Datenschutz-Plaudereien· Folge 425
DAT425 Brisantes Datenleck beim Onlinemagazin «Republik» (Datenlecks in der Schweiz, Teil 2)
Donnerstag, 22. Oktober 2026 · 18 min
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Shownotes
Wieso ist das Datenleck bei der «Republik» besonders brisant?
• Teil 1: DAT424 Ein Datenleck nach dem anderen – und niemand regt sich auf? (podcast.datenschutzpartner.ch/424-datenleck-pu…)
Weblinks:
Datenleck bei der «Republik»:
• Hacker erbeuten Republik-Nutzerdaten (republik.ch/2026/10/15/hacker-erbeuten-republi…) («Republik»)
• Republik: Hackerangriff auf die «Republik»: Daten aller Nutzer gestohlen (persoenlich.com/digital/hacker-erbeuten-daten-…) (persoenlich.com)
• Wo die Republik abhängig von Big Tech ist (republik.ch/2026/07/13/wo-die-republik-abhaeng…) («Republik»)
• Anonyme Kommentare auf News-Portalen und Quellenschutz (medialex.ch/2022/10/07/anonyme-kommentare-auf-…) (Daniel Glasl, Medialex)
Artikel in der «Republik» über andere Datenlecks:
• CH Media und NZZ: Die Stille nach dem Datenklau (republik.ch/2023/07/04/die-stille-nach-dem-dat…) («Republik«)
• meineimpfungen.ch: Wollen Sie wissen, womit Viola Amherd geimpft ist? (republik.ch/2021/03/23/wollen-sie-wissen-womit…) («Republik»)
• OneLog: Was der Angriff auf das Prestigeprojekt der Schweizer Medienhäuser bedeutet (republik.ch/2024/11/04/was-der-angriff-auf-das…) («Republik»)
• Viseca: Zehntausende Schweizer Kreditkarten-Abrechnungen offen zugänglich im Internet (republik.ch/2023/03/20/kreditkarten-abrechnung…) («Republik»)
• Xplain: ein Beschaffungsskandal (republik.ch/2023/09/25/xplain-ein-beschaffungs…) («Republik»)
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Über die «Datenschutz-Plaudereien»
Rechtsanwalt Martin Steiger (martinsteiger.ch) und Andreas Von Gunten (andreasvongunten.com), Co-Gründer von Datenschutzpartner (datenschutzpartner.ch), plaudern über Aktuelles, Bemerkenswertes und Persönliches rund um den Datenschutz und verwandte Themen.
Impressum: datenschutzpartner.ch/impressum
Transkriptvom Podcast bereitgestellt · Zeitmarken springen hin
Sprecher: Willkommen bei den Datenschutz-Plaudereien. Sprecher: Aktuelles, Bemerkenswertes und Persönliches Sprecher: rund um den Datenschutz und verwandte Themen. Andreas Von Gunten: Ich bin auch ein bisschen überfordert, Andreas Von Gunten: muss ich fast sagen, mit der Vorstellung, Andreas Von Gunten: dass es eben auch so wenig Andreas Von Gunten: Aufschrei im Moment gibt, was das anbelangt.
Andreas Von Gunten: Wenn ich mir vorstelle: Das muss doch Andreas Von Gunten: ein gefundenes Fressen sein für Andreas Von Gunten: alle journalistisch tätigen Menschen Andreas Von Gunten: in dem Bereich, Andreas Von Gunten: wo man wirklich nachgehen muss: Andreas Von Gunten: Was ist da eigentlich passiert?
Andreas Von Gunten: Ich hoffe schon, dass da noch etwas mehr kommt. Martin Steiger: Ja, Martin Steiger: das hoffe ich auch. Martin Steiger: Allerdings ist medial Martin Steiger: nicht mehr so viel übrig, Martin Steiger: was sich darum Martin Steiger: kümmern kann, muss man ganz klar sagen. Martin Steiger: Und von den Daten her finde ich es tatsächlich einen Unterschied, Martin Steiger: ob jetzt wie bei Ricardo, Martin Steiger: also letztlich im E-Commerce.
Martin Steiger: Und ja, Martin Steiger: Zahlungsdaten sind ja im Normalfall immer gut geschützt, Martin Steiger: weil sie dann an einem anderen Ort liegen, nämlich beim Zahlungsdienstleister. Martin Steiger: Häufig bei, ich sage mal, Martin Steiger: bösen Amerikanern wie Stripe oder PayPal. Martin Steiger: Das betonen sie ja immer, Martin Steiger: oder, dass die nicht abhandenkamen, weil sie die Daten gar nicht haben.
