Ein Jahr in der Natur· Staffel 3· Folge 10

Wale der Arktis – Narwale, Belugas und das Lied des Eises

Mittwoch, 22. April 2026 · 19 min

MP3

Shownotes

Die Arktis ist ein Ozean aus Eis, Stille und Klang – und Heimat dreier der rätselhaftesten Wale der Erde. Wir tauchen ein in die Welt von Narwal, Beluga und Grönlandwal, in einer Region, die sich viermal schneller erwärmt als der globale Durchschnitt.
Es geht um den Narwal-Stoßzahn als hochsensibles Sinnesorgan mit zehn Millionen Nervenkanälen, um den Beluga als „Kanarienvogel des Meeres" mit 184 Gesangstypen und um die matrilineare Weitergabe von Wanderrouten durch Mütter und Großmütter. Und wir sprechen über den Grönlandwal, der über 200 Jahre alt werden kann und uns damit viel über Alternsforschung verrät – und über schwindendes Eis als wachsende Bedrohung für sie alle.
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Willkommen zu einer neuen Folge von Schlafreise durch die Natur, deinem Podcast zum Entspannen, Loslassen und lernen. Kennst du schon unsere anderen Podcastreihen wie Wissensreise durch die Länder der Erde oder durch die Geschichte heute nehmen wir dich mit an einen Ort, der sich dem menschlichen Blick seit Jahrtausenden entzieht, einen Ort, an dem das Meer im Winter gefriert und. Und im Sommer in einem Licht badet, das tagelang nicht untergeht.

Einen Ort, an dem die Stille so vollständig ist, dass man das Knacken und Stöhnen des Eises hören kann. Ein lebendes, atmendes Geräusch, das wie die Sprache des Planeten selbst klingt und in diesem Eis, unter dieser Stille, unter dieser silbrigen Oberfläche leben Tiere, die kaum jemand je zu Gesicht bekommt und die zu den Rätselhaftesten, schönsten und am stärksten bedrohten Lebewesen der Erde gehören.

Wir reisen heute in die Arktis zu den Walen des Eises, zu den Narwalen, den Belugas und dem Lied, das unter dem Eis singt, lass dich fallen, lass die Gedanken des Tages los, stell dir vor, du Gleitest unter Wasser, um dich herum ist es tiefblau und kalt, das Licht fällt von oben durch eine Eisdecke bricht sich in kristallinen Mustern und wirft zitternde Streifen auf den Meeresgrund und dann aus der Tiefe des Blaus, taucht eine Gestalt auf weiß.

Makellos rund, mit einem breiten Lächeln, das kein Lächeln ist, sondern die Form seines Kiefers. Es kommt direkt auf dich zu, langsam, ohne Scheu, dreht sich auf die Seite, betrachtet dich mit einem kleinen dunklen Auge und singt, das ist der Beluga Wall, beginnen wir mit dem Ort selbst. Die Arktis ist kein Land, sie ist ein Ozean, bedeckt von Eis.

Der Arktische Ozean umfasst rund 14000000 Quadratkilometer und ist damit der kleinste der 5 Ozeane der Erde, aber auch der am stärksten von menschengemachten Klimaveränderungen Betroffene. Im September 2023 erreichte die arktische Meereisausdehnung den Zweitniedrigsten je gemessenen Wert seit Beginn der Satellitenaufzeichnungen in den 1900 70er Jahren. Seit den 1900 70er Jahren hat die Arktis im September, dem Monat mit der geringsten Eisausdehnung, rund 13% Eisfläche pro Jahrzehnt verloren. In den vergangenen 40 Jahren hat die Arktis sich fast viermal so schnell erwärmt wie der globale Durchschnitt. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler bezeichnen dieses Phänomen als arktische

Amplifikation, und es verändert nicht nur ein Ökosystem, es verändert das globale Klimasystem, weil das arktische Eis wie ein riesiger Spiegel wirkt, der Sonnenstrahlung ins All zurückreflex. Ziert, wenn der Spiegel schmilzt, absorbiert das dunkle Meerwasser die Wärme. Stattdessen ein selbstverstärkender Kreislauf in diesem Eis und unter diesem Eis lebt eine Gemeinschaft von Tieren, die sich über Millionen von Jahren an eine der extremsten Umgebungen der Erde angepasst hat.

