
Die Lage international mit Christian Mölling· Folge 294
Experte Mölling zu Irankrieg: "Das geht nicht ohne Bodentruppen"
Freitag, 6. März 2026 · 21 min
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Shownotes
Donald Trump hat „etwas Großes“ gegen den Iran angekündigt – doch was genau dahintersteckt, bleibt nebulös. Der Experte sagt: Ein Ziel ist ohne Bodentruppen unerreichbar.
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Es ist Freitag, der 6. März 2026. Hallo und herzlich willkommen zu einer neuen Folge von Die Lage International, einem Podcast des Stern. Mir zugeschaltet ist Christian Mölling, Senior Advisor beim Brüsseler Think Tank European Policy Center und mein Name ist Miriam Holstein, Chefreporterin Politik beim Stern. Guten Morgen, Herr Mölling.
Hallo, guten Morgen, Frau Holstein. Herr Mölling, jetzt tobt der Krieg im Iran gegen den Iran nach dem Angriff der USA und Israels seit knapp einer Woche und unvermindert weiter. Es gibt regelmäßig Angriffswellen von beiden Seiten. Trump hat nun angekündigt, dass noch was Großes kommen könnte. Rechnen Sie damit, dass die USA noch einmal versuchen könnten, wie schon im vergangenen Juni, die unterirdischen Atomanlagen des Iran anzugreifen?
Es gibt ja Berichte, dass das Pentagon gerade neue bunkerbrechende Bomben bestellt haben soll. Ja, also vielleicht muss man erstmal vor die Klammer ziehen, dass natürlich alles, was Donald Trump macht, groß ist. Klein geht bei ihm nicht, sondern es muss natürlich alles sozusagen einzigartig und einzigartig groß sein. Ich glaube, deswegen muss man das Ganze mit genügender Vorsicht erstmal nehmen.
Dass die Amerikaner bunkerbrechende Waffen bestellt haben, bedeutet ja auch nicht, dass sie sofort da sind. Sondern es heißt im Grunde genommen nur, dass sie im Arsenal möglicherweise eine Lücke haben. Kann aber darauf hindeuten, dass sie glauben, dass sie eine bestimmte Anzahl jetzt noch einsetzen müssen und schon mal bestellen, was dann später als Lücke da sein wird.
Also die kurze Antwort ist, man weiß es nicht. Die Bedingungen sind ja ganz offensichtlich, dass die Iraner sich unheimlich lange auf solche Situationen eingestellt haben und eine Unzahl an unterirdischen Anlagen haben, wo sie vielleicht das Material versteckt haben. Es geht ja nicht darum, dass es hier eine funktionierende Anlage gibt, die zerstört werden muss, die quasi immobil wäre.
Sondern es geht darum, dass das, was beim ersten Angriff gerettet werden konnte, und da gab es ja damals Videobilder davon, wie das Material weggeschafft worden ist, das jetzt zu finden, und das scheint mir, glaube ich, die größere Herausforderung zu sein, dazu wissen die Iraner auch, wie schlagkräftig die bunkerbrechenden Waffen sind.
Das heißt, man wird sich Dinge aussuchen, wo die Wahrscheinlichkeit, dass die bunkerbrechenden Waffen durchkommen, noch geringer ist. Wir erleben ja gerade, dass der Krieg sich ausweitet. Die NATO hat eine iranische Rakete nahe des türkischen Luftraums abgefangen. Gleichzeitig haben mehrere EU-Staaten Marineeinheiten nach Zypern entsandt, nachdem es dort ja einen iranischen Drohnenautengriff auf einen britischen Stützpunkt gab.
Und jetzt berichten amerikanische Medien, dass sich iranisch-kurdische Oppositionskräfte, die sich momentan im Irak aufhalten, auf eine Bodenoffensive in den nächsten Tagen vorbereiten würden. Offiziell ist es von der amerikanischen Regierung vorerst dementiert worden. Was ja nichts heißt. Was wäre das Ziel einer solchen Offensive und wo sehen Sie da die Risiken?
