Das Klima-Labor von ntv

Widersinnige PV-Pläne: "Wir könnten auf die Solarförderung verzichten, dürfen aber nicht" | Markus Meyer (Enpal)

Donnerstag, 20. August 2026 · 42 min

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Shownotes

Benötigen Solaranlagen eine Förderung oder nicht? Das Energieunternehmen Enpal sagt, die Einspeisevergütung kann weg. Eigentlich. Das Bundeswirtschaftsministerium müsste lediglich den Flaschenhals des deutschen Energiesystems adressieren: "Wer eine Solaranlage in Betrieb nimmt, wartet zwölf Monate auf die Anmeldung durch den Verteilnetzbetreiber", sagt Markus Meyer. "Das wird in den Plänen von Frau Reiche nicht adressiert."

Der Cheflobbyist des Energieunternehmens spricht im Podcast von einer schizophrenen Situation. Der Branche sei eingebläut worden, ohne Förderung auszukommen. "Jetzt sind wir an diesem Punkt angelangt und dürfen nicht."

Die Lösung liegt Meyer zufolge auf der Hand. Der Straßenverkehr zeigt, was mit kluger Planung und digitalen Angeboten möglich ist: An vollen Straßen steuert man vorbei. Das ginge auch im Stromnetz.

Wie löst das Wirtschaftsministerium den Engpass? Es verbietet die Pkw-Zulassung, durch die sogenannte Wirkleistungsreduzierung. "Wir regeln pauschal alle Anlagen im ganzen Land um 50 Prozent ab, egal ob das Netz in dieser oder jenen Region betroffen ist oder nicht", sagt Meyer. "Egal zu welcher Tages- und Nachtzeit. Die Regelung gilt 24 Stunden am Tag und 365 Tage im Jahr - auch wenn wenig Sonne scheint."

Die Leidtragenden sind die Verbraucher. Strom bleibt teurer als nötig. Durch die pauschale Abregelung wird aber auch die neue Einnahmequelle der Autobauer abgeräumt, das bidirektionale Laden.

Die weiteren Themen im Podcast:
• Der Äpfel- und Birnen-Vergleich von Katherina Reiche
• Wie Software von SAP die Verteilnetzbetreiber ausbremste
• bundesnetzagentur.de/DE/Fachthemen/Elektrizita…: Allgemeines Netzentgeltsystematik Strom

Gast: Markus Meyer (linkedin.com/in/zweiem), Leiter Regulierung und Energiepolitik bei Enpal
Moderation: Clara Pfeffer (n-tv.de/incoming/Clara-Pfeffer-article22772720…) und Christian Herrmann (n-tv.de/autoren/Christian-Herrmann-article2158…)

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Clara. Christian. Die Energiewende wird ja jetzt seit ein bisschen mehr als einem Jahr vom Kopf auf die Füße gestellt. Wie ist dein Eindruck? Gelingt das? Ich weiß auch manchmal nicht so richtig, wo mir da der Kopf steht. Ja, das ist ein schönes Zitat von der Bundeswirtschafts- und Energieministerin.

Ich würde sagen, das kommt wirklich darauf an, wo man den Kopf und wo man die Füße sieht. Okay. Ich war vor einigen Wochen bei einem Termin von Enpal. Das ist ein Energieunternehmen, das Komplettpakete für Solaranlagen, Wärmepumpe, Speicher etc. anbietet. Und habe dort Markus Mayer kennengelernt, den Leiter Regulierung und Energiepolitik.

Der war nicht ganz so begeistert wie viele andere aus der Branche der erneuerbaren Energien auch. Ich glaube, das kann man sich vorstellen. Ja, das ist nicht direkt überraschend, aber trotzdem sollte man es sich anhören. Denn die Branche hat durchaus Potenzial für Deutschland. Was hat er denn so erzählt?

Unter anderem zum Beispiel, dass das Ende der Solarförderung, das haben wir glaube ich mitbekommen, kleine Solaranlagen sollen ab dem neuen Jahr nicht mehr gefördert werden. Unter anderem hieß es dann, das läuft ins Leere, weil die Prozesse bei den Solaranlagen, die nicht von Unternehmen wie Enpal oder auch 1,5 Grad gesteuert werden, sondern von den Netzbetreibern vermarktet werden.

Die sind gar nicht dafür fertig. Also das geht noch gar nicht. Da wurde auch erzählt, dass sich die Vorgaben, die so im Netzpaket und im Erneuerbare-Energien-Gesetz in der Novelle, dass die sich teilweise widersprechen, was ich dann auch interessant fand, weil die ja eigentlich aus demselben Haus kommen.

Und da wurde auch erzählt, dass zum Beispiel SAP ein großes Problem ist für unsere Verteilnetzbetreiber in Deutschland, wenn es darum geht, Smart Meter Rollout oder auch das System ins digitale Zeitalter zu heben. Und trotzdem bin ich auch sehr gespannt, was die Gegenvorschläge sind. Denn es gibt ja durchaus gute Argumente dafür zu sagen, wir müssen auf jeden Fall irgendwas ändern an der Energiepolitik.

Weil so wie es jetzt gerade ist, funktioniert es nicht ideal für niemanden. Insofern freuen wir uns auf Markus Mayer, den Leiter Regulierung und Energiepolitik bei Enpal. Herzlich willkommen im Klimalabor. Ja, vielen Dank, dass ich hier sein darf. Freut mich. Auch von mir ganz herzlich willkommen. Bevor es losgeht, wie immer der Hinweis, wenn ihr Fragen oder Anregungen habt, Dann schreibt Clara und mir eine E-Mail an klimalabor.ntv.de.

Und wenn ihr uns unterstützen möchtet, dann bewertet das Klimalabor sehr gerne bei Apple Podcasts oder Spotify. Und natürlich freuen wir uns auch, wenn ihr anderen Leuten davon erzählt. Dankeschön. Ja, dann fangen wir gleich an mit der Frage, die, glaube ich, alle am meisten interessiert. Wann werden die Strompreise günstiger?

Katharine Reiche hat ja jetzt nochmal gesagt, es wird wohl erst in den 30er Jahren so der Fall sein. Geht es wirklich nicht früher? Also was sie da getan hat mit der Aussage ist natürlich politisch sehr geschickt einerseits und andererseits, wenn man energiewirtschaftlich rauf guckt, schon noch eine steile These. Warum politisch geschickt? Weil später oder früher passiert?

Weil es quasi auf die nächste Regierung übertragen wird. Und dann kann man ja eins und eins zusammenzählen. Ist das dann quasi ein Aufruf zur Wiederwahl? Oder wird sie im Nachhinein sagen, weil wir damals die richtigen Weichen gestellt haben? Also sie wird so oder so als Gewinnerin mit dieser These, mit der politischen These sozusagen hervorkommen.

