
KI-Strom: Tech-Konzerne reißen sich um Gasturbinen, Brennstoffzellen und Erneuerbare | Patrick Vogel (TBF Asset Management)
Sonntag, 25. Oktober 2026 · 27 min
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Shownotes
KI boomt, der Strombedarf explodiert. Tech-Konzerne bauen in den USA Rechenzentren, die so viel Energie benötigen wie eine mittelgroße Stadt. Betroffene Gemeinden schütten sie mit Geld zu. Außerdem bezahlen sie Transformatoren, Stromtrassen und Kraftwerke, wie Portfoliomanager Patrick Vogel im Podcast erklärt. "Die Amerikaner sind tendenziell eher pragmatisch. Die gleichen zusätzliche CO2-Emissionen durch Gasturbinen lieber aus, indem sie anderswo einen Solar- oder Windpark bauen."
Doch auf Gasturbinen warten die Konzerne inzwischen Jahre. Neue Atomkraftwerke sind noch später fertig. "Das würden viele gerne machen, aber dann haben sie frühestens 2035 Strom", sagt Vogel. "So lange will niemand warten."
Das Ergebnis? Trotz aller Vorbehalte von Präsident Donald Trump melden auch Windradhersteller ein boomendes US-Geschäft.
Windturbinen allein können den Strombedarf der Rechenzentren allein aber genauso wenig decken wie Solarparks in Kombination mit Battereichspeichern: "Die Betreiber der Rechenzentren in den Verträgen zusagen, dass die Rechenzentren 99,999 Prozent der Zeit verfügbar sind."
Gast: Patrick Vogel (linkedin.com/in/patrick-vogel-80271537/?isSelf…), Leiter strategisches Asset Management und Senior Portfoliomanager TBF Asset Management
Moderation: Clara Pfeffer (n-tv.de/incoming/Clara-Pfeffer-article22772720…) und Christian Herrmann (n-tv.de/autoren/Christian-Herrmann-article2158…)
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Hallo miteinander, ich bin's, Christian Herrmann. Herzlich willkommen zurück im Klimalabor von NTV, der Podcast, in dem Klara Pfeffer und ich jede Woche untersuchen, was wirklich gegen den Klimawandel hilft, ob Klimaschutz und Energiewende auch ohne Jobabbau und wütende Bevölkerung funktionieren, und wie wir Deutschland und Europa fit machen für die kommenden 100 Jahre.
Diese Folge, die entsteht gerade beim TBF Investor Day in Bad Homburg. TBF ist ein globaler Asset Manager, also ein Unternehmen, das Vermögen von Kunden verwaltet, in Aktien und andere Dinge investiert. TBF hat mich nach Bad Homburg eingeladen, damit ich hier Interviews führen kann fürs Klimalabor. Unter anderem mit Patrick Vogel, dem Leiter strategisches Asset Management und Senior Portfolio Manager von TBF.
Und wir sprechen jetzt über Rechenzentren. Hallo und herzlich willkommen im Klimalabor, Patrick. Vielen Dank für die Einladung. Hallo, herzlich willkommen hier in Bad Homburg. Schön, dass du da bist. Bevor es losgeht, wie immer der Hinweis, wenn ihr Fragen und Anregungen habt, dann schreibt Clara und mir eine E-Mail at klimalabor.ntv.de.
Und wenn ihr uns unterstützen möchtet, freuen wir uns immer über eine Bewertung des Podcasts bei Apple Podcasts oder Spotify. Dankeschön. Patrick, eine Frage, die bei Rechenzentren immer wieder für Ärger sorgt, ist der Strompreis, den die Leute, die im Umfeld des Rechenzentrums zahlen müssen, später zahlen sollen.
Speziell in den USA war das Thema akut. Ist das nach wie vor so? Hat das Bestand oder hat man dafür inzwischen eine Lösung gefunden? Erstmal muss man schon sagen, das ist natürlich abschreckend. Wir kennen das deutsche Prinzip, wenn Investitionen in das Netz erfolgen, in die Energieinfrastruktur, dann wird das umgelegt auf die Allgemeinheit.