Also ich weiß nicht, ob es das Ziel einer solchen Offensive sein kann. Wir sind ja insgesamt ziemlich, wir tappen ziemlich im Dunkeln, was die wirklichen Ziele dieser Offensive angeht. Zumindest auf der amerikanischen Seite. Ich glaube, die Israelis sind sich sehr klar, was sie machen wollen. Und sie wissen, dass das Zeitfenster, das sie dafür haben, ich sag mal wackelig ist, weil es letztendlich was mit der erratischen Entscheidungsfähigkeit des amerikanischen Präsidenten zu tun hat.
Ich glaube, das ist der wichtige Punkt, diese Mechanik nochmal zu verstehen. Die Israelis konnten es nicht ohne die Amerikaner machen und sie können es nur so lange machen, wie die Amerikaner da sind, zumindest in der Stärke, weil die Amerikaner quasi die Türöffner sind in dem Zusammenhang. Also, dass man jetzt auf die Idee kommt, die Kurden wieder zu bewaffnen, das Problem ist, es ist nicht unplausibel, weil die Amerikaner eine hohe Risiko-Aversion haben.
Sie wollen keine eigenen Truppen schicken. Wir erinnern uns an 2003, an Irak, aber auch an Afghanistan, wo das quasi die dominante Strategie gewesen ist mit der Folge, dass es nachher halt im Desaster geendet hat. Es ist die Frage, glauben die, dass es dieses Mal besser funktionieren könnte? Oder aber ist es eine Ente?
Auch das wäre ja in diesen Tagen keine Besonderheit. Denn die neue Qualität dieses Krieges, finde ich, ist, dass es so viel Fake News gibt und KI-produzierte Videos über Dinge, die angeblich stattgefunden haben, die aber nicht stattgefunden haben, dass es wirklich extrem schwierig geworden ist, Das ist wahrscheinlich sowohl für Sie als auch für mich zu sagen, was ist denn eigentlich gerade der Fall und wo falle ich auf eine unheimlich gute Propagandamaschine eigentlich rein.
Man sagt ja eigentlich immer, dass in jedem Krieg das Erste ist, was stirbt es, die Wahrheit. Deswegen kommt es Ihnen so vor, als ob es in diesem Krieg besonders ausgeprägt wäre? Ja, das muss ich schon sagen. Es ist nicht nur, dass beide Konfliktparteien versuchen, den Krieg in ihrem Sinne darzustellen, das ist in Anführungsstrichen normal.
Das haben wir ja auch im Krieg zwischen der Ukraine und Russland. Aber das, was sie in sozialen Medien als Informationenangeboten bekommen von natürlich unverifizierten Quellen, die zwar ganz viele Follower haben, aber im Grunde genommen keine qualitative Ausbildung haben, das finde ich, dass dieses Störrauschen, das ist gar kein Hintergrundrauschen mehr, sondern das ist unheimlich dominant und die Sortierungsmöglichkeiten sind schwierig, weil natürlich nicht jeder drangeht und sich als erstes fragt, ist die Quelle verlässlich und nehme ich mir jetzt nochmal eine Stunde Zeit, die Information zu verifizieren.
Lassen Sie uns noch mal kurz über die Bodentruppen sprechen. Das war ja die große Überraschung vor ein paar Tagen, dass Trump den Einsatz von Bodentruppen nicht ausgeschlossen hat. Aber in der Tat wäre es für ihn mit einem enormen innenpolitischen Risiko, gerade mit Blick auf die Midturbans im November verbunden.
Wie beurteilen Sie denn das aus strategischer Sicht? Glauben Sie, dass es ohne Bodentruppen am Ende gehen wird? Naja, die Frage wäre dann ja nochmal, was soll gehen? Also soll es darum gehen, das Regime sozusagen zu entmachten? Oder was ist eigentlich das Ziel von Bodentruppen? Klar ist, wenn sie über ihr begrenztes Ziel, möglicherweise Atomanlagen zu zerstören und das Regime und seine ballistischen Raketen quasi zu entmachten und zu reduzieren, wenn sie darüber hinausgehen wollen und eine Kontrolle über das Land oder über das politische System ausüben wollen, dann geht das nicht ohne Bodentruppen.
