Food Crimes - Was schmeckt dahinter?

Der Kabeljau-Pate von New Bedford

Dienstag, 18. November 2025 · 55 min

MP3

Shownotes

Wer in New Bedford, Massachusetts Fisch kauft, der landet früher oder später bei Carlos Rafael. Der ungehobelte Fischer betreibt den größten Fischereibetrieb der Stadt. Mit über 20 Booten fängt er Millionen Kilo an Schellfisch, Jakobsmuscheln, Flunder und Kabeljau. 2011 macht er damit einen Jahresumsatz von $369 Mio. – und allen fragen sich, wie geht das? Die Antwort darauf finden die Ermittler 2015, als Carlos sein profitables Geschäft verkaufen möchte. Der Mann, der sich nur „The Codfather“, also der Kabeljau-Pate nennt, hofft auf den Deal seines Lebens – und rennt in das offene Messer, der Ermittlungsbehörden.

Die ganze Folge als Videopodcast inklusive aller Bilder findet ihr hier: youtube.com/zdfbesseresser

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Transkriptvom Podcast bereitgestellt · Zeitmarken springen hin

Wer in New Bedford, Massachusetts, Fisch kauft, der landet früher oder später bei Carlos Raphael. Der Fischer, den man nie ohne Zigarette oder Schimpfwort im Mund sieht, betreibt den größten Fischereibetrieb der Stadt. Mit über 20 Booten fängt der laute, vulgäre Fischer jedes Jahr Millionen Kilo an. Shellfisch, Jakobsmuscheln, Flunder und Kabeljau.

2011 macht er damit einen Jahresumsatz von 369 Millionen Dollar. Und alle fragen sich, wie geht das? Denn die Fischereiindustrie in New Bedford ist seit den 1990er Jahren auf dem absteigenden Ast. Reihenweise geben Fischer auf und ihre Boote ab. Nur eine scheint keine Probleme zu haben. Carlos Raphael, Doch das ändert sich, als dieser 2015 sein profitables Geschäft verkaufen möchte.

Der Mann, der sich nur The Courtfather, also der Kabeljau-Pate nennt, hofft auf den Deal seines Lebens und rennt in das offene Messer der Ermittlungsbehörden. Das ist Food Crimes. Was schmeckt dahinter? Mit Lili Temmel und Florian Dietzer. Hallihallo Lili. Hallo. Ein herzliches Hallo. Ein herzliches Hallo.

Ich dachte mir, nachdem ich für eine neue Sendung, für eine neue ZDF-Besseresser-Sendung, die wir gerade gedreht haben, angeln musste, bleibe ich doch mal direkt beim Thema. Das finde ich gut, aber Flo verrat noch nicht so viel. Es ist ja noch alles ein bisschen geheim, was wir die letzten Wochen so produziert haben.

Und ich finde, mehr solltest du nicht verraten. Aber ich finde den Namen The Codfather auf jeden Fall schon mal sehr fantastisch. Leicht überheblich, aber warum denn nicht? Nö, den hat er sich auch selber gegeben übrigens. Also das gibt vielleicht schon so einen ersten Vorgeschmack auf die Person Carlos Raphael, die wir uns heute anschauen.

Aber ich weiß, ich möchte noch nicht zu viel über die Sendung verraten, die wir gedreht haben. Ich möchte diese Plattform hier nur einmal ganz kurz nutzen, um einen Shoutout an Rute raus, der Spaß beginnt zu schicken. Unsere neue Obsession, eine Sendung im NDR, wo einfach mittelalte Männer beim Angeln begleitet werden. Flo, hab ich dich damit jetzt wirklich angesteckt?

Das ist so geil, oder? Ja. Ja, ich muss die neue Folge, die auf dem Golfplatz spielt, noch schauen. Also wirklich, Leute, diese Sendung ist einfach nur fantastisch. Wenn ihr gerne einfach euch berieseln lasst von einer Sendung, die ganz unaufgeregt ist, die eigentlich auch nichts von einem will. Keine Musik, nichts. Ich finde es einfach nur fantastisch.

Es ist einfach so richtig altes Fernsehen, seit 15 Staffeln oder so. Gibt es das jetzt, glaube ich, schon. Ja, es wird geangelt und am Ende wird gegessen, was geangelt wurde. Und es ist einfach nur toll. Ja, liebe Grüße. Es ist die zweite Fischgeschichte aus Massachusetts. Kannst du dich noch erinnern, Lilly, an unsere Folge aus dem Januar, wo Per Merling von Berlin Food Stories da war?

Kann ich mich dran erinnern. Da ging es auch um einen Betrüger, der Fisch verkauft hat. Erst hat er doch ein Restaurant übernommen, wo er betrogen hat. Und am Ende war er Fischverkäufer und hat betrogen. Ja, der hat wirklich von bis gemacht, kann man sagen. War eine sehr coole Folge und es scheint mir schon wieder eine Geschichte eines Mannes zu sein, der zu nah an der Sonne flog.

Und sich dann vielleicht verbrannt hat. Schauen wir mal. He girlbosted a little bit too close to the sun. Wieder mal. Hast du denn einen Lieblingsfisch? Habe ich mich gefragt. Es geht heute ja um, ich habe ja schon gesagt, Shellfish, Flunder, Kabeljau. Also Fische, die man landläufig Bodenfische nennt. Ich liebe ja alle Fische.

Okay. Ich bin ja auch Fische als Sternzeichen. Das wissen ja viele gar nicht. Bestes Sternzeichen übrigens, was es überhaupt nur gibt, habe ich mal gehört. Und ich finde wirklich alle Fische ganz toll. Wenn du mich jetzt fragst, welche ich gerne esse, dann esse ich gerne etwas festere Fische. Aber ich komme ja aus dem reinen Land und da wird ganz viel Forelle Müllerin abgegessen.

Das mag ich auch gerne, sowas. Ich grille auch gerne selber ganze Fische. Am besten ist ja das kleine Bäckchen des Fisches für Kennerinnen und Kenner unter uns. Also wenn ihr das noch nicht probiert habt, dann trennt mal die Wange raus. Jetzt werden sich wahrscheinlich alle vegetarisch lebenden Menschen kurz aufregen.

Aber ja, ich mag Fische gern. Und früher im Kindergarten war ich immer die erste morgens. Und wir hatten im Kindergarten ein riesiges Aquarium. Davon kann man jetzt auch halten, was man will. Aber weil ich immer die erste war, durfte ich morgens immer die Fische im Aquarium füttern. Das fand ich auch ganz toll. Bevor du ihnen dann das Bäckchen rausgetrennt hast.

Vom Farm to Table quasi, das war das Motto meines Kindergartens. Also Forellen finde ich auch fantastisch, weil sie nicht nur wunderschön sind, sondern auch vor allem geräuchert so gut schmecken. Naja, also um Forellen geht es heute aber nicht. Schreibt gerne mal eure Lieblingsfische in die Kommentare, das würde mich mal interessieren, weil da gibt es ja vielleicht auch so ein paar Hidden Champions, die man jetzt vielleicht nicht so oft sieht, sowohl in der Natur als auch auf dem Tisch. Schreibt die mal gerne in die Kommentare.

Wenn ihr die Bilder sehen wollt, die wir heute hier besprechen, dann schaut doch gerne bei YouTube vorbei oder in der ZDF-Mediatek. Dort gibt es unseren Podcast, nämlich als Videopodcast. Ansonsten natürlich wie immer alles auf Instagram unter wasschmeckt dahinter. Dort könnt ihr uns auch Vorschläge, Ideen, Themen etc. schicken.

