Blindflug – Wein-Podcast· Folge 193

Blindflug 193: Unterwegs an der Loire

Donnerstag, 29. Oktober 2026

MP3

Shownotes

Ein ausführlicher Reisebericht und Grundsätzliches zum Thema Wein und Speisen – ergibt wieder etwas Überlänge, aber die Zeit nutzen wir, um uns gründlich an extrem leckeren Weinen zu laben.

Und vorab wichtig wichtig wichtig: Das Verkostungspaket für unsere spektakuläre gemeinsame Verkostung am 3. Dezember könnt Ihr hier erwerben (vipino-wein.de/felix-bodmann-verkostungspaket/…). Wir freuen uns auf einen großartigen gemeinsamen Weinbash.

Felix war an der Loire und muss ein bisschen schwärmen. Denn die Loire hat einen ähnlich hohen Nerdfaktor wie die Pfalz oder Baden: viele Terroirs, viele Kleinklimata, reichlich Rebsorten und in der Breite ein extrem gutes Preis-Genuss-Verhältnis (weil die französischen Namen in der Tonspur so schwer zu fassen sind hier der Hinweis, unten in der Zusammenfassung findet Ihr sie ausgeschrieben). Flo hat sich derweil mal strukturiert mit dem Thema Wein und Speisen beschäftigt und nebenbei die KI befragt.

Sozial und genial = Paradis!

Die Vignobles du Paradis sind ein Inklusionsweingut. Im Keller steht ein Spitzenmann und so entstehen dort Spitzenweine zum kleinen Preis mit gutem Zweck. Flos ist genau so glücklich wie Felix mit dem 21er Chinon ‚Clos Lysardiére‘, einem Chenin Blanc mit feinstem Holz und großartigem Schmelz. Der ist ein grandioser Essensbegleiter, doch man kann ihn auch hemmungslos solo naschen.

Gimmeldinger Biengarten als Pinot

i0.wp.com/www.schnutentunker.de/wp-content/upl…

Flo hat Pfälzer Pinot im Gepäck. Der 23er Gimmeldinger Biengarten Spätburgunder vom Weingut Estelmann fasziniert mit extrem lebendigen Frucht-Säure-Spiel und wird ebenfalls gerne nachgeschenkt. Das ist mit gerade mal 20 Euro auch ein Fall für die PGV-Watchlist!

Viel Spaß bei einer neuen Episode unseres Podcasts.

Hier geht es zur Episodenübersicht. (schnutentunker.de/blindflug)

Wenn Du diesen Podcast und Felix‘ weitere Arbeit unterstützen willst, werde Mitglied der Community bei Steady (steadyhq.com/de/schnutentunker/about).

Blindflug gibt es auch auf Spotify…

‚Alexa, spiele Blindflug Weinpodcast‘ und ihr hört uns über Amazon.

Und natürlich gibt es uns auch auf YouTube. (youtube.com/channel/UCDhDQrzozfLSQ6YwBMAiW-Q)

Blindflug – Folge 193: Unterwegs an der Loire

Zusammenfassung (Felix & Flo). Weine: Vignobles du Paradis „Clos Lysardière“ Chinon blanc 2021 (14,80 €) und Estelmann Gimmeldinger Bienengarten Spätburgunder 2023 (20 €). Zeitangaben sind ungefähre Startpunkte.

Begrüßung & Wein 1 wird eingeschenkt ( – )

Diesmal ist Flo an der Loire zu Gast. Kalter Einstieg mit dem Loire-Frühstück („an der Loire lebt zufällig der mehrfache Weltmeister im Marmeladenkochen“). Flo ist nach einer Erkrankung wieder genesen, hat aber das Champagner-Pop-up verpasst, auf das er sich gefreut hatte. Felix erinnert an die VIPino-Live-Verkostung am 3. Dezember (Paket noch erhältlich). Wein 1 wird blind eingeschenkt: ein weißer Chinon 2021 von einem Sozial-/Inklusionsprojekt – „wieso, weshalb, warum“ erklärt Felix später.

Exkurs „Was ist ein Anbaugebiet?“ ( – )

Felix entfaltet eine humorvolle Typologie der Weintrinker-Kenntnis: Die Hälfte wisse gar nicht, was ein Anbaugebiet ist (manche hielten „Baden“ für ein Absender-Logo à la Mineralwasser); weitere Stufen verwechselten Region und Appellation. Wirklich präzise wüssten es nur die paar Hundert Menschen weltweit, die sich auf die Master-Sommelier-Prüfung vorbereiten – ganz genau wisse es niemand, zumal vieles gar nicht sauber gesetzlich definiert sei. Die Loire sei streng genommen zwei Regionen: der untere Bereich (Nantais/Touraine, über Interloire organisiert) und – nach einer reblosen Lücke – der zentrale Bereich um Sancerre und Pouilly-Fumé mit eigenem Verband. Kriterien für die „Güte“ eines Gebiets: die Spitzenqualität (Welt-Kanon?), die Verlässlichkeit nach unten (ein Chianti sei immer mindestens trinkbar, Apulien eher nicht), die Durchdringbarkeit (das „Portugal-Problem“: scheinbar knackiger Touriga Nacional, der am Ende nach Merlot schmeckt) – und, nur für Nerds, „Wie intensiv kann ich abnerden?“. In Ribera del Duero oder Priorat gehe das kaum (überall derselbe Boden), in Deutschland und an der Loire enorm, weil die Loire geologisch extrem vielfältig ist: Ausläufer des Pariser Beckens mit echter Kreide, die bretonische Platte mit Schiefer, jüngere Sedimente vom Atlantik, ein vulkanischer Einschub aus dem Süden und darüber eiszeitlicher Feuerstein.

