
Buchgefühl - Lesung und Gespräch
Radka Denemarková : Schokoladenblut
Donnerstag, 1. Oktober 2026 · 56 min
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Shownotes
Lesung und Gespräch. Eine wilde Eisenbahnreise durch das 19. Jahrhundert. Im Abteil: die Schriftstellerinnen Božena Nemcová und George Sand und der Oberkapitalist John D. Rockefeller. Historische Langeweile? Nein, hochaktuell!
Schokoladenblut ist eine besondere Flüssigkeit. Sie kann das Blut in unseren Adern sein. Ebenso das Erdöl, Grundlage der globalen kapitalistischen Revolution. Und die Tinte, mit der etwa die tschechische Schriftstellerin Božena Němcová im 19. Jahrhundert Märchen und einen Roman schreibt. „Sie wurde erst von den tschechischen Nationalisten ausgenutzt – und später dann von den Kommunisten“, sagt Radka Denemarková über ihre historische Kollegin, eine der Hauptfiguren im Roman „Schokoladenblut“. Dabei wollte Božena Němcová vom Schreiben leben, frei und unabhängig sein. „Sie hatte nur das Pech, im falschen Körper – im Körper einer Frau im 19. Jahrhundert – geboren zu werden“.
Radka Denemarková, Jahrgang 1969, hat sich intensiv mit der Biografie der Schriftstellerin beschäftigt. Und schickt sie mit der zuckelnden Eisenbahn durch die Zeit, zusammen mit der kompromisslosen George Sand, dem unerbittlichen John D. Rockefeller und vielen anderen. „Es sind die Anfänge unserer Gegenwart“, erinnert Radka Denemarková im Buchgefühl-Gespräch beim 46. Erlanger Poet*innenfest. Und sie verrät, mit welchem Material sie selbst schreibt. Spoiler: Schokoladenblut ist es nicht.
Gast: Radka Denemarková, Schriftstellerin aus Prag. Sie schreibt besondere Romane über Geschichte und über Gegenwart, immer auch die Frage der Freiheit im Blick. Besonders sind ihre Bücher stets auch im formalen Sinn. Immer neu und unkonventionell. Zum Beispiel als lange Eisenbahnreise. Auf der diesjährigen Frankfurter Buchmesse mit dem Gastland Tschechien hält sie die Eröffnungsrede.
Host: Niels Beintker. Lernte Radka Denemarková vor vielen Jahren bei einer Lesung in der Oberpfalz kennen und ist dankbar für viele Begegnungen und Gespräche seitdem, immer wieder auch über die friedlichen Revolutionen 1989 in Ost- und Mitteleuropa. Und empfindet es als große Ehre, dass die Schriftstellerin eigens fürs Buchgefühl zum schönen Erlanger Poet*innenfest gekommen ist. Übrigens mit pünktlichen Zügen.
Sprecherin: Katja Amberger, Schauspielerin aus München. Für ihre Lesung aus dem Roman „Schokoladenblut“ (in der Regie von Irene Schuck) bekam sie – auf der Bühne – eine sehr persönliche Würdigung von Radka Denemarková. Und viel Applaus vom Publikum.
Buch: Radka Denemarková, Schokoladenblut. Aus dem Tschechischen von Eva Profousová, Hoffmann und Campe.
Hörtipp: Ein Gast wie Radka Denemarková konnte das Publikum auf dem Erlanger Poet*innenfest auch auf Klassiker neugierig machen, zum Beispiel auf die Romane von George Sand. Bei „KULT!“ gibt’s viele Lesungen aus der Weltliteratur als Hörbuch, vorgetragen von herausragenden Interpretinnen und Interpreten. 1.ard.de/kult-lesungen