
GEO Epoche - Menschen, die Geschichte machten
Emma: Die Normannin, die England prägte
Dienstag, 17. März 2026 · 29 min
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Shownotes
Eine normannische Fürstentochter kommt im frühen 11. Jahrhundert nach England, wird Gattin und Mutter gleich mehrerer Könige des Inselreichs: In der Tradition selbstbewusster Wikingerfrauen strebt Emma nach Teilhabe an der Regierung. Aber erst ihr zweiter Gemahl Knut lässt sie aufsteigen – zu einer der einflussreichsten Frauen ihrer Zeit.
Historische Reportage: Katharina von Ruschkowski
Sprecherin: Gabriele Blum
Host und Redaktion: Insa Bethke (GEO)
Audio-Produktion: Leah Fritsch (GEO)
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Mit Gattin und Mutter gleich mehrerer Könige des Inselreichs. In der Tradition selbstbewusster Wikingerfrauen strebt Emma nach Teilhabe an der Regierung. Aber erst ihr zweiter Gemahl, Knut, lässt sie aufsteigen. Zu einer der einflussreichsten Frauen ihrer Zeit. Menschen, die Geschichte machten. Ein Podcast über große und kleine historische Momente und die Frauen und Männer, die sie geprägt haben.
Präsentiert von GEO Epoche. Weitere hochwertige Audioinhalte aus der Welt von GEO hören Sie auf GEO+. Sie kommen. Schnell verbreitet sich die Nachricht von der Ankunft des Königspaares durch die Straßen der Stadt, die voll sind von Menschen. Zu Hunderten, vielleicht Tausenden weilen sie an diesen Tagen des Jahres 1018 in Oxford.
Englische Adlige und hohe Geistliche, allesamt mit großem Gefolge. In der Stadt an der Thämse, mit ihren sonst wohl etwa 3000 Einwohnern ist jede Kammer mit Gästen belegt. Vor den Wellen qualmen die Kochfeuer einer eilig errichteten Zeltstadt. König Knut, seit dem Vorjahr gekrönter Herrscher über ganz England, hat zum großen Treffen geladen, um sich mit den Eliten der Insel zu versöhnen, die er sich zuvor mit Axt und Schwert untertan gemacht hat.
Hoch zu Ross passiert der Däne nun das Stadttor, bahnt sich mit seiner Eskorte eine Schneise durch die Einfachen und die Edlen, die mit kostbaren Mänteln und Schmuck Rang und Reichtum zur Schau stellen. Vielleicht schubsen manche, versuchen über Köpfe und Schultern hinweg einen Blick zu erhaschen auf den Regenten aus der Fremde.
Doch vor allem auf das Gespann, welches ihm bald folgt. Zwei Pferde tragen eine prächtig geschmückte Sänfte. Darin rank und aufrecht seine Gattin, Emma von der Normandie, Englands neue, alte Königin. Denn schon zum zweiten Mal trägt sie nun als Gemahlin des Monarchen die Krone des Inselreichs. Ihr Antlitz ist darum sicher vielen vertraut, ein schmales Gesicht vermutlich mit klaren, kühlen Augen.
Aus ihnen blitzt der wache Verstand der gut 30-jährigen Normanin, die Furchtlosigkeit der Urenkelin Rollos, des legendären Nordmanns und Begründers der Normandie. Nachdem ihr erster Mann, Englandskönig Ethelred, gestorben war, ist sie ihm schließlich zur Gänze von Knut eroberten Inselreich geblieben, in der zwiespältigen Aussicht, verjagt, in ein Klosterverband vielleicht sogar geköpft zu werden oder aber noch einmal die Frau des Herrschers zu sein.
Und nun steht sie da, als strahlende Königin. Sonnenlicht lässt ihr Gewand aus goldbestickter Seide glänzen. So mag es jedenfalls gewesen sein, bei jenem Treffen in Oxford, das aus einer kurzen Erwähnung in einer Chronik bekannt ist. Sicher ist, dass Emma nun an Knuds Seite steht. Immer wieder wird er sie um ihren Rat, ihr Urteil fragen, sein Leben lang.