Martin Steiger: Also, Martin Steiger: was man nicht hat, kann nicht abhandenkommen, natürlich. Martin Steiger: Und das andere ist wirklich die Pensionskasse oder quid.ch. Martin Steiger: Da geht es auch um Arbeitsverhältnisse. Martin Steiger: Ich finde, das hat dann schon eine andere Dimension. Martin Steiger: Dort ist dann eben auch nicht nur die Frage: Martin Steiger: Ja, Martin Steiger: ist jetzt Dein Phishing-Risiko Martin Steiger: ganz leicht gestiegen, wenn wir ehrlich sind?
Martin Steiger: Weil es eh ein Alltagsrisiko ist. Martin Steiger: Es gibt so viele Datenlecks, da musst Du immer aufpassen. Martin Steiger: Oder sind es dann wirklich Daten, Martin Steiger: bei denen es auch um widerrechtliche Persönlichkeitsverletzungen geht? Martin Steiger: Also, wo Du dann wirklich einen tatsächlichen Schaden hast, im eigentlichen Sinn.
Martin Steiger: Vielleicht nicht finanziell, aber eben auch beim Persönlichkeitsschutz in der Schweiz. Martin Steiger: Jetzt, Andi, weil Du ja die Medienschaffenden erwähnt hast, kommen wir noch zur Republik. Martin Steiger: Das ist natürlich ein spezieller Fall, Martin Steiger: weil ich jetzt auch viel Häme erlebt habe.
Martin Steiger: Bei der Republik arbeitet die bekannte IT-Journalistin Adrienne Fichter. Martin Steiger: Sie hat seit Jahren, wenn irgendwo ein IT-Problem ist, Martin Steiger: ein Datenleck oder so, dann gibt sie Vollgas. Martin Steiger: Da gab es einen Fall, Martin Steiger: zum Beispiel meineimpfungen.ch, Martin Steiger: dann auch den Angriff auf CH Media und NZZ, Martin Steiger: OneLog, Martin Steiger: Viseca, Martin Steiger: Kreditkartendaten.
Martin Steiger: Jetzt hat es die Republik erwischt. Martin Steiger: Und ich finde es interessant: Martin Steiger: Sie haben die betroffenen Personen Martin Steiger: eigentlich brutal schonungslos informiert. Martin Steiger: Das ist zum Teil auch gelobt worden. Martin Steiger: Jemand bei LinkedIn, ich weiss gar nicht mehr, wer es war, Martin Steiger: hat gesagt: Martin Steiger: Okay, Martin Steiger: das ist so positiv, Martin Steiger: wie wenn Du irgendwie über eine tödliche Krebsdiagnose informiert wirst.
Martin Steiger: Und es hat so etwas, Martin Steiger: oder? Martin Steiger: Weil es schonungslos ist. Die erklären: Martin Steiger: Es ist wirklich ganz übel, Martin Steiger: wie es bei ihnen gelaufen ist. Martin Steiger: Auch dort kann man daraus lernen. Martin Steiger: Aber da habe ich mich auch gefragt: Martin Steiger: Für mich als betroffene Person, Martin Steiger: ehrlich gesagt, ich bin gar nicht sicher, Martin Steiger: ob ich so schonungslos informiert werden möchte.
Andreas Von Gunten: Ja, Andreas Von Gunten: also, Andreas Von Gunten: nein, ich muss es auch sagen: Ich habe als Erstes natürlich, Andreas Von Gunten: weil ich, Andreas Von Gunten: Du weisst, dass ich auch einer der ersten Abonnenten bin und sogenannter Verleger der Republik, Andreas Von Gunten: und ich finde das Magazin eigentlich gut.
Andreas Von Gunten: Ich finde es gut, Andreas Von Gunten: dass es das gibt. Ich finde es gut, Andreas Von Gunten: was sie machen. Andreas Von Gunten: Ich kenne auch Adrienne persönlich, Andreas Von Gunten: wobei ich sie hier herausnehmen möchte. Andreas Von Gunten: Sie hat damit nichts zu tun. Sie ist nicht die technische Verantwortliche der Republik.
Andreas Von Gunten: Und es ist jetzt auch nicht egal: Sie haben ein oder zwei Journalistinnen. Andreas Von Gunten: Es gibt auch andere Journalistinnen, die über Digitalisierung schreiben in der Republik. Andreas Von Gunten: Ich finde wichtig, dass man sagen kann: Die Republik ist eines dieser Magazine, die sich sehr stark um die Digitalisierung kümmern.
Andreas Von Gunten: Das muss man von dieser Seite auch sagen, Andreas Von Gunten: dass es gut ist, dass es das gibt. Andreas Von Gunten: Und natürlich ist es dann besonders hart und besonders schlimm, Andreas Von Gunten: wenn bei ihnen so etwas passiert. Andreas Von Gunten: Vor allem, wenn man nachher informiert wird, wie Du das beschreibst.
