Die Neuen Zwanziger

Wolfram Weimer, Trumps Niedergang, Papst-Prozession, EU-Außenpolitik, neue Zeitrechnung und Sportideologie

Mittwoch, 30. April 2025 · 5 h 04

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Shownotes

Wolfgang und Stefan besprechen den April 2025
Welche Qualifikation braucht ein Kulturstaatsminister? Pah, das ist ja nicht mal ein richtiger Minister. Also eigentlich keine. Vielleicht wäre etwas mit Medien schön in der Biographie. Will uns die neue Bundesregierung ärgern? Ist Kultur von dort aus gesehen wirklich nur noch ein linksgrünversifftes Projekt, das ein paar hinter die Löffel bekommen soll? Oder ist die Ernennung von Wolfram Weimer einfach Sinnbild für die neue Herangehensweise, für die Modernisierung des Staates auf Verkaufsflächendesigner zu setzen, als Wirtschaftsministerin eine Unternehmensmanagerin zu wählen und überall Juristen zu platzieren, außer im Innenministerium? Wir gehen dem Denken von Wolfram Weimer heute im Detail nach, Wolfgang hat sein Buch gelesen. Danach begutachten wir die Signatur-Politik von Donald Trump. Einfach "Zölle" zu sagen, greift viel zu kurz. Hier klammern Leute am Staat, die ihn zerstören, was sie sich nicht eingestehen können, weil dann die anderen gewonnen hätten. Im Wirtschaftskrieg Amerika gegen China sind es nun die Amerikaner, die den Gesichtsverlust fürchten. Anschließend sehen wir einsame Sportler im Wald, die mal keinen Blödsinn erzählen.

KÄS-Termine 2025: Fr. 20.06. / Fr. 19.09. / Fr. 19.12. per Mail: neuezwanziger@diekaes.de SOMMERSALON am 23. August! Tickets gibts hier (diekaes.reservix.de/p/reservix/group/405387)

Wolfgangs Smartphone

Wolfgang erzählt, wie er durch den Kauf eines neuen Autos dazu gezwungen wurde, sich ein Smartphone anzuschaffen. Sein altes Nokia reichte nicht mehr aus, um die modernen Funktionen des Autos zu nutzen. Er beschreibt den Kauf eines iPhones als Verlust seiner Autonomie und Freiheit, da er sich nun der Technologie unterwerfen muss. Stefan versucht, ihm die praktischen Seiten des Smartphones näherzubringen, wie die Navigationsfunktion, die nicht nur im Raum, sondern auch in der Zeit navigiert, indem sie die Ankunftszeit vorhersagt. Wolfgang will das Smartphone jedoch nur für das Nötigste nutzen und nicht für soziale Medien oder ständige Erreichbarkeit.

Strafen für Apple und Meta

Passend zu Wolfgangs neuem iPhone wird über eine EU-Strafe gegen Apple berichtet. Die EU-Kommission wirft Apple vor, im App Store andere Anbieter benachteiligt zu haben, indem es Hinweise auf günstigere Angebote außerhalb des Stores verhinderte. Apple soll 500 Millionen Euro Strafe zahlen. Stefan hält die Strafe für längst überfällig, aber angesichts des Lock-in-Effekts, den Apple über Jahre ausgenutzt hat, für zu gering. Wolfgang rechnet vor, dass die Strafe nur einen Bruchteil (0,15%) des möglichen Strafmaßes von bis zu 10% des globalen Jahresumsatzes ausmacht. Auch Meta (Facebook, Instagram) erhielt eine Strafe von 200 Millionen Euro wegen der Praxis, Nutzer vor die Wahl zwischen personalisierter Werbung oder einem Bezahl-Abo zu stellen. Beide Strafen werden als symbolisch und wenig abschreckend kritisiert. Es wird diskutiert, dass die EU sich zwar nicht scheut, US-Tech-Konzerne zu bestrafen, aber die Abhängigkeit von deren digitaler Infrastruktur (Google Suche, Cloud-Dienste etc.) eine härtere Gangart verhindert. Matt Binder von Mashable erklärt, warum Meta die Strafe als "Tariff" (Zoll) bezeichnet, um negative Assoziationen in den USA zu wecken.

Papst beerdigt

Stefan berichtet von seinem Wien-Besuch und der dortigen Schatzkammer, wo die Verschmelzung von staatlicher und sakraler Macht sichtbar wird. Im Kontrast dazu steht die als eher schlicht empfundene Beerdigungszeremonie für Papst Franziskus im Petersdom. Ein besonderer Moment war jedoch der Trauerzug mit dem Leichnam des Papstes durch das historische Zentrum Roms zur Basilika Santa Maria Maggiore, wo er beigesetzt wurde. Dieser Akt wurde selbst von nicht-religiösen Menschen als Gänsehautmoment empfunden und als letzter weltlicher Einschlag des Papstes gewertet. Wolfgang erinnert an die Tradition in Wien, verstorbene Burgschauspieler im Sarg um das Burgtheater zu tragen. Es wird auch die politische Dimension des Papsttums angesprochen, etwa die Rolle von Johannes Paul II. im Kalten Krieg oder Franziskus' Appelle gegen Aufrüstung.

Was denkt Wolfram Weimer

Wolfram Weimer, ehemaliger Chefredakteur der Welt und Verleger (u.a. Cicero), wurde zum neuen Kulturstaatsminister ernannt. Die Entscheidung von Friedrich Merz löste viel Kritik aus, auch aus konservativen Kreisen. Jürgen Kaube (FAZ) bezweifelt Weimers Interesse an Kunst oder Geist. Die enge Verbindung zwischen Merz und Weimer (Golfpartner, Ludwig-Erhard-Gipfel, gegenseitige Lobpreisungen) wird beleuchtet. Wolfgang hat Weimers "Konservatives Manifest" gelesen, um dessen Denken zu verstehen. In einem Lanz-Auftritt von 2018 erklärt Weimer, Konservatismus sei wieder modern und bedeute nicht das Hängen am Gestern, sondern das Leben aus Werten, die immer gelten (Treue, Anständigkeit, Ehrlichkeit). Wolfgang kritisiert die Beliebigkeit dieser Definition. Stefan sieht Weimer als Gallionsfigur eines verlotternden Untergangs, der Chaos als Normalität verkauft. Weimers Buch wird analysiert: Er beklagt den Niedergang linker Weltanschauungen, interpretiert Böckenförde und Max Weber eigenwillig, fordert eine minimale Gesellschaft, kritisiert die "Bemutterung" durch den Staat (z.B. Verkehrsüberwachung) und sieht die Steuererklärung als "Marsch ins Freiheitsdefizit". Diese libertären Züge werden kritisiert. Weimer beklagt eine "Kleinkariertheit" durch Compliance-Regeln, die Geschenke und Geschäftsessen erschweren. Wolfgang hält das für Jammern auf hohem Niveau. Weimer stellt das Individuum über die Gesellschaft, fordert aber gleichzeitig Patriotismus und unterscheidet zwischen staatsbürgerlichem und natürlichem (Abstammungs-) Vaterland. Diese Widersprüche und die Nähe zum Ethnopluralismus werden diskutiert. Weimer bezieht sich positiv auf Oswald Spengler und beklagt die "biologische Selbstaufgabe" Europas durch niedrige Geburtenraten, spricht vom "eigenen Blut". Er kritisiert die Fokussierung auf die "dunkle Seite" des Kolonialismus in Lehrplänen. Die "Tugendrepublik" der "Gutmenschen" mit ihren Verboten (Fleisch, Kaminfeuer) und Quoten wird angeprangert. Am Ende plädiert er für eine Rechristianisierung Europas durch die Kultur. Abschließend äußern sich Michael Bröker und Micky Beisenherz zur Personalie.

Salon-Anmerkungen

Es wird auf den kostenpflichtigen "Salon"-Teil des Podcasts hingewiesen, der die Sendung finanziert. Hörer werden gebeten, den Podcast zu teilen und zu bewerten, um die Sichtbarkeit zu erhöhen. Im nächsten Salon werden die Bücher "Abundance: How We Build a Better Future" von Esra Klein & Derek Thompson und "Die Welt nach dem Kapital" von Albert Wenger besprochen. Es wird erklärt, wie man den Salon über Steady, Patreon oder Apple Podcasts abonnieren kann. Man kann den Salon auch verschenken. Wolfgang kündigt Live-Termine in Zürich und Stuttgart an. Stefan erwähnt einen Termin in Mainz. Leseempfehlungen für den nächsten Salon werden gegeben.

Trumps Fanboys reden über Trumps Zölle

Das Hauptthema ist Donald Trumps Zollpolitik. Es wird betont, dass dies seine "Signature Policy" ist, über die er seit Jahrzehnten spricht. Die aktuelle Situation mit Handelskriegen und Marktverwerfungen wird als direkte Folge dieser Politik gesehen. David McWilliams beschreibt Trumps Zoll-Formel als amateurhaft und inkompetent, basierend auf einer Formel, die ökonomisch keinen Sinn ergibt. Wolfgang erläutert den Unterschied zwischen früherer politischer Inkompetenz, die von Institutionen abgefangen wurde, und der heutigen Situation, in der Inkompetenz direkt an den Schalthebeln sitzt und zu chaotischer Politik führt. Stefan ergänzt, dass die Politik normalerweise durch die Verwaltung abgeschottet ist, dieser Mechanismus aber unter Trump zusammenbricht. Trumps Fokus auf Zölle ignoriert die Stärke Amerikas im Bereich digitaler Dienstleistungen und das Dollar-Privileg. Die Reaktion der Kapitalmärkte (steigende Zinsen für …

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Stefan Ich glaube, du offenbarst dich wieder als perfekt passend in den Zeitgeist. Wir beerdigen einen Papst und er nennen Wolfram Weimar zum Kulturschefe und du gehst in den Elektronenklass.

Wolfgang An einem Sonntag. Ja, wie kann das sein? Ich habe mich erinnert, dass ich als Kind hin und wieder mal verkaufsoffene Sonntage besucht habe, aber sonst nie. Diesmal aber bestand eine gewisse Not. Und diese Not ist auch zugleich die Einleitung in eine neue Ära. Ich will sagen, ich habe eine Schlacht verloren.

Wolfgang Pass auf, mein Auto ist ja schon sehr in die Jahre gekommen und jetzt ist es tatsächlich an dem Punkt, an dem man sagen muss, nochmal Geld reinstecken, nochmal in die Werkstatt und so, das lohnt sich nicht mehr, ich brauche ein neues Auto. Ich habe auch ein neues Auto gefunden und unterschrieb dann den Kaufvertrag und der Verkäufer sagt zu mir, ja Herr Schmidt, wenn Sie es dann abholen, denken Sie nur daran, das Smartphone mitzunehmen, dann bekommen Sie ja Ihre ID und dann wird das konfiguriert und, und, und, und, und. Und ich sagte, Moment, Stopp.

Wolfgang Ich zückte mein Nokia und sagte, das ist mein Handy. Und dann sagte er, naja, also das wird natürlich dann schwierig. Also sie können es natürlich trotzdem fahren, aber sie können dann ja dies und das nicht. Und dann führte er das immer alles weiter aus. Und woraufhin ich dann dachte, gut, es ist wahrscheinlich der Punkt gekommen, an dem ich mich nicht mehr wehren kann.

Wolfgang Es sei denn, ich sage, ab sofort fahre ich nur noch Oldtimer. Was habe ich also getan? Ich musste dann relativ schnell ein Smartphone haben, damit das auch mir jemand einrichtet, da ich das ja gar nicht selbst machen kann. Und am Sonntag war dann dafür Zeit. Und so bin ich in diesen Elektronikmarkt und habe ein iPhone gekauft, das ich jetzt morgen fertig konfiguriert bekomme. Also heute ist mein letzter Tag in Freiheit.

Wolfgang Ich war aber schon bei der Konfiguration in Teilen dabei, weil man ja hin und wieder sein Gesicht in die Kamera halten muss. Und für mich ist es so, als hätte ich… Wer hat das denn für dich konfiguriert?

Stefan Hast du es im Laden gemacht?

Wolfgang Nein, nein, nein, nein, nein, nein. Ein Freund hat mir das konfiguriert oder ist jetzt gerade dabei.

Stefan Aber er ist jetzt gerade dabei, also so lange dauert das auch nicht.

Wolfgang Naja, ich muss ja erstmal einen Vertrag dafür bekommen. Das ist ja alles jetzt völlig neu für mich. Ich muss mein Gesicht in die Kamera halten und Worte sagen wie Motorrad, Holunder, damit sie irgendwelche Gesichtserkennungen durchführen können. Und ich muss sagen, dass es sich für mich anfühlt, als würde ich ein Stück Autonomie aufgeben.

Wolfgang Ich komme mir wirklich vor, bislang konnte ich mich immer raushalten und jetzt ist es nicht mehr möglich. Also wir sind an einem Punkt angekommen, an dem ich sagen kann, mein Leben wird so viel komplizierter, wenn ich jetzt kein Smartphone habe. So muss ich also jetzt eins haben, um überhaupt die normalen Dinge, zum Beispiel ein Auto fahren, noch machen zu können.

Stefan Ich würde sagen, das Smartphone musst du ja gar nicht als Smartphone verstehen. Es werden ja sehr viele Leute abgeholt, bei denen du denkst, ich nicht. Du kannst also auch das Smartphone, das du gekauft hast, wie ein fester Konsolenteil einfach im Auto verbauen und im Moment, wo du es einschaltest, geht es an und ist halt das Interface zum Auto. Ganz richtig.

Wolfgang Was ich jetzt schon sagen will ist, ich werde nicht diese ganzen Apps mir runterladen, mit denen ich sieben Messenger in Familiengruppen und sonst irgendwas habe. Das will ich alles gar nicht machen. Ich will diese Dinge Navi und ID und was man da so alles braucht. Das ist ja hilfreich. Aber ich möchte nicht diesen ganzen Klumbatsch jetzt da haben.

Wolfgang Denn ich merke wirklich, dass die Freiheit geringer wird. Also ich kann natürlich sagen, es ist alles so wahnsinnig praktisch und ich kann da und dort klicken und machen und tun. Aber ich habe gerade schon bei dieser Konfiguration erlebt, wie sehr man doch eigentlich plötzlich sich dem unterwerfen muss. Und das ist für mich sehr unangenehm.

Stefan Bei dir ist einfach alles falsch rum. Typischerweise erzählen die Leute Geschichten von früher, wie sie auch im Auto telefonieren konnten.

Wolfgang Ja.

Stefan Und du erzählst Geschichten von heute, wie du nur im Auto telefonieren konntest. Ist eigentlich nicht schlecht. Aber vielleicht kommst du ja dazu, dass du denkst, krass, ich muss hier parken, aber ich bin ja eigentlich noch gar nicht da. Ich mache die Navi weiter bis zur Haustür. Und dann nimmst du das Handy einfach in die Hand und gehst die letzten Meter, lässt dich leiten.

Stefan Und das ist ja, finde ich, immer noch die beste Metapher auch. Google Maps lotst uns durch den Verkehr, wie uns Google durchs ganze Leben führt. Und der eigentliche Sinn von Navigation ist ja gar nicht Navigation im Raum, sondern Navigation in der Zeit. Also Leute wissen eigentlich ganz genau, weil es ist ja sozusagen das Schicksal des modernen Menschen, dass er eigentlich die immer selben Wege hin und her pendelt.

Stefan Nur er möchte wissen, wie ist der Verkehr und vor allem, wann komme ich an. Und dann sagt das Navi einfach, wenn du jetzt losgehst, bist du in 37 Minuten da. Das ist ja nicht die beste Funktion, über die niemand so richtig nachdenkt, obwohl sie jeder genauso benutzt.

Wolfgang Ja, da habe ich überhaupt nichts dagegen und werde so etwas selbstverständlich nutzen. Aber ich habe tatsächlich so diese...

Stefan Da reinzurutschen ist nicht verkehrt.

Wolfgang Ja, ganz richtig. Aber was da sonst noch alles so dran hängt, habe ich tatsächlich den Eindruck, dass ich es nicht mehr länger schaffe, es aufrechtzuerhalten. Also es ist wirklich so, ich habe ja so lange es geschafft, dem aus dem Weg zu gehen. Sicherlich auch mit Hürden, die ich dann genommen habe oder die Sache auch, dass ich ständig irgendwo fragen muss, wo geht es denn jetzt lang oder für irgendwelche Strecken ein Taxi genommen habe, wo man sagen könnte, das hätte man mit der U-Bahn wahrscheinlich besser hinbekommen, wenn man es hätte googeln können und so weiter.

Wolfgang Aber das habe ich ja alles gemacht und das hat mir am Ende sehr viel mehr Freiheit gebracht, würde ich sagen. Und dass ich jetzt an so einem Punkt bin, an dem ich sagen kann, es ist nicht mehr möglich, das finde ich gruselig.

Stefan Du müsstest eigentlich jetzt ein Techniktagebuch führen, so wie Katrin Passig. Damals, indem du so Sachen aufschreibst wie... Dann fragte ich nach dem Weg und sie schaute mich an und fragte zurück, hä, führen wir heute nicht nur noch Selbstgespräche? Wieso reden sie mit mir? Oder solche Sachen könnten dann auftauchen. Ja, interessant.

Stefan Also ich hoffe, das ist eine laufende Erzählung. Ich möchte jetzt jeden Monat die nächsten drei Monate abzählen.

Wolfgang Und dass du mich jetzt auch zum Apple-Jünger gemacht hast. Ja, natürlich.

Stefan Dass du dir ein Apple-Dinge gekauft hast, ist ja schon mal, wie kam es dazu? Typischerweise geht man ja nicht in einen allgemeinen, da liegen ja eigentlich immer 100 Android-Telefone und dann gibt es halt nochmal so einen Apple-Tisch.

Wolfgang Das wurde extra geholt auch, dieses iPhone.

Stefan Wolltest du ein iPhone oder warum hast du den nicht?

Wolfgang Das hast du mir ja schon immer empfohlen.

Stefan Also ich finde es eine sehr richtige Entscheidung. In dem Falle bin ich wirklich ganz...

Wolfgang Und der gute Freund, der mir das jetzt einrichtet, hat auch gesagt, also Apple. und ich habe es ehrlich gesagt auch deshalb geholt, weil ihr alle Apple habt. Das heißt, wenn ich meine Schwierigkeiten bekomme, wenn ich jetzt demnächst hier in Frankfurt stehe und mein Auto nicht mehr fährt, weil mein Apple-Gerät irgendwas macht, dann kann ich dich einfach fragen und du wirst es dann alles wieder in Gang setzen.

Stefan Ja, ich freue mich da auch sehr drauf, denn jedes Mal, wenn es heißt, es gibt ein hmm, hmm oder hmm Punkt, hmm Punkt 3 Update des Betriebssystems, gucke ich mir sofort sieben Videos an, um immer auf der Höhe der Zeit zu sein. Also ich glaube, ich kenne alle Einstellungsmöglichkeiten und jede einzelne Bedienungshilfe.

Stefan Ich zeige dir dann, was du mit drei Tipps auf den, was du alles auslösen kannst.

Wolfgang Ja, ja, ja, aber nicht, dass du mir nachher 70 Sachen draufspielst und ich aufständig nur noch damit beschäftigt bin, irgendwelche Pings zu verwalten.

Stefan Das ist natürlich mein Ziel, dich jetzt zu infizieren.

Wolfgang Ja, ja, ja, ja. Also da sind wir jetzt hingekommen. Die Autonomie des Subjekts ist vorbei. Tut mir leid, aber es geht nicht anders.

Stefan Ein ganz neuer Wolfgang wird das jetzt.

Wolfgang Ja, ja. Und jetzt bekommt Apple eine Strafe. Kaufe ich gerade ein iPhone, gibt es gleich eine Strafe. Wir hören da mal rein, ein Tagesschaubericht.

Clips Milliardenfach werden die Geräte von Apple verkauft. Und das Unternehmen entscheidet, welche Apps, also Programme, auf den Telefonen oder Tablets installiert werden dürfen. Die EU-Kommission sagt, Apple habe im eigenen App Store andere Anbieter benachteiligt. Wer seine Dienste in diesem App Store verkauft, muss seine Kunden eigentlich hinweisen dürfen. dass es die Angebote woanders außerhalb des App-Stores auch günstiger gibt.

Clips Es muss auch möglich sein, die Kunden dorthin umzuleiten. Wir wollen sicherstellen, dass Innovationen in der EU auf den Markt kommen können, dass niemand seine sehr dominante Marktposition nutzt, um andere Innovationen auszuschließen oder die Auswahl der Verbraucher einschränkt. Die zuständige EU-Kommissarin, heute zu Besuch bei einem Supercomputer in Jülich, sagt, Wer sich nicht an europäische Spielregeln halte, müsse Strafe zahlen.

Clips 500 Millionen Euro im Fall Apple. Das Unternehmen will dagegen Beschwerde einlegen. Die Entscheidung schadet der Sicherheit der Nutzer.

Stefan Längst überfällig. Fast, möchte man sagen, auch aus einer vergangenen Zeit. Denn diese Art von Log-In-Effekt, die vor allem das Social-Media-Zeitalter prägt und darüber hinaus eben alle Geräte, die uns Social Media nahe führen, wurde wirklich krass ausgebeutet von diesen Unternehmen. Wir sind jetzt in einer neuen Zeit. Jetzt ist es KI und KI ist ja große Pluralität.

Stefan Es gibt verschiedene Anbieter.

Wolfgang Große Interoperabilität.

Stefan Große Konkurrenz, genau. Alle Prompts, die ich benutze, habe ich einfach in einer separaten App gespeichert. Die kann ich also überall abfeuern. Einfach Anbieter auszutauschen ist gar kein Problem. Und das war 20 Jahre lang nicht so. Diese Empfehlung, kauf dir doch ein Apple und nichts anderes. Du hast ja selber jetzt gesagt, weil ich es auch habe und alle anderen und so, da ist man sofort drin in diesem Login-Effekt und den hat Apple einfach in alle kleinsten Kapillaren App Store, der Chip zum Bezahlen, alles wurde auf Apple zugeschnitten und jetzt, ich strafe immer noch viel zu klein, aber.

Wolfgang Genau, über die sollten wir jetzt mal reden. Wir hören nochmal einen kleinen Kommentar aus der Tagesschau dazu. Also auch interessanten, langer Bericht, also 100 Sekunden hat man dem Ganzen eingeräumt. Das ist schon relativ viel für eine solche doch eher technikpolitische Aktion.

Stefan Eine Sekunde pro 0,7 Millionen.

Clips Zweite Strafe 200 Millionen Euro für den Meta-Konzern, zu dem unter anderem Facebook und Instagram gehören. Der Vorwurf bis November 2024 habe das Unternehmen Kunden vor die Wahl gestellt. Entweder personalisierter Werbung zustimmen oder zahlen für eine werbefreie Version. Kritik an der Entscheidung. Die EU-Kommission versucht, erfolgreiche amerikanische Unternehmen zu behindern.

Clips Die US-Tech-Riesen wehren sich schon länger gegen die Digitalgesetze der EU. Die EU-Kommission betont, die Verfahren hätten mit dem Zoll- und Handelskonflikt mit Donald Trump nichts zu tun. Und doch, auch wenn die Situation mit den USA angespannt ist, die EU scheut sich nicht davor. die US-Tech-Krisen mit Strafen zu belegen.