Und dadurch erstehen dann natürlich höhere Stromkosten für den normalen Kunden. Also wenn irgendwo ein Rechenzentrum hinkommt, dann mag man das in der Regel erstmal nicht, weil man selber dann natürlich da irgendwie für die ganzen Transformatoren irgendwie mitzahlen muss. Jetzt ist die USA da so ein bisschen anders als Deutschland oder als Europa.
Aber in den USA, da mögen die das nicht, dass die Strompreise irgendwie um mehr als 10 Prozent ansteigen. Die sind deutlich angestiegen in den letzten ein, zwei Jahren teilweise. Ja gut, aber ich sage mal so, in Deutschland, wir kennen die Strompreise ja, seit der Ukraine-Krise. Das ist mal ein ganzer Naum.
Aber lustigerweise, zuletzt war die Entwicklung genau umgekehrt. In den USA steigen sie in Deutschland, fallen sie ein wenig. Man muss ein bisschen gucken in den USA. das ist leider ein ziemlich großes Land und das ist ganz unterschiedlich. Je nach Lokalität da drin kann es auch eine andere Richtung gehen.
Also da, wo jetzt zum Beispiel mehr erstmal an rechten Zentren entstanden sind, da steigen die eher. Es gibt ja auch Regionen, da kommen nicht so viele hin. Da mag sich das dann anders entbekommen. Nichtsdestotrotz ist die USA jetzt dagegen vorgegangen und hat gesagt, okay, so kann es halt nicht weiterlaufen.
Dementsprechend geht man hin und sagt, naja, Wenn du jetzt irgendwo ein Rechenzentrum planst, dann musst du versuchen, die Kommune auch mehr abzuholen. Das heißt, du musst hingehen und musst denen erst mal klären, Ich komme mit auf für die Kosten, die hier entstehen. Das endet im Prinzip darin, dass so ein Mark Zuckerberg, der geht quasi hin und kauft dann selber erstmal die Strominfrastruktur dafür.
Der kauft nicht nur das Land, der kauft dann auch die Transformatoren, der kauft vielleicht auch die Erzeugungskapazitäten, sei das der Gasturbine, sei das ein Photovoltaikpark, ein Windpark, wie immer, das wird alles zusätzlich nochmal gekauft. Die Stromtrasse. Das ist das eine. Plus aber ehrlicherweise, und da sieht man auch schon, wie das dann auch dort läuft, es fließt auch dann Geld in soziale Projekte rein.
Man versucht sich die Liebe zu den Rechenzentren so ein bisschen zu erkaufen. Ja, so wie wir das auch aus Afrika kennen. Wenn da irgendwo Förderung reinfließt, dann bohrt man Brunnen, baut die Hohlen und so. Und so funktioniert das quasi auch in der entwickelten Welt. Und hat das funktioniert? Haben sich die Gemüter wieder beruhigt in den USA?
Naja, also man muss dazu sagen, ich glaube erstmal, wenn jetzt auf einmal Kant wird, auha, da gibt dann jemand den örtlichen Lehrern Geld, dann wird das natürlich schon mal positiv aufgenommen. Man hätte natürlich aber auch ganz gerne noch mehr. Aber man merkt schon, dass die, sag mal, in der Projektentwicklung brauchen die jetzt ein bisschen länger, die Unternehmen, um mal zu sagen, also für ganz neue Projekte, um mal zu sagen, okay, ich muss die Kommune nicht mehr abholen.
Nichtsdestotrotz kommt man dann aber voran. Also es ist ja auch so, dass hier in Deutschland, wir haben halt hier den Luxus noch. Ich komme ja aus der Nähe von Frankfurt. Hier in Hessen gab es zwei Gemeinden, die haben jetzt Rechenzentren abgelehnt. Kann ich auch machen. Wegen des Strompreises? Ja, wegen der Stimmung eigentlich hauptsächlich. Sofortschritt blockieren, nicht in meinem Vorgarten, das kennen wir noch das Prinzip, aber jetzt muss man auch ehrlich sein, das sind ja auch Gewerbesteuern, die da nicht anfangen.
Das muss man sich auch leisten können. Ja, so und das sehen wir aber in den USA, dass das eigentlich dann irgendwann schon zieht. Also wenn man sieht, dass dadurch die Schulen finanziert werden können, die Lehrer besseres Gehalt bekommen und so weiter. Wir hatten jetzt eine Region, da haben die Lehrer ihren Bonus versechsfacht.
