
Food Crimes - Was schmeckt dahinter?
Achtung: Dieses Pepsi-Gewinnspiel kann tödlich enden
Dienstag, 28. Oktober 2025 · 59 min
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Shownotes
Am Abend des 25. Mai 1992 sitzen auf den Philippinen Millionen Menschen gespannt vor ihren Fernsehern. Gleich soll die neue Gewinnzahl des großen Pepsi-Gewinnspiels verkündet werden. Ein Gewinnspiel, bei dem eine Zahl im Deckel über Armut oder Reichtum entscheidet. Seit Wochen kaufen die Einwohner*innen der Philippinen also Flasche um Flasche – in der Hoffnung auf das große Glück. Und endlich! Im Fernsehen ertönt die Stimme des Moderators. Die Menschen halten den Atem an. Ein paar Sekunden später bricht Jubel aus. Überall im Land reißen Menschen die Arme in die Luft, rennen auf die Straßen, zeigen sich gegenseitig ihre Flaschendeckel. Sie haben gewonnen! Für viele geht an diesem Abend ein Traum in Erfüllung. Doch nur wenige Stunden später läuft die Sache völlig aus dem Ruder. Noch in derselben Nacht kippt die Stimmung. Was als Marketing-Coup begann, wird zu einem Desaster. Der Pepsi-Konzern hat den Menschen nicht weniger als die Hoffnung auf eine bessere Zukunft versprochen – ohne zu ahnen, dass diese Entscheidung fünf Personen das Leben kosten wird.
Redaktion: Silva Hanekamp
Die ganze Folge als Videopodcast inklusive aller Bilder findet ihr hier: youtube.com/zdfbesseresser
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Transkriptvom Podcast bereitgestellt · Zeitmarken springen hin
Am Abend des 25. Mai 1992 sitzen auf den Philippinen Millionen Menschen gespannt vor ihren Fernsehern. Gleich soll die neue Gewinnzahl des großen Pepsi-Gewinnspiels verkündet werden. Eine von ihnen ist Emilia Fernandez, alleinerziehende Mutter von drei Kindern. Seit Wochen sammelt sie Flaschendeckel, in der Hoffnung, dass sie ihren Kindern bald ein besseres Leben ermöglichen kann.
Anfang der 90er Jahre wird auf den Philippinen viermal mehr Coca-Cola als Pepsi getrunken. Für Pepsi ist das untragbar. Also startet der Konzern eine Kampagne, die alles verändern soll. Ein Gewinnspiel, bei dem eine Zahl im Deckel über Armut oder Reichtum entscheidet. Seit Wochen kaufen die EinwohnerInnen der Philippinen also Flasche um Flasche, in der Hoffnung auf das große Glück.
Und endlich! Im Fernsehen ertönt die Stimme des Moderators. Die Menschen halten den Atem an. Für viele ist das Ganze mehr als nur ein Spiel. Es ist die Hoffnung auf ein besseres Leben. Auf genug Geld, um Schulden zu bezahlen, die Kinder zur Schule zu schicken oder endlich aus der Armut herauszukommen.
Ein paar Sekunden später bricht Jubel aus. Überall im Land reißen Menschen die Arme in die Luft, rennen auf die Straßen, zeigen sich gegenseitig ihre Flaschendeckel. Sie haben gewonnen. Für viele geht an diesem Abend ein Traum in Erfüllung, doch nur wenige Stunden später läuft die Sache völlig aus dem Ruder.
Noch in derselben Nacht kippt die Stimmung. Was als Marketing-Coup begann, wird zu einem Desaster. Der Pepsi-Konzern hat den Menschen nicht weniger als die Hoffnung auf eine bessere Zukunft versprochen, ohne zu ahnen, dass diese Entscheidung fünf Personen das Leben kosten wird. Das ist Food Crimes. Was schmeckt dahinter? Mit Florian Reza und Lili Temmer.
Hallo Flo. Wir hatten es ja letztens schon mal kurz angerissen, dass in den 80er Jahren eine sehr, sehr große Rivalität zwischen Coca-Cola und Pepsi herrschte. Die herrscht wahrscheinlich auch immer noch, aber man hat zur damaligen Zeit durch viele verschiedene Marketing-Coups oder Tricks versucht, den anderen auch immer so ein bisschen auszustechen.
Coca-Cola war immer der große Bruder, der unerreichbare große Bruder. Und Pepsi hat sich versprochen, sich vorgenommen, ein kleines Beinchen zu stellen. Übrigens weiß ich, dass der Konzern PepsiCo heißt. Ich werde aber einfachheitshalber von Pepsi sprechen. Nicht, dass hier direkt wütende Nachrichten kommen.
Lasst die wütenden Nachrichten bitte zu Hause heute. Es geht aber auf jeden Fall bei dieser Rivalität nicht nur darum, wer jetzt das beste Rezept für eine Cola entwickelt hat, sondern auch darum, wie sich Marktanteile vergrößern lassen können. Also ja, die wollen mehr Geld verdienen, mehr Umsatz generieren und am besten soll die Konkurrenz auch noch Schaden nehmen.
Ja, und dann hat das eigene Unternehmen Schaden genommen. Ja. Also ich freue mich, dass du diese Folge machst heute oder das Thema machst, weil ich habe das ja wirklich mit zwei Sätzen abgehandelt. Ich habe auch nicht viel mir darüber angelesen oder nicht groß rein recherchiert in das Thema, weil ich mir dachte, das ist mal eine andere Folge.
Deswegen bin ich sehr gespannt heute, wie das alles zustande kam, wer da dahinter steckte und... Ja, also von dem, was ich weiß, ist es wirklich hochdramatisch. Ich bin gespannt, ob es eine Erklärung für dieses Versagen gibt. Also ob jemand schuldig ist. Die Schuldfrage werden wir klären. Okay. Es gibt Fotos, die den Fall heute bildlich begleiten werden.
Die findet ihr entweder direkt hier im Video, wenn ihr bei YouTube schaut oder im ZDF-Streaming-Portal. Dann bleibt einfach dran und genießt die Fotos direkt hier im Video drin. Und wenn ihr uns nur hört, dann guckt doch gerne bei, was schmeckt dahinter, bei Instagram vorbei. Da sind auch alle Fotos in einem sogenannten Karussellpost für euch zusammengefasst.
In chronologischer Reihenfolge mit Informationen und lustigen Reels. Da geben wir immer... Die Oma Lilly hat nochmal Gimp angeworfen und nochmal einen Karussellpost zusammengestellt. Oh wow, bei Gimp kommen, oh Gott, das muss man ja in Kunstunterricht nehmen. Ja, 8. Klasse. Nee, bei uns in der Oberstufe. Ach so.
In NRW, da ist es, da macht man in der Oberstufe das, was man vielleicht in Sachsen in der 8. macht. Ah ja, okay. Was ihr auch heute sehen könnt im Video ist, wie ich mit Lillys Couch zu einem weiß-beigen Klops einfach zusammenschmelze. Ja, Flo hatte Tarnfarben an heute. Ich bin wirklich nicht zu sehen in diesem Video. Die Wand ist weiß, die Couch ist beige und mein Pullover auch.
Aber nicht, dass jetzt der Eindruck erweckt wird, dass ich in einem beigen Haus wohne. Bei mir sind es schon auch Farben. Möchte ich meinen. Hin und wieder, ja. Zwischen uns liegt übrigens der süßeste, zweitsüßeste Hund EU West. Ich muss zweiter sagen, weil natürlich der Hund meiner Familie süßer ist.
Liebe Grüße an Hansi an dieser Stelle. Der auch zuschaut. Der auch zuschaut, wurde mir gesagt. Und in der nächsten Folge lernen sie sich vielleicht sogar kennen. Vielleicht können wir einen kennenlernen on cam machen. In der übernächsten lernen sie sich kennen. In der übernächsten? Ja, in der übernächsten. Ich sehe nicht mehr durch, wann wir was wir aufnehmen. Aber in der übernächsten lernen die beiden sich kennen.
Ihr seid jetzt gerade bei einem Live dabei. Ja, aber wir, Flo und ich, haben eine kleine Reise vor uns. Wir werden ins schöne Rheinland fahren, um dort etwas zu drehen und auch unseren Podcast aufzunehmen. Und im schönen Rheinland bei Köln werden sich Frankie, die gerade zwischen uns liegt, und Flo's Hund ist und Handy. Die man nicht im Video sieht übrigens.
Das ist ein bisschen... Werden sich kennenlernen. Und bald wird es vielleicht... Ach nee, sie ist ja sterilisiert. Ich dachte, es gibt süße Podcast-Hundebabys. Aber nein. Gut. Okay, ich würde sagen, jetzt haben wir alles technisch einmal durchgesprochen. Jetzt werden wir bei Minute 10 oder so endlich mit der Geschichte weitermachen, die auf den Philippinen stattfindet in den 90ern, also vor über 30 Jahren. Wir springen zurück.
Es ist so, Coca-Cola ist der Top-Cola-Verkäufer und Pepsi liegt weiter dahinten und möchte das jetzt aber ändern. Anfang der 90er Jahre hat Coca-Cola auf den Philippinen klar die Nase vorn. Coca-Cola macht viermal so viel Umsatz wie Pepsi. Für Pepsi ist das eine Demütigung. Also schmieden die Verantwortlichen einen Plan.
