Echt leben· Staffel 1· Folge 4

Kann ich einfach sein? Von Selbstannahme, Gelassenheit und Begegnung

Donnerstag, 29. Oktober 2026 · 27 min

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Shownotes

In dieser Folge von Echt Leben gehen Prof. Dr. Alfried Längle und Claudia Braun ganz an den Anfang – an die absolute Grundlage unseres Seins: Dass es uns gibt, ohne dass wir gefragt wurden. Sie sprechen darüber, wie wir dieses Dasein annehmen können, ob es uns passt oder nicht, und warum im „Sein-lassen-Können“ eine Quelle von Gelassenheit und Handlungsfähigkeit liegt. Von dort aus öffnet sich der Blick auf das, was Erfüllung braucht: den Austausch mit dem Anderen, den Dialog zwischen Innen- und Außenwelt und echte Begegnung. Eine Folge, die einlädt, sich selbst einmal ganz bewusst sein zu lassen.
Themen der Folge
• (ca. ) Das Wunder, dass es mich gibt: Unser Leben beginnt damit, dass wir plötzlich da sind – ohne gefragt worden zu sein und ohne Gebrauchsanweisung.
• (ca. ) Dasein annehmen: Da-Sein zu erhalten ist tief in uns angelegt. Und doch fällt es nicht leicht, es wirklich zu sich zu nehmen: Will ich das überhaupt – und was, wenn innerlich ein „Will ich nicht“ auftaucht?
• (ca. ) Sein-lassen-Können: Wenn ich mein Sein sein lassen kann, gebe ich meinen Widerstand auf – und es wird immer mehr zu meinem. Daraus entstehen Gelassenheit, ein tragfähiger Boden und Handlungsfähigkeit.
• (ca. ) Erfüllung braucht das Andere: Wir können die Erfüllung nicht aus uns allein machen. Sie entsteht im Austausch mit Menschen, Tieren, der Natur oder auch mir selbst gegenüber – als Aufgehen in etwas Größerem.
• (ca. ) Zwei Welten, zwei Beine: Wir stehen gleichzeitig in Innen- und Außenwelt. Wichtig ist, die eigene Innenwelt nicht zu verlieren, etwa mit kurzen Momenten des Innehaltens im Alltag, und zugleich offen für das Außen zu bleiben.
• (ca. ) Begegnung statt nur Beziehung: Beziehung haben wir so oder so – sie ist das Ergebnis unserer Begegnungen. Begegnung geschieht im Dialog: Ich lasse den anderen bei mir ankommen und antworte ehrlich und offen. So verändert und bereichert sie uns beide.
Drei Gedanken zum Nachklingen-Lassen
• Dass es mich gibt, habe ich mir nicht ausgesucht. Das Fundament von allem ist, diesen Umstand sein lassen zu können – dadurch wird mein Sein immer mehr zu meinem.
• Erfüllung können wir nicht aus uns allein machen: Wir werden Person im Austausch mit dem Anderen und finden Erfüllung im Aufgehen in etwas Größerem.
• Wenn ich innen präsent bin und zugleich offen für das Außen, kann echte Begegnung geschehen – und Begegnung verändert und bereichert uns beide.
Alfrieds Vorschlag für euch: Wie gut kannst du dich sein lassen? Schaffst du es, einmal zehn Minuten nichts anderes zu tun, als zu sein – und dein Sein nicht für etwas zu benutzen oder dich nützlich zu machen? Beginne den Tag vielleicht mit einer Minute dieser Übung.
Deine Frage an Alfried: Hast du eine Frage, die dich nach dieser Folge beschäftigt? Am Ende jeder Staffel gibt es eine Folge „Fragen an Alfried“. Hier wählen wir aus den eingesandten Fragen diejenigen aus, die möglichst viele Zuhörer:innen beschäftigen. Wir freuen uns, wenn du deine Frage mit uns teilst: claudia-braun.de/podcast-audios.html#frage

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speaker-1: nicht leben. Alfred, schön, dass wir hier wieder zusammen sind. Heute zu einer Folge, wo wir noch tiefer eintauchen wollen.

speaker-0: Mh.

