
Food Crimes - Was schmeckt dahinter?
The Whole Pantry: Das Geschäft mit dem Tod (feat. Schwarze Akte)
Dienstag, 8. April 2025 · 1 h 28
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Shownotes
Das Jahr 2014 könnte für Belle Gibson nicht besser laufen. Die Australierin hat ein eigenes Kochbuch auf den Markt gebracht, außerdem will Apple mit ihr zusammenarbeiten, weil ihre Ernährungs-App “The Whole Pantry” zu einer der erfolgreichsten Apps der Welt gehört.
Die junge Mutter kann ihr Glück kaum fassen, hat sie sich nach einer sehr tragischen Krebsdiagnose, doch gerade erst zurück ins Leben gekämpft – mit gesunder Ernährung und einer richtigen Einstellung. Das zumindest ist die Geschichte, die sie ihren hunderttausenden Followern und Verlagen, Medienhäusern und Apple erzählt. Wer Belle Gibson wirklich ist, bleibt fünf Jahre lang ein Mysterium.
Alle Fotos und noch mehr Infos zum aktuellen Fall findet ihr auf Instagram unter @wasschmecktdahinter (app.audiorella.com/www.instagram.com/wasschmec…).
"Food Crimes - Was schmeckt dahinter?" wird produziert von Storyhouse Productions.
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Transkriptvom Podcast bereitgestellt · Zeitmarken springen hin
Hallo an alle. Es wird heute unter anderem um Krebserkrankungen gehen. Wenn ihr euch mit dem Thema nicht wohl fühlt, überspringt die Folge besser. Das Jahr 2014 könnte für Belle Gibson nicht besser laufen. Die Australierin hat eine eigene App mit Rezepten und Tipps für ein gesundes Leben rausgebracht und ist gerade dabei, ein eigenes Kochbuch auf den Markt zu bringen.
Außerdem will Apple mit ihr zusammenarbeiten, weil ihre Ernährungs-App zu einer der erfolgreichsten Apps im App Store gehört. Die junge Mutter kann ihr Glück kaum fassen. Sie hat sich nach einer sehr tragischen Krebsdiagnose, bei ihr wurde ein Hirntumor im Endstadium gefunden, zurück ins Leben gekämpft.
Nachdem die wissenschaftliche Medizin versagt hat, hat Belle es geschafft, mit gesunder Ernährung und einer richtigen Einstellung ihr Leben wieder in den Griff zu bekommen. Einst war sie arm. Jetzt kann sie sich ein schönes Haus, ein schickes Auto und teure Klamotten leisten. Und ihrem Sohn eine schönere Kindheit ermöglichen, als sie eine hatte.
Das zumindest ist die Geschichte, die sie ihren hunderttausenden Followern und Verlagen, Medienhäusern und Apple erzählt. Wer Belle Gibson wirklich ist, bleibt fünf Jahre lang ein Mysterium. Das ist Foodcrimes. Was schmeckt dahinter? Mit Florian Reza, Lilly Temme und den besten Gästen aller Zeiten. Anne und Patrick vom sehr erfolgreichen und sehr guten True Crime Podcast Schwarze Akte.
Jeden Dienstag werfen sie einen Blick in eine neue, schwarze Akte und beschäftigen sich mit Kriminalfällen und Mysterien auf der ganzen Welt. Da passt es doch, dass es heute um ein Mysterium in Australien geht. Vielleicht können sie es ja zusammen mit uns lösen. Schön, dass ihr heute da seid. Ja, danke, dass wir hier sein dürfen. Wir freuen uns sehr und sind ein bisschen aufgeregt, was uns erwartet hier.
Wir freuen uns wirklich sehr, dass ihr da seid. Wir fragen unsere Hörerinnen und Hörer ja häufiger mal, wen sie sich so wünschen hier bei uns. Und euer Podcast oder euren Namen fehlen sehr oft. Deswegen freuen sich hoffentlich auch alle, die heute zuhören, dass ihr da seid. Super süß. Dann schaut auch dann alle, die das geschrieben haben. Ja, nice, danke.
Wie sieht es bei euch aus? Nutzt ihr Ernährungs-Apps? Nee. Kurz und schmerzlos. Nee, ich nicht. Kommt drauf an. Also ich glaube, ich habe es mal eine Zeit lang versucht, so zu tracken, was man so zu sich nimmt, wegen, ja, einfach ins Fitnessstudio gehen. Aber es hat nicht so lange gehalten, um ehrlich zu sein. Hast du nicht das Durchhaltevermögen gehabt dafür? Nicht so richtig, nee.
Und Rezept-Apps, ist das was, was ihr? Ja, hin und wieder mal. Ja, immer wenn ich mal wieder Bock habe, was zu kochen, dann ja, wenn ich Inspiration brauche, aber nicht auf einer regelmäßigen Basis. Ja, da bin ich eher wieder raus. Weil kochen eh nicht, oder? Ja, kochen doch schon gerne, aber ich bin da, ich koche super gerne mit meiner Freundin, aber sie hat halt die Ideen.
Das ist halt das Ding. Du bist der Sous-Chef. Ja, kann man so sagen. Und Flo, du? Meistens gehe ich dann irgendwie bei den New York Times einfach rein, schaue einfach, was es so gibt und denke mir dann so, ich mache es anders. Und so gehe ich meistens mit meinen Rezepten um. Aber ich bin sehr gespannt, was das für eine App ist, die Bell Gibson, erst mal bester Name, also von Mel Gibson zu Bell Gibson.
Das ist mir noch gar nicht aufgefallen, stimmt. Wirklich? Nee. Wahrscheinlich nennen wir sie auch ein paar Mal falsch heute in der Folge. Habt ihr den Namen eigentlich schon mal gehört? Nein. Okay. Ich weiß gar nicht, was heute passiert. Ich bin nämlich immer, also vor allen Dingen, wenn halt so Podcast-True-Crime-OGs hier sitzen, denke ich immer so, oh Gott, hoffentlich kennen die den Fall nicht.
Weil, ja, das wäre halt sonst ein bisschen langweilig, ne? Mir geht's aber tatsächlich relativ oft so, dass mir jemand von einem Fall erzählt und ich denk mir so, noch nie gehört, aber cool. Also, ja, nee, sagt mir gar nichts. Perfekt. Aber ich finde, dafür, dass wir ja eine Tendenz dazu haben, falsche Namen zu wiederholen und wir dann die Folgen noch mal umschneiden müssen.
Ist das doch schon mal gut, dass du mit Bellgipsen und nicht Melgipsen reingestattet bist. Ja. Kannst du uns schon sagen, was das für eine App ist? Oder willst du das gleich einführen? Das kommt noch. Aber es ist im Großen und Ganzen eine Ernährungs- und Lifestyle-App, in der es auch Rezepte gibt. Bevor es losgeht, möchte ich alle, die jetzt zuhören, noch mal daran erinnern, bitte unseren Podcast zu abonnieren und ihn, wenn möglich, auch zu bewerten.
Und zwar gut zu bewerten, damit noch mehr Leute den Podcast finden. Das hilft uns enorm weiter. Und ihr könnt das eigentlich jetzt, in dem Moment, wo ihr den Podcast hört, machen. Und es dauert gar nicht lang. Und dann würde ich sagen, starten wir rein. Ja, let's go. Let's go. Annabelle Natalie Gibson, genannt Belle, wird am 8. Oktober 1991 in Australien geboren.
Ihre Familie wohnt in einem Vorort von Brisbane, 20 Kilometer östlich der Stadt, in Winnem. Hier befinden sich ein geschäftiger Containerhafen, eine 50 Jahre alte Mineralölraffinerie und eine Kläranlage. Spätnachmittags steigt in dem Vorort der Geruch von verrotteten Mangroven auf, die wie faule Eier riechen.
Hier wächst Belle in einem einstöckigen Backsteinhaus in der Lewis Street auf. Das Haus gehört zu einem Programm für Sozialwohnungen in Queensland. Belle lebt hier mit ihrem älteren Bruder Nick und ihrer Mutter Natalie. Ihre Mutter ist an Multiplasklerose erkrankt, weshalb die beiden Kinder früh darauf angewiesen sind, selbstständig zu sein.
Belle ist für das Einkaufen und Zubereiten von Lebensmitteln zuständig und beschreibt ihre Kindheit als dysfunktional, weil sie nie Spiel zur Katte und ihren Vater nie kennengelernt hat. Sie nimmt ungern Schulfreunde mit zu sich nach Hause, weil es ihr unangenehm ist und träumt von einem besseren Leben, weit weg von ihrem Zuhause.
In ihrer Teenagerzeit durchlebt die junge Frau mit den grünbraunen Augen und einem gewinnenden Lächeln viele Phasen. Mal hat sie lange, honigblonde Haare, dann schneidet sie sich die Haare komplett ab und, das war damals trendy und in, daran erinnere ich mich auch noch, sie macht den Emo-Trend mit. Schwarze Haare, schräger Pony, viel Kajal.
Sie hängt mit den Skaterboys und Skatergirls ab, ist in der Theaterklasse in ihrer Schule und viele beschreiben sie als melodramatisch. Ein paar ihrer Schulfreunde erinnern sich daran, dass Belle ihnen eines Tages erzählt, dass sie Teil eines Zeugenschutzprogramms ist. Mehr dürfe sie ihnen aber nicht sagen.
Belle schwänzt häufig die Schule und fälscht die Unterschrift ihrer Mutter, um die Fehlzeiten zu entschuldigen. 2008, Belle ist jetzt 16 Jahre alt, bricht sie die Schule ab und will irgendwo anders neu anfangen. In Perth soll ihr dieser Neustart gelingen. 4000 Kilometer weit weg von ihrem Zuhause auf der anderen Seite von Australien.
Sie zieht in den Westen des Landes und findet einen Job bei einer privaten Krankenversicherung. In ihrer Freizeit hängt sie viel im Internet ab, vor allem in einem Skateboardforum. Und aus der damaligen Zeit habe ich euch ein Foto mitgebracht und ihr könnt gerne beschreiben, wen ihr da seht. Ja, ich würde mal sagen, man sieht als erstes viel Frisur auf diesem Foto, oder? Ist das die Emo-Phase? Ja.
Ah, die hat eine Mütze auf, ne? Wirklich? Nein, das ist doch Haar, oder? Habe ich nicht gesehen. Das ist doch so eine Leopard. Das ist eine Leo-Mütze, oder? Eine Leo-Mütze? Also wenn, ist das eine Gepard-Mütze. Also die ist doch schwarz. Ich bin mir nicht sicher. Ich habe mich auch gefragt, ob es eine Mütze ist oder ob es die Haarpracht ist.
Also beides ist auf jeden Fall auffällig, würde ich sagen. Egal, ob Mütze oder auftopierte Haarpracht. Ich finde, man sieht ihr schon an, dass sie eine rebellische ist, oder? Ja, definitiv. Das kann man ihr direkt irgendwie am Gesichtsausdruck ansehen. Und sie hat auch die Arme verschränkt. Das heißt ja auch irgendwie direkt immer so Abwehrhaltung.
Kein Bock auf dich, der hier das Foto gerade macht. Und auch da finde ich auch auf jeden Fall selbstsicher. Ja, weiß nicht. Ja, findest du sie selbstsicher? Ja, finde ich schon. Ich finde, sie sieht eher so ein bisschen trotzig aus. Kein Bock auf euch. Das sagt er mir. Ich finde, der Blick zeugt so ein bisschen von Selbstsicherheit.
Doch, euch zeige ich es. Na gut. Ja, da gehe ich mit Patrick. Sie ist ja auch 4000 Kilometer bei Deck von ihrem Zuhause jetzt. Sie hat einfach mit 16, 17 entschlossen, sie startet jetzt ganz woanders ganz neu. Was auch, finde ich, sehr mutig ist. Voll, total, ja. Bei mir löst das Bild wirklich auch so einfach so 2000, wo sind wir jetzt, 2008, 2009 Vibes?
Also, wenn ihr ein Bild im Kopf gerade hattet von einer weiblichen Person, die ein Emo war zu dieser Zeit, dann trifft es das zu 100%. Also ob das jetzt in Perth ist oder in, keine Ahnung, in Köln, wo du groß geworden bist, Lilly, oder, weil das löst das bei mir aus, diese gelbe Stange, die da ist, das ist für mich, das sind die Dresdner Verkehrsbetriebe, das könnte doch irgendwie eine Straßenbahn sein.
Ich glaube, gelbe Stangen in Bussen gibt es deutschlandweit froh. Ich weiß, aber ich finde, es ist ein wirklich im besten Sinne generisches Bild einer ... Einer Emo-Frau im Jahr 2009. Man kann relaten, ne? Ja, auf jeden Fall. Ich finde es auch total witzig eigentlich, dass sie hier gerade ihre krasse Emo-Phase hat und dann bei einer privaten Krankenversicherung anfängt.
Also das ist für mich irgendwie so ein kleiner Clash. Aber wahrscheinlich hat sie einfach einen Job gebraucht, um da anzufangen. Ja, das ist so ein Telefonistinnen-Job gewesen, für den man offensichtlich auch keine Ausbildung oder so brauchte. Und ja, sie brauchte einfach einen Job, der ihr ermöglicht, da zu leben.
Kannst du noch einmal ganz kurz die Fakten umreißen? Sie ist wie alt jetzt? Es ist 2008, sie ist 16 Jahre alt und will ein neues Leben in Perth beginnen. Ey, dann ist die ja so alt wie wir. Die ist 91 geboren. Ja, die ist also ein bisschen älter. Wahnsinn. Seid ihr alle 91 geboren? Nee, 93. Nee, ich 93.