Okay, das ist anständig. Du hattest Gasturbinen angesprochen. Wir haben uns ja schon mal unterhalten. Und zwar, ich habe nachgeschaut, April 2024 haben wir uns kennengelernt. Und damals hast du gesagt, das hat mich beim Rückblick wirklich überrascht. Und dann ist mir aber eingefallen, tatsächlich, Amazon, Facebook, Microsoft, die hatten sich ja alle mal selber Vorgaben gegeben, ihre CO2-Emissionen zu reduzieren.
Jetzt, das, was man hört, ist, da werden wahnsinnig viele Gasturbinen gekauft. Das ist ja das Gegenteil von CO2-Emissionen reduzieren. Haben sie die Ziele alle über Bord geworfen? Ne, ich sag mal, also die Amerikaner finanziell sind ja eher pragmatisch. Die versuchen da schon noch langfristig einzuhalten.
Aber man macht das in der Regel immer auch so, dass man sagt, man versucht es auszugleichen. Du kaufst dir quasi zum einen eine Gasturbine, zum anderen kannst du ja trotzdem irgendwo einen Windpark aufbauen, einen Solarpark aufbauen, dass das immer so eine Mischung ist. Und ehrlicherweise ist es ja auch schon so, dass wenn ich irgendwo einen Solarpark aufbaue, ich brauche ja irgendwo auf eine steuerbare Energiequelle daneben.
Also ganz so entkoppelt geht das nicht. Es ist aber auch der Unterschied natürlich so ein bisschen, dass wenn ich in den USA bin und ich baue jetzt ein richtig großes Rechenzentrum, das macht den Unterschied zu den Kleinen aus. Ein großes Rechenzentrum, das ist irgendwo um einen Gigawatt. Ein Gigawatt ist so eine mittelgroße Stadt Deutschlands. Das wäre auch Atomkraftwerk, glaube ich. Genau.
Dann brauche ich halt den Strom dafür. Um einen Gigawatt Strom zu erzeugen, dann brauche ich ziemlich viel Fläche an Photovoltaik. Und dann bin ich noch flexibel dahinter. Das heißt, ich bräuchte Batteriespeicher oder halt kleine steuerbare Gasturbinen und so weiter. Jetzt ist es in den USA aber so, dass ich ja viel an Gasvorkommen habe.
Gerade Texas in der Ecke gehen sehr viele Pipelines da durch. Das heißt, die haben natürlich ... Haben sie die Möglichkeit, darauf auszuweichen? Was manche jetzt auch machen, ist dann, dass sie hingehen und sagen, naja, okay, sie sehen dann ja auch den Widerstand. Das ist. In Memphis so, wo Elon Musk sein Datacenter betreibt, dass da die Bevölkerung auch sagt, man merkt das halt schon mit dem.
Der hat, glaube ich, mehr oder weniger illegal einfach kleine, ich weiß nicht, ob das in den USA illegal ist, aber der hat, glaube ich, einfach kleine Gasturbinen dahingestellt. Aber Dutzende, etliche davon. Ist das korrekt? Nein, der hat das ganz clever gemacht eigentlich. Das ist an der Landesgrenze. Auf der einen Landesgrenze steht das Gaskraftwerk, auf der anderen das Rechenzentrum.
Und das sind dann halt zwei Unterschiede. Und die Gaskraftwerke, die stehen nicht auf der Seite von Tennessee, ist, glaube ich, der Bundesstaat bei Memphis. Das ist dann okay. Man kann ihm nicht vorwerfen, dass er doof ist. Nee. Aber ist das eine Ausnahme oder machen das viele Unternehmen so, Also, dass sie, naja, auch so ein bisschen, schummeln bei den Erzeugungstechnologien?
Oder gehen die da ganz offen damit um, dass sie sagen, nee, tut uns leid, Leute, das geht hier einfach nicht ohne Gasturbinen und Gas als Stromquelle? Oder ich weiß nicht, wird sogar Kohle eventuell verwendet? Nein, Kohle in der Regel nicht. Also, das versteht eigentlich jeder, dass Kohle zu teuer ist. Weil damit würde man ja Donald Trump einen großen Gefallen tun. Der ist ja großer Fan von Kohle.