Einen Plan, der nicht nur den Markt verändern wird, sondern das Leben tausender Menschen. Pepsi lässt in die Deckel seiner Soft-Getränke Zahlen drucken, mit denen sich Summen von bis zu einer Million Pesos gewinnen lassen. Wer sich Anfang der 90er auf den Philippinen also eine Pepsi kauft, kann dabei buchstäblich im Handumdrehen reich werden.
Wie findest du das mit dem Handumdrehen? Oh. Flasche öffnen? Hallo. Ja, das sind hier meine kleinen linguistischen... Ich wollte gerade sagen, da merkt man, dass du sowas studiert hast. Ich sage sowas, weil ich nicht mehr zu 100% weiß, was du studiert hast. Ach, alles klar. Warte, war das Germanistik? Unter anderem. Unter anderem, siehst du?
Da läuft es doch bei mir ja wieder. Ich habe Germanistik studiert und Medienkulturwissenschaften. Ich habe einen sogenannten Zweifach-Bachelor gemacht. Und im Anschluss habe ich einen Master gemacht, der da hieß Kulturjournalismus. Ja. Hier in Berlin. Und man fragt sich, was davon übrig geblieben ist, wenn man diesen Podcast hört.
Satire. Da wacht der Hund auf vor lauter Echauffieren. Eine Million Pesos, würdest du noch sagen, wie viel Euro das sind? Ja, selbstredend werde ich das noch aufklären. Weil ... Das ist jetzt ein bisschen weg vom Thema, aber wir sind ja noch am Anfang der Geschichte, deswegen erlaube ich mir das gerade.
Eine Million, ich meine, jeder möchte Millionär werden. Und vor allem bei Wer wird Millionär, war ja vor 10, 15 Jahren die Millionen noch richtig was wert. Jetzt ist es, wenn du eine Million gewinnst, was wollen sie damit machen? Früher hast du damit deine Familie bis ans Lebensende versorgen können und jetzt sagst du, ja, ich würde mich vielleicht freuen, mir eine Zwei-Zimmer-Wohnung im Wedding zu kaufen.
Deswegen ist die Million als Begriff natürlich groß, aber praktisch. Das heißt, du wärst dafür, dass bei Wer wird Millionär der Höchstgewinn mal angepasst wird? Das gibt es ja, glaube ich, mittlerweile auch. Dass die so Special-Wochen haben, wo es dann mal so 3 Millionen gibt. Die Inflationswoche. Die große Inflationswoche bei Wer wird Millionär.
Da packt der Günther noch persönlich was drauf. Ich wollte gerade sagen, da verzichtet der Günther dann mal zwei Folgen auf sein Gehalt, damit da ein bisschen was ausgezahlt werden kann. Das ist ja unfassbar, wie reich dieser Mann ist. Das ist wirklich unfassbar, wie reich dieser Mann ist. Aber anderes Thema. Bitte.
In den 90ern sind eine Million Pesos auf jeden Fall auf den Philippinen sehr viel wert. Und die Leute kaufen sich jetzt also Flaschen und hoffen, dass sie im Handumdrehen reich werden. Es ist ein ziemlich attraktives Angebot für ein Land, das von Armut geprägt ist. Am 17. Februar 1992 geht es los. Die Regeln des Gewinnspiels sind simpel.
Wer ein Getränk von Pepsi kauft, nimmt automatisch an der Auslosung teil. Das gilt übrigens nicht nur für die klassischen Pepsi-Cola-Flaschen, sondern auch für die Marken 7-Up, Mountain Dew und Mirinda, die ebenfalls zum Pepsi-Konzern gehören. Mountain Dew? Mhm. Ekelhaft die Brühe. Hab ich noch nie probiert.
Ekelhaft, wirklich. Und ich finde ja so Softdrinks manchmal gar nicht so schlecht, Aber boah, Mountain Dew ist einfach nur süß. Aber dann wird das ja auch gar nichts für mich. Und wie stehst du zu Merinda? Merinda. Ich finde so Orangenlimos immer ein bisschen toll. Ich finde auch Fanta nicht so geil.
Ich finde auch die von Fritz Cola, die Orangenlimo. Ich finde, das schmeckt immer irgendwie künstlich. Ich mag das alles nicht. Mich kann man damit auch nicht abholen. Dr. Pepper finde ich zum Beispiel ganz geil. Das gehört, glaube ich, auch zu Pepsi. Könnte gut sein. Gibt es die nicht auch mit Geschmäckern noch? Ja.
Ja, ne? Das finde ich übrigens auch total widerlich. Cola mit Vanille oder Kühlschmack oder so. Aber gut, mich kann man mit solchen Softdrinks nicht hinterm Ofen hervorlocken. Falls ihr euch gefragt habt, was Merinda ist, diese Limo gibt es auch in Deutschland. Aber sie heißt mittlerweile Schwipp Schwapp Orange.
Und es ist das gleiche Getränk, nur anders vermarktet. Aber zurück zum Gewinnspiel. Auf den Innenseiten der Flaschendeckel befinden sich die Zahlen von 001 bis 999. Darunter ein siebenstelliger Security-Code, mit dem die Echtheit des Deckels nachgewiesen werden kann. Jeden Abend, von Montag bis Freitag, wird im Fernsehen, im Radio und in der Zeitung die Gewinnerzahl des Tages verkündet.
Es ist also quasi unmöglich, dass man nichts von dieser Aktion mitbekommt, wenn man sich zu der Zeit im Land aufhält. Der kleinste mögliche Gewinn liegt bei 100 Pesos, was umgerechnet einem heutigen Wert von ca. 6 Euro entspricht. Der Hauptgewinn von einer Million Pesos entspricht etwa 60.000 Euro umgerechnet.
Und ich habe dir eine Print-Werbung für das Gewinnspiel mitgebracht von damals. Ganz kurz. Fernsehen, Radio, Zeitung, nee, Zeitung auch? Ja. Ich weiß nicht, ob die dafür bezahlt haben oder wie das genau organisiert war, aber das ist ja absurd. Ja. Also das wirklich so Peak-90er einfach mit so einer Kampagne einfach 100% der Bevölkerung bespielt.
Ja, stell dir mal vor, das wäre heutzutage so, dass Coca-Cola ein Gewinnspiel macht und jeden Abend in der Tagesschau würde, you name dein Favorite Tagesschau-Moderator, Moderatorin, würde sagen, nicht die Lottozahl, sondern was die Cola, Pepsi. Plus dann noch Punkt 8 Uhr bekommt jeder und jede bei TikTok und Instagram eine Story eingespielt oder ein Reel.
Also heftig. Und gleichzeitig natürlich, wenn ihr morgens die FAZ aufschlagt, auch da würden die Nummern drinstehen. Ja, lass uns auf das Foto schauen und beschreib doch mal, was du siehst. Ja, ich sehe die Radiostationen, die wahrscheinlich teilnehmen oder wo man was wie hören kann. Das sind wahrscheinlich die Regionen und die Einschaltfrequenzen.
Das sind sehr viele. Dann gibt es die Zeitung, in der es zu sehen ist und die Fernsehsinnung, auf der es zu sehen ist. ist, don't miss the daily announcements of winning numbers. Today you could be a millionaire. Ja, das ist... Check the number viewer posted your nearest Sari-Sari-Store. Hammer. Das ist wahrscheinlich sowas wie 7-Eleven, oder? Der Sari-Sari-Store.
Ja, weiß ich ehrlich gesagt gar nicht, aber irgendwas, was in einer hohen Frequenz existiert. Ich sag mal so, aber das Geld ging wahrscheinlich eher für den Rest der Kampagne drauf, weil hier, das ist relativ nüchtern, die Ankündigung. Ja, aber so von der Ansprache, würdest du denken, das lohnt sich oder würde ich auch mitmachen wollen? Ja, ich finde, ganz ehrlich, ich finde das Logo schon ganz geil. Das ist das Numberfieber-Logo.
Und die Hemmschwelle damit zu machen, ist ja relativ gering. Eine Flasche kaufen, mein Gott, ne? Ja. Deswegen... Ich weiß nicht, es ist immer so schwer zu sagen, so hätte ich da mitgemacht oder nicht. Ich bin generell bei so Gewinnspielen, das bin ich zu faul oft. Aber dann wäre es ja, wenn es so niederschwellig stattfindet, wie bei so einer Flasche.
Ja, es ist, glaube ich, vielleicht wäre ich so zufällig mit reingeraten. Auf den Philippinen geraten manche auch zufällig da rein, aber viele kaufen jetzt natürlich Flaschen noch und nöcher in der Hoffnung, was zu gewinnen. Oder sammeln Deckel, die sie irgendwo finden. Und ich habe ja gerade schon mal gesagt, der kleinstmögliche Gewinn liegt bei 100 Pesos und der größte, der Hauptgewinn, liegt bei einer Million Pesos.
