
Food Crimes - Was schmeckt dahinter?
Wie Erin Brockovich ein ganzes Dorf rettete
Dienstag, 16. Dezember 2025 · 1 h 03
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Shownotes
Gut 2h nordöstlich von Los Angeles, in der kleinen Stadt Hinkley, hat sich Roberta Walker ihren Traum vom eigenen Haus erfüllt. Doch als der lokale Energieversorger PE&G das Haus für das 10x des eigentlichen Wertes kaufen möchte, wird sie stutzig. Roberta bittet den Anwalt Ed Masry sich den Fall einmal anzuschauen. Als sich ein paar Wochen später eine junge Anwaltsgehilfin über den Fall hermacht, wird klar: Hier in Hinkley geht es nicht nur um ein Haus, hier wird eine ganze Stadt systematisch vergiftet. Erin Brockovich macht sich auf die Suche. Einige Jahre später hat sie nicht nur Antworten gefunden, sondern auch den Status eines Megastars.
Die ganze Folge als Videopodcast inklusive aller Bilder findet ihr hier: youtube.com/zdfbesseresser
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"Food Crimes - Was schmeckt dahinter?" wird produziert von Storyhouse Productions.
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Transkriptvom Podcast bereitgestellt · Zeitmarken springen hin
Gut zwei Stunden nordöstlich von Los Angeles an den Ausläufern der Mojave-Wüste liegt die kleine Stadt Hinkley. Für Roberta Walker ist die trockene, verschlafene Stadt Heimat. Sie wohnt hier mit ihren Pferden, ihrem Ehemann und den zwei gemeinsamen Töchtern. Trotz der gesunden, trockenen Hitze leiden sie aber quasi alle in der Familie an verschiedenen Krankheiten und Asthma.
Doch sie lieben Hinkley. Vor einigen Jahren haben sie sich den Traum vom eigenen Haus erfüllt. 20.000 Dollar haben sie damals dafür bezahlt. Doch jetzt, Anfang der 90er, möchte das Energieunternehmen PG&E ihr Haus für 200.000 Dollar abkaufen. Roberta und ihr Mann sind verwundert. Warum bietet ihnen das Unternehmen, das hier in Hinckley eine Gasfabrik betreibt, so eine absurd hohe Summe?
Irgendwas stimmt hier nicht. Roberta denkt sich, ich brauche einen Anwalt. In Los Angeles wird sie fündig, Ed Masri, ein Anwalt, der auf Schadensersatz spezialisiert ist. Er nimmt den Fall an und vergisst ihn direkt wieder. Erst als ein paar Wochen später eine junge Anwaltsgehilfe den Fall in den Akten wiederentdeckt, wird klar, hier in Hingre geht es nicht nur um ein Haus.
Hier wird eine ganze Stadt systematisch vergiftet. Erin Brockovich macht sich auf die Suche. Einige Jahre später hat sie nicht nur Antworten gefunden, sondern auch den Status eines Megastars. Das ist Food Crimes. Was schmeckt dahinter? Mit Lilly Temmel und Florian Rietzer. Juhu, du machst den Aaron Brockovich-Fall. Ich freue mich so.
Ich habe am Anfang die ganze Zeit überlegt, ist es diese Geschichte? Aber der Name fiel ja nicht und deswegen war ich mir nicht hundertprozentig sicher. Aber ja, ich bin ganz gespannt. Den Film kenne ich. Bin gespannt, wie viel jetzt wirklich der Realität entsprach in diesem Film und was da alles so dahinter schmeckt.
Ja, wir haben über den Fall ja ganz kurz gesprochen, als ich die Flint-Wasserkatastrophe behandelt habe im September, also noch gar nicht so lange her. Und dann kamen wir am Ende drauf, irgendwie Aaron Brockovich, das war doch so ein ähnlicher Fall. Und dann habe ich mir gedacht, schaue ich mir das doch auch mal an. Und hier sind wir.
Und du hast gerade schon gesagt, du hast den Film gesehen. Woran kannst du dich noch erinnern? Ich kann mich an eine fantastische Julia Roberts erinnern, die am Anfang eine Anwaltsgehilfin. Wenn man das so sagen darf, spielt, die ja nicht so ganz ernst genommen wird, glaube ich, und die dann der Sache auf den Grund geht, warum es so viele Krankheitsfälle in der Umgebung gab und dann halt herausfindet, dass es was Systematisches ist, weil das Grundwasser verschmutzt war, glaube ich.
Ja, das sind schon mal ganz gute Stichpunkte. Aber es ist gut, wenn du den Film jetzt vielleicht nicht mehr so eins zu eins im Kopf hast. Dann kann ich dir noch ein bisschen was erzählen. Du hast gerade schon gesagt, du freust dich darauf zu hören, wie viel ist echt und wie viel ist fiktional. Und da kommen wir schon zu dem ersten Thema in diesem Fall.
Weil, und das kam für mich so im Laufe der Recherche raus, dieser Film... Aus dem Jahr 2000 ist eigentlich so die Hauptquelle für diese Folge, weil das daran liegt. Wie Aaron Brockovich entdeckt oder die Geschichte von Aaron Brockovich entdeckt wurde und auch sie natürlich und wer die Rechte an dieser Geschichte hält.
Weil wie dieser Film entstanden ist, ist wirklich völlig absurd. Die Produzentin Carla Santos-Schamburg, die war bei ihrem Chiropraktiker und der hat die Geschichte erzählt von einer Patientin von ihm und zwar von Erin Brockovich und was das denn für eine absurde Geschichte gewesen wäre, was sie da aufgedeckt hätte.
Und Carla Santos-Shamberg meinte in einem Interview damals danach, sie war noch nicht so versaut von der Filmindustrie, dass sie sich diese Geschichte noch wirklich einmal angehört hat von Erin Brockovich. Weil wahrscheinlich, wenn man irgendwann dann größer und bekannter ist, gibt es jeden Tag irgendwie, mein Onkel, der hat das und das, die Geschichte musst du erzählen, dann winkst du so alles ab.
Aber damals hat sie sich das wirklich noch angehört und fand die Geschichte natürlich großartig. Und hat dann eben die Rechte an ihrer Geschichte gekauft. Das führt halt dazu, dass es abgesehen von diesem Film, es gibt kein Buch zu dieser Geschichte, es gibt keine Doku etc. Es gibt verschiedene einzelne kleine Dokus, komme ich später noch dazu.
Aber es gibt außer diesem Film nichts, was den Fall wirklich von vorne bis hinten einmal aufarbeitet. Das heißt, wenn ich euch heute diese Geschichte erzähle, dann beruht das zu einem Großteil auf dem Film. Und jetzt sagt Aaron Brockovich selber, der Film ist zu 97 Prozent richtig. Ich werde immer mal einstreuen, wo es gewisse Abweichungen von der Realität gibt, was oft damit zusammenhängt, dass einfach komplexe Sachverhalte in der Realität zusammengefasst wurden oder runtergebrochen wurden oder verschoben wurden in der Geschichte.
Aber trotzdem ist die Geschichte so spannend und hat so viele Ecken und Wendungen, dass wir sie natürlich hier erzählen wollen. Es gibt natürlich auch ein paar Fotos heute. Die könnt ihr euch bei Instagram anschauen, bei Was schmeckt dahinter? Oder auf ZDF Besseresser auf YouTube oder im ZDF Streaming Portal.
Dort gibt es die ganze Folge als Videopodcast, ohne Werbung zu sehen. Gab es nicht auch im Film, im Abspann am Ende, Originalfotos zu sehen? Ja, ich habe ein paar Originalfotos natürlich auch dabei. Ja, toll. Ich freue mich drauf. Wenn ihr übrigens sehen wollt, wie ein richtig heftiger Mexiko-Filter aussieht, dann kann ich euch diesen Film auch empfehlen. Das ist dieser Filter, der alles gelb macht.
Ja, ja, ich weiß. Übrigens wollte ich nach dem Film Anwältin werden. Das war mal eine Zeit lang mein Berufswunsch. Wirklich? Jetzt sitze ich hier. Glaubt an eure Träume, Kinder. Oh, Gottes Willen. Ich bin heute in einem ganz komischen Modus drin. Naja, komm, wir holen dich aus diesem Loch hier raus. Und zwar mit einer aufbauenden Geschichte.
Und zwar von der von Aaron Brockovich. Und was, glaube ich, so der erste Aha-Effekt bei der Geschichte ist, ist, dass Erin Brockovich gar keine Anwältin war. Erin Brockovich wird am 22. Juni 1960 als Erin Patty in Lawrence, Kansas geboren. Hier im tiefen mittleren Westen wächst sie auf und geht zur Schule.
Leicht hat sie es nicht, denn Erin hat Dyslexie. Das Lernen im klassischen Schulsystem fällt ihr schwer. Doch ihre Mutter, eine Journalistin, sieht die Fähigkeiten ihrer Tochter. Sie bringt ihr bei, wie sie auch außerhalb der starren Schulstrukturen denken und lernen kann. Auch ihr Vater hält dagegen, wenn in der Schule die LehrerInnen sagen, dass sie es nie zu einem Abschluss schaffen würde.