Das stimmt, will das jetzt auch verlängern. Also dementsprechend, man muss ja dazu sagen, wenn ich bestehende Kraftwerke habe und kann sie weiterlaufen lassen, ist das per se erstmal günstiger, sofort alles abzuschalten. Haben wir auch gelernt. Okay. Nichtsdestotrotz, also Schummeln würde ich jetzt nicht unbedingt behaupten. Die sind halt pragmatisch und sie brauchen halt schnell Energie.
Ja, also ich kann jetzt halt nicht darauf warten, dass ich dann irgendwie sage, vielleicht will ich jetzt saubere Energie machen. Ja, wir hatten ja immer die Debatte, warum machen die Amerikaner nicht Atomkraftwerke. Ja, klar können sie auch Atomkraftwerke bauen, dann bin ich irgendwie 2035 an. Wollen wir jetzt?
Darauf kann ich aber ja nicht warten, wenn ich ein Rechenzentrum baue, sondern brauche ich das relativ schnell. Es sind noch Brennstoffzellen, das ist halt ein bisschen teurer. Können dann auch Gas verwenden. Die machen praktisch das Gegenteil von Elektrolyse, die machen aus Gas Strom. Elektrolyse macht aus Strom Gas, Wasserstoff idealerweise.
Das ist aber teurer, aber es ist deutlich umweltfreundlicher als das reine Verbrennen von Gas. Dementsprechend versuchen die das auch anzuwenden, aber es ist halt immer, also Energie und Energiepolitik ist ja in der Regel immer eine Mischung aus etwas. Ich muss immer zusehen, was kann ich halt schnell machen, was kann ich dann hier ergänzen und so weiter. Ich immer so ein ganzes Portfolio aus Energiequellen habe.
Jetzt gab es ja zuletzt auch Berichte, weil du Elon Musk schon angesprochen hast. Elon Musk möchte jetzt helfen, den Herstellern von Gasturbinen, indem er mit SpaceX, glaube ich, beginnt, Lamellen herzustellen. Das ist anscheinend der komplizierteste Teil einer Gasturbine, weil es auch dort inzwischen Lieferschwierigkeiten gibt.
Ich glaube, das hat man eventuell auch schon mal gehört, die Preise für Gasturbinen sind durch den großen Bedarf auch an Gaskraftwerken weltweit enorm gestiegen. Es gibt, glaube ich, mit Siemens Energy, GE, Vanova, ich glaube, Hitachi stellt auch noch welche. Es gibt jetzt nicht so wahnsinnig viele Hersteller weltweit.
Also bei den großen Gasturbinen gibt es insgesamt drei Hersteller. Das ist, wie du gesagt hast, Siemens Energy, G. Vanova und Mitsubishi Heavy. Mitsubishi dann so. Die drei machen das und es gibt halt seit Jahren kein New Kids on the Block. Weil das ist wahnsinnig komplex und kompliziert. Das ist, glaube ich, so die komplizierteste Ingenieurstechnik. Ich empfehle, Berlin mal vorbeizugehen.
Da produziert Siemens Energy die Gasturbinen. Das sieht schon sehr beeindruckend aus. Und von der Technik her, das stimmt, es gibt diese Blades and Veins, heißt das auf Englisch, das sind diese Leiterschaufeln für die Gasturbinen. Das ist das, was man immer, wenn man am Flugzeug steht, was man sieht, so irgendwie diese kleinen. Im Prinzip schon, genau.
Ist ja ähnlich zu einer Flugzeugturbine, nur dass die Gasturbine halt stehen muss und mich nicht durch die Gegend fahren darf. So und diese Einzelteile, die brauche ich halt und das ist mit ein Engpass davon, ja und Elon Musk hat gesagt, er möchte das jetzt selber produzieren, das ist aber auch nicht ganz so einfach, ja, weil diese diese Schaufeln, die dann da.