Emma wird Urkunden beglaubigen, wichtige Kontakte mit Kirchenmännern pflegen und vor allem zwei kommende Könige gebären. Sie prägt damit fast ein halbes Jahrhundert lang englische Geschichte. Und sie legt den Grundstein für die normannische Herrschaft auf der Insel. Keine andere Frau Englands, ja vielleicht ganz Europas, nimmt im 11.
Jahrhundert größeren Einfluss auf die Politik als Emma von der Normandie. Und wohl kaum eine ist den Menschen so präsent, weit über ihre Zeit hinaus. Es mag auch an jenem Werk liegen, das sie als ältere Frau verfassen lässt, die Lobpreisung Emmas. Auf dem Titelbild sitzt sie breitbeinig auf dem Thron, eine Pose voller Selbstbewusstsein, Machtsinn und Stolz, so wie es sich sonst nur männliche Herrscher trauen.
Knapp vier Jahrzehnte davor, ein gänzlich anderes Bild. Die junge Emma kauert am Deck eines Langschiffes, eines jener Boote, wie sie auch die Wikinger nutzen, auf dem Weg von der Normandie nach England, vielleicht 15 Jahre alt, ungewiss, welches Leben sie auf der anderen Seite des Ärmelkanals erwartet.
Emmas Vater ist Richard I., genannt der Furchtlose. Der Fürst der Normandie, der gegen Ende seiner fast 50-jährigen Amtszeit vermutlich als erster den Titel Herzog führt. Ihre Mutter Gunor, Tochter einer Siedlerfamilie aus Dänemark, spricht die Sprache der Clans, die weiterhin aus Skandinavien in die aufblühende nordfranzösische Region einwandern.
Wahrscheinlich übersetzt sie, vermittelt bei Treffen zwischen den Ankömmlingen und den bereits Eingesessenen. Ihrem Mann ist sie auch deshalb eine wichtige Stütze. Eigenständige Frauen wie sie sind in der jungen normannischen Gesellschaft nicht unüblich. Etliche Normanninnen verwalten Haus und Höfe, wohl in der Tradition der Wikingerfrauen, die seit Jahrhunderten ihre oft abwesenden Männer daheim vertreten.
Sie führen Werkstätten, betreiben Handel. So erlangt vermutlich Gunnor auch politischen Einfluss und wird ihrer Tochter Emma, einem von mindestens sieben Kindern, höchstwahrscheinlich ein Vorbild. Nach dem Tod des Vaters übernimmt 996, wie es Sitte ist, Emmas Bruder als Richard II. Die Herrschaft in der Normandie.
Beraten von seiner Mutter baut er die normanische Macht weiter aus, bereichert sich nicht zuletzt auf Kosten des viel größeren, wohlhabenderen Nachbarn England. Der dortige König Æthelred steckt um die Jahrtausendwende nämlich in einer Klemme, weil sein Reich massiv von Wikingern bedroht wird. Seit rund 200 Jahren schon attackieren nordische Raubfahrer die Insel und als im 9.
Jahrhundert ein großes Heer aus Skandinavien in England wütet, überlässt ihnen Ethelreds Ururgroßvater weite Landstriche im Norden und Osten. Das Gebiet, in dem sich fortan tausende skandinavische Einwanderer ansiedeln, heißt bald Danelog, in etwa dänisches Gesetz, denn hier gelten dänische Rechtsbräuche und Selbstverwaltung unter dänischen Fürsten.
Dauerhaften Frieden aber bringt das nicht, selbst als im 10. Jahrhundert das Darnalock wieder vollständig unter angelsächsische Kontrolle kommt. Seit den 980er Jahren landen erneut nordische Flotten an den englischen Küsten. Die Engländer können die Wikinger nur durch Tributzahlungen von ihren Raubzügen abhalten.
Doch die dafür nötigen Summen belasten König und Bevölkerung. Als Stützpunkte für Angriffe auf den Süden Englands nutzen die Wikinger oft Orte an der Küste der Normandie, von denen aus sie mit ihren Schiffen den hier nur rund 100 Kilometer breiten Ärmelkanal überqueren. Mehr noch, die Region dient ihnen als Absatzmarkt für in England geraubtes Beutegut, ein einträgliches Geschäft für den Herrscher der Normandie.