Zu den faszinierendsten gehören die 3 sogenannten endemischen Arktiswale der Narwal, der Belugawal und der Grönlandwal. Alle 3 sind Zahnwale, verbringen ihr gesamtes Leben in den arktischen und subarktischen Gewässern und alle 3 sind in einer Weise an das eisige Leben angepasst, die uns noch viele Jahrzehnte beschäftigen wird. Der Narwal Monodon Monoceros, ein Name aus dem Griechischen, der so viel bedeutet wie ein Zahn, ein Horn er. Er ist eines der seltsamsten Säugetiere der Erde. Wer ihn zum ersten Mal sieht, hält ihn für eine Erfindung. Und tatsächlich war der Narwal jahrhundertelang eine Art lebender Mythos.

Sein langer, spiralförmig gedrehter Stoßzahn gelangte im Mittelalter nach Europa, wo er als das Horn des Einhorns gehandelt wurde und damit buchstäblich mit Gold aufgewogen wurde, Könige, Päpste und Fürsten besaßen Narwalzähne als Symbole von Macht und Reinheit, und niemand wusste, woher sie kamen in. Erst im 17 Jahrhundert begann sich das Rätsel zu lüften, als dänische Händler aus Grönland berichteten, was es mit diesen Tieren wirklich auf sich hatte.

Der Narwal ist ein mittelgroßer Wal, Körperlänge zwischen 4 und 6 Metern Gewicht zwischen 800 Kilogramm und 1,6 Tonnen, er hat keine Rückenflosse, was ihm ermöglicht, unter dem Eis zu schwimmen, ohne sich zu verheddern. Seine Haut ist gesprenkelt, grau, weiß, mit dunklen Flecken. Mit zunehmendem Alter werden narwale heller, alte Individuen können nahezu weiß sein. Und dann ist da der Zahn, der Stoßzahn des Narwals ist eigentlich ein Schneidezahn, genauer gesagt der linke obere Schneidezahn, der sich nach vorne durch die Oberlippe bohrt und spiralförmig nach links gedreht wächst. Fast alle Männchen und etwa 3% der Weibchen entwickeln diesen Zahn.

Bei Männchen kann er bis zu 3 Meter lang werden, was bedeutet, dass der Stoßzahn etwa die Hälfte der Körperlänge ausmachen kann. Was ist seine Funktion? Das ist eine der langwierigsten Debatten der Wahlbiologie lange nahm man an, der Stoßzahn sei eine Waffe zum Kämpfen mit anderen Männchen, zur Jagd, zur Verteidigung, doch Beobachtungen zeigen etwas anderes. Narvalzähne kämpfen kaum miteinander, der Zahn ist zu empfindlich für robuste Kämpfe, er enthält rund 10000000 Nervenkanäle und ist mit der Außenwelt verbunden, Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler. Insbesondere ein Forschungsteam um Martin Nuea von der Harvard University haben nachgewiesen, dass der Stoßzahn ein hochsensibles Sinnesorgan ist.

Er kann Temperatur, Salzgehalt, Druck und möglicherweise sogar Schallwellen wahrnehmen. Mit dem Zahn tastet der Narwal buchstäblich seine Umgebung ab, er ist ein Sinnesapparat von einer Präzision, die kein Mensch erbauen könnte, dazu kommt eine beobachtete Verhaltensweise, die Filmaufnahmen 2017 zum ersten Mal in dieser Deutlichkeit zeigten.

Narvale betäuben arktischen Kabeljau, indem sie mit dem Stoßzahn gezielt und schnell auf sie schlagen. Kurze, präzise Schläge, die den Fisch desorientieren, ohne ihn zu töten, und ihn dann leicht schluckbar machen, ein Werkzeug, ein Sensor und eine Waffe, vereint in einem einzigen Zahn, der gleichzeitig das Merkwürdigste und das eleganteste Körperteil im gesamten Tierreich sein könnte.

Narvale sind soziale Tiere. Sie leben in Gruppen von meist 5 bis 10 Individuen, die sich in der Migrationszeit zu großen Verbänden von hunderten oder sogar Tausenden zusammenschließen. Im Frühjahr ziehen sie von ihren Winterquartieren im Nordatlantik und dem Nordpolarmeer in ihre Sommerbuchten in Kanada und Grönland eine Reise von Tausenden von Kilometern, die sie mit einer Präzision absolvieren, die Forscherinnen und Forscher noch immer fasziniert. GP.