Drin arbeiten, die sind halt extremen Temperaturen ausgesetzt, ja, das ist feinste Ingenieurskunst oder Materialkunst das herzustellen, ja, das können auf der Welt Es gibt in der Regel vier Hersteller, und Elon Musk versucht da jetzt als fünfter quasi reinzukommen. Und wirkt sich das inzwischen schon aus auf die Rechenzentren, die gerade gebaut werden, dass man dort dann auch wieder eine Veränderung sieht?
Du hast gerade gesagt Atomenergie würden viele gerne machen, aber das kommt erst in 10, 15 Jahren, wenn man neue bauen möchte, wenn das überhaupt so schnell geht. Dass man jetzt sagt, Mensch, die Gasturbinen sind auch keine Lösung mehr für uns, da müssen wir jetzt auch zehn Jahre warten, bis wir eine neue bekommen.
Dann probieren wir es eben doch mit Solarenergie und Batteriespeichern, weil die gibt es im Überfluss. Die Chinesen freuen sich, wenn sie die alle verkaufen dürfen. Und da siehst du mal, das ist das Pragmatische an den Amerikanern. Die gehen jetzt halt auch ran und sagen, okay, wenn ich jetzt ein Atomkraftwerk baue, dann weiß ich, dann bin ich irgendwann 2035 damit am Netz, dann kriege ich dann meinen Strom.
Es sei denn, ich kriege irgendwie ein gebrauchtes. Es wird wieder in Betrieb genommen, es wird ja auch dann gearbeitet. Aber davon gibt es auch nicht so viele. Also das ist ziemlich limitiert. Oder ich kaufe mir eine Gasturbine, eine große Gasturbine. Da warte ich aber jetzt aktuell bis 2030. Circa, bis ich die dann bekomme.
Ist jetzt auch nicht unbedingt die beste Lösung. Also dementsprechend, wenn es richtig schnell gehen muss, dann brauche ich andere Lösungen. Und dann bin ich halt tatsächlich bei Wind- und Solarenergie. Und das sehen wir schon in den USA. Gerade Onshore-Wind sehen wir immer wieder Orders. Und das ist das Interessante dahinter. Vestas beispielsweise oder die anderen da draußen, da gibt es ja auch nicht so viele.
Gamesa, Venova ist wieder dabei. Also wieder fast dieselben Siemens Energy mit Gamesa. Genau, ja. So, und die berichten immer wieder, die bringen dann so eine Art Hock-Meldung und sagen, alles klar, ich habe jetzt hier 100 Megawatt an Windturbinen verkauft in die USA. Ich darf auch nicht sagen, dann wen.
Weil da natürlich keiner Stress haben möchte und dann eine negative Presse haben möchte. Donald Trump, weil er anders als Kohle Windmühlen, sagt er immer so gerne, findet er ja fürchterlich hässlich. Ja, richtig. Aber es ist halt pragmatisch. Ich brauche halt schnell Energie. Und dementsprechend, die können ja alle rechnen.
Die sind ja nicht dumm, die ganzen Projektgesellschaften oder die Rechenzentrumsbetreiber rund um Mark Zuckerberg, Elon und so weiter. Die wissen ganz genau, was rechnet sich und was nicht und wie schnell kann ich was bekommen. Und dementsprechend kaufen die das dann. Und kann man, wenn das gar nicht so richtig offiziell bekannt gemacht wird, grob zumindest sagen, wie der Strommix jetzt nur für Rechenzentren aussieht?
Was faszinierend ist, ich glaube, das war Bloomberg, die haben gemeinsam mit der Internationalen Energieagentur den Stromzubau in den USA fürs erste Jahr ausgewertet und einmal fürs Jahr hochgerechnet. Das sind speziell, wenn man an Donald Trump denkt, immer erstaunliche Zahlen. Das waren 90% Erneuerbare, das waren 9% Gaskraftwerke und dann 1% Wasserkraft und Geothermie.
Kann man sagen, das sieht bei den Rechenzentren ähnlich aus? Weiß das irgendjemand? Wird das alles geheim gehalten? Ich glaube, man müsste dann deutlich mehr reingucken in die Berichte dazu von, ich sag mal, Meta schreibt ja zu was, Microsoft und so weiter und so fort. Ich glaube, was aber ein bisschen schwierig ist an dieser Rechnung und das beschäftigt uns auch halt schon seit Jahren.