Und du? 99. Siehst du, dann ist sie so alt wie ich. Okay. Mit einer Wohnung, einem Job und ihrem Hobby im Internet zu chatten, ist die junge Frau angekommen in ihrem neuen Leben in Perth. Doch schon das nächste Jahr wird dieses Leben komplett auf den Kopf stellen. Denn Belle ist krank. Es ist jetzt 2009 und Belle schreibt im Mai 2009 in das Online-Forum, in dem sie viel unterwegs ist, dass sie große gesundheitliche Probleme hat.
Sie hat ein Herzleiden und wurde schon mehrfach operiert. Es gab aber Probleme mit ihrer Drainage und ihr Herz hat für drei Minuten aufgehört zu schlagen. Im Juni schreibt sie, dass sie eine sehr schlimme Krebsdiagnose erhalten hat und sie die Therapie, die sie deshalb macht, völlig ausnockt. Die anderen Mitglieder des Online-Forums sind besorgt. Denn wenn eine 20-jährige junge Frau einem sagt, dass sie schwer krank ist, ist man natürlich schockiert und hat Mitleid.
Die anderen User schreiben ihr, dass sie für sie beten, dass sie ihr viel Glück bei der Behandlung wünschen und dass sie ganz fest an sie denken. Der Arzt, der bei Bell 2009 einen inoperablen Hirntumor im Endstadium diagnostiziert, ist ein Mann namens Mark Johns, den sie bei einer Filmvorführung in Perth kennenlernt.
Er ist Neurologe und Immunologe vom McCallum Cancer Center in Melbourne und besucht und untersucht sie zunächst in ihrer Wohngemeinschaft in Perth. He had come to my home and went through a series of tests and this was dubbed integrative medicine. It was a box, a machine with lights on the front and that machine was apparently German technology.
There's two pads, two metal pads, one that goes below the chair and one that goes behind your back and then that measures what I believe or remember to be frequencies. Er sagte mir, dass ich eine 4-4-Brain-Tumor hatte und dass ich ungefähr 4 Monate zu leben hatte. Also Bels Arzt hat sie mit einem elektronischen Diagnosegerät aus Deutschland getestet und mit Hilfe von Metallplatten, die den Körper berühren, Frequenzen in ihrem Körper gemessen und ihr dann gesagt, dass sie einen Hirnturm auf vierten Grad ist und nur noch vier Monate zu leben hat.
Boah, krass. Ich finde das so dermaßen sketchy. Warum? Naja, sie trifft jemand auf irgendeiner Party und dann untersucht er die in der WG, mit so einem Gerät und dann stellt er fest, du hast doch vier Monate zu leben, da würde ich sagen, danke für die Info, jetzt gerne nochmal ein Profi ran. Ja, aber wahrscheinlich ist sie so verängstigt, erst mal. Ich meine, sie hat ja schon was Schweres mit dem Herzen gehabt.
Also hatte ja eine Vorbelastung, eine Vorgeschichte. Und wenn du Anfang 20 bist, wahrscheinlich glaubst du es trotzdem irgendwie erst mal, wenn dir jemand sagt, so, jo, ich hab hier dieses Gerät aus Germany. Und wir wissen, made in Germany, immer super. Ja, wahrscheinlich denkst du dir erst mal so, hä, okay, was, vier Monate?
Also, ich kann mir vorstellen, dass sie erst mal sehr verängstigt war. Verwirrt, unverängstigt. Auch integrierte Medizin oder was ich da verstanden habe im Englischen. Ist das ein offizieller Begriff? Was heißt das? Das wird in deinen Alltag, in die WG integriert. Ja, wahrscheinlich. Das ist kein Arzt, der so die klassische Schulmedizin praktiziert, sondern das ist irgendeine andere Richtung.
Was ist jetzt, also die genaue Definition kenne ich nicht. Ein Quacksalber. Auch aus Deutschland. Okay, sorry. Ein Quacksalber. Das ist das, was Belle erlebt. Und sie findet mit dieser Story und dem Schreiben darüber sehr viel Unterstützung und Zuspruch in diesem Online-Forum. Das heißt, sie verbreitet diese Diagnose auch, die sie da bekommen hat, Diagnose in Anführungsstrichen. Ja, okay.
Also verbreitet heißt, sie spricht mit ihrer Familie und ihren Freunden darüber. Und dem Internet, so habe ich es verstanden. Und dem Internet natürlich, genau. Also allen. Kurz nach ihrer Diagnose beschließt Belle aus Perth wegzuziehen. Sie will nach Melbourne, um näher bei ihrem Arzt zu sein. Als sie Ende des Jahres 2009 an Bord des Flugzeugs, das sie aus Perth wegbringen soll, geht, postet Belle ein Foto online, auf dem sie durch das Fenster über die Tragfläche des Flugzeugs in die Wolken blickt.
Für all die hübschen Leute, die mein nicht so hübsches Gesicht vermissen, schreibt sie. Was auch immer sie jetzt vorhat, eins ist sicher. Belle ist nicht, wie sie im Online-Forum angegeben hat, 20 Jahre alt. Und sie ist nicht krank. Sie ist 18 Jahre alt, schwanger und kurz davor, eine der größten Betrügerinnen Australiens zu werden.
Ich habe gerade komplett Gänsehaut bekommen. Okay, what? Was ist hier los? Das gilt es herauszufinden, das machen wir natürlich jetzt. Du hast gesagt, du hast Gänsehaut. Was macht das mit euch? Also, ja, dass sie jetzt schwanger ist, dass das der Mediziner nicht gefunden hat, na gut, okay. Naja, die Frage ist, was ist denn hier überhaupt echt bisher von dem, was wir gehört haben und was nicht?
Also, warum ist sie zwei Jahre jünger? Das finde ich irgendwie schon mal weird. Als du gerade angedeutet hast, okay, sie ist gar nicht so alt, dachte ich so, okay, was kommt jetzt, 45? Aber zwei Jahre jünger finde ich schon mal weird und doch kein Hirntumor, sondern Schwangerschaft. Und was sollte auch die Aussage von wegen, an all die schönen Menschen, die mein nicht so schönes Gesicht nicht mögen, also wen hatet sie da?
Und wer ist dieser Arzt? Ja, genau. Ich habe irgendwie das Gefühl, der Arzt ist, das ist jetzt wirklich nur Bauchgefühl, möglicherweise der Vater des Kindes, möglicherweise ein Freund, mit dem sie dieses Komplott spinnt. Das ist gerade so ein bisschen mein Bauchgefühl. Das ist ein guter Guess, finde ich.
Alles, was ihr gesagt habt, werden wir aufklären. Es sind wichtige Sachen gefallen, die können wir uns alle merken. Und diese Verwirrung, die ihr beschreibt und dieses Hä? Und wieso zwei Jahre? Also warum lügt man? Also wegen zwei Jahren? Das sind alles Dinge, die den Fall so besonders machen, will ich jetzt mal so sagen.
Sind wir gespannt. Ich habe noch eine Frage. Man sagt ja, das Internet vergisst nicht, was meiner Meinung nach Quatsch ist, weil es gibt viele Sachen, die das Internet vergessen hat. Hast du diese Foreneinträge oder Chats, gibt es die noch irgendwo? Hast du die gelesen? Sind die noch irgendwo öffentlich? Ich habe die teilweise gelesen, ja. Okay, spannend.
Und apropos, das Internet vergisst nicht, was wirklich ein richtig gutes Tool ist für alle Leute, die das vielleicht noch nicht kennen. Es gibt eine Website oder wahrscheinlich auch mehrere, die dir alte Versionen von Websites anzeigen kann. Und das ist wirklich, also man fühlt sich dabei wie der heftigste Ermittler der Welt, finde ich immer, wenn man das macht.
Aber da findet man dann doch noch die eine oder andere Information, die jemand vielleicht gelöscht hat. Ja, nutzen wir auch oft in der Recherche. Spannend. Wir steigen jetzt auch in die Untiefen des Internets ab, weil Belle hat sehr viel Zeit da verbracht. Im Juli 2010, Belle lebt mittlerweile in Melbourne, kommt ihr Sohn Oliver, genannt Olli, zur Welt.
Belle lebt hier zunächst mit Ollis Vater, Nathan, aber die Beziehung der beiden geht in die Brüche. Belle hält sich jetzt mit Teilzeitjobs über Wasser. In Familien-Internetforen schreibt sie über ihre schwierige Zeit, die sie als Alleinerziehende und kranke Mutter hat. Andere Mütter spenden ihr Trost, sie tauschen sich aus und Belle bekommt viel Anerkennung für alles, was sie meistert.
2012 erstellt sie sich einen Instagram-Account. Und der wird ihr Leben für immer verändern. Anfang 2012 ist Instagram etwas mehr als ein Jahr alt und immer noch nicht ein rentables Start-up. Aber es wächst und wächst. Und wir wissen ja alle, zu was es sich jetzt entwickelt hat. Und auch Belle macht sich jetzt also einen Account auf der Plattform, auf der man Fotos und Videos teilen kann.
Wir haben übrigens auch einen Instagram-Account, der heißt Was schmeckt dahinter? Und den könnt ihr bei der Gelegenheit, ja eine Hammerüberleitung, könnt ihr bei der Gelegenheit gerne abonnieren. Da findet ihr Begleitmaterial und Fotos. Aber zurück zu Belle. Sie macht sich jetzt diesen Instagram-Account und sie nennt sich Healing Belle, also Heilende Belle.
In ihrer Bio, also der Account-Beschreibung, schreibt sie Game Changer with Brain Cancer and Food Obsession. Und genau hier, auf Ihrem Account Healing Bell, beginnt jetzt eine sehr krasse Erfolgs- und Betrugsgeschichte. Von ihrem Handy lädt Belle jetzt regelmäßig hoch, was sie so isst. Es sind schön angerichtete Teller und stylische Fotos. Auf ihrem Account gibt es Rezepte für Bio-Gerichte und gesunde Säfte.
Fotos von perfekt aussehenden Lebensmitteln. Zitronentee, serviert in schönem Porzellan. Aufstriche aus Himbeeren und Passionsfrüchten. Eine ausgestreckte Hand, die eine frisch aufgeschnittene Kokosnuss über azurblauem Wasser an einem tropisch anmutenden Ort hält. Bales Account ist ein pastellfarbener Feed mit Bildern von Lebensmitteln, die die Gesundheit verbessern sollen.
Sie postet aber nicht nur Lebensmittel, sie zeigt auch schöne Aufnahmen ihres Sohns Olli beim Spielen. Oder sie postet Selfies von sich selbst. Und eins dieser Selfies habe ich euch mitgebracht. Na Patrick, beschreib mal, was siehst du? Okay, das ist jetzt Zass. Warum ist das Zass? Hm, man könnte auch meinen, sie wäre eine Mode, beziehungsweise besser gesagt Beauty-Influencerin, oder?
Ja, ich sehe hier auch eine enorm schöne junge Frau mit langem, hellbraunem Haar, einer perfekten Haut. Ich finde fast so, in der heutigen Zeit betrachtet, sieht es fast ein bisschen KI-generiert aus, oder? Ja, ein bisschen zu glatt. Ja, ein bisschen zu perfekt sieht sie aus. Ja, aber es stimmt. Wenn ich nur das Foto gesehen hätte, hätte ich jetzt nicht unbedingt gedacht, dass sie einen Healthy Food Instagram-Account hat, sondern eher Beauty, Fashion, Lifestyle ja, ja, Flo, was sagst du dazu?
Yeah, it's giving early Pamela Reif ja, stimmt, ja, ist ein bisschen, es ist schon ein bisschen sexuell angehaucht, so wie sie diesen Kussmund leicht eingedrehtes Gesicht Dekolleté ich wollte noch fragen zu dem Bild, was ihr eben von ihr gesehen habt. Wie ihr die Entwicklung so ein bisschen bewerten würdet. Ist halt schon krass, so wie Anne gesagt hat.
Jetzt so normschön und davor halt, du bist ja als, ja, ich will jetzt nicht sagen Grufti, oh mein Gott, aber bist ja schon eher so ein Outsider. Und das ist schon eine krasse Entwicklung. Ich hätte nicht gedacht, dass das die gleiche Person ist, ehrlich gesagt. Wenn du mir die Fotos einfach so random gezeigt hättest, hätte ich gesagt, ja, das sind hier zwei verschiedene Frauen. Also ich sehe da keine Ähnlichkeit.
Oder wenig. Nee, keine. Ich sehe keine. Jetzt, ob ich noch mal beide Bilder sehe. Ich möchte einloggen. Also es liegt nicht viel Zeit zwischen den Bildern. Wie viel Zeit genau nochmal? Das sind so zwei Jahre, zwei, drei Jahre ungefähr. Okay, krass. An einem gewissen Punkt hat sie ja dann öffentlich gemacht, dass sie ein Kind bekommen hat und geheilt wurde.
Weil offensichtlich ist sie ja nicht nach vier Monaten gestorben. Sie ist nicht nach vier Monaten gestorben, aber sie hat nicht gesagt, dass sie geheilt ist. Sie hat nur gesagt, sie hat ihr Leben irgendwie nicht bekommen. Dazu kommen wir über gleich. Das heißt, auch nach zwei, drei Jahren steht das sozusagen in der Bio und das ist das, womit sie startet und okay.