Loire als Reiseregion & Landschaft ( – )

Felix wirbt offen für die Loire als Reiseziel, warnt aber: Landschaftlich sei vieles langweilig (nach dem Elsass „tausend Kilometer norddeutsche Tiefebene“ mit Mais- und Sonnenblumenfeldern), das Flusstal nicht so pittoresk wie Mosel oder Mittelrhein. Dafür entschädigten die Kalkstein-Schlösser (aus lokalem Tuffeau) und die Troglodyten-Höhlen: Häuser mit nur einer Fassade, deren Räume in den Fels gehen, dazu Troglodyten-Hotels mit ganzjährig 14–16 °C (ein Produzent hat fünf Kilometer Stollen). Der Fluss führt im Sommer kaum Wasser, fließt aber reißend, entwässert ein Viertel Frankreichs und wird nach Regen rasch zu einem der gefährlichsten Flüsse überhaupt – Baden ist großflächig verboten. Start der Tour in Tours, dann flussabwärts.

Winzerbesuche, Villandry & das Klosterhotel ( – )

Praktischer Reisetipp: Die Winzer kommen meist zu dir, und das Preis-Leistungs-Verhältnis der Gastronomie sei hervorragend (Drei-Gang-Menü für 39 €). Besichtigt wurde das Château de Villandry mit seinen Renaissancegärten (von einem Pharmaforscher-Ehepaar in den 1930ern aus alten Zeichnungen rekonstruiert). Übernachtet wurde in L’Ermitage auf dem Gelände der Abtei Fontevraud, einer der größten Klosteranlagen Europas (gegründet 1101): Das Männerkloster fiel der Revolution zum Opfer, die drei Frauenklöster blieben; Napoleon machte bis 1965 ein Gefängnis daraus, was die Bausubstanz gut erhielt. Grablege der Plantagenets, u. a. Richard Löwenherz und Eleonore von Aquitanien; englische Royals besuchen die Anlage regelmäßig.

Die Loire als Weinregion ( – )

Kernthese: Weil nur sechs, sieben Loire-Erzeuger zur internationalen Spitzenklasse zählen (etwa Nicolas Joly in Savennières) und viele Appellationen „von dem bedient“ werden, seien die Weine häufig schlicht zu günstig – was viele Trinker paradoxerweise davon abhält, sich intensiver damit zu beschäftigen. Vouvray demi-sec etwa halte 100 Jahre; es gebe viele tolle Natural-Geschichten, aber das sei stark erzeugergetrieben.

Besuch 1 – Domaine des Bessons (Touraine-Amboise) ( – )

Die Appellation Touraine-Amboise löst sich gerade von Touraine ab (16 Erzeuger, ~90 Hektar) und wird noch weiter unterteilt. Bei Domaine des Bessons (Cangey) wurden Weine mehrerer Winzer gezeigt; einer war „um Längen besser als alles andere“ – von Domaine Bonnigal-Bodet, dessen deutscher Distributor Sebastian ist und der schon im Interloire-Verkostungspaket der Webschule steckte. Daraus Felix‘ These: Zu oft werde vergessen, dass es Regionen gibt, in denen der Spaß schon bei 14 € losgeht – und dass ein Wein über 20 € oft gar nicht mehr so viel mehr biete.

Côt, Caves Ambacia & eine Bibliothek bis 1879 ( – )

Hier ist der Chenin knochentrocken; eine neue, reinsortige Côt/Malbec-Appellation entsteht (mit wurzelechten Reben, während man den Malbec im Süden aus Argentinien zurückholen musste). Besuch bei Caves Ambacia (Amboise) in einer Troglodyten-Höhle: kein klassisches Weingut, sondern ein 2017 gegründetes Projekt mit neun Vertragswinzern, die ganze Plots exklusiv liefern; die Weine reifen und füllen vor Ort. Spannend: Die Vorbesitzer verkaufen eine riesige alte Bibliothek, deren Weine bis 1879 zurückreichen und frisch aufgefüllt werden – darunter ein 1951er demi-sec (74 Jahre) für rund 6.900 €.

Chenin demi-sec & Domaine Champalou ( – )

Chenin demi-sec sei stark unterschätzt (bis acht Gramm Restzucker darf „trocken“ …

0:00 / 0:00