Ihre Eltern bringen ihr bei, wenn sie ihre Energie richtig einsetzt und auf ein Ziel hinarbeitet, dann kann sie alles schaffen. Und Erin schafft den Schulabschluss. Anschließend studiert sie in Dallas, Texas angewandte Kunst. Und was macht sie damit? Wie so viele, weiß sie das nicht. Nur eine Sache weiß sie. Sie will nach Kalifornien.
Der Lifestyle zieht sie an. Die nächsten Jahre in Los Angeles sind ein Auf und Ab, ein Hin und Her. Sie arbeitet mal im Management eines Supermarktes, dann nimmt sie an Misswahlen teil und sie studiert Elektroingenieurwesen. Mit ihrem ersten Ehemann und den zwei Kindern zieht sie nach Reno in Nevada.
Sie arbeitet dort in einer Maklerfirma, lässt sich scheiden, heiratet wieder und lässt sich wieder scheiden. Von ihren zwei Ex-Männern bekommt sie bei der Erziehung der Kinder wenig Unterstützung. Sowohl emotional als auch finanziell. Mit Anfang 30 hat Erin gefühlt alles gesehen und erlebt. Und wäre das nicht genug, trifft sie 1991 der nächste Schicksalsschlag.
Ein schwerer Autounfall verletzt sie so stark, dass sie sich einer Nacken-OP unterziehen lassen muss. Die Kosten für die Behandlung bringen die junge Frau an ihre Grenze. In der Hoffnung auf eine hohe Schadensersatzzahlung meldet sie sich bei der Anwaltskanzlei Masri und Vietito, die auf genau solche Fälle spezialisiert ist.
Mit ihrem Anwalt Jim Vietito zieht sie vor Gericht und wird wieder enttäuscht. Zwar bekommt sie eine Schadensersatzzahlung zugesprochen, doch die ist so gering, dass Erin weiterhin finanziell Probleme hat. Sie braucht unbedingt einen guten und sicheren Job. Vielleicht in einer Anwaltskanzlei. Und über den nächsten Teil ihrer Lebensgeschichte, da gibt es so unterschiedliche Angaben.
Also auch im Film ist dieser Autounfall und dieser Beginn der Geschichte, eigentlich dieser Ermittlungsgeschichte, ein bisschen größer dargestellt. Also sie wird im Film auch von Ed Mercery vertreten, nicht von seinem Partner. Und sie bekommt im Film gar keine Schadensersatzzahlung zugesprochen. Also das ist so ein bisschen dramatisiert, ist ein bisschen größer gemacht, wo ich mir so dachte, Klar, es ist eh schon dramatisch genug, aber für den Film wurde das Ganze nochmal eine Spur aufgeblasen.
Tatsächlich ist es am Ende Jim V. Tito, also der Partner von Ed Masry, der ihr einen Job in der Kanzlei anbietet. Auch einfach ein bisschen aus Mitleid, weil er sieht, diese alleinerziehende Mutter mit drei Kindern, die hat finanzielle Probleme. Ich konnte jetzt nicht irgendwie die große Schadensersatzzahlung zusprechen, aber sie kann jetzt hier als Anwaltsgehilfin ein bisschen helfen, um die Akten zu sortieren und irgendwie Fälle vorzubereiten.
Und sie hat ja auch schon wirklich viel gemacht. Also sie hat zwei Studien oder anderthalb, würde ich sagen, Studien hinter sich. Sie hat in unterschiedlichen Jobs gearbeitet. Also sie kann Büroarbeit. Ja, ich habe Bilder mit von Aaron und von Ed. Und ich zeige dir erst mal, wie die beiden in echt aussahen.
Und dann habe ich auch noch ein Bild von dem Filmpaar mit, weil ich das ganz spannend fand, einmal die Ähnlichkeiten zu sehen. Also, das sind Ed und Erin. Ich bin gerade... Voll überrascht, weil Julia Roberts ja eine sehr, sehr gute Besetzung für diese Frau ist. Richtig, fand ich auch, ja. Also klar, die sind jetzt nicht sich komplett aus dem Gesicht geschnitten, aber so vom Typ, also die Frau hat nämlich auch ein komplett gewinnendes Lächeln.
Komm, dann packe ich gleich mal das Filmpaar nochmal daneben, also Julia Roberts und Albert Finney. Ja, sorry, ich habe natürlich jetzt erst auf die Frau geguckt. Ich habe ihn jetzt gerade völlig außer Acht gelassen. Also im Film sieht er jünger aus als auf dem Originalfoto, finde ich. Aber das kann natürlich jetzt auch sein.
Ich weiß jetzt nicht, aus welchem Jahr du mir das Foto gezeigt hast. Das ist ein Schwarz-Weiß-Foto von einem schon weißhaarigen Mann im Anzug mit einer riesigen Brille, der sehr fest entschlossen und mit so einem patenten Lachen in die Kamera guckt, würde ich sagen. Bisschen verschmitzt, ne? Bisschen verschmitzt, aber auf jeden Fall eine Person, der man zutraut, dass sie einen vor Gericht.
Gewissenhaft vertreten würde, würde ich sagen. Jetzt weiß ich natürlich auch, dass er ein gutes Herz hatte und ihr einen Job gegeben hat. Vielleicht spielt das gerade ein bisschen... Er nicht. Ach so. Das ist Ad Masry. Von Jim wie Tito habe ich jetzt kein Foto dabei, weil der tatsächlich für den weiteren Verlauf der Geschichte keine große Rolle spielt.
Das ist Ad Masry. Das ist der Zweite, dem die Kanzlei gehört, mit dem sie jetzt in Zukunft zusammenarbeiten wird. Das war vielleicht nicht ganz klar. Ach so, entschuldige. Ja, und auf jeden Fall die originale Aaron hat eine blonde Lockenpracht, sieht auf dem Foto irgendwie ganz schick gekleidet aus, ich weiß nicht, ob es ein schwarzes Top ist oder ein Kleid, eine Kette an und lacht auf jeden Fall wirklich mit einem Million Dollar Smile irgendwie in die Ferne, sieht sehr happy aus.
Und danach haben wir dann das Foto von Julia Roberts und dem Schauspieler... Herbert Finney. Aha. Und ja, ich finde, es ist wirklich optisch gut besetzt erst mal. Julia Roberts war tatsächlich auch von Anfang an die Traumbesetzung der Produzenten. Und das war erst so ein bisschen... Weil die war ja zu dem Zeitpunkt schon ein Riesenstar. Und viele Leute in der Produktion hielten das für ausgeschlossen, dass sie diese Rolle annehmen wird, weil sie viel andere, größere, vielleicht auch glamourösere Rollen hätte haben können.
Aber sie fand das Drehbuch so überzeugend und die Rolle so spannend, dass sie den Film machen wollte und damit auch mit der damals Rekordgage von 20 Millionen Dollar entlohnt wurde. Wow. Dafür müssen wir einige Podcasts produzieren. Aaron hat jetzt also den Job in der Firma von Ed Masary und Jim Bittito bekommen und ist dort als Rechtsanwaltsgehilfin, ist glaube ich so der deutsche Fachbegriff, ist sie dort im Grunde damit beschäftigt, Akten zu sortieren, Fälle vorzubereiten und einfach bei der allgemeinen Büroarbeit zu helfen.
Bevor wir jetzt gleich schauen, wie der Fall so seinen Lauf aufnimmt, möchte ich gerne noch ein paar Worte zu Ed Masery verlieren, also dem Anwalt, mit dem sie jetzt in Zukunft zusammenarbeitet. Denn wenn ihr jetzt denkt, dass Arons Lebensgeschichte schon wild war, dann schnallt euch an, denn ihr neuer Chef, der hatte es ebenfalls faustdick hinter den Ohren.
1992, als Aaron in der Kanzlei von Ed Masery anfängt zu arbeiten, geht Ed schon so langsam auf das Ende seiner Karriere zu. Mit 60 Jahren hatte er schon so ziemlich alles vor Gericht vertreten. Einen evangelikalen Pfarrer, Pamela Anderson, einen Yachtbesitzer, der Batterien in einen See geworfen hat und einen Stripper.
Für seine Fälle schreckte Ed vor nichts zurück. In den 70er Jahren entführte er sogar nach eigenen Angaben zwei Kinder aus Hongkong nach Australien. Ein andermal bestoch er den Staatsanwalt von Kalifornien. Insgesamt fünfmal wurde der Anwalt für verschiedene Vergehen verhaftet. Klingt auch wie eine komplett perfekte Rolle für einen Film, ne?
Ja, und ich weiß nicht, ob du dich an den Film noch so erinnerst, aber das spielt da ja gar keine Rolle. Also als ich das dann irgendwie gelesen habe, übrigens in seinem Nachruf. Ich dachte mir, als ich diesen Nachruf gelesen habe, wo das alles aufgelistet war, es war schon nett formuliert, aber es kam auch schon deutlich raus, der Mann war, es war jetzt kein guter Samariter sein Leben lang.