Darüber freuen wir uns immer sehr. Und die Geschichte von Carlos Raphael, die wir heute besprechen, die ist wild. Aber wir müssen erst noch mal so paar Meter, paar Jahrzehnte sogar zurückgehen, um zu verstehen, wie er und wie seine Geschichte überhaupt möglich war. In den 1960er Jahren ist die Küste von New England, also den Staaten an der Nordostküste der USA, eine Art Wasserwildwest.

Der Golfstrom, der an der Küste vorbeizieht, sorgt für eine schier unendliche Menge an Fisch. Wer hier die Netze auslässt, kann sich sicher sein, mit einem gut gefüllten Kutter wieder nach Hause zu kommen. Die reichheitlichen Gewässer ziehen aber nicht nur amerikanische Fischer an. Nein, aus der ganzen Welt werden Boote nach New England verlegt.

Denn die internationalen Gewässer, in denen alle fischen dürfen, beginnen schon 19 Kilometer vor der Küste. Aus Spanien, Japan, aber auch der Sowjetunion landen die Boote in der Gegend. Die Fischer von damals sagen im Spaß, dass das Meer wie Manhattan aussah, so viele Lichter waren auf dem Wasser zu sehen.

Aber dass gerade im Kalten Krieg sowjetische Boote die amerikanischen Gewässer leer fischen, das gefällt den Behörden so gar nicht. Mitte der 70er Jahre ist klar, die Gewässer sind überfischt. Hier muss was passieren. 1976 führt die USA daher eine exklusive 320-Kilometer-Zone ein, in der nur US-Fischer angeln dürfen.

Da die Fischerei-Industrie in den USA zu diesem Zeitpunkt schon brach liegt, führt man parallel subventionierte Kredite ein, für die sich Fischer unkompliziert bewerben können. Ein paar Jahre zuvor, im Jahr 1968, landet ein 15-jähriger portugiesischer Junge in New Bedford. Seit Jahren leike seinen Eltern in den Ohren, dass sie doch bitte endlich von den Azoren in die USA auswandern.

Das war sein großer Traum. Aber seine Eltern haben einen anderen Plan. Sie stecken den kleinen Carlos erstmal ins Kloster. Das sollte den Jungen davor schützen, in die Unabhängigkeitskriege in Angola und Mosambik eingezogen. zu werden. Doch Carlos verhält sich im Kloster, excuse my French, wie ein Arschloch und fliegt raus.

Den Eltern bleibt nichts anderes übrig, als die Reise nach Übersee anzutreten. In den USA angekommen, wirft Carlos Raphael die Schule nach einer Woche hin. Nach eigener Angabe lernt er hier nur so Wörter wie Hund und Katze auf Englisch. Was für eine Zeitverschwendung. Carlos will den amerikanischen Traumleben.

Hart arbeiten, viel Geld verdienen. Und wer in New Bedford hart arbeiten möchte, der sucht sich einen Job im Hafen. Ich habe dir ein Bild mitgebracht von New Bedford, um so einen kleinen Eindruck von der Stadt zu bekommen, wo wir uns hier befinden. Wie alt war denn Carlos, als er den Wunsch hegte, in die USA auszuwandern?

War das so ein ganz willensstarker Junge oder war der da schon älter? Naja, die sind mit 15 ausgewandert und das ist jetzt nicht so exakt überliefert, wann er den Wunsch zum ersten Mal geäußert hat. Aber du wirst gleich merken, er war auch mit 15 schon ein relativ willensstarker Typ. Beeindruckend, finde ich, auf eine Art. Ja, schauen wir mal. Okay.

So sieht New Bedford aus. Das kleine Städtchen an der Südküste von Massachusetts. Ja, sieht nett aus auf den ersten Blick. Im Vordergrund sieht man zwei bis dreistöckige Häuser, eine Kirche, im Hintergrund den Hafen. Ich finde ja Hafengegenden haben immer was, ja, Roughes, aber auch was, ja, sowas Kerniges, Schönes. Ich mag das total gerne.

Ich gucke aber auch gerne einfach so Boote an, also auch Fischerboote und ich romantisiere natürlich die Arbeit eines Fischers vor allen Dingen auf hoher See auch komplett. Weil ich an Fischer denke, denke ich immer an diese alten, weißbärtigen Männer in Griechenland und so, die halt abends in diesen schönen Örtchen mit dem Boot im Sonnenuntergang einfahren und den Restaurants die frischen Fische vorbeibringen.

Aber mir ist schon klar, dass das ein harter Beruf ist, ein harter Job ist und im Hintergrund sieht es nach sehr vielen Fischerbooten aus. Ja, also New Bedford ist auf jeden Fall so das Kernzentrum der Fischerindustrie in Massachusetts. Massachusetts. Ich bin ganz beeindruckt, wie toll du das aussprechen kannst, Flo. Ich habe ja auch zwei Jahre dort gewohnt. Ich habe es ja oft genug gesagt.

Massachusetts. Massachusetts. Buchstabier das doch gerne einmal. M-A-S-S-A-C-H-U-Massachusetts-S-S-E-T-T-S. Jawohl. Echt? Ja. Ja. Und New Bedford, genau, ist also eine Fischerstadt vor allem und im Sommer auch ein kleines süßes Städtchen, was Touristen anzieht. Also dafür gibt es ja einige in der Gegend.

Und was vielleicht auch noch wichtig zu erwähnen ist, ist, dass Massachusetts im Allgemeinen, aber vor allem New Bedford, eine sehr, sehr große portugiesische Community hat. Dadurch war es wahrscheinlich auch möglich, dass sie dorthin auswandern konnten oder so schnell auswandern konnten dorthin. Vielleicht gab es da irgendeinen Onkel fünften Grades, was weiß ich.

Und ist aber auch wieder eine Parallele zu unserem letzten Fall aus der Gegend, weil Paul Diogenes hatte ja auch portugiesische Wurzeln, wenn du dich erinnerst. Also es ist, wie gesagt, einfach eine sehr, sehr große portugiesische Community dort. Witzig. Und ich war gerade in Portugal im Urlaub. Ist das nicht ein Zufall hier, der seinesgleichen sucht? Nein, es ist kein Zufall, Lilly.

Und ich bin auch noch den Fischer-Pfad gelaufen. Und es geht heute um einen Fischer. Also, ich bitte dich. Also, excuse me, doch. Ich hätte keine bessere Folge raussuchen können für heute. Was ich mich auch noch gefragt habe in diesem Fall, ist dieses Thema mit den Seemeilen. Dass sie einfach diese Grenze um 300 Kilometer verschieben konnten.

Das schien mir irgendwie ein bisschen eskaliert. Aber zu diesem Zeitpunkt gab es schon einige Länder, die das auch gemacht haben. Chile zum Beispiel hat auch seine internationalen Gewässer erweitert, so muss man es sagen. Ein paar Jahre später, ich weiß nicht mehr wann genau, wurde das auch international noch einmal festgelegt und abgestimmt. Also es war, seitdem ist es nicht mehr so, dass es nur diese 19 Kilometer sind.

Das Ganze wurde 1982 verabschiedet und ist 1994 in Kraft getreten. Und seitdem beginnen die internationalen Gewässer ab der 200. Seemeile vom Land entfernt. Und dazwischen liegt die ausschließliche Wirtschaftszone. Also in dem dann, wie in diesem Fall, nur die USA fischen darf. Wie gesagt, ich wollte jetzt nicht allzu tief da reingehen. ist es bloß eben wichtig, weil es diese begleitenden Kredite gibt, weil die Wirtschaft so brach liegt.

Wurden dann diese Kredite eingeführt, um den Fischern eine Möglichkeit zu geben, ihre Geschäfte aufzubauen. Und in diese Welt kommt jetzt Carlos Raphael. Obwohl Carlos Raphael gerade einmal Blutjunge 15 Jahre ist, kommt er sofort an in der rauen Hafenwelt. Vielleicht liegt es daran, dass er laut, vulgär, selbstbewusst und lustig ist.