speaker-1: Wir haben ja das letzte Mal darüber gesprochen, dass das Leben uns die Fragen stellt, auf die wir antworten und dass dadurch auch Sinn in unserem Leben entsteht. Und heute wollen wir nochmal wirklich an den Anfang gehen, an die absolute Grundlage unseres Seils.

speaker-0: Das

speaker-1: Magst du da mal erzählen, wie du ja einfach tatsächlich zu all dem gekommen bist mit dem phenomenologischen

speaker-0: Ja, unser Leben beginnt mit dem Umstand, dass wir gezeigt wurden und nach nahen Monaten auf die Welt gekommen sind. Und jetzt sind wir da. Und das ist ja eigentlich etwas, das wir gar nicht verstehen können. Es ist ein Wunder, dass es gerade ich bin. Diese eine Samen von fünf Millionen und dieses eine Ei von 500.000 Eiern waren, die es zusammen getroffen hat. Mit dieser Genkonstellation. Bei diesen Eltern. Zu diesem Zeitpunkt. Und jetzt gibt es da jemanden und der ist da. In einer Welt umgeben von Sachen, die anders sind. Und jetzt geht es ja darum, sich in dieser Welt zu behaupten und irgendwie das Leben zu ergreifen, weiterzuführen, zu erhalten, zu schützen und so weiter.

speaker-1: Und das ist ja erstmal ganz schön, sich das nochmal klar zu machen, was für ein unglaubliches Wunder es ist, dass du du bist, ich ich bin und der Mensch, der uns zuhört, genau er oder sie ist. Das ist ja schon erstmal als Gedanke was ganz Berührendes und vielleicht ist es für manche Menschen ja auch was gar nicht so angenehmes, sich klar zu machen. Ich bin hier einfach. Ich habe das Ticket nicht gelöst. Keiner hat mir eine Packungsbeilage dazu gelegt, keine Gebrauchsanweisung.

speaker-0: Man hat mich nicht einmal gefragt.

speaker-1: Genau! Da heißt, ich bin die ganze Zeit gefragt und bei der wichtigsten Frage dürfte ich nie mitreden. Ja!

speaker-0: Jetzt bin ich gezwungen, mein Leben zu ergreifen, nämlich es entweder zu leben oder es in die Hand zu nehmen und es wegzuwerfen. Ich muss aber mit diesem Leben leben. Und das ist eigentlich eine große Herausforderung. Dieses Umstand, werden wir meistens nicht bewusst. Aber eine Existenzanalyse beschäftigt sich damit, weil wir auch der Frage nachgehen wollen, was bewegt mich denn überhaupt etwas zu tun? und dies zu tun und nicht etwas anderes zu tun und auszuwählen. Wie komme ich dazu? Wer ist dieses Ich, das da plötzlich auftaucht aus dem Unbewussten des Baby-Alters und Kindheits-Alters und realisiert, da ist ja wer und ich kann ja was tun und ich kann dagegen sein oder was zerstören oder was aufbauen? Was bewegt mich und wie finde ich meine Entscheidungen? Und da sagen wir in der Existenzanalyse. Wir sind da. Und das nehmen wir ernst. Das ist so ganz unspektakulär. Mir kann man vielleicht gar nicht so viel anfangen, aber was ist denn das Wichtigste im Leben? Und da sagen wir zunächst einmal Einfach da sein.

speaker-1: das anzunehmen.

speaker-0: Das anzunehmen, das sein. Wie kämpfen wir das Überleben? Da wird ein Kind im sechsten Schwangerschaftsmonat geboren und wir kämpfen das Leben dieses Frühchens. Wir kämpfen das Leben der Menschen, die am Sterben nahe sind und schauen, können wir nicht nur das Leben verlängern. Da sein, wir wollen Da sein erhalten. Das ist ganz, ganz tief in uns. Und das sehen wir als die Grundlage der ganzen Motivation.

speaker-1: wenn ich dich richtig verstehe, Alfred, fällt es uns als Menschen aber gar nicht immer leicht, dieses Dasein so wirklich zu uns zu nehmen, es so wirklich zuzulassen. Ja, genau, ich bin jetzt, ob mir das passt oder nicht und ich nehme es zu mir, ich fülle das aus.