Also der hat auch schon einfach das gemacht, was Aufmerksamkeit und Kohle gebracht hat. Und wie Aaron hatte auch Ed schon die unterschiedlichsten Sachen gemacht. Er war bei der Armee, er studierte verschiedene Fächer, brach diese ab und schaffte es irgendwie dann doch schlussendlich, ein Jurastudium abzuschließen.
Als die junge Aaron Brockwich in seiner Firma anfängt, weiß er erstmal nicht viel mit ihr anzufangen. Sie ist anders als seine restlichen Angestellten. Redegewand, selbstbewusst, aufbrausend und aufreizend freizügig gekleidet. Auf die Frage, ob sie sich denn nicht etwas Passenderes für das Büro anziehen möchte, entgegnet sie, ob er denn nicht mal seine Krawatten wechseln möchte.
Ist irritiert, aber auch beeindruckt von der jungen Frau. Nachdem Erin in den ersten Monaten bei Masri v. Tito einen guten Job gemacht hatte, wird sie ins Team für Wirtschaftsstreitigkeiten befördert. Anfang 1993, während irgendwo in Deutschland eine junge Frau namens Lily Temme zur Welt kommt, sitzt Erin Brockovich vor einer Box mit unbearbeiteten Fällen.
Ich dachte mir, ich streue das auch immer mal wieder ein, weil ja auch unklar ist, wie alt du eigentlich bist. Da können Leute sich mal hinsetzen und mal grob durchrechnen. Einer der Fälle, die Aaron da vor sich hat, ist besonders auffällig. Es ist ein Immobilienfall aus Hinkley. Und eigentlich geht es nur um die Frage, warum die Firma PG&E der Klientin Roberta Walker eine völlig aufgeblasene Summe für ihr Haus zahlen möchte.
Doch Aaron hat ein Gefühl, dass es hier um mehr geht. Denn in den Unterlagen finden sich zahlreiche medizinische Dokumente wie Blutanalysen. Was haben die in einem Immobilienfall zu suchen? Erin fragt Ed, ob sie sich in diesem Fall etwas reinarbeiten darf. Der Anwalt, der eh nicht sonderlich viel Interesse an dem Fall hat, sagt, ja.
Und Erin macht sich auf den Weg nach Hinkley. Und von Hinkley habe ich dir einmal ein Foto mitgebracht, um einmal so ein bisschen den Vibe dieser Gegend zu beschreiben. Also das sind mal so zwei Bilder aus Hinckley, einmal so eine Drohnenaufnahme und ein Bild der Schule. Ja, sieht ein bisschen trostlos aus, da die Gegend.
Wenig grün. Ich weiß nicht, ob die Häuser, die da zu sehen sind, bewohnt sind? Nicht mehr, weil das ist ein Bild von heute. Ach so, okay. Deswegen dann auch trostlos, ich verstehe. Ja, die Schule ist eingezäunt. Es sieht irgendwie so ein, ist das auch von heute das Bild von der Schule? Also ist auch die Schule nicht mehr in Betrieb? Nee, oder? Aber die Fahnen wehen ja noch.
Auch die Schule ist mittlerweile geschlossen. Auch die ist mittlerweile geschlossen, okay. Ja, es wirkt ein bisschen wie so eine verlassene, oder es wirkt nicht nur, es sieht aus wie eine verlassene Stadt, die es ja auch ist. In the middle of nowhere, irgendwie so gefühlt. Aber man sieht selbst wahrscheinlich zu den Zeiten, als diese Stadt noch bewohnt war, die Häuser stehen spärlich.
Es ist jetzt keine Stadtstadt im klassischen Sinne. Nee. Und die hatte also schon bei Durchsicht der Unterlagen so einen richtigen Riecher, ja? Ja, und das, ich meine, da kommen wir jetzt so an den Punkt, Der, so was ist dramatisiert? Was war die reale Geschichte? Sie schaut halt die Unterlagen durch und stellt dann halt fest, dass da diese medizinischen Analysen etc. mit drin liegen.
Wann sie wie da drauf gekommen ist, wissen wir nicht. Es ist aber so, dass die Geschichte ist, dass sie Fälle durcharbeiten soll, die Ad Mastery pro bono angenommen hat, also dafür kein großes Gehalt verlangt, sondern die ja so ein bisschen mitbearbeitet. Er hat jetzt nicht so das größte Interesse daran, sondern sagt, ja, Aaron, kannst du dich mal ein bisschen drum kümmern, kannst du dich mal so ein bisschen...
Genau, und Hinkley liegt so gut, ja, anderthalb, zwei Stunden nordöstlich von L.A. Also sie kann von dort hinfahren und macht das dann auch regelmäßig. Ist aber schon immer ein gutes Stück, ne? Genau, also es sind schon zwei Stunden hin, zwei Stunden zurück. Und in Hinkley steht eben eine Gaspumpstation der Firma PG&E.
Diesen Namen werde ich heute noch ein paar Mal wiederholen. Also PG&E, es steht für Pacific Gas and Electric. Und diese Firma ist im Grunde für, wie der Name schon sagt, jede Gas- und Elektroversorgung an der Westküste zuständig. Also die haben ein Gasnetz von Texas bis hoch nach Oregon, einmal an der Westküste lang. Und was ich nicht wusste, ist, wenn man Gas...
Verschickt oder durch Rohre leitet, dann muss das immer mal wieder so aller 500-600 Kilometer neu komprimiert werden. Eine dieser Gaspumpstationen oder Komprimierungsstationen, die steht eben in Hinkley. Und mit dieser Pipeline, die da einmal quer durch Kalifornien geht, werden gut viereinhalb Millionen Kunden versorgt.
Also das ist schon so eine gewisse Lebensader, die da durch Hinkley durchgeht. Und in Hinkley trifft Erin auf Roberta Walker und ihre Familie, die seit Jahren mit den unterschiedlichsten Krankheiten zu kämpfen hat. Und Roberta ist auch die mit der Akte, ja? Genau, das ist die, die den Fall an Edmarsary geschickt hat oder gefragt hat, ob er sich das anschauen kann.
Und alle in der Familie haben Asthma. Robertas Kinder haben chronisches Nasenbluten. Ihr Mann leidet an Prostatakrebs und Roberta selber hat auch schon selber mehrere Magen-OPs hinter sich. Und ihr wurden Tumore aus der Brust entfernt. Also man kann wirklich sagen, die Familie hat schon gefühlt alles durchgemacht.
Roberta wusste, dass irgendwas nicht stimmt. Denn spätestens als der Energieversorger PG&E anfing, die Bewohner von Hinckley mit abgefülltem Wasser zu versorgen, kam ihr Zweifel auf. Roberta fing an, nach und nach mehr Wasser zu bestellen. Sie wollte sehen, wie weit sie gehen konnte. Irgendwann lieferte ihr PG&E genügend Wasser, dass sie ihren Pool damit füllen konnte.
Auf ihre Nachfrage, warum PG&E denn so viel Wasser zur Verfügung stellte, sagte ihr ein Angestellter des Unternehmens, dass es sich um eine reine Vorsichtsmaßnahme handelt. Im Boden und damit im Grundwasser sei etwas Chrom 3 gefunden worden. Gefiltertes Wasser sei daher also besser. Und der hohe Preis für das Haus, wie kam der zustande, möchte Aaron wissen.
Roberta sagte, dass PG&E angeblich eine neue Straße zur Gasstation bauen möchte und dafür ihr Haus weichen müsste. Chrom 3, gefiltertes Wasser, ein überteuertes Angebot für ein Haus, irgendwas passt hier nicht zusammen. Roberta Walker ist eine zentrale Person in diesem Fall. Nicht nur, weil sie eben den Fall bei Admiralty eingereicht hat oder gefragt hat, ob er sich das anschauen kann.
Die hat so viel getan, Unterlagen gesammelt, ihr selber ist so viel passiert, dass ihre Rolle im Film auf mehrere Personen aufgeteilt wird. Das ist, im Film gibt es die Rolle Donna Janssen Das ist die Rolle, die ein bisschen von Roberta inspiriert ist, das ist also auch die, die den Fall dann einreicht, aber insgesamt wurden all die Dinge, die sie gemacht hat auf unterschiedliche Personen verteilt Hat man das wohl gemacht, weil sonst sie die Hauptfigur geworden wäre? Wahrscheinlich, ne?
Ich könnte mir vorstellen, dass sie dann zu zentral geworden wäre, ja, weil wenn sozusagen Erin immer nur mit ihr zusammenarbeitet im Film, der immer wieder nur zu ihr zurückkommt, dann wäre ihre Rolle wahrscheinlich ein Ticken zu groß geworden. Kommen wir später nochmal drauf zu sprechen, weil das ist vor allem im Nachgang des Films nicht ganz unwichtig.