Das ist natürlich das eine. Und energiewirtschaftlich. Habe ich meine Zweifel, dass tatsächlich mit dem, was jetzt an Maßnahmen da vorgelegt wurde, das Ziel erreicht werden kann. Das heißt, die Prognose von Ihnen und NPAI ist sogar pessimistischer. Das passiert nicht in den 30er Jahren, sondern später. Ich hatte jetzt irgendwie gehofft, dass die Antwort lautet, wir sind überzeugt, das geht früher. Ja, das sind wir auch.

Wir sind davon überzeugt, dass es früher geht, wenn wir eben die richtigen Maßnahmen ergreifen. Ich will mal so ein Beispiel nennen. All die Instrumente, beziehungsweise diese Gesetzesnovellen, die sie jetzt auf den Weg gebracht hat, also Frau Reich auf den Weg gebracht hat, die haben ja alle einen richtigen Kern.

Sie adressieren das Problem, was Sie, Frau Pfeffer, ja gesagt haben, richtigerweise. Wir müssen die Energiewende an der einen oder anderen Stelle eben anders denken. Das Problem ist aber nur, dass die Instrumente, die dahinter liegen, eben nicht die richtigen sind. Ein Beispiel. Sie versucht im Grunde genommen mit einem Blutdrucksenker, mit einem Beta-Blocker, die Strompreise in den Griff zu kriegen.

Indem sie sagt, wir brauchen jetzt ganz kurzfristig ganz viele Gaskraftwerke. Wir alle wissen, wenn ich zu viel von diesem Beta-Blocker nehme, habe ich irgendwann eine entsprechende Nebenwirkung. Warum greift sie nicht zu natürlichen Blutdrucksenkern, wie zum Beispiel erneuerbare Energien oder Flexibilitäten, die wir heute schon haben, die eigentlich das System auch entlasten können?

Wir hatten Anfang des Jahres eine Studie von Roland Berger, die gesagt hat, wir können einerseits bis zu 255 Milliarden Euro bis zum Jahr 1945 am Mehrwert generieren. Und wir können mit dem Invest in Flexibilitäten auch bis zu sieben Gigawatt Gaskraftwerke sozusagen einsparen. Das ist auf jeden Fall eine spannende Metapher, hatte ich so auch noch nicht gehört.

Aber die Frage oder das Kernargument von Katharina Reiche ist ja vor allem, dass die Förderung der Energiewende extrem viel Geld kostet und im Moment nicht die Ergebnisse liefert, die sie hätte liefern sollen. Nämlich wirklich günstigere Strompreise so schnell wie möglich. Und das liegt daran, dass das Tempo nicht so richtig stimmt vom Netzausbau oder, ich bin gespannt, was Sie dazu sagen, weil Sie schon so zweifelhaft gucken.

Woran liegt es denn dann? Also vielleicht können wir das erstmal auftröseln, dass im Moment die Ergebnisse nicht erzielt werden, die ja noch in der Habeck-Zeit und in der Ampelregierung versprochen wurden. Ich würde ein bisschen weiter ausholen. Jetzt gucken wir natürlich nur isoliert quasi auf die Kosten der Erneuerbaren, aber gleichzeitig vergessen wir darüber zu sprechen, dass wir jedes Jahr 80 Milliarden ausgeben für den Import fossiler Energien.

Also die muss man ja auch mal gegeneinander stellen und dann abwägen, inwieweit quasi die aktuell 20 Milliarden für Erneuerbaren da dann ins Kontor sozusagen fallen. Das Problem ist so ein bisschen, es sind ja nicht die Erneuerbaren, die jetzt per se sozusagen der Kostentreiber an der Stelle sind, sondern es ist ja der Mechanismus, der dahinter steckt, der dazu führt, dass quasi mehr Förderung quasi für erneuerbare Energien ausgezahlt werden soll.

Die 20 Milliarden sind vielleicht quasi dieses Jahr, die können aber im nächsten Jahr auch schon wieder weniger sein. Und vor allem von diesen 20 Milliarden, die sie genannt haben, sind ja super, super viele Altanlagen. Das heißt, das sind die Altanlagen, die in Zeiten gebaut wurden, wo es wahnsinnig viel Fördermittel gab.

Und das ist wie ein Kostenrucksack, den wir mit uns herumschleppen. Das waren ganz am Anfang der Energiewende, glaube ich, 50 Cent beziehungsweise eine D-Mark pro eingeschränkte Kilowattstunde. Genau, 99 Pfennig. Genau, 2000 ging es sozusagen los mit dem Erneuerbaren-Energien-Gesetz. Und viele dieser teuren, apostrophiert teuren Anlagen fallen natürlich von Jahr zu Jahr raus.

Trotzdem wird dieser Kostenrucksack stellvertretend quasi genommen, um zu behaupten, dass der Ausbau der Neuanlagen, die eigentlich gar kein Geld mehr kosten. Die großen Verursacher sind. Und ich finde, da wird es ein bisschen mit unfairen Mitteln, da werden Äpfel mit Birnen verglichen. Das finde ich ehrlich gesagt ein bisschen schade. Aber da ist ja genau die Frage, jetzt schleppt man diesen Kostenrucksack seit mehr als 20 Jahren mit sich rum.

Wie baut man den jetzt ab, dass er in Zukunft eben nicht mehr anfällt? Es gibt jetzt schon weniger Förderung als damals mit den 99 Pfennig. Aber es gibt eben noch große Förderungen. Und das sagen ja auch einige erneuerbaren Unternehmer selbst. Naja, es rentiert sich halt auch ohne Förderung. Also braucht es das überhaupt noch. Das ist ja immer das Kernargument. Wir brauchen das am Anfang, um es in den Markt zu kriegen.

Aber vielleicht reicht es jetzt auch mal. Genau. Also es gibt ja Ideen und Innovatoren wie uns und unsere Wettbewerber, die eigentlich auf dem richtigen Weg sind, eben auch Bestandsanlagen. Aus diesem Sicherheitsnetz, aus der Hängematte der Erneuerbaren, weil es gab irgendwie immer viel Förderung, rauszuholen und sie in den Markt zu integrieren.

So und jetzt kommen wir ein bisschen auf das Thema, was Sie angesprochen hatten, Herr Herrmann, die Prozesse, die dahinter sind, kriegen wir das eigentlich hin? Und wir sehen halt heute, obwohl wir es eigentlich möchten, die Erneuerbaren stärker in den Markt zu integrieren, dass es massentauglich eben nicht funktioniert.

So und genau zu diesen Punkten. Findet sich nichts in den Energierechtsnovellen, die jetzt aktuell von der Ministerin verabschiedet worden sind, sei es das Netzpaket oder das EEG. Es steht nichts dazu drin, wie werden eigentlich diejenigen, die das alles aufnehmen müssen, potenter, also wie werden die digitaler beispielsweise?

Wie sind denn diejenigen, die alles aufnehmen müssen? Das sind dann die Verteilnetzbetreiber in erster Linie, die im Grunde genommen eigentlich ja diejenigen sind, die sicherstellen müssen, dass die Elektronen von A nach B transportiert werden. Das steckt im Namen drin, verteilen, die müssen den Strom verteilen.