Wolfgang Ja, sie scheut sich nicht, aber du hast schon gesagt, es ist sehr gering. Also wie ist denn eigentlich dieser Digital Markets Act ausformuliert? Nämlich dieser DMA besagt ja eigentlich, dass man bis zu 10 Prozent des Jahresumsatzes des Konzerns als Strafe verhängen darf. Und zwar global, nicht nur der europäische Umsatz. Genau, der globale Umsatz.

Wolfgang Das heißt, der weltweite Umsatz von Apple war 2024 sehr hoch. Nämlich der lag bei 383 Milliarden.

Stefan Ja, sehr hoch.

Wolfgang Das heißt, man könnte 38 Milliarden etwa als Strafe veranschlagen. Man hat jetzt aber 500 Millionen veranschlagen, bedeutet 0,15 Prozent vom Jahresumsatz, 24, statt 10 Prozent. Bei Meta ähnlich, nicht ganz so hoch, also Jahresumsatz 135 Milliarden, da hat man jetzt auch nur 200 Millionen berechnet. Das heißt, man hat statt 10 Prozent 0,17 Prozent genommen.

Wolfgang Die Frage ist ja, was will man jetzt eigentlich damit bezwecken? Also man kann natürlich jetzt sagen, es ist möglich, dass Apple und Google neue Wege suchen, um das nicht wieder zu provozieren, dass eine Strafe kommt, meinetwegen. Aber man wird sie ja jetzt nicht groß davon abhalten, wieder schnell vorwärts zu gehen und dann zu gucken, ob sie das irgendwie später nochmal einholt.

Wolfgang Denn das ist ja in etwa so, wenn ich jetzt meine gesamte Einkommenssteuer hinterziehe und man mir dann sagt, Herr Schmidt, so geht es aber nicht. Sie zahlen jetzt mal 150 Euro Strafe, aber Sie müssen die Steuer nicht zahlen. Dann denke ich mir, na gut, die 150 Euro, das ist ja gut. Also das ist ja im Prinzip ein Knöllchen, das man denen jetzt da gegeben hat.

Wolfgang Mehr nicht, deswegen schafft man nicht das Auto ab.

Stefan Ja, also diese Art von, ich sage jetzt auch da mal, Log-In-Effekte, dass der Staat mittlerweile auf Infrastruktur angewiesen ist, die er nur noch marktwirtschaftlich als externe Irritation sozusagen zur Verfügung hat, in die er sich dann nicht reintraut, haben wir überall, Ein Beispiel ist sozusagen von der sozialen Tragweite genauso, aber jetzt ein anderes Metier.

Stefan Mobilität hier in Frankfurt am Main. Ein Taxi zu fahren ist teuer, aber da weiß man, das sind angestellte Leute, die haben einen Stundenlohn, die sind sozialversichert und so weiter. Dann gab es Uber, wo es schon hieß, da weiß man nicht so genau. Uber wirkt halt irgendwie an und dann machen die Leute so ein bisschen begleitetes Fahren und irgendwann auf eigene Faust App-Angebot.

Stefan Alles wird versteigert, es regnet, es kostet zwei Euro mehr. Okay, jetzt gibt es Bolt. Mit Bolt kannst du durch Frankfurt eine halbe Stunde lang fahren und es kostet dich zehn Euro.

Wolfgang Wie kann das sein?

Stefan Das kann gar nicht sein. Genau. Das ist einfach nur, weil die Stadt trotz schlechten Gewissens sagt, wir brauchen diese Mobilität. Wir haben den Nahverkehr verschrottet, Ticket kostet 3,80 Euro. Wenn jemand zum Döner fahren will, kostet der Döner 8 Euro, das Ticket 3,80 Euro. Das macht alles keinen Sinn. Zum Sushi ja, aber so nicht.

Stefan Also lässt man es zu, dass hier einfach, keine Ahnung, ein paar tausend superarme Boltfahrer noch den Wirtschaftskreislauf am Laufen halten, der Mobilität braucht. Und so ist das auch hier. Wir sehen ja. Dass wir diese riesigen Zollstreite haben und Donald Trump zum Glück zu dumm ist, um zu verstehen, wie die moderne Welt funktioniert und er das nur an Atome hängt.

Stefan Und die Europäer dann schon überlegen, sollten wir diesen digitalen Dienstleistungssektor eigentlich mal Revanche-Zoll blocken? Also diese Vorstellung, jedes Update kostet irgendwie einen Euro oder so. Und ich denke mir, nee, so wie die Chinesen gerade die amerikanischen Häfen austrocknen lassen und Amazon schon solche Moves macht wie, wir schreiben mal lieber dran, dass Trump dran schuld ist, wie viel es kostet.

Stefan Und dann gibt es eigentlich einen Zollstreit zwischen Amazon und Trump, so um die Frage, wer gewinnt das Blame Game und so. Also wenn die Europäer sagen würden, wir machen jetzt mal die digitale Infrastruktur teurer, die aus Amerika kommt. Und die deutschen Unternehmen hätten nur eine Ahnung davon, also so eine Angst davor, dass sie mal eine Woche lang keine Google-Suche und kein GPT nutzen könnten.

Wolfgang Und PayPal wird schwierig.

Stefan Dann wäre hier Ende Gelände. Von daher lässt man diese Unternehmen lieber ein bisschen in Ruhe.

Wolfgang Ganz richtig, denn die Rechnung von Donald Trump ist ja völlig idiotisch, wenn man sich nur mit der Hardware beschäftigt. Also wir werden da noch drüber sprechen. Und die Software, also das wäre ja genau die Dienstleistung, wäre Word funktioniert nicht, WhatsApp funktioniert nicht und und und.

Stefan Wir bestrafen jetzt die Amerikaner, indem wir uns die Google-Suche ausschalten. In Redaktionsschluss, ein zehn Jahre altes Buch von mir, steht schon drin, Google kann einfach, die sehen ja, wer unter welcher IP was googelt, die wissen einfach 17 Uhr, wie die FAZ vom nächsten Tag aussieht. Weil jeder Artikel, jede Überschrift, jeder Rechtschreibfehler wurde einmal durch die Google-Suche gejagt.

Stefan Die sind so abhängig, diese Unternehmen, von allem. Den kannst du das nicht ausschalten.

Wolfgang Und deshalb ist das hier natürlich schön.

Stefan Alternativlose allgemeine Infrastruktur.

Wolfgang Schön, dass man es mal gemacht hat. Da ist die EU wenigstens mal in der Tagesschau mit irgendwas. Aber eigentlich ist das kein großer Akt. CBS News hat es auch aufgegriffen. Da war Matt Binder zu Gast. Der sagt jetzt Folgendes dazu, dass jetzt die Konzerne sehr genervt darauf reagieren, sehr empört sind, wenngleich sie ja sich eigentlich bedanken müssten.

Wolfgang Also das ist natürlich auch so ein Spiel, dass die jetzt sagen müssen, wie unglaublich das ist, was die EU sich da rausnimmt. In Wahrheit müssten die ja sagen, ja wunderbar, dass wir so glimpflich davongekommen sind. Also wie gesagt, Stichwort Steuerhinterziehung, wenn man da nur gesagt bekommt, hier sind 150 Euro Strafen, sonst ist alles super, würde man sagen, wunderbar, wir sprechen uns nächstes Jahr wieder.

Wolfgang Aber nein, die wüten jetzt auch und interessanterweise verknüpfen die das gleich mit Trumps Lieblingskanzler. Wort, nämlich Tariffs.

Clips So Matt Binder, a reporter from Mashable, joining us live now with more on this. Thanks so much for being here. Question for you. So Meta is kind of calling this a penalty, like a tariff. What do they mean by that? Yeah, sure. So thanks for having me. Yeah, I think the reason why Meta is calling this a tariff is because they know that this is sort of the buzzword right now that the broader American public are familiar with and they have a negative sentiment towards Tariffs.

Clips So they're hoping that, you know, the public looks at this in that same negative way as well. The EU is putting a tariff on an American company, Meta, which owns Facebook and Instagram, these services that you enjoy. You know, but in reality Meta is basically being fined for breaking EU law.

Wolfgang Ja, es ist eine Strafe und kein Zoll.

Stefan Aber ich hätte es lustig gefunden, wenn du dir ein Auto kaufst, dann hörst du, ich brauche dafür ein Smartphone, dann kaufst du dir ein Smartphone und am selben Tage ist die Nachrichtenlage, Jedes App-Update kostet jetzt einen Euro und so weiter. Und du so, oh Mist. Diese schöne neue Welt, von der mir immer erzählt wurde, ist einfach nur auch für alle anderen.

Stefan Das ist 15 Jahre Vergangenheit und du steigst quasi am Tiefpunkt ein, wenn alles kostenfrei geschlagen wird.

Wolfgang Ja, ist doch sowieso. Ich hatte dann auch noch das Handelsblatt zu Hause liegen, das ich dann am Abend las und dort war nochmal ein großer Artikel darüber, dass Apple ja seine Produktion aus China abziehen will, eben in Indien hauptsächlich produzieren will, wenngleich diese ganzen Rohstoffe, die man braucht, um in Indien zu produzieren, weiterhin aus China kommen.

Wolfgang Aber das ist ganz interessant, dass ich eigentlich an einen Punkt zu Apple gehe, an dem wirklich mal dieses Unternehmen in großen Turbulenzen sich befindet. Und ich bin übrigens auch dann extra in diesen Elektronikmarkt am verkaufsoffenen Sonntag, weil ich dachte, hier kann man noch so ein bisschen sehen, wie so der Laden läuft.

Wolfgang Also wie funktioniert Deutschland? Also man freut sich auf diesen verkaufsoffenen Sonntag. Ich habe vor mir ein Paar stehen, die beide Mann wie Frau tragen Vincent Weiss T-Shirts, weißt du, dieser Popsänger und es war eine interessante Stimmung dort und für viele war es auch glaube ich ein großes Ereignis.

Wolfgang Also ich glaube, wenige sind mit so einem bedrückten Gefühl dahin gegangen wie ich, sondern für viele war das jetzt eher so ein Freiheitsgewinn, dass sie ein neues Smartphone sich kaufen.

Stefan Ja, aber wahrscheinlich warst du ja im Laden unseres neuen Digitalministers.

Wolfgang Das ist naheliegend, ja, ganz genau, unser neuer Digitalminister.

Stefan Also zu diesen Zollsachen, die haben wir ja eigentlich schon gut vorbereitet im Salon. Also wir haben ja über Mirans Plan und Ben, wie heißt er, Besant, also Finanzminister, Chief Economic Advisor und alle haben ja die Literaturgrundlage schon gelegt. Wir wissen jetzt Bescheid, wie das ist mit Seewege freischießen, Dollar bereitstellen, Zölle und so.

Stefan Deswegen machen wir nachher eine ausführliche Zollbesprechung, bei der auch klar wird, das ist wirklich Trumps Signature-Politik. Also man kann jetzt die ganze Zeit darunter leiden, dass ja hier und da und die Abschiebung und so weiter, wenn man sich Orientierung verschaffen will, räumt man das alles zur Seite und sagt, ist auch wichtig, aber diese Zollpolitik ist es.

Stefan Und zwar auch die, die Trump das Genick brechen wird. Also es ist auch ein schönes Schauspiel. Wir müssen nachher bei der Beobachtung der amerikanischen Zollpolitik eigentlich das chinesische Jahrhundert ausrufen. Denn die Sachen scheinen jetzt ziemlich geritzt zu sein. Vorher aber Weimar, du hast irgendwie Weimars Buch gelesen.

Wolfgang Ich habe mich mit vielem da beschäftigt, aber du hast ja im Gegensatz zu mir den Sonntag nicht in Elektronikmärkten verpackt, sondern du hast dich mit dem Papst weiterhin beschäftigt.

Stefan Ja, ich war in Wien mehrere Tage jetzt und habe mir dort alles angeschaut, was die Stadt so bietet. Ich war also auch in der Schatzkammer. Und die Schatzkammer ist, also es gibt so zwei Schatzkammern, ist ja klar, Wien ist ja groß. Die Habsburger liegen dann irgendwo am Stadtrand, aber es gibt im Zentrum eine Schatzkammer, direkt da Hofburgnähe und so.

Stefan Und es ist wahnsinnig interessant, man kommt so rein und es ist plötzlich so dunkel und man darf auch nicht fotografieren und man sieht so Stoffe, bei denen es heißt, wenn wir da zu viel Licht drauf scheinen, dann machen die Protonen irgendwie den Stoff kaputt oder was auch immer. Und umso weiter man in die Vergangenheit zurückgeht und es reicht ja da bis zur Reichskrone, wo die Jahre noch dreistellig waren und so, alles genauso erhalten wie damals gemacht, umso mehr fällt die staatliche und die sakrale Macht eigentlich zusammen. Ja.

Stefan Also sie hatte dieses Prinzip, wie es halt so ist. Und dann kamen wir zurück in die Wohnung und dann lief gerade die Papstbeerdigung. Ich sah sie bei YouTube, bin nochmal zurückgesprungen und habe mir gedacht. Ne, die Idee war vielleicht nicht allzu gut zu sagen, ich habe irgendwie dieses höchste Amt der Welt, aber gleichzeitig will ich die Beerdigung bitte so langweilig wie möglich.

Stefan Wobei es immer noch witzig ist zu sagen, es ist eine super langweilige Beerdigung, es waren nur 100 Kardinäle da und so. Aber es war halt nicht viel los. Er wurde ja diese Stufen da reingetragen. Man hat quasi nur mit diesen Trägern mitgelitten, weil sie schon die ganze Zeit so zwei Hände brauchten und er war echt schwer und überhaupt.

Stefan Und in dieser ganzen ewigen Prozession da rein wurden ja wirklich nur ein Chorus gesunken die ganze Zeit. Also man hat ja auch irgendwann genug davon gehabt. Ich musste wirklich leiser machen, weil ich habe das jetzt gehört. Also irgendwann wurde es auch nervig. Dann stellte sich aber raus, so langweilig war es gar nicht.

Stefan Denn der Papst hat ja einen tollen Kniff gemacht. Und ich erinnerte mich an meinen Besuch in Rom im Dezember 2023 und fand es plötzlich das genialste überhaupt. Wir hören das mal hier in den Nachrichten zuerst etwas gedämpft im Heute-Journal.

Clips Der Papst hatte bestimmt, dass er nicht im Petersdom, sondern in der Basilika Santa Maria Maggiore zur letzten Ruhe gebettet wird. Das heißt also, zusätzlich zur Feier auf dem Petersplatz muss auch ein Trauerzug durch das gesamte historische Zentrum organisiert werden. Abgesichert werden.

Wolfgang Sehr schön.

Stefan Sie hat sie einfach nochmal vor Ort durch Rom tragen lassen. Sie sagt jetzt so, ja, das muss ja noch organisiert werden und so weiter und so fort. Einen Tag später dann in den Tagesthemen würde ich, kommt gut rüber, ob der Plan aufging.

Clips Und dann eine Besonderheit, die auf jeden Fall noch erwähnenswert ist. Papst Franziskus wurde ja nicht wie viele seiner Vorgänger hinter mir im Petersdom beerdigt, sondern in der Basilica Santa Maria Maggiore. Die befindet sich auf der anderen Seite des Tibers, so ungefähr sechs Kilometer von hier entfernt. Und um dahin zu gelangen, ist Papst Franziskus oder der Leichnam des Papstes mit einem Trauerzug im Schritttempo durch die Stadt gefahren worden.

Clips Es waren spektakuläre Bilder und für viele Leute, mit denen wir auch hier vor Ort gesprochen haben, ein Gänsehautmoment, selbst wenn sie nicht religiös waren, wie sie uns erzählt haben.

Wolfgang Ja, sehr schön.

Stefan Einfach nochmal ein Gänsehautmoment für alle, einfach nur weil sie anwesend sind. Zuerst dieses, bitte keine Selfies vom toten Papst und dann nochmal die komplette Präsentation, sechs Kilometer durch die Stadt. Also wirklich sehr guter Papst.

Wolfgang Also das möchtest du auch, dass man dich jetzt hier in Frankfurt nochmal quer durch die Stadt zieht?

Stefan Nee, ich finde es einfach in dem Fall wirklich nur auf den Papst bezogen. Ich will nicht, dass hier lauter tode Leute durch die Stadt getragen werden.

Wolfgang Naja, dann ist der Tod auch wieder ein bisschen mehr präsent im Leben. In Wien, eine Stadt, die das Mobile liebt, ist es ja so, dass dort die Burgschauspieler, wenn sie sterben, auch noch einmal um das Burgtheater im Sarg geschleppt werden.

Stefan Sowas fände ich vielleicht albern. Aber ich meine spezifisch auf den Papst bezogen... Es gibt jetzt im Zuge des Papstes interessante Berichterstattungen, zum Beispiel zu John Paul, also mein Papst, als ich groß geworden bin.

Wolfgang Johannes Paul II..

Stefan Der Termine mit Reckon und so weiter hatte. Und danach waren die Berater des Präsidenten beeindruckt davon, wie viel geopolitisches Wissen der Pole mitbrachte nach Amerika und sie fragten sich, wer ist hier eigentlich der religiöse Führer? Und zwar natürlich Reagan in dem Moment. Also wir haben schon so Verdrehungen von Tatsachen irgendwie.

Stefan Und hier finde ich es halt super interessant, dass der Papst, der ja immer darauf Wert gelegt hat, also spezifisch hier Franziskus, nochmal ein weltliches Argument zu machen. Vor Ort zu sein, eine echte Tat zu erledigen und so. Dass der einfach nochmal sagt, ich hole jetzt nochmal alle ab. Auch die, die in der Straßenbahn sitzen, die einfach nur da so die Straße langlaufen und so weiter und so fort.

Stefan Also das ist nochmal so einen richtigen weltlichen Einschlag von einer religiösen Stätte zur nächsten. Lässt er sich da so auf den Berg hochschleppen.

Wolfgang Auch seine letzte Predigt war ja durchaus vom Weltlichen geprägt. Er hat ja nochmal ganz klar zum Frieden aufgerufen und nicht nur so allgemein, sondern er hat auch ganz klar gemacht, dass diese Aufrüstungen, die wir uns jetzt hineinbegeben, nicht dazu führen wird, dass mehr Frieden auf der Welt entsteht und dass er sich auch da so sehr angelegt hat mit den Herrschenden.

Wolfgang Das war eigentlich so ungewöhnlich und man kann nur hoffen, dass das wieder jemand wird, der das in ähnlicher Weise tut.

Stefan Na mal sehen, wir hatten jetzt so einen supersakralen, jetzt hatten wir so einen weltlichen. Ich fand beides super attraktiv. Inhaltlich auf jeden Fall super interessant alles. Das war ein letzter guter Move von diesem Papst. Mal gucken, was dem nächsten so einfällt.

Wolfgang Wir wollen uns jetzt mit dem neuen Kulturstaatsminister beschäftigen. Es ist Wolfram Weimar geworden, der Chefredakteur schon von der Welt war, der mit seiner Frau zusammen ein Verlagskonglomerat leitet. Er ist jetzt, glaube ich, aus dem Vorstand erstmal zurückgetreten, um dann sich diesem Amt widmen zu können, der mit Cicero verbunden ist, mit vielen konservativen Publikationen, häufig auch in Talkshows, zu Gast ist.

Wolfgang Und da gab es nun jetzt sehr viel Kritik an dieser Entscheidung. Und interessant ist auch, dass sich eben sehr viele Konservative über diese Entscheidung aufregen, weil sie dann doch vieles auszusetzen haben. Interessant ist dann aber auch, wie andere Journalisten wieder darauf reagieren und das ist so symptomatisch.

Wolfgang Veit Medik vom Stern, früher Spiegel, jetzt Stern, schreibt dann bei Twitter, alle schimpfen über Wolfram Weimar. Wir haben ihn einfach mal gefragt, wie er die Vorwürfe sieht, er sei ein rechtskonservativer Ideologe. Wie stelle ich mir das jetzt vor? Dann sagt man, guten Tag Herr Weimar, Ihnen wird vorgeworfen, ein rechtskonservativer Ideologe zu sein, stimmt das? Und dann sagt er, nee, bin ich nicht.

Stefan Ich finde das genial, also das finde ich wirklich genial, weil immer wenn Journalisten dem geschriebenen Wort misstrauen und denken, sie könnten es durch ein Gespräch nochmal gerade rücken, finde ich es irgendwie genial. Und zu einem Autor zu gehen, der eine 20-, 30-jährige Publikationsgeschichte hat und ihn einfach direkt zu fragen, das ist ja die Reformulierung, Herr Weimar, wir haben Ihre Texte gelesen.

Stefan Aber das kann ja gar nicht wahr sein, was Sie da schreiben. Können Sie es nochmal sagen?

Wolfgang Das passiert aber dann genau nicht. Das Interview ist aber dann genau nicht so, dass er tatsächlich mit dem Geschriebenen konfrontiert wird, sondern nur mit den Vorwürfen, die es gibt über das Geschriebene, aber ohne, dass man sich selbst damit auseinandergesetzt hat, was er geschrieben hat. Und ich weiß, das ist für viele Journalisten nichts, woran sie sich auch halten würden. Nur für viele ist es auch verpönt, sowas zu tun.

Wolfgang Und es tut mir auch leid, dass ich es gemacht habe. Aber ich habe tatsächlich mich hingesetzt und habe das Buch einfach gelesen von Wolfram Weimar. Ich habe einfach gedacht, dann lese ich doch mal dieses konservative Manifest. Dann kann ich ja doch was dazu sagen. Und wir hören aber erst, bevor wir jetzt Auszüge daraus hören.

Stefan Ich hätte eine Frage zu Kaube, bevor wir das alles...

Wolfgang Gut, Jürgen Kaube in der FAZ.

Stefan Ich lese mal diesen anfangs. Also der Zeitschriftenverleger und ehemalige Wirtschaftsjournalist Wolfram Weimar, und ich lese, wie ihr seht, von einer echten Zeitung, ist wirklich erstaunlich, ist von Friedrich Merz für das Amt des Kulturstaatsministers ausersehen. Das überrascht. Okay, das ist schon mal kritisch, aber jetzt.

Stefan Denn Weimar ein Interesse an irgendeiner Kunst oder Geist zu unterstellen, wäre spekulativ. Eigentlich ist hier erwartbar Kunst oder Kultur. Jetzt hat er aber den Geist mit reingebracht. Also hier wird zum ganz großen Schlag ausgeholt. Ich fand das nicht schlecht. Die größte konservative Zeitung, sich mit dem konservativen März und dessen konservativen Entscheidungen, den konservativen Weimar reinzuholen, ich dachte, wir führen diese Kulturkämpfe gegen die.

Stefan Aber jetzt sind die Konservativen unter sich im Krieg.

Wolfgang Und ja, beziehungsweise sind natürlich auch immer Eitelkeiten, wer bekommt was und aus welchen Gründen.

Stefan Ich glaube nicht, dass Kaube jetzt Kulturstaatsminister werden wollte oder so.

Wolfgang Nee, wahrscheinlich nicht. Aber ich glaube, dass ja auch eine sehr heterogene Gemengelage ist, die man unter Konservativen vorfinden kann. Das ist ja nicht so, dass da jetzt alle in die Richtung von Merz gehen. Und ich fand auch erstaunlich, was in der Süddeutschen dann veröffentlicht wurde von Hans-Jürgen Jacobs. der hatte einen längeren Artikel zu Friedrich Merz und beleuchtet so ein bisschen, woher er da eigentlich kommt.