Und 6 Euro, also der kleinstmögliche Gewinn, das klingt für uns jetzt noch nicht so viel Geld. Aber 100 Pesos sind 1992 auf den Philippinen viel mehr wert als heute, weil auch das Durchschnittseinkommen viel niedriger ist. Und 100 Pesos entsprechen zu der Zeit etwa dem Mindestlohn für einen Tag Arbeit.
Dafür lassen sich mehrere Kilo Reis oder Gemüse kaufen und sogar auch etwas Fleisch dazu. Eine kleinere Familie kann davon also etwa eine Woche lang satt werden. Selbst der kleinste Gewinn kann also das Leben einer ärmeren Familie deutlich erleichtern, wenn auch nur temporär. Und Armut ist Anfang der 90er Jahre ein riesiges Problem in dem Inselstaat.
Die Inflation ist hoch, die Wirtschaft wächst kaum. Nicht ohne Grund werden die Philippinen zu der Zeit von der Weltöffentlichkeit der kranke Mann Asiens genannt. Während die Wirtschaften einiger Nachbarländer wie Thailand, Malaysia oder Indonesien sprunghaft wachsen. Entsprechend groß ist also die Begeisterung für das Gewinnspiel.
Auch wenn die Chance auf den Hauptgewinn bei 1 zu fast 30 Millionen liegt, so ist die Hoffnung vieler Menschen einfach zu groß, dass sie mit etwas Glück den Schritt aus der Armut heraus schaffen. Eine Million Pesos entsprechen 1992 immerhin einem Gegenwert von fast 31 Jahren Arbeit auf den Philippinen.
Und zum Vergleich nochmal kurz, bei uns in Deutschland kommt man umgerechnet damit nur auf ein etwas höheres Jahresgehalt von etwa 60.000 Euro. Also das Gewinnspiel ist verlockend und ganz ehrlich, wer würde sich da keine Hoffnung machen? Da wäre zum Beispiel Emilia Fernandes, eine alleinerziehende Mutter von drei Kindern, die wochenlang Flaschendeckel sammeln geht, in der Hoffnung, dass sie ihren Kindern schon bald ein besseres Leben ermöglichen können wird.
Also es haben wirklich Leute dann nur nach diesen Deckenausschau gehalten, den Müheimern und Restaurants oder wo auch immer. Ja, krass. Oder Marilee So, die 23 Jahre alt ist und mit vier kleinen Kindern in einer Holzhütte direkt neben den Gleisen lebt. Ihr Ehemann hat das letzte Geld der Familie in Pepsi-Flaschen investiert.
Sie setzen alles auf eine Karte. Das ist immer keine gute Idee. Solche Geschichten wie die von Emilia oder Marilee gibt es viele. Der Fabrikarbeiter, der sogar einen Kredit aufnimmt, um möglichst viele Pepsi-Flaschen zu kaufen, obwohl er keine Ahnung hat, wie er das Geld ohne einen Gewinn zurückzahlen soll.
Die Mutter von zwölf Kindern, deren Kinder jeden Tag zusammen zehn Flaschen Pepsi trinken. Nicht wenige glauben so sehr an die Vorstellung einer besseren Zukunft, dass sie darauf verzichten, Brot oder andere Lebensmittel zu kaufen und stattdessen ihr Geld für Pepsi ausgeben. Viele Menschen, die es sich finanziell nicht leisten können, mehrere Flaschen Limo pro Tag zu kaufen, suchen in Mülltonnen und auf den Straßen nach weggeworfenen Deckeln.
Streit ist dabei natürlich vorprogrammiert. Wehe, jemand stiehlt was. Wer Deckel besitzt, hortet sie wie einen Schatz. Ein Hausmädchen wird verhaftet, weil es versucht hat, die Deckel seines Arbeitgebers zu stehlen. Was macht das mit dir, wenn du hörst, dass die Menschen ihren letzten Cent ausgeben? Naja, es ist so traurig, dass überhaupt diese Firma es genau eben auf diese Leute abgesehen hat, die eh schon nichts haben und dann ihr letztes Geld auch noch für einfach so ein Zuckergetränk ausgeben, was ihnen ja nichts gibt. Nichts. Es bringt nichts.
Sie geben ihr Geld noch weg und sie bekommen ein ungesundes Getränk dafür. Das ist ganz, ganz schlimm. Und es hat ja scheinbar funktioniert, das ist ja das Schlimmste. In solchen Geschichten denke ich mir immer, egal was ihr in eurem Leben je irgendwann mal macht, nie, nie, nie euer ganzes Erspartes einfach in eine Sache stecken.
Das ist also so dieses all or nothing. Das führt nie zu was Gutem. Oder es führt vielleicht einmal zu was Gutem und dann ist man hooked und denkt sich, warum jetzt nicht nochmal das Haus auf Rot? Und dann dreht der Groupier einmal am Rad und dann sitzt man wieder bei den Eltern im Keller. Hast du damit Erfahrungen? Nein. Okay. Ich würde gerne mal ins Casino gehen und Roulette an einem echten Roulette-Tisch spielen. Mhm.
Gibt es hier in Berlin ein Casino? Ja. Können wir doch mal einen kleinen Betriebsausflug machen. Ich war da einmal drin, als da zu war. Und ich fand es irgendwie mega lame. Okay. Nee, dann schon Las Vegas, ne? So ein bisschen Puff-Atmosphäre. Also dann, ja, ehrlich gesagt, dann Las Vegas oder so Baden-Baden oder so. Ach klar.
Was ganz Bescheidenes. Ich war sogar mal in Las Vegas im Casino. Mit null Geld. Aber schon mit 21. und ich habe einmal Roulette gespielt und war einmal an so einem Automaten. Einfach, weil ich es mal gemacht haben wollte. Ich habe natürlich nichts gewonnen. Du warst nicht hooked. Ich war nicht hooked, weil die Umstände das auch irgendwie nicht zugelassen haben.
Ich habe damals so einen Roadtrip mit meinen Schulfreundinnen gemacht und wir hatten jetzt keine Lust, den ganzen Tag in diesem klimatisierten, dunklen Casino rumzuhängen. Ja, ich meine, bei Glücksspiel oder auch bei solchen Aktionen wie dem Pepsi-Number-Fever. Das zielt natürlich auf Leute ab, die ein gewisses Suchtpotenzial haben.
Also ich glaube, wenn ich mich anschaue, ich merke halt, ich habe jetzt nicht so ein hohes Suchtpotenzial, egal worum es irgendwie geht. Also auch so Sportwetten oder sowas. Das ist ja in den USA, 80 Prozent der Werbung sind Sportwetten. Jeder Sportsender ist eigentlich ein Wettbüro mit angeschlossener Fernsehstation.
Und trotzdem habe ich noch nie das Gefühl gehabt, boah, ich muss das jetzt mal ausprobieren. Weil wenn ich jetzt hier irgendwie 10 Euro setze, dann kriege ich erst mal 4000, mit denen ich spielen kann und dann werde ich reich. Und wahrscheinlich ist bei solchen Aktionen auch, also Menschen, die eh schon vielleicht ein gewisses Suchtpotenzial haben, spricht sowas natürlich noch schneller an.
Und dann geht es schnell abwärts, weil der Einsatz so gering ist. Das ist ja das Perverse, das ist der Einsatz so gering ist. Ja, und ich finde auch, du hast ja nicht nur den niedrigen Einsatz an sich, sondern du hast ja auch noch was dafür bekommen, ein Getränk, was du vielleicht eh trinken würdest. Ja, ja, eben.
Das ist ja nicht nichts. Mehr Daily Mountain Dew für uns heute. Ja. Seit die Aktion am 17. Februar 1992 gestartet ist, haben auch schon einige Menschen etwas gewonnen. Bis Mai werden insgesamt 51.000 Preise eingelöst, darunter 17 Hauptgewinne. 17 mal eine Million? Ja. Aha. Zwischen Februar und Mai. War das angegeben, wie viel es insgesamt gab?
Also man wusste jetzt nicht, es gibt 100, sondern es gab laufend Gewinne. Es gab laufend Gewinne. Okay. 17 ist schon ordentlich. Das heißt, innerhalb von wenigen Monaten gab es jetzt 17 Menschen auf den Philippinen, die über Nacht zum Millionär geworden sind. Die wahrscheinlich dann auch durch die Radiostationen und Fernsehstationen gezogen wurden.
Ja, in den Medien wird natürlich über diese glücklichen GewinnerInnen berichtet und das ist der Beweis für alle anderen, dass es wirklich möglich ist. Dass Pepsi wirklich, wie versprochen, Leben verändern kann. 1992 leben über 60 Millionen Menschen auf den philippinischen Inseln und rund die Hälfte der gesamten Bevölkerung nimmt an dem Gewinnspiel teil, also über 30 Millionen Menschen.
Kein Wunder also, dass die Werbeaktion für Pepsi ein riesiger Erfolg ist. Die Umsätze schießen in ungeahnte Höhen, die Verkaufszahlen steigen von 10 Millionen auf 14 Millionen Dollar im Monat und Coca-Cola kann nur erstaunt dabei zusehen, wie Pepsi zunehmend den Markt dominiert. Und irgendwo in, wo sitzt Pepsi? Sitzen, nicht in Atlanta, sitzen die nicht in New York?