Sie müssen den, genau, sie müssen den verteilen, aber die Verteilnetzbetreiber kommen natürlich aus einer Welt, wo ich sag mal, sie im Grunde genommen nur einfach den Strom aufnehmen mussten und das war's. Und heute kommen solche Unternehmen wie wir, die Kundinnen und Kunden dahingehend enablen möchten, dass sie Teil eines Energiemarktes werden.

Ich erzähle immer gerne die Geschichte, wir hatten die Demokratisierung am Kapitalmarkt mit Robin Hood war es glaube ich und entsprechende. Startups, die uns allen es ermöglicht haben, Aktienpakete über Apps und so weiter irgendwie. Zu kaufen. Und diese Demokratisierung versuchen wir auch. Wir wollen Kundinnen und Kunden mit ihrem Dach in die Energiebörse bringen.

Und das Problem für die Verteilnetzbetreiber ist, wenn ich es richtig verstehe, früher hatte man in Deutschland... Pro Verteilnisbetreiber, da waren im näheren Umkreis Atomkraftwerke, vielleicht auch zwei, da waren dann irgendwie fünf oder zehn Kohlekraftwerke und da konnte man relativ genau planen, wann die Strom liefern und wo der dann an die Haushalte verteilt werden muss.

Und heute ist das Problem, dass man eben nicht ganz genau weiß, wie viele Haushalte wann Strom liefern und denen dann verteilen. Ganz genau, ganz genau. Also wir richten uns quasi nach Sonne und Wind aus, es ist fluktuierend und das ist ja auch ein Paradigmenwechsel, den wir auch politisch vor 20 Jahren quasi beschlossen haben oder vor 25, wir sind ja schon im Jahr 26, vor 26 Jahren beschlossen haben, dass natürlich aus dieser zentralen Welt, wo ich quasi Energie zur Verfügung stelle und den Verbrauch decke, mehr Volatilität sozusagen reinkommt.

Und es war doch schon damals klar, dass man eigentlich mit Flexibilitäten, mit Batterien genau diese Volatilität im Grunde genommen abfangen kann. Batterien sind ja nichts anderes als Zeitmaschine. Ich belade diese Zeitmaschine zum Zeitpunkt X und entlade sie zu einem anderen Zeitpunkt. Ich transportiere sie im Grunde genommen nur auf der Zeitachse.

Unabhängig von der Frage, warum Katharina Reiche dieses Problem nicht angeht in ihren Plänen. Warum sind die Verteilnetzbetreiber darauf nicht vorbereitet, wenn sie 26 Jahre Zeit hatten? Das müssten Sie die Verteilnetzbetreiber mal fragen. Was ist Ihr Eindruck? Also, um mal eine Lanze für die Verteilnetzbetreiber hier zu schlagen.

Das ist ja nicht so, dass sie nur diese eine Aufgabe haben. Die Herausforderungen für Verteilnetzbetreiber sind natürlich enorm. Sie müssen digitalisieren, sie müssen instand halten und sie müssen natürlich auch neu bauen. Das akzeptiere ich auch alles. Beim Digitalisieren, da verstehe ich zum Beispiel immer nicht, was genau ist jetzt eigentlich das große Problem. Da wird jetzt eine Software gekauft, ein paar Computer hingestellt und dann gibt man die Daten irgendwie ein und dann hat man das doch, oder?

Ja, aber sie brauchen ja einen Softwareanbieter, der dazu in der Lage ist. Und den gibt es nicht. Die Prozesse bei den Verteilnetzbetreibern, das wird jetzt sehr, sehr technisch, da spricht man dann von der sogenannten Marktkommunikation. Da gibt es einen großen Hersteller, das ist SAP. Und SAP hat ein Paket geschnürt, das vielleicht dann für wenige auch gut funktioniert, aber nicht für alle.

Sie müssen sich das so vorstellen, wir haben ja in Deutschland ungefähr 860 Verteilnetzbetreiber. Wir haben Verteilnetzbetreiber, die haben hunderttausende Kunden. Wir haben aber auch Verteilnetzbetreiber in Hintertupfingen, wo vielleicht nur 200, 300 Kunden dranhängen. Eigentlich bräuchte ich ein individuelles Paket und das hat SAP bisher nicht geschafft, was wir eigentlich bräuchten.

Und da gucken wir mal wieder ins Finanzwesen, um mal wieder dieses Bild zu machen. Gucken wir uns doch mal die Sparkassen-App an. Super. Wir haben in jedem Dorf eine Sparkasse und alle Sparkassen haben eins gemeinsam. Eine App und ein Prozess. Für alle ist die Überweisung und die Transaktion easy peasy.

Diese Welt haben wir in der Energiewirtschaft nicht. Sondern da ist es je nach Größe der Verteilnetzbetreiber unterschiedlich kompliziert, wie man diese Software anwendet. Genau. Und das alles macht es dann unmöglich zu sagen, also um nochmal, auf die konkrete Situation einzugehen, weil sie sagen, das ist der Grund, warum sich zum Beispiel Solarpaneele noch nicht von selber lohnen, warum sie weiter gefördert werden müssen im aktuellen System.

Ja, so kann man es eigentlich auf den Punkt bringen. Wir sagen halt, wir könnten auf die Förderung verzichten, wenn die Prozesse funktionieren, um da ein Beispiel zu nennen. Das, was wir gerade beschrieben haben. Bei Enpal arbeiten unzählige Menschen, die nichts anderes machen als mit Verteilnetzbetreibern, diesen einzelnen Anmeldeschritt, nämlich eine Solaranlage nicht standardmäßig in das Netz einspeisen zu lassen, sondern eine Anlage so anzumelden, dass man mit ihr, an der Börse Geld verdienen kann, in bilateralen Gesprächen mit Verteilnetzbetreibern.

Das ist dann die Direktvermarktung? Das ist die Direktvermarktung. Das bindet natürlich Ressourcen und eben auch Kapital. Und dieses Kapital, um das aufzufangen, weil wir keine massentauglichen Prozesse haben, muss ausgeglichen werden, indem man eine Art Förderung bekommt. Man könnte eigentlich auch sagen.

Die Wirtschaftlichkeit eines Solar-Batteriesystems hängt ein Stück weit an der Performance der Verteilnetzbetreiber. Und solange das nicht geregelt ist, kann man eben auch nicht die Förderung zurückfahren, weil man muss ja schon zugeben, ich finde, wo sie einfach einen Punkt hat, der glaube ich auch bei vielen Leuten einfach hängen bleibt, ist so dieses Gefühl, Moment mal, uns wird doch jetzt schon seit Jahren gesagt, dass das sowieso die günstigste Energieform ist, dass sich das sowieso lohnt, dass alle das machen sollen, und dann sagt man, aber doch nicht ganz ohne Subventionen.