Wolfgang Friedrich Merz hat sich ja für Wolfram Weimar nicht ohne Grund entschieden, sondern die sind seit Jahren gut verbandelt. Also es gibt zum Beispiel so einen Ludwig Erhard Gipfel, der wird organisiert von dem Ehepaar Weimar und da ist natürlich auch Friedrich Merz zu Gast. Man kann da auch gleich ein Interview finden bei YouTube, da geht es dann lieber Herr Merz, ja lieber Herr Weimar, man kann sich vorstellen, wie dann so ein Gespräch verläuft.

Stefan Also es könnte sein, dass man hier wirklich nicht richtig vorwärtskommt im Text, weil man die ganze Zeit so irre Fragen hat. Ludwig Erhard-Preis oder dieser ganze Kram. Der Gipfel. Das ist ja wirklich so, als würde man den Linken unterstellen, sie würden so eine Erich-Huniker-Tagung machen irgendwie und so.

Stefan Weißt du? Die unterstellen den Linken immer zu einfaches Denken, zu viel Ideologie und überhaupt und dann machen die so Ludwig Erhard-Preis.

Wolfgang Ludwig Erhard ist nun die Stütze unserer freiheitlichen Gesellschaft, würde jetzt der Konkurrenz sagen.

Stefan Haben wir nicht Wirtschaftswunder und so alles entzaubert? Ist das nicht schon zehn Jahre alt? Nein, nein, überhaupt nicht.

Wolfgang Da werden wir jetzt gleich noch einiges zu hören. Wiederholt steht hier in dem Text in der Süddeutschen, kürte Weimar seinen Golfpartner Friedrich Merz bei NTV zur Person der Woche.

Stefan Ja, ist doch alles absurd.

Wolfgang Man hat auf der Welttribüne als Vielkommentierer zwangsläufig nicht immer recht, aber all das hat Friedrich Merz bei seiner Ministerkühle nicht aufgehalten. Die beiden Ordoliberalen 1,98 Meter Männer verbindet, Stipendiaten der Konrad-Adenauer-Stiftung gewesen zu sein und am selben Tag, es ist der 11.

Wolfgang November, ihre Geburt zu feiern. Auch in Fragen der Freizeitgestaltung geht das Duo d'accord. So wurden sie auf dem Golfplatz von Bad Wiese beim Einputten beobachtet. Nicht weiter verwunderlich also, dass die persönliche Weimar-Publizistik in Sachen März eine auffallende Elogenhaftigkeit durchzieht. Weiter heißt es dann noch, dass dieser Gipfel bald wieder stattfindet, kostet 3.213 Euro, aber ohne die Gipfelnacht, weiß nicht, was das nochmal ist.

Wolfgang Verlegerin Götz Weimar, also das ist dann die Ehefrau, macht erst gar keinen Hehl daraus, dass sie ihren gutbürgerlichen Ludwig Erhard Gipfel als, Zitat, Keimzelle der neuen Bundesregierung betrachtet. Hier, abseits des kalten politischen Berlins, seien sich die Neukoalitionäre Klingbeil und Merz erstmals, Zitat, auf andere Weise begegnet, erklärt sie im Münchner Merkur.

Wolfgang Letzter Satz von Jakobs, es menschelte offenbar.

Stefan Ja, das ist ganz toll.

Wolfgang Wir sind berührt, hören jetzt aber erst von 2018 einen Auftritt von Wolfram Weimar bei Markus Lanz, der auch ganz begeistert ist.

Clips Und das meinte ich mit dem, es gibt eben eine neue Generation von Politikern, die auch eine andere Form von Wahrhaftigkeit in ihrer öffentlichen Kommunikation mit sich tragen. Das ist übrigens keine Frage von Parteilichkeit. Die gibt es in allen Parteien, die sind auch deswegen besonders geschätzt. Ich glaube ja sowieso, dass diese Wende in Betrachtung von Politik, heutzutage gar nicht mehr nach Parteien häufig, gar nicht mehr nach Meinung geht, sondern nach Persönlichkeit.

Clips Und die Leute schätzen, wenn jemand authentisch ist, wenn er wahrhaftig ist, wenn er zu seinen Werten steht. Und das ist ja mein Thema, mit dem es kommt diese wertkonservative Welle. Das ist ja ein globales Phänomen tatsächlich. Das ist ja nichts typisch Deutsches oder so. Nein, ich meine, vor 20 Jahren war konservativ, das war so attraktiv wie Mottenkugeln und Maggie Thatcher, irgendwas so dazwischen.

Clips Kein Mensch wollte konservativ sein. Heute will man von einem konservativen Mediziner behandelt werden. In der Bank höre ich, diese Anlage ist ganz sicher. Die ist konservativ.

Wolfgang Gab es eine Zeit, in der man unsichere Anlagen bevorzugte und sagte, Mensch, das ist aber toll, da gehe ich ja ein hohes Risiko ein und habe vielleicht gar nichts davon. Also wir merken ja schon, hier wird der Begriff konservativ so erweitert, dass er auf alles zustrifft. Gab es eine Zeit, in der man sagte, ich wünsche mir vor allem unehrliche Politiker. Das wäre toll.

Stefan Zeitgeist ist ein ganz scheues Reh und zum Glück ist der Jäger Wolfram Weimar losgezogen, um es für uns zu fangen.

Wolfgang Geht noch weiter.

Clips Autokauf sagt mir der Autoverkäufer, der Benzinverbrauch ist ganz niedrig, das ist ganz konservativ. Also auf einmal ist das Konservative, was vorhin noch unappetitlich war, irgendwie angesagt. Und der wahre Wertkonservative, der sagt, konservativ sein ist nicht ein Hängen an dem, was gestern war, sondern ein Leben aus dem, was immer gilt.

Clips Also Treue zum Beispiel. Jeden Morgen, wenn ich aufwache, sehe ich meine Frau und ich bin jetzt 30 Jahre mit ihr zusammen und jeden Morgen bin ich in sie verliebt. Da bin ich sowas von altmodisch und konservativ.

Wolfgang Das ist wirklicher Konservativismus.

Stefan Frau Baufeind, die Augenbraue, weil sie genau weiß, Die Frau verlangte, dass mal wieder ein Zeichen kommt und wo, wenn nicht bei Lanz.

Clips Aber das ist auch eine unpolitische Kategorie. Ich glaube deswegen, dass diese Form von Konservativen, deswegen wird das im Moment so debattiert, die Zeit hat ja die Titelgeschichte diese Woche dazu gemacht, da wundern sich die Menschen, warum verändert sich Gesellschaft eigentlich in diese Richtung.

Clips Wir schauen häufig Politik an, das sind wie Boote auf einem See, die sind mal da die Roten, die Schwarzen, die gehen hoch und runter. Aber darunter gibt es gerade eine große Strömung hin zu alten Werten. Die Leute wollen wieder Anständigkeit, Ehrlichkeit, Aufrichtigkeit, so ganz altmodische Dinge, die eine Zeit lang ziemlich verwoben werden.

Wolfgang Ehrlichkeit und Aufrichtigkeit waren ja lange Zeit verpönt und jetzt aber kommt es wieder.

Stefan Also ich finde das wirklich genial.

Wolfgang Lange Zeit wurden wir gerne belogen, aber jetzt wollen wir mal wieder Ehrlichkeit.

Stefan Aus welchem Jahr ist das Buch?

Wolfgang 2018.

Stefan Okay, das ist ja nicht so lange her.

Wolfgang Nein.

Stefan Seitdem ist ja Corona und so ein bisschen ein paar zäsurale Wänden sind ja passiert.

Wolfgang Ist aber alles eigentlich noch ehrlicher geworden und das ist ja der Beweis, dass er jetzt da der höchste Mann in der Kultur wird. Und ich finde, wir sollten das Phänomen jetzt folgendermaßen haben. Mir geht es ja jetzt gar nicht darum zu sagen, so denkt Wolfram Weimar. Ja, das ist auch wichtig, aber die Tatsache ist ja einfach, dass ja eine Richtungsentscheidung ist für diese Koalition zu sagen, das wird jetzt unser Mann für die Kultur und man hat hier es ja zum Glück einmal mit jemandem zu tun, der schon sein Credo aufgeschrieben hat.

Wolfgang Wir müssen ja nicht bei tausend Interviews jetzt nachforschen, wie könnte er es wohl gemeint haben.

Stefan Es sind nicht nur Legenden wie bei Claudia Roth. Die war mal Managerin.

Wolfgang Er nimmt sich vor, ein Buch zu schreiben, das konservative Manifest. Ich habe diese 110 Seiten gelesen, um zu wissen, was denkt er und ich glaube, dass, Weimar jetzt ja nicht nur ein Solitär ist, sondern der steht natürlich für eine gewisse Entwicklung in der Gesellschaft und dass jetzt auch die Junge Union das besonders begrüßt, dass sehr Konservative aus der Union diese Entscheidung begrüßen und dass wir ja ohnehin schon einen gewissen konservativen Backlash aus den USA gut kennen, den wir hier thematisieren.

Wolfgang Da ist es also sehr gut, das in diesen größeren Kontext zu stellen. Denn wir haben es hier tatsächlich mit etwas zu tun, was man als so einen recht vulgären Konservatismus bezeichnen könnte, der aber zugleich sich auch so wahnsinnig modern gibt. Also es ist ja gerade jetzt nicht, dass man sagt, wir ziehen einmal wieder die Tracht an und machen mal wie 19.

Wolfgang Jahrhundert oder so etwas, sondern man hat zugleich auch so eine gewisse Modernität, die man ausstrahlen möchte.

Stefan Also ich finde auch, du stellst uns jetzt vor eine große Probe, ich sehe ja wie lange die Liste ist an Weimar Clips, was ja bedeutet, wir müssen da jetzt was rausholen, was vielleicht nicht drin steckt. Wir können jetzt nicht einfach sagen, Wolfram Weimar sagt und das nehmen wir dann für voll oder kritisieren oder wie auch immer.

Stefan Wir hier in Hessen haben ja einen Ministerpräsident, der auch genau durch sowas auffällt. Ideenreichtum, was man Leuten erzählen könnte, damit sie sich wohl fühlen. Und dann kommen solche Lügen zustande, wie jahrhundertelang dachten die Leute bei der Bank, ich möchte die risikoreiche Anlage, die auf jeden Fall in 30 Jahren sich in Luft aufgelöst hat und so.

Stefan Aber jetzt endlich kommt die Vernunft runter. Gott hat wieder mit uns gesprochen, wir müssen ihm nur folgen, wie auch immer. Und dann wird es so runtergebrochen auf Kurs statt Chaos.

Wolfgang Ja, genau.

Stefan Herr Boris Rhein, sagen Sie bitte was zur Ampel. Ich bin für Kurs statt Chaos. Ich denke mir so ein bisschen, wir können das jetzt nicht mehr so, also ernst nehmen sowieso nicht, aber wir können es auch niemanden mehr durchgehen lassen, das überhaupt ernst zu nehmen. Wir sind jetzt in einer Lage, in der die Demokratie bedeutet, 160 Millionen Amerikaner gehen wählen.

Stefan Die meisten davon könnten sich selber wählen lassen. Die Frage ist nur, wer macht die Ochsentour und so weiter und das Resultat ist Donald Trump. In Deutschland genau dasselbe. 60 Millionen Menschen können wählen, jeder davon könnte sich auch selber aufstellen lassen. Man müsste halt nur ein bisschen Ochsentour und ein bisschen IQ und so weiter, aber das Ergebnis ist Friedrich Merz. So, und hinter diese Realität können wir nicht zurück.

Stefan Es ist einfach, das Losverfahren wäre besser, Würfeln wäre besser, ein Rotationsverfahren, jeden Tag ein neuer Bundeskanzler wäre besser, alles wäre besser als das, was wir haben. Wir müssen es wirklich mal ganz kurz in so einem meditativen Moment feststellen, es ist wirklich wahnsinnig bescheuert und es könnte sein, dass jemand sagt, der sagt, Kurs statt Chaos geht.

Stefan Einfach selber nicht weiter weiß und genau weiß, es ist alles Chaos. Er sagt nur noch, Kurs. Und so ist das hier auch.

Wolfgang Die Rhetorik ist noch ein bisschen vorhanden, aber der Inhalt, den werden wir jetzt gleich suchen gehen. Beziehungsweise wir fragen uns, welches Gebäude entsteht eigentlich, wenn man diese ganzen Versatzstücke zusammennimmt, die uns Wolfram Weimar da anbietet.

Stefan Also es könnte sein, dass wir auf die Logik von, oh, das große KI-Zeitalter, ist es wirklich so klug und so, was die Maschinen da machen. Es könnte sein, dass wir jetzt feststellen, dass unsere Bundesregierung wirklich nur noch funktionierende Grammatik aufzuweisen hat und sonst nichts mehr. Und dass selbst diese Grammatik nochmal rückgekoppelt ist, sagt GBT auch, das ist korrekte Grammatik? Ja, dann können wir es publizieren.

Stefan Und Wolfram Weimar ist für mich eigentlich diese Gallionsfigur dieses totalen, nicht nur einfach Untergangs, sondern dieses verlotternden Untergangs. Weißt du? Also dass einfach gar keine Bemühungen mehr statt sind, irgendwem irgendwas zu erklären, sondern man hat einfach so eine Textbook-Idee wie Zölle oder so.

Stefan Also Trump macht es ja super offensiv. Macht einfach 100% Zölle auf China. Was bedeutet, 100% der Schiffe fahren nicht mehr. So aus Gelände. Das ist einfach, das nächste Weihnachtsgeschenk ist jetzt schon, die Geschichte ist schon geschrieben. Sie kann jetzt noch erlebt werden. Und das ist hier in Deutschland auch. Nur während bei Trump einfach gesehen wird, das ist Evolution.

Stefan Und da steckt ja eine gewisse Ehrlichkeit drin, das wurde ja immer beobachtet so. Trump lügt zwar immer, aber im Grundsatz ist er halt der große Ehrliche, es ist Chaos, also macht er Chaos und er versucht es gar nicht mehr zu verstecken. Diese Leute hier in Deutschland, die versuchen uns das, gegen das sie sich nicht wehren können, nämlich Chaos und Evolution immer noch als Konvention zu verkaufen, als den Normalfall mit so Zauberbegriffen wie, ja das ist konservativ.

Wolfgang Das ist Bürokratieabbau.

Stefan Zum Beispiel sowas. Also völlig absurd. Ich bin sehr gespannt, was in diesem Buch drin ist.

Wolfgang Wir beide haben ja in diesen konservativen Koalitionsvertrag geblickt und sind ja dann auch entsetzt darüber, dass es nur solche wagen Ankündigungen sind und dass man sich einfach denkt, wenn man 80 mal Bürokratieabbau schreibt, dann wird der auch schon von selbst kommen.

Stefan Ja, vor allem, dieser Koalitionsvertrag besteht ja immer, wenn die CDU beteiligt ist, zu 50 Prozent aus Mondlandung, irgendwas mit Kernfusionen und so weiter, das ganze Kram. Wo man sich denkt, gib den Forschern einfach Geld, das ist die Aufgabe der Forscher, nicht deine. Nur weil du die Worte magst und so ist das ja auch. Ich mag das Wort konservativ.

Stefan Es ist das Letzte, was Oma Erna noch etwas vorgaukelt, bei dem sie ganz kurz denkt, stimmt.

Wolfgang Aber diese Leute so sehr daran hängen, ist ja auch interessant, also dass auch so ein Markus Lanz da gleich affiziert wird davon, ist ja erstaunlich. Also die leben ja nun eigentlich ein relativ unkonservatives Leben. Also deren Lebensstil ist ja einer, der mit so einem konservativen Weltbild sich relativ wenig deckt.

Stefan Also ich will jetzt nur noch eine kleine Pointe machen, weil Lanz. Lanz hatte Heidi Reichenig gestern zu Gast oder gestern oder irgendwann. Nur der Koch hat Videos gemacht. Ich sehe, wie er mit Heidi Reichenegg über den Mietendeckel spricht oder jede andere Versuchung, Mietenpreise zu senken. Und statt das irgendwann mal von 99 Prozent der Leute auszusehen, die einfach die Miete bezahlen statt bekommen, hantiert er die ganze Zeit mit diesem, da haben sich Leute 30 Jahre lang Abend erspart und dann kaufen sie sich 30 Quadratmeter, verbieten das.

Stefan Und dann kommen sie mit dem Mietendeckel. Und dieses ganze Bild, das Lanz da propagiert, scheint ja wohl in einem extrem großen Kontrast zu sein. Denn jedes Mal, wenn man in Italien ist, hört man einfach nur Südtirol, das hat Markus Lanz aufgekauft. Also die Leute sind gar nicht mehr in der Lage, mit einem Ballon über die Alpen zu fliegen, ohne nur Markus Lanz, alles was das Licht berührt, Ländereien irgendwie zu sehen.

Stefan Ich weiß es nicht genau. Es ist eine Spekulation. Würde mich nicht wundern. Das Geld dafür wäre ja da. Aber es scheint hier eine ganz große Diskrepanz zu geben zwischen dieser Semantik, Wolfram Weimar und Co. Und dieser strukturellen Grundlage, die da noch verteidigt wird mit so einer Semantik, die nur noch als Lüge eingesetzt wird.

Wolfgang Wir können ja mal sagen, wir finden eigentlich das Konservative gut, wo etwas bewahrt wird. Zum Beispiel, dass man in seiner Wohnung bleiben kann, dass man sich die weiter leisten kann. Man findet das Konservative da gut, wo bewahrt wird, dass es einen gewissen Ausgleich gibt, dass also diese Schultern, die ohnehin viel tragen können, auch dann durchaus etwas mehr tragen.

Wolfgang Stichwort progressive Steuer. Wir können das ja mal alles so auch als konservativ framen und uns fragen, ob wir das wiederfinden in dem Manifest von Wolfram Weimar.

Stefan Ich finde, konservativ ist zum Beispiel auch der Anspruch, dass eine Sache einen gewissen Sinn hat, den man auf Dauer stellen kann. Und wenn eine Mieterhöhung kommt…, Und man stellt die Rückfrage, warum? Also wer hat was davon, welcher volkswirtschaftliche Beitrag liegt drin, dass jetzt diese Veränderung in der Zahlungspflicht erstellt?

Stefan Wenn das nicht erklärt werden kann, dann ist das per se eben nicht konservativ.

Wolfgang Kommen wir gleich zu.

Stefan Also es passt überhaupt gar nicht zu solchen Sachen.

Wolfgang Denn du denkst natürlich wieder nicht ans Eigentum. Dazu kommen wir jetzt, also Wolfram Weimer, das konservative Manifest. Wir hören erstmal uns das Vorhaben an.

Clips Das heutige Wertegerüst wird systematisch sortiert, denn Konservative mögen Ordnung. So entsteht ein Manufaktum des Geistes. Bei dem gilt, es gibt sie noch, die guten alten Dinge.

Stefan Das hat er geschrieben?

Wolfgang Ja, die möchte er uns jetzt präsentieren.

Stefan Also ab jetzt hören wir sein Wortlaut mit deiner Stimme. Das müssen wir natürlich im Kopf ein bisschen auseinanderbauen.

Wolfgang Also ich denke das nicht, sondern das denkt Wolfram Weimar und wir versuchen das jetzt immer so einzuführen. Jetzt kommt Wolfram Weimar im Original.

Stefan Sponspur mit deinen Lesungen ein bisschen verblassen oder ein bisschen...

Wolfgang Ja, nur, dass es noch...

Stefan Dass man es erkennt.

Wolfgang Dass es... Aber dass es angenehm wird, zu hören weiterhin.

Stefan Ja, ich spiel mal nachher ein bisschen.

Wolfgang Nicht, dass es klingt wie von einer Scheller-Platte.

Stefan Ordnung, ja genau.

Wolfgang Wenn wir was Altmodisches noch machen wollen.

Stefan Die Ordnung, ne? Konservative mögen die Ordnung. Wladimir Putin mag auch die Ordnung.

Wolfgang Ja.

Stefan Und die Ordnung garantiert ihm gerade nur der Krieg. So ist es auch mit Netanyahu.

Wolfgang Ja.

Stefan Netanyahu weiß genau, wenn der Krieg endet, ist für mich Chaos. So, das ist einfach ein Konflikt. Nichts ist ordnender als ein Konflikt, der beide Seiten so langsam auszehrt. Wir sind hier schon, ja die Begriffe halten jetzt schon nicht stand und wir haben gerade mal wahrscheinlich den Buchrücken gelesen.

Wolfgang Wir hören jetzt, dass die linke Hegemonie vorbei ist.

Clips Das Comeback des Konservativismus hängt eng mit dem Niedergang linker Weltanschauungen zusammen. Diese erinnern viele Menschen im besseren Fall an depressive Gewerkschaftsseminare, an zeigefingernde Weltverbesserungen und an ältere Männer mit Vaterproblemen. Im schlechteren Fall wittert man, die Partei hat immer recht Betondenker, sozialistischen Stacheldraht und Unterdrücker von Venezuela bis Nordkorea.

Clips Während das Rotsein einstmals helfend, warm, mitfühlend war, wirkt es zusehends nur mehr soziologisch, kratzig oder kasernenhaft.

Stefan Ja, es ist für mich ein Mann der Kultur, denn er verlässt sich darauf, dass die reine Auswahl von Worten und ihre Kaskade im Satzbau von Bedeutung ist. Egal was sonst, was er da ausdrücken will. Ich brauche kein Argument.

Wolfgang Ich habe zehn Worte, das reicht.

Stefan Das ist doch nicht schlecht.

Wolfgang Er versteht vieles auch nicht so ganz richtig. Ich will jetzt nicht alle Beispiele bringen. So glaubt er, dass man Novalis gegen den Islam in Anschlag bringen kann. So hat er auch eine eigenartige Auffassung vom Böckenförde-Theorem. Wir hören jetzt mal, was er dazu sagt.

Clips Schon der Staatsrechtler Ernst Wolfgang Böckenförde hat darauf hingewiesen, dass eine demokratische Verfassung nicht aus sich heraus garantiert werden könne. Sie brauche Wertegrundlagen. Kurzum, die moderne Demokratie lebt von Voraussetzungen, die sie selber weder geschaffen hat noch gewährleisten kann.

Wolfgang Aber Böckenförder Punkt ist ja gerade jetzt nicht zu sagen und jetzt brauchen wir mal einen Wertekanon, sondern er zeigt uns das Dilemma des modernen Staates oder man kann auch sagen der Moderne dann an sich und er sagt nicht, wir müssten mal auf 100 Seiten aufschreiben, was jetzt unsere Werte sind und dann ist das hier plötzlich doch die Grundlage, die der Staat aber gar nicht gewährleisten kann.

Stefan Nein, Böckenförder hat einfach nur gesagt, wir brauchen keine Bürokratie und die ganzen Regeln, wir haben doch Werte.

Wolfgang Oder Max Weber.

Clips Und noch etwas. Max Weber hat einst im Protestantismus die Urkraft für den modernen Kapitalismus erkannt. Vielleicht liegt heute eine Ursache für das Zeitlopenhafte des erodierenden Europas gerade in seinem Nihilismus.

Wolfgang War es so blöd, das zu lesen oder ist irgendwas schief bei Wolfram Weimar? Max Weber sagt doch nicht, toll, dass wir den Protestantismus haben, der hat so wunderbar den Kapitalismus hervorgebracht, das ist eine Urkraft, die man braucht und in gewisser Weise knüpft sich daran dann an, was Weimar sagt und schade, dass wir das heute nicht mehr haben, heute haben wir so viel Nihilismus, deswegen schwächelt auch der Kapitalismus, also das ist doch einfach falsch verstanden, diese Analyse, die Weber da vornimmt.