König Ethelred hat bereits 991 mit Emmas Vater ein Abkommen geschlossen, das dies eigentlich unterbinden sollte. Doch die Übereinkunft wurde offenbar nur für kurze Zeit beachtet, denn die Normanen verdienen gut an den Nordmännern, auch nachdem Emmas Bruder die Macht übernommen hat. Einige Jahre nach dem Herrscherwechsel fleht Ethelred bei Richard II.
Jedoch um erneute Verhandlungen und bietet gar an, eine Normanin zur Frau zu nehmen und zur Königin von England zu machen. Seine erste Gattin, mit der er bereits etliche Kinder hat, ist wohl kurz zuvor gestorben. Richard geht auf den Pakt ein, verspricht Ethelred, die Unterstützung der Wikinger einzustellen und gibt ihm seine Schwester Emma zur Frau.
Der Herzog der Normandie weiß, wie wichtig kluge Eheverbindungen sind. Mit ihnen schmieden die Hohen Häuser Europas Allianzen, verschaffen sich Einfluss und Respekt. Seine Familie hat bereits entsprechende Verbindungen mit französischen Grafengeschlechtern geschlossen. Doch bislang gibt es keine Heirat in ein Königshaus.
Außerdem wird Ethelred Emma ausgedehnte Ländereien übertragen. Für das gerade 100 Jahre alte Geschlecht aus der Normandie ist diese Heirat ein Prestigekug. Und so segelt im Frühjahr 1002 vermutlich eine stattliche Flotte von der Normandie aus nach Kent, die Region in Englands Südosten. An Bord eines der Schiffe befindet sich die jugendliche Emma.
Vorerst kaum mehr als eine Setzfigur, ein Pfand im Mächtespiel ihrer Familie. Sie hat nicht mitentschieden, kennt weder Hof noch Ehemann, die sie erwarten, nur ihren Auftrag. König Ethelred heiraten und Nachkommen gebären. Die Vermählung findet schon bald in der Kathedrale von Canterbury statt. Kurz darauf oder sogar in derselben Zeremonie auch die Krönung.
Ein Schauspiel, das die junge Emma eingeschüchtert haben wird. Kerzenschein, Choräle, ungezählte Geistliche, sie das Mädchen umschwirren, segnen, salben und ihr, bevor sie die Krone aufgesetzt bekommt, einen goldblitzenden Ring anstecken, als Zeichen ewiger Treue zum König und zum Land. Emma erfüllt ihre Aufgaben. Sie bringt wohl zwischen 1005 und 1013 drei Kinder zur Welt.
Die Söhne Alfred und Eduard sowie die Tochter Godgibu. Erfüllung aber bringen ihr jene Jahre vermutlich kaum. Ethelred und sie kommen nicht gut miteinander aus, sprechen zunächst noch nicht einmal die Sprache des jeweils anderen. Emma beherrscht Französisch, wohl auch das in Skandinavien übliche Nordische, vor ihrer Ankunft auf der Insel aber höchstens einige Brocken Englisch.
Ihr ungefähr 20 Jahre älterer Gatte verständigt sich sein Lebtag allein in seiner angelsächsischen Muttersprache, beherrscht ansonsten wohl nur etwas Latein. Ob Emma versucht, sich wie ihre Mutter an den Regierungsgeschäften zu beteiligen, ist nicht überliefert. In Urkunden, die sie bezeugt, erscheint ihr Name meist an respektabler vorderer Position, aber wohl nur aufgrund ihres formellen Rangs, nicht weil ihre Meinung gefragt ist.
Ethelred selbst gilt, zumindest der Nachwelt, als untalentierter Regent, dem später der Beiname, der Unberatene anhaftet. haftet. Zunehmenden Unmut erregt wohl die seit Jahrzehnten geübte Praxis, England von den Angriffen der Wikinger freizukaufen. Daher sehnen Etherred und die Großen seines Landes möglicherweise einen Vergeltungsschlag gegen die Skandinavier herbei.