Und jetzt gibt es auch hier wieder so ein bisschen unterschiedliche Erzählungen, wie der Fall weitergeht. Im Film geht Aaron zur lokalen Wasserbehörde. Also so, das kann man so schwer besetzen. In den USA gibt es sogenannte Waterboard, heißt das, das sich im Grunde um die Wasserversorgung in der Region kümmert oder da in der Gemeinde.
Das gibt es in Deutschland nicht so richtig. Also man kann das mit so einer Stadtbehörde vergleichen. Und dort kopiert sie sich so halblegal Unterlagen zusammen, die diese Chrom-3-Belastung zeigen sollen. In echt war es wahrscheinlich so, dass es eine Kombination aus vielen unterschiedlichen Informationen war, die Aaron zusammengetragen hat.
Es war jetzt nicht ganz so einfach, dass sie irgendwo reinmarschiert ist und die paar Unterlagen gefunden hat. Aber nach und nach, noch über einen längeren Zeitraum, sammelt sie eben immer mehr Unterlagen und immer mehr Daten zusammen, die zeigen, hier ist das Grundwasser belastet. Wie viele Menschen leben in diesem Ort? Oh, das war nicht so viel.
Ich komme, glaube ich, später nochmal darauf zurück. 1.500, 2.000, so ungefähr. Okay, also auch nicht so viel. Und es gab schon Dokumentationen darüber, dass das Wasser da so sehr belastet ist. Aber es wurde nichts dagegen unternommen, sondern die Firma, die für diesen Gasaustausch beziehungsweise die Gasbearbeitung zuständig war, hat einfach dafür gesorgt, dass die Leute sauberes Wasser bekommen.
Die offizielle Information von PG&E war, das Grundwasser ist mit Chrom 3 belastet. Und dazu komme ich jetzt, denn Chrom 3 ist grundsätzlich jetzt erstmal kein Problem. Aber was Aaron nach und nach herausfindet, ist, dass es sich gar nicht um Chrom 3, sondern um Chrom 6 handelt. So, und jetzt fragt man sich vielleicht, Chrom 3, Chrom 6, gibt es da einen großen Unterschied? Die Antwort ist ja.
Denn gemein haben die beiden Stoffe nur, dass sie als Rostschutzmittel verwendet werden. Doch während Chrom 3 vor allem bei Haushaltsgegenständen wie Küchengeräten, Autos, Werkzeug eingesetzt wird, wird Chrom 6 vor allem in der Militär- und Flugzeugtechnik genutzt. Also überall, wo Extremsituationen herrschen.
Doch dieser Einsatz hat auch seinen Preis. Denn Chrom 6 ist hochgiftig. Daher kommt es im Gegensatz zu Chrom 3 auch nicht in der Natur vor. Doch in der Natur rund um Hinkley findet Aaron Brockovich eben Chrom 6. Und davon nicht zu wenig. Die Grenzwerte sind weit überschritten, wie offizielle Dokumente der Wasserbehörde zeigen.
Dass jemand wie Aaron jetzt tagelang durch Hinkley irrt und mit lokalen Behörden, sprich Dokumente sammelt, sorgt in der kleinen Wüstenstadt für Aufsehen. Es spricht sich herum, worum Aaron hier ist. Schon bald melden sich weitere Menschen bei AdMastry, die ähnliche Erfahrungen wie Roberta Walker gemacht haben.
Krebserkrankungen, Fehlgeburten, kranke und tote Tiere sind in Hinckley an der Tagesordnung. Erin weiß, sie ist hier an was ganz Großem dran. Aber Ed, der will mit dem Fall ehrlich gesagt nichts zu tun haben, denn er weiß, wenn man sich mit einem Multimilliarden-Konzern wie PG&E anlegt, dann braucht man tiefe Taschen und einen langen Atem.
Er will den Fall wirklich nicht bearbeiten. Aber wie so oft kämpft Erin für ihr Ziel. Boah, aber das kann ich mir auch vorstellen, dass das gar keinen Bock macht, sich um sowas zu kümmern. Also dieses Gefühl von, ja. Es ist gut, dass du keine Anwältigung geworden bist, Lilly. Ja, wahrscheinlich schon.
Dieses Gefühl von, ja, ich habe hier so ein paar Pro Bono-Fälle. Ich wurde überfahren. Nein, aber nur so ein paar Pro Bono-Fälle, das wird jetzt wohl nicht so lange dauern. Und dann merkt man, oh nee, das wird jetzt richtig lange dauern. Weil so Sachen zusammenzusuchen, Daten zu erheben und so, das sind ja auch alles Aufgaben, die überhaupt keinen Spaß machen.
Also das Gefühl von, oh nee, echt scheiße, was hast du denn da jetzt gefunden? Das kann ich ein bisschen nachvollziehen. Ja, vor allem bei Ad, ich meine, er hat eine Anwaltskanzlei, die gut läuft, aber die jetzt auch nicht riesig ist. Das ist jetzt kein großes, das ist jetzt keine Kanzlei mit Hunderten von Angestellten, ja, Anwälten und Anwältinnen, sondern das ist immer noch ein kleines Familienunternehmen.
Das übersteigt einfach wahrscheinlich die Kapazitäten. Richtig. Und würde zu viel Raum und Zeit einnehmen für die anderen Sachen, also dass da irgendwie andere Sachen nicht bearbeitet werden können. Und wie das Chrom-6 jetzt ins Grundwasser gekommen ist, das würde ich ja an diesem Punkt schon mal vorwegnehmen.
Das liegt nämlich daran, dass PG&E in den 50er und 60er Jahren die Rohre des Kühlsystems eben mit Chrom-6 behandelt hat, damit diese nicht rosten. Und das Kühlwasser in den Rohren wurde dann in sogenannte Vorhaltebecken geleitet, von dem es dann wieder in die Kühlrohre geleitet wurde. Aber aus diesen Becken ist eben das Wasser auch nach und nach ins Grundwasser gelangt. Weil das nicht dicht war, oder was?
Ja, weil das jetzt, wie gesagt, das 50er, 60er Jahre, da war, glaube ich, Umweltschutz und generell Gefahren von solchen Chemikalien nicht immer ganz oben auf der Tagesordnung. Jetzt hast du ja schon gesagt, dass das Vorkommen von Chrom 6 dokumentiert war. Da ist natürlich jetzt meine Frage, warum dann niemand irgendwas unternommen hat.
Also die Faktenlage ist ja relativ klar. Ist leider auch so ein bisschen unklar, wie sich das für mich sozusagen angehört hat nach der Recherche. Ist zum einen, dass die Grenzwerte immer mal wieder überschritten waren, aber es da wahrscheinlich Fluktuationen gab. Plus, es hat glaube ich scheinbar nicht so richtig jemand interessiert.
Das ist unfassbar. Und wir sind wieder, wie so oft bei solchen Fällen, an dem Punkt eine riesige Firma, ein Milliardenkonzern in einer sehr kleinen Stadt. Ja, mein Gott, dann nimmt man das vielleicht auch mal so ein bisschen hin. Und das Chrom 6 ist also jetzt im Grundwasser und die Menschen werden davon krank, weil sie es natürlich jeden Tag trinken, weil sie damit duschen, weil sie das Wasser im Pool haben, damit ihre Pflanzen gießen etc.
Und genau diese Krankheiten, die sieht Erin jetzt im Grunde täglich, wenn sie nach Hinckley fährt, mit den Leuten spricht und erfährt, woran die Menschen in Hinckley so leiden. Das ist so ihr Antrieb, Ed immer wieder ein bisschen auf den Sack zu gehen und zu sagen, hey, wir müssen diesen Fall behandeln, den Menschen geht es wirklich schlecht.
Und ja, nach und nach lässt sich Ed Massery dann widerwillig breitschlagen, diesen gigantischen Umweltskandal aus Hinckley weiterzuführen. Er stellt Erin nur eine Bedingung. Sie muss alle relevanten Dokumente auftreiben. Keine halben Sachen, keine leeren Versprechen. Jeder und jede potenzielle Klägerin muss ein wasserdichter Fall sein.
Also fährt Erin wieder nach Hinckley. Zu Festen und Grillabenden. Sie klopft an Türen, verteilt Flyer, erzählt, hört zu und schreibt auf. Was sich zuerst wie eine unmögliche Aufgabe anfühlt, wird bald zu einer Bewegung. Über 400 Personen hat sie nach und nach zusammengesammelt, die sich der Klage gegen PG&E anschließen wollen.
Aber was für Aaron mehr in Durchbruch wirkt, macht Ed plötzlich noch mehr Angst. Denn klar, sollten sie diesen Fall gewinnen, steht eine riesige Summe im Raum und davon würde seine Firma 40% abbekommen. Aber Mitte 1993 sieht Ad vor allem eins. Absurd hohe Kosten. Doch die persönlichen Schicksale der Menschen von Hinkley, von denen Aaron ihm jeden Tag erzählt, machen ihn weich.