Stefan Ich für meinen Teil leide mit Wolfram Weimar darunter, dass wir heute keinen Max Weber mehr haben, der als politischer Berater dem Kanzler sagt, zünde doch mal eine religiöse Idee als Motor, die die Wirtschaft zieht.

Wolfgang Jetzt hast du natürlich schon hier Enteignungsfantasien laut werden lassen mit Mietendeckel etc. Hier wirst du jetzt sofort von Weimar eingenordet.

Clips Kommunismus, Sozialismus Nationalismus Nationalsozialismus oder Islamismus. Sie alle gehen von einer Gruppe, einer Klasse, Rasse, einer Uma, einem Kollektiv aus, das letztlich wichtiger sei als der Einzelne. Sie denken nicht den Kategorien von Würde des Einzelnen, sondern von Gerechtigkeit oder Erfolg oder Bestimmung einer Gesellschaft.

Stefan Ja, also das ist sowas, finde ich, Genial, denn wir haben jetzt aus verschiedenen Richtungen und ich meine ganz konkret, ich habe die Clips vorliegen, vielleicht kommen wir heute zu Jordan Peterson, aber wir können das mal richtig zusammenbauen. Hoss und Hopf, Jordan Peterson, Wolfram Weimar haben ein ganz interessantes Paradox, nämlich zum einen Grenzen zu.

Stefan Ganz wichtig, wir müssen hier unter uns, wenn wir hier auspflanzen, dann führt das zu gar nichts und wenn wir nicht wissen, wer da ist und überhaupt und so weiter. Grenze zu. Auf der anderen Seite haben die aber immer einen großen Themenblock. Du kannst alles schaffen. Du brauchst nur dich selbst. Deine Kraft steckt in dir. Du musst nur richtig denken und so weiter und so fort.

Stefan Was ja, finde ich, 1 plus 1 ist, ja, das sind die Flüchtlinge, die ihr beschreibt. Die können alles schaffen, egal wo sie sind. Die brauchen keinen Kontext. Die wissen, was Arbeit ist. Die sind fleißig. Und das passt nie zusammen und hier natürlich auch nicht.

Wolfgang Ne, der Nationalismus ist dem natürlich im Wege und da ist das dann auch völlig in Ordnung. Also man kann es vom Tellerwäscher zum Millionär schaffen innerhalb der nationalstaatlichen Ordnung, aber man darf niemals diesen Aufstieg vollziehen über eine Grenze hinweg, es sei denn, man hat einen Vater, der diese Grenze schon überwunden hat, wie zum Beispiel im Falle von Elon Musk, dann geht das natürlich, dann kann man erst in Südafrika sein und dann später auch in den USA.

Wolfgang Es geht darum, dass die Gesellschaft nur minimal vorhanden ist. Du hast ja in deinem Buch Kinderwüste geschrieben, die Familie wird gar nicht als Institution ernst genommen, weil sie einfach so ein Ausfall ist für alles, wenn irgendwas nicht funktioniert. Schule klappt nicht, da braucht man Lockdown, da muss dies sein und die Familie wird so berichten.

Stefan Das ist nicht tiefer fein als in Vater und Mutters Hände.

Wolfgang Ja, und das finden wir hier wieder.

Clips Die neue Bürgerlichkeit kommt also aufgeklärt, nüchtern und bescheiden daher, in ihrem Blick auf politische Entwürfe. Sie hält sich an die Würde und verachtet Würfe. Der französische Philosoph Jean-Claude Michéa nennt die neubürgerliche Gesellschaft das Reich des kleineren Übels. Der Konservativismus von heute steht wie der klassische Liberalismus für die Idee einer minimalen Gesellschaft bei einer maximalen Achtung der Würde des Einzelnen.

Wolfgang Auch das ist übrigens wieder interessant. Er hat dann nur den Titel genommen von dem Buch, das Reich des kleineren Übels. Das ist eine Kritik, dieses Buch, eine Kritik an genau diesem bürgerlichen Ideal, das Wolfram Weimar hier glorifiziert. Es ist verrückt, dass er da sagt, ach ja, da haben wir noch so einen französischen Philosophen, nehmen wir dazu.

Wolfgang Es ist genau das Gegenteil gemeint. Also ein ganz interessantes Buch.

Stefan Wir sind ja hier wirklich am Startpunkt einer großen, sag ich jetzt mal, konservativen Aufklärung. Denn dieser Konservativismus funktioniert natürlich wie so viele politische Ideologien immer sehr gut als Opposition, bis man dann plötzlich im Präsidentenamt ankommt und eine Praxis draus machen muss und die lautet dann, Hilfe, Hilfe, überschwemmt mich nicht mit euren billigen Produkten.

Stefan Schlaraffenland ist die Hölle. Und alle anderen stellen dann so fest, nee, das war schon ganz cool, als wir im Schlaraffenland lebten. Das war richtig gut und jetzt, ich verstehe diese Magerwelt nicht und so, dass wir diese Aufklärung jetzt hier immer bekommen. Minimale Gesellschaft in Deutschland. Ja, dann mach doch minimale Gesellschaft. Nur, wenn ich höre, dass teilweise ein Meter Autobahn 100.000 Euro kosten, auf dem die dann gerne in ihrem, das Auto ist mein Freiheitsversprechen und so rüberfahren, dann braucht man maximale Gesellschaft dafür.

Wolfgang Also die Autobahn ist maximale Gesellschaft, das ist so.

Stefan Das ist nicht minimale Gesellschaft, so im Sinne von Gott hat mir die Autobahn gegeben, na gut Hitler war es, aber das verschweigen wir mal so. Nein, das ist einfach maximale Gesellschaft, die hier eigentlich gefordert wird von den Leuten, die uns sich selber das Gegenteil versprechen wollen.

Wolfgang Wir haben ja jetzt gerade die Earnings bekommen von Elon Musk. Tesla funktioniert überhaupt nur, ist überhaupt nur noch profitabel deshalb, weil Elon Musk es geschafft hat, sich noch mehr staatliche Zuschüsse zu geben.

Stefan Zertifikate, Handelszuschüsse und so weiter, Autoverkäufe waren es nie.

Wolfgang Die Autoverkäufe sind massiv gesunken und die Profite sind für Elon Musk gestiegen, einfach nur, weil der Staat ihn finanziert. Das können wir natürlich bei so vielen Ideen. Wir reden ja hier auch über jemanden, der in der Verlagsbranche ist. Also wie sehr man da gerne zugreift, wenn was angeboten wird oder man lobbyiert, dass man zum Beispiel den Mindestlohn umgehen kann, wenn Zeitungen ausgetragen werden, solche Dinge.

Stefan Genau, Mindestlohn wird eingeführt über alle Branchen außer einer Nachtszeitung austragen. Das ist Wolfram Weimar.

Wolfgang Aber die Gesellschaft, meint er, wird immer übergriffiger.

Clips Wenn nun die Gesellschaft ihr instinktives Selbstbewusstsein nach und nach verliert, dazu die Geborgenheit in Tradition und Geschichte, sie sich also nicht mehr sicher ist, was wichtig und unwichtig ist, dann neigt sie zu Sicherheitsreflexen. Sie definiert kindische Regeln, weil sie nicht mehr sicher ist, ob auch alle erwachsen genug sind, mit der Freiheit umgehen zu können.

Clips Die Folge sind ein schleichender Freiheitsverlust und Bemutterungsgesten von Staatlichkeit. Allein die Verkehrsüberwachung ist ein Repressionssymptom. 20 Millionen Straßenschilder prägen Deutschland. Alle 28 Meter steht eines. Mit jedem Atemzug wird jemand geblitzt. Jetzt mit jedem Wimpernschlag gibt es einen Strafzettel wegen Falschparkens.

Wolfgang Da muss man ja einfach sagen, ja wir sind 80 Millionen Leute, wir haben weiß ich nicht wie viele Millionen Autofahrer, 30 Millionen Autofahrer. Wenn man das jetzt mal hochrechnet, wird das so sein, dass tatsächlich jede Sekunde jemand geblitzt wird und mit jedem Wimpernschlag jemand ein Knöllchen bekommt.

Wolfgang Das ist ein Zeichen der modernen Gesellschaft. Aber es geht wirklich auch ganz, ganz massiv gegen die, die sich doch eigentlich kümmern.

Clips Neun Millionen Bürger haben inzwischen Punkte in Flensburg. Der Staat drangsaliert mit seinen in Büschen kauernden Polizisten selbst brave Muttis auf Ausfallstraßen.

Wolfgang Die Mütter, ihre Kinder zur Schule bringen eine Ausfallstraße, die werden am Ende noch von den im Gebüsch kauernden Polizisten geblitzt. Da muss doch der Konservative sich mal erheben.

Stefan Also ich habe es ja selbst erlebt, wie die alten Leute hier, oder ich meine wirklich alte Leute. Die FAZ macht eine Abendveranstaltung, Podiumsdiskussion der Bürgermeisterkandidaten. Frankfurt, teuerste Mietstadt mit Europas und so weiter. Das einzige Thema ist, kann ich mit meinem Auto bis zum Ding vorfahren oder nicht, wie lange darf ich da parken und so weiter.

Stefan Und ich denke mir so, wie sehr kann man eigentlich die Gesellschaft ausblenden, um einfach die Häuser, die Lieferketten, die Produktionsstätten, den Grund und Boden zugespachtelt und alles ist genau bereit.

Wolfgang Schulze die Fahrradwege.

Stefan Wie kann man das alles ausblenden und sagen, das größte Thema ist jetzt dieses Straßenschild? Eine einzige Regel hier aufstellt, nämlich, wenn aus drei verschiedenen Richtungen auf diesen Parkplatz zugesteuert wird, hat der, der von rechts kommt, recht. Das ist die Regel. Und dann sagen die, nee, das schränkt mich in meiner Freiheit ein.

Stefan Und daraus stricken die ein ganzes Programm, das ja irgendwann auf diese Realität trifft, als politisches Programm.

Wolfgang Und das enttäuscht mich auch tatsächlich so intellektuell. Ich hatte gedacht, ich lese jetzt ein konservatives Manifest und Ich bin zwar kein Konservativer, habe aber durchaus sehr Sympathien für gewisse konservative Punkte und hätte mich auch darüber gefreut, ein Programm zu lesen, das mir jetzt beschreibt, welchen Wert der Konservatismus eigentlich hat.

Wolfgang Wenn ich aber dann nur sowas höre.

Clips Jede einzelne Steuererklärung in Deutschland ist ein Beweis für die These vom Marsch in das Freiheitsdefizit.

Wolfgang Dann frage ich mich, was hat das jetzt mit einem konservativen Manifest zu tun? Ist das dann nicht eher ein libertäres Projekt, das hier angestrebt wird? Und da verbindet sich ja so vieles. Wenn wir nach Amerika blicken, dann sehen wir ja, wie wir eine konservative Strömung haben, die zugleich aber auch eine libertäre ist.

Wolfgang Also die sagt, weniger Staat, also natürlich nicht für mein Unternehmen, da möchte ich schon noch weiterhin Staatsknete bekommen, aber weniger Staat an sich und zugleich brauchen wir wieder strengere Abtreibungsregeln und und und. Und haben dann aber auch noch so einen Staat, der sagt, wir kümmern uns nicht um dich, aber du kümmerst dich bitte um den Staat.

Wolfgang Wenn er irgendwo einen Krieg führen will oder so, dann gehen wir rein. Also das ist ja sehr interessant, dass man so eine Melange hat aus absoluter egoistischer Politik, die eigentlich sagt, ist mir alles egal, Gesellschaft gibt es nicht. Und zugleich aber immer wieder diesen Ruf nach Kollektivierung, sich einzuordnen etc.

Wolfgang Und da ist dann die Steuer, ist dann das Schlimmste, was einem passieren kann. Konservative schützen uns aber dann vor dieser Übergriffigkeit.

Clips Was aber schützt vor der Übergriffigkeit einer Gesellschaft, die glaubt, alles regeln zu müssen, weil es keine Selbstverständlichkeit im Regelwerk der Tradition, der Commons, der herkömmlichen Usancen gibt? Der Konservative kennt sie noch und vertraut ihnen, weil sie die gesiebte Vernunft von Generationen zeigen.

Clips Er muss nicht alles geregelt haben, aber die großen Regeln der Vorväter prägen ihn.

Wolfgang Wir brauchen gar nicht so detaillierte Steuergesetze, sondern wir wissen ja dank unserer Ahnen, deren Geist wir noch in uns tragen, wie eigentlich Gerechtigkeit aussieht. Und das bedeutet natürlich, dass wir weniger Regulierung brauchen, was Steuern anbelangt. Wir müssen auch nicht über eine Erbschaftssteuer oder irgendetwas nachdenken.

Wolfgang Denn unsere Ahnen haben es uns doch schon gesagt. Der Auftrag, den tragen wir doch alle mit mit unseren Werten. Warum uns jetzt noch um Regeln scheren, die irgendwelche Steuergesetze zeigen?

Stefan Also er hat ja eben in dem Clip vorher schon so von dieser instinktiven Herangehensweise und dass wir im Schoß der Geschichte und so weiter. Das finde ich wirklich sehr gut, denn wenn man das ernst nähme, würden wir so ein sakrales Ding aufziehen, in dem ältesten Räte immer wieder über noch ältere Texte befinden und so einen originalistischen Ansatz fahren.

Stefan Und das ist ja das, was wir in Amerika sehen. Und mir wäre schon wichtig, dass wir jetzt einfach, Vielleicht klappt das schon ab diesen Clips, aber jetzt auch dauerhaft. Das, was wir gerade in Amerika sehen, ist das als politische Praxis. Das ist nicht irgendwie Trump dreht durch oder das ist irgendwie idiotisch oder so, sondern es ist das hier, aber in Praxis.

Wolfgang Ja und der Kulturtransfer findet ja immer noch statt. Der Kulturtransfer von Amerika ausgehend sah so aus, dass wir alle gerne Cola trinken, ich ja zum Beispiel, dass wir gerne diese amerikanischen Filme gucken und bedeutete dann auch, dass deutsche Filmemacher zum Beispiel, Till Schweiger wäre zu nennen, versuchen auch amerikanische Filme auf deutschem Boden zu drehen.

Wolfgang Und was wir jetzt gerade mit der Märzregierung erleben ist, dass man versucht, deswegen hat man ja jetzt Amthor auch in gute Positionen gesetzt oder Jens Spahn, das was die Amerikaner machen auch hier in Deutschland umzusetzen. Es ist dann natürlich alles nicht so wirklich sexy und nicht so viel Entertainment dabei, wie das bei einer Trump-Veranstaltung sein kann.

Wolfgang Das ist so, wie auch der Till Schreiger-Film, nicht so gut ist wie der Bruce Willis-Film, aber man bemüht sich. Und dieser Kulturtransfer, der findet ganz eindeutig statt. Und wir haben natürlich den Vorteil, dass wir uns auch nochmal auf unsere ganz Alten berufen können. Vielleicht einfach mal zwischendurch so ein Friedrich-Schlegel-Zitat für dich.

Clips Friedrich Schlegel formulierte das 1809 so. Unsere Ahnen alte Kunde ist es, was mir Hoffnung gibt. Wann belehrt in treuem Bunde man das Alte wieder liebt.

Wolfgang Ich denke, dass ich das einfach schreiben werde, wenn das Finanzamt mich auffordert zur nächsten Steuererklärung. Einfach dieses Zitat und dann müssten die sich damit zufrieden geben. Die Alten wussten es schon, jetzt fragt nicht nochmal genauer nach.

Stefan Ja. Ja.

Clips Die öffentliche Moral hat einen neuen Fetisch, die Kleindlichkeit. Ob im Alltag oder in der Weltpolitik, die Tugendwächter sind auf dem Vormarsch. Die am schnellsten wachsenden Aktivitäten in unseren Konzernen kommen daher aus den Compliance-Abteilungen. Dort arbeiten die neuen Moralapostel der Moderne.

Wolfgang Es ist jetzt zumindest mal eine halbrichtige Beurteilung der Lage, dass diese Compliance-Abteilungen sehr bedeutsam geworden sind und sehr viele Bedenkenträger die ganze Zeit da sind, um nichts falsch zu machen. Das ist aber auch nicht einfach nur eine Entwicklung. Die herrührt aus einer linken Hegemonie, sondern die rührt ja daher, dass es gerade die Kapitalgeber sind, die große Angst haben, dass irgendetwas nicht korrekt läuft, dass da irgendjemand etwas falsch macht, was dann am Ende einen Skandal auslöst.

Wolfgang Ich hörte vor einer Weile einen Podcast mit einem Modeexperten und der wurde gefragt, warum gibt es eigentlich nicht mehr so Leute wie Yves Saint Laurent oder Lagerfeld, wo sind die dann alle hin? Und dann sagte der, naja, diese großen Modekonglomerate, die ja oft börsennotierte Konzerne im Hintergrund haben, wo die Konzernchefs auch gar nichts mit Mode oder Kunst oder sonst was zu tun haben, die wollen keinerlei Störung.

Wolfgang Die wollen nicht jemanden haben, der im Interview plötzlich irgendetwas da erzählt, wo man denkt, oh Gott, wo wird das noch hingehen? Dann haben die Direktsorge um ihren Aktienkurs. Dann sagen die, wir wollen lieber so brave Manager, die alles genau nach der Compliance-Abteilung erwähnt. Abliefern, sich mit der Compliance-Abteilung ganz eng schalten und ja nicht künstlerisch extravagant und sonst was auftreten, damit es ja nicht irgendwelche Turbulenzen gibt.

Wolfgang Das heißt, es ist ja die Kapitalseite, die gerne keine Kontroverse will, die alles, was irgendwie problematisch sein könnte, egal in welche Richtung, sofort sanktionieren möchte. Ja, nicht irgendwas Politisches, weder in die eine noch in die andere Richtung. Es ist also nicht irgendein linker Zeitgeist einfach, sondern es ist quasi das Kapital selbst, das sagt, nee, nee, lieber mal nicht, lieber jemand, der alles schön abnickt.

Stefan Genau. Also diese Erfahrung macht man ja häufiger. Sobald man den Justiziar fragt, sagt er, ah nee, lieber nee, ich mach nur Ärger, wie auch immer so. Bitte keine Störung im Betriebsablauf. Fragt man in der Forschung und Entwicklung nach, heißt das ganz anders. Bitte mehr Irritation.

Wolfgang Ja.

Stefan Bitte mehr und so weiter. Und dann ist die Frage, ja, wie kriegt man das denn hin? Und dieser große Kulturkampf auch in der amerikanischen Regierung, dass plötzlich irgendwelche YouTuber, die keine Ahnung von nichts haben, dann ihre, Grenzen zu wie heißt dieser Ethnopluralismus und so weiter diese ganzen Ideologien durchpauken der widerspricht halt sehr diesem Elon Musk braucht einfach Leute, die mit diesem wie Hosenhopf und so sagen bis und hier und meine Biografie gestalten und so weiter so und die findet man unter allgemeinem Arbeitnehmermangel halt insbesondere da wo man Prüfung durchläuft.

Stefan Wir haben es ja immer aus moralischen Gesichtspunkten kritisiert, dass durchs Mittelmeer eben nur die allerstärksten Flüchtlinge schaffen. Wenn die anlanden, sind sie halt da und die stellen halt auch alle anderen in den Schatten. Also jetzt mal so ganz grob drüber gebügelt.

Wolfgang Also womit wir jetzt nicht das Unrecht rechtfertigen, dass da Leute jetzt einen Kommentar schreiben, aber das ist ja eigentlich die Blickweise, die neoliberale Hayek und Milton Friedman durchaus auf die Migrationsfrage eingenommen haben, was du jetzt da gerade schilderst.

Stefan Wir kriegen demnächst eine sehr große Auswertung und Aufarbeitung, was es bedeutet, wenn sich ein Land abschottet, dass eigentlich diese Diversität im Denken, die nun mal nur durch Diversität in der Biografie kommt und so, was das bedeutet. Also wenn Silicon Valley jetzt einfach fünf Jahre lang Einstellungsstopp macht, weil in Washington YouTuber Entscheidungen treffen, so ist das halt ein echtes Problem.

Wolfgang Und all diese Erfolgspodcasts berichten immer nur von Leuten, die sagen, ja kommt aus einer kleinen Provinz in Mecklenburg-Vorpommern, hat sich dann mit 17 Jahren Taschengeld verdient, ist dann rüber in die USA, ist dort erfolgreich geworden, hat dann erst ganz spät die Staatsbürgerschaft bekommen und das sind genau diese Migrationsgeschichten, die da drin liegen.

Wolfgang Und wir haben ja jetzt gerade den Geburtstag gefeiert, 20 Jahre YouTube und da ist das erste YouTube-Video ja von jemandem erstellt worden, der aus Deutschland kommt, Migrationshintergrund hatte, aufgrund des Rassismus in den 90er Jahren mit seinen Eltern in die USA ging. Also ein hochtalentierter Mensch geht in die USA und ist dort dann einer der Gründer von YouTube geworden.

Stefan So und das muss man aber... Um das zu fördern, dass das funktioniert, so schmelztiegelartige soziale Zusammenleben, muss man halt moralisch kleinteilig organisieren. So wie die Anstrengung war von YouTube zu sagen oder von Google allgemein, wir werden hier der beste Arbeitgeber, wir machen extreme Anstrengungen.

Stefan Bei uns gibt es einen Kindergarten, bei uns gibt es Menüs, wir haben Sterneköche zu Gast, bei uns gibt es Geselligkeit organisiert und so weiter. Das sind alles Regeln. Das fällt uns nur immer nicht auf, wenn das so wohltuend als Komfort und Annehmlichkeit verkauft wird. Aber genau so sind die Unternehmen natürlich auch hinterher, dass diese Vorzüge nicht durch, ah, dann gab es ja doch wieder Streit, Missverständnisse und so weiter.

Stefan Das muss man halt moralisch kleinteilig regeln. Die Frage ist dann immer, kann man das, was betriebswirtschaftlich gut funktioniert, auch volkswirtschaftlich organisieren? Also kann die Politik überhaupt oder muss man das halt immer im etwas kleineren Rahmen, also so Subsidiaritätsprinzip, Probleme nur da lösen, wo sie anfallen, statt so mit so einer Pauschallösung, wir sind jetzt alle weltoffen und so weiter.

Stefan Also da würde ich auch sagen, da hat man ja über die Stränge geschlagen, nur das hätte halt eine vernünftige Evaluation auch ergeben, dass es nichts bringt, vor allem nicht, wenn Google Jahrzehnte als, das ist ein super Arbeitgeber, ihr müsst es nur alle so machen wie Google und dann kommen irgendwelche Politiker auf die Idee zu sagen, ja dann mache ich das jetzt auch so und dann stellen die so einen Tugendkatalog auf.

Stefan Das sind natürlich Fehler einfach, so handwerkliche Fehler, aber dass man das einfach alles gar nicht durchschaut und auch diesen Mehrwert und die Erfolge, die damit kamen, sondern einfach mal wieder nur das Straßenschild sieht, statt die ganze Infrastruktur, in der man das Straßenschild festgeschraubt hat und so, das ist einfach ein ganz blinder Mann, dieser Wolfram Weimar.

Wolfgang Naja, diese neue Kleinlichkeit. Wie sieht sie aus? Weimar macht's konkret.