Vielleicht übermütigt durch das neue Bündnis mit den Normanen, erlässt der König noch im Jahr der Hochzeit mit Emma einen brutalen Befehl. Sämtliche Dänen, die in seinem Reich leben, sollen getötet werden. Das Ausmaß des Massakers am 13. November 2002, dem St. Bryce's Day, dem Gedenktag des heiligen Brickzius, ist schwer abzuschätzen.
Doch wie grausam die Anordnung teils ausgeführt wird, zeigt ein Vorfall in Oxford. Dort brennt die versammelte Menschenmenge eine Kirche nieder, in die sich skandinavischstämmige Einwohner geflüchtet haben. Die Ereignisse müssen Emma, deren Mutter ja Dänen ist, zutiefst erschüttern. Anderswo erzeugen die Gewalttaten Gedanken an Rache.
Dänenkönig Sven Gabelbart, dessen eigene Schwester einer Chronik zufolge zu den Opfern zählt, setzt zum Gegenschlag an. Allerdings auch aus Ravgir. Das Massaker liefert ihm den Anlass, weitere Überfälle auf das reiche England zu unternehmen. In dichter Folge attackieren Svens Invasionsheere die Insel.
Äthelred hat ihnen kaum etwas entgegenzusetzen. Sein Versuch, mit einer neu aufgebauten Flotte die Angreifer schon auf See abzufangen, scheitert kläglich, wohl durch die Rebellion eines hochrangigen Adligen. Einzig mit Geld abermals kann Äthelred die skandinavischen Truppen aufhalten. Im Frühjahr 2013 landet Sven Gabelbart selbst mit einer riesigen Armee in Englands Südosten, wendet sich dann aber nach Norden.
Vom Danelog aus, wo ihnen Unterstützung gewiss ist, wollen die Kämpfer Ethelreds Reich überrennen. Der König, der mit Emma und den Kindern in Kent weilt, erhält immer wieder Schreckensnachrichten. Svens Leute nähmen mühelos jede Region ein, die sie durchquerten, treffen kaum auf Widerstand. Und zusehens wird klarer, nicht ein großer Raubzug ist das Ziel des Dänen, sondern die Eroberung des Landes.
Womöglich auf Emmas Drängen hin zieht die Königsfamilie in sichere London um. Doch bald darauf ist die Hauptstadt fast vollständig eingeschlossen von den Truppen des Dänen, unter denen sich inzwischen auch Kontingente übergelaufener englischer Adliger befinden. Bevor sich schließlich auch die Stadt London dem übermächtigen Sven ergibt, gelingt Emma und der Königsfamilie die Flucht zu ihrem Bruder in die Normandie.
Von nun an wechseln die Herrschaftsverhältnisse in wildem Takt. Sven Gabelbart lässt sich Ende 1013 zum König von England erklären. Nur gut fünf Wochen später aber verstirbt er überraschend. Zwar erheben seine Anhänger nun seinen Sohn Knut zum König. Die geistlichen Würdenträger und Hohenadligen Englands jedoch rufen stattdessen Æthelred aus der Normandie auf den Thron zurück und mit ihm auch Königin Emma.
Wieder auf der Insel angelangt, zieht der König nach Norden und schlägt in einem blutigen Kampf die dänischen Truppen und die englischen Verbündeten von Knut. Der zieht sich bald nach Skandinavien zurück. Geschlagen allerdings gibt sich der Däne nicht und entfesselt im folgenden Jahr einen weiteren Angriff.
Æthelred ist mittlerweile schwer krank und stirbt im April 1016. Einer seiner Söhne aus erster Ehe wird daraufhin zum neuen Herrscher ausgerufen, während viele englische Adlige zu Knut halten. Als Ende November auch Ethelreds Sohn stirbt, ist Knut schließlich unbestrittener König von ganz England. Für Emma beginnt nach diesen großen Turbulenzen eine womöglich noch dramatischere Zeit.
Sie ist im von Knuts Kämpfern besetzten London gefangen, allein und verloren. Flieht sie in die sichere Normandie, wo sich auch ihre Kinder befinden, ist sie als Witwe dem Willen ihres Bruders unterworfen. Richard II. könnte sie in ein Kloster schicken oder erneut verheiraten, wegen ihres Alters von um die 30 Jahren aber vermutlich nur noch an einen niedreren Hof.