speaker-0: Was ist der springende Punkt, den du anschneidest? Genau darum geht es. Zunächst einmal mir bewusst zu machen, mir einzugestehen. Hallo, ich bin. Ich bin da. wie stelle ich mich dazu? Will ich das eigentlich? Denn ich bin ja nicht gefragt worden. Und jetzt ist es Zeit, dass ich auch eine Rolle und ein Wörtchen mitzureden habe. Will ich das? Ich bin da, komme auf die Welt und komme in diese kalte Welt und friere und werde gleich geduscht und gewaschen und gewickelt und gesäubert. Das ist so anders, als es vorher war. Und irgendwie bleibt es so im Leben. Das Leben wickelt uns ein Leben lang und duscht und säubert und reinigt und reibt uns und gibt uns auch viel Freude und Vergnügen. Ich bin da. Und in diesem Dasein werde ich berührt von dieser Anderheit. bin also da, da heißt immer in Verbindung mit etwas anderem. Und das hat eine Wirkung auf mich, berührt mich, macht was mit mir. Und ich bin jemand, der entscheiden kann. Und jetzt bin ich gefragt, wie ist das? Will ich da sein?

speaker-1: Was mache ich denn, wenn ich jetzt gerade innerlich die Antwort bekomme? Nee, will ich nicht.

speaker-0: Ja, dann kann ich mir überlegen, entweder was will ich denn oder warum will ich es nicht? Weil bevor ich zu diesem Will-ich-nicht-komm, da habe ich ja schon eine Idee. Davor ist der Umstand, ja, aber da bist du, ob du willst oder nicht, da bist du. Und jetzt kannst du diesen Umstand, dass du da bist, sein lassen. Das ist eine große exisite, sensuelle Frage. Kann ich mein Sein sein lassen? Kann ich mich sein lassen? Kann ich den Umstand, dass ich da bin, sagen? Ja gut, es sei denn, ich bin da, es sei.

speaker-1: Und das ganz Schöne ist ja, dass in dem Moment, wo ich es sein lassen kann, es immer mehr zu meinem wird, weil ich diesen Kampf aufgebe, weil ich diesen Widerstand aufgebe.

speaker-0: Erst dadurch wird mein Sein in dieser Welt zu meinen. Und das nennen wir die ursprüngliche Ausrichtung des Menschen, nämlich den Umstand des Daseins. mich auf den auszurichten, indem ich es auch lasse. Und das ist ein Können. Seinlassen können ist gar nicht leicht. Wie gut kann ich mich denn sein lassen und dich sein lassen und die Umstände sein lassen? Das ist in der ersten Grunddimension der Existenz ganz basal. Und wir sagen, lassen ist ein Können. Wenn ich mein sein sein lassen kann. Dann bin ich Mitschöpfer meines Daseins, weil ich mein OK dazu gebe und damit meinem Sein Raumeinräume vor mir selbst und in der Gegenwart der anderen. Genau. Ich brauche ja die anderen, die auf mich wirken. die zu mir sprechen, die mit mir sind, die Familie, die Freunde, die Welt, die Dinge. Nur in dem stehe ich, da bin ich und anhand von denen wird mir mein Sein erlebbar, fühlbar und dank der kann ich dann sagen, ja, zu meinem Sein.

speaker-1: Ich werde am Du zum Ich.

speaker-0: Ja, genau. wenn ich mein Dasein sein lassen kann, dann habe ich eine Grundlage, dass ich auch dein Dasein sein lassen kann. Dann kann ich es annehmen. Und so sehen wir uns eingebettet in unser Leben in einem ständigen Austausch. Der wird zum Dialo. Und wir wollen jetzt nur mal darauf schauen, kann ich das diesen Umstand lassen? Dass ich auf der Welt bin, wie es ist und wie ich bin und so. Das sind dann die anderen Tischbeine. Aber das Fundament ist, dass ich bin.

speaker-1: Was wird mir denn dadurch möglich, wenn ich das immer mehr verkörpere, mein Sein sein lassen zu können? Was passiert?