Vielleicht aber auch nur daran, dass er schon mit 15 Jahren starker Kettenraucher ist. So oder so, er arbeitet hart, verdient sich seine Sporen und lernt das Fischereigeschäft aus erster Hand. Und leider gibt es von Carlos kein Foto aus seiner Jugend, nur von später, als er schon ein sehr erwachsener Mann ist.

Das ist Carlos Raphael, mittlerweile schon im höheren Alter. Aber ja, du kannst ja mal beschreiben, wie du siehst. Ja, sieht komplett so aus, wie ich mir Carlos vorgestellt habe. Sag ich dir, wie es ist. Diese Fluppe. Die Fluppe sitzt an Ort und Stelle. Vor ihm auch ein gefüllter Aschenbecher mit einer halbrenglosen Brille, die wahrscheinlich immer auf seiner Nasenspitze sitzt.

Und dann schielt er dich darüber so ein bisschen streng an. Er hat so ein kurzärmeliges Hemd an. Also offensichtlich ist er ein bisschen schicker gekleidet. Dann hat er schön in seiner Brusttasche ein Brillenetui und ein Kulli und blättert gerade in einem Buch und sieht... Ja, sieht irgendwie aus wie so ein Typ, mit dem man einen netten Abend in der Kneipe haben kann, der dir lustige Sachen und teilweise wahrscheinlich auch ein bisschen problematische Sachen erzählt, bei dem man dann sagen würde, ja, der Carlos, so ist er halt, so sieht er aus.

Ich finde, das ist eine sehr akkurate Beschreibung. Danke. Und ich sage mal, so welche Sachen problematisch sein könnten, dazu kommen wir jetzt. Als die USA 1976 die 320 Kilometer Fischereizone und subventionierte Kredite einführt, sieht Carlos Rafael seine Chance gekommen. Auch er beantragt einen Kredit und eröffnet 1980 Carlos Seafood.

Ein Unternehmen, mit dem er Fische verarbeitet und verkauft. Das läuft so gut, dass er sich kurz darauf sein erstes Boot kaufen kann. In einer Zeit, in der Chaos herrscht, da ein neuer Markt quasi aus dem Nichts geschaffen wurde, ist Carlos ganz vorne mit dabei. Er führt eine gut geölte Maschine, die er an allen Ecken des Fischbusiness mitverdient.

Viel Respekt haben die anderen Fischer vor ihm allerdings nicht. In deren Augen ist Carlos nämlich kein echter Fischer. Ein Fischer zu sein, heißt tief in der Nacht aufzustehen und bei Wind und Wetter sein Leben in den Wellen zu riskieren. Sie wissen, wer diesen Job macht, der lernt Demut. Und Demut ist keine Eigenschaft, die man Carlos Raphael zuschreiben kann.

Denn der sitzt am Land, kassiert ab und fühlt sich wie der König von New Bedford. Ein anderer Fischer sagt einmal später im Scherz, nachdem er Carlos die Hand geschüttelt hat, musste er erstmal schauen, ob er noch alle fünf Finger hat. Carlos nimmt sich, was er möchte. Regeln, Gesetze, Normen, das waren für ihn eher Handlungsempfehlungen.

Seine kriminelle Karriere beginnt mit Kleinsachen. Wenn er morgens auf dem Markt Fischer einkauft, stimmt er dem Verkaufspreis zwar zu, doch wenn die Zahlung später fällig ist und der Fisch auch schon in seinem Besitz, dann wird nachverhandelt. Und so wie er versucht, seine Fischer-Kollegen abzuziehen, versucht er es auch mit dem Staat.

Steuern zahlen, das ist doch eher was für Loser, scheint sich Carlos zu denken. Die amerikanische Steuerbehörde, IRS, sieht das überraschenderweise etwas anders. 1986 wird Carlos wegen Steuerhinterziehung angeklagt und landet für vier Monate im Gefängnis. Und wer jetzt denkt, damit hätte Carlos seine Lektion gelernt?

Im Gegenteil. Seine kriminelle Fischerkarriere nimmt jetzt, Anfang der 90er Jahre, erst so richtig Fahrt auf. Denn Carlos hatte noch so einige Tricks auf Lager. Und die konnte er jetzt so richtig ausspielen. Dank einer Gesetzesänderung des Staates, den gerade noch ins Gefängnis gesteckt hatte. Hat das System ausgenutzt, der Gute.

Ja, und ich finde es spannend, dass du vorhin über den Fischerberuf und die Romantisierung des Fischerberufs gesprochen hast. So hat sich Carlos das vielleicht auch vorgestellt. Denken wir, es ist vielleicht doch ein bisschen entspannter, wenn ich hier ein Land bin. Also das ist in dem Fall, kommt das immer wieder durch, dass die Leute ihn auch einfach nicht respektiert hatten, Weil er eben nicht rausgefahren ist, weil er sich nicht die Hände dreckig gemacht hat, was für viele Fischer in der Gegend einfach zu dem Beruf dazu gehört.

Also war ein unbeliebter Fischerei-Kollege, ja. Wenn er auch noch so vulgär war und dann vielleicht auch noch irgendwie von oben herab war und sich für was Besseres gehalten hat, dann kann man ja nachvollziehen, dass die anderen sich nicht unbedingt wohlgefühlt haben in seiner Anwesenheit. Warst du schon mal auf einem Boot, so auf offener See oder was?

Also jetzt nicht hier bloß auf der Spree ein bisschen rumschippern, sondern mal so richtig draußen? Hast du das mal gemacht? Also ich bin mal mit so einer Fähre gefahren. Ich weiß jetzt nicht, ob das zählt. So von Rostock nach Oslo, oder? Achso, ja. Nee, nee. Oh, ich bin auch schon mal von Rostock nach Dänemark mit der Fähre gefahren.

Aber ich bin schon mal zu einer griechischen Insel gefahren mit einer Fähre und da war man schon auch weit draußen. Aber so eine Fähre, so ein Riesen-Oschi auf dem Meer, da merkt man irgendwie nicht so super viel vom Seegang. Also ich liebe ja Bootfahren. Bist du seekrank? Ich liebe bis jetzt nicht. Aber wie gesagt, ich war jetzt auch noch nicht auf offener See in einem hohen Wellengang unterwegs.

Vielleicht würde ich seekrank werden. Ich habe nur so Bootsausflüge im Urlaub gemacht. Also ich erinnere mich an einen wunderschönen Urlaub auf Sizilien, wo wir den ganzen Tag so ein Motorboot hatten, was man führerscheinfrei fahren durfte. Und erst dachte ich, cool, ich bin ja dann auch so eine kleine Peserin.

Aber irgendwann habe ich gemerkt, okay, das wird mega schnell. Ja, PS. L-I-P-Rallye werde ich in meiner Familie gerne genannt. Da habe ich schon teilweise gedacht, so, das wird jetzt hier ganz schön schnell. Aber dann hat man es ja selber unter Kontrolle. Und das war jetzt dann natürlich auch nicht so wild.

Nee, sonst war ich noch nicht auf Vorsehe. Und wo ich mich auch zum Beispiel überhaupt nicht sehe, ist auf so einem Kreuzfahrtschiff. Das interessiert mich jetzt auch nicht. Ja, ich habe schon das Gefühl, dass wenn ich irgendwann 72 bin, dann haben sie mich. Jetzt nicht, aber I see the appeal. Mit 72 hat er ein Stündlein geschlagen, meinst du? Ja.