Ja, wie gesagt, wir würden ja auf Subventionen verzichten, wenn man uns im Grunde genommen die Möglichkeiten noch gibt, irgendwie frei am Markt irgendwie agieren zu dürfen. Aber wenn wir heute von Ihnen beiden vielleicht eine Solaranlage anmelden möchten, dann warten Sie halt bis zu zwölf Monate. Zwölf Monate? Ja, zwölf Monate in Deutschland aktuell. Es gibt natürlich Halbperformer bei den Verteilnetzbetreibern, wie gesagt, wir haben 860.

Aber das ist so im Durchschnitt, wenn Sie heute eine Anlage quasi am Energiemarkt, an der Börse Geld verdienen wollen, warten Sie nach Inbetriebnahme, nach Installation zwölf Monate. Was genau dauert da zwölf Monate bei denen auf Seiten der Verteilnetzbetreiber? Das kann ich Ihnen nicht sagen. Das sind halt diese fehlenden Prozesse.

Einer der Flaschenhälse. Einer der Flaschenhälse und genau dieser Flaschenhals. Und das ist ja meine Kritik, wird halt nicht adressiert. Ich möchte nochmal ein Beispiel bringen, weil ich das gerade von einem Kollegen gelesen habe. Verteilnetzbetreiber haben heute die Möglichkeit, Anlagenbetreiberinnen zu penalisieren, also zu bestrafen, weil sie bestimmte Fristen etc.

Nicht einhalten, weil sie ihre Daten nicht rechtzeitig geliefert haben, weil sie eine bestimmte Technologie nicht so installiert haben, wie sich die Verteilnetzbetreiber das vorstellen. Also einseitig, sie können das machen. Andererseits könnten sie beide, wenn sie eine Solaranlage haben, keine Rechtsansprüche erheben, dass das Ganze zwölf Monate dauert.

Also in die Richtung gibt es das nicht. Und das ist halt eine unserer Kernforderungen für die Energierechtsnovellen, hier sozusagen mit gleichen Waffen zu kämpfen. Nämlich zu sagen, ich hätte gerne einen Rechtsanspruch mindestens auf die entgangenen Erlöse seitens der Verteilnetzbetreiber und das gibt es nicht.

Jetzt gab es ja wirklich eine lange Diskussion, auch ein Anhörungsverfahren, wie das auch bei solchen Gesetzen eben üblich ist, wo dann Verbände, auch einzelne Unternehmen sich äußern können. Warum glauben Sie, wurden diese Stimmen nicht gehört? Also vermuten Sie dahinter Absicht? Das ist natürlich immer eine steile These mit Absicht, dann driften wir vielleicht ab, was der Background dann vielleicht der Ministerin ist, aber ich glaube, auf das Eis würde ich mich gar nicht begeben.

Ich glaube, dass die Beamtinnen und Beamten im Ministerium, glaube ich, schon das richtige Ziel da verfolgen. Es geht dann um Netzsicherheit, es geht um Kosteneffizienz und es geht natürlich auch um Unabhängigkeit. Sie entscheiden sich am Ende des Tages vielleicht einfach nur für die falsche Maßnahme. Aus Ihrer Sicht.

Man muss ja sagen, dass vielleicht dahinter steckt, dass man sagt, es wird halt einfach noch sehr lange dauern, bis die Prozesse so da sind, wie sie sind. Und wir können es im Moment nicht leisten, weiterhin die hohen Kosten, die dadurch entstehen, ganz klar, dass keine fairen Marktbedingungen und keine guten Rahmenbedingungen geschaffen wurden.

Wir können es das nicht leisten, die weiter so zu tragen in der Form. Das ist ja offensichtlich Ihre Antwort. Dann sagt sie, ja, müssen wir es halt ein bisschen verlangsamen. da Tempo und Subventionen rausnehmen, beim Netzausbau dafür ein bisschen zulegen und können das hoffentlich später korrigieren.

Können Sie das nachvollziehen? Das ist ein super Beispiel dafür, wo eigentlich die Branche eine super Lösung entwickelt hat und wo die Beamtinnen und Beamten oder das Ministerium hier einfach nicht die richtige Maßnahme ergriffen hat bisher. Das ist jetzt ein bisschen technisch, aber fachlich heißt das Wirkleistungsreduzierung.

Das ist der Fachbegriff dafür. Was passiert da? Weil man Instrumente, die es eigentlich schon gibt, seitens der Verteilnetzbetreiber nicht umsetzen kann, nämlich ein Signal an den Anlagenbetreiber zu senden, wenn es im Netz gerade Schwierigkeiten gibt, mit der Information, bitte hör auf, einzuspeisen, sagt die Ministerin.

Wir regeln pauschal alle Anlagen im ganzen Land, egal ob das Netz da überhaupt betroffen ist oder nicht, sondern wir regeln es pauschal um 50 Prozent ab. Das ist quasi ihre Antwort auf eine fehlende Digitalisierung. So, das Ganze kann man jetzt nochmal nachvollziehen, weil wir wollen ja, dass keine Mittagsspitzen und sowas erzeugt werden. Ja, und kurzfristig muss das Netz ja sicher sein. Absolut, absolut.

Absolut, aber jetzt kommt… Geht das nur für Solaranlagen oder auch für Windkraftanlagen? Also das gilt jetzt erstmal nur für Solaranlagen, aber wenn man genau reinguckt, entsteht hier halt ein Kollateralschaden, weil was machen wir gerade? Wir wollen ja Batterien quasi aufbauen…. Vehicle-to-Grid, also bidirektionales Laden von der Automobilwirtschaft, steht in den Startlöchern. Der Hochlauf ist für 27, 28 angepeilt.

Man hat Unmengen an Geld in Forschung und Entwicklung genau in dieses Thema investiert. Und Autos stehen die meiste Zeit nur rum. Exakt. Stehzeug statt Fahrzeug. So dieses alte Bild. Und was jetzt aber passiert ist, wenn Sie eine Solaranlage haben und eine Batterie und genauso ein Elektroauto, dann dürfen Sie diese Batterien, diese Flexibilitäten eben nicht voll ausschöpfen, weil auch die quasi von dieser Reduzierung betroffen sind.

Und was könnten diese Batterien? Die könnten natürlich nicht nur in den Sonnenscheinmonaten Juni, Juli und August eingesetzt werden, sondern vielleicht auch im Oktober, im November und dafür sorgen, dass Preisspitzen an der Börse geglättet werden. So, das heißt also, mit dieser Maßnahme der Wirkleistungsreduzierung, mit dieser Pauschalen, nehmen wir uns ein Instrument, nämlich die Flexibilität von Batterien, mobil und stationär, die einen positiven Effekt quasi auf die Preisbildung hätten.

Und das sind Widersprüche. Ich würde einmal ein Beispiel einwerfen und Sie dürfen entscheiden, ob das treffend ist. Da musste ich gerade daran denken. Das hatte uns Tobias Aferbeck gesagt, der Bürgermeister von Bakum in Niedersachsen, Vorreiter der Energiewende und CDU-Gemeinde. Ich glaube fast 80 Prozent wählen dort CDU.