speaker-0: Gelassenheit, die Haltung des Lassens ist eine Gelassenheit, Seinsgelassenheit. Und wenn ich mein Sein sein lassen kann, dann hebe ich mich in die Existenz, dann stelle ich mich darauf, dann begehe ich das Terrain, dann gehe ich über das Land, dann bringe ich mich in ein wirkliches Dasein. in eine Präsenz, in eine Gegenwärtigkeit. Das macht mich handlungsfähig, weil wenn ich sagen kann, ja, ich lasse mich sein, dann habe ich den Boden, dass ich mich erheben kann in die Existenz. Dann hebe ich mich sozusagen von all meinen vier Beinen auf meine zwei Beine und gewinne zwei Beine, die nun frei sein. und die nun zum Handeln frei sind. Und ich gewinne einen großen Horizont, wo ich da bin. Wenn ich mich sein lassen kann, entscheide ich mich, bin mitschöpferisch, schaffe meine Existenz. Und die hat zwei Pole und die bleiben, immer die Außenwelt und die Innenwelt.

speaker-1: Warum sollte mich das interessieren, wenn ich jetzt hier sitze und am erfüllten Leben eigentlich interessiert?

speaker-0: Ja, wie können wir zur Erfüllung kommen? Wir können die Erfüllung nicht aus uns alleine machen. Wir brauchen den anderen Menschen dazu, die andere, die Welt, die Andersheit, wie man auch sagt. Nur im Austausch, im Miteinander kommen wir zur Erfüllung. Erfüllung ist eben dieses Aufgehen im Sein. in noch Größerem, dass ich nicht aus mir allein schaffen kann, sondern weil ich mit dir zusammen, weil wir ein Wir bilden, werde ich reich bereichert, größer und darin gehe ich auf. Das gewinnen wir und darum brauchen wir die Andersheit. Die Andersheit ist Konstitu-ti, also unser Sein. Unsere Existenz wird geschaffen, bestimmt anhand des anderen. Ohne dieses andere, ohne dass es in der Welt sein, können wir nicht ich sein und können wir das Ich nicht entfalten. Aber in dieses Miteinander kommen, darin liegt die Erfüllung unseres Daseins.

speaker-1: Also du würdest sagen, dass erst in der Verbindung eine Qualität entstehen kann, die sich dann

speaker-0: Die mich übersteigt.

speaker-1: Und wenn ich dich aber richtig verstehe, kann das auch im Dialog mit etwas sein, was kein Mensch ist. Also ich kann auch im Krankenhaus alleine liegen, wie in dem Beispiel in der letzten Folge. Und ich bin im Dialog jetzt in dem Fall ja mit mir selbst oder auch mit der Natur oder mit etwas anderem, was mir auch einen Zugang ermöglicht.

speaker-0: Genau, das andere kann ein Mensch sein oder mein Hund, meine Katze, ein Tier, aber auch die belebte Natur oder die unbelebte Natur, großen Berg zu sehen, eine Felswand. Da kann ich in Dialog treten vor dieser Mächtigkeit und so. Es braucht einen Austausch, weil wir immer in dieser Polarität sind. Ich habe mich und meine Innenwelt und ich habe dich und die Außenwelt, dass nicht ich das andere. Mit seiner Verschiedenheit und durch das Zusammentreffen gibt es mich als Person und entsteht meine Existenz. Existieren kann ich ja nur in Bezug auf anderes. Ich habe mich auch selbst gegenüber. Das ist auch ein bisschen Andersheit, nämlich mein Ich, das handelt und mein Gespür, meine Intuition, das mir so sagt, ob ich auf dem richtigen Weg bin, das ist in meiner Innenwelt. Und zugleich bin ich mit einem Bein immer auf der Ostenwelt.

speaker-1: Wie erlebe ich das denn in meinem Leben? Weil die meisten Menschen glaube ich erleben es einfach als ganz natürlich, weil wir es ja gar nicht anders kennen. Und wie kann ich denn dieses Dialogische, was du beschreibst, meinem Leben erleben, fühlen, nachvollziehen, was du gerade sagst?