S Besenderungen haben gezeigt, dass Narwale ihre Sommer und Winterreviere über viele Jahre hinweg aufsuchen und dabei dieselben Routen nehmen. Ein Gedächtnis für Geographie, das mit dem von Elefanten und Großwalen vergleichbar ist. Im Winter tauchen Narwale tief tiefer als nahezu alle anderen Meeressäuger Tauchgänge von über 1500 Metern sind dokumentiert, manche überschreiten sogar 1800 Meter.

Dabei halten sie bis zu 25 Minuten die Luft an. In diesen Tiefen jagen sie Grönland, Kabeljau, Heilbutt und Tintenfische, die während des Polarwinters in der Tiefe konzentriert sind. Wie navigieren Sie in vollständiger Dunkelheit unter einem Eispanzer in einer Umgebung, die für Menschen letal wäre?

Echolokation dasselbe Prinzip, das Fledermäuse in der Luft nutzen der Narwal sendet hochfrequente Klickgeräusche aus, empfängt das Echo und. Und konstruiert daraus ein dreidimensionales Bild seiner Umgebung. Diese Echolokation ist so präzise, dass narwale einzelne Fische in völliger Dunkelheit orten und verfolgen können.

Nun zum Belugawal, dem Kanarienvogel des Meeres, der Belugawal Delphin Abterus Leukas ist der lauteste und vielstimmigste Wal, den wir kennen, sein Repertoire umfasst Klicks, zwitschern, Pfiffe, Quietschen, Glucksen, Miauen und und tonale Gesänge. Eine akustische Vielfalt, die so reichhaltig ist, dass frühe Walfänger ihn als Kanarienvogel des Meeres bezeichneten. Belugas kommunizieren nahezu ununterbrochen, und ihre Lautäußerungen sind so komplex, dass Forschende davon ausgehen, dass sie eine Form von kontextspezifischer Kommunikation haben, nicht eine Sprache im menschlichen Sinne, aber ein System von Signalen, das weit über einfache Alarmrufe hinausgeht.

Der Beluga ist einer der wenigen Wale, der seinen Kopf bewegen kann. Sein Hals ist nicht vollständig mit der Wirbelsäule verschmolzen. Anders als bei den meisten anderen Wahlarten das gibt ihm eine Mobilität, die er für seine akustische Kommunikation nutzt, er kann seinen Kopf drehen, nicken, die Melonenform seines Kopfes, jenes charakteristische Fettpolster auf der Stirn, das der Schallbündelung dient, durch Muskelkontrolle verformen.

Die Melone ist kein passives Organ, sie ist ein aktiver Schallformer, der die Richtung und Form der ausgesendeten Lautäußerungen moduliert. Belugas Formen buchstäblich ihre Stimme mit dem Kopf, belugas werden bis zu 6 Meter lang und bis zu 1900 Kilogramm schwer, ihre makellos weiße Haut, die bei Jungtieren noch grau oder bräunlich ist und sich erst nach einigen Jahren aufhält, ist unverwechselbar.

Die weiße Farbe ist kein Zufall, sie dient als Tarnung unter dem Eis und im eisigen Gegenlicht der Arktis. Belugas haben eine dicke Fettschicht, Blubber von bis zu 15 Zentimetern, sie macht bis zu 40% ihres Körpergewichts aus und dient der Isolation in Gewässern, die dauerhaft nahe dem Gefrierpunkt liegen. Belugas sind extrem soziale Tiere, sie. Sie leben in Familienverbänden, oft angeführt von älteren Weibchen, die das Wissen über Wanderrouten, Nahrungsgründe und Gefahren über Generationen weitergeben. Diese Matrilineare Wissensübertragung das Lernen von der Mutter und der Großmutter ist ein Phänomen, das bei Wahlen, Elefanten und bestimmten Primaten beschrieben ist und als eine Form

kultureller Transmission gilt. Wissen. Das nicht genetisch weitergegeben wird, sondern durch Beobachtung und sozialen Kontakt. Die Kälber bleiben bis zu 3 Jahre bei der Mutter, eine der längsten Abhängigkeitsphasen unter Meeressäugern in bestimmten Buchten Kanadas und Grönlands kommt es alljährlich zu einem der eindrucksvollsten Naturschauspiele der Arktis, dem Sommersammeln der Belugas Hunderte, manchmal Tausende von Tieren versammeln sich in flachen, wärmeren Küstenbuchten.