Andreas Von Gunten: Man sieht: Andreas Von Gunten: Sie haben wirklich gravierende Fehler gemacht. Andreas Von Gunten: Aber beim ersten Lesen musste ich natürlich dreimal leer schlucken und habe wirklich auch gedacht: Andreas Von Gunten: Meine Güte! Andreas Von Gunten: Und beim zweiten und dritten Mal Lesen habe ich dann aber langsam schon das Gefühl bekommen: Andreas Von Gunten: Das ist eigentlich gut. Das ist eigentlich das, was wir uns von allen wünschen.
Andreas Von Gunten: Also das muss man eigentlich sagen: Das ist das, was ich mir von allen wünschen würde. Andreas Von Gunten: Dass sie genau sagen können, was eigentlich passiert ist. Andreas Von Gunten: Und das Einzige, was mich an dem Beitrag gestört hat, an dem langen, den sie geschrieben haben, Andreas Von Gunten: der öffentlich ist und in dem man lesen kann, was alles passiert ist, Andreas Von Gunten: ist, dass sie dort irgendwann schreiben, Andreas Von Gunten: sie übernehmen die volle Verantwortung.
Andreas Von Gunten: Und das finde ich, ist so eine Floskel, oder? Andreas Von Gunten: Was heisst das schon? Andreas Von Gunten: Das heisst einfach, ich schreibe noch einmal hin: Andreas Von Gunten: Ich übernehme Verantwortung. Andreas Von Gunten: Das wäre nicht nötig in meinen Augen, Andreas Von Gunten: weil sie gezeigt haben, dass sie es ehrlich meinen, auch mit ihren Ansprüchen an die anderen, dass sie mindestens darüber informieren.
Andreas Von Gunten: Und wie das passieren konnte, Andreas Von Gunten: habe ich jetzt auch das Gefühl: Da hat man einfach zu wenig gut hingeschaut. Andreas Von Gunten: Da ist irgendeine Mentalität entstanden, Andreas Von Gunten: die nicht die richtige war, und man hat zu wenig gut hingeschaut. Andreas Von Gunten: Wir können nachher noch über Details sprechen, natürlich.
Martin Steiger: Dieser Satz mit der Verantwortung ist mir aufgefallen. Martin Steiger: Ich zitiere: «Wir bedauern das sehr. Wir übernehmen für diese Fehler die volle Verantwortung.» Martin Steiger: Das heisst überhaupt nichts. Martin Steiger: Es heisst wirklich nichts. Martin Steiger: Es heisst nichts.
Martin Steiger: Und ich muss sagen, es hat schon schlecht angefangen. Martin Steiger: Im Lead zu diesem Artikel, den wir auch in den Shownotes verlinken, Martin Steiger: steht unter anderem: «Alle Informationen zu dem Vorfall, Martin Steiger: für den wir uns in aller Form entschuldigen.» Martin Steiger: Und da wieder, Martin Steiger: das fällt mir immer auf: Martin Steiger: Eine Entschuldigung ist zweiseitig. Man kann andere Menschen um Entschuldigung bitten.
Martin Steiger: Die Menschen können die Entschuldigung annehmen oder nicht. Martin Steiger: Logisch sagt man: «Sorry, ich entschuldige mich», und so weiter. Martin Steiger: Aber das fällt mir häufig auf in dieser Situation, Martin Steiger: dass man sagt: «Ja, wir haben uns ja entschuldigt, Martin Steiger: wir übernehmen die Verantwortung», Martin Steiger: aber das heisst dann wie nichts.
Martin Steiger: Also ich als betroffene Person, Martin Steiger: für mich ändert sich genau nichts. Martin Steiger: Natürlich wollen die das nicht. Martin Steiger: Niemand will irgendwie angegriffen werden, Daten verlieren und so weiter. Martin Steiger: Aber reden wir noch rasch über Fehler, Martin Steiger: weil das doch spektakulär ist, auch von den Auswirkungen her.
Martin Steiger: Also offenbar hat die Republik Metabase eingesetzt. Martin Steiger: Wer das nicht kennt: Das ist so ein Business-Intelligence-Tool, Martin Steiger: ein KI-basiertes. Martin Steiger: Das gibt es als Open-Source-Software, Martin Steiger: aber es gibt auch Enterprise-Versionen. Martin Steiger: Und wie typisch für Business-Intelligence-Tools, Martin Steiger: im Prinzip lebt es davon, Martin Steiger: dass da möglichst viele Daten drin sind.
Martin Steiger: Bei der Republik hat man wohl von ihrer Datenbank eine Kopie genommen und dem Tool Martin Steiger: darauf Zugriff gegeben, wahrscheinlich nur Lesezugriff, Martin Steiger: aber das Tool hat vollen Zugriff auf die Daten. Martin Steiger: Das ist typisch für diese Art von Tool, dass man sie mit ganz vielen anderen Datenbanken verbindet.