Okay, gut zu wissen. Ich finde die Folge auch deswegen so schön, weil wir über diesen Fischerberuf mehr sprechen können. Ich finde, wie gesagt, in meinem Kopf romantisiere ich das auch total oft, aber es ist auch einfach scheiße kalt. Ich meine, so in Griechenland auf so einem kleinen Boot, das war wahrscheinlich auch warm, aber wenn du da wirklich auf die Nordsee rausfährst oder hier auf den Atlantik, Junge, Junge, Junge, das ist ja auch.

Ja, ich finde auch im Dunkeln, finde ich das auch maximal gruselig und beängstigend. Und du siehst nichts und um dich herum ist einfach nur, ist so eine höhere Gewalt, auf die du überhaupt gar keinen Einfluss hast und was da alles wohnt und welchen Gefahren du dich aussetzt und also das finde ich alles wirklich grob.

Also ich glaube, wir als zwei digitalisierte Großstadt-Dullis romantisieren das so krass, weil, zumindest geht es mir so, ich finde so analoge Arbeiten total toll. Manchmal sehne ich mich danach. Bis ich sie machen muss. Einfach mal wieder was mit den Händen zu machen und irgendwie was zu erschaffen oder so richtig am Ende des Tages das Gefühl zu haben, ja, ich habe etwas gemacht.

So ganz oft denke ich das halt überhaupt nicht nach meiner Arbeit. Und ja, tiefe Einblicke in mein Seelleben. Und ich glaube, deshalb romantisiere ich dann solche Jobs, weil da ticken die Uhren einfach noch ein bisschen anders. Du bist von anderen Sachen einfach abhängig und musst dich auch einfach mal drauf einlassen und Sachen geschehen lassen und kannst nicht immer alles kontrollieren.

Und ja, geht mir ja genauso. Also ich denke auch so oft, wir sitzen hier zu Hause von der Kamera und von dem Mikro und das ist unsere Arbeit und es macht euch hoffentlich Spaß. Was wir hier erarbeiten jede Woche, aber es ist natürlich... Uns macht es ja auch Spaß. Ja, uns macht es auch Spaß. Kann man ja auch nochmal sagen. Aber es ist natürlich, manchmal möchte man.

Ja, was Handfestes machen. Carlos Rafael hat auch was Handfestes gemacht, aber er hat es vor allem machen lassen. Also war am Ende auch mehr Bürodouli als wir. Obwohl, das stimmt nicht so ganz, aber wir kommen gleich dazu. Eine Frage hatte sich 1976 niemand gestellt. Was passiert, wenn wir hunderte von Fischern komplett unreguliert auf den Ozean lassen? Die Antwort kam 1994.

Die Gewässer von Massachusetts waren weiterhin überfischt. Die Bestände von Kabeljau, Flunder, Thunfisch und Schrimp waren gefährlich niedrig. Die Behörde National Oceanic and Atmospheric Administration, kurz NOAA, schlägt Alarm. So kann es nicht weitergehen. Die Meeresexperten führen ein fettes Regelwerk an Maßnahmen, Regularien und Vorschriften ein.

Und ihr könnt es euch denken, wer damit nicht so ganz zufrieden ist. Carlos. Der Mann, der an Schimpfwörtern nicht spart, vergleicht die Noir mit der Gestapo. Dazu drohte er seine Flotte nach Maine oder Rhode Island zu verlegen. Aber vielleicht war all das nur ein Ablenkungsmanöver. Denn kurz bevor die neuen Maßnahmen greifen sollen, wird Carlos Anfang der 90er Jahre ein zweites Mal angeklagt.

Diesmal geht es um illegale Preisabsprachen. Aber Carlos macht den Houdini und zieht seinen Kopf aus der Schlinge, indem er die Jury umgarnt und es schafft, dass diese mit ihm sympathisiert. Carlos wird freigesprochen. Und jetzt habe ich ja schon ein paar Mal davon gesprochen, dass er gerne flucht. Und ich habe auch einen Beweis davon. Denn nach der Urteilsverkündung hat er eine Nachricht an die Behörden.

Your friends. Okay. Also ich weiß nicht, ob ich das alles übersetzen muss. Ihr hört, es piept viel. Das kann man, glaube ich, so sagen. Der Ausschnitt ist aus einer Doku von NBC. American Greed heißt die Serie. Und da gibt es eine Folge eben über Carlos Raphael. Und aus der Folge sind diese O-Töne. Carlos Raphael ist ein Mann, dem niemand etwas vorschreiben kann in seiner Eigenwahrnehmung.

Aber auch der muss sich jetzt eben an dieses Regelwerk halten, das quasi so dick wie die Bibel ist. Und in diesem Regelwerk wird jetzt unter anderem vorgeschrieben, wie viel PS ein Boot maximal haben darf, wie breit die Löcher der Netze sein müssen, damit zum Beispiel kleinere Fische rausschwimmen können und wo man überhaupt fischen durfte.

Also ich finde es eh krass, dass man das bis dahin nicht festgelegt hat, aber ja. Aber für viele war die härteste Vorschrift, die es jetzt gab, die das vorgegeben wurde, wie viele Tage pro Jahr ein Boot maximal auf dem Meer sein durfte. Und wenn sich die Bestände dann dadurch nicht erholten, wurden diese Tage von Jahr zu Jahr reduziert, bis die Beständesicherheit wieder erholt haben.

Die Fischer sind entsetzt. Für sie bedeuten diese Änderungen im Grunde, dass ihnen ihre Einkommensquelle entzogen wird. Aber für einen ist klar. Das große Fressen hatte begonnen. und Carlos hatte direkt einen Plan, wie er am Leben bleiben kann. Er geht auf Jakobsmuscheln, denn die sind von den Regularien ausgenommen.

Damit holt er die Verluste aus seinen anderen Geschäften wieder rein. Aber er hat noch einen anderen Plan. Die Vorschriften? Mein Gott, die konnte man ja auch einfach ignorieren oder ein bisschen weiter auslegen. Ja, ich habe jetzt als allererstes daran gedacht, wie die das denn kontrollieren wollen, wie oft ein Boot rausgefahren ist und ob man das nicht einfach überkleben konnte, den Namen Angela überkleben mit Margaret oder so und dann fährt halt, nachdem die Angela in den Hafen gelaufen ist, die Margaret nochmal raus.

Aber Lilly, das ist doch eine Todessünde, ein Boot umzubenennen. Stimmt, stimmt, das macht man ja nicht. Und Fische sind ja auch sehr abergläubische Menschen, also ich glaube, das würde niemand machen. Nee. Die Fischer mussten das selber dokumentieren, wie viele Tage sie rausgefahren sind etc. Also natürlich waren das offizielle Dokumente, Formulare, die man ausfüllen musste, aber am Ende wurde das darüber überprüft.

Weil wir jetzt schon so viel über Boote gesprochen haben, habe ich dir einmal ein Boot von Carlos Flotte mitgebracht. Ui, ui. Schön. Lady Patricia, Tyler und Noah. Also ich lese gerade die Namen der Boote vor und ... Das kann ich nicht lesen. Irgendwas mit Acres. Ja, kann ich auch nicht lesen. Ja, das sind klassische, warte, eins, zwei, das sind klassische Viermaster oder Dreimaster.

Die sind größer, als ich mir die vorgestellt habe tatsächlich. Ja, das sind halt so richtige, das sind keine Kutter, das sind richtige Fischerboote, große. In so einem sehr saftigen Grün gehalten. Die sehen auch ein bisschen royal aus, finde ich. Wahrscheinlich ist diese Farbkombinationen schicke. Aber ich hatte jetzt von Carlos auch nichts anderes erwartet.