Die meisten gehen da hin und sagen dann 90% wird jetzt Photovoltaik aufgebaut. Das ist dann aber die reine Gigawattzahl. Jetzt ist es aber so, ich selber habe auch ein Photovoltaik-Dach quasi zu Hause. Solaranlage. Wenn da jetzt irgendwie 10 Kilowatt draufsteht, heißt das ja nicht, dass ich jetzt jeden Tag 10 Kilowattstunden produzieren kann damit.
Sondern das ist erstmal einfach nur meine Zahl und das ist nicht mein Endergebnis. Für die Spitze. Genau, für die Spitze beziehungsweise überhaupt. Ich muss ja eigentlich meinen Tagesdurchschnitt hier kalkulieren, weil das Rechenzentrum läuft ja auch nicht nur im Sommer. Sondern ich muss eigentlich rechnen, okay, wie viel habe ich davon?
Und so gehen die Versorger dann auch vor. Die gehen halt hin und sagen, okay, ich gebe dir jetzt einen Abschlag dafür. Die geben auch einen Abschlag für Gaskraftwerke. Weil auch ein Gaskraftwerk muss ja immer mal in den Reparaturmodus rein. Wartungsservice. Genau, Wartungsservice. Das ist auch nicht zu 100 Prozent verfügbar.
Genau wie Atomkraft, das kennen wir auch aus Frankreich, ist ja auch nicht immer zu 100 Prozent da. Das heißt, das muss sich eigentlich gewichten. Und dann ist der Ausbau jetzt nicht zu 90 Prozent, der ist ein bisschen weniger dadurch, aber es ist trotzdem noch gewaltig. Und das ist, glaube ich, das, was man einfach sieht. Das ist ja tendenziell überall. Wenn eine Technologie wirtschaftlich ist, dann wird die nicht so einfach gestoppt.
Dann setzt sich das schon durch. Kann man denn grob sagen, es gibt ja wirklich, ich nenne sie jetzt mal Solaroptimisten, die sagen, wenn wir das einfach nur überbauen, also das ist ja das Problem, dass wenn da 10 Kilowatt draufsteht, ich erzeug nicht rund um die Uhr 10 Kilowatt. Wenn ich das aber überbaue, ich baue halt einfach zehnmal so viel, ergänze das mit einigen Batteriespeichern, dann kann ich in der Zeit, in der die Sonne scheint, so viel Strom speichern, dass ich damit über den ganzen Tag komme.
Kann man irgendwo daran ablesen, wie viel man mit Solar- und Batteriespeicher abdecken kann bei Rechenzentren? Gibt es dazu Kalkulationen? Schafft man damit 20 Stunden am Tag? Schafft man 10 Stunden am Tag? Es kommt ja immer darauf an, wo das dann liegt. Also viele der Linien sind in Arizona, in Texas. Da hat man sehr viel Sonne. Genau, da ist sehr viel Sonne.
Gerade Arizona, die bauen auch ziemlich große Solarparks dahin. Da funktioniert das. Das Problem ist so bei den Rechenzentren, die haben halt immer, die haben Verträge dann mit dem Cloud-Anbieter, also dem Unternehmen dahinter, was danach die künstliche Intelligenz irgendwie weiterverkauft und so. Und die haben halt dann einen Vertrag, dass dieses Rechenzentrum zu 99,999 Prozent verfügbar sein muss.
99,99 Prozent, okay. Und das ist… Also auch nach so einem Zwei dann, okay. Und das ist dann natürlich schwierig, ja, und dementsprechend gibt es dann da immer, die müssen das auch rechnerisch machen können, ja. Also das heißt, die brauchen so viel Speicher, dass das nicht halt nur über die Nacht geht, sondern auch für schattige Tage gilt und so weiter.
Und dementsprechend gehen die halt auch hin und machen sich immer diesen Mix. Beziehungsweise, was die halt auch am liebsten machen, und das ist halt das, was die meisten Leute denken immer, okay, für jetzt ein Rechenzentrum, dann bauen die da ihren eigenen Park hin und so weiter. Das nennt man auf Neudeutsch behind the meter. Also das ist hinter deren Stromzelle, machen die das alles selbst.