Martin Steiger: Und dadurch ist das Tool natürlich ein wichtiger Angriffsvektor. Martin Steiger: Also wenn Du in einem Unternehmen, Martin Steiger: in einer Organisation, Martin Steiger: in einer Behörde auf das Business-Intelligence-Tool Zugriff hast, Martin Steiger: dann kannst Du Dich eigentlich in der Organisation fortbewegen, hast auf alles Zugriff.
Martin Steiger: Das müsste man besonders gut schützen. Martin Steiger: Metabase hatte nicht zum ersten Mal eine gravierende Sicherheitslücke. Martin Steiger: Dadurch konnte man auf die Datenbank zugreifen. Martin Steiger: Das war das Problem. Martin Steiger: Die Sicherheitslücke ist das eine, aber die Republik hat nicht gemerkt, dass sie updaten musste.
Martin Steiger: Sie haben die E-Mails nicht abonniert. Martin Steiger: Sie haben einfach nicht gemerkt, dass sie das updaten mussten. Martin Steiger: Sie haben es erst gemerkt, als das Tool dann nicht mehr richtig funktioniert hat. Martin Steiger: Und es ist dann offenbar ihre ganze Datenbank abgesaugt worden.
Martin Steiger: Das ist das eine, Martin Steiger: also schon blöd genug. Martin Steiger: Das hat alle Nutzerdaten und weiss nicht was. Martin Steiger: Und das andere, was ausdrücklich gesagt wurde, was eben auch abgesaugt worden ist, Martin Steiger: mutmasslich mindestens teilweise, Martin Steiger: sind die Daten aus dem E-Voting.
Martin Steiger: Du hast gesagt, Martin Steiger: man ist Verlegerin oder Verleger. Martin Steiger: Es gibt eine sehr komplizierte Struktur. Martin Steiger: Eigentlich ist man Abonnentin oder Abonnent. Martin Steiger: Und der Überbau, die Abstimmungen, Martin Steiger: unter 90 Prozent geht es natürlich nie bei den Wahlabstimmungen.
Martin Steiger: Aber E-Voting, und die Daten sind auch noch vorhanden gewesen. Martin Steiger: Also das sind E-Voting-Daten, ja jetzt nicht vom Staat, Martin Steiger: aber trotzdem, Martin Steiger: oder? Martin Steiger: Und das andere ist, Martin Steiger: dass Du bei der Republik anonym kommentieren kannst, Martin Steiger: wenn Du Abonnentin oder Abonnent bist, also wenn Du einen Account hast.
Martin Steiger: Und auch diese Daten sind abhandengekommen. Martin Steiger: Das ist eben so, Martin Steiger: dass ... Martin Steiger: Das sieht man auch als Nutzerin oder Nutzer. Martin Steiger: Also diese Kommentare sind mit Identitäten verknüpft. Martin Steiger: Also die sind nicht anonymisiert oder so.
Martin Steiger: Das finde ich noch besonders speziell. Martin Steiger: Ja, das E-Voting, geschenkt. Martin Steiger: Aber die Leserkommentare in der Schweiz, Martin Steiger: also die Schweizer Medienbranche, Martin Steiger: beansprucht für diese Leserkommentare den Quellenschutz. Martin Steiger: Das hat man einmal vor dem Bundesgericht durchgesetzt, Martin Steiger: ein Entscheid im Zusammenhang mit dem Schweizer Radio und Fernsehen.
Martin Steiger: Also jeder noch so trümmlige Leserkommentar. Martin Steiger: Also alle sagen immer: Ja, Martin Steiger: Quellenschutz, Martin Steiger: wir geben nichts heraus, wir ermöglichen keine Strafverfolgung. Martin Steiger: Die ausgerechnet, die Republik, hat das einfach völlig vernachlässigt, Martin Steiger: und das hat auch in der Diskussion zu dem Beitrag zu erheblicher Kritik geführt.
Martin Steiger: Und das ist eben auch das Ding: Martin Steiger: Wenn man halt auf dem hohen Ross sitzt, Martin Steiger: mit dem Finger auf die anderen zeigt, Martin Steiger: immer so: «Wir sind die Besten in allem», Martin Steiger: oder: «Wir haben den Journalismus neu erfunden», und so weiter, Martin Steiger: dann kollidiert das halt extrem, Martin Steiger: wenn Du da wirklich schonungslos einen Einblick hast Martin Steiger: in das, was die Republik gerne als Maschinenraum bezeichnet.
Andreas Von Gunten: Ja, Andreas Von Gunten: jetzt kommen natürlich gerade ein paar Sachen aus mir heraus zu diesen Punkten. Andreas Von Gunten: Also ich finde natürlich auch, ganz grundsätzlich das Grosse, Andreas Von Gunten: das Schlimme ist wirklich das mit den anonymen Kommentaren. Andreas Von Gunten: Dass die abfliessen konnten.