Ich merke, du bist Carlos-Fan. Nee, ich bin kein Fan, aber ich finde, das passt alles. Also wir sind jetzt Mitte der 90er Jahre und die Vorschriften werden härter. Könnte ich einfach mal so rausfahren und fangen, was man möchte. Und das sorgt für Konsequenzen. Mitte der 90er Jahre gibt ein Fischer nach dem anderen auf. Die Belastung durch die neuen Regeln ist einfach zu groß.

Doch zum Glück gibt es jemand, der sie auffängt. Carlos Rafael. Denn für ihn läuft es so gut, dass er einspringen kann, wenn jemand droht, pleite zu gehen. Er kauft das Boot und die Fischer fahren dann unter seiner Flotte weiter. Eine Win-Win-Situation. Für viele ist Carlos ein Local Hero, der die strauchelnde Fischindustrie in New Bedford am Leben hält.

Dazu ist er ein bescheidener Mann, der trotz all dem Erfolg mit einem alten Pickup durch die Stadt fährt, in einem bescheidenen Haus lebt und teilweise noch selber auf dem Markt steht und seinen Fisch verkauft. Für die Behörden zeichnet sich allerdings nach und nach ein anderes Bild. Und zwar das eines Mannes, der Millionen mit zweifelhaften Geschäftsmethoden verdient.

1999, als sich Carlos um eine weitere Tintenfisch-Lizenz bewerben möchte, schreibt er in seinen Antrag, dass er schon lange in diesem Geschäft aktiv ist. Doch die Personen und Firmen, die er als seine Kunden angibt, sagen auf Nachfrage, dass sie noch nie etwas von ihm gekauft haben. Manche Firmen gab es noch nicht einmal damals.

Carlos muss die Lügen zugeben und wird zu sechs Monaten auf Bewährung und Hausarrest verurteilt. Und nach den sechs Monaten macht Carlos exakt dort weiter, wo er aufgehört hatte. Lügen, betrügen und wenn er erwischt wird, Strafe zahlen. Mal 20.000 hier, weil er zu lange mit den Booten draußen war, 30.000 dort, weil er zu viel von einer Sorte gefangen hatte oder in verbotenen Gewässern unterwegs war. Carlos ist das alles egal.

Seine Flotte fährt Millionenbeträge ein. Da waren die Strafen eingepreist. Er hält sich für was Besseres und Größeres. Zu dieser Zeit gibt er sich selber den Spitznamen The Codfather, der Kabeljau-Pate. Er hält sich für unschlagbar. Ein Gefühl, das noch einmal verstärkt wird, als im Jahr 2010 das komplizierte Regelwerk aus den 90ern abgeschafft wird und durch einfache Fangquoten ersetzt wird.

Jetzt gibt es eben diese Fangquoten, die festlegen, wie viele Fische jeder Art pro Jahr gefangen werden dürfen. Ermittelt werden diese Quoten aus den Fangmengen der vorherigen Jahre. Und wie wir wissen, hat sich Carlos in diesen Jahren nicht sonderlich um Vorschriften geschert. Er bekommt also insgesamt 57 Lizenzen oder anders gesagt ca.

20% des gesamten Marktes. Ja. Und in diesem Markt ist es vor allem für die Fischer mit nur ein oder zwei Booten schwierig. Denn obwohl auch die hart arbeiten, geht es Carlos irgendwie viel, viel besser. An diesem Punkt sieht Carlos seine Chance gekommen. So, this is the matter. Deine Familie peep, the rest of this.

And just get them all out of the beach. Das ist, also ... Ja, wieder viel gepiept. Er möchte jetzt im Grunde diese Fischer, die am struggeln sind, auch noch kaufen. Also diese 20% des Marktes reichen ihm nicht aus. Er möchte mehr. Aber dann hat er doch ein absolutes Monopol, oder nicht? Ja, das ist sein Ziel, ja.

Und das ist erlaubt? Also, wie gesagt, Monopol ist, es ist ja eher dann ein Oligopol, wenn mehrere größere Firmen nebeneinander oder wenn, ich meine, selbst wenn er dann 30, 40 Prozent hat, das ist jetzt noch kein Monopol. Ich weiß nicht, wo da die Grenzen waren, aber wir schauen mal, ob er da überhaupt hinkommt.

Denn ein paar Jahre geht der Plan jetzt erstmal auf, doch im Januar 2015 sorgt Carlos Raphael mit einem Interview dafür, dass sein Kartenhaus beginnt einzustürzen und die ganzen Ausmaße seines Betruges an die Öffentlichkeit kommen. Ich frage mich auch die ganze Zeit, ob der sich wohl so einen Gefallen getan hat, damit so vulgär und laut und beschimpfend zu sein, weil solche Leute ja viel mehr Aufmerksamkeit auf sich ziehen.

Ja, ich glaube, Aufmerksamkeit hatte er eh durch seine Größe in der Industrie. Und ja, ich meine, die Leute gibt es ja, glaube ich, in jeder Branche, die irgendwie denken, dass sie irgendwie fett auf die Kacke hauen müssen und irgendwie laut viel übertrieben sein müssen und denken, sie sind King of the fucking Castle.

Klar, man begibt sich dann in eine Position, wo der Absturz größer wird oder vor allem auch von außen mit mehr Häme begleitet wird. Mitte der 10er Jahre ist Carlos Seafood einer der größten Fischereibetriebe New Englands. Zu dieser Zeit arbeiten mehr als 300 Leute für ihn und zumindest 2011 macht er einen Umsatz von 369 Millionen Dollar.

Niemand scheint ihn stoppen zu können. Außer Carlos selbst. Am 4. Januar 2015 gibt Carlos Rafael dem Online-Magazin South Coast Today ein Interview. Er will Carlos Seafood verkaufen und sucht nach Interessenten. Als Grund gibt er damals an, dass er das Ziel einer Kampagne ist und als einziges Fischereiunternehmen in Massachusetts keine Hilfsgelder bekommt.

Er ist genervt und wird mit den Worten zitiert, I'm gonna cash in and screw. Ich kassier ab und verpiss mich. Welche Hilfsgelder das jetzt genau waren, da bin ich jetzt nicht ins Detail gegangen, ist am Ende auch ein bisschen egal. Er fühlt sich unfair behandelt und wenn jemand wie Carlos sich unfair behandelt fühlt, dann ist da bestimmt was dran.

Ja und während einige lokale Politiker den Bericht als eine weitere Form der Erpressung lesen, hat der Steuerbeamte Ron Mullet eine andere Idee. Das ist ihre Chance, mit einer Undercover-Mission die Machenschaften von Carlos Raphael offen zu legen. Gesagt, getan. Zusammen mit zwei anderen Agenten macht er sich auf den Weg nach New Bedford, um sich als Investor auszugeben.

Und das ist Special Agent Ron Mullet. Oh mein Gott, Flo, der erinnert mich ganz stark an jemanden, den wir kennen, so auf den allerersten Blick. Oder? Ja. Liebe Grüße. Ganz liebe Grüße. Stimmt, ist mir noch gar nicht aufgefallen, aber jetzt, wo du es sagst, ja natürlich. Ja, beschreib doch mal. Ja, was sehe ich da? Ich sehe einen Mann im Anzug, der offensichtlich gerade in einem Interview sitzt. So bestaged mit diesem Boot da hinten, oder?

Ja, im Hintergrund sieht man ein riesiges Segelschiff, was in so einer Glasvitrine steht. Man soll sehen, es geht hier gerade um Schiffe und um Boote. Und ja, er ist Internal Revenue Service. Das ist die IRS, das ist die Finanzbehörde, also sozusagen das Finanzamt in den USA. Okay. Ja, und er sieht ein bisschen besorgt aus, wenn ich ehrlich bin.