speaker-0: Ja, da kommen wir zu ganz praktischen Dingen. Wir stehen gleichsam auf zwei Beinen in zwei Welten. Die können wir als zwei Kreise oder Ellipsen darstellen. Das interessante ist, dass sich diese Ellipsen aber überschneiden. Ich lebe in der Innenwelt, also der eine Ellipse, und das andere Bein ist immer draußen beim anderen. Ich kann mich gar nicht verschließen. Die Sinnesorgane sind Kanäle, wo die Außenwelt in mich einströmt. Ich habe Temperatur und Tastsinn und Hören und Riechen, Schmecken und so weiter. Nun stehe ich in zwei Welten gleichzeitig. Und diese Welten überlappen sich. Ich bin immer zugleich in Innenwelt und in Außenwelt. Aber diese Außenwelt dringt in mich ein, spricht zu mir, fordert mich, fragt mich, will was, macht mir Probleme, beglückt mich. Und meine Innenwelt kann ich auch nicht zurückhalten. die ist in meinem Auge, in meinem Gesicht, in meiner Haltung, in meiner Stimme, in meiner Bewegung und trinkt nach außen und wirkt nach außen. Dass ich da bin, hat immer Wirkung auf das andere, das da ist. In einer Gruppe, in einer Familie, am Arbeitsplatz, in der Natur. Überall wo ich bin, entfaltet es eine Wirkung auf andere. Und jetzt ist es so wichtig, dass wir hier in einem Austausch bleiben, dass wir in einem Gleichgewicht halten, dass wir offen sind für das Außen wie offen für das Innen. Denn das Ich ist in der Mitte an dieser Schnittfläche, wo beide Ellipsen sich überschneiden. Da bin ich als Person und stehe mit den Beinen in der Außenwelt und innen. Und jetzt ist gut, wenn ich also stets darauf achte, dass meine Innenwelt dass ich mich frage bei dem, was ich tue, und wie geht es mir? Wie empfinde ich das? Was spüre ich dabei? Dass ich der Innenwelt in meinem Betrieb, Geschäftsraum gehe, mich darauf beziehe, das mache ich vielleicht, indem ich zwischendurch auf die Toilette gehe, da bin ich mal wieder kurz ganz mit mir, oder ans Fenster gehe und tief durchatme. Und dass ich gleichzeitig aus dieser Innenwelt in die Außenwelt gehe und offen bin, mich ansprechen lasse, nicht meine Schallklappen oder Pläne und Ziele über die Außenwelt stülpe.

speaker-1: Also wenn ich dich richtig verstehe, da zwei Aspekte jetzt so für den Otto-Normal-Verbraucher. Das eine ist, dass ich auf beiden Beinen stehen sollte, wenn ich nach dem erfüllten Leben strebe. dass ich weder meine Innenwelt verlieren sollte, noch den Bezug zur Außenwelt. Und ich sag du mir gleich, wie du es erlebst. Ich hab häufig das Gefühl, dass es Menschen mir inklusive. gar nicht so leicht fällt, meine Innenwelt konstant präsent zu haben, während ich in der Außenwelt bin und dass ich das recht viel bin.

speaker-0: geht uns allen so, auch mir. Und das kann man aber üben. Und das habe ich auch in meinem Leben vermehrt geübt, immer diese kurze Sekunde mir herauszunehmen, kurz zu checken. Und wie ist es in mir? Wie fühlt sich mein Körper an? Wie bin ich leiblich zu gehen? Welche Gefühle habe ich? Was spüre ich im Bauch? Wie ist mein Nacken? Wie geht es mir eigentlich bei dem, was ich jetzt gerade tue?

speaker-1: Ja, und das sind ja auch die Themen, die genau in der achtsamkeitsbasierten Therapie in vielen anderen Verfahren sehr stark geübt werden, weil es so wichtig ist, dass wir uns wahrnehmen, während wir mit dem anderen im Austausch sind. Also das ist das eine, schön mit zwei Beinen in der Welt sein. Und das andere, was ich von dir gehört habe, ist, dass es zur Welt auch so eine Offenheit braucht. nicht nur dieses, ich bin halt ganz viel im Außen und bin ganz viel beim anderen und bei dem, was vielleicht mein Beruf gerade von mir erfordert, sondern dass ich das ohne meine Scheuklappen tue, sondern in einer Offenheit, in der ich berührt werden kann von dem, was sich da im Außen zeigt, dann gleichzeitig zu schauen, was das mit meiner Innenwelt macht. Kann man das so sagen?