Aber de facto, ich meine, so ein Rechenzentrumsbetreiber ist halt auch kein Versorgungsunternehmen. Das wollen die eigentlich nicht. Deren Hauptgeschäftsfeld ist ja was ganz anderes. Also wollen die am liebsten eigentlich ans Stromnetz. Und wenn sie ans Stromnetz drangehen, dann haben sie, also nix ist eigentlich so gut wie das Stromnetz.
Und dann hat man aber wieder das ungekehrte Problem, dass man eventuell für steigende Strompreise sorgt. Das stimmt, das ist so. Und lass uns zum Ende noch einmal den Blick nach Deutschland werfen. Wir haben jetzt viel über die USA gesprochen, weil man den Eindruck hat, es wurde jetzt ein großes Projekt angekündigt bei Rostock von der Schwarzgruppe, also das ist glaube ich Lidl, das ist Kaufland.
Aber irgendetwas davon, was wir gerade besprochen haben, ist das Thema in Deutschland? Gibt es da Streit um Strompreise? Gibt es Streit um Stromquellen? Zumindest das nicht in meinem Vorgartenphänomen. Das haben wir ja als Deutsche erfunden. Das kennen wir ja aus der Windindustrie. Und das haben wir im Prinzip auch. Hier ist ein bisschen mehr die Angst dahinter nach, was bedeutet das für den Wasserverbrauch, was bedeutet das für den Stromverbrauch.
Für die Luftqualität. Weil viele der Rechenzentren haben ja so Schornsteine noch. Das heißt, das schreckt ja erst mal ab. Wofür sind die da? Die sind dafür da, dass wenn ich jetzt hier zum Beispiel einen Stromausfall habe und ich habe ja meinen Vertrag mit den 99,999 Prozent, dann muss ich quasi, dann habe ich da unten Dieselgenerator stehen, die quasi dann anspringen können, wie Notstromaggregate, die das Rechenzentrum dann quasi mit Strom versorgen können.
Jetzt muss man sich aber einfach zurückerinnern, wann haben wir denn hier den letzten großen Stromausfall? Ich lerne jetzt mal Berlin ein bisschen aus. Also Anschläge auf die Strominfrastruktur, die zählen jetzt, denke ich mal, nicht dazu. Aber ansonsten, Wir haben hier einen Gast hier von den Unternehmen, die bezeichnen das auch, die sind in den USA tätig, so wie hier in Deutschland oder in Europa.
Wir haben hier eigentlich den Goldstandard als Netz. Aber ein sehr gut ausgebautes Netz, wenn man das vor allem vergleicht mit den USA oder anderen Ländern. Man muss es halt nur nutzen können. Wir müssen es trotzdem aber zukunftsfähiger. Also wir müssen es darauf ausrichten, dass wir mehr erneuerbare Energien implementieren können. Wir brauchen ein bisschen mehr Deutschlandgeschwindigkeit in einigen Sachen.
Und wir müssen halt dann auch zulassen wollen, dass Rechenzentren dahin kommen. Die meisten Rechenzentren, das ist der Unterschied zu den USA, auch das Schwarz-Rechenzentrum, was du angesprochen hast, die meisten hier sind ja, das ist ja kein Gigawatt, was dann da auf einmal hingesetzt wird, sondern die sind in der Regel kleiner.
Wenn die kleiner sind, dann gehen die auch meistens ans Netz. Oft gehen die auch da ans Netz, wo vielleicht vorher mal ein Kohlekraftwerk oder so war. Weil dann habe ich ja den ganzen Netzanschluss da. Werden aber trotzdem mit Erneuerbaren dann angetrieben, weil also die Schwarzgruppe oder das Schwarzrechenzentrum, das wurde ja bewusst bei Rostock hingestellt, weil dort Platz für Windenergie ist.
Also ich bin mir nicht sicher, ob da noch ein neuer Windpark hinkommt oder ob der schon dasteht. Aber das ist ja generell der Vorteil. Wenn man die Küste baut, dann komme ich einfach ans Wimmerowshorn-Netz. Wir haben ja andere. TSMC ist dort nach Dresden gegangen. Die große taiwanesische Chip-Hersteller für iPhones und wahrscheinlich auch Nvidia und T. Genau, richtig.