Ich glaube, das ist nur das Still. Das ist nur das Still, okay. Ja, aber so richtig viel Ausdruck sich nicht im Gesicht, das meine ich damit. Oder so, was meine ich damit? Das hätte ich jetzt aber von so Finanzbeamten jetzt auch nicht erwartet. Also Finanzbeamten sind für mich relativ trockene Typen, die... Ach echt, ja? Ja.

Ich glaube, in so einer Finanzbehörde, in einem Finanzamt, würde ich keinen einzigen Mollet erwarten. Das stimmt natürlich absolut, ja. Auch so im Finanzamt Friedrichshain-Kreuzberg vielleicht. Liebe Grüße, ihr schuldet mir noch Geld. Bitte mal überweisen so langsam. Echt? Ja. Das geht ja gar nicht. Ja, es zieht sich.

Ja, ansonsten, also der hat irgendwie ganz tolle, faszinierende Augen, dieser Mann. Die fangen meinen Blick auf jeden Fall direkt ein. Was soll ich sonst groß noch zu dem sagen? Einen starken Bart. Gut frisiter, starker Bart. Ach so, ja, voll Bart. Schwarz-grau, meliert. Einen guten Tarn. Das sieht aus, als hätte er drei Wochen im Sommer auf Cape Cod verbracht oder woanders an der Küste. Ja, das stimmt.

Also, in New Bedford treffen Ron Mullet und seine beiden Kollegen auf einen Mann, der gerne und viel über sich redet. und in was für einem Ton. Einer der Agenten spricht das aus, was ihr euch vielleicht jetzt schon die ganze Zeit gedacht habt. I didn't realize that the F-Word could be used in so many ways in a sentence, to be quite frank.

Ja, traurig, aber wahr. Boah, ich hasse das ja, wenn Leute so viel fluchen und so viele Schimpfwörter benutzen, ne? Es ist einfach so, we get it. We get it, du bist jemand, der gerne flucht. Gut, oder sich darüber profilieren möchte. Aber ja, man ist nicht hier, um Carlos Raphael Benehm beizubringen, sondern um ihm das Handwerk zu legen.

Ihr Plan war, dass sich einer der drei als Finanzberater ausgibt und die anderen beiden als russische Investoren, die ihr Bargeld sauber investieren wollen. Es ging nach einem absurden Plan, aber er geht auf. Hahaha. Ein Clusterfuck? Was ist denn das bitte für ein Begriff? Das could be a Clusterfuck, ja.

Also ich verstehe schon, was das heißen soll, aber ja. Das ist vielleicht das Einzige, was man sich an Schimpfwittern oder als an Fuckbegriff in den Alltag mit rüber retten sollte. Ein Clusterfuck ist im Grunde, wenn alles schief geht. Wenn Grand Horreur stattfindet. Es ist ein Begriff, der aus dem Militär kommt tatsächlich. Und das ist einfach, wenn an allen Ecken und Enden irgendwie Dinge zusammenbrechen.

Ja. Die Aufnahmen, das sind natürlich die Aufnahmen, die die Agenten undercover gemacht haben. Und wörtlich sagt er an dieser Stelle, ihr könntet die verfickte Steuerbehörde sein. Und all das ein verdammter Clusterfuck. Aber nein, das Einzige ist, ihr beide seid Russen. Ich glaube nicht, dass die Russen haben.

Little did he know. Little did he know. Ja, Sachen, die schlecht gealtert sind. Carlos hat also angebissen und die Agenten kommen zum Punkt. Was will Carlos denn haben für sein Business? 175 Millionen, sagt er. Ja, ein stolzer Preis, aber jetzt nicht unmöglich. Nur um auf Nummer sicher zu gehen, dass dieser Preis legitim ist, müssten sie einmal in die Bücher schauen und seine Zahlen überprüfen.

Aber die Bücher zeigen etwas anderes. Die Firma ist keine 175 Millionen wert. Die Agenten fragen also wieder, warum sollen wir das zahlen? Und damit haben sie ihn. Carlos packt für den Undercover-Agenten aus, wie sein Geschäft wirklich funktioniert. Also, wenn Carlos eine Art, für die es eine niedrige Quote gibt, zum Beispiel Kabeljau, dann nennt er es auf den offiziellen Papieren der Noah einfach Shellfisch.

Eine Art, von der er deutlich mehr fangen darf. Aber nicht nur er lügt. Auch seine Kapitäne lügen für ihn. So gibt es keine Unterschiede zwischen den Mengen, die er fängt und denen, die er offiziell von den Booten abkauft, um sie dann weiterzuverarbeiten. Diese Masche verschafft ihm einen riesigen Vorteil gegenüber den ehrlichen Fischern.

Denn die hören auf, wenn sie von einer Art das Limit erreicht haben. Und jetzt ist sozusagen eine Sache, die ist auch wichtig zu verstehen. Da die Fischer mit Schleppnetzen fischen, können sie jetzt nicht ausschließen, dass sie mehr Fisch als erlaubt reinholen. Das heißt, wenn sie jetzt zum Beispiel von Kabeljau die Quote erreicht haben, dann müssen sie aufhören und können nicht zum Beispiel Flunder fangen.

Ja, weil eben in den Schleppnetzen ist ja alles drin. Die Alternative ist dann an dieser Stelle, dass sie offene Quoten bei anderen Fischern abkaufen. Zum Beispiel bei Carlos, denn der hat ja weniger, ne, als er. Ja, der hat immer auch noch offene Quoten. Richtig. Oder was, ja. Und dieser Teufelskreis sorgt dafür, dass die Gewässer von Massachusetts immer weiter überfischt werden.

Denn Carlos lügt ja nicht nur über seine eigenen Mengen, sondern er verkauft seine Lizenzen dann auch noch weiter. Die Kapitäne auf den Booten haben keine andere Wahl, als bei diesem Betrug mitzumachen. Denn sollte Carlos neue Lizenzen kaufen, müssten sich die Kapitäne daran finanziell beteiligen. Die Agenten sind entsetzt über das Ausmaß und die umfassenden Beweise, die sie hier gesammelt haben.

Um Carlos aber steuerrechtlich das Handwerk zu legen und den Fall noch größer zu machen, brauchen sie mehr. Das reicht nicht, um den zu überführen? Also, ich glaube, was der Punkt war, warum sie da jetzt noch nicht Schluss gemacht haben, ist, dass das nur ein Teil des Betrugs ist. Also, sie haben sozusagen nur die Lügen über die Quoten erstmal aufgedeckt.

Aber ich weiß nicht, wie viel sie zu dem Zeitpunkt schon wussten oder geahnt haben. Die dachten sich wahrscheinlich, da ist noch mehr. Und ich meine, wenn dieser Fisch angebissen hat, dann versuchst du natürlich das Maximum an Informationen, an belastbarem Material dort rauszuholen. Und auch bei so einem Kauf über 175 Millionen Dollar, das machst du ja jetzt nicht irgendwie innerhalb von ein, zwei Wochen.

Also solche Deals, die ziehen sich ja dann auch hin und dadurch hat es jetzt auch nochmal eine Weile gedauert, bis dann die nächsten Beweise kamen. Aber die kommen. Die kommen. Und ich finde es auch krass, dass eben seine Kapitäne da mitgemacht haben, mitmachen mussten, weil ich habe es jetzt schon oft genug angedeutet, dass die Fischerei-Industrie in New Bedford jetzt nicht die einfachste war.

Also jetzt nicht so, dass sie einfach wieder sagen konnten, gut, dann fahre ich selber raus und hole die Fischereien. Das war finanziell dann einfach nicht mehr drin für viele. Ja, verzweckte Situation. Aber ein sehr durchtriebener Mann. Ja, es wird noch wilder. Ron Mullett und seine Kollegen merken, dass Carlos Raphael auf jeden Fall verkaufen möchte. Oder er vertraut ihnen einfach sehr.