Und dann ist natürlich immer, daher kommt diese Idee der Stellvertreter, also der Kurden, die jetzt möglicherweise das machen, die machen das aber nicht im Namen der Amerikaner, sondern mit eigenen Zielen. Und ob die bis Teheran marschieren würden oder ob sie im Grunde genommen nur dazu da sind, die iranischen Verbände zu verwirren und auseinanderzuziehen, sodass sie keine Schwerpunkte mehr bilden können, das wissen wir zum jetzigen Zeitpunkt nicht.
Klar ist aber, sie bringen einen Spieler, wenn das passieren würde, ins Spiel, der eigene Interessen in dem Zusammenhang verfolgt. Und es wird für die Amerikaner immer schwieriger, ein kohärentes Ziel zu verfolgen. Denn sie müssen ja parallel dazu jetzt schon die ganzen Golfstaaten managen, die natürlich entweder voller Sorge sind oder, ich übertreibe ein bisschen, voller Angriffslust auf die Iraner.
Die Amerikaner wollen aber sicherlich keinen Konflikt haben, wo sie auf einmal inmitten eines unkontrollierten Schlagabtausches zwischen dem Iran und ganz vielen anderen Staaten ihre eigene Operation durchführen müssen. Eine sehr effiziente, in Anführungsstrichen, Waffe des Iran ist ja momentan auch die Blockade der Straße von Hormuz, wo der Schiffsverkehr derzeit praktisch komplett zum Erliegen gekommen ist.
Die Revolutionsgarten hatten damit gedroht, dass an dieser Meerenge zwischen Iran und Oman, die ja an ihrer breitesten Stelle nur 55 Kilometer breit ist, jedes Schiff zu verbrennen, was da versuchen würde zu passieren. Und diese Straße ist, wie wir wissen, für den Öltransport zentral. Jeder fünfte Liter Öl muss hier passieren.
Und wir sehen jetzt, dass überall die Öl- und Benzinpreise explodieren. Welche Folgen wird das haben? Und Trump hatte ja angekündigt, dass die Schiffe Begleitschutz durch die amerikanische Marine bekommen könnten. Wie realistisch ist das? Also mein Tipp ist, dass die amerikanischen Kriegsschiffe, die zurzeit in der Gegend sind, alle eine Aufgabe haben, die mit dem Konflikt zu tun hat und nicht als Gleitschiffe dort sind.
Das heißt, die Aufgabe würde zusätzliche Schiffe bedeuten. Also das klingt dann relativ unrealistisch, weil es wahrscheinlich auch wirklich viele Schiffe sind, viele Öltanker sind, die man da durch die Straße von Humus begleiten müsste. Es ist auch nicht gesichert, dass diese Begleitschiffe dann in der Lage sind, jede Gefahr abzuwehren. Das kommt ja auch noch mit dazu.
Also nicht jedes Schiff ist in der Lage, Drohnen oder Flugkörper oder irgendwas anderes abzuwehren. Ich kann mir vorstellen, dass die Amerikaner vor allen Dingen jetzt erstmal Wert darauf gelegt haben mit der Zerstörung der iranischen Marine, dass es vor allen Dingen keine Minen gibt, die man nutzen kann.
Denn das wäre natürlich das Schlimmste. Minen bedeutet, man muss über Tage oder vielleicht sogar Wochen hinweg ein Gebiet räumen mit Minen. das dauert ganz, ganz lange in dem Zusammenhang. Wie lange das dauert? Und auch da muss man jetzt ganz ehrlich sagen, wir sind noch nicht mal eine Woche in diesem Krieg total schwer abzuschätzen, weil wir die Kriegsziele nicht kennen und auch nicht die Bereitschaft des Irans kennen, Kompromisse möglicherweise zu machen.