Und sie hat aber ja, dass sie an einem Hirntumor erkrankt ist und dass sie nur vier Monate zu leben hat, hat sie ja bis jetzt nur in diesem Skateboard-Forum so explizit geschrieben und danach hat sie erzählt, sie hat einen Hirntumor, aber sie hat jetzt explizit nicht so gesagt, wie lange sie noch zu leben hat, sondern das war eher die Geschichte.
Ich bin alleinerziehende Mutter, ich bin schwer krank, aber look at me. Also das ist der Instagram-Account oder die Follower-Schaft, die weiß, sie ist krank, sie ist junge Mutter. Genau. Okay. Stand jetzt. Ja. Belle gibt auf ihrem Instagram-Account Ratschläge zur natürlichen Behandlung von Krankheiten. Sie schreibt natürlich auch über ihre eigene Krebserkrankung.
Immer wieder sagt sie, dass sie eine kranke junge Mutter sei, die ihre Rettung in gesunder Ernährung und Alternativmedizin gefunden hat, weil konventionelle Medizin versagt hat. Kurze Anmerkung, die Alternativmedizin, von der Belle spricht, ist nicht wissenschaftlich belegt. Auf einem Selfie, das sie in einem Auto aufnimmt, trägt sie eine übergroße Sonnenbrille und einen Nasenring.
Sie hat rosa Lippen und perfekte Haut. Ich fühle mich, als würde ich sterben, schreibt sie unter den Beitrag. Aber egal, wie schlimm alles, was sie über ihre Erkrankung schreibt, klingt, Belle sieht immer gesund aus. Sie stellt ihre Krebserkrankung auf eine Art und Weise dar, wie es im Internet zuvor noch nie der Fall gewesen ist.
Belle gibt ihren Followern einen Einblick in das Leben mit einer unheilbaren Krankheit. Und ihre Community wächst und wächst. Innerhalb eines Jahres hat sie 200.000 Follower. Und auch das ist für die damalige Zeit voll krass. Und in einem Jahr, das ist heutzutage noch krass, so schnell eine Community aufzubauen, aber damals... Respekt. Ja. Und die waren nicht gekauft.
Wichtiger Zusatz. Belle merkt schnell, dass sie mit ihrem Content einen Nerv trifft. Im April 2013 gründet sie deshalb The Whole Pantry, was übersetzt so viel heißt wie die gesamte Speisekammer. Das Business The Whole Pantry ist ein Community- und Rezeptguide, mit dem sie im August 2013 online geht. Die dazugehörige App lässt sie von aufstrebenden und engagierten Programmierern entwickeln, denen sie wenig Geld bezahlt, aber die an die Idee glauben und die vor allem Mitleid mit Belle haben.
In der App gibt es glutenfreie Rezepte, vegane Gerichte, ein Feature, um Einkaufslisten zu schreiben und Gesundheits- und Lifestyle-Guides. Die App kostet 3,79 Dollar und ist innerhalb eines Monats die Nummer 1 im App Store. Ende des Jahres 2013 wird The Whole Pantry von Apple zur besten Food- und Drink-App ernannt und ist weltweit die zweitbeste App.
Wow! Unter allen Apps. Von welchem Jahr sprechen wir gerade? 2013, ne? War da vegan und glutenfrei schon so ein Ding? Ich bin mir nicht sicher, wie es in Australien war zu dem Zeitpunkt, aber es war noch nicht so ein Hype wie, oder es war noch nicht so in der Gesellschaft angekommen, wie es jetzt ist.
Respekt. Die ist die zweitbeste App weltweit unter allen Apps? Ja, im Jahr 2013. Wow. Krass, ne? Ich habe noch nie was davon gehört, ne? Hat sie eigentlich die App auch genau so promotet, so hey, ich bin eine sehr kranke Frau, aber das alles hat mir geholfen? Also ist das auch Teil der Marketingstrategie?
Okay. Auf jeden Fall. Die The Whole Pantry Community hat das Gefühl, Teil einer Revolution zu sein. Viele unter ihnen sind selbst an Krebs erkrankt und schauen zur scheinbar todkranken jungen Mutter Belle Gibson auf, die ja mithilfe gesunder Ernährung ihre Krankheit scheinbar im Griff hat. Und Belle? Die verdient Hunderttausende Dollars.
An der App an sich ist ja auch erstmal nichts auszusetzen. Infos zu Ernährung, leckere und gesunde Rezepte, das Einkaufslisten-Feature, sowas gab es bis dato gar nicht. Das darf man nicht vergessen, aber die Leute kaufen natürlich nicht nur die App, sondern auch irgendwie Bells Story. Also das ist schon der Verkaufsmotor, würde ich sagen.
Ja, was sagt ihr zu dem Erfolg? Ich habe da ja eine Meinung zu, zum Thema schwere Krankheiten mit alternativer Medizin bekämpfen. Nämlich, ich glaube, da null Prozent dran. Und wenn dir irgendwas hilft, egal was, super. Aber wir sind ja hier auch in einem True Crime Podcast und wir wissen ja, dass das alles ein bisschen shady ist. Sie hat ja auch schon gelogen, deswegen weiß ich eigentlich an der Stelle schon, dass das nicht funktioniert hat, weil sie wahrscheinlich nicht krank war.
Aber ja, ich finde es krass, dass da so viele Leute anscheinend dran glauben oder auch glauben wollen. Da ist der Grad, glaube ich, auch manchmal sehr schmal. Aber ich finde es eher verletzend für die Leute, die wirklich Krebs haben, die sich dann gesund ernähren und merken, scheiße, bringt ja gar nichts.
Die daran geglaubt haben und die letzte Hoffnung in diese App gesteckt haben vielleicht auch, denen das natürlich nicht hilft, weil es hilft nicht, einen Apfel zu essen, damit du deinen Gehirntumor los wirst und das finde ich dann schon echt krass. Wie sehr hat sie das nach vorne gestellt, also dass man mit einer gesunden Ernährung Krebs heilen kann?
Weil ich sehe das auch wie Anne. Ich würde noch einmal die Unterscheidung machen zwischen, das ist meine Geschichte und hier ist einfach jetzt eine App mit Rezepten und irgendwie ein paar Ernährungstipps und das ist meine Geschichte und das hat mich geheilt. Wisst ihr, was ich meine? Es ist schon so, dass diese Story von Bell sehr, sehr, sehr krass zu der Marke, zu The Whole Pantry gehört hat.
Also das ist ja auch heutzutage noch marketingtechnisch sehr schlau, wenn eine Person ihre Geschichte oder ihren Drive oder ihre Motivation so krass mit einer Marke verbindet, weil die Leute glauben das viel mehr, als wenn das einfach wieder nur irgendein neues Produkt auf dem Markt ist. Und das war Bells Story. Also sie hat gesagt bei Instagram und dadurch ist ihre Community ja gewachsen, immer wieder wiederholt, dass sie schwer krank ist, aber dass sie ihre Krankheit im Griff hat, weil sie auf gesunde Ernährung setzt.
Und das sind die und die Gerichte, die sie isst. Und wenn ihr euch die App holt, dann könnt ihr die auch essen und schaut mich an. Mir geht's. Ich bin zwar todkrank, aber ich komme irgendwie klar. Ja, dann bin ich zu 100 Prozent bei Anne. Bin ich auch sehr gespannt, ob wir noch einen kleinen psychologischen Diebdive bei ihr machen, wie sie sowas mit sich vereinbaren kann.
Es wird noch schlimmer, das kann ich schon mal sagen. Aber wie sie das mit sich vereinbaren kann, das fragt man sich eigentlich durch die Bank weg, ja. Kann ich eine Zwischenfrage stellen? Ich weiß nicht, ob du darauf später noch mal zurückkommst. Aber hat sie noch Kontakt mit ihrer Familie? Und wissen die das? Glauben die, dass sie schwer krank ist?
Sie hat den Kontakt nicht ganz abgebrochen. Aber die haben jetzt kein super enges Verhältnis miteinander. Und die ... Sind auch im Glauben, dass sie krank ist. Okay, weil durch den Erfolg der App hat sie ja bestimmt auch eine große Medienpräsenz. Das heißt, ihre Familie wird ja auch sehen, hey, sie ist super erfolgreich mit dem, was sie tut.
Oh Gott, aber sie könnte jede Sekunde sterben, so ungefähr. Das heißt, die haben das auch geglaubt. Ja, das ist auch das, was sie denken und glauben. Auch ihre ganzen alten Schulfreunde denken und glauben das. Aber die ist ja nun auch jetzt in Melbourne und lebt so ein bisschen dieses High-Society-Life, was in dem Ort, wo sie herkommt, wirklich gar keine Rolle spielt.
Die haben andere Probleme. Aber das ist auch das, was sie denen erzählt hat. Okay, wow. Ich finde es auch ein bisschen schade, um ehrlich zu sein. Also na klar, einerseits diejenigen, die betroffen sind, aber auch dann, weil es gibt ja nicht nur sie, die, sag ich mal, Influencerin dann wird. Ich weiß nicht, ob es den Begriff damals schon so gegeben hat, aber auf jeden Fall, du hast wirklich diese Krankheit und willst anderen dabei helfen, damit klarzukommen.
Damit greifst du oder damit untergräbst du ja auch deren Kredibilität. Weil sie spielt halt krass mit den Ängsten der Leute und holt sie an irgendeinem Punkt ab wo sie, wie du gesagt hast, so verzweifelt sind dass sie irgendwie denken, so okay, was kann ich noch tun, was könnte mich vielleicht retten oder was könnte mir helfen und weil Belle ihnen ja vorlebt hey, so lebe ich, du kannst das auch machen holen sich da viele abgeholt oder sehen irgendwie was darin oder haben Hoffnung auf jeden Fall, das finde ich auch so ekelhaft, Und das ist auch das Problem. Also die App an sich ist ja nichts Schlechtes in dem Sinne, aber nur wenn eine Person dahinter steht, die nicht lügt und ehrliche Absichten hat.
Und vor allem, wenn es einen wissenschaftlichen Hintergrund zu allen Gesundheits- und Lifestyle-Tipps gibt. Und den gibt es nicht. Weil sie ist ja überhaupt nicht qualifiziert. Und übrigens, also ich habe auch gelesen, dass sie die Rezepte auch einfach geklaut hat. Also die hat sie ja nicht selber entwickelt, weil sie ist ja auch keine Köchin oder Ernährungsberaterin.
Also sie hat zum Beispiel bei Martha Stewart einfach Rezepte geklaut. Und überall, wo sie sonst noch irgendwas gesehen hat, was sie dachte, passt, hat sie auch einfach übernommen. Wenigstens ein bisschen abgewandelt oder einfach hart übernommen? Teilweise nicht. Teilweise eins zu eins einfach übernommen.
Aber das ist ein Riesenthema, ne? Rezepte klauen? Ja. Das stimmt, das ist eine andere Folge vielleicht. Mittlerweile ist Belle in einer neuen Beziehung mit einem Mann namens Clive Rothwell. Und sie ist eine gefragte Persönlichkeit. Heute ein Meeting bei Apple in Kalifornien, morgen bei einem Retreat auf Bali zusammen mit anderen inspirierenden Frauen.
Übermorgen ist sie wieder in Melbourne und trifft sich mit einflussreichen Menschen. Zusammen mit Clive und ihrem Sohn Olli zieht sie jetzt in ein luxuriöses Haus nur 200 Meter entfernt vom Wasser, für das sie mehr als 1.000 Dollar Miete die Woche zahlt. Sie kauft sich einen großen BMW und trägt teure Kleidung.
Eines Tages postet sie bei Instagram, dass sie den ganzen Tag bei Ärzten war, wegen ihrer Krebsdiagnose. Eigentlich war sie aber beim Zahnarzt und hat sich Veneers auf ihre Zähne kleben lassen. Vielleicht hilft das ja auch. Noch mal ganz kurz, was sind Veneers? Sind das diese Glanzdinger? Das Jürgen Klopp lächeln. Ja.
Ah, okay. So Felschzähne kann man jetzt einfach mal so... Glänzt so gesehen auch irgendwie. Glänzt auch. Clive Rothwell ist einfach mal ein Hammername für einen Kriminellen. Was ist ein Powername? Ja, Belle Gibson und Clive Rothwell. Der nächste logische Schritt für Belle ist jetzt, ein eigenes Kochbuch rausbringen.
Im September 2013 kontaktiert sie deshalb niemand Geringeren als den Penguin Verlag. Der gehört zur Penguin Random House Verlagsgruppe und ist einer der größten und erfolgreichsten Verlage der Welt. Hier arbeiten Profis, die ihr mit dem Kochbuch weiterhelfen sollen. Und ihr könnt es euch vielleicht denken, sie stößt hier auf offene Ohren.
Aber bevor es dazu kommt, erhält Bell im Juli 2014 eine schreckliche Nachricht. Was für eine Nachricht könnt ihr sie erhalten? Ich will jetzt gar nicht irgendwas sagen und dann, dass es wirklich war. Hau raus. Jetzt kriegt sie wirklich eine Krebsdiagnose. Nee, das glaube ich nicht. Das war auch mein erster Impuls. Genau, es war auch mein erster Impuls. Und dann dachte ich so, nee, weil die hätte sie sich ja selber ausgedacht wahrscheinlich.