speaker-0: dass ich da im Dialog bin, in Abschirmung bin, dass das, von außen kommt, dass ich es filtre und was mich erreicht, dass ich darauf nun antworte, da kommt nun das Antwort geben, da verhindere ich das Leben, dass das im Grunde einen dialogischen Charakter hat. Wir sind immer in einem Dialog angefragt, antwortend. Und darum ist Dialog im zwischenmenschlichen Umgang das Mittel der Begegnung. Wir brauchen im Miteinander Begegnung, nicht nur Beziehung. Beziehung haben wir so oder so. Beziehung ist ein Resultat unserer Begegnung. Wir brauchen Begegnung und Begegnung geschieht über den Dialog und das Charakteristische eines Dialogs. Und jetzt sind wir an der Spitze angekommen von unserer heutige Frage, ausgehend vom im Austausch stehen, angekommen sein, das sein lassen können, dass ich auch mich lassen kann. Und das brauchen wir im Dialog dich lassen können, mich lassen können, dich lassen können. Das heißt, es interessiert mich, was du sagst, was dich bewegt, was dir wichtig ist. Ich lasse das bei mir ankommen und schaue beim Zuhören, was macht das mit mir? Was spüre ich da in mir? Was fängt in mir an zu sprechen? Wie fühlt sich das an? Und aus dem schöpfe ich ehrlich, offen meine Antwort und sage dir, wie das bei mir ankommt. Was ich persönlich dazu denke, fühle, spüre, erfahren habe und mir wichtig scheint, dir nun zu sagen, damit wir bei dem, worüber wir sprechen, einem guten Miteinander weiterkommen. Und dann haben wir eine Begegnung. Und die Begegnung verändert dich und mich, bereichert uns. Ich habe etwas Wesentliches von dir bekommen und durfte dir etwas Wesentliches von mir sagen und mich selbst dabei wieder nahefassen.

speaker-1: Und das ist das Größere, von dem wir vorhin gesprochen haben.

speaker-0: Das ist das ganz große. Das beruht aber auf dem Kann ich mich sein lassen? Mein Sein. Sein lassen. Und einmal, immer wieder mal das üben und ruhig werden und tun und nichts tun außer sein. Für zehn Minuten, mal eine Stunde vielleicht. am Strand, im Wald. mich sein lassen als eine Übung, die wir jeden Morgen, wenn wir wach werden, einsetzen können. Eine Minute mich sein lassen und das unglaubliche Wunder, es gibt mich, ein bisschen erleben und mit dieser Seinsberührung in den Tag gehen.

speaker-1: wie schön und was für einen Bogen, den du gespannt hast von genau dieser Seinsqualität hin zu diesem mich sein lassen, dich sein lassen und es mir dadurch zu ermöglichen in beiden Ellipsen zu stehen. Also meine Innenwelt wahrzunehmen und gleichzeitig offen für die Außenwelt zu sein und dass daraus dieser Dialog entsteht, der dann etwas größeres wird. als das, was ich alleine sein kann.

speaker-0: Ja, und wenn wir begegnen, begegnen wir einem Wesen, dann sind wir wesentlich, du und ich. Und Begegnung schafft es, dass wir beide wesentlich sein können. Und das ist das Schönste.

speaker-1: Vielleicht lässt sich ja genau daraus die Frage oder der Gedanke formulieren, den Menschen, die uns zuhören, aus dieser Folge mitnehmen können.

speaker-0: Wie gut kann ich mich sein lassen? Und schaffe ich es, mal zehn Minuten nichts anderes zu tun, als zu sein. Mein Sein zu lassen und es nicht immer zu verwenden für etwas und zu benutzen und einzusetzen und sich nützlich machen, sondern nur zu sein. Und vielleicht den Tag mit einer Minute Darin, Übung zu beginnen.

speaker-1: oder die nächste Minute nach diesem Podcast dafür zu nutzen. Wunderschön, ich danke dir herzlich, Alfred, und freue mich auf bald.

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