Clips Unter dem Siegel der Regeltreue und Korruptionsbekämpfung entfesseln sie Kontrollsucht und Regelbürokratie. Geschenke gibt es fast keine mehr, denn immer lauert irgendwo der Geldwertevorteil oder der mutmaßliche Bestechungsversuch. Geschäftsessen und Dienstreisen unterliegen zusehends dem Ruch halbkrimineller Veranstaltungen. Und selbst auf den Geburtstagsblumenstrauß blickt der Compliance Officer inzwischen wie ein Terrorismusjäger.

Wolfgang Also wir merken ganz klar, wohin das geht. Schade, dass ich jetzt nicht mehr einfach meine Freunde für ein Wochenende einladen kann und das auch noch absetzen kann. Schade, dass ich das jetzt selbst bezahlen muss. Also es wird jetzt die ganze Zeit, wird hier aus einer Perspektive beklagt. Also das ist ja ein Manifest, das wird dann gelesen von meistens ja einfachen Leuten. Vielen Dank.

Wolfgang Die auch überhaupt nie ein Geschäftsessen oder irgendwas veranstalten und schon gar nicht irgendwo hinreisen.

Stefan Also es ist schon sehr voraussetzungsvoll, mal ein Geschäftsessen anzugeben bei der Steuer.

Wolfgang Sie sind jetzt da und lesen ein konservatives Manifest und sollen sagen, ah ja stimmt, aber eigentlich ist das jetzt so ein Klagen der obersten 5% oder des obersten Prozents darüber, dass man irgendwelche Dinge nicht mehr absetzen kann. Und das wird dann so radikalisiert, dass selbst der Blumenstrauß nicht mehr möglich ist. Oder auch folgendes.

Clips Ein neuer Puritanismus verändert den Alltag. Eine Stewardess wird sich nicht mehr trauen, einen Gast auf einen besseren Platz zu setzen. Ein Hotelrezeptionist hütet sich, besonderen Gästen ein besseres Zimmer zu geben, als just genau das Gebuchte und Bezahlte. Ein Bankangestellter wird auch dem beinamputierten Helden eines Katastropheneinsatzes kein tausendstel Zinsvorteil mehr gönnen dürfen.

Wolfgang Und daran war immer diese linke kleinliche Egomonie schuld, dass die Zinssätze so hoch sind.

Stefan Das ist eh verlogen.

Wolfgang Was ist denn das für ein Quatsch?

Stefan Also das ist eh von vorne bis hinten verlogen.

Wolfgang Die Bank macht eine Risikoabwägung und da würde ich sagen, die Bank wird denjenigen, der ein Bein amputiert hat, schlechter stellen als denjenigen, der beide Beine hat. Und das ist aber ein Problem, weil alles nach Profitabilität berechnet wird. Und das hat überhaupt nichts mit einem Wertekanon zu tun, nämlich das Gegenteil davon. Und das andere, was er da anführt, ist ja überhaupt nirgends zu sehen.

Wolfgang Also hast du erlebt, dass du keinen Upgrade mehr bekommst aus irgendwelchen Compliance-Gründen? Ich würde sagen, nee. Ich würde sagen, gerade diese ganze Upgrade-Geschichte hat ja zugenommen in einem erheblichen Maße.

Stefan Also hier kriegen wir jetzt sowieso, das ist ja schon im laufenden Gange, dass wir sehen Elon Musk, es wird quasi von der New York Times zitiert mit Wortlaut Elon Musk, ich wollte eine Billion sparen und es sind nur 150 Milliarden, also er revidiert sein eigenes Bürokratieabbauziel um 85%. Und die einzige Bürokratie, die er abgebaut hat, war...

Stefan Kostenposten streichen. Ganze Häuser einfach schließen, USAID oder das Bildungsministerium und jetzt stellen wir fest, naja, damit sinkt aber auch die Leistungsfähigkeit der amerikanischen Regierung. Also das war eigentlich ein gutes Geschäft und der hat einfach nur den Kostenposten, aber den Nutzenanteil nicht mit kalkuliert.

Stefan Gleichzeitig schreibt Donald Trump eine Executive Order nach der anderen und jeder Einzelne bedeutet Bürokratie.

Wolfgang Natürlich.

Stefan Jeder Einzelne bringt mehr Bürokratie und so ist das ja hier auch. Dieser ganze Scheiß, dass es das gab, also hier was absetzen, da 70% vom Essen, da jeden Kilometer vom Autofahren und so weiter.

Wolfgang Gibt es ja immer noch.

Stefan Ja, aber das sind konservative Errungenschaften.

Wolfgang Ja, ja, genau.

Stefan Die wollten das so kleinteilig. Die haben sich gesagt, wenn wir einfach nur jedem die Straße zur Verfügung stellen, wir müssen erstens denjenigen, der unsere Klientel ist, das Auto noch kostenlos machen oder billiger und ihm dann noch pro Strecke, die er fährt, Geld überweisen. Das ist doch deren Bürokratie. Warum wendet er sich dagegen?

Wolfgang Er hätte es wahrscheinlich gerne noch einfacher, dass sobald man ein Auto hat und ab S-Klasse bekommt man noch 10.000 Euro so geschenkt. Ich weiß es nicht.

Stefan Das ist wirklich Trump-Extremität zu sagen, das mir nicht geschenkte Auto schränkt mich in meiner Freiheit ein. Ich hasse diesen Stahl.

Wolfgang Und zugleich sind das ja die Leute, die genau nachgucken, ob irgendein Hartz-IV-Empfänger noch drei Mark mehr bekommen hat.

Stefan Grenze, Armut, Bürokratie, die werden so krasse Bürokratie aufbauen.

Wolfgang Bezahlkarte ist eine Bürokratie-Monstrum. Aber es geht natürlich um diejenigen, die sehr viel haben und dann plötzlich belangt werden von dir oder Heidi Reichenek, die dann sagen, jetzt müssen wir mal mit Vermögen steuern, wir müssen mal gucken, wie reich sind denn die Reichen. Nee, da habt ihr nichts verloren.

Clips Ob Erbschaften, Manager-Gehälter oder Geldanlagen. Die Politik fordert neue Transparenzregeln. Denn die Transparenz ist immer der Schritt in die Sozialisierung. Es wird öffentlich gemacht, was eigentlich privat sein sollte. Eine strukturelle Neugier treibt die Bürokratie. Eine Gier also. Der Steuerstaat raubt uns über das Finanzamt nicht nur unser Geld, sondern auch Detailinformationen unserer Lebensumstände.

Stefan Transparenz ist Gier. Herzlich willkommen im Jahr 1984.

Wolfgang Das ist verrückt, oder?

Stefan Genial.

Wolfgang Also da sind wir jetzt wirklich nicht mehr entfernt von Hoss und Hopf.

Stefan Also Konstanze hat mir eine Geschichte erzählt aus, ich glaube, Deutschland, ich weiß nicht genau. Jemand vertreibt Enten, also ein chinesisches Restaurant vertreibt Enten. Und dann kommen die in den Laden rein und sagen, den Leuten geht es irgendwie nicht so gut, wenn die ihre Enten hier mal essen. Können wir uns das mal anschauen? Und dann finden die aufgehangene, gerupfte Tauben in diesem Restaurant.

Stefan Die haben also Tauben serviert. Ich bin da für Transparenz.

Wolfgang Ja, da kann man ruhig mal in die Küche reingehen.

Stefan Dass da einfach jemand sagt, aber ich habe hier ein Profitinteresse, ich bin hier gegen Transparenz, finde ich nicht gut. Und die Taube ist hier wirklich Chiffre für ganz viel.

Wolfgang Naja, das ist natürlich eine Aussage, die sagt, lasst uns bitte nicht nachgucken, ob irgendjemand sein Geld in eine Steueroase verlegt hat.

Stefan Alles privat.

Wolfgang Alles privat, denn das Individuum, das ist uns heilig.

Clips Der Konservative denkt so, das Individuum ist früher da als die Gesellschaft. Das Individuum ist zeitgleich der finale Bezugspunkt, um den es bei Gesellschaft immer gehen sollte. Am Individuum entscheidet sich die Qualität einer Gesellschaft.

Wolfgang Ich finde das nicht falsch.

Stefan Ich finde es sehr falsch.

Wolfgang Lass mich mal sagen, also das Individuum an sich kommt ja tatsächlich zuerst. Also wir sind zwar geboren, aber wir sind als Menschen, sind wir auch in unserer Autonomie diejenigen, die in der Autonomie geschützt werden müssen. Es ist also nicht nur Gesellschaft, sondern wir sind auch als Individuen da.

Wolfgang Und das finde ich erst einmal richtig, das zu bemerken, weil es mitunter tatsächlich verloren geht. Man kann nicht alles nur als Kollektiv betrachten, sondern es gibt auch Individuen. Und das hat mich auch damals sehr geärgert, wenn zum Beispiel Leute sagten, ich möchte nicht AstraZeneca, sondern den besseren Impfstoff haben, dass dann gesagt wird, ja, aber statistisch ist das hilfreich, wenn auch erstmal die Leute AstraZeneca nehmen, denke ich mir, ja, das mag statistisch so sein, aber ich als Individuum hätte trotzdem gerne den besseren Impfstoff.

Wolfgang Und genau diese Denkweise, finde ich, ist eine, die wir häufig jetzt antreffen. Deswegen finde ich diese Aussprache für das Individuum an sich richtig, die er da vollzieht. Was dann aber verrückt ist, ist, dass er zugleich sagt.

Clips Der Konservative ist Patriot. Er fühlt sich seinem Vaterland verbunden, ohne es zu glorifizieren und ohne andere Nationen herabzusetzen. Das unterscheidet den Patrioten vom Nationalisten.

Wolfgang Wenn ja das Individuum erstmal das Ein und Alles ist, warum brauche ich dann jetzt den Patriotismus? Und dann gibt es natürlich noch diese und ja.

Stefan Ja, ganz groß. Also wirklich gigantischen Widerspruch üben.

Wolfgang Also du findest das Individuum überschätzt?

Stefan Vielleicht den größten Widerspruch ever, den ich in dem Podcast gemacht habe. Denn das ist ja genau diese Denke. Das Individuum. Beim Familienbuch begegnet mir das ja immer wieder. Die Zeugung eines Kindes ist ein biologischer Akt. Der fand auch schon so statt, bevor es Gesellschaft gab.

Wolfgang Richtig.

Stefan Richtig. Nur bei der Unterscheidung zwischen Natur und Kultur können wir einfach nicht sagen, die Biologie ist es und der Rest ist nachrangig. So im Sinne von, wenn keine Menschen geboren sind, gibt es ja gar keine, mit denen man Gesellschaft machen kann oder wie auch immer. Oder wir sehen ja jetzt, wenn keine Menschen mehr kommen, dann fallen Unternehmen in sich zusammen, dann ist die Nachfolge nicht klar und dann ist das Unternehmen Geschichte.

Stefan Aber diese ganze Idee vom Individuum ist eine gesellschaftliche, soziale, kommunikative Praxis. Die Idee des Individuums folgt als Effekt auf die schon vorhandene Gesellschaft. Es muss hergestellt werden. Es ergibt sich nicht einfach so. Also das kann auch Wolfram Weimar selbst mal feststellen. Er fährt einfach in die Wüste und sagt, ich, das Individuum, schaffe es ohne Gesellschaft.

Stefan Und da ist ja völlig klar, nee, hier ist nichts mit Individuum und Kultur.

Wolfgang Nein, das ist ja wichtig zu betonen. Deswegen kritisieren wir ja auch da immer die libertäre Position, die sagt, ich kann das alles ganz allein. Nur würden wir ja doch beide zustimmen, dass das Individuum an sich einen Wert hat und auch schützenswert ist und auch in seiner Autonomie nicht uneingeschränkt eingeschränkt werden darf.

Stefan Um das Individuum zu schützen, um es ernst zu nehmen, um es wahrzunehmen, braucht es Gesellschaft. Es sind kommunikative Akte erforderlich, damit das Individuum überhaupt als Individuum wahrgenommen werden kann und dann noch alle möglichen Labels, Freiheit hier, offene Zukunft da und so weiter und so fort.

Stefan Also die Gesellschaft steht dir nicht im Wege, sondern genau umgedreht. Das ist wie beim Markt. Es gibt keinen biologischen, reinen Markt ohne Gesellschaft.

Wolfgang Vielleicht wird es besser verständlich, wenn ich sage, für mich geht es ja mehr um eine philosophische Anthropologie. Also zu sagen, dass der Mensch ein Bewusstsein hat und sich seiner Selbstbewusstsein werden kann. Seiner selbst bewusst werden kann. Das ist ja etwas, was den deutschen Idealismus prägt, was man dann eben der philosophischen Anthropologie in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts wiederfinden kann.

Wolfgang Dann ist das ja etwas, dass man dieses Selbstbewusstsein als solches erst einmal haben kann und als solches dann auch sich selbst verwirklichen kann. Womit ich jetzt nicht meine verwirklichen heißt, ich gehe da zur Schule, gehe da auf die Uni und so weiter. Das gibt es auch, aber da verlassen wir quasi die philosophische Bühne und gehen dann zu dem, wie man Gesellschaft organisiert.

Wolfgang Und da geht das nur mit Gesellschaft, da kann das Individuum nur diese Verwirklichung machen. Aber wenn wir rein deskriptiv bleiben, also von dem, was der Mensch als Einzelner vermag und ist potenziell und das muss ja gar nicht alles aktualisiert werden, da würde ich sagen, ist das Individuum tatsächlich eine Tatsache, hinter die ich auch nicht zurückgehen will.

Wolfgang Weil das dann tatsächlich sonst eine Art der Kollektivierung oder eine Untertan-Mentalität wäre, die ich ja zutiefst verachte. Und deswegen ist da das Individuum wichtig.

Stefan Ja, das Individuum ist super wichtig. Nur, wir unterstellen ja jetzt Wolfram Weimar schon die ganze Zeit eine, also wir haben eine spezifische Kritik, die wir ja jetzt nochmal explizieren können. Wenn er sagt, die Menschen, die Freiheit, das Individuum, er meint ja sich. Und dieser kleine heimliche Humor bei Niklas Luhmann, dass immer ihm unterstellt wird, in seinem Gesellschaftssystem finden ja Menschen nicht statt.

Stefan Da muss man sagen, nee doch, da finden Menschen statt. Man muss nur sagen, welche man meint. Und das ist ein ganz wichtiger Punkt. Denn wenn wir einfach nur sagen, das Individuum, Und es gab mal eine Zeit, wo das Individuum und dann hat es so gute Ideen gehabt und eine Gesellschaft ist entstanden. Dann reden wir über eine Zeit, sagen wir mal vor 50.000 Jahren, da gab es überhaupt nur eine Million Menschen.

Stefan So diese ganze Idee, dass wir heute acht Milliarden Menschen haben, also acht Milliarden mal uns das Individuum und seine Freiheit diese Frage stellen. Diese ganze Frage steht überhaupt nur im Raume, weil wir eine extrem erfolgreiche Gesellschaft haben, die Voraussetzung dafür ist, dass diese Individuen überhaupt biologisch geboren werden.

Stefan Also am Anfang, man kann nicht sagen, zuerst war das Individuum und dann fiel die Gesellschaft über das China und dann hat sie es wieder freigekämpft. Nein, genau umgedreht. Das ist wie ein Hühnerstall. Wenn diese Hühner keiner braucht, dann werden die nie geboren. Wenn wir einfach sagen, ich möchte nicht, dass Tiere leiden, ist die Folge nicht, ja, dann lassen wir sie einfach aus dem Stall raus auf die freie Wiese, wo sie als Naturgeschöpfe in der Natur und dann einfach Gras fressen.

Stefan Nein, die Erfolge wäre, diese Tiere müssen nicht befreit werden, weil sie ja nie geboren würden. Und das ist ganz wichtig. Deswegen auch, wer Menschheit sagt, lügt halt so ein bisschen. Man darf ruhig ehrlich sagen, es geht um mich, unterm Strich zähl ich. Wenn Wolfram Weimar sagt, ich verteile hier nicht das Konservative und das Individuum, sondern mein Lifestyle, wäre das alles super ehrlich. Ja.

Stefan So und deswegen kann man daraus auch kein allgemeines politisches Programm schreiben, weil es gibt nur in 80 Millionen Menschen, kann sich 10.000 Wolfram Weimars leisten, mehr nicht. Danach ist Sense. Wenn es nur 20.000 gäbe, die so leben und das verteidigen wollen. Ist schon Klimakrise und zwar nicht erst übermorgen, sondern schon morgen.

Stefan Und von daher ist das diese ganze Verlogenheit, die da drinsteckt. Umso enger er das hinführen will zu so einem das Individuum, umso größer wird nur die Lüge.

Wolfgang Ja, ihm gelingt es ja auch dann nicht, wenn er sagt, aber da brauchen wir schon noch Patriotismus und dann plötzlich macht er eine Unterscheidung, nämlich wer darf dann überhaupt patriotisch sein? Wer ist denn der wahre Patriot bzw. wer ist der richtige Staatsbürger?

Clips Die Patria Civitatis, das staatsbürgerliche Vaterland, steht für den Konservativen neben der Patria Nature, dem natürlichen Vaterland. Um auf die Begrifflichkeit Ciceros zurückzugreifen, die Nation wird als offene Gemeinschaft von freien Staatsbürgern verstanden, zugleich aber auch als eine in sich geschlossene kulturelle Abstammungsgemeinschaft.

Wolfgang Ja und das ist dann Ethnopluralismus, dass man sagt, das Individuum, wenn es denn deutsch ist, deutsch geboren ist und die Ahnen auch noch da sind oder zumindest nachweisbar sind, dann kann ich sagen, dieses Individuum hat in der freien Gesellschaft, wenn es dann sich auch patriotisch genug verhält, das Glück sich zu verwirklichen.

Wolfgang Alle anderen, die das nicht haben, die diese ganzen Akzidenzen nicht aufweisen, die mögen zwar auch Individuen sein, aber damit haben wir nichts zu tun.

Stefan So, wir verraten jetzt mal nicht, welches Auto du dir gekauft hast, sondern wir stellen mal zwei Möglichkeiten vor. Ein Fiat 500, aber schon Baujahr, zehn Jahre alt. Oder eine neue S-Klasse.

Wolfgang Okay.

Stefan So, wie sähe das Gespräch von dir oder auch deine Gedankenwelt in der S-Klasse aus? Und würdest du ernsthaft bei dieser Argumentation bleiben, wenn du in den Fiat 500 einsteigst? Und das ist diese Verlogenheit hier. Er redet nicht über den Staat oder dieses ganze Patriazivitatis und so. Nein, er ist schon eine Stufe weiter. Er redet über den S-Klasse-Staat, Deutschland, seine Heimat, das einzige, was er kennt.

Wolfgang Warum ist hier eine Baustelle?

Stefan So würde er über Ghana nicht schreiben. Diese Argumentation taugt überhaupt nicht für einen 15-jährigen Nigerianer.

Wolfgang Nein. Naja, eben.

Stefan Aber warum sagt er da nicht einfach Deutschland, Deutschland, Deutschland?

Wolfgang Nein, er ruft philosophische Begriffe auf, will so eine Art philosophische Anthropologie vom Individuum herleiten und macht das aber dann nicht. Er macht das dann nicht. Und übrigens, ne, S-Klasse, da fährt man glaube ich dann nicht mehr selbst, da wird man gefahren.

Stefan Soweit ich weiß, macht S-Klasse fahren noch Spaß. Das wäre dann hier...

Wolfgang Ja, aber wo will man, da muss ich jetzt auch mal fragen, wo will man dann damit noch gut durch die Gegend fahren?

Stefan Also ich habe Reportagen mit Felix Lobrecht gesehen, der mit seiner lila beleuchteten, Interieur-S-Klasse durch Berlin fährt und sich einen Döner holt.

Wolfgang Ja, das...

Stefan Scheint ihm Spaß zu machen.

Wolfgang Also ich würde mal sagen, wenn ich in der Liga wäre, dass ich mir eine S-Klasse leisten kann, dann muss man auch in der Liga sein, dass man sich darin fahren lässt.

Stefan Und die würdest du dann über den Fiat 5, da müsstest du neben dem Fahrer sitzen.

Wolfgang Nee, hinter. Ach so, im Fiat, nee, dann natürlich nicht.

Stefan Also wenn du noch mit dem Fahrer umsteigst auf, ja.

Wolfgang Genau, das wäre die Idee, um sich einen Chauffeur leisten zu können, fährt man einfach Fiat.

Stefan Wenn wir diese verlogene Argumentation mal deabstrahieren, also vom Konservativen zu dem Konkreten, was er eigentlich meint, von das Individuum zum eigentlich Konkreten, von die Gesellschaft zum Konkreten, dann wäre das einfach, ich Deutscher will in Deutschland in einem deutschen Auto fahren.

Wolfgang Und zwar schnell.

Stefan Genau. Und bloß keine Verkehrsschilder. Und wenn ich da jemanden dabei habe und wir fahren zum Essen, will ich das von der Steuer absetzen. So billig ist diese Argumentation. Nur weil er die ganze Zeit begrifflich irgendwo hintransferiert und sich dann klug fühlt. Aber solange man einfach nur Publizist ist und Texte schreibt, fällt das halt nicht auf, wenn man Politik macht.

Stefan Dann sind das andere Erfahrungen. Da ist Realität einfach näher.

Wolfgang Wir dürfen gespannt sein. Nun ist das, was er machen kann als Kulturstaatsminister, auch nicht so groß. Ich meine, wir wollen das hier nochmal ganz ausdrücklich sagen.

Stefan Die ist sehr groß. Die ist groß.

Wolfgang Ja, ich will Folgendes sagen. Man kann nicht das, was er hier steuerlichen Sachen oder so gerne umsetzen würde, das kann er nicht gestalten als Minister für Kultur. Das wollte ich damit sagen. Natürlich ist seine Gestaltung, die er jetzt als Kulturminister hat, relativ groß, wenn er natürlich wahnsinnig viel wegkürzen kann.

Stefan Wenn er den ganzen Überbau nicht erkennt.

Wolfgang Ja, wir werden jetzt noch so ein paar kulturpolitische Äußerungen von ihm auch sehen. Was ich hier deutlich sagen will, ich war ja jemand, der Claudia Roth von der ersten Stunde an wirklich schrecklich fand und ich nehme auch kein Wort zurück und bin auch sofort nochmal dabei, mich hier in Rage zu reden.

Wolfgang Aber es wird natürlich schlimmer. Leider muss man sagen, es wird schlimmer.

Clips Dem Konservativen aber ist Heimat nicht nur ein Kompensationsraum, der eine Zuflucht vor den Zumutungen der Moderne verheißt. Er ist das Ureigene, das einfach da war und da ist. Heimat ist ihm im Sinne Heideggers das Bodenständige, ein Boden, der ständig da ist. Und so freut sich der Konservativen.

Wolfgang Der Boden, der ständig da ist, es sei denn, der Vermieter hat was anderes vorgesehen. Dann ist der Boden plötzlich nicht mehr da.

Clips Dass die Heimat plötzlich bei allen beliebt ist, sein Wert wieder populär ist. Die Sehnsucht nach Wurzeln und Lokalkolorit ist ein gewaltiges Zeitgeistphänomen. Die Globalisierer fangen selber an zu regionalisieren. So erklären sich auch die Nürnberger Bratwürste auf dem Burger bei McDonalds.

Wolfgang Da haben wir es doch. Da haben wir doch alles erklärt. Wir werden wieder alle konservativ. Endlich Nürnberger Rostbratwürstchen bei McDonalds. Rechtstreue. Denn wir wissen ja, Recht und Ordnung sind wichtige Prinzipien für Konservative.

Stefan Und in Gefahr.