Wahrscheinlich ist sie an irgendeiner Stelle aufgeflogen, oder? Das wäre doch für sie auch eine schlimme Nachricht. Oh Gott, denn jetzt hat ihre Familie irgendwas, ne? Und ich bin so herzlos und sage, nee, das hätte sie sich ausgedacht. Habe ich auch kurz gedacht. Denkt euch mal rein in, auch wenn es schwer fällt, in die Psyche dieser lügenden Frau. Was sie jetzt schlimm bewerten würde, meinst du?
Naja, dass sie an irgendeiner Stelle auffliegt, oder? Dass jemand Fragen stellt oder jemand irgendwas bemerkt hätte, worin sie gelogen hat. Der Arzt hat geplaudert. Der Arzt. Naja, ich kann mir schon vorstellen, dass das was mit dem Verlag jetzt zu tun hat. dass der Verlag, ganz ehrlich, ich kann mir nicht vorstellen, dass die von ihr verlangen, Beweise zu bringen, dass sie einen Hirntumor hat.
Ich glaube, dass in solchen Deals einfach weniger überprüft wird und nachgefragt wird, als man landläufig denkt. Ich glaube, das ist, wenn eine Person erfolgreich ist, dann nimmt man das so hin und sagt, ja klar, das ist eine Geschichte. Aber vielleicht, das ist ein Riesenverlag, vielleicht gibt es in dem Verlag jemand, der oder die da was rausgefunden hat und das nach oben trägt.
Die Weste des Verlags ist auf jeden Fall nicht weiß. Das kann ich schon mal verraten. Das ist in der Pinguine, ist ja hinten schwarz. Richtig. Das war witzig. Im Sommer postet Belle auf Instagram, und ich zitiere sie wortwörtlich, Mit Frustration und Schmerz in meinem Herzen. Meine wunderbare, bahnbrechende Community.
Es tut mir weh, heute Abend Raum zu finden, um euch allen mit Liebe und Stärke mitzuteilen, dass bei mir eine dritte und vierte Krebserkrankung diagnostiziert wurde. Ich habe Krebs in meinem Blut, der Milz, dem Gehirn, der Gebärmutter und der Leber. Ich leide. Der Post ist sehr lang, ich habe ihn jetzt abgekürzt, aber das Ende wollte ich noch sagen, oder das Ende wollte ich euch nicht vorenthalten.
Sie schreibt, Please don't carry my pain. Love, Belle. Was geht eigentlich? Also, das ist aber... Also nach allem, was wir bisher gehört haben, sass. Also die Krebsbonuskarte jetzt voll. Ja. Überall das Hickchen gesetzt. Also, wir wissen ja, dass das nicht stimmt an der Stelle. Deswegen ist es uns, glaube ich, erlaubt, jetzt auch so zu reagieren.
Wissen wir das. Hätte die Frau das wirklich? Okay. Wir gehen jetzt davon aus, dass sie es nicht hat. Ja, vielleicht auch eine falsche Fährte locken hier. Oh Gott, und dann kommen wir einfach wie die herzlosesten Menschen einfach rüber. Du bist schon auf dem richtigen Weg. Aber selbst wenn sie das jetzt alles hätte, dann würde unsere Reaktion ein bisschen anders ausfallen.
Aber selbst dann, was kann ein Mensch denn alles haben? Also das klingt schon ein bisschen shady, ein bisschen weird. Vor allem Blutkrebs ist, also wirklich, ich bin kein Arzt, habe keine Ahnung, aber so von dem, was ich weiß, ist Blutkrebs, glaube ich, ja wirklich sehr, sehr, sehr tödlich. Also wenn sie jetzt wirklich Blutkrebs haben sollte, dann kann sie diese, wie lange will sie diese Geschichte dann aufrechterhalten, bis Leute dann wirklich mal sagen, hey, das kann jetzt wirklich nicht mehr stimmen.
Ja, die Frage stellt, also habe ich mir natürlich auch gestellt, aber ich habe mir dann gedacht, es kommen ja auch immer wieder neue Leute dazu und wenn die jetzt auf ihrer Seite landen und einfach vielleicht sich nicht hundertprozentig mit ihrer Geschichte auseinandersetzen, sondern nur sehen, okay, sie hat Krebs, sie kämpft dagegen an und sie hat diese App und sie ernährt sich gesund und mit ihren Rezepten geht es mir vielleicht auch besser, dann wirkt das auf die vielleicht gar nicht so gut.
Unrealistisch, weil die ja gar nicht wissen, dass sie schon seit 2008 oder 2009 erzählt, dass sie einen Hirntumor im Endstadium hat. Man darf auch nicht den Leuten unterstellen, dass sie alles über diese Frau wissen, was sie bis jetzt im Internet verbreitet hat. Das ist auch ein gutes Stichwort, was sie alles mit der Welt teilt, oder? Das sind ja so persönliche Sachen auch.
Ich meine, so krasse Krankheiten, tödliche Krankheiten, dass sie das alles so rausballert. Auch in dieser Theatralik des Posts, den du gerade vorgelesen hast. Also kennt die Frau keine Privatsphäre? Anscheinend wenig. Anscheinend lässt es sich ganz gut vermarkten, um das jetzt mal so dramatisch zu formulieren. Das ist ihr Business.
Ein gewisser Dr. Phil habe ihr diese Diagnose gestellt. Mithilfe der gleichen Untersuchungsmethode wie damals der Arzt Mark Johns. Ihr könnt euch ja denken, dass das eine Lüge ist. Aber in Bales Community überhäufen sich Beileidsbekundungen und eine Welle der Sympathie und Liebe überrollt sie. Die Menschen sind schockiert, betrübt, Fans fangen an zu weinen und zehntausende Menschen wünschen ihr alles Glück der Welt.
Sogar viele von Bales Freunden erfahren über Social Media von den furchtbaren Neuigkeiten. Und da habe ich mich irgendwie so gefragt, wie würdet ihr reagieren, wenn ihr über Social Media erfahren würdet, dass eure Freundin krank ist oder noch kränker als sie vorher war? Schreiben, anrufen, also wenn du so gut mit der Person befreundet bist.
Aber ich war schon auch ein bisschen verletzt. Dass ich das nicht von der Person selbst gehört habe. Boah, weiß ich gar nicht. Das ist so intim. Ja, eben, aber sie hat es ja mit der Welt geteilt. Ach so, meinst du? Ja, okay, gut. Ja, aber bei einer Person, die eh schon immer alles teilt, hätte ich jetzt nicht erwartet, dass sie dann zuerst zu mir kommt. Nicht?
Ich als Freundin hätte das auf jeden Fall erwartet. Ich habe mir gedacht, ich wäre so, was, hä? Wieso redest du nicht mit mir? Also Lilli, jetzt mal so zwischen uns. Ich meine, ich kenne ja all deine Krankengeschichten. Wow, ja? Nein, aber wenn du jetzt so eine Person wärst, die wirklich immer alles online teilen würde, dann würde ich für dich nicht erwarten, dass du dann zuerst zu mir kommst.
Es passt ja in das Bild, dass sie immer alles erst nach außen trägt, dass sie sozusagen ihr komplettes Leben in der Öffentlichkeit lebt. Und dann würde ich nicht erwarten, dass du jetzt in dem Fall erst zu mir kommst und mir das erzählst, sondern dann wäre es völlig normal, dass das die Informationsquelle Nummer eins ist.
So kommst du natürlich immer zuerst zu mir und erzählst mir natürlich immer alles. Allererste Person, Florian, ja. Aber das wäre für mich dann keine Grundlage einer Freundschaft. Also wenn sie meine Freundin wäre und sie würde alle ihre Probleme erst mal mit der Welt teilen, dann wäre das für mich keine Basis der Freundschaft.
Wenn ich als Freundin, die mir den Scheiß ja dann auch, oh Gott, sorry, nein, die sich die Probleme auch anhören muss, ich wollte ihre Krankheiten nicht als Scheiß betiteln, aber ihr wisst, was ich meine, so grundsätzlich, dann wäre ich einfach enttäuscht. Und das wäre für mich keine Art der Freundschaft.
Ja, also ich sehe es ehrlich gesagt so wie Flo. Wenn ich schon eine Freundschaft eingehe mit so einer Person, dann erwarte ich das auch nicht unbedingt. Aber die Freundschaften waren ja schon da, aus der Schulzeit zum Beispiel. Aber was sind das noch für Freundschaften an diesem Punkt? Also wenn sie schon so lange weg ist, sowohl physisch weg ist, als auch, wie wir jetzt gelernt haben, auch emotional weg ist.
Sie lebt ja mittlerweile ein anderes Leben. Sie lebt mit Clive Rothwell am Strand von Melbourne, weiß ich nicht. Aber sozusagen, sie lebt ja auch schon ein anderes Leben. Und die Freunde, die sie jetzt vielleicht zu diesem Zeitpunkt hat, ich würde mal wirklich zur Debatte stellen, inwieweit man diese Leute als Freunde bezeichnen kann.
Wenn sie in so einer Welt jetzt unterwegs ist, mit dem Hochstapler leben, mit dem sie lebt, was sind das dann wirklich für Freunde? Zieht natürlich viele Insekten an, meinst du? Ja. Licht zieht viele Insekten an. Ja, wir schauen mal, wie gute Freundinnen und Freunde Belle so hat. Aber ich bin auch ein bisschen nervt, also ich sehe es wie du, Anne, ich fände das auch mega weird und auf eine Art auch verletzend, wenn ich das über Social Media erfahren würde und irgendwie auch traurig.
Aber ich verstehe auch die Sichtweise so, dass das halt die Belle ist, so lebt sie, so kennt man sie dann wahrscheinlich auch und dass das dann nicht überraschend ist, aber trotzdem kann das ja was mit allem machen. Während sie also diese krasse Diagnose bekommt, ist sie natürlich weiterhin in Gesprächen mit dem Penguin Verlag, denn sie will ja ihr Kochbuch rausbringen.
Und tatsächlich, es kommt zu einem Deal. Sie einigen sich darauf, dass Bell zwischen 80 und 90 Rezepte liefert. Das 250-seitige Gesundheits- und Rezeptbuch soll einen Schwerpunkt auf den Verzicht von hochallergenen Lebensmitteln, Gluten und Zucker legen. Es soll zusätzlich informative Texte über Bell und Gesundheits- und Lifestyle-Tipps enthalten.
Der Deal lohnt sich für Bell. In drei Raten ausgezahlt soll sie insgesamt 132.500 Dollar für ihr Kochbuch erhalten. Das ist weniger, als ich gedacht habe, ehrlich gesagt. Ja. Wie viel hast du gedacht? Bei ihrer Größe, irgendwie größte App im Apple-Stand und so weiter, sind wir eher im Millionenbereich. Also ich kenne das von Buch-Deals.
Das klingt so, als hätte ich schon mal einen Buch-Deal gehabt. Aber ich kenne das von Buch-Deals so, dass man einen Vorschuss bekommt, dann in der Mitte ausgezahlt wird und am Ende. Und dann bis zu einem gewissen Verkauf nicht am Umsatz beteiligt wird, aber dann an irgendeinem Punkt schon. Vielleicht war das bei ihr auch sowas. Ja, genau.
Und man muss ja auch in Relevanz stellen, dass die App nur vier Euro, ja, aber auch so generell habe ich schon in meinem alten Leben sozusagen mit Influencern gearbeitet, die Buchprojekte hatten. Deswegen weiß ich, dass das auch so sein kann. Aber ihre App zum Beispiel kostet ja auch nur vier Euro im Monat.
Das ist ja noch mal was anderes als wahrscheinlich so ein 30, 40 Dollar Kochbuch. Also wahrscheinlich wird das dann nicht so in der Menge gekauft, verkauft wie ihre App zum Beispiel. Aber nur eine Idee. Ich muss aber auch mal daneben so sagen, ich finde es generell, um ehrlich zu sein, irgendwo doch ein bisschen visionär.
Klar, sie hat sich so Rezepte und so einfach aus dem Internet wahrscheinlich zusammengeklaut, aber ein Abo, Abos gab es ja dann auch irgendwann erst. Es wurde ja irgendwann auch wirklich zu einem krassen Modell, aber das gab es, würde ich mal behaupten, zu der Zeit vielleicht noch gar nicht so in der Breite.
Und dann, was wir ja vorhin schon gesagt hatten, so Thema vegan und glutenfrei. Man sieht es ja auch, irgendwas, sie hat da auf jeden Fall einen Kern getroffen. Voll. Na und zu der Zeit war es ja auch eher sogar noch ein bisschen verpönt, dass Influencer Produkte auf den Markt bringen. Dass da Werbekoops kommen, das war ja vorher alles immer for free und plötzlich muss man Produkte kaufen, Apps kaufen.
Das fing ja auch erst langsam an, also eine Pionierin ist sie da total, finde ich auf jeden Fall. Definitiv. Was ich vorhin auch sagen wollte, ich glaube, warum so viele gar nicht das hinterfragen bei ihr ist, wir haben so viele Influencer-Skandale habe ich das Gefühl in den letzten Jahren, dass wir da voll sensibilisiert sind für, damals aber eben nicht.
Sie war eine junge Frau die ihre Geschichte geteilt hat. Und sowas gab es einfach vorher nicht und wie will man wissen dass da vielleicht, also man kann es natürlich wissen aber ich finde gut, dass ihr das immer wieder, kontextualisiert, weil das glaube ich wichtig ist für die Geschichte. Das Buch The Whole Pantry Cookbook erscheint am 23. Oktober 2014 und kostet 35 Dollar.
