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Die Finanzwelt zahlt Millionen für ESG-Siegel – ein Doktorand zeigt, was sie taugen
Montag, 14. September 2026 · 36 min
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Shownotes
Jan Heldmann im Gespräch
ESG war jahrelang das Buzzword der Branche. Heute drehen große Häuser den Fokus weg von Nachhaltigkeitsfiltern, während Versorgungswerke, Stiftungen und institutionelle Anleger das Thema unverändert bearbeiten. Genau in diesem Moment legt Jan Heldmann seine Dissertation vor: „Essays on Sustainability Equity Investing. Empirical Evidence from Ratings, Indices and Portfolio Optimization", verteidigt an der Universität Bayreuth.
Malte Dreher hat mit ihm über die Ergebnisse gesprochen und was sie für die Praxis bedeuten.
Die wichtigsten Erkenntnisse der Folge:
• Nachhaltigkeit und Rendite sind kein Zielkonflikt, aber auch kein Renditetreiber. Heldmanns robuste Aussage lautet nicht, dass nachhaltige Portfolios konventionelle schlagen. Sie lautet: Sie können mindestens gleich gut laufen. Ein systematischer Renditeverzicht war in den Daten nicht erkennbar.
• ESG-Ratings funktionieren als Renditesignal schlecht. Fünf Anbieter, zwei kombinierte Ansätze, der gesamte verfügbare US-Datenzeitraum und ein methodischer Ansatz, der jeden realistischen Konstruktionspfad durchrechnet statt nur zwei oder drei Portfolios. Je nach Anbieter war manchmal kein einziges Ergebnis signifikant.
• Große Unternehmen haben bessere Scores, weil sie größer sind. Mehr Offenlegung, mehr Ressourcen. Heldmanns Beispiel Apple zeigt die mögliche Kausalitätsumkehr.
• Die Heterogenität der Ratings bleibt. Anbieter müssen sich differenzieren, um ihr Produkt zu verkaufen. Dasselbe Produkt kann je nach Rating besser oder schlechter als der Standardindex abschneiden.
• Dekarbonisierung ist billiger als gedacht. Rund 61 Prozent weniger Carbon Intensity bei 0,64 Prozent realisiertem Tracking Error im optimierten STOXX Europe 600. Bei rund zwei Prozent Tracking Error über 93 Prozent Reduktion. Zwischen 67 und 85 Prozent der Reduktion gelingen durch Auswahl innerhalb derselben Branche ohne Sektorwetten.
• Portfolio-CO2 ist nicht Realwirtschafts-CO2. Heldmann korrigiert im Gespräch ausdrücklich: nicht „verursacht", sondern „zugerechnet". Ein Punkt, der in der Impact-Debatte regelmäßig verwischt wird.
• Der Ausblick: Ratings verlieren relativ, Kennzahlen gewinnen. Nachhaltigkeit bleibt Teil des Risikomanagements. Aber konkrete Größen – Portfolio-Emissionen, implizierte Temperaturpfade – könnten den aggregierten Score verdrängen.
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