Wo sie sich in einer Verhaltensweise zeigen, die zunächst rätselhaft erscheint. Sie reiben Ihren Körper am Kiesboden, schaben sich buchstäblich an Steinen und Schotter, dieses Verhalten heißt Molting, die Belugas Scheuern ihre alte Haut ab, um frische neue Haut darunter freizulegen, es ist eine Art jährliche Häutung, die in diesem ruhigen, flachen Wasser stattfindet, die Buchten sind so bedeutend, dass ihr. Da sie als kritische Lebensräume eingestuft und teilweise geschützt werden, aber ihre Nähe zur Küste macht sie gleichzeitig anfällig für Störungen durch Schiffe, Lärm und Umweltverschmutzung.

Nun zum dritten großen Bewohner des arktischen Eises, dem Grönlandwal Balaena Mysticetus der Grönlandwal ist ein Bartenwal. Er hat keine Zähne, sondern Barten aus Hornsubstanz, durch die er riesige Mengen Wasser filtert und dabei Kleinstlebewesen, vor allem Ruderfußkrebse des Zooplanktons Herausfiltert.

Mit einer Körperlänge von bis zu 20 Metern und einem Gewicht von bis zu 100 Tonnen ist er eines der größten Tiere, die je auf unserer Erde gelebt haben. Sein Kopf ist außergewöhnlich groß, er macht rund ein Drittel der Körperlänge aus. Er braucht diesen mächtigen Kopf, um durch Eis zu brechen. Der Grönlandwal kann Eisflächen von bis zu 30 Zentimetern Dicke mit seinem Kopf durchstoßen, um ein Atemloch zu schaffen, sein Schädel ist dabei dicker und stärker als der jedes anderen Wals, aber das Außergewöhnlichste am Grönlandwal ist sein alter, Grönlandwale gelten als die ältesten Säugetiere der Erde. Die ältesten Individuen, die je untersucht wurden, sollen über 200 Jahre alt geworden sein.

Das Alter wird durch die Analyse von Aminosäuren im Augengewebe bestimmt, eine Methode, die auf der langsamen, Vorhersagbaren Räsmisierung bestimmter Aminosäuren basiert, ein Grönlandwal, der heute lebt, könnte die industrielle Walfangzeit des 19 Jahrhunderts erlebt haben, er könnte Zeuge der ersten Polareisexpeditionen gewesen sein.

In seinem Körper steckt buchstäblich ein Gedächtnis der Arktis, das weit in die Geschichte zurückreicht. Das Lied des Grönlandwals ist ein weiteres Faszinosum, anders als der Buckelwal, dessen Gesänge saisonal und weitgehend standardisiert sind, singt der Grönlandwal eine erstaunliche Vielfalt von Melodien Hydrophone in der Arktis haben über 184 verschiedene Gesangstypen. In einer einzigen Saison aufgezeichnet, was manche Forscherinnen und Forscher dazu veranlasst hat, von musikalischer Kreativität oder zumindest kultureller Variabilität zu sprechen.

Die Gesänge ändern sich von Jahr zu Jahr, neue Motive erscheinen, alte Verschwinden, die Grönlandwale lernen voneinander und entwickeln gemeinsam neue akustische Muster, eine Form kollektiver Kreativität im Eis, was den Grönlandwal biologisch noch interessanter macht, ist sein Alterungsprozess. Oder besser sein Mangel daran, wenn Tiere über 200 Jahre alt werden, stellt sich die Frage, wie schützen sie ihre Zellen über so lange Zeit vor dem Verfall?

Genetische Analysen des Grönlandwal Genoms die 2015 in der Fachzeitschrift Sell Reports veröffentlicht wurden, haben gezeigt, dass der Grönlandwal einzigartige Varianten in Genen trägt, die mit D na Reparatur. Krebsabwehr und Zellalterung verbunden sind. Besonders auffällig ist das Gen ERCC 1, das an der Reparatur von DNA Schäden beteiligt ist und beim Grönlandwal in einer hocheffizienten Variante vorliegt. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Alternsforschung weltweit studieren das Walgenome in der Hoffnung, Mechanismen zu entschlüsseln, die auch für die menschliche Gesundheit relevant sein könnten. Das längst lebende Säugetier der Erde könnte uns zeigen, wie Leben dauerhafter wird.