Denn anders ist es nicht zu erklären, als Carlos im Januar 2016 Listen vorlegt, die sie nun wirklich von einem Verkauf überzeugen sollen. Darauf sehen die Ermittler, wie viel er wann wirklich gefangen hat. An wen er die Fische dann verkauft und wie viel er damit verdient hat. Und wäre das noch nicht genug, holt Carlos sogar eine Rechnung heraus, die zeigen soll, wie lukrativ das Geschäft ist.

Denn ein Fischhändler in New York kauft ihm regelmäßig größere Mengen in bar ab. So bekommt er einen guten Preis und Carlos, nun ja, viel Bargeld. Und ihr könnt es euch denken, dieses Geld landet nie in seinen offiziellen Einnahmen. Ob den Steuerermittlern an dieser Stelle schon das Wasser im Mund zusammen lief, ist leider nicht überliefert. Klar ist aber, sie haben ihn.

Jetzt gilt es, den Sack zuzumachen und Carlos Raphael hinter Gitter zu bringen. Sie fragen ihn, ah ja, was macht er denn dann mit den ganzen Einnahmen? Die musste man doch eigentlich melden. Ach so, ja, ja, ja, na, da hatte er am Flughafen in Boston so einen Freund mit Special Credentials. Den kann er anrufen und sagen, get your fucking ass in here.

Und der schmuggelte dann das Geld an der Sicherheitskontrolle vorbei. Für Ron Mullet ist diese Aussage besonders heikel. Denn am Flughafen in Boston begann 9-11. Hier reisten die Attentäter ein. Und jetzt, gut 15 Jahre später, gab es einen Beamten, der Sachen an der Sicherheitskontrolle vorbeischmuggeln konnte?

Für Carlos scheint das alles kein Problem zu sein. Doch während er bis zuletzt vor seinen potenziellen Käufern damit angibt, dass ihn eh niemand schnappen kann, schleift die Staatsanwaltschaft an den letzten Sätzen der Anklage. Am 26. Februar 2016 ist es dann soweit. Mehr als ein Dutzend Polizisten umstellen das Büro von Carlos Seafood in New Bedford und nehmen Carlos Raphael fest.

Die gesammelten Beweise sind erdrückend. Konservativ überschlagen gehen die Ermittler davon aus, dass Carlos in vier Jahren mindestens 354 Tonnen Fisch illegal gefischt hat. Wie viel bitte? 354 Tonnen. Das ist ja wirklich krass. Und jetzt fragt ihr euch sicher, ob das viel ist. Ja. Und es gibt einen Vergleich von der Noah, die das sozusagen auf Waldflächen überträgt.

Und das wäre im Grunde so, als würde man die Fläche von Mecklenburg-Vorpommern einfach niederbrennen. Das ist doch krank. Als der Prozess im März 2017 beginnt, hat Carlos wenig Gegenargumente. Die mehr als 15 Stunden Audiomaterial, die die IRS-Agenten aufgenommen haben, lassen keinen Zweifel offen. Carlos gesteht seine Vergehen also.

Kurz vor der Urteilsverkündung plädiert Carlos noch einmal darauf, dass er der Fischergemeinde in New Bedford ja helfen wollte, indem er die strauchenden Boote übernommen hat. Er erklärt dem Richter, dass seine Vergehen zwar dumm, aber nicht gierig waren. Carlos bittet um zwei Jahre Haft im offenen Vollzug.

Aber der Richter sieht das anders. Er sagt, nein, es war nicht dumm, es war korrupt. Das Urteil fällt im März 2017. 46 Monate Haft und 3 Millionen Dollar Strafe in 27 Fällen von Steuerhinterziehung, Bargeldschmuggel und Fälschen offizieller Dokumente. Ein noch härteres Urteil kann er nur abwenden, indem er zustimmt, seine gesamte Flotte zu verkaufen und nicht mehr im Fischerei-Business aktiv zu sein.

Aber hey, das hatte er ja eh vor. Also Glück gehabt. Und wenn ihr euch jetzt denkt, dass das Urteil hart war, keine Sorge. Carlos ist in dieser Geschichte auf keinen Fall der Verlierer. Sondern? Das werde ich dir gleich erklären. Ich habe nicht gedacht, dass das Urteil so hart ist. Weil was hast du gesagt?

46 Monate? Vier Jahre, gute. Vier Jahre und drei Millionen Strafzahlungen. Wenn der, ich sage jetzt mal in Anführungszeichen, schlau gewirtschaftet hat und das Geld gut irgendwo hingelegt hat, was er da umgesetzt hat, dann sind doch auch drei Millionen nicht so viel für den, oder? Ja. Also du bist überrascht, dass es so hart ist?

Nee, ich finde es nicht so hart. Nicht so hart. Auch für den Schaden, den er den Meeresbewohnern angetan hat. Und ja, dem Kollateralschaden auch einfach. Also dafür finde ich es wirklich nicht so hart. Ich glaube, was schuldlindernd war, ist, dass er das zugegeben hat, dass er eben zugestimmt hat, seine Flotte zu verkaufen, all diese Dinge.

Das kann ich mir vorstellen, dass das die Strafe ein bisschen gelindert hat. Sein Freund am Flughafen in Boston, der wird übrigens auch gefasst und bekommt ein Jahr Haft. Aber du hast es ja schon angedeutet, du denkst, wenn er gut gewirtschaftet hat, dann geht das. Hast du ein Gefühl, in welche Richtung es hier gehen könnte?

Naja, ich könnte mir vorstellen, dass seine Überfischung so große Folgen auf die Umwelt hatte, dass die am Ende die große Verliererin ist. Ja, der Umwelt geht es tatsächlich wieder ein bisschen besser. Und ist also jetzt nicht die große Verliererin, aber vielleicht jemand anderes. Carlos Rafael arbeitet bis zum letzten Tag in Freiheit in seinem Geschäft. Und dann ist Schluss.

Ab dem Frühjahr 2017 weht ein anderer Wind in New Bedford. In der Stadt verstehen sie, dass es der Fischindustrie nur gut gehen kann, wenn alle zusammenarbeiten. Ohne den Codfather. Aber geht es wirklich komplett ohne ihn? Nicht so ganz. Denn Anfang 2021 hat Carlos Raphael seine Haftstrafe abgesessen und ist zurück in New Bedford mit einer gut gefüllten Geldbörse.

Denn der Verkauf seiner Flotte hatte ihm einen guten Batzen Geld eingebracht. Netto 70 Millionen Dollar. Das ist zwar immer noch deutlich weniger als die erhofften 175 Millionen, aber hey, klein Vieh macht ja auch Mist. Und was macht man, wenn man ein paar Groschen auf der hohen Kante zu viel hat? Richtig, man macht in Immobilien. Zuerst kauft sich Carlos Rafael eine Bank.

Also ein Bankgebäude in Downtown New Bedford. Von hier führt er seine neue Firma, mit der er Immobilienprojekte in der Region finanziert. In einem Interview nach seiner Freilassung sagt er genüsslich, jetzt bin ich die Bank. Und was für eine. Nach eigenen Angaben vergibt er nur sechs Monat-Kredite mit einem Zinssatz von 14%.

Carlos kann damit leben. Im gleichen Interview sagt er, klar, man muss Steuern ohne Ende zahlen, aber scheiß drauf. Das hier sind seriöse Immobiliengeschäfte. Ganz seriös. Kein anderer Idiot in New Bedford macht 14% Rendite. Nicht mal beim Angeln. Niemals. Ja, dieser Mann wurde mir im Laufe der Geschichte immer unsympathischer, weil ich spätestens jetzt denke ich mir, Bro, du hast jetzt 70 Millionen netto, mach doch irgendwas Sinnstiftendes.