Und es ist wunderschön. Es ist schwer und voller gesunder und machbarer Rezepte, begleitet von tollen Fotografien, die die Textur, Farbe und Tiefe der Lebensmittel zeigen. Es enthält Quinoa-Tortillas, Buchweizen-Hagebutten-Birchermüsli, Zucchini-Schokoladen-Muffins, Linsen-Shepards-Pie, fermentiertes Gemüse und würzigen Kürbiskern-Krokant.
Wow, das klingt sehr lecker. Es beinhaltet außerdem eine Tabelle mit natürlichen Heilmitteln und Anleitungen zur Herstellung eigener heilender Mittel. Natürlich hat Bell keinerlei Expertise in diesen Bereichen, aber das spielt keine Rolle. Ihre Legitimation wird in den ersten Worten des allerersten Satzes auf der Rückseite aufgeführt. Social Media Sensation.
Das Buch liefert auch weitere Einzelheiten über ihre Diagnose. Sie beschreibt erste Symptome wie Lese- und Sehschwierigkeiten und Bedenken, die die Ärzte ihrer Meinung nach abtaten. Sie berichtet auch von einem Schlaganfall, den sie nach der Arbeit erlitt und von dem Moment, als sie die Nachricht erhielt, Krebs zu haben.
Sie schreibt, Ich werde nie vergessen, wie ich drei Wochen nach der Untersuchung allein in der Arztpraxis saß und auf meine Testergebnisse wartete. Er rief mich herein und sagte, sie haben bösartigen Krebs, Bell. Sie werden sterben. Sie schreibt, dass sie zwei Monate, nachdem sie eine Chemotherapie mit Tabletten angefangen hat, wieder damit aufhört, weil die ihr nicht gut tut.
Und deshalb fasst sie den Entschluss, einen anderen Heilungsweg anzutreten. Bell schreibt, ich ermächtigte mich selbst, mein eigenes Leben zu retten, durch Ernährung, Geduld, Entschlossenheit und Liebe. Sorry Flo, wolltest du was sagen? Ich wollte dich nicht absurden. Ich wollte nur stöhnen. Menschen, die Belle zur damaligen Zeit treffen, beschreiben sie als angenehm, freundlich, höflich und großzügig.
Sie unterstützt lokale KünstlerInnen und unabhängige Handwerksläden. Auf Social Media schreibt sie, dass sie von ihren Einnahmen aus der App gemeinnützige Organisationen unterstützen will. Eines Tages gibt sie bekannt, dass sie bereits hunderttausende Dollar an diverse Organisationen gespendet hat, die zum Beispiel in der Krebsforschung arbeiten oder Schulen in Afrika bauen.
Die Menschen lieben Belle. Deshalb hinterfragt auch keiner, dass sie ständig reist, in den Urlaub fährt oder sich einen Personal Trainer nimmt, um in Form zu kommen. Und aus dieser Zeit habe ich euch auch ein Foto mitgebracht. Also die Frau, die wir jetzt hier sehen, hat Krebs in jeder Zelle ihres Körpers und auch schon einen Schlaganfall hinter sich. Ja, okay.
Ich finde gut, dass du das noch einmal so auf den Punkt bringst. Naja, also wenn man die junge, strahlend schöne, glückliche Frau hier sitzen sieht auf bunten Gartenmöbeln, ist das jetzt nicht das Erste, was ich denken würde. Und natürlich sieht man Menschenkrankheiten auch nicht an, das ist mir natürlich bewusst.
Aber nach dem, was wir alles hier schon gehört haben, fällt es mir sehr schwer nachzuvollziehen, was sie behauptet, alles zu haben. Ist das Ihre Gartenkollektion? Von der Gartenkollektion weiß ich leider nichts. Ich glaube, nein, Flo. Aber vielleicht wäre das das nächste große Ding gewesen, wer weiß.
Ich finde, dieser Pamela Reif-Vergleich, den du vorhin angestellt hast, der wirkt auch immer realistischer. Weil sie sitzt da ja in diesem Sportdress. Ich finde, jetzt sieht sie aber der Person, die wir ganz am Anfang gesehen haben, der Emo-Person wieder so ein bisschen ähnlicher, so vom Gesicht. Ja, finde ich auch, ja.
Interessant. Also ich stelle mir auch gerade vor, dass ihre Community dieses Bild sieht und einige Personen da selber vielleicht mit Krebserkrankungen zu kämpfen haben. Und ich vermute ganz stark nicht so aussehen wie sie hier auf dem Bild und die sich wahrscheinlich denken so, boah, warum sieht sie so aus?
Wie hat sie das geschafft? Mir selbst fallen die Haare aus durch die Chemotherapie. Also das ist ja eigentlich wie ein Schlag in die Fresse, oder? Aber die liebt sich. Ja, sie liebt sich. Das ist es. Das ist die Lösung aller Probleme. Liebe. Ich kann mir auch vorstellen, dass das so einen krassen Druck auslösen muss bei Leuten, die vielleicht selber betroffen sind und die halt offensichtlich nicht so leben und so toll aussehen und blendend und Sport machen können und so.
Und da habe ich mir, also was macht das bitte mit einem? Was so krass ist, ist, wie lange will sie das aufrechterhalten? Oder sie kommt jetzt mit einer Wunderheilung um die Ecke, auch das halte ich nicht für ausgeschlossen, weil sie arbeitet ja die ganze Zeit an sich, dass jetzt auf einmal alles weg ist und sie krebsfrei ist.
Aber dann braucht sie eine neue Geschichte. Dann ist sie kurz krebsfrei, dann finde ich, braucht sie wieder was Neues, oder? Weil jemand, der so lange so heftig lügt, der hört damit wahrscheinlich nicht irgendwann auf. Guter Punkt. Ja, es ist ein sehr guter Punkt. Und ich finde aber, man merkt auch schon, wie wenig Vertrauen ihr in sie mittlerweile habt.
Gar keins. Alles eigentlich zutraut. Gar keins mehr. Zu Recht auch. Ja, es wird noch wilder. Also wir haben 2014 und Belle hat gerade ihr Kochbuch rausgebracht. Das Jahr 2014 hält aber noch weitere Dinge für Belle bereit. Manche von ihnen sind sehr, sehr gut. Und manche von ihnen werden ihr sehr, sehr gefährlich.
Das ist immer ein kompletter Wild Guess, aber ich frage trotzdem, habt ihr eine Ahnung, was ihr gefährlich werden könnte? Jemand ist so abgefuckt von dem, was sie macht, dass er oder sie einen Killer auf sie ansetzt. Oh wow, das ist aber schon, das ist hier die Milliarde. Ich kann mir auch vorstellen, wir schreiten in der Zeit voran, dass sich vielleicht irgendwelche Ärzte medial äußern und sagen, nein, so sieht niemand aus, der sämtliche Krebserkrankungen hat.
Also, dass einfach Expertinnen und Experten sich jetzt vermehrt zu Wort melden. Ich meine, wenn sie eine große Sensation ist, vor allem in Australien, dann gibt es ja wahrscheinlich auch so Klatsch-TV-Beiträge über sie. Ja, auf jeden Fall. Dass es da eben jetzt vermehrt Leute geben wird, die sagen, Leute, das kann nicht sein.
Sowas stelle ich mir vor also wir haben einmal den Auftragskiller dann haben wir Ärztinnen und Ärzte die sich einschalten, Flo was glaubst du? Ich gehe auf das verletzte Männer-Ego und Clive Rothwell du hast das nur gesagt um den Namen nochmal zu sagen, möglicherweise gibt es da Spannungen in der Beziehung und der Liebhaber packt aus ich liebe eure Fantasie.
Ich kläre gleich auf was passiert, Aber erstmal geht es noch um Bells Erfolg. Ich habe ja eben gesagt, dass sie ihre Erfolgsgeschichte noch weiterschreibt im Jahr 2014. Ihr wird von der Zeitschrift Cosmopolitan der Fun Fearless Female Social Media Award verdienen. Und dann meldet sich die Firma Apple bei ihr und will mit ihr zusammenarbeiten.
Apple sitzt gerade an einem vorher nie dagewesenen Produkt, einer sogenannten Apple Watch, eine smarte Armbanduhr. Mittlerweile kennen wir die, damals ist es ein streng geheimes Projekt. Und dafür will Apple mit Bell zusammenarbeiten. Bells App ist ja eine der erfolgreichsten Apps im Vorjahr gewesen und Apple will jetzt, dass Bells App bei der bald erscheinenden Apple Watch voreingestellt ist.
Also, dass jede Person, die sich eine Apple Watch kauft, Bells App besitzt. Das ist natürlich ein Megadeal. Bell fliegt deshalb mehrere Male, natürlich Business Class, nach Kalifornien und trifft sich dort mit wichtigen Apple-Menschen. Fünf Jahre, nachdem sie im Skateboardforum zum ersten Mal von ihrer Krebserkrankung berichtet hat, blickt die junge Frau jetzt auf eine ziemlich krasse und erfolgreiche Zeit zurück.
Sie hat eine App entwickelt, sie hat ein Kochbuch rausgebracht, sie ist kurz vor einem Mega-Deal mit Apple und sie hat alle angelogen. Sie verfasst einen Post für Instagram, aus dem ich zitiere. Gerade als ich dachte, dieser Monat könnte nicht noch größer werden, wachte ich auf meinem Rückweg nach Australien auf und feierte mit dem Sonnenaufgang über den Pazifik.
Vor fünf Jahren saß ich allein vor einem Mann, der mir sagte, dass ich an einem bösartigen Hirntumor sterben würde und nur noch sechs Wochen zu leben hätte. Kurz darauf begann ich eine kurze Beziehung zur konventionellen Behandlung, die mich schneller als Vorsterber zurückwarf und mich auf den lebensverändernden Weg führte, auf dem ich heute bin.
Ich fühle mich so gesegnet, eine Gelegenheit gesehen zu haben, die Kontrolle über meine Gesundheit zu übernehmen, heute hier zu sein, einen wunderschönen Sohn zu haben, von dem man mir sagte, er würde nie existieren und jeden Tag mit jedem von euch die Welt zu verändern. Belle ist eine Zeit lang unangreifbar. Und so tippt sie weiter emotionale Texte in ihr Handy, postet schöne Bilder von Rezepten und schreibt Nachrichten über ihren Krebs, über alternative Medizin und Ernährung.
Sie ist ein Star am australischen Ernährungs- und Social-Media-Himmel. Doch dann ziehen dunkle Wolken am Himmel auf. Ich habe ja eben erwähnt, dass viele ihrer Freunde über Social Media mitbekommen, dass sie eine weitere Krebsdiagnose erhalten hat. Und wir haben eben darüber diskutiert, aber für manche von ihnen fühlt sich das damals sehr komisch an.
Und sie haben auch schon ein bisschen länger ein komisches Bauchgefühl, allen voran eine Freundin namens Chanel. Sie kennt Belle erst seit einem Jahr, aber die beiden Frauen haben sich schnell angefreundet. Nur irgendwie ist Chanel's neue Freundin Belle sonderbar. Denn Chanel hat noch nie eine einzige Narbe an Bells Körper gesehen, dabei hatte sie ja mehrere Herz-OPs.
Außerdem passt ihr Lifestyle nicht so richtig dazu, dass sie sterbenskrank ist. Sie isst super viel unterwegs, macht Urlaub, geht feiern. Und im Gegensatz zu dem, was sie nach außen hin vorgibt zu essen, schaufelt sie sich, wenn die beiden Freundinnen zusammen sind, fast tut rein und trinkt Alkohol. Es gibt keine Arztrechnungen, Röntgen- oder Ultraschallbilder, geschweige denn Arztbriefe. Nichts.
Auf Nachfrage sagt Belle ihr, dass sie die Dokumente alle vernichtet hat, weil sie die Negativität, die sie umgeben, nicht erträgt. Als Chanel sie fragt, ob sie sicher sei, dass sie krank sei, weil es ihr doch augenscheinlich so gut geht, erwidert Belle eines Tages, dass sie so langsam selber Zweifel an der Diagnose von Dr. Phil hat.
Aber sie könne ihn nicht mehr finden. Wieso sie sich nicht eine Zweitmeinung einholt, will Chanel wissen. Dafür habe sie keine Zeit, antwortet Belle. Auf der Geburtstagsfeier ihres Sohnes Olli im Sommer 2014 hat Belle dann plötzlich einen Krampfanfall und fällt zu Boden. Chanel will den Krankenwagen anrufen, aber in dem Moment, in dem sie das ausspricht, kommt Belle wieder zu Bewusstsein und sagt, dass sie das nicht will.
Chanel weiß, dass hier irgendwas gewaltig schief läuft und konfrontiert Belle zusammen mit einem weiteren Freund mit ihrer Vermutung, dass Belle sie und die ganze Welt seit Jahren anlügt. Doch Belle streitet natürlich alles ab. Aber Chanel kann das alles nicht mehr. Sie sieht keinen anderen Ausweg und wendet sich an die Journalisten Vodonelli und Nick Toscano, die für die australische Tageszeitung The Age arbeiten.
Die beiden Journalisten sammeln jetzt alle Infos, die sie zu Belle Gibson finden können und kontaktieren mehrere Onkologinnen, also Mediziner, die sich mit Tumorerkrankungen befassen und fragen sie, ob es irgendeine Möglichkeit gibt, dass Bells Story wahr sein kann. Alle sagen ihnen das Gleiche. Bells Behauptungen sind nicht plausibel, nicht mal im geringsten.
