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Shownotes
Der Titel ist unvollständig. Eigentlich müsste er lauten: Bericht von einem, der auszog, den Bordeaux-Primeur-Zirkus zu erkunden (und jede Menge Tipps für die 25er Kampagne mitgebracht hat) und die ultimative Antwort auf die ewige Verschlussfrage. Kein Wunder, dass das die längste Blindflugfolge aller Zeiten ist.
Eines vorweg: im zweiten Teil hat Ollies Mikro den Saft verloren, aber das nur als Erklärung für den andersartigen Sound, denn eine Entschuldigung ist nicht nötig. Alles ist ohne Probleme verständlich.
Ollie is back und viele von Euch haben sich gewünscht, er möge sich mal vollumfänglich zu Bordeaux auskeksen. You want it, you get it. Also muss Felix den Wissenschaftler geben. Es stecken mehr als 30 Stunden Literaturarbeit in seinem Beitragt zu dieser Folge. Wer sich drüber freut, sollte vielleicht eine Steady-Mitgliedschaft in Betracht ziehen. (steady.page/de/schnutentunker/about)
Kork oder Schrauber ist ein Thema, zu dem jeder eine Meinung hat, viele Weinfans berufen sich dabei auf Fakten, die keine sind. Hier kriegt ihr es jetzt also einmal in aller Ausführlichkeit von einem, der keine Meinung dazu hat, weil er sie vor der Arbeit an der Garderobe abgegeben hat. Seine Schlussfolgerungen? Sind nur zwei Stunden entfernt. Viel Spaß beim Deep Dive.
Warmer Silvaner – was würde Willi dazu sagen?
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Ollie hat einen Silvaner im Gepäck. Pferd Willi 2023 von Dr. Heger. Felix ist bei Rotwein, weil er die ganze Zeit der Bordeaux-Geschichte lauscht und weil der Wein transportbedingt sehr warm ins Glas kommt. Er schmeckt nach Holz und Zigarrenkiste und daneben bietet er eher wenig. Auflösung: Neues Holzn hat der Wein nicht, ist aber recht lang auf der Hefe ausgebaut. Über die nächsten zwei Tage weiß der bei passender Temperatur durchaus zu gefallen. So ist es aber eher ein klassischer Fehlschlag.
Montrose 2001 – zweiter Versuch nach 12 Jahren
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Felix bringt Montrose 2001 aus Bordeaux ins Glas, einen Wein, den er Ollie vor mehr als zehn Jahren schon einmal eingeschenkt hat. Damals hat Ollie sich beschwert, der Wein sei zu jung. Nun also der nächste Versuch und es ist die richtige Zeit. Ollie ist glücklich, Felix sowieso. Das ist kein großer Montrose, aber es ist ein wunderbar gereifter, druckvoller Bordeaux aus einer Zeit, als das noch mit 12,5 Prozent Alkohol ging. Tempi passati.
Viel Spaß bei einer neuen Episode unseres Podcasts.
Hier geht es zur Episodenübersicht. (schnutentunker.de/blindflug)
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Blindflug – Folge 191
Zusammenfassung mit Ollie: Bordeaux-Jahrgang 2025 (En primeur) & Kork vs. Schraubverschluss
Begrüßung & Wein 1 wird eingeschenkt ( – )
Ollie ist zu Gast; aufgenommen am 19. Juli in der Sommerpause. Ohne Würfeln schenkt Ollie zuerst ein und gibt den Wein für die Zuhörer preis: ein Drei-Sterne-Silvaner „Pferd Willi“ 2023 vom Weingut Dr. Heger (Baden, Kaiserstuhl) – eigens gewählt, weil Felix bekennender Silvaner-Fan ist.
Warum Ollie bei der En-primeur-Verkostung war & erste Jahrgangsthese ( – )
Hörer hatten sich „mal was zu Bordeaux von Ollie“ gewünscht. Und Ollie muss was loswerden: Aufhänger war eine frühere Folge mit Flo, in der ein Video von Konstantin Baum MW erwähnt wurde (2025 sei gar kein so großer Jahrgang) – und dass Flo diese Einschätzung „ehrlich“ nannte. Ollie fand genau diese Reflexhaltung interessant: „nicht so gut wie alle sagen“ gilt automatisch als ehrlich. Er war selbst im April zwei Wochen bei der En-primeur-Verkostung in Bordeaux und berichtet, vor Ort seien sich alle einig gewesen, dass es kein großer Jahrgang sei. Dagegen stünden Händler-Hypes: Lobenberg (Bremen) pries ihn euphorisch als „wie 2022, nur besser“; Extraprima (Mannheim) postulierte eine „Badewanne“ (Spitze okay, Mittelklasse erschreckend schwach, unten wieder gut). Ollies eigene Sicht: 2025 ist ein sehr schwieriger, aber bei den Gelungenen hochinteressanter Jahrgang – mit extrem steilem Gefälle nach unten; die kleinen Weine „fallen von der Klippe“.