Wolfgang Sind in Gefahr und wir können uns schon ein bisschen denken, wohin es geht, aber es wird alles noch viel schlimmer.

Clips Rechtstreue hält der Konservative darum für ein hohes Gut, selbst wenn er fallweise politisch anderer Meinung sein kann als die Parlamentsmehrheit oder ihre Gesetze. Er achtet die Integrationsfunktion des Rechts, da die Rechtseinheit zugleich eine politische Einheit herstellt und den Staat als Ganzes legitimiert.

Wolfgang Recht ist wichtig, das haben wir jetzt verstanden. Was heißt das aber konkret bzw. Wann muss der Konservative sich empören? Uns würden ja da so ein paar Dinge einfallen.

Stefan Wird ja schon ein paar genannt.

Clips Wenn die Autorität des Rechts also untergraben wird, dann ist die Kritik des Konservativen nahe. Das ist zum Beispiel der Fall, wenn etwa linke Randalierer oder kleinkriminelle Migranten aus politischen Gründen weniger streng sanktioniert werden als andere. Das gilt aber auch in größeren politischen Zusammenhängen, wenn mit zweierlei Maß gemessen wird, etwa bei der Einhaltung von Eurostabilitätskriterien oder Verschuldungsgrenzen oder bei Grenzverletzungen nach den Regeln des Dubliner Abkommens.

Wolfgang Abdichtung gegen Migranten, Austeritätspolitik, wenn das nicht eingehalten wird, Rechtsbruch, dann müssen wir uns empören als Konservative.

Stefan Ja, aber hier gehe ich schon so ein bisschen verloren, weil hat er nicht eben noch so von der instinktiven Wahrhaftigkeit des Gerechtigkeitsgefühls irgendwie und so weiter.

Wolfgang Ja, plötzlich brauchen wir ganz viele Regeln, brauchen wir Austeritätsregeln. Wir könnten ja auch einfach sagen, unsere Ahnen haben es schon immer gewusst, wie man das Geld ausgibt, deswegen brauchen wir gar keine Regeln. Warum eine Schuldenbremse, so könnte man ja auch argumentieren, aber nein, hier brauchen wir plötzlich ganz dringende, künstlich geschaffene Normen, die wir einhalten müssen, auf Teufel komm raus.

Clips Oder die Zyniker und Machtmenschen, die Karrieristen und Realpolitiker folgen Nietzsche heute mit einer Selbstverständlichkeit, mit der Wind durchs Land weht.

Stefan Schöne Worte.

Wolfgang Und wir denken, wen könnte er damit meinen? Wir springen mal gerade einen Clip weiter. Wen könnte er damit meinen? Also diese Machtpolitiker, diese Karrieristen, meinte am Ende jemanden aus der CDU. Ja, durchaus möglich, aber vielleicht nicht so wie wir jetzt. Wir könnten jetzt an Wirecard oder sowas vielleicht denken. Na, ist ein bisschen anders.

Clips Die Selbstlegitimation von Recht durch Macht ist ein Gift, an dem nicht nur Diktatoren schnüffeln, es versucht auch demokratische Politiker, die Recht zuweilen einer selbstdefinierten höheren Moral unterordnen. Als die Bundesregierung nach dem Unfall von Fukushima schlagartig den Ausstieg aus der Atomenergiebefall, brach sie damit geltendes Recht, auch als die Euro-Kriterien für Staatsverschuldungen für ungültig erklärt wurden oder als Grenzgesetze aus humanitären Gründen beiseite geschoben wurden.

Wolfgang Also 2015 Merkel, Fukushima-Ausstehen Merkel und diese Neuverschuldung Merkel. Dreimal Anti-Merkel. Das ist also das, wo Großrecht gebrochen wird, wo machtbewusste Karrieristen sich durchsetzen. Man denkt also nicht an andere, da würden einem ja auch der CDU viele einfallen. Wir haben ja hier zum Beispiel auch mal über die Agrarpolitik der CDU oder sowas gesprochen.

Wolfgang All das könnte man ja mal nennen. Nein, also immer da, wo der Staat was Sinnvolles tut, um Menschen zu unterstützen, zum Beispiel mit offenen Grenzen oder so. Oder man sagt, ja, vielleicht so ein super GAU im eigenen Land wäre nicht so schön, da bricht man das Recht.

Stefan Das ist Rechtsbruch, während Cum-Ex ganz rechtens war. Stand ja in den Büchern.

Wolfgang Da wollen wir jetzt nicht drüber reden, muss man auch mal schauen, aber ja, das ist ein ganz anderes Thema. Wir springen nochmal ganz kurz zurück, denn interessant ist, dass Wolfram Weimer sich auf, glaube ich, niemanden so häufig in diesem Manifest bezieht, wie auf Oswald Spengler. Also der rechte Denker, geschrieben der Untergang des Abendlandes.

Wolfgang Wir werden ja von Peter Sloterdijk da sehr gut nochmal unterrichtet, wie dieses Denken von Spengler funktioniert. Wir haben das im Salon ja sehr ausführlich gemacht, das Sloterdijk-Buch. Ich habe ehrlich gesagt niemanden mehr gefunden, außer jetzt vielleicht aus so einem Schnellroderkreis oder so, der sich konservativ nennt und dann sich auch positiv durchweg auf Oswald Spengler bezieht und auch noch nicht mal so einen Verlegenheitssatz einbaut, so naja umstritten oder sowas.

Wolfgang Nein, man zitiert einfach Oswald Spengler.

Clips Oswald Spenglers Kultur, philosophische Analyse zum Untergang des Abendlandes beschreibt die Bedrohung beziehungsweise den Zerfall der westlichen Kultur. Nach Spenglers Geschichtsvorstellung können Hochkulturen als Riesenpflanzen angesehen werden, die aus einer mütterlichen Landschaft heraus geboren werden, wachsen, reifen und schließlich eingehen.

Wolfgang Ja, und dass hier bald alles eingeht, davon handelt dann das Buch, denn es geht um die Familie. Dein großes Thema? Mal gucken, ob es da Überschneidungen zwischen deinem Buch und Weimars Buch gibt. Ich würde mal sagen, eher nicht.

Clips Kaum eine andere soziale Institution hat in den letzten 20 Jahren einen solch hohen Zustimmungszuwachs erhalten wie die Familie. Für 80 bis 90 Prozent der jungen Menschen ist Familie wichtig bis sehr wichtig. Ebenso viele wollen selbst eine Familie gründen und auf Dauer mit einem Partner zusammenleben.

Wolfgang Klingt erstmal gut.

Clips Die meisten wollen Kinder. Der Shell-Studie zufolge kommen 92 Prozent der deutschen Jugendlichen derzeit gut und sogar bestens mit ihren Eltern aus. Die Werte sind in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen. Interessant ist auch, dass der Erziehungsstil der Eltern große Zustimmung erfährt. Kurzum, das Verhältnis von Eltern und Kindern ist so gut wie lange nicht mehr.

Clips Damit sind nicht nur die Ideologen der kritischen Theorie widerlegt, das vierte Gebot trägt gewissermaßen einen Sieg davon.

Wolfgang Nee, die sind nicht widerlegt, die Leute der kritischen Theorie. Die 68er und alles, was dann an Pädagogik und so weiter kam, die haben dafür gesorgt, dass die Kinder heute ein besseres Verhältnis zu ihren Eltern haben, dass sie Probleme ansprechen können, dass sie in der Lage sind, ihren Eltern mitzuteilen, was sie im Inneren betrifft, dass sie über ihre Sexualität, ihre Neigung sich äußern können, Dass sie nicht wegziehen müssen und den Eltern irgendwas vorspielen müssen.

Wolfgang Dass Eltern Kinder nicht mehr schlagen. All diese Errungenschaften von 68 haben dazu geführt, dass heute tatsächlich das Verhältnis von Kindern und Eltern besser denn je ist. Warum widerlegt hier irgendwas die Frankfurter Schule? Genau.

Stefan Plus ein ganz pragmatischer politischer Einschlag. Das Buch ist jetzt 2018. Damals brauchte man schon die Mietbürgschaft seiner Eltern mit 27. Also stellte man sich mit ihnen besser gut. Außerdem mit wem sonst? Man hat ja nur noch Social Media Freunde gehabt. Also wir greifen ja ganz viele Sachen. Wir haben ja dann danach Corona, Krise und der ganze Kram.

Stefan Die Kinderzahl ist jetzt in Berlin bei 1,1 Kindern pro Frau. Und da kann man, also es stimmt ja soweit, die jungen Frauen und Männer wünschen sich einen Partner und die wünschen sich Kinder und das mit dem Partner klappt auch meistens, also die Unzufriedenheit ist da gar nicht so groß, auch wenn es immer Dating-Geschichten gibt, die natürlich so ein bisschen was anderes erzählen und so.

Stefan Aber wer steht dem eigentlich im Wege? Ein Staat, der ihnen die ganze Zeit sagt, du musst es selber machen. Das Individuum bist du. Wir haben hier kein Geld für dich. Das Kinderzimmer muss 700 Euro kosten. Das ist ja immerhin 15 Quadratmeter groß.

Wolfgang Wir hören mal rein.

Clips Die Familie ist das fundamentale Band zwischen den Menschen, auf das Nation und Staat aufbauen können. Politik und Sozialstaat können die familiären Bindungen und die menschliche Fürsorge weder ersetzen noch schaffen.

Wolfgang Siehst du? Das ist genau das, dass man so tut, als hätte der Staat gar nichts damit zu tun. Naja, die menschliche Fürsorge kann erst dann gewährleistet werden, wenn zum Beispiel genügend Wohnraum vorhanden ist, damit man nicht in so beengten Verhältnissen lebt, dass man sich gegenseitig hassen muss. Der Staat hat eine Verantwortung dafür, wie weit Schulwege sind, wie das Essen an den Schulen sind.

Wolfgang Das ist ja etwas, was primär staatliche Aufgabe ist. Und jetzt wird aber so getan, als wollten Linke die mütterliche oder väterliche Fürsorge ersetzen durch den Staat. So als müsste der Staat abends die Kinder ins Bett bringen. Nee, das machen ja immer noch die Eltern. Die Frage ist nur, ob das Bett im Schlafzimmer der Eltern mitstehen muss oder ob das Kind ein eigenes Zimmer haben wird.

Stefan Also hier muss man einfach ganz deutlich werden. Diese Ideologie von ihm steckt ja in allem drin. Jordan Peterson war jetzt bei Joe Rogan wieder. Da geht es genau darum, wie diese elementare Eltern-Kind-Liebe so einen Tribalismus begründet. Also mein Kind und das alle meiner Nachbarn und Freunde und so.

Stefan Und dann wächst daraus irgendwie so ein Nationalstaatsgefühl oder sowas. Weil du weißt ja, die Freiburger Kinder sind ja uns so nah wie nicht die Warschauer Kinder. Also irgendwie so eine komische Idee.

Wolfgang Und das ist ja auch immer die Frage, die gestellt wird, Ja, aber würdest du nicht für deine Kinder oder für die Nachbarskinder sterben wollen? Würdest du für die nicht kämpfen wollen? Das muss ja dann alles so angeknüpft werden.

Stefan Dann bricht man es runter bis auf, im Schützengraben hängt man sich die Kinder und die Ehefrau auf und für die kämpft man. Und dass da noch Politik stattfindet, ist irgendwann nicht mehr eingeblendet. Idee, die er da hat, ist ja nun politisches Programm gewesen seit Ronald Reagan. Also diese ganze Idee von die Zeugung und Geburt eines Kindes sind so entweder natur- oder göttlich.

Stefan Kann man sich dann aussuchen, aber mit Gesellschaft hat das nichts zu tun. Weil wir haben ja gelernt, zuerst das Individuum und so. Und die FDP hatte ja 2015 oder 16 so ein Programm German Mood, wo sie das mal so richtig explizit reingeschrieben haben. Der Staat kann höchstens Geld zahlen, aber auf gar keinen Fall, Zitat, Herzenswärme spenden.

Stefan Eine soziale Zuwendung ist ja keine Herzenswärme, das kann nur die Familie selbst, also hält sich der Staat lieber raus. Und dann war jetzt in Wien auch wieder die Frage, wenn ich da so anfange, über Familie zu reden, ist das nicht falsch, Liebe so zu politisieren oder sowas, ne? Und dann sage ich einfach, nee, es geht mir nicht um Liebe zu politisieren, sondern Familie ist, wo Kinder sind. Dass da auch noch Liebe sein kann, okay, aber es geht ja erstmal nur um die Kinder.

Stefan Wenn Kinder da sind, reden wir von Familie. Dass die Eltern Eheleute sein könnten, die sich lieben, wie auch immer. Wenn man das forcieren möchte, muss man die Familie politisieren. Und mit politisieren ist halt einfach gemeint, Geld geben. Eltern wissen sehr gut, was sie mit Geld machen, genau wie Forscher.

Stefan Brauchen kein Programm von Söder, weil er auf den Mond fliegen will, sondern die Forscher kennen ihre Fragestellung ziemlich genau. Die brauchen nur Geld. Familien auch. So. Und wenn dann das Kind im Bett liegt, muss man, klingt sehr hart, aber das ist jetzt meine Überzeugung, muss man die Liebe der Eltern erkaufen.

Stefan Und das ist halt ein Babysetter oder sowas. Denn einfach nur sich um das Kind kümmern die ganze Zeit, also ja, da hat man so eine Pseudo, ich bin dem ausgeliefert. Ich muss jetzt Zeit mit dem Kind verbringen, wie auch immer. Also da ist wenig Spielraum. Aber wenn es plötzlich ist, ach so, wir können jetzt Service in Anspruch nehmen.

Stefan Wie so ein Arbeitnehmer, wie so ein Wolfram Weimar. Wenn wir uns bewegen, kriegen wir Geld. Auto wird billiger und so. Wenn das alles gegeben wäre für eine Familie, dass man sagt, geht doch mal abends ins Restaurant. Euer Sushi kostet nur halb so viel, weil er tragt ja schon für den Nachwuchs bei, so oder?

Stefan Dann hätte man sofort eine Liebesexplosion in Deutschland. Also dann würden sich die Leute übereinander herfallen. Also Freiraum für Liebe schaffen, nicht umgedreht. Also auch hier wieder diese Idee von, nee, die Herzenswärme kann nur von den Eltern kommen, da dürfen wir uns nicht einmischen. Nein, nein, nein.

Wolfgang Schon gar nicht mit Geld, das ist ja so kalt.

Stefan Darf ich sagen, Vorzeichen einfach mal komplett umdrehen.

Wolfgang Geld ist ein allgemeines Äquivalent, das ist das Schöne daran und deshalb kann das so wunderbar überall eingesetzt werden, bedeutet die jungen Leute brauchen mehr Geld, damit sie Liebe erleben können, weil sie dann mit dem Zug dahin reisen können, wo der Liebste die Liebste lebt. Das ist der Punkt und Das heißt nicht, der Staat organisiert die Liebe zwischen den beiden in dem Sinne, dass der Staat mit im Bett ist.

Wolfgang Nein, die Spielräume. Das ist das Entscheidende. Und das ist ja bei Wolfram Weimar so. Und das ist ja bei Markus Lanz und bei all diesen Leuten so. Die brauchen ja nur zu sagen, wie organisiere ich das? Wen soll ich anrufen? Oder wer ruft für mich jemanden an, der das organisiert? Und dann ist Geld nicht die Frage, weil es da ist. Und für alle anderen stellt sich immer die Frage, ja, aber kann ich mir das denn überhaupt jetzt gerade leisten?

Stefan Söder arbeitet bis 22 Uhr und 22.20 Uhr ist er zu Hause, weil sein Fahrer steht bereit und bringt ihn zu Hause. Und jeder andere arbeitet bis 20 Uhr und ist 22.20 Uhr zu Hause. Und das ist halt dieser Unterschied. Da muss man einfach Geld reinbringen und dann klappt es auch mit der Liebe.

Wolfgang Ehe und Familie.

Clips Ehe und Familie sind dem Konservativen keine zufällige soziologische Konstruktion, sondern die Wiege der Gemeinschaft, jener Raum, in dem sich soziale Kompetenz und Ethik entwickelt. Linke wollen diese Aufgaben tendenziell kollektivieren und den Kitas, Schulen, Staatsinstitutionen familiäre Kompetenzen zuweisen.

Clips Der Konservative hält sich an Hegel und will die Unbeziehung die Unmittelbarkeit der Sittlichkeit leben lassen.

Wolfgang Gut, demnach können wir ja auch einfach die Schulen abschaffen und sagen, das sollen die Eltern auch noch gerade selbst machen. Wir erziehen einfach unsere Kinder selbst, unterrichten sie ein bisschen Mathe, was jeder kann und das reicht.

Stefan Also Ehe und Familie darf man nicht zusammendenken. Familie ist was ganz Eigenständiges und da kann man auch sagen, Familie ist alles. Also wenn wir es uns historisch anschauen, ist Familie das Dorf, die Solomutterschaft heute alles. Also Familie ist, wo Kinder sind. Das ist so die Definition.

Wolfgang Nicht für Wolfram Reimer.

Stefan Die Ehe, wie wir sie heute leben, in diesem Industriezeitalter, die Fabriken brauchten Arbeiter, die Arbeiter braucht jemanden, der die Sachen sauber macht. Und der aktuelle Bundespräsident dankt noch den unbesungenen Helden des Kohlezeitalters, den Ehefrauen, die die Klamotten gewaschen haben und so. Also Ehe...

Stefan Wir haben uns jetzt, also dieses Ehemodell, was wir gerade fahren, das ist konstruiert.

Wolfgang Natürlich.

Stefan Jeder, der sich die Geschichte anschaut und sieht die Pastorenfamilie und dann die dynastische Eheschließung als politischer Akt, wer da sagt, nee, das war Gott gegeben, das ist völlig absurd. Also das ist total konstruiert. Dieses Pastorenfamilienpaar hat das zentrale Gebäude neben der Kirche im Dorf bekommen.

Stefan Da sollten die leben. Und dann haben sie idealtypisch, wir, die Eheleute, er ist eigentlich mehr so mit Gott und so. Und dann hat man so versucht, und das ist ja dann diese protestantische Ethik und so, aus dieser Reformidee, so eine allgemeine, das ist die Keimzelle in der Gesellschaft so zu bauen. Das ist heute einfach so, Ehe und Familie war immer über eins.

Stefan Die Natur hat es quasi, es geht gar nicht anders. Das ist auf gar keinen Fall, soziologisch konstruiert. Soziologisch nicht. Soziologisch ist es beobachtet. Aber sozial ist es total konstruiert. Nichts ist so konstruiert wie eine moderne Ehe.

Wolfgang Ja, und das ist ja gerade das, was ich diesen konservativen...

Stefan Das heilige Steuerrecht besteht daraus, diese Ehe zu konstruieren.

Wolfgang Ja, und diese Unredlichkeit kreide ich ja den Konservativen wie Wolfram Weimar und vielen weiteren an, dass sie nicht in der Lage sind, diese Konstruiertheit einmal einzugestehen und dann kann man ja auch sich noch fragen, was ist denn bewahrenswert? Also die Frage stellt sich ja trotzdem, auch wenn man diese Konstruiertheit, erst einmal voraussetzt.

Wolfgang Aber indem man einfach so tut, als sei es immer alles schon da gewesen und als müsse man sich jetzt gegen jede Modernisierung wehren, ist man ja intellektuell so unredlich, dass der Rest dann auch blöde wird. Hören wir mal weiter.

Clips Der Trend zur Verzweckung des Menschen ist dem Konservativen zutiefst fremd.

Wolfgang Alles war nur Verzweckung. Die gesamte Ehe ist Verzweckung, damit der Mann schaffen geht und die Frau bügelt zu Hause. Das ist Verzweckung.

Clips Gerade sein Familienbild bezieht den autonomen, moralischen Wert von schwachen, alten, kranken als Teil der liebens- und schützenswerten Familie mit ein. Nützlichkeitsmaßstäbe lehnt der Konservative daher ebenso ab wie theoretische Ersatzkonzeptionen oder Ideologien für Ehe und Familie, etwa die Genderideologie der vergangenen Jahre, die den Unterschied und die natürliche Aufeinanderbezogenheit von Mann und Frau leugnet.

Wolfgang Ja, also wir können uns denken, wie Ehe sich vorgestellt hat von Wolfram Weimar.

Stefan Diese Genderideologie, die dazu führte, dass eine junge Frau nochmal kurz anmerkte, ich weiß nicht, ob das mein letzter Lebenssinn ist, jetzt den Schwiegervater, den ich gar nicht kenne und den ich auch nie kennenlernen werde, weil der hat ja Demenz. Jeden Morgen muss ich wieder sagen, ich bin übrigens die Anna. Hör, wer? Und so.

Stefan Am Ende prügeln die sich gegenseitig tot. Also das ist so Realität in Deutschland, wird da nicht drüber geredet, wie viel Gewalt ist in dieser Art von, nee, nee, da darf sich keiner einmischen. Das ist wirklich absurd.

Wolfgang Du schreibst ja in deinem Familienbuch darüber, dass wir ein demografisches Problem haben. Und du sagst, es gibt die Möglichkeit, dass der Staat Spielräume erweitert, Und damit die Menschen, die gerne Kinder hätten, auch dies realisieren und nicht Angst haben müssen, dass sie sich das nicht mehr leisten können oder so etwas.

Wolfgang Und dann gibt es noch das zweite natürlich, das migrationspolitische Feld, dass man sehr viel Zuwanderung zulassen kann und damit hätte man das demografische Problem auch gelöst. Was du ja nicht machst, ist das, was Wolfram Weimar hier jetzt tut. Er sorgt sich ja, er um wen eigentlich? Jetzt wird es wirklich gruselig.

Clips Europa vermehrt sich nicht mehr biologisch. Die Geburtenraten sind hier so niedrig wie nirgends auf der Welt. Der alte Kontinent wird buchstäblich alt. Seine Bevölkerung ist so hoch betagt wie keine andere.

Wolfgang Also biologisch.

Stefan Wir werden uns nicht mal biologisch.

Wolfgang Das soll bedeuten, die europäischen Gene, das europäische Blut, das wird jetzt weniger. Ja, wir wissen ja, in Afrika, da gibt es ganz, ganz viele Geburten und Südamerika auch mehr als hier.

Stefan Ich weiß ja, dass Nigerianer auch biologisch funktionieren.

Wolfgang Ja, aber er meint eben mit biologisch, meint er tatsächlich, also wir sind hier jetzt eigentlich in der Kategorie von Rasse und Blut.

Stefan Das ist eigentlich super witzig. Ich habe ja eben noch kritisiert, er konkretisiert nicht, was er sagt, sondern zieht sich auf die allgemeinsten Verlegenheitsbegriffe, das Individuum, die Gesellschaft und so weiter. Jetzt redet er aber plötzlich von einer europäischen Biologie. Ganz konkret.

Wolfgang Naja, da sind wir halt sehr nah an einem Ethnopluralismus.

Stefan Ja, aber glaubt er, er ist entschuldigt, weil er ja nicht deutsche Biologie sagt?

Clips An der Expansion der Menschheit sind die Europäer nicht mehr beteiligt.

Wolfgang Expansion der Menschheit, wir kennen das schon so ein bisschen von Elon Musk und Jeff Bezos. Wir brauchen eigentlich 1000 Mozarts. Also wie kriegen wir das hin? Machen wir erstmal Abtreibungsverbote, damit da schon mal niemand mehr verloren geht.