Andreas Von Gunten: Und da gibt es auch ganz viele Fragezeichen, die ich habe. Andreas Von Gunten: Also warum nutzt denn die Republik überhaupt so etwas wie Metabase? Andreas Von Gunten: Klar, Andreas Von Gunten: es kann sein, dass sie da irgendwelche wirklich gescheiten Informationen erhalten. Andreas Von Gunten: Ich wage das aber ehrlich gesagt ein wenig zu bezweifeln.
Andreas Von Gunten: Ich merke das immer wieder. Andreas Von Gunten: Übrigens nervt mich das sowieso bei allen Onlinezeitungen, nicht nur bei der Republik, bei allen. Andreas Von Gunten: Warum müssen die auch noch wissen, Andreas Von Gunten: was ich jetzt genau lese, welchen Artikel ich lese? Das scheisst mich eigentlich an.
Andreas Von Gunten: Das müssen sie eigentlich gar nicht wissen. Andreas Von Gunten: Aber es geht nicht anders. Du musst Dich ja einloggen, Du musst das Zeug dann haben, aber von mir aus sollst Du das machen. Andreas Von Gunten: Aber auch dort, da fängt für mich das Problem schon an: Man müsste eigentlich nicht auf die Person zurückführen können, was die einzelne Person liest.
Andreas Von Gunten: Man kann das von mir aus verwerten, aber man muss eigentlich nicht wissen, Andreas Von Gunten: wer das ist. Andreas Von Gunten: Und dort fängt natürlich für mich das grosse Problem schon mal grundsätzlich an, Andreas Von Gunten: dass man überhaupt so eine Software einsetzt, auch als Republik.
Andreas Von Gunten: Aber nehmen wir mal an, Andreas Von Gunten: sie brauchen das wirklich, Andreas Von Gunten: um das Angebot zu verbessern. Andreas Von Gunten: Das will ich ja auch letztendlich haben. Andreas Von Gunten: Dann ist die grosse Frage: Andreas Von Gunten: Warum aber alle Daten? Andreas Von Gunten: Warum haben sie das nicht anders konfiguriert?
Andreas Von Gunten: Und dann natürlich das, was ich nicht verstehe, ist das mit dem Update. Andreas Von Gunten: Also wenn sie schon eine neue Software aufziehen, Andreas Von Gunten: dass sie da so offen waren. Andreas Von Gunten: Also ich sehe es ein bisschen so: Andreas Von Gunten: Das ist das, was man wahrscheinlich etwas tragisch findet.
Andreas Von Gunten: Aber ich möchte ihnen da auch schon noch etwas dazu sagen. Andreas Von Gunten: Man hat das Gefühl, Andreas Von Gunten: sie haben eigentlich die grundlegenden Regeln, Andreas Von Gunten: die sie von den Firmen verlangen, Andreas Von Gunten: in ihren Beiträgen, Andreas Von Gunten: selber nicht eingehalten.
Andreas Von Gunten: Es gibt wahrscheinlich keinen Qualitätssicherungsprozess, Andreas Von Gunten: bei dem sie wirklich schauen, Andreas Von Gunten: wie die Andreas Von Gunten: selber betriebene Software Andreas Von Gunten: regelmässig gewartet wird. Andreas Von Gunten: Ist das alles im Griff? Andreas Von Gunten: Was man eigentlich bei Andreas Von Gunten: allen anderen verlangt, Andreas Von Gunten: und zu Recht auch verlangt: Andreas Von Gunten: Hat man die IT-Infrastruktur Andreas Von Gunten: im Griff?
Andreas Von Gunten: Und dazu gehört, Andreas Von Gunten: definitiv sicherzustellen, dass die Software, Andreas Von Gunten: die man selber betreibt, dass man dort weiss, Andreas Von Gunten: wann man updaten muss. Andreas Von Gunten: Und dass man eigentlich immer updaten muss. Andreas Von Gunten: Man muss eigentlich immer updaten.
Andreas Von Gunten: Man kann es nicht oft genug wiederholen. Andreas Von Gunten: Und das ist schon ein grosses Problem. Andreas Von Gunten: Und Andreas Von Gunten: darum verstehe ich auch, dass es eine wüste Häme darum gibt. Andreas Von Gunten: Ich finde aber gleichzeitig auch, Andreas Von Gunten: und das dürfen wir schon nicht vergessen: Andreas Von Gunten: Auch wenn die Republik ein bisschen anders organisiert ist als andere, Andreas Von Gunten: wir haben eine Redaktion.