Die akustische Welt der Arktis ist ein Universum für sich. Neben den Gesängen der Wale gibt es das Knacken und Ächzen des brechenden Eises, das Zirpen der arktischen Fische, das Prasseln von Krill, Tausende einzelne Krabbenscherenbewegungen pro Sekunde, die zusammen ein raschelndes geisterhaftes Geräusch erzeugen. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Unterwasserakustik.

Bezeichnen die Arktis als einen der akustisch reichhaltigsten Orte des Ozeans. Gleichzeitig ist sie einer der lautesten, denn arktische Schifffahrt, Seismigbohrungen und Militärsonar erzeugen Lärm, der sich über Hunderte von Kilometern ausbreitet und die Echolokation und Kommunikation der Wale massiv stört. Lärm ist die unsichtbare Bedrohung des Meeres die Inuit, die indigenen Völker der Arktis, die seit Jahrtausenden in diesem Ökosystem leben, wissen das schon lange in. Ihr traditionelles ökologisches Wissen auf Inuctitut als Inuit Kojimaja Tukangid bezeichnet, beschreibt das Verhalten von Narwalen, Belugas und Grönlandwalen mit einer Präzision, die westliche Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler erst nach

Jahrzehnten eigener Forschung bestätigen konnten. Inuit, Jägerinnen und Jäger beobachteten seit Generationen, dass Narwale bei ungewöhnlichen Eisverhältnissen ihre Routen ändern. Dass Belugas in Buchten zusammenkommen, die thermisch günstig sind, und dass der Grönlandwal bestimmte Klangmuster nutzt, die auf Gruppenidentität hindeuten. Die zunehmende Zusammenarbeit zwischen Indigenem Wissen und westlicher Meeresbiologie gilt heute als einer der produktivsten Ansätze in der Arktisforschung der Klimawandel verändert die Arktis schneller als jedes andere Ökosystem der Erde und die Wale des Eises spüren ihn als erste. Für den Narwal ist das Meereis nicht ein Hindernis, es ist sein Schutz.

Wo Eis ist, können seine Fressfeinde Orca und Eisbär nicht so leicht agieren, mit schwindendem Eis dringen Orcas tiefer in arktische Gewässer, vor Gebiete, die sie früher nicht erreichen konnten, weil das Eis ihren hohen Rückenflossen keine Passage erlaubte, Navale, die auf die Orcas als Räuber nicht vorbereitet sind, haben keine angeborene Ausweichstrategie. Erste Berichte über dramatisch zunehmende Orca Angriffe auf Narwale in Regionen, die bis vor wenigen Jahren eisbedeckt waren, sind beunruhigend.

Für den Belugawal bedeutet weniger Eis einen veränderten Nahrungsraum die Kleinfische und Wirbellose, von denen er sich ernährt, sind an die eisgebundene Produktivität angepasst. Wenn das Eis schmilzt, verändert sich die gesamte Nahrungskette. Neue Schifffahrtsrouten durch die Nordwestpassage, die durch das schwindende Eis zunehmend schiffbar wird, bringen Lärm, schiffsverschmutzung und das Risiko von Kollisionen in Gebiete, die bisher unberührt waren. Und doch ist da etwas, das in den Tiefen bleibt, das Lied des Grönlandwals, das durch das Eis zieht, die Echolokation des Narwals, der im Dunkeln tastet, die Stimme des Belugas, die durch das Wasser strömt wie ein Faden aus Klang. Diese Tiere haben die Arktis

seit 100 Tausenden von Jahren bewohnt, haben Eiszeiten und Warmzeiten überstanden, haben sich in Dunkelheit und Kälte perfektioniert, was sie nicht für möglich gehalten haben, ist der Mensch und das, was der Mensch noch aufhalten kann. Unsere Erde ist nicht stumm, sie singt in den Wäldern, in den Ozeanen, unter dem Eis, diese Stimmen sind älter als wir, und wenn wir genau zuhören. Erzählen sie uns nicht nur, was war, sie zeigen uns, was noch möglich ist, was wir noch schützen können, was wir noch retten können, wenn wir jetzt handeln. Danke, dass du heute dabei warst, bei der Schlafreise durch die Natur Schlaf gut und träum vom Lied des Eises.

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