Bleibt sie in England, ist sie dem inzwischen barbarisch wütenden Jüngling Knut ausgeliefert. Der, gerade Anfang 20, könnte zwar als Eroberer die Frau seines Vorgängers auf dem Thron heiraten, was vor allem zur Demonstration der eigenen Überlegenheit nicht unüblich ist in diesen Zeiten. Doch wählt Knut dieses Vorgehen? Oder räumt er stattdessen so rigoros mit dem Königshaus auf, wie mit anderen englischen Adligen, die er während der Invasion hat hinrichten lassen?
Emma hart in London aus. Ob aus bewusstem Entschluss oder weil sie schlicht nicht anders kann, bleibt ungewiss. Im Sommer 2017 jedenfalls erhält sie tatsächlich die Aufforderung, Knuts Frau zu werden. Dabei ist der König bereits verheiratet und Vater von mindestens zwei Söhnen. Knut ist getaufter Christ, doch Politik und Macht sind ihm in diesem Fall offenbar wichtiger als religiöse Moral und so heiratet er einfach ein zweites Mal.
Die Doppelehe des neuen Königs ist ein offenes Geheimnis, stillschweigend gebilligt selbst vom Erzbischof von York. Knut weiß vermutlich, wie viele Vorteile ihm die Verbindung mit Emma bringen kann. Er verhindert so vorerst, dass Normanenfürst Richard II. Emmas Söhne mit Ethelred als Thronaspiranten in Stellung bringt, festigt seinen Anspruch auf die englische Krone und schickt darüber hinaus seinen neuen Untertanen ein Signal.
Vieles wird beim Alten bewerten bleiben, sogar die Königin. Er will Ruhe in das seit Jahren aufgewühlte Reich bringen. Auch Emma sieht wohl den Nutzen einer Ehe mit Knut. Sie will sich diese zweite Chance auf Rang und Einfluss nicht entgehen lassen. Die Bigamie ihres Mannes nimmt sie hin, auch wenn ihr zukünftige Konflikte um Macht und Thronfolge sicherlich bewusst sind.
Wenig Beachtung schenkt sie vermutlich dem Zorn ihrer normannischen Familie, die fürchtet, die Ehe mit dem Barbaren Knut könnte den Ruf des ganzen Hauses ruinieren. In der Normandie entsteht wenig später ein Spottgedicht, in dem sich eine einstige Königin lustvoll einem Stier hingibt und ihre entgeisterten Verwandten das Treiben nicht verhindern können, offensichtlich eine Satire auf Emma, ihren neuen Gatten und ihre hilflosen Angehörigen.
Im Jahr nach den prunkvollen Hochzeits- und Krönungsfeierlichkeiten im Herbst 2017 bricht das Paar nach Oxford auf, um sich mit Englands Elite zu versöhnen. Emma genießt sicher den Auftritt 2018 in den jubelnden Maßen an der Seite Knuts, setzt sich als Herrscherin in Szene, nicht bloß als Gemahlin eines Machthabers.
Nie wieder wohl will sie, wie noch in ihrer ersten Ehe, kaum beachtet im Schatten des Königs stehen. Und so begleitet und unterstützt sie Knut offenbar, wo immer sie kann. Als Zeugin auf Urkunden ist sie oft gleich hinter ihm vermerkt. Der ungefähr zehn Jahre jüngere König fördert das anscheinend, denn seine Frau erweist sich als ausgesprochen hilfreich für ihn.
Emma spricht längst die Sprache des englischen Volkes, kennt den Hof, die hohen geistlichen Würdenträger, den eingesessenen angelsächsischen Adel. Vermutlich übergibt er ihr darum bald sogar regelmäßig die Amtsgeschäfte, während er sich auf Reisen befindet. Viele Monate lang ist Knut zuweilen unterwegs, oft in Dänemark, über das er nach dem Tod seines Bruders seit 1019 ebenfalls gebietet, wie später auch über Norwegen.