Jemand, der scheinbar so krank ist und sich nicht in medizinischer Versorgung befindet, kann niemals so aussehen und leben wie Belle Gibson. Die Katze ist jetzt aus dem Sack. Aber die beiden Journalisten können die Infos jetzt nicht einfach so veröffentlichen. Chanel und die anderen Freunde von Belle wollen nämlich nicht, dass ihre Namen veröffentlicht werden.
Aber ohne ihre Namen reicht die Story dem Verlag nicht aus. Die beiden Journalisten sollen weiter recherchieren. Und dann stoßen sie auf Bells Postings bezüglich ihrer Charity-Arbeit. Falls ihr euch erinnern könnt, Bell hat ja bekannt gegeben, dass sie unterschiedliche Organisationen mit großzügigen Spenden unterstützt hat.
Und was machen die beiden Journalisten? Sie kontaktieren diese Organisationen und fragen, ob sie Bells Geld erhalten haben. Und ihr könnt ja jetzt gerne mal raten, was sie erfahren. Nein, da kommt nichts. Keinen Cent wahrscheinlich. Bo Donnelli und Nick Toscano finden heraus, dass die meisten Organisationen noch nie etwas von Belle Gibson oder ihrem Unternehmen gehört haben.
Und die, die sie kannten und erfahren haben, dass sie spenden wollte, haben nie irgendeine Spende erhalten. Als sie versuchten, ihr Team zu erreichen, wurden sie abgewiesen. Im Laufe ihrer Recherche stoßen die beiden auch auf Familie Schwartz mit einem krebskranken Sohn. Die Eltern von Joshua Schwartz sind Fans von Belle und The Whole Pantry, gehören also zu ihrer Community.
Belle habe sich mit ihnen angefreundet, weil ihre Krebserkrankung ähnlich zu der ihres Sohnes war, der auch an einem Hirntumor im Endstadium erkrankt ist. Sie hätten viele Ängste mit Belle geteilt und zusammen geweint. Belle habe ihnen gesagt, dass sie ihnen Geld schenken wolle, und zwar das, was sie mit einer Woche App-Verkäufe gemacht hat.
Aber das Geld haben sie nie bekommen. Sie sagen später, dass sie das Gefühl haben, dass Belle die Symptome und den Krankheitsverlauf ihres Sohnes dafür genutzt hat, ihre eigene Story zu erzählen, damit es noch glaubwürdiger ist. Das sind für die Journalisten jetzt Beweise genug. Aber weil sie journalistisch korrekt arbeiten, geben sie Belle die Chance, sich zu erklären und schicken ihr eine E-Mail mit 21 Fragen zu ihrer Krebsdiagnose, ihrem Geschäft und den Spenden.
Belle antwortet. Sie weicht eigentlich allen Fragen aus, sagt zu den Spenden aber, dass ihre Buchhaltung ihr empfohlen hätte, mit den Spenden zu warten, bis alle Bücher und Unterlagen gecheckt seien und dass sie das dann aber auf jeden Fall machen würde. Kurz darauf spendet sie 1000 Dollar. Aber nur um nochmal daran zu erinnern, zu dem Zeitpunkt hat sie bereits öffentlich schon mehrfach gesagt, dass sie insgesamt 300.000 Dollar gespendet hat.
Belle weiß jetzt also, dass jemand versucht, ihr auf die Schliche zu kommen. Und nicht nur ihre Freunde wenden sich von ihr ab, auch in ihrer Community rumort es. Immer mehr Menschen kommentieren unter ihren Postings, dass sie Zweifel an Belles Geschichte haben und dass sie es merkwürdig finden, dass sie so gesund aussieht.
Und Anne, du hast das eben angesprochen, aber ich wollte auch ganz kurz noch mal dazu sagen, ich finde, es ist ein super schmaler Grad mit diesem Gesundheitsthema bei Social Media, denn es gibt auch genug Leute, die zwar gesund aussehen und auch Dinge machen, die vielleicht den Anschein erwecken, dass sie gesund sind, aber die dann wirklich krank sind.
Und ich finde auch nicht, dass man immer krank aussehen muss und irgendwen beweisen muss, dass man krank ist, wenn man krank ist. Aber bei Belle ist es ja offensichtlich eine große Lüge. Ich wollte das nur mal ganz kurz noch einwerfen. Es steht aber außer Frage, dass Belle Gibson dafür, dass sie einen Hirntumor im Endstadium hat und mehrere Metastasen im Körper und sogar ihr Blut befallen ist, dass sie ganz schön lebendig wirkt.
Und das schon seit Jahren, ohne in einer Therapie zu sein. Am 8. März 2015 erscheint gegen 20 Uhr der Artikel von Bodonelli und Nick Toscano. Er trägt den Titel Der Artikel schlägt ein wie eine Bombe. Ein paar Stunden später postet die Facebook-Seite von The Whole Pantry eine Antwort. Darin schreiben sie, dass im Artikel ungenaue Informationen verbreitet werden und dass die beiden Journalisten das wissentlich gemacht hätten.
Weil sie sich ja vorher mit ihnen unterhalten hätten, beziehungsweise per Mail erklärt haben, wieso das Geld noch nicht geflossen ist. In dieser Erklärung gibt das Unternehmen außerdem bekannt, dass Bell von der Rolle der Geschäftsführerin zurückgetreten ist. Was glaubt ihr, wie die Community darauf reagiert? Ich glaube, die ist zwiegespalten.
Du hast den einen Teil, der es gar nicht fassen kann, was hier passiert. Und du hast die Ultras, die sagen, stimmt nicht, Fake News. Ich glaube, es gibt diese zwei Lager und wenig dazwischen. Man merkt, dass du Profi, was das Thema Influencer angeht, bist. Denn genau so ist es. In den ersten Stunden nach Veröffentlichung des Artikels und dem Post von The Whole Pantry auf Facebook ist die Community größtenteils auf Bells Seite.
Die Hardcore-Fans glauben, dass es sich um eine Hetzjagd handelt, um Missverständnisse, dass ein großer Medienkonzern eine starke Frau zu Fall bringen will. Sie folgen Bell seit Jahren, sind inspiriert von ihr, sind Fans. In so einer Situation kann oder will man nicht glauben, dass die Person, zu der man hochschaut, mit der man gelitten hat, mit der man seinen Schmerz teilt, dass die einen betrogen haben soll.
Aber Belle fängt noch in der gleichen Nacht an, mehrere Beiträge und Kommentare von ihren Social-Media-Kanälen und ihrer Website zu löschen. Beiträge, in denen es um die Spenden oder ihre Diagnose geht. Und das fällt aufmerksamen Followern natürlich auf. Und macht Belle verdächtig. Denn wieso sollte man Posts löschen?
Das macht man ja nur, wenn man mit dem Inhalt nicht mehr zufrieden ist. Die Menschen werden misstrauisch. Zwei Tage, nachdem die Geschichte bekannt wird, lässt sich Belle von einer anderen Zeitung interviewen. Und in der Zeitung sagt sie, dass sie mittlerweile das Gefühl hat, dass sie fehldiagnostiziert wurde.
Sie sagt, dass sie es für möglich hält, dass sie vielleicht nie wirklich krank war und dass sie total verwirrt davon sei und sich gedemütigt fühlt. Aber dass sie diesen beiden Ärzten vertraut hätte. Das Problem ist nur, den einen Arzt, den gibt es gar nicht. Den vom Anfang, Mark Johns. Und den anderen, Dr. Phil, der die zweite Krebsdiagnose gestellt haben soll, den gibt es, aber der sagt, dass er Bell zwar untersucht habe, aber dass er ihr definitiv keine Krebsdiagnose gestellt habe.
Ja, ehrlich gesagt wundert mich ihre Reaktion gar nicht. Nämlich sich mit weiteren Lügen aus der ganzen Affäre versuchen irgendwie rauszuhangeln und das ist ja eine typische Täter-Opfer-Umkehr, die wir hier haben. Sie hat richtig scheiße gebaut und versucht sich jetzt irgendwie da mit weiteren Lügen rauszumanövrieren.
Achso, nee, ich bin vielleicht doch gar nicht krank. Super, oder? Also, hä? Nee. Wahnsinn, Wahnsinn. Ich meine, das Fundament bröckelt. Die Karriere der Frau ist im Grunde ab diesem Punkt vorbei. Die Frage ist jetzt nur noch, wie lange sie sich da halten kann. Und ich bin wirklich gespannt, ob sie dafür bestraft wird.
Weil ich glaube, das ist schon superschwierig, dafür jemanden ranzubekommen. Weil nur in einer Community zu erzählen, dass man Krebs hat, Ich weiß nicht, ob das strafbar ist. Das werden wir natürlich aufklären. Wir tauchen jetzt aber erstmal ein bisschen weiter ein in ihre Psyche und nähern uns ihr an, um nochmal vielleicht ein bisschen besser verstehen zu können, wie sie so tickt.
Bels Kartenhaus fällt in sich zusammen. Es erscheinen jetzt immer mehr Artikel, immer mehr Unklarheiten und Fragen kommen an die Oberfläche. Und Belle ist nicht in der Lage, auch nur einen einzigen legitimen Beweis für ihre Behauptung zu erbringen. All ihre Social-Media-Kanäle sind mittlerweile stillgelegt. Und wie Lügen durchtränkt sie ist, wird in einem TV-Interview deutlich.
Das Interview kann ich euch übrigens wärmstens empfehlen, wir packen es in die Shownotes. Am 28. Juni 2015 erscheint Belle zu einem Exklusiv-Interview bei 60 Minutes Australia, einer sehr erfolgreichen und bekannten Fernsehsendung. Für das Interview bekommt sie 75.000 Dollar. Das kann man auch erstmal so auf sich wirken lassen. Aber es zeigt, wie gefragt Belle Gibson zu der Zeit ist, weil sie eigentlich aufgehört hat, Interviews zu geben.
Das ist spannend, dass das exakt die Summe ist, die wir hier pro Folge bekommen. Krass, ne? Ja, das sind einfach diese Parallelen, die hier ständig existieren. Also wow. Und sie wird interviewt von Tara Brown, einer renommierten Journalistin. Und wirklich, ich habe größten Respekt vor dieser Frau, weil sie dieses Interview so gut führt.
Und wenn ihr das anschaut, also ich kann mir nicht vorstellen, wie man da ruhig bleiben kann und wie man einfach weiterhin, also vielleicht bin ich nicht so eine gute Journalistin wie Tara Brown, aber wirklich, du denkst dir einfach nur die ganze Zeit so, oh mein Gott, wie geht das? Es gibt jetzt einen Ausschnitt, den ich euch vorspiele.
Ich sage noch nicht viel dazu, aber ihr werdet es gleich hören. You're 23, right? Well, actually, how old are you? I've always been raised as being currently a 26-year-old. How old are you? Well, I live knowing, as I've always known, that I would be 26. Okay, Bill. This is a really, really simple question. How old are you?
I believe that I'm 26. Ich habe eine 2-Berth-Certifikat und habe mein Name verändert 4-Times. Wie alt bist du? Wie schwierig kann deine Frage sein? Also ich glaube, warte mal, lass mich mal überlegen. Also ich muss manchmal zugegebenermaßen wirklich kurz überlegen. Ja, naja, aber ey, come on. Also sie weiß ja, in welcher Interviewsituation sie ist, nach dem, was alles passiert ist.
Und wenn man schon diese einfache Frage nicht beantworten kann, also wen will sie überzeugen? Wir wissen, dass sie 23 ist und nicht 26, aber ich habe mich die ganze Zeit gefragt, warum hat sie über ihr Alter gelogen? Das macht irgendwie keinen Sinn. Dann habe ich gedacht, okay, vielleicht wollte sie vorgeben, dass sie volljährig ist und war es aber nicht.
Aber sie war ja schon 18, als sie nach Melbourne gezogen ist, hat dann aber ja gesagt, dass sie schon 20 ist. Also es ist so eine Lüge, bei der man sich die ganze Zeit fragt, so why? Ich würde es ja verstehen, wenn sie sich 21 Jahre alt gemacht hätte, um vielleicht Deals mit den USA abzuschließen, wenn das schon ihre große Vision gewesen wäre.
Aber diese zwei Jahre, das ist irgendwie super random. Ja. Meine Vermutung ist, dass sie einfach denkt, dass sie so eine Gesamtpersönlichkeit aufbauen muss. Ich meine, sie weiß ja, dass sie lügt und dass das vielleicht Teil ihrer Geschichte einfach ist, um sich noch interessanter zu machen. Ich glaube, man kann das nicht rational erklären, aber das ist komplett gaga.
Es gibt aber noch eine weitere Lüge in diesem Interview, bei der man sich fragt, was sie soll. Hätte ich erst nicht erwartet. Überraschend, nicht wahr? Aber eine, bei der man sich auch so denkt, also was hat das damit zu tun? Es geht um ihren Bruder. Zu ihrer öffentlich kommunizierten Leidensgeschichte aus der Kindheit gehört nämlich auch, dass ihr Bruder autistisch sei, worunter sie sehr gelitten habe.
Und darauf angesprochen sagt sie folgendes. Why you would describe him as autistic? It is heartbreaking. Excuse me. Sorry. It is heartbreaking for me that he still carries stigma. I don't think he... Well, I don't think that that comment means he carries stigma. I mean, he's upset with you for describing him as having autism. Because he does.