Er reicht die Klage gegen PG&E ein. Doch die nächste Hürde lässt nicht lange auf sich warten. Denn PG&E kommt mit sogenannten Demirrors um die Ecke. Ed hatte das schon befürchtet. Demirrors, das ist keine Figur aus Harry Potter, sondern das sind Anträge, mit der die Rechtmäßigkeit bzw. Die Schlüssigkeit der Klage überprüft werden soll.
PG&E reicht die Demurre ein, aber das Gericht sieht keine Unregelmäßigkeiten. Die Informationen, die Aaron zusammengetragen hat und die Klage, die er daraus gestrickt hat, sind rechtmäßig. Der Antrag wird abgelehnt und der Fall ist offiziell eröffnet. Doch PG&E legt direkt nach. Das Unternehmen schickt seine Anwälte zu Ed Masry ins Büro.
Sie bieten ihm 20 Millionen Dollar. Für alle der 411 Kläger. Das muss ich mal kurz umrechnen. Das ist nicht viel. 20 Millionen? 20 Millionen für? 50.000. Für jeden 50.000, ja. Das ist ja ein Scherz. Das ist ein Scherz. Und das sehen auch Aaron und Ed so. Und in dem Film gibt es dann eine sehr starke Szene, wie Aaron diesen PG&E-Anwälten gegenüber sitzt und aufzählt, was für Krankheiten sie da jeden Tag sieht.
Asthma, Fehlgeburten, krebskranke Kinder. Und dann schaut sie den Anwälten in die Augen und fragt, ist ihnen das 20 Millionen Dollar wert? Und es gibt noch eine andere Szene im Film an dieser Stelle, die auch stark ist, die aber eigentlich erst in echt später passiert. Und zwar stellen sie den Anwälten Wasser hin natürlich.
Und als eine der Anwältinnen einen Schluck nehmen möchte, sagen sie, das ist übrigens Wasser aus Hinckley, das haben wir ihm mitgebracht. Und dann stellt die Anwältin das Glas ganz langsam wieder ab und dann gehen die. Das ist in echt nicht in dem Moment passiert, sondern erst bei einer späteren Verhandlung, aber es ist natürlich auch bildlich, es ist schon stark, wenn man dann sieht, wie sie eigentlich wissen, was das für Konsequenzen hat, was da draußen passiert.
Aaron und Ed lehnen dieses Angebot, diese 20 Millionen Dollar jetzt also ab, ohne zu zögern. Nur, wie geht es nun weiter? Ed weiß, sollte es zu einem Gerichtsverfahren kommen, kann es Jahre oder sogar Jahrzehnte dauern, bis ein endgültiges Urteil gefällt wird. Zum Unmut von Aaron möchte er daher ein privates Schiedsverfahren eröffnen und den Fall so beilegen.
Und diesmal hat Aaron keine Argumente. Ed setzt sich durch. Noch PG&E stimmt dem Schiedsverfahren Mitte 1993 zu. Doch Ed hat noch ein anderes Problem. Seit Monaten hat er keine neuen Fälle angenommen. Seine ganze Kraft und Geld geht in den Fall Hinckley. Auf sein Haus hat er sogar schon eine zweite Hypothek aufgenommen.
Aber selbst so, wenn es gut läuft, hat er noch ein bis zwei Monate. Wenn es gut läuft. Ach Wahnsinn, dieses Ausmaß war mir gar nicht bewusst, dass auch er mit seiner Kanzlei da so ins Wanken geraten ist. Das ist jetzt so ein Fall, wo man gerne noch ein bisschen mehr reingehen wollen würde, weil wie gesagt, er sieht natürlich jetzt an dem Punkt auch, dass da Geld drin ist in diesem Fall.
Weil ich hatte es ja angesprochen, seine Firma würde 40 Prozent des Schadensersatzes bekommen. Also selbst von diesen 20 Millionen würden erst mal 40 an der Entgehen. Also es ist schon auch eine gute Menge, aber er weiß eben, dass das lange Zeit dauern kann, bis das Geld überhaupt bei ihm ankommt. Ja, und ich weiß auch nicht, aber zu dem Zeitpunkt ist ja dann auch wirklich allen Beteiligten klar, dass die Kacke richtig am Dampfen ist. Ja.
Und dann will man vielleicht auch nicht einfach so klein beigeben, beziehungsweise dem ersten kleinen Finger, der einem hingehalten wird, den ergreifen, sondern dann denkt man sich ja erst recht so, nee, also Leute, jetzt? Ja. Jetzt? Kommen wir euch aber richtig. Und ich finde, man kann an diesem Punkt aber auch so ein bisschen sehen, Klar hat er wahrscheinlich die Schicksale der Menschen gesehen.
Er hat das jetzt aber nicht nur gemacht, weil er den Menschen helfen wollte. Also der Fall war jetzt schon lange nicht mehr pro bono. Ja, ja. Ja, sondern er hat da auch ein Geschäft gesehen und auch einen Weg, sich nochmal zu profilieren und so kurz vor der Rente seinen Namen irgendwie in die Geschichtsbücher einzumeißeln.
Und jetzt dieser Unterschied zwischen dem privaten Schiedsverfahren und dem öffentlichen Gerichtsverfahren, der ist auch ganz wichtig, Weil Erin möchte eigentlich das öffentliche Gerichtsverfahren. Sie möchte die große Bühne, sie möchte den öffentlichen Prozess. Und Ed besteht auf dieses private Schiedsverfahren.
Das sorgt auch für Verstimmungen zwischen den beiden, weil bei einem privaten Schiedsverfahren ist nichts öffentlich. Das ist auch ein Grund, warum man zu diesem Fall nicht mehr Informationen findet, was eigentlich am Ende besprochen wurde oder behandelt wurde und was für Zahlen da im Raum standen bezüglich der Wasserversorgung etc.
Das private Schiedsverfahren ist vertraulich hinter verschlossenen Türen und wird von Schiedsrichtern im Grunde durchgeführt. Das sind oft Anwälte oder ehemalige Richter, die von den beiden beteiligten Parteien bezahlt werden. Und in einem öffentlichen Gerichtsverfahren, dann hat man staatliche Richter, man ist auch ans Gesetz gebunden, man kann in Revision gehen.
All diese Sachen gibt es im privaten Schiedsverfahren nicht. Das heißt, es geht schneller? Es geht schneller und es gibt eine Entscheidung, die endgültig ist. Das ist auch wichtig. Von außen scheint der Fall jetzt also klar. PG&E hat das Grundwasser verunreinigt. Hunderte von Menschen leiden unter den Folgen. Doch es gibt ein Problem. Ein gewaltiges.
Alles, was Ed und Aaron hier bisher gesammelt haben, das belastet nur die PG&E-Gasstation in Hinkley. Aber nicht den Mutterkonzern in San Francisco. Was wusste man in der Zentrale? Das ist die entscheidende Frage. Denn nur, wenn das Desaster in Hinkley von ganz oben vertuscht wurde, ist eine große Schadenssumme drin.
Um weiter an dem Fall arbeiten zu können, braucht Ed mehr Unterstützung. Die bekommt er schließlich von zwei Anwaltskanzleien aus Los Angeles. Doch diese wollen den Fall zunächst noch einmal selber prüfen. Denn mittlerweile gibt es 633 KlägerInnen. Das sind ungefähr 30% von Hinkley. Im Ort wächst jetzt so langsam die Unruhe und die Ungeduld. Denn nicht alle sind damit einverstanden, dass der Fall über ein Schiedsverfahren beigelegt wird.
Einige AnwohnerInnen schicken sogar eigene Vorschläge zur Konfliktbeilegung an PG&E. Das sorgt nicht nur für Verwirrungen bei dem Gaskonzern, sondern auch bei Ad. Denn um zu einem verbindlichen Ergebnis zu kommen, müssen sich alle 633 KlägerInnen einig sein. Die Anwältinnen brauchen die Unterschrift von jeder und jedem Beteiligten.
Und im Film kommt es hier auch wieder zu einer ikonischen Szene. Und zwar spricht Ed Masry vor dem versammelten Dorf in so einer großen Turnhalle. Tatsächlich gab es diese Szene so aber nie. Also es gab nie so diese eine große Versammlung. Man hat da auch wieder versucht, Sachen zusammenzuführen, um zu verdeutlichen, mit welchem Problem Ed und Arian zu diesem Zeitpunkt zu kämpfen hatten. Denn ...
In dieser Szene kommt Unmut auf, als die Leute erfahren, dass ein privates Schiedsverfahren bedeutet, dass sie zum Beispiel eben keine Möglichkeit haben, Einspruch zu erheben. Und auch als Ad erklärt, dass die Summe irgendwo zwischen 50 und 400 Millionen Dollar liegen wird, kommt keine Ruhe rein. Denn es ist unklar, wie das Geld später verteilt werden soll.
Manche fordern mehr, weil sie schon länger krank sind oder früher betroffen waren und die Stimmung ist allgemein einfach schlecht. Doch Ed weist die Bewohnerin darauf hin, dass ein reguläres Gerichtsverfahren 10, 15 oder sogar 20 Jahre dauern könnte, bis ein Urteil dann endlich rechtskräftig ist. Und dieses Argument scheint zu überzeugen. Die Anwesenden unterschreiben.