Also es kann ja sein, dass beide Seiten sich, also die Amerikaner und die Iranis, irgendwann einigen können, weil Trump keinen langen Krieg möchte. Und natürlich auch die steigenden Ölpreise und Spritpreise ihm direkt auf die Füße fallen, in der Stimmung, die er zu Hause hat. Also die Leute mögen vielleicht hier und da ambivalent sein mit Blick auf den Angriff des Iran.
Aber wenn sie es zu Hause spüren, zusätzlich zu den ohnehin ständig steigenden Lebenshaltungskosten in den USA, dann wird ihnen das für die Zwischenwahlen, die anstehen, sicherlich nicht helfen in dem Zusammenhang. Da ist die Frage, was wollen denn die Israelis und sind sie in der Lage, Trump bei der Stange zu halten in dem Zusammenhang?
Ich würde zum jetzigen Zeitpunkt erstmal davon ausgehen, dass das nicht monatelang ist, sondern vielleicht nur wochenlang und dass die Preisreaktion, das habe ich mir aber nicht genau angeguckt, dass die Preisreaktion erstmal wirklich eine Preisreaktion ist, die antizipiert, dass die Kosten für Öl teurer werden.
Und im Grunde genommen, da jetzt schon die Preise angehoben werden oder es auch einige Akteure gibt, die einfach versuchen, in diesem Moment jetzt Kasse zu machen, weil sie sagen, es scheint allen plausibel zu sein, dass die Preise steigen. Also heben wir mal den Preis an und dann gehen natürlich alle, ich sage es mal so einfach, alle Tankstellen gehen mit, weil sie alle ein paar Cent mehr verdienen können. Vielen Dank.
Der Iran könnte noch einen anderen Hebel nutzen, um in der Region großen Schaden anzurichten. Viele Golfstaaten sind ja auf importiertes Wasser und Wasserentsalzung angewiesen und der Iran könnte den regionalen Wasserfluss in Flüssen, die ins Golfbecken münden, reduzieren oder stören, was dann einen enormen Druck auf die Golfstaaten, besonders auf die Exportabhängigen, besonders Exportabhängigen ausüben könnte.
Halten Sie das für ein denkbares Szenario? Also ich würde es mal so sagen, denkbar ist zurzeit alles und es passiert ja auch schon viel. Die Iraner greifen ja ganz offensichtlich die Ölinfrastruktur rund um den Golf, um sich selbst sozusagen an. Um hier nicht nur die Staaten reinzuziehen, sondern auch ihnen Schaden zuzufügen, weil sie die USA unterstützen.
Das ist glaube ich das, was wir hier zum jetzigen Zeitpunkt sehen. Dass das ausgedehnt wird auf die Meerwasser-Einsalzungsanlagen, kann ich mir vorstellen. Ich habe allerdings keine Vorstellung, wie zentralisiert die sind. Also hat jedes Land eine, zwei, zehn oder 20. Das macht einen großen Unterschied mit Blick auf die Frage, wie viel Kraft müssen sie aufwenden, um tatsächlich einen relevanten Schaden hier entstehen zu lassen.
Interessant ist aber, finde ich, wenn man eine Ebene drüber geht, wie unvorbereitet offensichtlich viele Golfstaaten in diesem Zusammenhang sind, obwohl dieses Szenario sicher nicht nur in den letzten Wochen und Monaten, sondern eigentlich über Jahre angekündigt hat, dass es zu einem Konflikt mit dem Iran kommen könnte.
Und sie haben nur sehr selektiv sich Luftwaffen aufgebaut und andere Verbände aufgebaut. Aber die gesamte Flugabwehr ist offensichtlich ein Stiefkind dieser Entwicklung gewesen, ist total vernachlässigt worden. Das sehen wir an den unterschiedlichsten Treffern oder beinahe Treffern, die in den letzten Wochen, in den letzten Tagen passiert sind.