Der hatte die Politik des Wirtschaftsministeriums mal so beschrieben. Das Wirtschaftsministerium sieht einen Stau und entscheidet, dass Pkw-Zulassungen gestoppt werden. Ist das ein treffender Vergleich? Also statt die Straßen auszubauen. Mir geht es gar nicht um Straßen ausbauen. Wir könnten ja im ersten Schritt mal damit anfangen, alle Autobahnen, also um das Bild mit der Autobahn mal aufrecht zu erhalten. Wir könnten ja mal anfangen, die Autobahn komplett mit Kameras auszustatten.

Und wenn dann Ferien sind oder wie auch immer, uns allen per App zu sagen, ey, ist nicht so eine geile Idee, zwischen 11 und 13 Uhr jetzt irgendwie mit der Familie in den Urlaub zu fahren. Sondern hier könnte es für euch interessanter sein. Also Digitalisierung. Also so wie Google Maps zum Beispiel den Leuten schon anzeigt, pass auf, auf der Strecke ist zauber, da geh ich jetzt dorthin.

Genau das brauchen wir sozusagen in unserem Energiesystem. Wir brauchen Signale, wir brauchen Preissignale, es ist doch nicht so schwer. Ich sehe hier schon genau so richtig das Glänzen in den Augen, dass sowas mal auf die Straße kommt, um im Bild zu bleiben. Zwei Punkte, glaube ich, die da immer wieder auch als Kritik kommen.

Einerseits, das klingt auch teuer, also bis wir das alles hingekriegt haben, wir haben hier schon oft über den Smart Meter Rollout gesprochen, und den es ja dann auf der Seite der Endverbraucher ganz nötig braucht. Sowieso, die Digitalisierung offensichtlich ist teuer und aufwendig, genau. Und die Industrie sagt ja vor allem immer genau dieses Thema, von wegen wir können dann ja auf die Signale reagieren und ein bisschen mehr produzieren, wenn gerade viel Strom da ist, ein bisschen weniger.

Die sagen, bitte nicht, da hängen Dienstpläne dran, da hängen einfach ganze Maschinen dran, die nur so funktionieren, wenn die immer mit beständig Strom ausgestattet werden. Das ist eins der Argumente, was ich finde, man immer wieder hört, dass die Industrie sagt, das wäre unser Ende. Wir können nur kostendeckend produzieren, wenn wir dauerhaft guten Strompreis haben. Das ist auch völlig fair.

Ich meine, deshalb gibt es sowas wie eine Strompreiskompensation. Es gibt Subventionen, der Industriestrompreis wird diskutiert. Da kann ich das auch nachvollziehen. Was ich aber eben nicht nachvollziehen kann, ist in Bereichen, wo sozusagen keine Personalpläne dranhängen, sondern quasi in einem Eigenheim oder in einem Mehrfamilienhaus.

Dort, wo ich die Möglichkeiten sehe, müsste ich sie doch eigentlich komplett ausschöpfen und das machen wir halt eben nicht. Also um im Bild zu bleiben, die, die dann fahren müssen, trotzdem für die muss man irgendwie eine Spur freihalten. Na klar, die LKWs fahren rechts, da haben da die Vorfahrt und so ist es. Und so müssen wir es mit der Industrie halt auch halten. Und.

Gibt es einen Weg Ihrer Meinung nach, diesen Digitalisierungsprozess zu beschleunigen? Also ich meine, klar, man hätte sagen können, hätte man mal ein bisschen früher angefangen, hätte, hätte und so, aber jetzt aktuell, wenn wir uns, Smart Meter, Robert, du hast es gerade gesagt, noch sechs Jahre. Ja, alle anderen sind fertig und Deutschland kommt in sechs Jahren.

Ist ein bisschen lang, würde ich sagen. Ja, ich glaube, Möglichkeiten gibt es. Ein Hinderungsgrund beim Smart Meter Rollout ist natürlich und es gehört zur Wahrheit dazu und ich bin ja auch schon seit 20 Jahren in der Branche, wir haben hier was das Sicherheitsniveau natürlich Fort Knox gebaut. Das gehört halt zur Wahrheit dazu, das haben unsere europäischen Nachbarn in der Form nicht gemacht, aber wer weiß, wie sich die Welt gerade entwickelt, kann uns das ja am Ende des Tages ja auch schützen, weil am Ende ist Energie eine.

Kritische Infrastruktur und vielleicht hilft uns dann quasi der Fort Knox-Gedanke von den Beamten, die vor vielen, vielen Jahren sich für diese Idee des Smart Mieters entschieden haben. Vielleicht als kurze Erklärungsmieter hat man dann zu Hause und kann eben dann dynamische Preistarife zum Beispiel nutzen, weil es ein digitaler Stromzähler im Endeffekt ist. Und da war die Sorge, dass da irgendjemand von außen drauf Zugriff bekommen könnte.

Und da hat man dann in Deutschland gesagt, wir machen das besonders sicher und damit auch ein bisschen teuer und kompliziert. Genau. Aber dann nochmal zu dem Punkt, sehen Sie wirklich einen Weg, bei dem man sagen kann, wir schaffen es, den Knoten aufzulösen, indem wir Kameras überall aufhängen, um in dem Bild zu bleiben, indem wir die Digitalisierung richtig beschleunigen?

Oder muss man zugeben, na gut, Frau Reiche stand vor der Wahl, kriegen wir die Digitalisierung richtig beschleunigt? Ich glaube eher nicht, dann muss ich halt weniger Pkw zulassen. Kollege Herrmann meldet sich. Genau, nur ein kleiner Einwurf. Es gab ja diesen, ich nenne es jetzt mal Reformenpaket, ich weiß jetzt nicht, wie die schwarz-gelbe Regierung, äh, schwarz-gelbe, die schwarz-rote Regierung, das kann man mit den 34 Vorschlägen, da stand ja drin...

Wir machen jetzt auch nicht die sicherste Variante, sondern Smart Meter Light. Das Energiewende-Monitoring war das. Nee, das war noch ein bisschen später. Das war erst vor wenigen Wochen mit den Vorschlägen zur Rente. Ach, das große Paket. Das große Paket, genau. Da waren wir dann schon bei 2030, weil wir jetzt von der ganz sicheren Variante weggehen zu den Smart Meter Light.

Die können aber, glaube ich, nur korrekt abrechnen. Damit kann man nicht steuern, glaube ich, die Anlagen. Ja, exakt. Aber da muss man ein bisschen unterscheiden. Und der Ferrari, nennen wir ihn mal so, also Fort Knox Zähler, der soll ja nur in Gebäuden installiert werden, wo auch eine kritische Infrastruktur, also eine Batterie, ein Elektroauto oder eine Solaranlage installiert ist.