Clips Aus der düsteren demografischen Zahlenspiele ist dem Konservativen die biologische Selbstaufgabe das markanteste Zeichen für den zivilisatorischen Untergang Europas.

Wolfgang Also biologische Selbstaufgabe, das bedeutet also wir als Rasse, also hier in Anführungszeichen gesetzt, das ist unser Problem. Also dass wir uns als Rasse nicht mehr vermehren.

Clips Weiter, Oswald Spengler erkannte diesen Zusammenhang schon lange vor den so dramatisch fallenden Geburtenraten und formulierte stechend, und nun geht aus der Tatsache, dass das Dasein immer wurzelloser, das Wachsein immer angespannter wird, endlich jene Erscheinung hervor, die im stillen Denkst vorbereitet war und jetzt plötzlich in das helle Licht der Geschichte rückt, um dem ganzen Schauspiel ein Ende zu bereiten.

Clips Die Unfruchtbarkeit des zivilisierten Menschen. Hier liegt eine durchaus metaphysische Wendung zum Tode vor. Der letzte Mensch der Weltstätte will nicht mehr leben, wohl als Einzelner, aber nicht mehr als Typus, als Menge. Was Spengler schon 1917 so ahnungsvoll final beschrieb, gehört zu den erschütterndsten Diagnosen über die Befindlichkeit Europas.

Wolfgang Spengler hatte übrigens auch keine Kinder. Das ist also jetzt der Bezugspunkt, Auswahl Spengler, Ende der europäischen Zivilisation und jetzt kommt tatsächlich noch das Thema Blut.

Clips Während Generation um Generation in einer Jahrtausende-währenden Selbstverständlichkeit die Fortdauer der eigenen Familie, des eigenen Blutes, der Sippe, des Stammes, der Nation, der Kultur, der Zivilisation als einen heiligen Moment des Lebens begriffen hat, so bricht dieses Bewusstsein plötzlich in Scherben.

Clips Dieser Bruch ist bei Gebildeten zerstörerischer als bei Ungebildeten. Er ist in Städten tiefgreifender als auf dem Land, was den zivilisatorischen Zerfall noch beschleunigt.

Wolfgang Man weiß gar nicht mehr, was man dazu sagen soll. Wir sind jetzt in dem Bereich angekommen, wo wir sagen, wir müssen jetzt wieder das eigene Blut verteidigen. Ich weiß nicht, Kinder für den Führer und fürs Vaterland.

Stefan Das ist ja total durchgeknallt.

Wolfgang Ja, also ich war auch, ich konnte es gar nicht glauben. Ich lese das und dann denkt man so, ja, liest du mal den Absatz nochmal davor und danach ist irgendwas im Kontext gezogen. Nein, es steht da so drin. Ich habe es ja jetzt in aller Ausführlichkeit vorgelesen. Das ist die Position. Wir gehen los von, ja schade, die Leute wollen ja eigentlich Kinder haben und dann könnte man sich ja Fragen stellen, ja wie verwirklichen wir das und kommen wir eigentlich dazu, ja wie kommt das denn, dass dieser Drang doch über Generationen, das eigene Blut und so weiter.

Wolfgang Als hätte je irgendjemand Kinder machen wollen aus so einer Ideologie heraus und wenn dann eben, ja, war man völlig ideologisch verblendet, wenn man das tat und jetzt will er genau dahin wieder zurück. Also nachdem er erst das Individuum völlig glorifiziert, sagt er jetzt, jetzt muss man sich wieder einreihen in eine Blutslinie.

Wolfgang Also wir sind jetzt im Jahr 2025 und sind jetzt bei solchen Denkkonzepten wieder angekommen, denen sich ja auch... Dass vernünftige Konservative zu Recht in den vergangenen Jahrzehnten weit distanziert haben, wollten davon nichts wissen. Er ist auch jemand, und er streicht das noch, das sind jetzt Abschnitte, die ich nicht mitgebracht habe, da sagt er nochmal ganz klar, dass er sich gegen den Staatsbürgerpatriotismus stellt.

Wolfgang Das würde nicht ausreichen. Also das, was Habermas und andere vorgestellt hatten, dass man sagt, naja, man kann sich mit dem Verfassungspasriotismus, Entschuldigung, man kann es mit der Verfassung identifizieren und so, ist ja auch ein merkwürdiges Konzept, aber ist ja zumindest eines, das sich wirklich dezidiert löst von so etwas wie Blut und Boden.

Wolfgang Und das ist aber hier wieder, was kommt und wo man sagt, ja, das ist jetzt ja unser neuer Konservatismus.

Stefan Ja, aber der Typ wird in eine wahllose Oper gehen und sich fragen, warum der große Puccini, der doch unser europäischer Blutitaliener ist, plötzlich eine Oper in Japan spielen lässt. Und er würde das nicht gut finden.

Wolfgang Ja, man kann es ja natürlich so inszenieren, dass das nur so ein Exotismus ist. Aber stell dir mal vor.

Stefan Du hättest jetzt wirklich die Sorge, ein Programm schreiben zu müssen.

Wolfgang Vielleicht wird ihm ja der Lohnkrieg dann gut gefallen.

Stefan Ja, aber wie schreibst du ein Programm für eine Spielzeit, bei der jeden Abend die Gefahr sein kann, dass Wolfram Weimar da von Wind kriegt, was da passiert? Das kriegst du ja gar nicht abgesichert. Also du müsstest ja alles abreißen und abbauen, was es hier ausmacht.

Wolfgang Und ich finde interessant, es gibt ja nicht nur Kritik daran. Ijo Mamangold, der ja vor allem Bitcoins im Kopf hat, hat ja auch sich zu Weimar geäußert in einem längeren Artikel und schreibt da, Aber er ist doch das vernehmbare Widerwort zum linksliberalen Mainstream, der in den vergangenen 15 Jahren nicht nur die Kulturpolitik geprägt hat.

Wolfgang Wenn es also weltweit einen kulturellen Vibe-Shift gibt, dann ist dieser jetzt in der denkbar maßvollsten und abwägendsten Verkörperung im neuen Berliner Kabinett angekommen.

Stefan Er hat das nicht gelesen.

Wolfgang Nee, aber wenn man nach den Worten sagt, das ist maßvoll und abgewogen, dann ist man ja völlig schief gewickelt.

Stefan Das ist dieser Punkt, die lassen sich noch einwickeln, weil es ja so konventionell aussieht.

Wolfgang Ja, ja, es ist nicht wie Tucker Carlson. Es ist nicht wie Tucker Carlson im Auftritt, aber im Inhalt im Prinzip nicht zu unterscheiden. Oder wir können ja jetzt auch immer sehen bei TikTok, Ross und Hopf und wie sie alle heißen, das römische Reich. Der große Bezugspunkt, mit dem man sich auseinandersetzen muss, darf natürlich auch bei Wolfram Weimar nicht fehlen.

Clips Trotz der rührend bemühten Familiengesetzgebung des Augustus, trotz der massenhaften Adoptionen, der aktiven Immigrations- und Ansiedlungspolitik, trotz der großen Sozialwerke von Nerva und Trajan entvölkerte, verödete sich das Römische Reich, um sich für seinen Untergang bereit zu machen.

Wolfgang Was also heißen soll, die haben ja damals auch Sozialpolitik gemacht, Stefan. Die haben ja auch Migration zugelassen und sozialen Wohnungsbau und sowas. Und es hat alles nichts geholfen. Wir gehen wie die alten Römer dem Untergang entgegen, wenn wir uns nicht auf unsere eigentlichen Tugenden wieder besinnen.

Wolfgang Und das bedeutet natürlich auch, räumlich müssen wir wieder anders denken. Und wir haben ja hier schon gehört, man kann irgendwelche, was war das, Suezkanal oder so, freischießen. Vielen Dank. Wir hatten jetzt ja eine Kulturpolitik, die sehr viel sich mit dem Kolonialismus auseinandergesetzt hat. Restitution war das große Wort.

Wolfgang Und ja, man kann natürlich scherzhaft sagen, mitunter hat man Claudia Roth nur noch dabei beobachtet, wie sie irgendwas zurückgibt, macht sie auch sonst noch was, außer was zurückgibt. Das wäre auch eine Polemik, zu der ich mich gerne hinreißen lasse.

Stefan Ich befürworte jede Zurückgabe.

Wolfgang Grundsätzlich, also ich bin auch gar nicht gegen diese Politik.

Stefan Die Sachen sind ja dann nicht aus der Welt, sie stehen nur nicht nur in Deutschland.

Wolfgang Ganz richtig, ganz richtig. Ich bin auch gar nicht gegen diese Restitutionspolitik. Ich wollte nur sagen, es war so ein bisschen, dass man so dachte, hat sie noch was anderes, außer was zurückzugeben? Also macht sie noch sonst Gestaltung? Nein, hat sie nicht gemacht. Was aber jetzt wieder ganz deutlich, was jetzt kommt, wird eben sehr viel schlimmer, beziehungsweise ist das tatsächlich in meinen Augen Geschichtsrevisionismus.

Wolfgang Aber jeder mag selbst beurteilen.

Clips Europa vermehrt sich nicht mehr räumlich. Das Zeitalter der europäischen Expansion, der Manifesten oder latenten, der politischen oder kulturellen Kolonialisierung ist 1945 zu Ende gegangen.

Wolfgang Ja, Potzblitz, was war denn da los?

Stefan Ja, also schon, ja. Ich verstehe den Gedanken, aber nein. Denn 1945 ist das zu Ende gegangen. Also wir haben nicht mehr Lebensraum und so. Aber 1965 begann die Containerschifffahrt. Und diese ganze Idee von, für jeden von uns arbeiten 50 Sklaben, wir wissen nicht mal wo.

Wolfgang Und will natürlich Land. Und da beklagt er jetzt nochmal, wohin uns der Postkolonialismus geführt hat. Und ich bin, also ich habe es nicht glauben können. Wir hören jetzt einen Auszug.

Clips Als letzte portugiesische Kolonie wurde 1999 Makao an die Volksrepublik China abgetreten. England gab Hongkong 1997 ab, um die Falklandinseln wird mit Argentinien gestritten wie auf einer grotesken Nachhutveranstaltung, bei der man um Prosamen streitet, nachdem man die Großbäckerei verloren hat. Im alten Kontinent wurde dieser erdrutschartige Machtverlust nicht einmal bedauert.

Clips Man betrachtete die eigene Kolonialgeschichte mit moralischen Gewissensbissen als illegitime Expansion.

Wolfgang Ja, wie kommt man auf solche Idee? Das war eine Erfolgsgeschichte. Und jetzt hier, großes Augenwischen bei Wolfram Weimar, erblickt auf die Schulen.

Clips Noch heute wird in den Lehrplänen der Schulen, vor allem Mittel- und Nordeuropas, die dunkle Seite der Kolonialisierung als durchgehender Sündenfall dargestellt und kritisiert.

Wolfgang Warum nennt man das denn als einen Sündenfall? Also wir sind hier an einem Punkt, wo wir jemanden haben, der nicht bereit ist zu sagen, dass der Kolonialismus ein Sündenfall und nicht nur das ist, sondern eine riesengroße Schweinerei, sondern wir haben es hier mit jemandem zu tun, der sagt ja, wir müssen doch auch das mal wieder anders betrachten lernen.

Wolfgang Und warum expandieren wir eigentlich räumlich nicht mehr? Also du hast eben gefragt, wie sieht eigentlich da ein Theater aus? Naja, also alles, was jetzt in der bildenden Kunst oder in der Literatur oder so sich kritisch mit dem Kolonialismus auseinandergesetzt hat, bekommt hier natürlich ein großes Problem, weil man jetzt gesagt bekommt, naja, aber der Kolonialismus war doch vielleicht gar nicht so schlecht.

Wolfgang Und dann hat man noch jemanden wie Ijoma Mangold, der sagt, das ist eine ganz abwägende, feine Art, über Kultur nachzudenken.

Stefan Also wir bekommen demnächst Aufklärung darüber, weil wir ja die eigenen Lügen nicht mehr aufrechterhalten können. Wie zum Beispiel, die ganze Welt ist abhängig von uns und dann stellen wir fest, nee, China macht das selber. Also die setzen das einfach raus. War ja ein sehr interessantes Zitat von diesem Sprecher der Regierung, der einfach sagt, auf die Frage hin, Sind sie jetzt in Gesprächen mit Donald Trumps Regierung und er sagt so, nee, wieso sollen wir denn reden, wir machen doch einen Wirtschaftskrieg.

Stefan Also die wollten doch einen Wirtschaftskrieg, da redet man nicht. Also es wird so, während Donald Trump noch denkt, naja, die alten konventionellen Logiken, dann redet man halt darüber. Ist das nicht mehr. Und wir haben ja hier beim Kolonialismus zwei Etappen, weil er bezieht sich ja sehr auf diesen geschichtlichen Teil, wo man auch sagen kann, okay, wir hatten da so Räume, es waren so Gebiete irgendwie, Afrika gehört uns.

Stefan Nur Kolonialismus bedeutet ja nicht nur das, sondern diese Containerschifffahrt und alles, was darauf folgte. Und in der Soziologie ist es eigentlich völlig klar, dass der Sklavenhandel nicht überwunden wurde oder die Sklaven befreit wurden oder wie auch immer, sondern letztendlich waren es auch betriebswirtschaftliche Abwägungen, nämlich zu sagen, ein Sklaven, um den ich mich komplett kümmern muss, ist ganz schön teuer, weil irgendwo übernachten muss er ja doch und so.

Stefan Und dann ist man so in eine Rechnung eingegangen und meinte, ich brauche eigentlich nur seine Arbeit.

Wolfgang Und das kann man ja für viele Kolonien auch so sehen. Das hat man ja auch dann später nochmal durchgerechnet.

Stefan Genau, man braucht ja gar nicht Das war gar nicht sinnvoll. Wir brauchten das ja nur als Werkbank, als Rohstoffquelle und so weiter. Warum besetzen? Ist ja totaler Quatsch.

Wolfgang Warum sollte man Makao haben?

Stefan Genau. Also hat man globale Lieferketten aufgezogen, alles so ein bisschen ins Obskure, wir wissen gar nicht genau. Und dann kommt einer und sagt, wir bräuchten mal eine Lieferkette. Und dann sagen die Deutschen so, nee, das ist so aufwendig, das zu machen. Wir wissen gar nicht, was da passiert und so. Und nicht denken wir so, ja, das ist ja der Sinn der Lieferkette, dass ihr mal wisst, was da passiert und nicht einfach nur Preisschild, ah ja, klick mal bestellen.

Stefan Und diesen Teil des Kolonialismus und die ganze Debatte dreht sich ja eigentlich auch um diesen modernen Teil, der historische, klar, der wird halt mitgeschleppt und als Warnung und sehr explizite, weil die Geschichtsschreibung da so eindeutig ist, da hängt das schlechte Gewissen dran, das belastet halt.

Stefan Aber jetzt gerade sehen wir ja, unser Neokolonialismus funktioniert nicht mehr und die größte Gefahr für Europa und Amerika ist, dass die Chinesen auch Neokolonialismus machen und wir dann irgendwann Werkbank sind. Also ist es eigentlich wichtig und wirklich politisch auch notwendig, jetzt eine Aufklärung zu schaffen, damit wir nicht auf die Opferseite geraten, weil die Chinesen machen uns platt.

Stefan Also das ist einfach, wenn die durchziehen, ist es einfach aus die Maus. So, können wir jetzt noch Sachen, also positive Erkenntnisse aus einer Täterschaft herausziehen oder nicht? Und wenn wir das so wie er machen, einfach Deckel drauf und so weiter, ja dann müssen wir gleich im nächsten Kapitel das chinesische Jahrhundert zweifach einleiten.

Stefan Nicht nur materiell, sondern dann auch noch, wir werden die neuen Opfer sein. Weil Wolfram Weimann sich nicht zugestanden hat, dass man eine Täterschaft mal aufarbeitet. Und dann wird es wirklich brenzlig.

Clips Kulturelle Expansion Musik, gedruckten Erzeugnissen, Internetinhalten, Nachrichteninformationen spielen die Europäer nur mehr eine nachgeordnete Rolle.

Stefan Also wenn das jetzt Lesezeichen ist für der neue Kulturstaatsminister, der demnächst einfordert, eine ideelle europäische Hegemonie und sei es nur als Renaissance mal wieder zu kultivieren. Möchte ich gerne meinen Wunsch zurückziehen, dass die Oper Frankfurt auch mal Klassiker spielen sollte.

Wolfgang Ja.

Stefan Das will ich da nicht. Nicht unter diesen Voraussetzungen.

Wolfgang Du meinst das Schauspiel?

Stefan Nee, auch die Oper. Es wird ja immer noch die Werktreue hochgehalten und so, aber dass man auch mal ein bisschen abgeholt wird mit, können wir nicht einfach wie in der Klassik hören und so. Also das ist so ein bisschen...

Wolfgang Naja, aber ich finde, dass die Frankfurter Oper ja doch so beide Sachen ganz gut bedient.

Stefan Ja, aber für Wolfram Weimar ist sie, glaube ich, zu verspielt.

Wolfgang Das mag sein, vor allem frage ich mich jetzt hier, wenn er sagt, die Filme kommen alle aus Europa, kommen alle aus Amerika. Ich kann ihm ja sagen, wann die deutsche Filmindustrie ganz groß war. Genau vor 100 Jahren, nämlich in den 20er Jahren, war die amerikanische Filmindustrie noch lange nicht so bedeutend.

Wolfgang Die deutsche schon. Alfred Hitchcock war beispielsweise auch in Deutschland hat da gelernt. Murnau, Fritz Lang, das sind alles Namen, die damals eifersreich waren und die dann auch den amerikanischen Film mitgeprägt haben beziehungsweise emigriert sind. Und das würde also bedeuten, dass man für einen Weltmarkt in Deutschland Filme produziert. Das müsste man dann erreichen.

Wolfgang Wie das zu machen ist, ich verrate es mal, mit sehr viel Geld wäre vielleicht irgendetwas herzustellen in diese Richtung. Aber all das, was hier an kultureller Piefigkeit zum Vorschein tritt, das noch dem Ausland anzubieten, glaube ich, wird nicht gelingen. Er sieht aber uns hier sowieso nur als eine große… Meinst du nicht.

Stefan Dass wir nochmal Dieter Hallervorden Filme für den Weltmarkt herstellen können?

Wolfgang Ja, ganz bestimmt.

Clips Es dämmert eine Tugendrepublik herauf, in der Hohepriester des Gutmenschentums uns mit ihren Geboten umstellen.

Stefan Das ist ja er. Er dämmert uns mit seinem Tugendkatalog, der von einer Partei jetzt in die Zeit...

Wolfgang Nur die anderen Tugenden. Also keine veganen Tugenden, sondern seine Tugenden.

Stefan Also man muss ja wirklich Angst haben, dass nachdem Hessen und Bayern es schon gemacht haben, jetzt ein Sprachtugendgesetz demnächst kommt, abgesegnet von Wolfram Weimar, in dem drin steht, welche Pronomen und so, wie er wohnt, welche Abschlussarbeit verwenden dürfen und wann Punktabzug droht. Das ist hier in Hessen Realität.

Wolfgang Oder wenn man sich zu kritisch über den deutschen Kolonialismus äußert.

Stefan Oder sowas.

Wolfgang Ich bin übrigens sehr gespannt, weil ich ja doch nicht viel halte von Kulturschaffenden, um an diesen Begriff zu nehmen. Also im Sinne von, sie sind große Anpassungskünstler. Und ich bin sehr gespannt, wie jetzt gerade die, die sich der linksliberalen Idee so angedient haben, jetzt auch bereit sind, da so einen Umsprung hinzulegen.

Wolfgang Denn ob es da zu einem großen Widerstand kommt, ich bin da sehr skeptisch. Also die, die da erfolgreich jetzt gerade so sind und irgendwelche Pavillons bestücken und was weiß ich alles machen auf allen möglichen Bühnen, die werden sich da schon entsprechend anpassen. Also da von den kulturellen Eliten erwarte ich mir nichts.

Wolfgang Die machen immer gerade das, was gewünscht wird.

Stefan Und der Renaissance des deutschen Gute-Nacht-Liedguts steht auch aus.

Wolfgang Ja, ja, wir werden so eine große volkstümmelnde Inszenierung, irgendwas bekommen. Also wir können da sehr gespannt sein. Man sollte das wirklich nicht unterschätzen. Die Leute, die in der Kultur arbeiten, ich würde ihnen jetzt nicht, also wenn ich jetzt dringend... Wenn ich in Not wäre, ich würde mich jedem auf der Straße anvertrauen, aber nicht jemanden aus den kulturellen Eliten. Das ist so.

Clips Du sollst mit ihren Geboten umstellen. Du sollst kein Fleisch essen und kein Kaminfeuer anzünden. Du sollst nicht Glück spielen. Du sollst nicht nach Leistung beschäftigen, sondern nach Geschlecht und Herkunft. Mit Quoten und Verboten kommen sie daher, die Verbraucher und Familienschützer, die Gleichstellungsbeauftragten und Integrationsberater.

Clips Sie tragen Menschen teure Bildungspakete hinterher, die gar keine haben wollen, denn sie wissen alles besser. Sie sind Profiteure des Freiheitsentzugs, jene Armutsbekämpfer, Präventionsräte und Klimaretter, Lobbyisten der Gewissheitsindustrie, die ihr Geschäft mit der Besserwisserei so verfolgen, dass sie ihre Nachfrage mit Problemstudien immer selbst erzeugen.

Clips Ihre Absicht, das Land in eine gigantische Besserungsanstalt zu verwandeln, folgt einer ganz eigenen Logik. Denn dann haben sie als Besserungspädagogen ihr Auskommen.

Wolfgang Wir hatten jetzt, bevor überhaupt mal was von der Regierung bekannt wurde, gleich diese Anfrage nach der Wahl von der CDU, welche NGOs unterstützt eigentlich die Ampelregierung? Da wurde ja genau so etwas, was hier kritisiert wird, schon abgefragt. Das bedeutet, wenn wir jetzt diesen Minister haben, wird er sich das alles sehr genau ansehen und wird schauen, welches Kulturfestival bringt nicht nur Literatur auf die Bühne, sondern hat auch noch den Anspruch, integrativ zu sein.

Wolfgang Wo wird vielleicht noch irgendeine pro-palästinensische Stimme artikuliert? Wie können wir mal dagegen vorgehen? Also wir werden hier tatsächlich eine sehr, sehr repressive Kulturpolitik bekommen und man darf gespannt sein, wer den Mut hat, sich dem entgegenzustellen und das können ja, ich will das hier auch ausdrücklich sagen, nur die Leute machen wirklich, die was machen.

Wolfgang Erfolg vorzuweisen haben und die auch einen gewissen finanziellen Background haben. Wenn das jetzt ganz kleine Kulturinstitutionen alleine machen sollen, mutige Einzelne, die werden einfach vom Tisch gefegt und dann finden die nicht mehr statt und dann verstummen die auch sofort. Ich bin sehr gespannt, ob diese ganzen Leute von Deutscher Filmpreis und wie diese ganzen, wie soll ich es ausdrücken, da sagen wir einfach mal Veranstaltungen, wie diese ganzen Veranstaltungen, ich bin sehr gespannt, wie die es jetzt äußern.

Wolfgang Die sind nämlich bislang alle sehr stumm und sind es ja auch schon, wir wissen ja auch während Corona, gab es ja auch von denen überhaupt gar keinen Widerstand, als man irgendwelche sinnlosen Regeln immer noch hatte in Opernhäuser. Ich habe ja noch, ich habe es ja schon häufiger gesagt, in Maske im Berliner Theater gesessen, da haben die im Altenheim schon wieder Orgien gefeiert und so.