Andreas Von Gunten: Und die Redaktion, die arbeitet redaktionell, die schreibt Beiträge, Andreas Von Gunten: die recherchiert, Andreas Von Gunten: die schreibt über die Welt. Andreas Von Gunten: Und wir haben eine Organisation, die den Betrieb aufrechterhält. Andreas Von Gunten: Wir haben eine Administration, Andreas Von Gunten: wir haben eine Lohnbuchhaltung, Andreas Von Gunten: wir haben eine Buchhaltung, wir haben eine IT.
Andreas Von Gunten: Und ich finde nicht, dass die Leute, Andreas Von Gunten: die in der Redaktion arbeiten Andreas Von Gunten: und mit Recht in meinen Augen an anderen Orten Andreas Von Gunten: auf Missstände hinweisen, Andreas Von Gunten: dass die verantwortlich sind Andreas Von Gunten: und verantwortlich zu machen sind Andreas Von Gunten: für allfällige Probleme, Andreas Von Gunten: die es intern geben könnte.
Andreas Von Gunten: Also mich dünkt, Andreas Von Gunten: da muss man schon auch noch ein bisschen unterscheiden. Andreas Von Gunten: Aber natürlich hoffe ich jetzt schon, Andreas Von Gunten: dass man dann merkt, Andreas Von Gunten: man müsste eigentlich schon auch ernsthaft Andreas Von Gunten: selber bei sich schauen, Andreas Von Gunten: was das bedeutet.
Andreas Von Gunten: Also es muss von den anderen kommen, Andreas Von Gunten: es muss von der strategischen Führung her kommen, Andreas Von Gunten: die sagen: «Hey, Andreas Von Gunten: das müssen wir im Griff haben, Andreas Von Gunten: wenn wir schon bei den anderen die ganze Zeit hingehen und motzen.» Andreas Von Gunten: Aber ja, also noch einmal: Andreas Von Gunten: Ich bin auch erschrocken Andreas Von Gunten: und ich finde es tragisch.
Andreas Von Gunten: Und ich habe noch eine kleine Bemerkung Andreas Von Gunten: zu dem, was wir vorhin kurz hatten. Andreas Von Gunten: Lustig fand ich tatsächlich, Andreas Von Gunten: dass sie dann noch geschrieben haben, Andreas Von Gunten: die Kreditkartendaten sind nicht weg. Andreas Von Gunten: Die sind bei Stripe, und da hat es mich fast verblüfft.
Andreas Von Gunten: Ich meine, ich weiss ja, was bei Stripe ist, aber ich finde das natürlich besonders lustig, wenn man dann eigentlich muss ... Andreas Von Gunten: Ich muss sagen: Andreas Von Gunten: Ja, Andreas Von Gunten: eben bei dem bösen Amerikaner, dort ist das Zeug ganz gut und sicher aufbewahrt.
Martin Steiger: Ja, die Republik hat ja auch öffentlich sichtbar gesagt: Martin Steiger: Wir wollen da digitale Souveränität. Martin Steiger: Sie haben zum Beispiel auch ihre E-Mails, glaube ich, von Google Workspace zu Proton gewechselt, Martin Steiger: was ich persönlich für den Quellenschutz für verheerend halte.
Martin Steiger: Also wenn Du eine Schweizer Quelle bist, Martin Steiger: willst Du nicht, dass Deine E-Mails Martin Steiger: bei einem Schweizer Provider liegen, Martin Steiger: auch nicht bei Proton. Martin Steiger: Ganz eine schlechte Idee. Martin Steiger: Also auch dort habe ich das Thema: Martin Steiger: Hauptsache in der Schweiz, Martin Steiger: dann ist alles gut, Martin Steiger: obwohl man es eigentlich besser wissen müsste.
Martin Steiger: Die Republik, Martin Steiger: Adrienne Fichter, Martin Steiger: reagiert nicht gut auf kritische Hinweise. Martin Steiger: Das muss man auch sagen. Martin Steiger: Aber mit der Verantwortung: Martin Steiger: Ja, natürlich sind nicht die Medienschaffenden verantwortlich. Martin Steiger: Das ist klar.
Martin Steiger: Ein anderes Problem ist natürlich: Gleichzeitig sind sie das Gesicht des Unternehmens. Martin Steiger: Also es ist genauso bei der SBB. Martin Steiger: Wenn ich unzufrieden bin mit der SBB, ist im Normalfall nicht die Mitarbeiterin oder der Mitarbeiter an der Front verantwortlich. Martin Steiger: Aber er ist das Gesicht des Unternehmens, wortwörtlich.
Martin Steiger: Aber ich finde es wichtig, dass man hier differenziert. Martin Steiger: Es ist extrem banal. Martin Steiger: Natürlich können die Mitarbeitenden der Medien bei der Republik nichts dafür. Martin Steiger: Man hat auch auf LinkedIn diskutiert: Martin Steiger: Governance und so. Martin Steiger: Oder hätte der Verwaltungsrat etwas machen müssen?