Doch auch nach dem Abend fehlen einige Unterschriften. Also machen sich Ed und Aaron auf den Weg und klopfen an die restlichen Türen, um auch die fehlenden Zustimmung einzuholen. Wahnsinn, was das für ein Aufwand ist. Ja, und auch als sie dann alle Unterschriften zusammen haben, bleibt ein Problem. Sie haben immer noch keinen Beweis, dass man in der PG&E-Zentrale von den Versorgungen wusste.
Und da musste ich auch wieder an den Fall in Flint denken, weil da gab es ja dann einen Prozess, aber auch bis dann die Summen ausgezahlt wurden etc. Das hat ja wirklich ewig gedauert, bis bis heute. Aber wenn die zuständige Wasserbehörde ja davon wusste, muss es doch irgendeinen nachweislichen Schriftverkehr zwischen der Behörde und dem Unternehmen gegeben haben, oder nicht?
Die müssen ja darauf hingewiesen haben, hallo Leute hier bei euch. Nee? Wie gesagt, das ist nicht bekannt. Das ist ja auch unglaublich. Es ist unglaublich. Und das ist mir, glaube ich, auch nochmal wichtig hier zu sagen. Es ist leider, das ist bei diesem Fall, es gibt einfach Lücken, wo man, darauf vertrauen muss, was in diesem Film erzählt wurde oder was Beteiligte danach gesagt haben.
Es gibt keine offiziellen Unterlagen, die dann darauf hingewiesen haben, dass PG&E in der Zentrale davon musste. Keine offiziellen Unterlagen. Und an dem Punkt würde ich noch mal so kurz eine Schleife aufmachen zu Erin und zu ihrem Privatleben. Weil man hat es vielleicht jetzt wieder vergessen an diesem Punkt, aber Erin ist ja immer noch alleinerziehende Mutter mit drei Kindern.
Ja, da habe ich es natürlich auch dran gedacht. Und fährt jetzt da ständig irgendwie nach Hinckley raus und hat natürlich nicht ihre drei Kinder dabei. Sie hat zu dem Zeitpunkt eine Beziehung mit George. Und George ist Handwerker und verdient auch ganz gutes Geld, aber er kümmert sich zu dieser Zeit eben um seine Kinder.
Und auch das ist im Film dann natürlich so ein bisschen dramatisiert, aber wahrscheinlich schon an der Realität, dass er zum Beispiel die ersten Worte ihrer kleinen Tochter, die damals, glaube ich, so anderthalb ist, mitbekommt. Und diese Beziehung wird später auch nochmal relativ dramatisch, weil die werden nicht zusammenbleiben.
Und er wird sie später zusammen mit ihrem Ex-Mann, also mit Herrn Brokowitsch, verklagen und ihr vorwerfen, dass sie zu diesem Zeitpunkt eine Affäre mit Ed Masri hatte. Also auch auf dieser privaten Ebene hat Erin dann später mit einigen Problemen zu kämpfen. In dem Film wird die Beziehung immer mal wieder angeschnitten und besprochen und natürlich hilft sie der Geschichte in der Dramatisierung, dass natürlich klar wird, dass Erin ihre Familie auch ein Stück weit im Stich lässt und sie sich voll und ganz den BewohnerInnen von Hinckley verschrieben hat.
Und wie genau die Beziehung im echten Leben ablief und wer wie was gemacht hat, darüber gibt es jetzt keine weiteren Informationen. Deswegen habe ich das so ein bisschen auch rausgelassen, weil es ist nicht ganz unwichtig zu wissen. Dass sie natürlich irgendwie ihr ganzes Leben auch auf diesen Fall ausgerichtet hat. Es ist aber leider zu wenig bekannt, um das jetzt weiter auszuerzählen.
Und es ist auch genügend in dem Fall passiert, dass wir jetzt nicht noch eine zweite Nebengeschichte aufmachen müssen. Wir sind jetzt mittlerweile im Jahr 1994, also Anfang 1994, als Erin mal wieder in Hinckle unterwegs ist und sie in einer Bar auf einen früheren Mitarbeiter von PG&E trifft. Der arbeitet dort nämlich mittlerweile als Barkeeper.
Und er erzählt ihr, dass er von Unterlagen weiß, mit internen Memos zu den Absetzbecken, also zu diesen Ponds, wo das Wasser gelagert wurde aus den Kühlanlagen. Und besonders brisant ist darin ein Dokument aus dem Jahr 1966. Denn die Zentrale von PG&E schreibt nach Hinkley singgemäß, man wisse, dass das Wasser giftig sei, aber es wäre besser, das nicht an die große Glocke zu hängen und jetzt nicht mit den Anwohnern in Hinkley darüber zu sprechen.
So und jetzt sind wir wieder so ein bisschen an dem Punkt, wo Fiktion und Realität leider nicht so gut zu trennen ist. Wie sie jetzt genau an diese Unterlagen kommt, ist unklar. Es ist wahrscheinlich so, dass diese ehemaligen Mitarbeitenden von PG&E diese Unterlagen kopiert haben, bevor sie sie vernichtet haben oder irgendwie da rausgebracht haben.
Und aus diesen Dokumenten wird jetzt klar, in den 50er und 60er Jahren wurde in den Kühlturm der Anlage eben Chrom-6 als Rostschutzmittel eingesetzt. Das Wasser aus dem Kühlturm wurde dann zwischen den Kühlvorgängen in offene Wasserbecken geleitet und von dort gelangte es ins Erdreich. Und schließlich ins Grundwasser.
So wurde eine Fläche von etwa 3 mal 1,5 Kilometern kontaminiert. Bis 2013 wächst diese Fläche sogar auf 10 mal 3 Kilometer an. So ungefähr. Es gibt je nach Quelle unterschiedliche Angaben, wie groß diese Fläche jetzt mittlerweile ist. Also aus diesen Unterlagen wird jetzt klar, PG&E wusste über diese Verunreinigungen Bescheid.
Trotzdem informiert die Firma das Local Water Board, also diesen Teil der Gemeinde, der sich um die Überwachung der Wasserversorgung kümmert, erst am 7. Dezember 1987. Was? Also 20 Jahre später? Ja. Auch da wieder, weil du ja vorhin meintest, wusste da von niemandem was. Das ist leider an diesem Punkt nur Spekulation, wer davon wann wie in der Gemeinde was wusste.
Wir müssen uns jetzt leider damit abfinden, dass Aaron diese Unterlagen bekommt und diese Unterlagen natürlich das fehlende Puzzleteil in dem ganzen Fall ist. Denn diese Informationen helfen ihr und Ed jetzt, dass sie genügend Beweismaterial haben, um mit den Anwältinnen in das Schiedsverfahren zu gehen.
Noch hier wieder muss ich sagen, über das Schiedsverfahren selber können wir nicht weiter groß reden, weil dieser ganze Prozess eben privat und unter Ausschluss der Öffentlichkeit passiert ist. Am Ende steht aber, dass der zuständige Schiedsrichter dem Bewohnerin von Hinckley insgesamt 333 Millionen Dollar zuspricht.
Eine absolute Rekordsumme. Im Film fährt Aaron danach zu Donna, also der Figur, die an Roberta Walker angelehnt ist, und erzählt ihr, dass der Richter 333 Millionen Dollar Schadensersatz festgelegt habe und Donna daraus 5 Millionen erhalten werde. Und das ist das klassische Hollywood-Happy-End, damit endet auch der Film.
Aber das tatsächliche Ende der Geschichte ist deutlich weniger glamourös und für viele Betroffene finanziell, wie gesundheitlich, bei weitem nicht so zufriedenstellend. Ich meine, von dem Geld, was festgelegt wurde, bekommt ja auch die Anwaltskanzlei 40 Prozent, meintest du, ne? Mhm, genau. Sind ja schon nur noch, weiß ich nicht, 150 Millionen oder so übrig. Mhm.
Und das dann durch, wie viele Kläger gab es? 700 am Ende? 633. Ja, genau. Entschädigt dann auch nicht für Krankheiten, die dich das Leben kosten werden. Und ich bin jetzt vielleicht an diesem Punkt noch so ein bisschen holter die polter da durch dieses Schiedsverfahren und die letzten Unterlagen gegangen.
Der Film ist bewusst nicht darauf ausgelegt, dass der Gerichtsprozess erzählt wird. Auch dieses ganze Schiedsverfahren findet im Film nicht statt. Es gibt keine offiziellen Unterlagen zu diesem Fall, weil es eben kein Gerichtsprozess war. Was da wann wie besprochen wurde, wissen wir leider nicht. Wir wissen leider auch nicht, wann genau jetzt Aaron wo wie an die Unterlagen gekommen ist.
Wir wissen, dass es eben zwei Insider in der Firma gab, die ja diese Unterlagen zugesteckt haben. Wann wie wo und in welchem Umfang, das ist leider alles so ein bisschen offen. Aber die Informationen waren scheinbar ausreichend und substanziell genug, dass der zuständige Schiedsrichter ja diese Rekordsumme von 333 Millionen Dollar festgelegt hat.