Das ist auch deswegen erstaunlich, weil der Iran, wenn er für eines bekannt ist seit Jahren, dann, dass er die Schahedt-Drohnen gebaut hat, die er erfolgreich an Russland verkauft hat. Und das eine sehr erfolgreiche Waffe ist. Offensichtlich hat man nicht geglaubt, dass man in dieselbe Lage kommen könnte wie die Ukraine.
Dann nochmal ganz kurz zurück zum Kern des Konflikts beziehungsweise jetzt dieses Krieges, nämlich zum Angriff der USA und Israel. Da sagen alle Völkerrechtler, nahezu alle Völkerrechtler, das verstößt gegen das Völkerrecht. Es gibt kein Mandat, es erfüllt nicht die Anforderungen an die Selbstverteidigungsklausel der UNO.
Nun gibt es einige, die dann ergänzend sagen, ja, das Völkerrecht ist für die aktuelle geopolitische Lage eben nicht mehr adäquat und einfach schlicht überholt. Und wenn ein Regime sein Volk regelrecht abschlachtet, dann muss darauf reagiert werden. Stichwort humanitäre Intervention. Ist da was dran?
Naja, ich glaube als erstes muss man sagen, das hier ist ja ganz offensichtlich keine humanitäre Intervention. Also zumindest, oder sagen wir mal so, es hängt davon ab, an welchem Tag man Donald Trump fragt, was der Grund dieser ganzen Geschichte ist. Das ändert sich bei ihm ja regelmäßig, mittlerweile ja sogar stündlich, was der Grund ist, warum man da jetzt gerade amerikanische Truppen schickt.
Aber lange Rede, kurzer Sinn, ähm, Also erstens, das ist keine humanitäre Intervention. Selbst wenn es sie wäre, wäre die Frage, ob das, was da gerade passiert, wirklich mit den Regeln auch nicht nur des Kriegsvölkerrechts, sondern auch quasi des Kriegsrechts in Einklang steht. Wir haben ja hier Treffer von zivilen Einrichtungen ein bisschen offensichtlich zu Schulen, die zu dem Zeitpunkt auch Besuch gewesen sind.
Alles das sind dramatische Entwicklungen. Zurück zu Ihrer anderen Frage, ist das Völkerrecht, ich will nicht sagen tot, aber nicht mehr angebracht? Ich glaube, da sind sich mittlerweile alle einig, bis auf ein paar Leute, die sozusagen vielleicht als Professoren ihr Geld damit verdienen. Aber die Frage ist, ja okay, was folgt denn jetzt daraus? Also sind wir dann bereit, ein neues Regelwerk aufzubauen?
Denn andere tun das ja. Andere bauen zumindest Institutionen. Donald Trump baut seinen Friedensrat, der nichts anderes ist als eine Parallelorganisation zu der Organisation, die für das Völkerrecht eigentlich steht, nämlich die Vereinten Nationen. Die Chinesen bauen sich ihre Organisationen, die Organisation für nationale Sicherheit, die Shanghai-Kooperation auf, um alternative Regelwerke zu schaffen, die sie dann auch mit Durchsetzungskraft versehen wollen.
Also ob Donald Trumps Friedensrat Durchsetzungskraft hat, werden wir sehen. Aber die Kooperation der Chinesen in ihrer Region, die funktioniert im Grunde genommen schon, weil sie anstelle des Rechtes quasi Macht gesetzt haben. Und man muss aus dem Jammern über die Unangemessenheit des Völkerrechts rauskommen und sagen, wie sieht denn neues Völkerrecht eigentlich aus?
Und das kann nicht von hohen Idealen erstmal ausgehen, sondern von einer Ausgangslage, dass das bestehende Recht zurzeit komplett erodiert oder im Grunde genommen schon vaporisiert ist. Dann letzte Frage. Am Dienstag haben wir ein recht demütigendes Spektakel in Washington erlebt. Da saß Bundeskanzler Friedrich Merz quasi als Deko der Trumpschen One-Man-Show im Oval Office.