Also die Menschen, die sich das ausgedacht haben, sitzen in New York. Ja, da wird in New York der ein oder andere Mountain Dew Korken geknallt haben. Ja, wer kennt die nicht? Weil im Hauptbüro, da gibt es den guten, den Flaschenabgefüllten. Du hast es gerade schon gesagt, weil wir es auf der Werbung gesehen haben.
Das Ganze heißt Number Fever und das findet nicht nur auf den Philippinen statt, sondern auch in Argentinien, in Chile, in Guatemala und in Mexiko. Also man kann sich vorstellen, diese Kampagne ist eine krasse globale Kampagne und kurbelt den globalen Umsatz des Konzerns an. Das war mir neu. Ja, siehste, auch für dich habe ich neue Informationen dabei.
Ich weiß ja eh nichts, aber ich dachte, das wäre so eine Philippinen-eigene Sache gewesen. Nee, findet weltweit statt. Eigentlich sollte das Gewinnspiel nur drei Monate gehen, von Februar bis Mai. Doch die Kampagne wird schnell um weitere fünf Wochen verlängert. Warum aufhören, wenn es am schönsten ist?
Nach jahrelanger Rivalität mit Coca-Cola hat Pepsi jetzt endlich mal die Nase vorn. Zumindest auf den Philippinen. Dieser Triumph muss natürlich ausgekostet werden. Was hat Pepsi in den letzten Jahren nicht alles versucht, um sich gegen die Konkurrenz zu behaupten? Ein paar Jahre zuvor hat ein Manager einmal sogar Verkaufszahlen gefälscht, um den Cola-Krieg für sich zu gewinnen.
Allerdings ohne Erfolg, weil die ganze Nummer aufgeflogen ist. Oder dann war da noch die berühmte Pepsi-Challenge, bei der die Bevölkerung blind testen konnte, welche Cola sie lieber mögen. Und natürlich haben die meisten sich für Pepsi entschieden. Etwas in Stress geraten, hat Coca-Cola daraufhin das Rezept verändert und die New Coke auf den Markt gebracht, was bei den Leuten aber gar nicht gut angekommen ist.
Der Konzern musste schnell wieder zurückrudern, die Leute wollten den Geschmack der Original-Coca-Cola behalten. Man sieht, da war einiges im Gange. Da wurde viel probiert, um die Konkurrenz auszuschalten oder zumindest zu überholen. Und so haben die beiden Cola-Giganten es über die Jahre immer wieder versucht, sich mit neuesten Produktvarianten und Marketingstrategien zu übertrumpfen.
Dabei ist Coca-Cola ja eigentlich, wenn man es streng sieht, die Original-Cola, weil das Rezept einige Jahre vor Pepsi entwickelt wurde. Coca-Cola wurde 1886 erfunden und Pepsi 1893, also sieben Jahre später. Kleine Infos, falls ihr mal bei Weltmillionär oder so sitzt. Ja, zum Beispiel. Dann wisst ihr das jetzt. Noch eine Info, die einem zum Millionär machen kann. Richtig.
Eigentlich wird man automatisch zum Millionär, wenn man unseren Podcast hört. Ja, so weit würde ich auch gehen. Oder? Ja. Fände es dann auch fair, wenn Leute gewinnen würden, wenn sie uns was abgeben würden. Das sollte wohl drin sein, ja. Wisst ihr Bescheid. All diese alten Kamellen spielen jetzt 1992 erstmal keine Rolle mehr, weil ja beide Konzerne längst im Markt etabliert sind.
Pepsi befindet sich jetzt nach dem Pepsi-Number-Fever-Erfolg auf den Philippinen im Höhenflug. Die Feiererei ist groß und das Marketing-Team in New York klopft sich auf die Schultern für diese geniale Idee mit dem Gewinnspiel. Doch wie das so ist, wenn man zu hoch an der Sonne fliegt, da kann es dort oben schnell mal zu heiß werden.
Showgirl a little bit, nee. Wie ist die Zeile? Boss Girled a Little Bit Too Close to the Sun. Wer von Taylor Swift? Das geht raus an all meine Swifties. Wow, das habe ich jetzt. Ich bin ja gar kein Swifty. Ich oute mich. Aber das klang so. Ja, die Zeile. Das ist, glaube ich, nicht zu 100 Prozent korrekt, aber so ungefähr. So in der Art.
Ich muss sagen, ich habe ins neue Album reingehört und ein, zwei Lieder machen was mit mir. Das sind gute Pop-Songs. Ja, ich finde alles super. Du bist ja ein Swifty. Du warst ja auch auf dem Konzert. Ich finde alles super. Ja. Pepsi Boss Girl Too Close to the Sun und am Abend des 25. Mai 1992 kommt es zu einer großen Katastrophe, mit der wirklich niemand gerechnet hat.
Was könnte denn passiert sein, Flo? Weißt du es? So wie ich das erinnere, war das Problem doch, dass sie eine Zahl zu oft gedruckt haben, oder? Mhm. Und wahrscheinlich ist das dann der Abend, wo diese Zahl genannt wird und dann nicht ein, zwei Leute Millionär werden, sondern 2000, 200.000. Deine Erinnerung trügt dich nicht.
An diesem Abend will Pepsi wieder einen Hauptpreis verkünden und die Menschen sitzen voller Spannung vor den Fernsehgeräten. Wessen Nummer jetzt gezogen wird, der wird über Nacht zum Millionär werden. Und all dessen Träume werden wahr werden. Ich zeige euch jetzt ein Bild von dem Gewinnerdeckel. So nennt man übrigens auch jeden Bierdeckel in einer Kölschen Bar, in der Lilly unterwegs ist.
Richtig. Viel zu kompliziert, der Gag. Die Gewinnzahl ist? 3, 4, 9. Richtig, die 3, 4, 9. Überall im Land sind in diesem Moment Jubelschrei zu hören, denn die 3, 4, 9 gibt es sage und schreibe über 600.000 Mal. Nicht dein Ernst. Scheiße. 600.000? Ja, mehr als 600.000. Das sind 600 Milliarden? Das ist ganz Düsseldorf. Sind das 600 Milliarden Pesos, die Pepsi auszahlen müsste? Ja, es sind 600 Milliarden.
600 Milliarden? Pesos, ja. Junge, Junge, Junge. Ich meine, wir haben gesagt, es spielen 30 Millionen Leute mit. Das heißt, roundabout jeder 50. hat gewonnen. Vertrau mir. Also jeder Fünfzigste hat gewonnen. Das ist ganz schön viel. Die Freude ist groß im Land. Ja, und vor allem, wenn du wirklich einfach mal so einen Packen Pepsi dir holst, dann ist es wahrscheinlich auch groß, dass du so einen Deckel danach kommst.
Oh Mann, 600.000 Menschen. Ja, bei 600.000 Menschen steht die 349 im Deckel, aber die Leute merken schnell, dass hier irgendwas nicht stimmen kann. Eigentlich sollten an diesem Abend nur zwei Menschen den Hauptpreis gewinnen. Das wurde dazu gesagt. Und nicht mehrere hunderttausend. Pepsi hatte eigentlich ein System eingerichtet, um sicherzustellen, dass es jeden Abend nur zwei Gewinner gibt.
Aber am 25. Mai 1992 geht etwas schief. Anstatt zwei glücklichen gibt es jetzt über 600.000 glückliche GewinnerInnen. Würde das Unternehmen all die Menschen wirklich ausbezahlen, dann würde der Konzern auf eine Summe von umgerechnet über 32 Milliarden Dollar kommen. Das haben die, glaube ich, nicht auf Tasche.
Vor allen Dingen nicht, wenn sie ja eigentlich reicher werden wollten. Eine riesige Zahl ist das natürlich. Und zum Vergleich, das gesamte Bruttoinlandsprodukt der Philippinen beträgt 1992 ca. 52 Milliarden US-Dollar. Das heißt, Pepsis Schulden an die Bevölkerung betragen mehr als die Hälfte des kompletten BIPs.
Und natürlich hätte es nie so weit kommen sollen. Die 349 war eigentlich als eine Zahl gewählt worden, die nicht gewinnt und deshalb für den massenhaften Druck freigegeben worden. Aber aufgrund eines Fehlers hatte der Computer die Zahl für die Verlängerung des Wettbewerbs ausgewählt, mit fatalen Konsequenzen.
Das wurde nicht mal ... Nein, das heißt, in der Sekunde, in der entschieden wurde, wir verlängern dieses Gewinnspiel, weil das so gut läuft, haben die die Computereinstellungen nicht noch mal verändert, sondern haben einfach mit dem weitergemacht, was wir schon hatten. Und so ist der Fehler passiert. Man muss auch sagen, das war am Anfang mein erster Gedanke, nur so eine dreistellige Zahl ist irgendwie risky, oder?
Also du hast ja dann nur tausend Zahlen, aus denen du wählen kannst für dieses ganze Gewinnspiel. Also du musst ja dann wirklich, wenn du die automatisiert irgendwie druckst oder wenn du da, weiß ich, wer die ausgewählt hat, ob es wirklich jemand gesagt hat, die Zahl ist schön, das wird eine Gewinnerzahl.