Ich stelle mir gerade die Frage, was gewesen wäre, wenn sie genug Geld und Durchhaltevermögen und Mut vielleicht auch gehabt hätten, das in einem öffentlichen Gerichtsverfahren durchzuziehen. Ja, da kann man vielleicht jetzt auch wieder so den Verweis zu Flint ziehen. Ich weiß nicht, ob da so viel mehr drin gewesen wäre. Bei Flint war ja die Summe 600 irgendwas, 600 Millionen. Naja, es hätte mehr Aufsehen erregt, wenn es in der Öffentlichkeit stattgefunden hätte.
Ja, das auf jeden Fall. Man wüsste mehr, ne? Also diese 333 Millionen stehen im Raum und das Happy End ist leider nicht ganz so happy, wie es der Film erzählt. Denn PG&E kauft im Zuge des Skandals den Großteil der Häuser in Hinckley auf und lässt sie abreißen, um zu verhindern, dass Hausbesetzer einziehen.
Viele BewohnerInnen ziehen weg oder siedeln sich in den umliegenden Gemeinden an. Heute ist von dem Ort nur noch wenig übrig. Unter anderem eine Bar. Genau jene Bar, in der Aaron Brockovich im Film den entscheidenden Hinweis zu den Unterlagen bekommt. Als dann im Jahr 2000 der Film Aaron Brockovich in die Kinos kommt, sind viele der ehemaligen Hinkle-BewohnerInnen auf Aaron Brockovich und Ed Masri nicht gut zu sprechen.
In ihren Augen haben die Anwälte abkassiert, während viele Erkrankte vergleichsweise wenig Geld bekommen haben. Tatsächlich ging rund 40% der Vergleichssumme, also 133 Millionen Dollar, an die Anwälte. Der Rest wurde sehr ungleich verteilt. Manche erhielten nur 25.000 Dollar, andere bis zu 2 Millionen.
Wie genau die Beiträge festgelegt wurden, ist nie transparent gemacht worden, eben auch, weil es ein privates Schiedsverfahren war. Bis heute kämpfen die Menschen in Hinkley mit den Folgen der Verseuchung. Denn Chrom 6 ist weiterhin im Grundwasser vorhanden. Und die sogenannte Fahne, also die Fläche der Kontaminierung, die verschiebt sich langsam nach Norden mit dem unterirdischen Wasserstrom.
2010 wird erneut Chrom 6 im Grundwasser nachgewiesen. Es kommt zu weiteren Ankäufen von PG&E, noch mehr BewohnerInnen ziehen weg. Und im Jahr 2023 gehören PG&E so rund zwei Drittel des Ortes. Deswegen sieht das eben heute aus wie so eine Geisterstadt, wenn die einfach alles aufgekauft und abgerissen haben.
Ja, und alles verseucht ist, weil da ja auch keiner leben kann. Ja. Eine Studie, die PG&E 2014 in Auftrag gegeben hat, kommt zu dem Ergebnis, dass es zwischen 11 und 50 Jahre dauern könnte, bis alle Chrom-6-Schäden vollständig beseitigt sind. Und das vielleicht so auch als positiven Bogen jetzt hinten raus.
Man kann Chrom-6 aus dem Grundwasser entfernen oder abbauen, besser gesagt, mit zwei Methoden. Eine Methode, das finde ich eigentlich ganz charmant, wenn es sich nicht um so eine gefährliche Substanz handeln würde. Und zwar funktioniert die so, dass man am Rand dieses kontaminierten Gebietes Pumpen aufbaut, die das Grundwasser nach oben fördern und dann dort zur Bewässerung von Luzernenfeldern eingesetzt werden, also so kleinen Nutzpflanzen.
Und diese Luzerne, die kann das Chrom-6 auf natürliche Weise wieder in das ungefährlichere Chrom-3 umwandeln. So lässt sich eben das Chrom-6 umwandeln und gleichzeitig auch die Ausbreitung besser kontrollieren. Und in Bereichen, in denen die Konzentration besonders hoch ist, werden sogenannte reaktive Zonen eingerichtet.
Dort wird dann eine Mischung aus Wasser und etwas Ethanol in den Boden gepumpt. Und Mikroorganismen im Grundwasser fressen das Ethanol auf und dabei verändert sich die Wasserchemie so, dass Chrom-6 zu Chrom-3 reduziert wird. Also, das ist vielleicht ein bisschen kompliziert alles, aber man kann grob sagen, man kann jetzt Chrom 6 nicht einfach aus dem Grundwasser entfernen, sondern man kann es nur in das ungefährlichere Chrom 3 umwandeln.
Und das wird aber noch nicht gemacht? Doch, das wird gemacht. Ach so, das wird gemacht, okay. Genau, das wird gemacht und ... PG&E wurde auch im Zuge dieses Falls dazu verdonnert, eben diese Prozesse durchzuführen. Und die haben finanziell keinen Schaden daran genommen? Naja, diese 333 Millionen natürlich. Aber das ist ein Unternehmen mit mehreren Milliarden Dollar Umsatz im Jahr.
Das besteht weiterhin, das ist weiter da. Auch die Anlage in Hinkley besteht weiterhin. Tatsächlich gab es ähnliche Fälle an anderen Gaspumpstationen. Weil dieses Chrome 6 wurde nicht nur in Hinkley eingesetzt, sondern auch an anderen Stellen auf dieser Pipeline. Und tatsächlich sind Aaron und Ed im Anschluss an diesen Fall in Hinkley auch direkt mit dem nächsten Fall eine Station weiter südlich beschäftigt in Arizona.
Und da steht nämlich auch so eine Gaspumpanlage, die ein ähnliches Belastungsproblem im Grundwasser hat. Und am Ende schlagen irgendwie so zwei Herzen in meiner Brust zu diesem Fall. Weil natürlich kann man sagen, dass ohne Aaron Brockovich und Ed Masary der Fall in Hinckley vielleicht nie oder wenn nie so groß geworden wäre.
Man kann aber auch sagen, dass die beiden schon sehr stark davon profitiert haben von diesem Fall und viele Betroffene relativ wenig Geld abbekommen haben. Wenn man überlegt, selbst wenn die 200.000, 300.000 Dollar bekommen haben, wenn du davon medizinische Kosten für eine ganze Familie, für ein ganzes Leben tragen musst, dann ist dieses Geld in den USA auch einfach sehr schnell aufgebraucht.
Und auch Roberta Walker hatte eigentlich als Ziel, ja wie so eine Carte Blanche zu bekommen für ihre Arztrechnungen, die sie ihr Leben lang begleichen muss. Und das hat sie nicht bekommen. Deswegen ist sie auch bis heute sehr laut und in vielen Interviews unterwegs, die eigentlich weiter auf diese Probleme der Bewohnerin von Hinckley aufmerksam macht.
Um zu zeigen, das ist zwar eine riesige Summe, das war die größte Schadensersatzsumme, die damals je zugesprochen wurde, aber gleichzeitig für die einzelne Person an sich. Hat das jetzt nicht das komplette Leben verändert oder vereinfacht. Die konnten wegziehen, die konnten ein neues Haus irgendwo kaufen, was in der Region lag, die halt nicht kontaminiert war.
Aber die Familie hatte trotzdem weiterhin diese medizinischen Probleme und damit auch Kosten. Man weiß wahrscheinlich auch nicht, wie viel Aaron von diesen 40 Prozent abbekommen hat, oder? Das weiß man. Und das ist tatsächlich auch ... Also es gibt Quellen, die sprechen von 2 Millionen und es gibt Quellen, die sprechen von 2,5 Millionen. Im Film bekommt sie am Ende einen Scheck über zwei Millionen Dollar von Ed überreicht.
Damit endet der Film. Und als ich mich da aber ein bisschen weiter eingelesen habe, kam auch raus, dass diese zwei Millionen Dollar nicht ganz so einfach bei ihr ankam, wie das im Film erstmal scheint, sondern sie hat dann auch danach Ed verklagt, weil sie der Meinung war, dass sie nicht genügend Geld bekommen hat.
Also die Hintergründe dieses Bonus, den sie da bekommen hat, sind so ein bisschen unklar, aber es ist irgendwo zwischen zwei und zweieinhalb Millionen Dollar. Okay, okay. Ja. Ja, das war der Fall Aaron Brockovich. An manchen Stellen ging es euch vielleicht auch so ein bisschen wie mir, dass man gerne noch ein bisschen tiefer reingehen würde und noch genauere Informationen haben wollen möchte.
Aber das gehört irgendwie zu diesem Fall dazu, dass es ein Hollywood-Mega-Blockbuster ist, über den man leider nicht viel mehr erfahren kann als aus dem Film, weil es eben diese Lebensgeschichte von Aaron Brockovich ist, die von dem Produzenten gekauft wurde. Da habe ich aber einen Gedanken zu, weil würde man nicht eigentlich, um ein Gerechtigkeitsziel irgendwie zu erreichen, auch wenn man die Rechte gekauft hat, trotzdem dafür Sorge tragen, dass die Wahrheit so richtig ans Licht kommt, wenn man nicht.