Das ist so der Platzhirsch, wenn so um das Bauen von Chips. Bruchleistungs-Chips, genau, okay. Und die sind auch nach Dresden gegangen und haben gesagt, okay, liebe Leute, ich komme hier hin. Ihr müsst halt bitte aber Folgendes umsetzen. Erstens, der Flughafen läuft auf. Die wollen natürlich auch, dass ihre Mitarbeiter da immer hin können und auch mal wieder weg können. Plus, ähm...
Ich hätte ganz gerne erneuerbare Energie. Das ist bei den Unternehmen schon gesetzt. Weil da auch die Kostenkalkulation eine Rolle spielt. Das heißt ja immer, das merkt man bei den Endverbraucherpreisen in Deutschland leider zu selten durch die hohen Netzentgelte, Steuern, Abgaben. Aber es soll ja Kalkulationen geben, dass Solarstrom und vor allem Windkraft an Land extrem günstig eigentlich sind. Spielt das bei der Kalkulation von TSMC oder auch der Schwarzgruppe für die Rechenzentren eine Rolle?
Nein, das glaube ich nicht. Das ist eher so, dass es sauber ist und dass es necker zuverlässig ist. Das ist wichtig. Weil für die ist erstmal wichtig, dass sie überhaupt die Rechenzentrumskapazität bekommen. Die Strompreise sind dann nachrangig. Wir haben ein anderes Beispiel. Softbank hat ja auch gesagt, wir wollen ein großes Rechenzentrumsinvestment machen in Europa.
Und die haben sich für Frankreich entschieden. Wegen der Turmenergie? Naja, abgeschriebene Atomkraftwerke sind natürlich, die produzieren günstig. Wenn ich was abgeschrieben habe, ist das per se erstmal gar nicht so verkehrt. Okay, spannend. Hast du noch irgendetwas, worauf du gerne eingehen möchtest, weil unsere Zeit sich dem Ende nähert?
Also ich glaube, was Deutschland ein bisschen voranbringen würde, ist der Gedanke, dass man Technologie und Fortschritt nicht einfach so zurückdrehen kann. Und das gilt für Windenergie, das gilt für Solarenergie, das gilt aber auch, für künstliche Intelligenz und so weiter. Das ist, das kommt. Und das Einzige, was wir halt machen müssen, ist glaube ich, wir müssen uns darauf einstellen, wie können wir damit am besten umgehen, wie können wir unser Netz am besten ausbauen.
Wie können wir am besten davon profitieren? Es hilft nicht zu sagen, nee, das wollen wir hier nicht, weil dann machen es die anderen. Und wenn es die anderen machen, dann ist das halt für unseren Arbeitsmarkt nicht optimal. Auch ein Problem fällt in Deutschland, der Arbeitsmarkt. Ja, richtig. Und deshalb, also ich hätte es lieber, dass Rechenzentren und andere Sachen hier hinkommen, weil ich dadurch dann, ich meine, man muss dazu sagen, ein Rechenzentrum hat jetzt auch nicht so viele an Arbeitsplätzen.
Wenn das irgendwann läuft, dann brauche ich da nicht so viele. Aber ich habe vielleicht dann trotzdem drumherum etwas, weil ein Rechenzentrum habe ich ja dafür da, dass ich dann auch hier in der Nähe irgendwelche Jobs habe, die mit der künstlichen Intelligenz besser arbeiten können. Und das ist, glaube ich, etwas, wo wir keine Angst immer haben dürfen.
Wir müssen eher daran arbeiten. Und ich fände es halt auch gut, also ich würde mich freuen für meine Familie, meine Kinder, wenn wir auch irgendwie mehr Rechenzentrum bei uns in der Gegend hätten, damit unsere Schulen besser finanziert werden. Finde ich gar nicht so verkehrt. Okay, ich bin mir jetzt nicht sicher, ob das ein Aufruf war, an Mark Zuckerberg, Bad Homburg oder Frankfurt zu unterstützen finanziell.
Patrick Vogel, Leiter strategisches Asset Management und Senior Portfolio Manager von TBF. Vielen Dank für das Gespräch. Das war sehr, sehr spannend. Und nochmal vielen Dank für die Einladung nach Bad Homburg. Danke dir. Ich fand das auch sehr angeschön. Dankeschön.