Ich finde, ganz ehrlich, die drei, vier, neunten, ich finde das eine sehr ästhetische Zahl. Ja, ist auch eine Gewinnerzahl, in deinen Augen. Ja. Mein Gefühl war, es ist irgendwie risky, so eine kleine Zahl zu haben. Das macht natürlich praktisch überhaupt keinen Sinn, weil ob du jetzt zehn Zahlen hast, von der eine gewinnt, oder ob du tausend Zahlen hast, aber das ist natürlich blöd.
Und jetzt ist schon die Frage, wissen wir, wer diesen Computer bedient hat? Wer war hier für die IT zuständig? Ja, da gibt es jetzt nicht diese eine konkrete Person. Aber wir nähern uns der Aufklärung. Und vor allen Dingen aber erstmal den Konsequenzen, weil die Leute jetzt natürlich ihr Geld haben wollen.
Und noch am selben Abend sammeln sich Menschenmassen vor dem Hauptsitz von Pepsi in der philippinischen Hauptstadt Manila und verlangen die Auszahlung ihrer Gewinner. Pepsi verschließt daraufhin erst einmal alle Türen und beruft eine Krisensitzung ein. Aus dem Marketing-Genie-Streich ist ein riesiger Fail geworden.
Auf keinen Fall werden sie all diese Menschen ausbezahlen können. Der Konzern versucht, einen Rückzieher zu machen. Man erklärt, dass die Security-Codes auf den Deckeln der Menschen nicht mit den offiziellen Gewinnerdeckeln übereinstimmen würden und weigert sich, diese in Anführungszeichen falschen Gewinner auszuzahlen.
Das war der erste Schritt. Also die versuchen jetzt, auf irgendeinem Weg irgendwie da rauszukommen. Das kommt aber natürlich nicht so gut an, wie man sich vorstellen kann. Dieser Move, den Leuten, denen ihre Zukunft so greifbar wie nie zuvor erschien. Die denken sich jetzt, irgendwie werden sie ungerecht behandelt.
Und sie sind ja auch überzeugt, dass sie nach den offiziellen Spielregeln rechtmäßig gewonnen haben. Und sie sind wütend, dass man ihnen jetzt den Gewinn verweigern möchte. Ja, jetzt verstehe ich den Bezug zu der Pepsi-Jetfolge nochmal ein bisschen mehr, weil die ja da versucht haben, mit diesem Gewinnspiel zu belegen, dass Pepsi keine Gewinnspiele durchführen kann und das ist ja wirklich so, also die haben das versprochen, da ist diese Zahl, die haben die Zahl genannt und gleichzeitig würde es ja nicht passieren, weil wo sollen die die Kohle herbekommen? Richtig.
Und aber, ich habe ja eben erzählt von so ein paar Einzelschicksalen, wenn du alles auf eine Karte gesetzt hast und dann kommt dieser Moment, in dem im Radio, im Fernsehen oder in der Zeitung wirklich die Nummer genannt wird, die du auf deinem Deckel hast. Da wird es ja auch Leute gegeben haben, die haben mehrfach gewonnen.
Ja. Die haben wahrscheinlich dann fünf von diesen Deckeln gehabt und haben dann fünf Millionen eigentlich auf dem Zettel stehen gehabt. Ja. Die Stimmung heizt sich weiter auf, als die Zeitungen am nächsten Morgen verkünden, dass die Gewinnerzahl nicht die 349, sondern die 134 ist. Oh Mann, die Person, die dann die 134 hatte, die wird sich wahrscheinlich nicht rausgetraut haben. Wahrscheinlich nicht.
Ich? Dann wäre das wohl ich. Gott. Die ganze Nacht hat der Krisenstab getagt und es ist offensichtlich, dass Pepsi die Lage alles andere als im Griff hat. Die Menschen sind wirklich, wirklich wütend. Sie fühlen sich betrogen, besonders weil einige bereits direkt nach der Verkündung der Gewinnerzahl ihre Jobs gekündigt haben.
Die Menschen wollen sich das Geld holen, was ihnen ihrer Meinung nach zusteht. Komme, was wolle. Kurze Zwischenfrage. Hat man sich den Preis dann im Supermarkt wieder abgeholt? Das weiß ich leider nicht, wie das gelaufen ist. Ich glaube, du bist zur Pepsi-Zentrale vielleicht, wenn du in Manila warst.
Vielleicht bei dem großen Gewinn. Bei den kleinen wahrscheinlich hat man die woanders herbekommen. Vielleicht auch in diesen Sari-Sari-Läden. Das ist eine gute Frage, die ich leider nicht beantworten kann, wie die Gewinnauszahlung vonstatten gegangen ist. Da damals aber ja noch nicht alles so digital war wie heutzutage.
Wahrscheinlich in diesen Sari-Sari-Läden. Dass es analog gelaufen ist. Und die Leute gehen wirklich jetzt auf die Barrikaden und Pepsi verriegelt alle Fenster und Türen und lässt Polizisten und Soldaten vor den Toren positionieren, damit niemand gewaltsam in die Fabriken oder in die Zentrale eindringen kann.
Immer mehr Menschen versammeln sich vor dem Gebäude und ihre Proteste werden immer lauter und zorniger, erste Steine fliegen und es ist für alle klar, dass die Situation kurz davor ist zu eskalieren. Pepsi lässt daraufhin rund um das Werk Zäune mit Stacheldraht errichten, was die wütende Menge nur noch mehr provoziert.
In der Zeit kommt es häufig auch zu Angriffen auf Lieferwägen. Davon habe ich ein Foto dabei. Ja, da wird ein Pepsi-Wagen nicht angezündet, sondern es wird drumherum Feuer gelegt. Bisschen nah an diesem Baum, der da daneben steht. Ja, stimmt. Ja, krass. Und diese Person da vorne hat ja auch irgendwas in der Hand, was aussieht wie ein Stein oder so, der geworfen werden soll.
Ja, es ist ganz schlimm. Es ist wahrscheinlich, dass denn überhaupt die Wagen da gefahren sind, noch zur Arbeit gekommen sind. Ja, naja, ne, ja. Und das ist ja am Ende wieder in einem Land sozusagen, wo du, wenn du so einen Job hast, der ist wahrscheinlich nicht schlecht bezahlt, dann gehst du da auch zur Arbeit, dann waren die Leute wieder.
Der Lieferwagenfahrer war ja vielleicht selber eine Person, die beim Gewinnspiel teilgenommen hat. Boah, schrecklich, ist ganz schlimm, ist ganz schlimm. Ja. Der riesige Konzern wird sich nicht einfach so aus der Verantwortung ziehen dürfen, da sind sich alle einig. Im Kern der kollektiven Wut steht jedoch nicht nur das Geld und die damit verbundene Hoffnung auf eine Zukunft ohne Armut, sondern auch eine wachsende antikoloniale Stimmung im Land.
Jahrzehntelang hatten die USA auf philippinischem Boden Militärbasen betrieben, ein Symbol für die fortdauernde Abhängigkeit und den Einfluss der ehemaligen Kolonialmacht, der vielen Nationalisten ein Dorn im Auge ist. Und jetzt kommt Pepsi, ebenfalls aus den USA, und macht falsche Versprechen, für die viele Menschen auch noch ihr ganzes Geld ausgegeben haben.
Pepsi kommt dann mit einem Vorschlag zur Versöhnung um die Ecke. Was würdest du jetzt machen, Flo, wenn du diesen groben, groben Fehler gemacht hättest? Was wäre dein Versöhnungsangebot? Ich bleibe da mal bei der Pepsi-Jet-Folge, was so damals die Denke von Pepsi war. Und ich würde sagen, sie bieten allen Gewinnern und Gewinnerinnen ein Sixpack Pepsi an als Entschädigung.
Das ist jetzt schon ein bisschen sehr wenig. Es sind zwei. Das war ja ungefähr das, was sie dem anderen Gewinner da angeboten haben. Aber die haben dem ja irgendwann auch, haben die dem nicht eine Million Dollar angeboten irgendwann? Ja, aber erst nach ein paar Runden. Übrigens würde ich an der Stelle gerne mal auf diese Folge verweisen.
Flo hat vor einigen Wochen eine Geschichte von einem anderen Gewinnspiel von Pepsi, was in den USA stattfand, erzählt. Und man konnte einen Pepsi-Jet gewinnen. Und was es damit auf sich hatte und warum die Person, die den eigentlich bekommen sollte, den nicht bekommen hat, das könnt ihr euch in der Folge anhören.
Ja, also wahrscheinlich werden sie wirklich einmal durchgerechnet haben. Wir haben hier 600.000 Menschen, die richtig sauer sind, die Preise gewonnen haben. Was können wir wirklich ausgeben? Und jetzt rechnen wir das mal hoch. Boah, dann würde ich sagen, vielleicht ... 100 Pesos war der Mindestgewinn, vielleicht 500 Pesos?
Wow. Ist das die Antwort? Ja, du bist doch ein Marketing-Bro. Ja, ich sollte im Legal-Team von Pepsi anfangen in den 90ern. Der Konzern bietet allen Leuten, die einen Flaschendeckel mit der Nummer 349 besitzen und sich innerhalb von zwei Wochen bei Pepsi melden, als Geste des guten Willens eine einmalige Auszahlung von 500 Pesos an, also fünfmal so viel wie der kleinste Preis des Gewinnspiels.