Hat die meiste Zeit eigentlich nichts gesagt, aber an einer Stelle dann doch was. Und das nimmt ihm jetzt Spanien sehr übel. Trump hatte Spanien attackiert, weil es seine Militärbasen nicht den USA zur Verfügung stellen wollte. Und da hat Merz dann darauf erwidert, man werde darauf drängen, dass Spanien die in der NATO vereinbarten Verteidigungsausgaben in Höhe von 3 bzw.
3,5 Prozent erreichen werde. und er sagte, Spanien ist das einzige Land, das nicht bereit ist, dies zu akzeptieren. Jetzt ist Spanien natürlich stocksauer. Wie gefährlich ist das für die Dynamik innerhalb der EU? Also, in der Sache hat der Kanzler recht. Also, ich, Tut mir jetzt leid für meine spanischen Freunde, aber die wissen das genau, dass Spanien immer mit großer Rhetorik dabei ist, auch beim Thema Ukraine, und dann kommt nichts.
Also die Verteidigungsausgaben sind da, wo sie sind, und da sind sie seit Jahren. Das ist zu trennen, und so verstehe ich auch, dass der Kanzler im Grunde genommen versucht hat, sich so aus der Affäre zu ziehen, das gehört natürlich auch mit zum Spiel, dass er nicht Trump recht gegeben hat, sondern seinen Punkt gemacht hat zum Thema Spanien.
Dass die Spanier jetzt darauf sauer sind. Naja, wir haben im Grunde genommen hier ein Theaterstück auf unterschiedlichen Bühnen. Oder jeder tanzt parallel mindestens auf zwei Bühnen. Nämlich auf der Bühne in Washington und auf der Bühne zu Hause. Und das gilt natürlich auch für den spanischen Regierungschef, der sich das natürlich, wenn er nicht darauf reagiert hätte, zu Hause wieder unter Druck gekommen wäre.
Also das sind alles Situationen, wo man sagen muss, ja. Und Trump, wenn man es als Schlagzeile formuliert, Trump lässt die Puppen tanzen. Er haut einfach mal wieder irgendeinen raus, was ihm so gerade in den Sinn kommt. Und alle müssen, um den Zelensky-Moment zu vermeiden, also die Demütigung Zelenskys und den Rausschmiss im Oval Office letztes Jahr, irgendwie versuchen, sich aus der Affäre zu ziehen.
Merz hat nicht Trump recht gegeben, ohne jetzt den Bundeskanzler hier zu verteidigen zu wollen. Aber man stelle sich vor, er hätte sich hingestellt und hätte gesagt, Donald, das sehe ich aber komplett anders und hätte ihm da Parodie gebieten, so wie das einige verlangt hätten. Das lässt sich hinterm Schreibtisch immer gerne verlangen, aber die Verantwortung des Bundeskanzlers ist eine für die Sicherheit Deutschland und die Sicherheit Europas.
Wenn in der Folge zu erwarten gewesen wäre, dass Trump einen Ausraster kriegt und dann sagt er, jetzt streiche ich einfach allen die Hilfe oder ich mache sowieso Zölle nochmal für alle, dann weiß ich nicht, was sozusagen durch die Bekenntnisverantwortung, die man dann wahrgenommen hätte, tatsächlich mehr gewonnen wäre, als dass man sich bekannt hätte und im Grunde genommen nachher dann den Handschuh im Gesicht gehabt hätte.
Also ich kann das März dahinschlittern auf dünnem Eis gut nachvollziehen. Bekenntnisverantwortung, ein schönes Wort, das nehme ich mal mit. Vielen Dank, Herr Mölling, für die Einschätzung. Das war die Lage für heute. Nächste Woche hören wir uns wieder, wenn Sie mögen. Und wenn Sie noch mehr zur Lage im Iran wissen wollen, empfehle ich den Sonderpodcast, den mein Kollege Steffen Gassel mit Herrn Mölling am Montag schon aufgenommen hat und natürlich unsere aktuelle Berichterstattung auf www.stern.de.
Bis nächste Woche. Bis nächste Woche.