Aus England hat er das Gros der skandinavischen Kämpfer schon bald nach seiner Krönung wieder heimgeschickt und verhindert, dass es weitere Überfälle aus Dänemark gibt. So hält er tatsächlich sein Versprechen auf Ruhe. Die angelsächsische Geistlichkeit blickt anfangs dennoch misstrauisch auf ihn, der zwar getauft, aber doch ein Wikinger ist.
Und die hatten früher vor allem Klöster und Gotteshäuser überfallen. Mit besonderem Engagement versucht Emma darum, das Verhältnis zwischen Kirche und König zu verbessern. Suffliert wahrscheinlich von seiner Gattin, lässt Knut niedergebrannte oder zerstörte Kirchen wieder aufbauen, schenkt Klöstern und Kathedralen Reliquien, kostbare Messgewänder, Evangelienbücher.
Es ist kalkulierte Frömmigkeit. Emma weiß, wie wichtig der Rückhalt der englischen Kirche für die Akzeptanz des Königspaars ist. Einige geistliche Chronisten werden so später auch ein vorteilhaftes Bild für die Nachwelt zeichnen. Emma und vor allem Knut gehen als große und großzügige Herrscher in manche englische Annalen ein.
Im Jahr 1035 ist der Monarch mit seinem Hof in England unterwegs, als auch er, wie sein Vater, plötzlich stirbt, mit kaum 40 Jahren. Für Emma scheint sich ihr Lebensdrama zu wiederholen. Erneut findet ihr königlicher Gatte den Tod, abermals brechen unruhige Zeiten über sie herein. Vor allem die Doppelehe erweist sich nun als großes Problem, Denn Knut hinterlässt zwei Witwen und mindestens vier Nachkommen.
Auch mit Emma hat er zwei Kinder bekommen, Harde Knut und Gunnhilda, kaum jünger als die beiden Halbbrüder aus der anderen Ehe. Knut ist kaum in Winchester begraben, da kämpfen seine beiden Frauen bereits darum, einen ihrer jeweiligen Sprösslinge zum König zu machen. Noch dazu eilen bald auch Emmas Söhne aus ihrer Ehe mit Ethelred aus der Normandie nach England, um sich ebenfalls als Thronvölker zu präsentieren.
Es kommt zu faulen Kompromissen zwischen den Lagern, Verschwörungen, wohl einem politischen Mord an einem von Emmas ersten Söhnen. Schließlich gelingt es im Jahr 1037, Harold, einem Sohn von Knuds erster Frau, sich die Macht über ganz England zu sichern und von allen Großen als König anerkannt zu werden.
Emma ist vorerst besiegt. Sie geht ins Exil, aber nicht in die Normandie. Ihre Familie hält sie wohl für mitverantwortlich am Tod ihres Sohnes, das belastet das ohnehin angespannte Verhältnis zusätzlich. Stattdessen zieht sie nach Flandern, das durch Handelskontakte mit England verbunden ist. Doch selbst nun versucht sie, die Kontrolle zu behalten, über die Thronfolge in England und darüber, wie man sich ihrer erinnern wird.
Um das Jahr 1041. Bei Kerzenlicht sitzt Emma Tag um Tag mit einem Mönch aus einer flandrischen Abtei zusammen. Pflichtschuldig setzt er Wort um Wort auf Pergament. Sie hat ihn beauftragt, einen Bericht über die Ereignisse in England und ihre Rolle darin niederzuschreiben. Eine Kombination von Historie und Biografie, die in Wahrheit eine Propagandaschrift ist. Emma diktiert, wie sie die Geschichte erzählt haben will, wie sie selbst gesehen werden möchte.
Vorne auf der Titelseite eines erhaltenen Manuskripts des Encomium Emme Regine, der Lobpreisung Königin Emmas, wie das Werk später genannt wird, thront sie, gezeichnet in farbiger Tinte. Das Buch enthält eine geschönte, stolze Version ihrer Karriere, eine Schilderung mit bewussten Lücken. Emmas normannische Kindheit und die Verbindung mit Ethelred, jene Zeiten, in denen über sie bestimmt wurde, lässt es komplett aus.