Der Smart Meter Light, wir können auch darüber streiten, ob es sinnvoll ist oder nicht, weil wir bauen ja gerade eine Infrastruktur auf. Den haben alle anderen Länder, glaube ich, verwendet. Genau, genau. Der soll ja gar nicht steuern. Der soll ja nur dieses Preissignal empfangen und sozusagen wiedergeben können.

Damit ich davon profitieren kann. Damit ich als Mieterin, Mieter, Eigentümer, wie auch immer, in einer Wohnung beispielsweise, davon profitieren könnte. Man muss ja wissen, wann ist der Strom besonders teuer, wann ist der Strom besonders günstig und das muss ja dann abgelöst werden. Exakt, die Signale, ganz genau.

Okay, ich habe jetzt deine Frage leider vergessen. Meine Frage war, ich finde, wenn man dann vor der Wahl steht, also wir brauchen jetzt günstige Energiepreise. Da sind sich irgendwie alle einig, weil die Industrie hat jetzt noch so fünf Jahre und entweder sie packt es oder nicht in Deutschland. Ich glaube, das ist auch relativ klar geworden.

Und dann ist eben genau, um in dem Bild zu bleiben, muss man sich ja wahrscheinlich politisch entscheiden, was schaffen wir jetzt schneller? Kriegen wir es hin, die Digitalisierung? Offensichtlich hat sie gesagt, ich glaube eher nicht. Und das ist dann die Frage an Sie nachvollziehbaren Gründen. Oder, also wir lassen jetzt erstmal die Klimadiskussion komplett außen vor, ich versuche nur diese Argumentation nachzuvollziehen, oder ich lasse eben weniger Pkw zu, also ergo ich lasse weniger Erneuerbare ins Netz, weil sonst kriege ich das nicht hin, ich kriege den Stau nicht aufgelöst.

Perfekt beschrieben. Genau in dem Dilemma steckt die Ministerin. Ich glaube aber, wir dürfen da nicht schwarz-weiß denken. Es gibt nicht sozusagen das eine und das andere, sondern eben auch die Schattierungen dazwischen. Und ich glaube, wenn man sich mit der Branche zusammensetzt, und damit meine ich vor allem Ministerium, Verteilnetzbetreiber und Innovatoren wie wir, glaube ich, findet man am Ende des Tages für das eigentliche Problem, weil das eigentliche Problem ist ja, dass die Ministerin nicht möchte, dass alle Solaranlagen zur selben Zeit eben nicht, zur Mittagszeit quasi die Netze zum Glühen bringen.

Dann findet man eben für diese Zeitfenster, glaube ich, eine Lösung. Der große Fehler, den ich ja kritisiere, ist, dass das dann 24, 7, 365 Tage im Jahr gilt, wo gar keine Sonne scheint und trotzdem gilt der Mechanismus. Gibt es daneben, also das für den Mechanismus, aber gibt es daneben andere Lösungsvorschläge aus der erneuerbaren Industrie, die gesagt haben, die interessant sind.

Also ein paar haben wir natürlich gehört. Bessere Zugänge für Batterien zum Beispiel. Aber vielleicht können Sie die mal skizzieren, damit man weiß, was andere gangbare Wege wären. Ja, also wir haben ja eben schon ganz viel über Preissignale gesprochen. Die Preissignale, die wir aktuell haben, kommen ja aus dem Energiemarkt.

Das sind ja quasi Preise für den Strom. Was wir in Deutschland gar nicht haben, sind Preissignale aus dem Netz. Und die Bundesnetzagentur arbeitet ja gerade an einer Neufassung der Regulierung für die Netzentgelte, das nennt sich Agnes. Netzentgeltsystematik, auch so ein schöner deutscher Begriff. Genau, aber immerhin ist die Bundesnetzagentur da immer sehr, sehr kreativ. Wie setzt sich jetzt mal Agnes zusammen? Allgemeines?

Anreizregulierung, oh Gott, ich müsste das wissen, aber ich weiß es nicht. Wir finden das im Laufe dieses Podcasts noch heraus, keine Sorge. Genau, aber was ich sagen wollte ist, und genau da traut sie sich beispielsweise nicht, in der Konsultation oder in dem Entwurf, den sie veröffentlicht haben, stärker auch dieses Prinzip der Preissignale aus dem Netz zu adressieren.

Wie würde das konkret aussehen oder mit wem eine Vorstellung davon bekommen? Ich könnte mir vorstellen... Also ich meine jetzt, wie sieht ein Preissignal aus dem Netz aus? Dass die Netzentgelte sinken, wenn Strom gebraucht wird? Zum Beispiel. Also je nachdem, je nach Auslastung des Netzes setze ich natürlich, ein Signal. Wenn ich als Netzbetreiber merke, dass ich ein Problem in dem Netz habe, dann setze ich ein hohes Preissignal im Grunde genommen.

Also je nachdem, in welcher Konstellation ich gerade bin. Da wird nicht abgeregelt die Einspeisung, sondern die Netzentgelte schießen so hoch, dass es sich für die privaten Verbraucher nicht melden. Exakt, aus kommerziellen Gründen würde ich mich als Verbraucher, Verbraucher, Verbraucherin natürlich nach diesen Preissignalen richten, weil ich mich ja optimieren will im Sinne des Systems.

Und dieses Signal fehlt und in diesem Agnes-Papier ist dann halt wieder davon die Rede, dass wir stärker. Mit Pauschalen die Dinge regeln wollen, ähnlich wie schon mit der Wirkleistungsreduzierung. Ist das, wenn man, weil du auch gefragt hattest. Soll ich noch sagen, wofür Agnes steht? Ja, bitte. Allgemeine Netzentgeltsystematik Strom. Sehr schön. Tolle Abkürzung.

Also wir waren ja irgendwie schon nah dran. Man hat den Eindruck, Agnes war vorher da. Aber weil du vorhin auch danach gefragt hattest, nach den Gründen, warum Gesetze so geschrieben werden, wie sie geschrieben werden oder Entwürfe. Und das Beispiel der Bundesnetzagentur jetzt auch so ein bisschen dazu passt.

Ich bekomme den Eindruck, man hat kein Vertrauen in die Marktteilnehmer. Also sei es die Energiewirtschaft, man hat kein Vertrauen in die Privathaushalte, dass sie das Richtige tun, sondern man probiert tatsächlich alles eventuell auch ein bisschen übergriffig zu kontrollieren. Ja, wir haben hier eine Überregulierung, ganz klar. Aber wenn wir quasi nach Europa schauen oder, insgesamt in die Welt schauen, beispielsweise Kalifornien, wo genau solche Sachen, die wir hier gerne machen möchten, funktionieren im täglichen Leben, darf man sich schon auch immer die Frage stellen, warum sind wir hier so vorsichtig, warum müssen wir alles überregulieren?