Zugang, Ablauf und Atmosphäre der Primeurwoche ( – )
Ollie kam über eine Cousine (Handel in Bordeaux) und den Négociant-Betrieb auf die Listen; alles selbst bezahlt und organisiert, im Bus von Château zu Château, kein Eintritt, überall frisch geöffnete Flaschen. Zehntausende durchlaufen die Woche; die Teams „gehen am Stock“ (Dauer-Galas, immer dieselben Fragen). Kontrast zu Burgund (Winzer mit Pferdemist am Stiefel) vs. Bordeaux (Anzug, Krawatte, „Versicherung/Banken/Corporate“, 200.000 statt 200 Flaschen) – aber die Leute brennen für ihren Job, hinter dem Marketing kommt echte Leidenschaft zum Vorschein.
Was 2025 so interessant macht: stilistische Trennschärfe ( – )
Ollies zentrale Beobachtung: Der Jahrgang arbeitet die stilistischen Unterschiede zwischen den Châteaux (die sich selbst als „Marken“ verstehen) so sauber heraus wie nie. Calon-Ségur schmeckt wieder voll nach Calon-Ségur (nach einer Findungsphase mit ~15 % Alkohol nach dem Tod von Madame Gasqueton ist man zum klassischen Stil zurückgekehrt). Montrose ist für Ollie „ein Premier Grand Cru für ein Sechstel des Preises“, stilistisch fast schon zwischen Pauillac und Saint-Julien angesiedelt (das Gut füllt nur noch „Terrasse 4″, Calon-Ségur „Terrasse 3″ – daraus ergeben sich die Differenzen). Ollie ist bekennender Cabernet-/Bordeaux-Trinker und hat „hedonistisch“ entlang seiner Vorlieben verkostet – merlotlastige Weine teils hart abgestraft; seine Urteile also „mit einem großen Block Salz“ zu nehmen.
Kommunale Unterschiede, Markenstile & der „Wein ohne Feinde“ ( – )
Die kommunalen Unterschiede (Saint-Estèphe kühler, mehr Lehm → mehr Merlot) seien heute geringer als die Unterschiede zwischen den Châteaux; entscheidend ist die aus dem Terroir folgende Rebsortenzusammensetzung plus die jeweilige Vision. Léoville Las Cases zieht seinen muskulösen Stil (viel Holz, braucht Jahre) gnadenlos durch – wer ihn mag, wird glücklich, Ollie selbst ist kein Fan. Den „Wein ohne Feinde“ sieht Ollie eher in Pichon Comtesse (Roederer-Haus): extrem mehrheitsfähig, verführerisch, Top-Niveau. Muskulöse Linie: Léoville Las Cases, Lynch-Bages, am rechten Ufer Pavie (2025 sehr gut, nicht mehr Parker-Karikatur).
Die äußeren Bedingungen 2025: ein Glücksfall ( – )
2025 nur zu verstehen über 2024: kühle, nasse Blüte 2024 → die Rebe setzt 2025 weniger Frucht an. Dann Trockenheit von Anfang April bis Ende August; früh einsetzender Wasserstress auf kiesigen Terroirs stoppte den Stoffwechsel genau während des Beerenwachstums → sehr kleine, saftarme Beeren, extrem niedrige Erträge. Dilemma: mit 14 % lesen (unreif) oder bis 17 % warten. Reines Glück: zwei kräftige Regengüsse (50–60 mm) Ende August/Anfang September verdünnten perfekt reife Trauben auf 13–13,5 % (links, rechts meist deutlich unter 14,5 %), ohne Fäulnis. Problem: das verlangt parzellengenaue Lese morgens um neun – wer Personal, Material und Organisation nicht hat, wird „unreif oder überreif“. Terroirs mit unterirdischer Wasserversorgung hatten kein Problem; Lafleur (Kies, rechtes Ufer) musste bewässern, um die Reben zu retten, Cheval Blanc schnitt von fünf Trauben vier weg.
Spreu und Weizen: die Krise der kleinen Châteaux ( – )
Hier trennt sich alles: Die großen (und mit großen Gütern assoziierten) Châteaux – etwa Léoville Barton mit Mauvesin Barton in Moulis – hatten Know-how und Mannschaft und holten pikfein reife, gesunde Trauben; die kleinen, unabhängigen …