Wolfgang Also dieser Anpassungskünstler aus der Kultur, die II, da bin ich mal sehr gespannt, werden wahrscheinlich das Mittragen, aber sich so minimal Widerstand erlauben.

Stefan Ich finde es auch nicht gut.

Wolfgang Es wird ganz schlimm.

Stefan Es ist wirklich schlimm.

Wolfgang Wie könnte die Kultur aussehen? Wir können ja nicht nur aus der Negation heraus leben, sondern wir können ja auch mal drüber nachdenken, wie könnte es werden? Du hast schon überlegt, wie sieht dann die nächste Oper aus? Naja, wir werden ja den Parsifal besuchen. Das ist ja ein Bühnen-Weihfest-Spiel. Wir haben es mit einer Rechristianisierung zu tun, so eine Idee des Urchristentums.

Wolfgang Möglicherweise geht das. Wir hören jetzt noch einmal abschließend Wolfram Weimar von mir gelesen.

Clips Unsere Mythen, unsere Ethiken, unsere Metaphern, unsere Architektur, unser Freiheitsbegriff rekurrieren immer auf die jüdisch-christliche Religion. Ein vom Christentum befreites Europa ist gar kein Europa mehr. Denn just die Religion webt Europas Kleid des Unterbewusstseins. Insofern bedeutet ein Comeback des religiösen Bewusstseins automatisch eine Wiederkehr des Kulturbewusstseins.

Clips Das ist nach Phasen der kulturellen Regression, der Infantilisierung und systematischen Geschichtslosigkeit keine schlechte Aussicht. Hegels provokante Analyse vom Vergangenheitscharakter der Künste muss daher nicht das Ende der Geschichte sein. Die Option ist jedenfalls, dass die Kultur wieder zurückfinden könnte aus der spielerischen und ornamentalen Funktion zum Definitionscharakter ganzer Gesellschaften.

Wolfgang Einer Rechristianisierung der Gesellschaft durch die Kultur. Wir dürfen gespannt sein.

Stefan Oh no, oh no, no, no. Und ich bin echt ein großer Fan von, ja nicht Rechristianisierung, sondern so.

Wolfgang Du willst ja eine Musealisierung dessen haben. Aber hier geht es ja um eine Wiederbelebung und auch mit all den Implikationen. Da schläft der Papa wieder bei der Mama.

Stefan Ja, ich bin dagegen. Wir spielen zwei Clips aus der Nachrichtenlage. Zum Thema Wolfram Weimar wird Kulturstaatsminister. Zum einen Michael Bröker. Das ist ja im Grunde auch einer, der sich denkt, wenn ich nur noch ein paar Jahre so rede, dann kann dich auch was werden.

Clips Aber den Kulturstaatsminister zu machen, das ist ja auch ein bisschen aus Sicht dieser konservativen Merz und Weimar eine kleine Schocktherapie für die eher linke Kulturszene. Dieser Gedanke hat den beiden offenbar gefallen. Ich gehe sehr davon aus und habe auch nichts anderes gehört, dass Wolfram Weimar selbst gesagt hat, dass das für ihn in Frage kommen würde und dass er darauf Lust hätte und nicht auf den Regierungssprecher.

Stefan Ja, das ist so ein typischer Fall von, also wenn wir jetzt Trump wählen, dann wird das für die Arbeitnehmer ganz schön schlimm. Und dann stellen irgendwie die Arbeitgeber fest, shit. Ich dachte, das wären die Schocks für die anderen. Ich habe plötzlich nicht selber so geschockt. Micky Beisenherz.

Clips Der Polizist Wolfram Weimar, der ist ja hier auch schon mehrfach bei unserem Podcast zu Gast gewesen. Guter Freund der Sendung. Ein sicherlich konservativer Markt.

Stefan Sicherlich konservativer?

Wolfgang Ja, also sonst sind wir natürlich da offen für alles. Also das ist ja genau, in diesem Duktus wird die große Anpassung laufen. Also Micky Weisenherz ist ja auch so ein Anpassungskünstler an jede politische Gegebenheit immer auf der richtigen Seite und das können wir jetzt hier ja schon erleben.

Stefan Genau. Die große Angst ist ja, dass demnächst die großen Fragen nicht mehr gestellt werden. Wir hören das mal hier.

Clips Klar, man kann die Frage mal stellen. Und eine Personalie ist natürlich...

Stefan Man kann ja die Frage mal stellen.

Wolfgang Aber ich beantworte sie mal lieber nicht.

Stefan Damit haben sie ja gestellt.

Wolfgang Weil Wolfram Weimar ja auch ein großer Fan dieses Podcasts ist. Grüße.

Stefan Es ist wirklich toll.

Wolfgang Lass uns doch gerade noch hinweisen auf unseren Samar.

Stefan Angenommen, demnächst wird Kultur produziert. Und sie wird Widerhall finden wollen, so Kulturschaffende möchten gerne ihre Sachen, ihre Werke. Wir haben ja schon darüber gesprochen, es gibt diese Cum-Ex-Serie, die Affäre Cum-Ex, die ziemlich gut verdeutlicht, um was es geht, denn der Sachverhalt Cum-Ex wird gleich in den ersten drei Minuten erklärt und er ist auch nicht wahnsinnig kompliziert.

Stefan Jetzt hören wir, wie diese Serie aus der Mediathek ins CDF-Programm rutscht und worum es Marietta Slomka beim Anpreisen der Serie geht.

Clips Das war's von uns, Gleich geht es weiter mit den ersten vier Folgen der deutsch-dänischen TV-Serie Die Affäre Cum-Ex. Der Stoff ist fiktional, aber, Sie ahnen es angesichts des Namens, stark angelehnt an sehr reale Vorgänge. Und kleine Vorwarnung, die Serie kann zu schwerem Binge-Watching führen, weil man unbedingt wissen will, wie es mit all den schillernden Figuren daran weitergeht.

Wolfgang Ja, ein schöner Übergang. So hätte man jetzt auch Dallas oder Unteruns ankündigen können. Ja, sehr gut.

Stefan Ja, ich schelle an den Figuren.

Wolfgang Wir weisen kurz darauf hin oder erst einmal weisen wir darauf hin, dass wir uns sehr freuen, wenn dieser Podcast geteilt wird, gut bewertet wird, denn es ist ja so, wir haben jetzt auch nochmal gehört, wie sich das so alles in der Podcast-Welt gestaltet, also bei Spotify und sonst wo. Es ist ja so, dass diese Leute, die in großen Medienhäusern ihre Podcasts betreiben, durchaus einen Bonus bekommen, indem sie einen kurzen Draht haben, wie man in irgendwelche Rankings reinkommt.

Wolfgang Und so ist es ja erstaunlich, dass manche einen Podcast starten, die haben 3000 Klicks bei YouTube, aber sind irgendwie auf Platz 1 in allen Podcast-Charts. Und man denkt sich, wie kann das sein? Naja, das sind so gute Connections, die dann da geltend gemacht werden. Wir haben diese Connections nicht, aber wir haben ja ein Publikum, haben euch und deswegen würden wir uns sehr freuen, wenn der Podcast viel geteilt wird und wenn er gut bewertet wird, weil das tatsächlich die Sichtbarkeit für den Podcast erhöht auf allen Plattformen.

Stefan Genau, wir machen die Hörbarkeit und ihr macht die Sichtbarkeit.

Wolfgang Und wir haben ja eine Möglichkeit, die einzige Möglichkeit, diesen Podcast zu unterstützen. Das ist der Salon. Der erscheint dann immer nach dieser regulären Folge etwa eine Woche, zehn Tage später. In dem Salon sprechen wir über ein oder zwei wichtige Bücher. Darüber diskutieren wir dann ausführlich, meistens so knapp zwei Stunden.

Wolfgang Und dann gibt es noch von uns Lektüre-Tipps. Wir lesen diesmal nicht nur ein Buch, sondern zwei Bücher. Einmal Abundance, How We Build a Better Future von New York Times-Journalist Esra Klein und Derek Thompson. Die beschäftigen sich mit dem, was man Infrastruktur nennt. wie würde eigentlich eine gute Zukunft sein?

Wolfgang Wie muss man sie bauen?

Stefan Vom Nutzer ausgedacht.

Wolfgang Genau. Welche Technikkritik verbietet sich und Vorschrittskritik verbietet sich vielleicht auch mal? Wo muss man tatsächlich mal wie ein Ingenieur über etwas nachdenken? Und zwar nicht so nach dem Motto, lasst mal die Unternehmer ran, die werden es schon machen, a la Elon Musk. Sondern wie baut man eigentlich einen guten Staat, der funktioniert?

Stefan Worauf haben wir ein Anrecht?

Wolfgang Ja. Und das ist das Buch, das in den USA schon heiß diskutiert wird. Wir werden es besprechen. Es wird auch in drei Monaten auf Deutsch erscheinen und wir lesen von Albert Wenger, die Welt nach dem Kapital, Strategien für das Zeitalter, knappe Aufmerksamkeit. Wenger ist ein weltweit agierender Investor, der nochmal eine ganz andere Perspektive an den Tag legen wird als Alex Kabe.

Wolfgang Über den haben wir schon gesprochen, sein Staatsverständnis, wie wir eigentlich alle zu untertanen werden und dann so einem höheren Prinzip dienen und Kapitalismus und Staat Hand in Hand so eine super Intelligenz hervorbringen und Institutionen schaffen, bei denen es nur noch darum geht, ist das da Staatsinteresse.

Wolfgang Albert Wenger legt da einen anderen Fokus und wird als Investor da eine Perspektive einnehmen, die möglicherweise für uns sehr hilfreich ist. Jedenfalls sind das Bücher, die sich sehr einmischen und dabei auch sehr konkret sind. Darüber werden wir reden und sag uns doch, wie man das am besten hören kann.

Stefan Man geht auf die Seite neue20er.de. Sehr wahrscheinlich wird die im April auch aufgehübscht nach fünf Jahren. Da ist aber jetzt schon und dann auch ein goldener Button, der heißt Salon. Dann kommt man auf die Steady-Seite. Ab da ist eigentlich alles selbst erklärt. Und man kann sich aus drei Paketen, in denen man überall das Label bekommt, aber in einem Paket kann man auch Freunde mitnehmen und so weiter, kann man den Salon buchen.

Stefan Das ist die primäre Einflugschneise. Wir empfehlen das sehr, denn dort ist das ganze Archiv. Dort erscheint der Salon immer als allererstes, noch eine halbe Stunde vor den anderen und so weiter und so fort. Dann gibt es aber auch für Leute, die schon einen Patreon-Account haben, die Möglichkeit einfach bei Patreon zu buchen oder bei Apple, wenn man sowieso seine Podcasts mit der Apple Podcast App hört und unseren deswegen auch, da taucht ja der, ich will jetzt auch den Salon hören, Button einfach direkt auf.

Stefan Nur kostet halt bei Apple ein bisschen mehr, weil Apple ja auch ein bisschen mehr Geld verlangt. Wir sind ja da im Silo-Denken. Ja. 350 Milliarden Umsatz reicht Apple nicht. Sie wollen auch euren Euro. Den muss man bei Steady nicht bezahlen. Da gibt es das für 3 Euro. Ja. Statt 3,50 Euro.

Wolfgang Das eine oder das andere, das ist alles ganz einfach, selbsterklärend und man kann übrigens auch über Steady den Salon verschenken. Man kann für ein Jahr den Salon verschenken an andere. Also es muss nicht immer ein Netflix-Abo sein, das man verschenkt oder sonst irgendwas, sondern man kann auch tatsächlich den Salon verschenken.

Wolfgang Vielleicht dann gleich noch ein Buch dazu, was wir schon besprochen haben, denn natürlich gibt es dann auch Zugang zum gesamten Archiv. Ich will noch auf zwei Termine hinweisen. Ich bin am 3. Mai in Zürich zusammen mit Jean-Philippe Kindler und Ole Nümon.

Stefan In deiner geliebten Schweiz.

Wolfgang In meiner geliebten Schweiz, ich freue mich sehr darauf. Und am 5.5. Bin ich in Stuttgart mit den beiden. Also dort kann man uns dann zu dritt erleben. Und die anderen Termine stehen auf meiner Homepage. Es wird was im Mai in Trier geben, in Bremen und ich glaube auch noch Erlangen.

Stefan Ich bin unter Studenten in Mainz am 6., glaube ich. Gut, steht auch auf meiner Webseite. So, wir haben ein Thema schon im Salon besprochen in großer Ausführlichkeit mit GPT-Hilfe aus Sicht von Yannis Varoufakis. Aus Sicht des Trump Chief Economic Advisors, das ist also nicht nur ein Beirat, sondern wirklich eine senatsgeduldete Stelle, die da eingerichtet ist.

Stefan Und Texten aus der Zeit, in denen wir dieses Gesamtgefüge aus, wie genau versteht Trump jetzt, dieses Gefüge aus dieser Dreifaltigkeit, Dollar als Reservewährung, freigeschossene Seewege durch militärische Hegemonie und eben Zölle, weil Zölle sind dann der Preisschild. Und es ist die Signature-Politik von Trump.

Stefan Er hat darüber seit 1985, als er irgendwie bei Oprah Winfrey war und da war es noch Japan und so weiter, hat er darüber gesprochen. Heute in diesem gigantischen Chaos ist völlig klar, es gibt moralische Verwerfungen durch vierjährige krebskranke Kinder werden abgeschoben, obwohl sie Amerikaner sind, aber die Eltern halt nicht.

Stefan Oder der Typ, der da in El Salvador im Gefängnis sitzt und so. Und diese moralischen Themen erreichen die Amerikaner auch auf inhaltlicher Ebene. Und dann ist man empört und dann macht man nochmal sein Signal in Social Media und so weiter und so fort. Aber da geht es nicht ans Eingemachte. Es kommen aber jetzt vermehrt Videos, in denen Leute einfach sagen, sorry, wir haben uns geirrt, wir sind als Land nicht vorbereitet auf leere Regale im Supermarkt, aber sie drohen.

Stefan Amazon, erstaunlicher Move, hat gestern angekündigt gehabt zwischenzeitlich. Wir schreiben an die Produkte bei Amazon und 70% der Sachen, die verkauft werden in Amerika, kommen aus China. Und wir schreiben da, wir machen so ein kleines Preisschild dran, wo drin steht, das kostet es und durch den Trump-Tarif kostet es das.

Stefan Und dann ist es mehr als doppelt so viel. Und dann hat die Regierungssprecherin öffentlich gesagt, das ist ein Hostile Act, ein feindlicher Act gegen die Regierung. Man hat es also gar nicht mehr intern geklärt. Hört mal zu, nimmt mal die Idee zurück. Und bisher in der Forense geht man davon aus, also in der journalistischen Betrachtung, dass Amazon das erstmal gemacht hat und Jeff Bezos dann kontaktiert wurde und er dann über seine Eignerschaft da ins Management rein intervenierte und es jetzt noch nicht dazu kommt.

Stefan Aber wir sehen, die Fäden, an denen alles hängt, sind gerade ganz, ganz, ganz dünn und es sind ganz, ganz große Knalls, die einfach drohen. Und diese Politik betrachten wir jetzt aus Sicht derjenigen, die Trump zu Füßen liegen. Es gibt diesen All-In-Podcast mit David Sachs und so weiter, in dem Fall, in dem wir gleich reinhören, Ben Shapiro zu Gast ist.

Stefan Also die versuchen uns das jetzt schön zu reden und wir werden einiges von Wolfram Weimar wiederfinden, denn wenn die Realität über einen hineinbricht, hat man ja am besten noch so eine Ideologie, egal wie scheiße der Hauptsache die Grammatik stimmt. Irgendwas muss man ja dazu sagen. Aber bevor wir dazu kommen, Wir hören David McWilliams. Ich habe ihn schon einige Male empfohlen.

Stefan Es ist mein Lieblings-Ökonomie-Podcaster noch vor Adam Toos, weil ich ein bisschen mehr nachvollziehen kann, was er da redet. Und man merkt auch, okay, das ist weniger Politikberatung als so Bildungsprogramm. Also ansonsten läuft auch sehr viel bei ihm über so digitale Bildungsprogramme, wo man so die Grundlagen mal lernt.

Stefan Und David McWilliams steigt hier so in seinem Podcast ein am 8.4., als also gerade das Ganze auf und ab und die Börsenverwerfung und so weiter.

Clips How are you doing there? It is the podcast that is going to explain everything about tariffs, trade, Trump, and the chaos that's going on in financial markets, and the chaos that's going on around the world as the rest of the world reacts to Trump. But all John is concerned about is that I stay still, right?

Clips I have, as anybody who's seen me on telly or whatever. He said too much sugar. It's not too much sugar. I get excited by the issue. So I get excited by the topics. And then I jump around. And then John says to me, he's like, remember the teacher? Anyone? Anyone? You're the teacher and I'm the excited, slightly ADHD child at the back of the class, jumping around, can't sit still.

Clips And I'm trying, because I'm trying, because I get excited. Ich weiß, es gibt sehr wenige Menschen, die in deinem Leben über Tarifte excited sind. Aber ich bin einer davon.

Stefan Es ist einfach außer sich vor Freude. Nach Jahren der Theorie und ihr müsst euch das so vorstellen und das war früher mal so.

Wolfgang Jetzt kann man es mal zeigen.

Stefan Es ist jetzt einfach Realität und das war dann im Verlauf des Podcasts klar. Es ist eben eine Textbuch-Theorie-Realität, die keiner mehr erlebt hat. Also es war immer die vorherige Generation, die das noch erlebt hatte irgendwie und so. Und jetzt ist er ganz außer sich. Er ist wie auf Sugar. Und ehrlicherweise kann man ja auch so an die Sache rangehen.

Stefan Das größte Problem, das wir jetzt in Europa haben, ist zu viel billiger Kram. Schlaraffenland. So, die Amerikaner haben jetzt Probleme. Aber wir Europäer eigentlich nicht so sehr. Man kann also locker an die Sache rangehen und sich entsprechend lustig machen. Vor allem, wenn man im Fernsehen etwas sieht, wenn man sich denkt, nee, sorry, aber das ist einfach dumm.

Stefan Also die journalistischen Aufklärungen laufen alle fehl, denn es ist einfach dumm. Und hier muss man eher noch mal Halbsätze reinbauen, wie an diesem Punkt hat Trump alle Recht oder irgend sowas, sondern das ist die Einschätzung der Ökonomie.

Clips We need to explain a couple of things on the podcast today, right? One is, there's been so much bullshit spoken about the levels of the tariffs and why there's a difference. There's a formula, John, you know what I like a formula? Yes, you love a formula. There's a formula. The thing about the formula is, right?

Clips If a kid had come up with this formula in Trinity, where I'm teaching this week, to explain protectionism, I would have failed them. It is so basic. Yeah. And it's so off-quack. And yet, the largest economy in the world is basing its tariff, trade, and international economic policy on a formula that makes no sense.

Clips But this formula, it either came from ChatGPT or DeepSeek. It looks like that. I say ChatGPT because DeepSeek is Chinese. Yeah. Okay, on the basis of Canada. Yeah, yeah. That would have dropped the Chinese. I would say, if an ordinary level, leaving certain economics student wrote that down, you'd laugh at them.

Clips But first things first, what we're looking at here is amateurs, as in amateur economists, – Working for, are being led by unaccountable incompetents, right? Who are all under the regime of a narcissist using other people's money to make up a trade policy.

Stefan – No. Die Demokratie hat uns jetzt auf ihren Gipfel geführt. Wir haben Amateurökonomie von einem Narzissenpolitiker. Und da spielt Welt einfach keine Rolle. Das ist nur noch in sich gekehrte Logik. Ich würde selbst sagen, wenn man GPT gefragt hätte, mach mal daraus eine Formel, hätte GPT gesagt, nee.

Wolfgang Und der Unterschied ist jetzt auch hier, denn Inkompetenz gab es natürlich immer mal wieder in der Politik, dass diese Inkompetenz jetzt an den Schalthebeln der Macht sitzt und nicht mehr institutionell das abgefangen werden kann. Also ich sage mal so, auch Wolfgang Schäuble, der Finanzminister, war nicht in der Lage zu erklären, wie das eigentlich funktioniert, wenn man sich Geld bei einer Bank leiht.

Wolfgang Dann erklärte er auch, ja, andere haben ja auf der Bank was gespart und das Geld wird dann genommen und das leiht dann die Bank dem anderen. Das war völliger Unsinn. Machte aber nichts in dem Sinne, also klar, es wäre schön, hätte das gewusst, dann hätte auch manchen unsinnig reden können, aber es störte nicht Abläufe, die Unwissenheit, weil ja in den zuständigen Institutionen die Kompetenz da war und ob der Minister irgendwas erzählt, was er nicht ganz verstanden hat, sei es drum.

Wolfgang Ja, hoffentlich fällt es nicht jedem auf. Und jetzt haben wir aber den Punkt, wo wir diese Inkompetenz nicht nur rhetorisch irgendwo in Talkshows erleben, sondern wir haben sie tatsächlich an den Schalthebeln und die sagen jetzt, jetzt mal da rauf, da runter. Sie ziehen jetzt an diesen Hebeln, bedeutet aber, dass dann plötzlich diese inkompetente Haltung zur inkompetenter Politik wird, bedeutet, dass eben auch die Podcaster eigentlich nur noch mit hysterischem Lachen weiterhelfen können.

Stefan Also es gibt eine ganz harte Unterscheidung zwischen Politik und Verwaltung. Und die inhaltliche Programmatik, die sich in Rechtstexten auswirkt, ist Verwaltungsauftrag. Und die wird irritiert durch politische Demokratien, halt Mehrheitsverhältnisse. Da spielt sich halt jemand hoch und dann hier und da und so.

Stefan Nur wenn die Politik zu hart auf die Verwaltung durchgreift und einfach alles ausräumt, ist sie an ihre eigene Inkompetenz gefesselt. Und nicht nur inkompetent, sondern auch in einer ihr sachfremden Realität. Denn so ein Verwaltungstyp schreibt einen Rechtstext, der sich aufgrund von Erfahrungen, die man schon gemacht hat und Erwartungen, die man hat, eingliedert in ein laufendes Betriebssystem.

Stefan Während die Politik kommentierend daneben steht und versucht, Welle zu fangen, Mehrheiten zu mobilisieren. Aber eben die Komplexität ist da sehr reduziert, weil Oma Erna muss ja verstehen. Und jetzt hat die Oma Erna Schöpfungshöhe für einen klugen Gedanken, schlägt sich in Amerika gerade komplett auf die Verwaltung nieder.

Stefan Also es ist einfach Intelligenz ausgeräumt.

Wolfgang Ja, machen wir es mit einem anderen Bild deutlich. Nehmen wir mal das Frankfurter Museumsorchester, das wir ja immer hören, wenn wir in die Oper gehen. Das ist ausgesprochen kompetent und sehr gute Dirigenten arbeiten mit denen zusammen. Wenn jetzt ich kommen würde und sagen würde, ich würde jetzt mal gerne die Lohenkreno-Obertüre dirigieren, dann würde das folgendermaßen laufen.

Wolfgang Ich würde zwar wahrscheinlich einen Takt angeben können und den einen oder anderen Einsatz kriege ich auch hin, aber natürlich kann ich das Orchester nicht dirigieren. Aber die würden das so spielen, dass man das nicht merkt. Dann würdest du sagen, haben die ja großartig gespielt, hast du toll dirigiert.

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