Aber 500 Pesos sind eben auch nur 0,05 Prozent vom eigentlichen erhofften Gewinn. Umgerechnet handelt es sich um etwa 30 Euro. Wie viele Menschen oder ja, das sind wirklich immer Gäste. Was glaubst du, wie viele Menschen nehmen dieses Angebot an? Ganz ehrlich, ich hätte es angenommen, weil in so einer Situation ist es ja wirklich mehr als unrealistisch, dass sie das auszahlen.
Und die meisten Leute werden nicht die Möglichkeiten, Zeit, Ressourcen haben, sich einem längeren Rechtsstreit zu stellen, weil du vorhin gesagt hast, für viele Leute hat das eine gute Versorgung für ein paar Wochen bedeutet, dann denke ich mal schon, dass es einige angenommen haben. 486.170 Menschen nehmen dieses Angebot an, was das Unternehmen etwa 240 Millionen Pesos kostet. Wow, okay.
Das entspricht einem heutigen Wert von knapp 14 Millionen Euro. Also nicht gerade eine kleine Ausgabe für den Konzern. War das nicht vorhin der Jahresumsatz, den Sie da gemacht haben? Im Monat haben sie 14 Millionen Euro gemacht. Also nicht ganz, einen Monat, ja. Da kann man sagen, gerade nochmal so mit einem blauen Auge davon gekommen.
Ja, es ist eigentlich ein Monatsumsatz, der sich erhöht hat, nachdem sie dieses Gewinnspiel gemacht haben. Also weißt du, eigentlich hat es am Ende des Tages wirklich nicht viel gebracht. Doch viele, viele Betroffene lehnen dieses Angebot eben auch ab, weil sie sich nicht einfach so abspeisen lassen, wollen und protestieren weiter.
Und die Gewalt eskaliert. In den Protesten werden Dutzende Laster von Pepsi umgestürzt oder in Brand gesetzt. Molotow-Cocktails und andere selbstgebohrte Bomben werden auf und in die Bürogebäude geworfen. Die Mitarbeitenden von Pepsi beginnen, um ihr Leben zu fürchten. Die Führungsetage bekommt eine Todesdrohung nach der nächsten.
Und viele der Verantwortlichen sind draußen auf den Straßen nur noch mit Leibwächtern unterwegs. Stell dir mal vor, du bist irgendwie so. Ich möchte jetzt gar nicht verteidigen, die Leute von Pepsi. Ich meine, es ist schon scheiße. Ja, aber ich meine, die Leute, also viele Menschen, die für Pepsi gearbeitet haben, hatten mit dem Gewinnspiel ja auch wirklich nichts zu tun.
Und hast du die Zahlen nochmal, in welchem zeitlichen Umfang sich das Ganze jetzt befindet? So eine Woche, ist das ein Monat? Wir sind im Mai, Ende Mai sollte das Gewinnspiel ja eigentlich enden, dann wurde es verlängert. Und am 25. Mai wurden diese über 600.000 Gewinnzahlen gezogen. Und das findet jetzt alles in den Wochen danach, statt. Also Ende Mai, Anfang Juni.
Alle US-amerikanischen Angestellten werden jetzt dazu aufgefordert, das Land zu verlassen. Die Sorge ist einfach zu groß. Einer der Mitarbeitenden könnte angegriffen werden, nur weil er oder sie US-Amerikaner ist und für Pepsi arbeitet. Die Wut über das gebrochene Versprechen schwappt wie eine Welle über das ganze Land.
Überall kommt es zu Protesten, wobei nicht alle so eskalieren wie in der Hauptstadt Manila. Viele Betroffenen formen sich zu einer Gruppierung zusammen, die den Namen Allianz 349 trägt. Diese Allianz wird in der nächsten Zeit maßgeblich die Demonstrationen und Boykotte von Pepsi-Produkten organisieren.
Das heißt, die haben nicht nur auf den Straßen protestiert, sondern die haben jetzt auch angefangen, Pepsi zu boykottieren, um denen nochmal einen Schaden zuzufügen. Und ich habe Bilder von diesen Protesten dabei. Ich frage mich, ob man das noch organisieren musste an diesem Punkt. Also wer nach dieser Aktion noch Pepsi getrunken hat, gesagt hat, tolles Unternehmen.
Ja. Also die haben sich ja im Grunde den Markt selber komplett zerstört. Es hätte mich jetzt eher andersrum interessiert, ob die danach auf den Philippinen noch irgendeine Relevanz hatten. Ob sich das erholt hat, meinst du? Da kommen wir noch zu. Ich zeige dir mal ein beispielhaftes Foto von diesen Protesten.
Ja, die sind wütend. Ja. Aber ordentlich. Ja, sehr gemischt auch die Protestierenden. Also eine ältere Dame, eine jüngere Dame. Dann mittelalte Männer. Also ja, ein Querschnitt der Gesellschaft. Um das Ganze noch mal ein bisschen zeitlich einzuordnen, also die Tage vergehen und aus Wochen werden Monate und noch immer wird im ganzen Land gegen Pepsi protestiert.
Ein Jahr lang kommt es immer wieder zu Ausschreitungen und natürlich auch, als 1993 der US-amerikanische Präsident Bill Clinton zu Besuch kommt. Die Hoffnung ist groß, dass er sich vielleicht für die Interessen der Bevölkerung einsetzen wird. Die Demonstrierenden zünden Fackeln an, feuern einen selbstgebauten Feuerwerkskörper in Form einer Pepsi-Flasche in den Himmel und rufen vor den Türen des Palasts um Hilfe.
Doch ihre Hoffnungen werden wieder einmal enttäuscht. Am 13. Februar 1993, also etwa ein Jahr nach dem Beginn des Gewinnspiels, kommt es in Manila zu einem tragischen Unfall. Eine selbstgebaute Splitterbombe prallt von einem Pepsi-Lieferwagen ab und trifft eine junge Lehrerin namens Anisita Rosario, die gerade auf dem Weg ist, Reis zu kaufen.
Die Frau stirbt sofort, ebenso wie ein fünfjähriges Mädchen, das unglücklicherweise ganz in der Nähe steht. Fünf weitere Personen werden verletzt. Anisitas Familie steht unter Schock. Ihr Mann hört nach dem Tod seiner Frau für einige Tage auf zu sprechen und wird dann von Pepsi in eines ihrer Büros eingeladen.
Man bietet dem Witwer 50.000 Pesos, also umgerechnet etwa 3.000 Euro, wenn er davon absieht, eine Klage einzureichen. Boah, dieses Drecksunternehmen. Also wirklich, dass die, also 50.000 ist auch wieder so eine Summe, die wahrscheinlich für viele Menschen oder für ihn hoch genug ist, halt nicht Nein zu sagen und auf der anderen Seite dann wenige Tage nach diesem Tod.
Dann ihn so unter Druck zu setzen, das ist schrecklich. Da vergeht mit die Lust auf Pepsi. Du mochtest das aber ja eh nicht so gern. Nee, Gott sei Dank. Er will das Geld erst ablehnen, ändert dann aber doch seine Meinung auf Anraten seiner Freunde. Und wie viele andere Familien kann auch er das Geld gut gebrauchen, gerade unter diesen Umständen.
Einige Wochen später schleudert jemand eine Granate in ein Pepsi-Werk und tötet drei Mitarbeitende. Noch im selben Jahr geben die Strafverfolgungsbehörden bekannt, dass hinter dem Anschlag ein Trio namens Die Drei Könige steckt, das sich aus der Anti-Pepsi-Koalition geformt hatte. Als die Polizei die drei Verantwortlichen zu dem Vorfall befragt, erklärt einer von ihnen, sie hätten mit dem Anschlag nur einen Auftrag ausgeführt.
Und zwar einen Auftrag, den sie von niemand anderem als Pepsi selbst erhalten hätten. Die drei Könige hätten bei den Kundgebungen Gewalt ausüben sollen, um auf diese Weise die Organisatoren der Proteste zu diskreditieren. Pepsi hätte ihnen dafür eine beträchtliche Summe in Aussicht gestellt. Was nimmt das denn jetzt auf einmal für ein Turn?
Also da muss ich jetzt, glaube ich, mein Gefühl geht dahin, Pepsi zu verteidigen. Warum geben die sich so einen Namen? Warum machen die das so? Das ist alles eine Mutmaßung, aber die wollten ja eigentlich nicht erwischt werden. Ja, aber warum stellen die sich dann so ins Schaufenster? Okay, aber das ist schon heftig.
Das Ding ist natürlich, dass Pepsi diese Vorwürfe zurückweist. Ja, natürlich. Auf der anderen Seite sind die so skrupellos in dieser ganzen Sache, dass man jetzt auch nicht sofort denkt, da ist so ein kleines Fünkchen in mir, das sagt so ... Man denkt nicht, das ist komplett an den Haaren herbeigezogen.