Martin Steiger: Ich meine, was sollte der Verwaltungsrat machen? Martin Steiger: Soll er seine IT fragen, Martin Steiger: ob sie die Software aktualisiert? Martin Steiger: Also ich meine, Martin Steiger: ich finde es wirklich sehr schwierig. Martin Steiger: Man sitzt bis zu einem gewissen Grad auch im Glashaus.
Martin Steiger: Und eben spektakulär, das mit dem Quellenschutz und dann auch mit den Informationen, Martin Steiger: auch hier. Martin Steiger: Oder sie schreiben dann: Bis im Mai, also 2026, Martin Steiger: sei Metabase bei ihnen in einer Version von 2023 gelaufen. Martin Steiger: Sie haben gewusst, das sei ein Problem, Martin Steiger: weil Software, die nicht aktualisiert wird, Martin Steiger: Sicherheitslücken ansammelt.
Martin Steiger: Also da fängt es schon mal an: Martin Steiger: Wie unsicher ist dann Metabase damals schon gewesen? Martin Steiger: Sie konnten sie noch nicht einmal mehr aktualisieren auf der alten Plattform. Martin Steiger: Darum haben sie auf die neue Plattform migriert und dann auf die aktuelle Version upgedatet und so.
Martin Steiger: Die schonungslose Kommunikation wirft auch ganz viele Fragen auf. Martin Steiger: Sie haben sich auch Mühe gegeben, das zu beantworten, und so weiter. Martin Steiger: Also eben, Martin Steiger: sie bleiben sich auf eine Art schon treu, auch von der Länge des Artikels her. Martin Steiger: Das sagen sie überall als Beispiel.
Martin Steiger: Sie müssen wissen, Martin Steiger: also dank Metabase können sie wissen, Martin Steiger: wie denn, Martin Steiger: also welche Beiträge zu Ende gelesen werden. Martin Steiger: Ich habe den Verdacht, bei der Republik kaum ein Beitrag, weil die so lang sind, Martin Steiger: typischerweise.
Martin Steiger: Aber ja, Martin Steiger: also sie sind nicht kürzer geworden. Martin Steiger: Vielleicht zeigt Metabase auch, dass alles zu Ende gelesen wird, weil die, die da aktiv sind, so Fans sind. Martin Steiger: Ja, ich bin gespannt, Martin Steiger: was da herauskommt. Martin Steiger: Vielleicht noch das Letzte von mir, vom Feedback her.
Martin Steiger: Die Republik, Martin Steiger: keine Ahnung, wie viele betroffene Personen das sind, so 30'000, 40'000, mit den sogenannten Verlegerinnen und Verlegern, Newsletter-Abonnentinnen und -Abonnenten und so weiter. Martin Steiger: Und bis jetzt ist mein Feedback: irgendwie 235 Kommentare. Martin Steiger: Klar, vielleicht haben sich Leute noch mit ein paar E-Mails und so gemeldet, Martin Steiger: aber das ist natürlich auch sehr wenig.
Martin Steiger: Ja, Martin Steiger: und einfach da, oder, wir versuchen etwas daraus zu lernen. Martin Steiger: Also, Martin Steiger: eben einerseits Software aktualisieren und andererseits sich wirklich überlegen, ich weiss, das ist sehr schwierig, Martin Steiger: überall, Martin Steiger: welche Daten braucht man noch?
Martin Steiger: Also ich meine, braucht man Daten vom E-Voting, Martin Steiger: vom vergangenen E-Voting noch? Martin Steiger: Eigentlich nicht, Martin Steiger: oder, wenn Du ausgezählt hast. Martin Steiger: Also, Martin Steiger: eigentlich musst Du das nicht mehr verknüpfen können. Martin Steiger: Und eben ehrlich gesagt, die Wahlen und Abstimmungen, Martin Steiger: liebe Republik, Martin Steiger: schenkt Euch doch die komplizierte Struktur, Martin Steiger: die kostet schon mal viel Geld.
Martin Steiger: Sie führt jetzt eben zu Sicherheitsproblemen, Martin Steiger: weil Du vom Gesetz her bei der Genossenschaft Martin Steiger: für die Genossenschaft eine Adresse haben musst. Martin Steiger: Darum sind alle betroffenen Personen auch mit den Adressen exponiert, Martin Steiger: vielleicht auch mit den Adressen, die nicht so öffentlich werden sollen.
Martin Steiger: Das fliegt Dir jetzt halt leider ein bisschen um die Ohren. Martin Steiger: Ja, Martin Steiger: eben, Martin Steiger: Häme ist kein guter Charakterzug. Martin Steiger: Also ich weiss auch aus Beratungserfahrung, aus der Arbeit: Martin Steiger: Das ist hart, wenn Du da betroffen bist. Martin Steiger: Das nimmst Du im Endeffekt nicht auf die leichte Schulter.