Das ist wirklich nicht zu glauben. Ich muss dieses Interview schauen. Ja genau, denke ich auch. Jetzt bin ich auch soweit. Also da hat sie wahrscheinlich die ganze Zeit immer nur irgendwelche Ja-Sager um sich herum und kann deswegen machen oder konnte immer halt machen, was sie wollte so. Und jetzt trifft sie das erste Mal auf so Kritik, auf so Leichte, so wie alt bist du?
Wirklich eine sehr kritische Frage. Ja, und dann auch, wie stehtst du deinem Bruder? Und dann knickst du da komplett ein. Aber auch geil, dass der Bruder dann sagt so, nee, hab ich gar nicht. Saß der Bruder mit im Interview oder wurde der zugeschaltet? Nee, das wurde dann reingeschnitten. Sie stammelt sich da ja auch ein zurecht. Also du merkst ja, dass sie hat ja, sie findet ja kein hinten und vorne.
Sie kann keinen Gedanken fassen oder in Worte fassen und fängt dann einfach an zu weinen. Ja, find's krass, sie auch zu sehen, Weil eigentlich hat sie gar keinen Ausdruck im Gesicht, auch wenn sie weint, nicht? Also ich meine, es überrascht einen vielleicht auch nicht bei der Frau. Aber man hat sie jetzt gehört, dass sie anfängt zu schluchzen und zu weinen, aber in ihrem Gesicht passiert eigentlich gar nichts. Schaut das sich auf jeden Fall an.
Am Ende hat man ja ihren Bruder gehört. Und ich finde es wirklich einerseits sehr schwer, ihr zuzuhören, weil sie ununterbrochen lügt und sich auch ja weder entschuldigt, ehrlich gesagt, noch irgendwie Schuld eingesteht. Aber es ist auch faszinierend zu sehen, wie unfähig sie ist, die Wahrheit zu sagen.
Sie versucht, jede Lüge zu rechtfertigen und tut auch noch so, als sei sie diejenige, die betrogen wurde. Obwohl ja wirklich alles dagegen spricht, dass ihr irgendjemand jemals eine Krebsdiagnose gestellt hat. Sie sagt im Grunde genommen, dass sie zwar nie krank war, aber dass sie wegen der beiden Ärzte im Glauben gelassen wurde, dass sie krank sei.
Dass sie eigentlich das Opfer sei. Eben meintest. Dass es den einen Arzt gar nicht gibt, dazu sagt sie einfach nichts richtiges. Und jetzt hören wir noch mal was und zwar darauf angesprochen, was, wenn es denn stimmen würde, dass sie fehldiagnostiziert wurde, was das denn mit ihr machen würde. Once I started to figure out where I stood and what reality actually was and I had received the definitive know you, do not have cancer, then that was something that I had to come to terms with.
That takes a lot. And it was really traumatising. I was feeling a huge amount of grief. Grief for not having cancer? No, that I had been lied to and that I felt like I had been taken for a ride. It took me a lot to unpack that. And once I was strong enough, I was ready to come out and speak with my community about it.
So peinlich einfach. Ja, das glauben wir eher nicht, oder? Dass sie das eh alles selbst veröffentlichen wollte. Ich glaub's ihr nicht. Kein Wort. Ja, nee, nachdem alles, was wir bisher gehört haben, eher nicht so will ich mal sagen. Aber wirklich, das ist einfach so peinlich und es tut so weh zu hören, wenn du wirklich jemanden kennst, der irgendwie Krebs hat, Krebs hatte oder so und dann...
Von jemandem zu hören, der so tut, als hätte er Krebs gehabt. Und die Nachricht, du hast keinen Krebs, löst nicht Freude aus, sondern nur noch mehr Trauer. Das ist so, sorry for you, das Wort absoluter Bullshit. Ja, und das ist natürlich auch echt heftig, dass sie ihre Lügen weiterhin durchzieht. Ich will sie auf gar keinen Fall in Schutz nehmen, also wirklich überhaupt nicht.
Aber wenn wir uns das Szenario mal vorstellen, dass sie sich hinsetzt in dieses Interview und sagt, ja, ich habe gelogen. Das ist natürlich auch krass. Also, weil wir haben ja auch schon darüber gesprochen, so, sag doch jetzt endlich die Wahrheit. Das ist ja auch nicht so einfach, wenn du jahrelang jeden Tag gelogen hast, super doll gelogen hast, ist das, glaube ich, nicht einfach zu sagen, ja, war alles, war alles eine Leih, aber das einfach weiter so durchzuziehen und sich da so weinerlich hinzusetzen und wie ein kleines Kind zu sprechen, das am Satzende immer nach oben geht mit der Stimme, da sind wir wieder bei deinem Satz, Patrick, das ist einfach nur peinlich.
Vor allem nachdem du 75.000 Dollar bekommen hast für diesen Auftritt, also für diese Geschichte, für deine Geschichte, also dann fällt es wahrscheinlich nochmal einen Ticken schwerer, jetzt einzugestehen, dass das alles gelogen ist, weil dann wirst du wahrscheinlich in Zukunft keine 75.000 Dollar mehr für ein Interview bekommen.
Und das Frecheste ist ja wirklich, dass sie am Anfang noch sagt, ich musste herausfinden, was die Realität ist. So, what the fuck. Ich kann mir auch vorstellen, dass wenn du wirklich die ganze Zeit am Lügen bist, so eine notorische Lügnerin in dem Fall, das ist halt, sie bringt das ja auch auf Instagram, das heißt, dieser Drang nach Aufmerksamkeit ist ja da.
Das heißt, dieses Weiterlügen bringt ihr nur noch mehr Aufmerksamkeit. Also warum sollte es überhaupt aufhören? Ja, es ist schwer, das jetzt von außen so zu pathologisieren, aber Auffälligkeiten, was das Thema Aufmerksamkeitsgenerieren angeht, gibt es schon in ihrer Kindheit und in ihrer Schulzeit. Ich bin da am Anfang nicht so krass drauf eingegangen, weil ich natürlich, also erstens musste ich ein bisschen gucken, das ist nicht aus allen netten Platz hier, aber ich wollte euch natürlich auch noch schon von Anfang an erzählen, wie viel sie schon immer gelogen hat. Aber das ist auf jeden Fall ein Thema.
Sie hat in der Schulzeit, also ich habe ja gesagt, dass sie gesagt hat, dass sie im Zeugenschutzprogramm ist, was sie natürlich nicht war. Aber diese Sachen, die sie auch schon in ihrer Schulzeit und Kindheit gesagt hat, waren alles Dinge, für die sie Mitleid, Aufmerksamkeit, Liebe oder so bekommen hat.
Also ich würde sagen, das ist ein roter Faden, der sich durch ihr Leben zieht. Was ich noch da überlege in dem Fall, weil sie ja auch das Thema mit ihrem Bruder und dem Autismus so gespielt hat, war vielleicht ja auch genau so ein Ding, was sie anderen erzählt hat, hey, mein Bruder hat Autismus und dann hat sie aber das Mitleid bekommen.
Und war die Schwester, die irgendwie vielleicht immer im Schatten ihres Bruders stehen musste, weil der viel mehr Aufmerksamkeit bekommen hat oder so als Kind. Auf jeden Fall. Sie hat, bevor sie in dieses Interview gegangen ist, hatte sie so einen Mediaberater an ihrer Seite. Oder Krisenberater, kann man es auch nennen. Sein Job ist es, Leuten wie ihr, oder aber auch Leuten, die weniger schlimme Sachen gemacht haben, als sie einfach zu helfen, das nach außen hin zu kommunizieren.
Und dieser Mann hat ihr geraten, dass sie, wenn sie dieses Interview macht, sich da hinsetzen soll und sagen soll, it was a lie und es tut mir leid und sich danach aus der Öffentlichkeit komplett zurückzuziehen. Er meinte, das ist der einzig richtige Weg, den du wählen kannst. Und sie hat sich da halt hingesetzt und hat das komplette Gegenteil davon gemacht.
Krass, okay. Und der hat es danach veröffentlicht, dass er ihr das gesagt hat? Ja. Wow. Finde ich aber auch wirklich eine interessante Herangehensweise. Ich kann mir vorstellen, dass ein anderer PR-Berater ja auch einen anderen Tipp gegeben hätte, ohne das jetzt unnötig politisch zu machen. Aber ich habe das Gefühl, bei manchen ist es eher so, okay, ich sage gar nichts zu dieser ganzen Thematik.
Ich meine, es hat sie ja auch schon viel früher nicht geschafft, da nichts zu sagen und nichts zu machen. Aber einfach gar nicht darauf zu reagieren, wäre vielleicht auch eine Strategie gewesen. Ja, aber nicht in ihrer Welt. Also sie hat ja den Drang, mit der Außenwelt zu kommunizieren. Und sie hat 75.000 Dollar dafür bekommen, das darf man auch nicht vergessen.
Wir können festhalten, wir können alle nur den Kopf darüber schütteln, was sie da die ganze Zeit so vor sich hin brabbelt, weil es einfach so krass ist und einfach alles eine einzige Lüge ist. Aber die Öffentlichkeit und alle Menschen in ihrem Umfeld fordern jetzt natürlich Konsequenzen. Belle kriegt den krassesten Shitstorm ab, den man sich vorstellen kann.
Menschen fordern ihr Geld zurück. Viele sind unendlich gekränkt davon, dass sie ihre eigenen Leidensgeschichten mit Belle geteilt haben und ihr so sehr vertraut haben. Die App The Whole Pantry wird von Apple vom App Store entfernt. Mehr macht Apple übrigens nicht. Sie haben sich nie, auch nur in irgendeiner Weise, dazu geäußert.
Das ist die andere Taktik, die Patrick gerade angesprochen hat. Und es gab auch keinen Imageschaden, würde ich sagen. War vielleicht eine ganz gute Taktik von Apple. Der Penguin Verlag gibt zu, dass er sich nie mit Bells medizinischer Vorgeschichte befasst hat oder auch nur irgendetwas hinterfragt hat, das sie gesagt und veröffentlicht hat.
Die australische Verbraucherschutzbehörde Consumer Affairs Victoria leitet rechtliche Schritte ein und verhängt eine Geldstrafe von 30.000 Dollar gegen Penguin Australia wegen irreführender und täuschender Geschäftspraktiken. Also ich musste ein bisschen entwarnen, die wussten scheinbar wirklich nichts davon, aber die haben einfach das Geld gesehen und sich gedacht, nee, mit der Frau machen wir ein erfolgreiches Kochbuch.
Naja, aber auf der anderen Seite, überlegt mal, ihr sitzt da im Verlagshaus und ihr wollt mit einer Influencerin zusammenarbeiten, die todkrank ist. Sagt man da, hallo, liebe Koch-Influencerin, bitte schick mir mal deine Arztbriefe. Das macht man ja auch nicht, oder? Also das verstehe ich schon, dass sie das jetzt nicht so hart nachgeprüft haben, indem sie Belege sehen wollten, weil irgendwie wäre das auch komisch.
Aber ich kann mir schon vorstellen, dass in so einem Meeting oder nach so einem Meeting man so untereinander auf dem Flur dann schon mal eben so einen Satz gesagt hat wie, sie ist ganz schön fit aus dafür, dass sie so krank ist. Bestimmt, bestimmt, ja, aber dann hätte sich ja keiner dem angemaßt zu sagen, bitte zeig mir mal einen Beleg dafür, wie krank du bist.
Dann hätten alle gesagt, das kannst du doch nicht machen. Ich, voll, ich möchte den Verlag nicht verteidigen, weil, wie ich vorhin schon gesagt habe. Weil du noch da arbeiten möchtest, noch zusammenarbeiten möchtest. Nein, weil ich. Coming soon. Nee, weil, was ich vorhin schon gesagt habe, ist, dass das wirklich viel zu selten passiert, dass solche Sachen hinterfragt werden.
Es muss jetzt nicht irgendwie, die Person muss ja nicht todkrank sein, das können viele andere Sachen sein. Wenn man das Geld sieht und diese schöne Geschichte sieht, dann nimmt man diese schöne Geschichte und macht die erstmal zu Geld und kümmert sich dann um die Konsequenzen später und 30.000 Dollar, naja, das ist für den Penguin Verlag, glaube ich, ein feuchter Fluff.
Ein feuchter Fluff, wer kennt die nicht, den feuchten Fluff. Aber sie haben sich wohl, nachdem sie verurteilt wurden, auch daran gehalten und ihre Geschäftspraktiken verändert. Aber kommen wir zu Belle. Denn die meisten Leute wollen ja, dass vor allen Dingen sie Konsequenzen tragen muss. Und viele fordern, dass sie ins Gefängnis soll. Unter anderem auch ihr Bruder.
Es wird Anklage gegen Bell Gibson und ihr Unternehmen erhoben. Im März 2017 entscheidet der Bundesgerichtshof in Melbourne, dass die meisten, aber nicht alle Behauptungen von Bell lügen waren, die irreführend und auch täuschend waren. Sie wird zu einer Geldstrafe von 410.000 Dollar verurteilt. Für die Falschaussagen bezüglich der Spenden.
Aber sie hat diese Strafe bis heute nicht gezahlt. Laut Bells Angaben sei sie nicht zahlungsfähig. Beim Urteilsspruch ist sie übrigens nicht anwesend. Es gibt dann mehrere Fendungsbesuche bei ihr Zuhause, aber die haben natürlich bei weitem nicht das Geld eingebracht, für das sie verurteilt wurde. Der Familie Schwarz, die Familie mit dem krebskranken Jungen, wird übrigens auch ein hoher Betrag zugesprochen, aber den erhalten sie nicht.