Man könnte sich vorstellen, dass das stimmt. Es gibt jetzt aber auch Leute, unter anderem die Regierung, die vermutet, die Konkurrenz könnte hinter dem Anschlag stecken. Also Coca-Cola. Ach komm, bitte. Also, aber ja, was macht die eigentlich? Was ist eigentlich da, was ist mit der Politik? Die haben sich wahrscheinlich, also, ins Fäustchen gelacht, nehme ich an.
Warum? Weil die sich gefreut haben, dass Pepsi ja so ein riesen Eklat. Aber ich meine... Finanziell zumindest. Die Regierung? Ach so, die Regierung. Ich dachte Coca-Cola, meinst du? Nee, ich meine, was die Regierung da auf den Philippinen, was mit der los ist, ob die irgendeine Rolle spielt in dem Ganzen?
Nicht, dass man wüsste. Okay. Boah. Die Wahrheit liegt dann aber vermutlich irgendwo, wo es niemand vermutet. Der Konzern hat auf jeden Fall zu der Zeit auch noch ganz andere Probleme. Denn in den USA macht das Gerücht den Umlauf, dutzende Menschen hätten Spritzen in ihren Pepsi-Dosen gefunden. Das FBI wird dieses Gerücht später offiziell als Falschmeldung entlarven, aber der Schaden ist bereits getan. Pepsis Ruf geht zunehmend den Bach runter.
Dazu kommt auch noch, dass Michael Jackson, der ja für Pepsi Werbung gemacht hat, sich wegen Vorwürfen von Kindesmissbrauch behaupten muss. Und nicht nur das. Michael Jackson erklärt öffentlich, dass er süchtig nach Schmerzmitteln sei, die ihm nach einem Unfall am Set einer Pepsi-Werbung verschrieben worden seien, nachdem seine Haare dort Feuer gefangen haben.
Die Schmerz... Also, was er dann bis zum Ende genommen hat. Ja. Soll auf einem Pepsi-Shoot zum Er... Oh, Gottes Willen. Wenn man das alles so hört, dann ist es ein Wunder, dass es dieses Unternehmen überhaupt noch heute gibt. Finde ich auch. Und das sind auch so Beispiele oder Dinge, die man nicht auf dem Schirm hat, mit denen sich so ein Lebensmittelkonzern, ich nenne das jetzt mal lapidar, rumschlagen muss.
Wahnsinn. Das alles, weil man irgendwo vergessen hat, bei so einem Computer ein Häkchen zu setzen. From Hero to Zero in drei Sekunden. Wahnsinn. Es ist eine Scheißzeit für Pepsi, Anfang der 90er Jahre. Doch wie es häufig so passiert in einer Krise, gibt es auch in diesem Konflikt Beteiligte, die es schaffen, sich an dem Leid und der Wut der anderen zu bereichern.
Aus der Anti-Pepsi-Koalition heraus entstehen neben der Allianz 349 auch noch weitere kleinere Untergruppen, die ihren Mitgliedern Versprechen auf ganz besonders hohe Auszahlungen machen, sollten sie sich erst einmal ihren Gewinn erkämpft haben. Um Mitglied in so einer Untergruppe zu werden, müssen die Interessierten Mitgliedschaftsbeiträge zahlen, teilweise bis zu 1000 Pesos.
Ein Prediger behauptet, er sei von Gott berufen, gegen Pepsi zu kämpfen. Wer sich ihm und seinem göttlichen Kampf gegen den Konzern anschließen wolle, muss versprechen, ihm 30 Prozent aller zukünftigen Entschädigungen zu zahlen. Doch Pepsi muss natürlich... Ohne, dass er irgendwas dafür macht. Ja, also er kämpft. Also er kämpft mit Gott gegen Pepsi. Er kämpft.
Das ist ja... Zu dem kommen wir gleich nochmal, zu dem Prediger. Junge. One-man's-Trash. Das ist so räudig, dass dann so Leute, die es eh schon schlecht haben, alles verloren haben, dann nochmal abgesehen haben. Und die Philippinen ist ja ein sehr religiöses Land. Also ich kann mir schon vorstellen, dass das auch leider funktioniert hat. Hat es?
Aber jetzt ist es ja so, dass Pepsi natürlich nur dann überhaupt Entschädigungen zahlen muss, wenn sie auch angeklagt und offiziell gerichtlich dazu verurteilt werden. So eine Klage muss auch erstmal organisiert werden. Und genau das hat sich Vicente del Fiero, eben jener von Gott berufene Prediger, zur Aufgabe gemacht.
Dann sind 30 Prozent eigentlich so eine klassische Anwaltsprovision. Bloß halt, dass es an Gott geht. Ich denke, es geht eher an Vicente anstatt an Gott. Die werden sich das teilen. Vicente sagt, dass er von Anfang an gegen die Werbekampagne von Pepsi gewesen sei. Und er erstellt mit der Hilfe von Freiwilligen eine Liste von allen Menschen, die einen Flaschendeckel mit der Nummer 349 besitzen und macht sich bereit, den Kampf nicht nur auf der Straße, sondern auch vor Gericht anzufechten.
Der CEO von Coca-Cola lässt ihm dafür ein Startkapital von 10.000 Pesos zukommen. Die Konkurrenz freut sich natürlich darüber, wie sich die Dinge so entwickeln. Einer schäbiger als der andere. Ich habe natürlich auch von Vicente ein Foto für dich. Also das ist ein Mann, der mit Erfolg gesegnet ist, im wahrsten Sinne des Wortes.
Ein fantastisches, so ein Fotostudio-Hintergrund, aber nicht der normale Blaue, den man aus den amerikanischen Highschool-Fotobüchern kennt, sondern er sieht aus wie ein Sonnenaufgang oder Untergang eigentlich eher. Und er trägt eine Uhr, was genau das sieht man nicht, aber sie sieht nicht günstig aus.
Weißes Unterhemd, weißes Hemd, gewinnbringendes Lächeln. Ja, das Lächeln, das nimmt einen doch auf jeden Fall mit. Und ich muss mal sagen, er sieht nicht ganz unfreundlich aus. Also wenn er jetzt kommen würde und sagen würde, ey, ich kämpfe für dich, wir kriegen die Millionen, ich nehme 30 Prozent, mein Gott, steigst du mit ein, ich bin eh von Gott geschickt, also es wird eh laufen.
Und mussten die Leute ihm was vorher zahlen? Ja, genau. Also die tausend, die tausend Pesos. Genau, teilweise bis zu tausend Pesos. Also ich will den, wir wollen den Mann jetzt ja auch nicht von Anfang an diskreditieren. Es braucht ja manchmal auch eine Person, die sagt, Leute, so geht es nicht. Wir müssen uns ja zusammentun und wir müssen jetzt was dagegen unternehmen.
Also dieses Gottgesandte ist natürlich schwierig. Ansonsten sieht er erstmal relativ nett aus. Ja, ja. Scheiße, ich war bereit, hier meinen Hass auszukübeln, aber gut, Vincenzo, dann kämpf. Alle Gefühle sind hier erlaubt. Und es ist jetzt tatsächlich auch so, dass er eine Sammelklage vorbereitet, der sich tausende Betroffene anschließen.
Insgesamt gehen etwa 22.000 Personen rechtlich gegen Pepsi vor. Mindestens 689 Zivilklagen und 5200 Strafanzeigen wegen Betrugs und Täuschung werden gegen den Konzern eingereicht. Der Pepsi von der Werbekampagne abgewichen ist, die von der Regierung genehmigt wurde, muss das Unternehmen im Januar 1993 eine Strafe von 150.000 Pesos an das Department of Trade and Industry zahlen.
Das Komitee wirft dem Konzern grobe Fahrlässigkeit vor, besonders im Hinblick auf die Tatsache, dass etwas ganz Ähnliches auch in Chile passiert ist. Ich habe ja eben schon mal gesagt, dass das Number Fever auch noch in anderen Ländern parallel zu den Philippinen ausgerollt wurde. Und in Chile wurde etwa ein Monat vor dem Vorfall mit der 349 ebenfalls versehentlich eine falsche Gewinnzahl verkündet.
Die Lage dort ist allerdings bei weitem nicht so eskaliert wie auf den Philippinen. Dennoch ist das für Pepsi natürlich alles nicht so optimal. Sie wollen ja nicht wirken, als könnten sie nicht einmal ein einfaches Gewinnspiel richtig veranstalten. Ich glaube, der Zug ist lange abgefahren. Der Konflikt verlagert sich also zu Mitte der 90er Jahre hin immer mehr weg von den Straßen und hinein ins Gericht.
Und mit der Zeit werden die Proteste vor den Pepsi-Gebäuden weniger. 2006 entscheidet das oberste Gericht der Philippinen nach einigem Hin und Her, dass Pepsi nicht verpflichtet sei, die fälschlicherweise in Aussicht gestellten Gewinne zu zahlen. Ebenso wenig sei der Konzern für aus dem Gewinnspiel resultierende Schäden haftbar.
In den Teilnahmebedingungen habe schließlich gestanden, dass Pepsi das letzte Wort über die Gewinner hätte. Und dabei solle es auch bleiben. Die große Sammelklage von Vicente bleibt also ohne Erfolg, ebenso wie all die anderen Bemühungen der betroffenen Menschen. Oh Mann. Das ist das Ende? Das ist das Ende. 2006, nach 14 Jahren.
