paket also erschwinglich; Felix bekommt 5 Euro pro Paket. Rahmen: hohes Niveau, in der Breite einen Hauch unter dem ersten Jahr, in der Spitze kaum unterscheidbar. Nicht alle Vorjahresteilnehmer wurden wieder eingeladen (max. 60 Weine). Pech: Ziereisen und ein Wein von May wurden vom Paketdienst „verschluckt“ und mussten einzeln nachprobiert werden. Wegen des Termins keine GGs – verschmerzbar, da die Chardonnay-GGs in Wiesbaden ohnehin nicht so überzeugten; der beste war von BCA-Sieger Blankenhorn.

Persönliche Highlights des Awards ( – )

Starke Neuzugänge wie Franz Keller und Wagner-Stempel. Gewonnen hat von Winning in Kategorie 2 (die Großen). Weitere Highlights:

• Blankenhorn (Kategorie 1): Titelverteidigung, blind erneut an die Spitze. Felix hatte in seinem Wiesbaden-Bericht geschrieben, hier entstehe „einer der besten Chardonnay-Erzeuger Deutschlands“; Solche Sätze hören Winzer gern – aber es sei auch Aufgabe eines Kritikers, sich mal weiter aus dem Fenster zu lehnen. Blankenhorn machte daraus eine Insta-Kachel und lud ihn als „Collab-Partner“ ein. Das ist eigentlich nicht okay.

• Bischel: als Vierter etwas untergegangen, im großen Feld aber sehr stark (Vorjahressieger).

• Kopp: in beiden Kategorien mit beiden Weinen stark, klarer eigener Stil (Felix hält sich als Juror zurück, wenn er einen Erzeuger zu erkennen glaubt). War im Podcast mit Pinot stark; der erste Chardonnay segelte zu „hart am Wind“ (sehr früher Lesezeitpunkt), inzwischen nachjustiert – „Könige des Grenzwertigen“ im positiven Sinne.

• Philipp Kuhn: kleiner Chardonnay für 19 Euro mit steiniger Phenolik – wichtig, dass die Jury auch kantige Weine schätzt, nicht nur „Schmelz und Schmackofatz“.

Der Sieger: von Winning ( – )

Sascha wollte 100 Punkte geben und hat hart dafür gekämpft; der Wein spiele stilistisch bei den ganz großen Burgundern mit. Es waren zwei Weine, die gewannen: der Haardter Herzog und der Haardter Herrenletten, mit 95 Punkten (Großes Gold). Prägend ist ein dunkelwürziges Holz – fast wie geröstete Kastanie –, ein „Wohlfühleffekt“, der nach hinten aber nicht bloß mellow und karamellig bleibt, sondern Anspruch und Lagerpotenzial zeigt. Das wird nicht jedem gefallen (rauchig, „dickes Ding“).

Bandbreite der Jury & weitere Preisträger ( – )

Als Kontrast steckt im Sechserpaket ein Wein von Aldinger (Hanweiler Maien) – Feuerstein, zitrisch, kreidig, viel feiner Gerbstoff, also das komplette Gegenteil. Genau diese Bandbreite lobt Felix an der (weitgehend gleich gebliebenen) Jury: keine Vorlieben, jeder Stil wird offen aufgenommen. Kniffliger wird es beim Schlossberg von J. Neus, der in der Nase leicht reduktiv „stinkt“ – der Jury kein Problem, einzelnen Hörern vielleicht schon. Grundtenor: Alles ist „purer Gechmack“, man urteile aber sehr offen und vorurteilsfrei. In Kategorie 2 außerdem Leon Gold (lange gute Sachen, unterm Radar, weil …

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