Ihre Community, ihre Freunde, ihre Familie, alle werden fassungslos zurückgelassen. Nach dem Urteil zieht Bale sich komplett aus der Öffentlichkeit zurück. Bis sie irgendwann wieder in Schlagzeilen gerät. In einem Interview aus dem Jahr 2020, das in den sozialen Medien auftaucht, behauptet sie von der Oromo-Gemeinschaft, einer äthiopischen Ethnie in Melbourne, adoptiert worden zu sein.
Es gibt dann tatsächlich auch Aufnahmen von ihr, wie sie ein Kopftuch trägt und die Sprache der Oromo spricht. Davon gibt es auch ein Foto. Das ist das letzte für heute. Wow. Nein, jetzt reicht's. Jetzt reicht's wirklich. Alice steht auf und geht. Ich kann das nicht mehr. Hilfe Gott. Ist das schon Cultural Appropriation?
Ich denke, ja. Tach, scheiße. Oh Mann, ist das schlimm. Ja, ohne Worte irgendwie. Ich weiß gar nicht, was ich dazu sagen soll, weil das einfach, wie beschreibt man das? Genau, wir können erst mal beschreiben, was wir sehen. Sie trägt ein orangenes Gewand und hat eine Haube auf, würde ich mal behaupten.
Ja, und hat so einen sehr auffälligen roten, rot-grünen Regenschirm. Und lächelt ganz leicht in die Kamera, würde ich sagen. Aber auch hier hätte ich sie nicht erkannt. Sieht wieder komplett anders aus, ja. Eine wandelbare Person. Ach so, aber wir sehen hier auch noch ein kleines Smartphone in der linken Hand. Still online.
Mir fehlen die Worte. Ihr könnt ja mal raten, warum sich die Medien, also abgesehen davon, dass es sich um Belle Gibson handelt, dafür interessieren. Ja, weil es eine komplett absurde Geschichte ist. Also das ist ja dieses Bild, also wenn man dieses Bild sieht und die Geschichte dieser Person kennt, dann sitzt man da vorne und ist komplett fassungslos, weil sie einfach aussieht wie eine Person, die irgendwie zwei Jahre auf Weltreise gegangen ist und jegliche Kultur, die sie da aufgesogen hat, sich angenommen hat und in eine neue Persona gegossen hat, die einfach komplett falsch ist.
Also es ist schwierig, es ist wirklich ganz schwierig. Unter der Haube. Also klar, man sieht so einen Ansatz von Haaren, aber es ist jetzt nicht wieder das Krebsthema. Das Krebsthema ist kein Thema mehr. Das ist nicht mehr ihr Narrativ. Kannst du nochmal wiederholen, was hier passiert ist? Sie wurde adoptiert von?
Sie sagt, dass sie von der Oromo-Gemeinschaft adoptiert wurde. Das ist eine äthiopische Ethnie. Okay, ja klar. Dass das jetzt ihr neues Leben ist. Und was sagt die Gemeinschaft dazu? Erstmal wollte ich sagen, warum sich die Medien dafür interessieren. Und zwar ist es so, dass Bell anfängt, Spenden für diese Oromo-Community zu sammeln.
Der Präsident der australischen Oromo-Community Association erklärt dann im August 2021 gegenüber Daily Mail Australia, dass Bell Gibson nichts mit ihnen zu tun habe. Und jetzt zitiere ich ihn. Es ist besorgniserregend, wenn jemand den Namen der Gemeinschaft benutzt, der kein Mitglied dieser Gemeinschaft ist.
Sie hat nichts mit uns zu tun. Sie wird nicht zu uns kommen, auf keinen Fall und zu keiner Zeit. Belle hat sich dann dazu aber nie wieder geäußert. Und sie ist wohl bei Snapchat aktiv, das habe ich nicht überprüft, deswegen ich sage nur das, was ich gelesen habe. Und da hat sie scheinbar angegeben, dass sie bald eine Dating-App rausbringen möchte, auf die wir alle sehr gespannt sind.
Aber das war das letzte Mal, dass man in den sozialen Medien oder in der Öffentlichkeit was von ihr gehört hat. Hat sie das selbst verbreitet, das Bild? Sie hat sich dafür interviewen lassen. Okay. Ja. Sehr warte. Ich meine, wenn wir jetzt am Ende ihrer Geschichte sind, möchte ich ganz kurz versuchen, versöhnliche Worte zu finden zu ihr. Okay, krass, warum?
Aber ja, go for it. Von dem ersten Moment, wo wir sie kennengelernt haben, in ihrer Emo-Phase, bis zu dieser Oromo-Geschichte, sehe ich da eine Frau, die Liebe sucht und die Gemeinschaft sucht und die Gruppen sucht, in denen sie irgendwie, angenommen und akzeptiert wird, soweit verständlich, in welchen Formen sich das einfach äußert und wie weit sie dann damit immer geht und einfach kein Ende findet, ist sehr falsch und sehr, sehr traurig.
Man kann irgendwie hoffen, dass sie jetzt nicht mehr groß in der Öffentlichkeit ist, vielleicht auch damit zusammenhängt, dass sie irgendwo einen Weg gefunden hat, glücklich zu sein, ohne zu lügen, auch wenn ich das leider bezweifle. Also ich finde es sehr süß von Flo, dass er versucht hat, hier eine Begründung für ihr Verhalten zu finden und ich kann das auch bis zu einem gewissen Teil nachvollziehen, dass sie sich vielleicht, wir wissen es ja nicht, einfach nach Liebe und Zugehörigkeit gesehnt hat.
Vielleicht hat sie das in ihrer Kindheit auch nicht erfahren, aber es gibt halt Grenzen. Wenn du in deinem Freundes- und Bekanntenkreis hin und wieder ein bisschen schwindelst, um ein bisschen mehr Mitgefühl zu bekommen, das verstehe ich auch noch. Aber es ist halt was ganz anderes, mehrere Krebserkrankungen auf deinem Instagram-Account zu verbreiten und damit ja Geld zu verdienen.
Also da hört die ganze Geschichte halt auf. Und nicht nur das, ich finde auch, worüber wir teilweise gesprochen haben, aber gar nicht so richtig über die Opfer, wie viele wirklich verstorben sind, weil sie daran geglaubt haben. Und Flo, deine persönlichen Worte in eher und wirklich. Ja, alles gut. Aber das kann ich dann leider echt so nicht unterstreichen.
Man kann tatsächlich einfach nicht sagen wer oder wie viele menschen gestorben sind weil sie ihr blindlings vertraut haben oder vielleicht auf ihre mit behandlungen verzichtet haben und das bells schuld ist also es ist alles nur mutmaßung aber ja der gedanke allein daran dass das so sein könnte ist wirklich komplett schlimm es haben mehrere leute versucht sie irgendwie zu pathologisieren weil dieses wirklich.
Permanente Lügen, also in jeder Situation und auch schon immer, ist natürlich etwas, was wahrscheinlich auch höchst interessant ist für Menschen, die sich mit der menschlichen Psyche auseinandersetzen. Aber es ist erstens schwer, das von außen zu tun, auch wenn man natürlich viel Material von ihr hatte.
Aber niemand hat sie jemals getroffen. Also sie hat sich nie mit einem Therapeuten oder einer Therapeutin unterhalten. Viele Spezialistinnen haben damals gesagt, sie hat so eine Ausprägung oder so eine Art des Münchhausen-Syndroms, aber man kann das natürlich nicht diagnostizieren, wenn man niemals mit ihr spricht.
Aber sie ist für viele Leute ein sehr interessantes ja ein sehr interessantes Objekt auf eine Art dann da geworden mit der sich viele auseinandergesetzt haben und. Zu allem was ihr gerade gesagt habt, finde ich noch schlimm, dass sie nicht ein einziges Mal Entschuldigung gesagt hat oder für irgendwas Verantwortung übernommen hat ich meine klar, es passt in dieses Bild dieses ewigen Lügens, aber für alle Menschen, die ihr gefolgt sind oder die ihr vertraut haben, finde ich, ist das nochmal so ein krasser Schlag ins Gesicht, weil sie einfach, niemals dazu gestanden hat, was sie gemacht hat.
Wie kann sie das denn mit sich vereinbaren, dass sie eine große Followerschaft hatte mit Menschen, die ihre letzte Hoffnung in sie gesteckt haben, weil wenn du eine schwere Krankheit hast und Ärzte können dir vielleicht nicht helfen oder dieses System ist ja auch zermürbend, du hast Angst und dann ist da diese Frau mit ihrem Insta-Account und Mit ihrem Versprechen, du willst ja auch die Hoffnung vielleicht in sie dann legen, weil du siehst ja, dass sie toll aussieht, dass es ihr gut geht.
Also wie konnte sie das mit sich vereinbaren, diese Menschen zu täuschen? Das ist ja was anderes, ob man mich täuscht als gesunde Person und ich finde sie irgendwie cool und folge ihr gern. Oder ob man eben schwer krank ist und ja, letzte Hoffnung in sie setzt. Das finde ich wirklich unglaublich, unfassbar.
Die beiden Journalisten, die diesen Artikel über sie veröffentlicht haben, haben übrigens ein sehr interessantes Buch über Belle Gibson und The Whole Pantry geschrieben. Es heißt The Woman Who Fooled the World. Im Penguin Verlag. Im Penguin Verlag. Nein, das wäre jetzt ein guter Toast, aber nein, leider nicht.
Ich habe das in Vorbereitung auf diese Folge gelesen und da sind wirklich nochmal mehr Infos, Fakten, Hintergründe notiert, auch zu ihrer Jugend. Dinge, die jetzt hier einfach keinen Platz gefunden haben. Das schreiben wir euch in die Shownotes, wenn ihr es lesen wollt. Wenn ihr keine Lust auf Lesen habt, schaut euch auf jeden Fall das Interview an.
Und wer es ein bisschen hochglanzmäßiger oder fiktiver haben will, Netflix hat die Geschichte von Bair Gibson verfilmt. Und die Serie heißt Apple Cider Vinegar. Und ist, glaube ich, dieses Jahr erschienen. Ich habe sie nicht geguckt, deswegen kann ich jetzt keine Empfehlung aussprechen. Aber sie existiert.
Eine Empfehlung aussprechen können wir aber für den Podcast Die schwarze Akte, falls ihr ihn noch nicht kennt. Wow, das kam gerade wirklich spontan. Damn. Ich weiß nicht, also ihr werdet ihn wahrscheinlich kennen. Wenn nicht, hört ihn euch unbedingt an. Und wir bedanken uns, dass ihr da wart, euch Zeit genommen habt, mitgeraten, mitgefiebert habt.
Ich glaube, das war die längste Aufnahme, oder Flo? Wir sind jetzt bei zwei Stunden. What? Okay. Bisschen was mit mir rausschneiden, weil wir Kameraprobleme hatten. Aber ich glaube, das wird die längste Folge ever. Also wirklich nochmal lieber an alle, die uns empfohlen haben, weil es hat wirklich so viel Spaß gemacht.
Ja, danke, dass du uns diesen wirklich unfassbaren Fall erzählt hast. Mir war schon klar, dass wir heute hier überrascht und irgendwie ja auch entertained werden, wenn ich das so sagen kann. Aber der Fall, der hat mich wirklich jetzt umgehauen. Respekt, danke. Sehr gerne. Er hat auch Spaß gemacht beim Schreiben und Recherchieren, auch wenn er mich schockiert hat, das kann ich sagen.
Gibt es denn noch irgendwas, was bei euch in der nächsten Zeit ansteht? Ich glaube, noch dürfen wir da gar nicht so viel verraten. Deswegen freuen wir uns einfach, wenn ihr mal in die schwarze Akte reinhört. Das würde uns sehr glücklich machen. Yes. Okay. Alle Fotos, die wir heute gesehen haben und auch noch viele weitere Fotos, findet ihr bei Instagram unter Was schmeckt dahinter.
Und wenn ihr schon auf Instagram seid, dann abonniert uns doch auch gerne dort und abonniert uns hier, denn jedes Abo hilft uns weiter, pusht uns nach oben in neue, ungeahnte Höhen, dass der Penguin Verlag irgendwann zu uns kommt und sagt, hey, wir wollen eure Lebensgeschichte in einer 850-seitigen Biografie zusammenfassen, in der dann alle Krankheitsgeschichten von Lilly aufgeschrieben sind. Nur von mir nehme ich, genau.
Denn du bist niemals krank. Nein, ich bin nie krank und generell führe ich ein unspektakuläres Leben. Ich bekomme 43 Seiten von 850. Fair, ich finde es fair. So, und jetzt schieben wir noch ein paar Outtakes hinterher. Wir hören uns nächste Woche wieder. Genau, wir hören jetzt Outtakes und wir hören uns nächste Woche wieder. Tschö. Danke euch.
Die Kameras sind ausgegangen. Ich weiß nicht wann. Sind die Akkus alle vielleicht? Ja, wahrscheinlich. Ich muss mal kurz gucken. Ich werde richtig, also was heißt ich werde, ich bin richtig wütend auf die. Ist krass, ne? Ich spare mir die Reaktion noch für gleich, aber es brodelt auf jeden Fall in mir.
Der Familie, wie spricht man das eigentlich Englisch aus, Flo? Jetzt ist es wahrscheinlich auch egal, ne? Okay, dann sage ich es deutsch.