Irgendwas zu verbergen hätte. Also das ist natürlich jetzt auch eine richtig krasse Spekulation. Aber ich denke mir, du kannst doch auch, wenn du die Rechte gekauft hast, als Filmproduktionsfirma sagen, ey, weiß ich nicht, die New York Times oder wer auch immer, ihr könnt in die Gerichtsakten gucken.
Ich weiß nicht, ob die das dürfen, weil da hat ja PG&E auch noch ein Wörtchen mitzusprechen. Dann vielleicht nicht nur die Gerichtsakten, aber dann vielleicht noch mehr Informationen einfach zu bekommen, dass das mal so richtig aufgearbeitet wird. Und zwar aus einer Richtung, die nichts mit Spielfilmen und Hollywood zu tun hat.
Ja, also man muss dazu vielleicht verteidigend sagen, dass sowohl die Produzenten als auch Aaron Brockovich schon sehr viel getan haben dafür, dass der Fall sehr akkurat ist. Also es ist jetzt nichts hinzugedichtet, sondern es sind Wendernsachen verdichtet. Wahrscheinlich gibt es dann einfach nicht direkt diesen einen Markt für diese eine Geschichte, weil die Geschichte ja dann doch relativ umfangreich schon erzählt wurde. Erin Brockovich selber vielleicht dazu noch, schreibt dann auch noch ein Buch.
Das ist aber mehr so ein bisschen eine Mischung aus Biografie und Motivations-Lebens-Style-Ratgeber. Coach. Erin Brockovich ist jetzt auch Coach. Ja, genau. Es ist eher so ein Coaching-Buch, als dass es jetzt diesen Fall weiter aufarbeitet, sondern eben, wie sie erzählt, wie sie Hürden überwunden hat, wie sie für ihre Ziele gekämpft hat.
Sie ist aber bis heute als, ich meine, wie gesagt, sie ist ja keine Anwältin an sich, aber sie setzt sich weiter für Umweltfälle ein. Sie ist weiter aktiv, sie ist eine Rednerin, sie ist auch noch relativ viel in den Medien unterwegs und eben Spokesperson für Menschen, die eben mit Umweltschäden zu kämpfen haben.
Und nochmal ganz kurz, dieses Chrom-6 ist schon nachweislich für all diese Krankheiten verantwortlich, oder? Ja, das auf jeden Fall. Also das ist das, was die Menschen krank gemacht hat. Und das ist auch bis heute immer noch ein Problem. Also ich habe eine Übersicht gefunden, dass das in vielen Städten immer noch eine Belastung darstellt.
Das ist jetzt nicht nur ein Hinckley-Problem, sondern das wurde überall eingesetzt. Das ist überall im Grundwasser in den USA. In manchen Städten mehr als in anderen. Aber ja, das ist weiterhin ein Thema, ein Problem. Aber es wird natürlich durchgehend überprüft, weil man weiß, dass es ein Problem ist.
Ja, vielen Dank, dass du dich da durchgewühlt hast, auch wenn das, was die Recherche anging, ein bisschen frustrierend hier und da war, weil du dich so viel darauf verlassen musstest, dass die FilmproduzentInnen und Aaron da die Wahrheit so gut es geht nachbilden wollten. Ich glaube, die Wahrheit, also das ist nicht, dass wir uns da falsch verstehen, die Wahrheit ist es schon, es ist bloß manchmal, hätte ich mir noch so einen Ticken Tiefe gewünscht.
Ja, genau. Man fragt sich halt, woher kamen dann die Unterlagen wirklich? Beim Film sitzt sie so nach einem langen Tag frustriert an der Bar und dann flirtet sie da erst so einen Mann an und sie denkt sich schon so, oh, so ein Oller, der mich jetzt irgendwie hier verführen möchte. Und dann sagt er ihr irgendwann so, ja, du übrigens, ich habe da mal gearbeitet und ich habe da geheime Unterlagen. Interessiert dich das?
Und dann ist der Film innerhalb von zwölf Minuten zu Ende. Also das ist so ein bisschen, ja, verkürzt einfach. Ja, klar. Okay. Lilly, wir sind schon relativ fortgeschritten. Ich weiß nicht, ob wir uns jetzt noch einen kleinen Foodcrime hier geben von dir, um wieder zurückzukommen in unseren Alltag. Hast du denn was vorbereitet?
Mir ist ein kontroverser Gedanke gekommen, ähnlich kontrovers wie verunreinigtes Grundwasser vielleicht. Und zwar finde ich im Supermarkt käuflich zu erwerbenden Produkten, Kräuterquark unter aller Kanone. Ich verstehe den Sinn dahinter nicht, weil ich finde, du kannst doch einfach Naturkräuterquark kaufen und den mit frischen Kräutern mischen oder von mir aus auch mit getrockneten, die man zu Hause hat.
Aber diese fertigen Kräuterquarks, die schmecken gar nicht und auch immer so wässrig. Also ich finde einfach das Produkt an sich einfach nur richtig blöd. Und bis auf Menschen, die damit vielleicht irgendwas aus ihrer Kindheit verbinden oder so, oder bei denen der Geschmack sowas auslöst von, das gab es früher immer bei Oma oder so.
Bis auf solche Leute würde ich sagen, glaube ich nicht, dass das wirklich eine gute Kaufentscheidung ist. Also das ist das einzige Argument, was ich akzeptieren kann. Vor allem bei einem guten Kräuterquark, der lebt ja auch davon, dass da einfach Unmengen an Kräuter drin sind. Also das muss richtig ballern. Der muss richtig schön kräuterlastig sein.
Und das ist einfach teuer. Und das ist vor allem auch instabil. Weil so ein Kräuterquark, der hält sich ja nicht ewig. Deswegen sind diese industriellen Kräuterquarks, die sind unbefriedigend. Die sind nicht geil. Die sind auch immer so ein Ticken zu süß. Das erfüllt überhaupt nicht den Sinn und Zweck an des Kräuterquarks, finde ich. Das ist am Ziel vorbeigeschossen.
Ja, und es gibt ja in manchen Supermärkten auch einfach so gemischte Kräuter. Da hast du dann direkt so vier, fünf verschiedene drin. Holt euch das, schnippelt das einmal komplett klein. Ja, Kräuterquark ist eh so geiles Essen. Kartoffeln und Quark. Kartoffeln und Quark ist eine Kombination aus dem Himmel, aber nicht mit gekauften Kräuterquark aus dem Supermarkt.
Das geht nicht. Das geht wirklich nicht. Das ist ein Verbrechen am Quark. Danke, dass ich dein Go habe. Ich glaube aber, dass wahrscheinlich einige Zuhörerinnen und Zuhörer das anders sehen, was auch völlig in Ordnung ist. Hier ist ja Meinungsvielfalt gern gesehen. Aber ich dachte mir, weil ich das kürzlich wieder sah, das geht eigentlich nicht.
Quark ist übrigens ein Produkt, das man in den USA quasi nicht bekommt. Was leider frustrierend ist. Deswegen gibt es hier keinen Kräuterquark für mich. Gibt es auch nichts, was dem Quark irgendwie nahe kommt? Nee, nee. Vielleicht könntest du mal über ein kleines Import-Business nachdenken. Aber wahrscheinlich gäbe es das schon, wenn es dafür einen Markt gäbe.
Aber irgendwann würde ich gerne sagen, wenn die Leute fragen, was macht eigentlich der Flo? Der macht jetzt einen Quark. Da macht der jetzt einen Quark. Der macht jetzt einen Quark. Lilly, vielen, vielen Dank. Das war ein schöner Foodcramp. Ich hab zu danken. Im Namen von Aaron Brockovich und allen Rechtsanwaltsfachangestellten bedanke ich mich bei dir für die Abarbeitung dieses Falls.
Ich schau einmal gerade in meinen Kalender und ich sehe, nächste Woche gehen wir aber mit ganz starken, schnellen Schritten auf Weihnachten und Silvester zu. Unsere zwei letzten Folgen in diesem Jahr. Ich bin gespannt, ob du was Weihnachtliches vorbereitet hast in der nächsten Woche. Das werden wir dann sehen. Das werden wir sehen. Man verrät ja nicht, was man so dabei hat im Podcast-Sack.
Das werde ich nicht verraten. Aber meine Folge ist die für den 22., oder? 23. Ja, einen Tag vor Weihnachten. Na, dann wollen wir ja mal sehen, was die Lilly Temmö da dabei hat. Und dann machen wir, Leute, ob ihr es glaubt oder nicht, Wir machen keine Weihnachts- oder Winterpause. Stand jetzt zumindest.
Wir ballern. Wir ballern durch. Also ihr könnt uns einfach wie gewohnt weiterhören. Genau. Vielen, vielen Dank. See you, hear you next week. Richtig. Bis dann. Tschüss. Tschüss.