Und ihr zweiter Mann, Knut, ehelicht sie nicht etwa als in London weilende Ausgelieferte, sondern als Auserwählte. Lange Wochen hätten in alle Richtungen ausgesandte Werber eine angemessene Braut für den neuen englischen König gesucht, ehe sie Emma in der Normandie fanden, die an entzückender Schönheit und Klugheit herausragendste aller Frauen ihrer Zeit.
Die Schrift feiert auch die Geburt des Thronfolgers Hardeknut. Ihre beiden ersten Söhne tauchten zwar ebenfalls auf, doch ohne jede Nennung ihres Vaters, Ethelred. Emmas Botschaft? Niemand anderes als Hardeknut. Ihr Sohn mit König Knut habe ein Anrecht auf die englische Krone. Während das Buch entsteht, hat dieser den Thron tatsächlich schon bestiegen.
Als König Harald 1040 stirbt, sichert sich Harde Knut von Dänemark kommend, wo er nach dem Tod seines Vaters die Herrschaft übernommen hatte, die Nachfolge in England und bringt so auch Emma noch einmal an die Spitze des Inselreichs. Als Martha Regis, Königin Mutter, wie auf Urkunden notiert wird, erlangt sie einigen Einfluss und ihren beträchtlichen, im Exil entzogenen Besitz zurück.
Bloß auch König Hardeknut ist kein langes Leben vergönnt. Und 1043, im Jahr nach seinem Tod, verschwindet auch Emma plötzlich und endgültig von der politischen Bühne. König ist jetzt Emmas letzter, verbliebener, zwischenzeitlich fast verleugneter Sohn aus der Ehe mit Ethelred, Eduard. Sein Halbbruder Hardeknut hatte ihn zuvor aus der Normandie nach England gerufen und zu einer Art Co-Regent gemacht, wohl auch auf Emmas Initiative hin.
Nun aber will er scheinbar nichts mehr zu tun haben mit seiner Mutter. Möglicherweise hegt er Groll, weil sie ihm lange Zeit jede Unterstützung vorenthalten hatte. Vermutlich aber will er schlicht eine Konkurrentin um die Führung im Land loswerden. Er nimmt Emma ihre Reichtümer sowie ihren umfangreichen Landbesitz und verbannt sie in die Stille und Bescheidenheit eines Alterssitzes in Winchester, nahe bei Knuts Grab.
Eduard, der einen Großteil seines Lebens in der Normandie verbracht hat, versucht die Brücke dorthin wieder zu festigen, jene Verbindung zwischen dem Herzogtum und England, die seine Ursprünglich geschaffen hatte. Mit ihm gelangen zahlreiche Normannen nach England, von denen einige hohe Ämter in Staat und Kirche einnehmen.
1051 kommt womöglich auch Wilhelm, ein Großneffe von Emma und inzwischen Herzog der Normandie, zu Besuch auf die Insel. Der kinderlose Eduard setzt den energischen jungen Mann, den man der einst den Eroberer nennen wird, in dieser Zeit vermutlich als seinen Erbenheim. Emma hat keinen Einfluss mehr auf diese Entscheidung.
Sie stirbt im Jahr darauf, am 6. März 1052, um die 70 Jahre alt. Mag sie in ihren letzten Jahren in den Quellen fast unsichtbar sein, ihr lebenslanges Wirken bleibt es nicht. Als Gattin und Mutter je zweier englischer Könige hat sie fast ein halbes Jahrhundert europäische Geschichte geprägt. Von Emmas außergewöhnlicher Bedeutung künden auch die zwei Porträts, die zu ihren Lebzeiten entstehen, das Titelbild ihrer Lobpreisung sowie das eines anderen Manuskripts, das sie mit ihrem Mann Knut zeigt.
Es sind die ersten und lange einzigen Bilder einer englischen Königin überhaupt. Das war Menschen, die Geschichte machten. Wir hoffen, dass Ihnen diese Folge gefallen hat und würden uns freuen, wenn Sie Menschen, die Geschichte machten, in Ihrer Podcast-App abonnieren, wenn Sie uns weiterempfehlen und wenn Sie auf GeoPlus vorbeischauen.
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