Buchgefühl - Lesung und Gespräch

Wolf Biermann: Mit uralten Kinderaugen

Dienstag, 6. Oktober 2026 · 1 h 12

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Shownotes

Lesung und Gespräch. "Ich bin ein Glückskind", sagt Wolf Biermann. Und blickt in neuen Gedichten und Liedern zurück auf sein Leben. Ebenso kommentiert er die heutigen Angriffe auf die Freiheit. "Damit ich nicht verrückt werde!"
„Ich lebte mein Leben nie dumpf dahin“, heißt es in Wolf Biermanns Gedicht „Mit Kinderaugen, uralten“. Ein kleiner Blick auf seine bewegte Biografie kann zeigen: wie wahr! Und: Wolf Biermann bewies immer wieder großen Mut. Und das, obwohl er eigentlich ein furchtsamer Mensch gewesen sei, wie der Dichter und Liedermacher im Interview über sein neues Buch „Mit uralten Kinderaugen“ erzählt. „Ich war das Gegenteil von dem tollen Kerl, der der Welt mit dem Arsch ins Gesicht springt.“ Wenn so einer es aber schaffe, ein paar tapfere Gedichte und Lieder zu schreiben, dann sei die Welt zu ertragen. Für ihn jedenfalls ist es so.

Begleitet von eigenen Lesungen der Gedichte (vom Hörbuch „Mit uralten Kinderaugen, erschienen im Hör-Verlag) berichtet Wolf Biermann unter anderem über die lebenslange Beschäftigung mit Heinrich Heine und mit Bertolt Brecht. Er erzählt vom in Auschwitz ermordeten Vater Dagobert und lässt seine Oma Meume zu Wort kommen. Und er erinnert an seine Begegnung mit Manès Sperber in Paris, der ihn – „mit schonender Härte“ – zum Bruch mit dem Kommunismus bewegte. „Allein dafür hat sich die Ausbürgerung aus der DDR gelohnt!“ Und auch deshalb sei er ein Glückskind. „Mazeltov – viel Glück – habe ich gehabt. Immer wieder!“

Gast: Wolf Biermann, Liedermacher, Dichter, in der DDR Drachentöter mit der Gitarre. Geboren am 15. November 1936, 40 Jahre und einen Tag später aufgrund seiner mutigen Lieder ausgebürgert aus der DDR. Zum 90. Geburtstag und zum Jahrestag der Ausbürgerung erscheinen neben den Gedichten ein großer Band mit Tagebüchern Wolf Biermanns aus der DDR und das Kinderbuch „Der kleine Herr Moritz“. Ebenso gibt es ein neues Album mit bekannten und eines mit neuen Liedern, den Dokumentarfilm „Biermann“ (Regie: Jens Meurer) und einen biographischen Comic von Julian Voloj. Außerdem spielt Wolf Biermann im Oktober und November einige große Konzerte.

Host: Niels Beintker, begegnete als Jugendlicher Wolf Biermanns Texten in der Jungen Gemeinde in Halle/Saale, im weltverändernden Herbst 1989. Und erinnert sich an einen besonderen Fernsehmoment zu Hause: Wolf Biermanns Konzert erstes Konzert nach der Ausbürgerung in der DDR, am 1. Dezember 1989 in Leipzig. Schwarz-Weiß und mono, aber so einprägsam.

Bücher: Wolf Biermann, Mit uralten Kinderaugen. Gedichte 2006-2026, Penguin (und als Hörbuch – gelesen von Wolf Biermann – im Hör-Verlag). Wolf Biermann: „Ihr löscht das Feuer mit Benzin“. Tagebücher über Verbot, Ausbürgerung und Mauerfall. Hg. von Ilko-Sascha Kowalczuck. Unter Mitarbeit von Arno Polzin und Maximilian Arndt, Penguin.

Hörtipp: Wolf Biermanns Lebensgeschichte ist – nicht allein, aber doch auch – elementar verbunden mit der Geschichte der DDR. In der neuen Staffel von „Die Entscheidung“ erzählt BR-Journalistin Melanie Müller die Geschichte ihres Vaters, der als Jugendlicher im Land liebend gerne Westmusik hört und sich schwertut mit den staatlichen Regeln. Nach einem Vorfall im Freibad wird aus einem scheinbar kleinen Augenblick ein Wendepunkt. Er landet als politischer Gefangener im Gefängnis, versucht zweimal zu fliehen und steht immer wieder vor derselben Frage: anpassen oder gehen?

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