Aber natürlich passt das überhaupt nicht zu seinem Charakter, den du hier beschrieben und gezeichnet hast die letzte Stunde. Also dieses Ende ist wirklich so, also es zeigt, klar, vier Jahre Gefängnis ist jetzt auch nicht so geil, aber abgesessen, dann kommst du dann mit 70 Millionen raus. Wie gesagt, das war ein Zwangsverkauf der Flotte und diese drei Millionen Dollar Strafe, die er zahlen musste, die sind sozusagen da schon mit einberechnet.

Also ich glaube, der Verkauf hat 120 Millionen eingebracht oder so was, oder knapp über 100. Dann muss der Steuern zahlen, dann noch diese drei Millionen Strafe und dann bleiben immer noch 70 Millionen übrig. Und all das hat er sich halt nur aufgebaut durch eben einen Betrug. Also sozusagen, dass er diese Bote und dieses Geld hat, das ist halt immer noch nur da, weil er betrogen hat.

Deswegen finde ich diese Strafzahlung so niedrig angesetzt. Deswegen war ich gerade so irritiert. Ja, und deswegen finden auch viele Fischer in New Bedford die Strafe für ihn viel zu gering, weil er eben am Ende ja eigentlich von profitiert hat. Er wollte es eh verkaufen, muss der jetzt machen, hat das Geld aber trotzdem bekommen und kann einfach….

Weiter Leute abziehen. Hat jetzt eine Bank. Ja, okay. Niemand wird gezwungen, Kredite für 14 Prozent aufzunehmen, aber ... Na, aber wahrscheinlich kriegst du bei dem leichten Kredit. Und der wird den Leuten das Geld aus der Tasche ziehen, die gerade in irgendeiner prekären Situation sind und ganz, ganz dringend einen Kredit brauchen.

Also der wird ja jetzt nicht als heiliger Samariter. Nee, oder die machen mit ihren Immobilienprojekten eh nochmal mehr als 14 Prozent und denken sich so, mein Gott, dann machen wir das nicht schnell. Mein Gott, ja. Ja, also ... Ja, das ist die Geschichte von Carlos Raphael, dem Codfather of New Bedford.

Wenn man den Paten geguckt hat, macht dieser selbstgegebene Name auch irgendwie nochmal ein bisschen mehr Sinn. Muss ich mal wieder machen, lange nicht mehr gesehen. Also ein guter Film. Doch jetzt schön was für die vorweihnachtliche Zeit. Kannst du dich mal ein Wochenende einsperren zu Hause und ein bisschen glotzen.

Ja, Lilly, wir sind hier schon relativ fortgeschritten in unserer Folge. Aber nichtsdestotrotz möchte ich natürlich auch in dieser Woche noch einen Foodcrime von dir hören, den du mir mitgebracht hast, mit dem wir jetzt wieder zurück in den Alltag kommen. Ich hatte ja erwähnt, dass ich kürzlich in Portugal im Urlaub war und ich habe da etwas beobachtet, mal wieder muss ich dazu sagen, was sich in Restaurants abspielt.

Deswegen finde ich, ist das irgendwie auf eine Art ein Foodcrime, was mich wirklich immer peinlich berührt. Und zwar sind es deutsche Urlauberinnen und Urlauber, die in Restaurants im Ausland arbeiten. Einfach weiterhin Deutsch sprechen, mit der Bedienung oder in Läden stehen und mit Verkäuferinnen und Verkäufern auf Deutsch reden, weil sie irgendwie denken.

Nee, nicht immer. Die machen dann auch so, ich will zahlen. Ich sitze da und denke mir so, sag mal, was denkst du? Also erstens, die Person spricht wahrscheinlich kein Deutsch, dann ist das auch diese Art regt mich auf. Ich kann verstehen, wenn man kein Englisch kann oder auch kein Portugiesisch, ich kann auch kein Portugiesisch, so viel erstmal dazu, aber dann versucht man ja vielleicht irgendwie auf eine nette Art und Weise und nicht auf Deutsch mit den Personen Kontakt zu haben und das finde ich so dreist und unfreundlich und schrecklich, dass ich dann manchmal da sitze und mir denke, Hilfe, ich gehöre auch zu diesem Volk, bitte, ich möchte nicht dazugehören, ich finde das unmöglich.

Ich habe das schon häufiger beobachtet im Ausland. Vielleicht sind andere Nationalitäten im Ausland auch so, aber Menschen zwischen, es sind auch meistens Menschen zwischen 50 und 70, würde ich sagen. Die so Carlos Rafael-Style denken, dass ihnen die Welt gehört. Ja, ehrlich gesagt, ja. Und sie das bekommen müssen, was sie jetzt wollen. Und dann gucken die Leute irritiert und dann sagen die so Zahlen, ich will Zahlen.

Man weiß ja, dass es auf Portugiesisch schroaue ist. Richtig. So, ab jetzt, Leute, werdet ihr das sagen. Also das ist für mich ein Foodcrime, den ich in Restaurants beobachtet habe. Ich finde, das kann man sogar nach Größer fassen und einfach sagen, dass generell Leute, die so in Restaurants oder Cafés, nicht gut mit den Personen umgehen, die dort arbeiten. Ja, eh.

Es ist ein Foodcrime. Ich finde, das zeigt einfach sehr viel bei Menschen, wie man einfach mit Servicejobs umgeht. Ja, auf jeden Fall. Also Leute, verhaltet euch nicht wie die Axt im Walde, im Restaurant und auch sonst wo. Und geht nicht davon aus, dass ihr, wenn ihr reisen geht, auf Menschen trefft, die Deutsch sprechen und sprecht sie nur auf Deutsch an.

Und es gibt ja am Ende auch dieses international anerkannte Zeichen für Zahlen. Es ist sozusagen die Hand und dann einmal mit dem Finger in die Hand schreiben. Sowas zeichnen, ja. Oder ich meine, ganz ehrlich, ein Blick, wenn man aufgegessen und ausgetrunken hat, guckt man vielleicht in die Richtung und macht auf sich aufmerksam.

Irgendwie nonverbal kann man ja auch sagen, hey, ich habe ein Anliegen und möchte gerne zahlen. Oder dann guckt man in sein Handy oder wie auch immer. Aber dieses Zahlen, ich will zahlen. Kennst du diese TikToks? Das war mal so eine Zeit lang so ein Trend, wo Kinder ihre, vor allem Väter, gefilmt haben, wie sie eben diese Bewegung machen.

Ich möchte die Zahlenbewegung. Und da gab es so einen, der ist wirklich so unfassbar. Also wirklich, da saß jede Millisekunde. Ich kann mich auch noch, ich glaube, ich weiß, welches Video du meinst, diese Dad-Moves, die manche Dads perfektioniert haben. Das suche ich raus. Das Video. Ja, such das raus.

Lilly, das war schön. Das war eine spannende Folge. Jetzt lobe ich mich selber. Hey, warum denn nicht? Carlos, bist du es? Nein, was ich eigentlich sagen wollte. Ich habe mich wirklich gefreut, diese Geschichte zu finden. Das können wir auch mal ganz offen sagen. Manche Geschichten sind auch schwerer zu recherchieren als andere. Und bei der, da war alles dabei. Von bis.

Wirklich eine absurde Geschichte. Viele spannende Informationen. Ich hoffe, euch hat es auch gefallen. Nächste Woche bist du wieder dran. Ich kann mich zurücklehnen. Und darauf freue ich mich auch schon sehr. So ist es. Ich freue mich auch drauf. Wir sehen, hören und sprechen uns nächste Woche wieder. Und schicke liebe Grüße hinaus in die Welt. Bleibt lecker. Tschüss.

Und lieb. Vor allen Dingen auch. Ja. Tschüss.

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