Martin Steiger: Die Leute, da bin ich überzeugt, nehmen es garantiert nicht auf die leichte Schulter. Martin Steiger: Die sind auch hingestanden. Martin Steiger: Auch der Herr Tech hat den Beitrag verfasst. Martin Steiger: Das hat man bei anderen Unternehmen nicht. Martin Steiger: Von daher finde ich das alles in allem gut, ja, von der Kommunikation her.
Martin Steiger: Auch wenn ich mir nicht sicher bin, Martin Steiger: ob so etwas wie Psychohygiene wirklich hilft, Martin Steiger: wenn es einfach so zack geht. Martin Steiger: Also darum den Vergleich, Martin Steiger: wenn er auch krass ist, mit der Krebsdiagnose. Martin Steiger: Oder der Arzt hat Dich perfekt darüber informiert, Martin Steiger: dass Du irgendwie unheilbar an Krebs leidest.
Martin Steiger: Schwierig, aber ich finde den Vergleich noch gut. Andreas Von Gunten: Ja, ja, ich verstehe ihn auch. Andreas Von Gunten: Ich möchte trotzdem noch abschliessend sagen: Andreas Von Gunten: Ich wünsche mir tatsächlich, Andreas Von Gunten: ich habe es schon mal gesagt, Andreas Von Gunten: ich wünsche mir mehr solche Kommunikation, nicht unbedingt Andreas Von Gunten: in dieser Form. Sie muss nicht in dieser Länge sein, aber Andreas Von Gunten: sie sind wirklich schonungslos. Das muss man ihnen Andreas Von Gunten: zugutehalten, oder?
Andreas Von Gunten: Also, dass sie so Andreas Von Gunten: Details bringen, wie die Software, Andreas Von Gunten: sie sind 2023 Andreas Von Gunten: gelaufen oder nicht upgedatet worden. Andreas Von Gunten: Wie das gelaufen ist mit ... Also, Andreas Von Gunten: man muss schon Andreas Von Gunten: sagen, es bleiben fast keine Fragen übrig.
Andreas Von Gunten: Wenn Du sonst einen Beitrag liest Andreas Von Gunten: über so einen Breach, dann hast Du immer noch Andreas Von Gunten: tausend Fragen, und da muss man sagen: Man liest Andreas Von Gunten: den Artikel, und dann bleiben fast keine Fragen mehr übrig. Martin Steiger: Das stimmt. Martin Steiger: Wir hatten gerade das Gegenbeispiel mit Publica.
Martin Steiger: Im Streit mit einem Softwarelieferanten. Martin Steiger: Sie wissen eigentlich nichts. Andreas Von Gunten: Ja, vielleicht wissen sie tatsächlich nichts, Andreas Von Gunten: oder? Andreas Von Gunten: Dann kannst Du auch nicht einfach etwas behaupten. Martin Steiger: Ja, also ich denke, Martin Steiger: der Fall bei der Republik, Martin Steiger: wenn er nicht noch wider Erwarten eskaliert, Martin Steiger: der wird wesentlich schneller, Martin Steiger: sage ich, von der Wirkung her abgeschlossen sein.
Martin Steiger: Ja, Martin Steiger: Insider werden sich daran erinnern. Martin Steiger: Dumm gelaufen. Martin Steiger: Die Republik lernt gerade sicher sehr viel daraus. Martin Steiger: Das haben sie geschrieben. Martin Steiger: Während eben so ein Fall wie Publica, oder eigentlich Publica, eigentlich ist es unfair, von Publica zu reden, Martin Steiger: die haben die Software beschafft, also PK-Softech-Hack, okay, Martin Steiger: Publica hat wohl nie hingeschaut, sondern einfach, Martin Steiger: wie sagt man: Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser.
Martin Steiger: Aber ich glaube, Martin Steiger: dort werden die Auswirkungen natürlich noch viel weitergehend sein, eben bis hin irgendwie Martin Steiger: zu den Tarnidentitäten, oder ich weiss nicht. Andreas Von Gunten: Ja, ich denke, die Adresssammlung ist noch spektakulär. Andreas Von Gunten: Ich nehme an, wenn Du im Bund tätig bist, Andreas Von Gunten: dann bist Du dort.
Martin Steiger: Definitiv. Das wird noch viel zu reden geben, Martin Steiger: da bin ich ziemlich sicher. Sprecher: Haben Dir die Datenschutz-Plaudereien gefallen? Sprecher: Wir freuen uns über Deine Bewertung, Sprecher: Deinen Kommentar oder Deine Rückmeldung.