Das ist übrigens sowas, das kriege ich in meinem Kopf nicht zusammen, dass 2006 14 Jahre nach 92 ist und vor 14 Jahren war es 2011. Das kriege ich nicht zusammen. Das ist hart. Was ist das denn für eine Klausel, dass du einfach reinschreibst? Wir haben das letzte Wort. Das, ich bin kein Jurist, aber irgendwie fühlt sich das falsch an.
Dass du einfach reinschreiben kannst, so, egal was jetzt hier stand, am Ende entscheiden wir. Es fühlt sich auch falsch an, finde ich, dass diese Gewinnspiele nur in Schwellenländern stattgefunden haben. Und in den USA, da gab es halt ein Gewinnspiel, wo du meine, da hast du halt andere Sachen gewonnen.
Da hast du jetzt nicht Geld gewonnen, aber bei dem Number Fever waren es tatsächlich jetzt Länder, in denen viel Armut herrscht. Und da hat Pepsi ja die Armut Also meiner Meinung nach ausgenutzt? Ja, klar, weil für jemand, der sich freut, ein bisschen Geld zu haben, um ein bisschen Reis und Essen zu kaufen, ist der Gewinn natürlich viel erstrebenswert oder ist das Ziel viel, viel größer, als wenn du irgendwie so ein paar 16-jährigen Highschool-Kids sagst, hier, du hast eine Sonnenbrille und eine Jeansjacke.
Aber dass da gar nichts bei rumkommt, und dass sie da 14 Jahre auch mit zu kämpfen haben, das finde ich schon auch krass das schwebt ja dann über diesem Konzern so, was passiert wenn wenn da nochmal so ein paar Milliardchen nochmal da reinkommen, Wahnsinn und dass es auch in anderen Ländern noch war, dass das in Chile den Bach runtergegangen ist, ich habe mich gefragt, sind das alles Länder mit Pesos?
Argentinien, Mexiko Ja, naja, gut, aufgepasst Ja, und wenn man sich vorstellt, dass das einen Monat vorher in Chile passiert ist, dass dann nicht mal jemand gesagt hat, Leute, Moment mal kurz, wir verlängern das jetzt auf den Philippinen, wollen wir da nicht nochmal drüber gucken? Mhm. Das ist auch so fahrlässig und irgendwie ist das ethisch auch so fragwürdig.
Und du hast dich ja gerade gefragt, wie der Ruf danach von Pepsi war, ob der komplett ruiniert war oder nicht. Und natürlich sind die Verkaufszahlen von Pepsi unmittelbar nach dem Skandal drastisch gesunken, aber die haben sich auch wieder recht schnell erholt. Die ganze Geschichte hat den Konzern letzten Endes deutlich mehr gekostet als ursprünglich geplant.
Am Ende hat das Unternehmen insgesamt 10 Millionen statt 2 Millionen Dollar für die Marketingkampagne gezahlt. Es gibt aber einige Menschen auf den Philippinen, die damals wie heute nie wieder eine Pepsi anfassen würden. Der Schmerz ist nach all den Jahren nicht vergessen. Und es gibt durch den ganzen Vorfall einen Ausdruck, einen neuen Ausdruck im Sprachgebrauch der Philippinos. Ach, wirklich?
Wenn man sagen will, dass jemand hereingelegt oder getäuscht wurde, dann nutzt man den Ausdruck to be three for nine. Also sie wurden getrei, vier neunt. Oh Mann. Ja. Krass. Ja, danke für diese Geschichte. Also ich hatte das nicht so groß erwartet. Also ich wusste natürlich, dass es auf den Philippinen ein ganz schlimmes Ende genommen hat und dass es aber auch dann noch in andere Länder ging, dass, ja, hier, Vincenzo schaut mich immer noch an, dass er gekämpft hat.
Wahnsinn. Das war der Foodcrime für heute. Hast du denn einen persönlichen Foodcrime-Flow, den du heute mit uns teilen möchtest? Nachdem du mich vor zwei Wochen davon kommen lassen hast. Ja, stimmt. Kelle Fauxpas. Ich weiß tatsächlich nicht mehr, was das vor zwei Wochen war. Deswegen muss ich die Schranktür nochmal neu aufmachen, ganz oben ins Regal greifen.
Und zwar möchte ich in den Raum stellen, Also Sprudelwasser, was ist die niedrigste Stufe? Medium Sprudelwasser, also das, was nur so ganz leicht perlt. Ja, Medium und wie heißt denn das andere? Dann gibt es Klassik meistens. Ach so, ja. Ich trinke ja eh nicht mehr so viel Sprudelwasser. Ich war ja lange Sprudelwasser abhängig.
Und dann habe ich einfach gemerkt, dass das meinen Bauch aufbläht. Wenn ich den ganzen Tag Sprudelwasser trinke, dann habe ich irgendwann so einen Blähbauch. Aber wenn ich Sprudelwasser trinke, dann muss es ordentlich knallen. Dann muss es wirklich die oberste Kategorie sein. Also wirklich prickeln. Dann muss es wehtun. Dann muss es mir schön hier die Schleimhaut zerfetzen.
Dann muss es in der Nase wehtun. Das heißt, mein Foodcrime in dieser Woche ist nur gering sprudelndes Sprudelwasser. Also sowas so ein bisschen, was auch nach einer halben Stunde, nachdem du es offen hast, so richtig eklig schmeckt, weil die ganze Kohlensäure raus ist. Und wirklich abgestandenes Sprudelwasser ist ja wirklich das ekelhafteste, was es gibt.
Und das passiert bei diesen gering sprudelnden Wassern ganz schnell. Schneller mal, ja. Hast du auf unserer Hochzeit Topo Chico getrunken? Was war das nochmal? Dieses mexikanische Sprudelwasser? Ich glaube, ich habe auf eurer Hochzeit alles getrunken, was es gab. Also das ist denn so ein Sprudelwasser, das macht Spaß. Das ist wirklich, das tut einfach richtig weh.
Ich liebe ja Sprudel sowieso. Also ich bin eine absolute Sprudelwasser-Liebhaberin, deswegen gehe ich mit. Ich finde es hart zu sagen, dass es ein Foodcrime ist, weil manchen Leuten tut es ja wirklich zu weh. Untersprudeltes Sprudelwasser doch. Naja, dann sollen sie normales Wasser trinken. Aber also wirklich so leicht sprudeltes Sprudelwasser. Also sorry, ein stilles Wasser gibt dir nicht das gleiche, was ein Sprudelwasser dir geben kann. Weißt du, was dir ein stilles Wasser ist?
Ich meine, das ist ja auch, wenn wir jetzt essen, das können wir auch mal ganz, jetzt erzähl mir mal privat. Alles klar. Wenn wir was essen gehen, dann gibt es ja auch schon oft das Problem, nehmen wir jetzt Sprudelwasser, nehmen wir stilles Wasser, weil ich würde immer stilles Wasser nehmen, du müsstest immer sprudeln. Das Wasser bestellt man zwei Flaschen, dann wird man arm.
Richtig, weil Wacherpreise in Restaurants auch wirklich eklatant hoch sind. Richtig. Und stilles Wasser, das ist wie ein warmer Sommertag, der dir hinten im Nacken so leicht... Den Rücken wärmt, der sich wie eine Decke über dich legt, es einfach dich umarmt und dir sagt, du bist gut. Während Sprudelwasser, finde ich, mittlerweile für mich Arbeit ist.
Sprudelwasser kommt so rein in den Raum. Ja, es will ja auch so viel. Wir kürzen das ab. Wir sind ja heute schon weit über unserer Zeit. Deswegen sage ich jetzt einfach, mein Foodcrum in dieser Woche ist untersprudeltes Sprudelwasser. Alles klar. Schreibt ihr uns doch gerne mal, wie ihr das seht. Ja, das wollte ich noch sagen.
Es haben so viele Leute, Ja, ihre persönlichen Food Crimes mit uns geteilt. Das war sehr, sehr, sehr lustig zu lesen. Ja, und wir sammeln die alle. Und wir werden die mal zusammenfassen und mal in einer Extra-Folge, in einer Spezialfolge mal durchsprechen. Ich werde mir aus diesen Kommentaren eine Tapete anfertigen lassen und mit der werde ich meine Küche tapifieren.
Da waren so viele gute Sachen dabei. Dafür müssen wir uns nochmal zeigen. Relatable war es, so sagt man ja. Vielen Dank auf jeden Fall. Wenn ihr Crimes habt, Food Crimes habt, ich muss mich da ein bisschen spezifischer ausdrücken, über die wir hier mal sprechen sollen, dann schreibt uns gerne bei Instagram, privat, nicht auf unserem Was-Schmeckt-Dahinter-Account, weil sonst lesen wir die Nachricht im Zweifel beide.
Dann schauen wir mal, ob der Fall hier irgendwann mal einen Platz findet in diesem Podcast. Schaut sowieso bei Instagram einmal vorbei, wenn ihr Fotos und Videos zum Fall sehen wollt. Und vergesst nicht, diesen Podcast zu abonnieren und zu bewerten. Und ansonsten sagen wir Tschüss und bis nächste Woche.