Und wo ist eigentlich Herr Wildberger, unser Digitalisierungsminister, wenn es darum geht, dass wir ganz viel digitalisieren müssen? Und damit meinte ich nicht nur das Verwaltungswesen, sondern eben auch in der Energiewirtschaft. Wie kommen denn diese Vorschläge an, wenn Sie sie einbringen in solche Diskussionen oder in den Verbänden?

Also ich sehe ganz viel Entrüstung in der erneuerbaren Energienindustrie. Das überrascht aber eben nicht so direkt. Deshalb hört da glaube ich aus der Politik auch niemand so richtig hin, weil schon klar, da werden Subventionen weggenommen. Auf der anderen Seite gibt es eben viele Marktteilnehmer, also vor allem die Abnehmer, die sagen, ja, das ist jetzt genau das Richtige, das brauchen wir und daraus speist sich ja dann auch so die Zustimmung, teilweise aus der Bevölkerung, wobei die sehr wackelig ist, also es gibt schon noch eine große Zustimmung zur Energiewende und ich sage es jetzt noch einmal dazu, es ist schon völlig klar, dass es immer schwieriger wird, die Klimaschutzziele zu erreichen, wenn wir jetzt nicht sozusagen, das ist unser Fokus,

aber das hat diese Bundesregierung relativ deutlich gemacht. Viele argumentieren ja, wirtschaftlich lohnt sich das auch. Also wie ist die Reaktion oder welche Wege sehen Sie noch, da Überzeugungsarbeit zu leisten? Also ich glaube, wir sind an einem Punkt und ich habe ja vorhin gesagt, ich bin ja schon seit über 20 Jahren in der Branche.

Ich glaube, auch hier müssen wir ganz klar nochmal trennen zwischen der tradierten erneuerbaren Branche, die wahrscheinlich über viele Jahre auch immer zu Recht eine Förderung eingefordert hat und die Green-Tags wie wir und unsere Wettbewerber, die ja gar nicht mehr Förderung wollen, sondern unser Credo ist es ja, mehr Markt und weniger Staat.

Und genau dafür... Bekommen wir auch Zuspruch von den Verbänden. Also dieses Thema Wirkleistungsreduzierung, was wir gerade diskutiert haben, wird voll unterstützt vom VDA, Verband der Automobilwirtschaft, wird voll unterstützt vom BDEW, dem Bundesverband, für energiewirtschaftliche Fragen. Also wir haben ja die Unterstützung. Weil die auch sehen, wir wollen ja mit den Autos und den Batterien, die da sind, eventuell auch Geld verdienen und dann auch leiden. Natürlich. Die tradierten Erneuerbarenverbände, die haben im Fokus eher das ganze Thema Förderung.

Kann ich auch nachvollziehen, das Thema Förderung ist politisch natürlich viel aufgeladener als jetzt das Thema Wirkleistungsreduzierung, weil man da vielleicht auch ein Stück weit ein anderes Geschäftsmodell beschreibt. Die Ministerin, das muss ich unbedingt noch erzählen, sagt ja mit der Maßnahme dieser 50 Prozent in der Gesetzesbegründung, sie möchte damit anregen, dass größere Speicher gebaut werden.

Total nachvollziehbar, weil in dem Augenblick, wo ich einen größeren Speicher habe, kann ich natürlich mehr zu Hause einspeichern. Was sie damit macht ist, sie erhöht im Grunde genommen die Eigenversorgungsquote des jeweiligen Haushalts. Das ist für uns aber die Welt von gestern in der Energiewende. Und jetzt komme ich nämlich wieder zu dem Thema Börsenparkett und Demokratisierung.

Wir benutzen ja die Batterien, um damit zusätzlich Geld zu verdienen für den Kunden und gleichzeitig für die Allgemeinheit aber eben diese Peaks zu senken. Dieser zweite Schritt, der ist gedanklich, glaube ich, noch nicht in der Breite angekommen. Da müssen wir uns vielleicht auch selbst kritisieren. Vielleicht haben wir ihn auch nicht gut genug erzählt.

Aber das ist es. Ich will doch morgens aufwachen und auf meiner App gucken und sehen, cool, ich habe schon wieder Geld verdient mit meiner Batterie. Cool, mein Stehzeug, hatten wir ja vorhin, das ist kein Fahrzeug, mein Stehzeug, aber mein Stehzeug hat hier wieder ein Hunni verdient. Vielleicht reicht es ja auch aus, bevor wir Geld verdienen, dass die Strompreise sinken für die Haushalt und die Stromrechnung. Da werden viele, glaube ich, schon glücklich.

Ja, oder wenn die Industrie dann irgendwann sagt, ja endlich sind die Strompreise so, dass sie wettbewerbsfähig sind im internationalen Raum. Ich glaube, das ist etwas, was natürlich sie als Wirtschaftsministerin auch massiv antreibt, wenn sie darüber spricht. Einmal noch kurz dazu, dass Sie ja schon seit zwei Jahrzehnten daran arbeiten im Grunde oder mehr als zwei Jahrzehnten, haben Sie glaube ich gerade gesagt.

Streng genommen seit 35 Jahren. Okay, das sind drei Jahrzehnte, also das ist schon eine ganze Weile. Das war eine sehr frühe Energiewende. Naja, wenn man die Schule abbricht und sich dann entscheidet, lieber irgendwie auf den Bau zu gehen und Heizung einzubauen, dann… Okay, ja, so kann man das auf jeden Fall auch sehen.

Was für Heizung, Gasheizung oder? Ja klar, also ich habe damals den ersten Fuel Switch, also ich habe 1991 meine Lehre begonnen als Heizungsbauer und das war der Fuel Switch, weg von Öl hin zu dem besten sauberen Gas. Wo kam das her? Das Gas? Das R? Weiß man nicht. Habe ich mir als 15-Jähriger keine Gedanken drüber gemacht.

Gut, da gab es, glaube ich, einen großen Lieferanten für Gas. Aber an welchem Punkt stehen Sie im Moment, was so das Frustrationslevel angeht? Also sagen Sie, okay, wir werden auch das überleben? Oder ist das jetzt wirklich ein kritischer Moment für die Branche der Erneuerbaren in Deutschland und allen Unternehmen, die mit erneuerbaren Energien arbeiten?

Also nicht nur für die Erneuerbaren-Branche, sondern eben auch für die Green-Tech-Branche ist das schon auch ein Scheidepunkt. Das muss man schon einfach so sagen, weil ich hatte das Beispiel genannt, wir haben unfassbar viel Geld in Forschung und Entwicklung, genau in Technologien wie eben das bidirektionale Laden gesteckt.

Und wenn man dort jetzt den Stecker zieht, was wiederum ins Bild passt, wäre das schon sehr misslich, weil darauf viele Startups quasi gegründet wurden, genau in diese Innovation letztendlich eben auch einen Mehrwert zu stiften für das Gesamtsystem. Schon sehr kritisch, was da jetzt gerade diskutiert wird.

Also die Vergleiche mit dem Altmaier-Knick. Wo man eben gesagt hat, damals durch die Reduktion der Förderung ist die Solarindustrie abgewandert, die würden Sie auch ziehen? Abzuwandern? Nein, Sie würden den Vergleich auch ziehen, dass das ähnlich schädlich sein könnte für die Branche in Deutschland? Ja, ich war ja damals schon dabei.

Jetzt frage ich Sie. Der Verband der Gasheizung. Genau, aber damals war ja die Ausgangslage noch eine andere. Aber Röttgen hatte damals angefangen als Umweltminister und Altmaier hat dann übernommen. Und die haben natürlich von Rösler noch sozusagen einen Flankenschutz gekriegt bei dem Thema als Wirtschaftsminister. Und da ging es ja ganz stark im Grunde genommen darum, die Förderung stark zu reduzieren.

Heute reden wir ja über etwas anderes. Das ist schon fast schizophren, weil wir wollen ja gar keine Förderung mehr. Wir wollen ja eigentlich nur noch das, was man ja der erneuerbaren Branche vom ersten Tag an eingebläutet hat. Ihr müsst euch in den Markt integrieren. Jetzt sind wir an den Punkten, jetzt dürfen wir es nicht.

Also den Zugang zum Markt. Klar. Und was die Gefahr angeht, also nur, dass man eine Größenordnung im Kopf hat, Sie haben eben schon gesagt, das ist ein Scheidepunkt, aber was heißt das für die rund 400.000 Arbeitsplätze in dem Bereich? Das kann ich nicht abschätzen. Okay. Also das kann ich nicht abschätzen.

Wir bei Enpal sind, glaube ich, bei 4.500, 5.000 Angestellte. Und unsere Wettbewerber, also ich glaube, in diesem Energy-Tech-Bereich sind wir eher so 20.000, 30.000 Angestellte. Aber das ist ein Bauchgefühl. Und das ist schon auch wirklich ein kritisches Thema für die, weil die eben in diese Zukunftstechnologien investieren.

Und was machen Sie jetzt, um sich einzustellen? Man muss ja erstmal davon ausgehen, dass das so kommt, wie Frau Reich ist. Ach, da bin ich, also auch da, auch auf die Gefahren, mich zu wiederholen. Ich bin lang genug dabei und es gilt das Struck'sche Gesetz. Kein Gesetz verlässt den Bundestag so, wie es reingekommen ist.

Das ist einfach so. Ich bin mir da sicher, dass gerade auch so Themen, die so politisch aufgeladen sind wie Förderung, und jetzt auch bei dieser Wirkleistungsreduzierung, wo man merkt, dass ein Kollateralschaden auch für die Automobilwirtschaft mit drin steckt, glaube ich, noch Allianzen in den nächsten Wochen, quasi aufs Parkett kommen und der Gegenwind da noch stärker wird, dass da noch Veränderungen durchaus möglich sind.

Wo wird der meiste Gegenwind herkommen? Weil wir vorhin schon einen CDU-Bürgermeister, angesprochen hatten. Weil ich glaube, speziell auf kommunaler Ebene ist auch in der eigenen Partei ist man nicht zufrieden mit der Arbeit. Der Gegenwind wird aus Sachsen-Anhalt kommen, aus Berlin, überall wo Landtagswahlen anstehen.

Und auch aus der eigenen Partei. Und aus der eigenen Partei. Wenn man merkt, dass wir hier auf einmal Widersprüche erzeugen, indem wir sagen, ihr müsst mehr Markt, aber wir erlauben euch das nicht, mehr Markt zu machen, dann kratzt das natürlich auch an der DNA der eigenen Partei der Ministerin. Bin ich sehr gespannt, weil es ja auch die andere Erzählung gibt, dass die CDU das im Moment so macht, weil es eben gerade, weil die Sorge eben davor, dass die AfD, eine Partei, die wirklich gar nichts mit erneuerbaren Energien zu tun haben möchte, gewinnen könnte, gerade weil sie haben Sachsen-Anhalt angesprochen, das steht jetzt kurz bevor und da sieht es ziemlich gut aus für die AfD.

Das heißt, da sagt man eben, wir müssen Zugeständnisse machen, weil auch die Energiepolitik so ein Reizthema ist. Sie sind aber optimistisch und sagen, nee, der Druck wird aus der anderen Richtung größer sein am Ende. Ja, ich glaube, wahrscheinlich sogar aus allen Richtungen wird der Druck steigen, denn.

Es ist ja mittlerweile hinlänglich bekannt, dass beispielsweise der Ausbau der Gaskraftwerke, ich weiß gar nicht, ob man das überhaupt mitbekommen hat, man hat jetzt in das Gesetz geschrieben, dass ich bis zu 244.000 Euro pro Megawatt bekomme für ein Gaskraftwerk und habe das Konstrukt so geschaffen, dass auf gar keinen Fall Speicher, zum Zuge kommen können im Rahmen der Ausschreibung.

Die müssen zehn Stunden lang laufen können, habe ich ohne Pause. Genau. Und jeder weiß, dass dieses Konstrukt den Strompreis steigen wird. Also sie gehen hier ja unnötig ein Risiko ein, um den Wählerinnen und Wählern in Sachsen-Anhalt, in Berlin, die vielleicht noch nicht wissen, wo sie das Kreuz machen sollen, eigentlich gesagt wird, also mit uns könnt ihr auf jeden Fall gerade mit steigenden Strompreisen rechnen.

Dann wäre es doch eigentlich opportun zu sagen, okay, ich gucke mir nochmal die anderen Optionen an, die wirklich irgendwie Strompreissenken sind. Dann sind wir mal gespannt, ob das wirklich schon so bei allen angekommen ist. Ich möchte wetten, auch bei der AfD gibt es viele Menschen, die bereits eine Solaranlage und eine Wärmepumpe und ein E-Auto haben. Ich bin mir nicht sicher, ob dieses Argument mit den Kohlekraftwerken und dem russischen Gas verfängt bei ganz vielen Menschen.

Ja, aber es ist ja spannend zu sehen, dass eine Partei, die so massiv gegen die Energiewende sich ausspricht, so einen großen Zulauf bekommt. Das mag aus anderen Gründen sein, aber es ist eben einer der Punkte da drin und eine politische, reale Gefahr. Und bevor du jetzt beendest, weil du vorhin fast entschuldigend Klimaschutz erwähnt hast, ich finde, wenn man sich aktuell die Lage auf dem Rhein anguckt und was, in Europa so los ist, ich glaube, wir zeichnen auf am Freitag, 14.

August und steuern auf die fünfte Hitzewelle zu. Ich habe vergessen, wie viele Hitzewellen wir jetzt dieses Jahr schon hatten. In Deutschland geht es ja immer noch, wo man das vergleicht mit Frankreich oder Spanien. Aber auch hier sind so viele Tausende Menschen daran gestorben. Das ist schon dramatisch.

Die Entwicklung zu depriorisieren oder Klimaschutz zu depriorisieren, ich glaube, das ist kein.

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