Geschichten zum Einschlafen

#285 Das Kloster, das im Himmel schwebt - Einschlafen mit Balto

Mittwoch, 23. September 2026 · 29 min

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Shownotes

Heute lassen wir den Alltag hinter uns und machen uns auf den Weg in eine Landschaft, die fast nicht von dieser Welt zu sein scheint. Zwischen gewaltigen Felsnadeln, alten Pfaden und Klöstern, die hoch über den Tälern zu schweben scheinen, wandern wir Schritt für Schritt hinein in die besondere Stille von Meteora.
Fern von unserem schnellen, bequemen Alltag begegnen wir dabei einer Lebensweise, die von Verzicht, Einfachheit und tiefer Hingabe geprägt war – und vielleicht bis heute daran erinnert, wie wenig es manchmal braucht, um zur Ruhe zu kommen.

Wir, das sind Nale und Balto, möchten dich auf eine Reise schicken, damit du so die Sorgen des Tages hinter dir lassen kannst. Unsere Geschichten sollen dir dabei helfen, zur Ruhe zu kommen und langsam in einen verdienten und erholsamen Schlaf zu gleiten.

Wir wünschen dir eine gute Nacht, schlaf schön!

Konnten wir dir beim Einschlafen helfen? Hast du eine Idee, wo die nächste Reise hingehen soll? Dann schreib uns gerne an geschichtenzumeinschlafen@julep.de. Wir freuen uns sehr, von dir zu hören!

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Host: Nale und Balto
Text: Madeleine Walther
Musik: Milan Lukas Fey
Produktion & Schnitt: Martin Petermann
Eine Produktion der Julep Studios

Transkriptvom Podcast bereitgestellt · Zeitmarken springen hin

Geschichten zum Einschlafen. Eine Produktion der Julep Studios. Bist. Heute lassen wir den Alltag hinter uns und machen uns auf den Weg in eine Landschaft, die fast nicht von dieser Welt zu sein scheint. Zwischen gewaltigen Felsnadeln, alten Pfaden und Klöstern, die hoch über den Tälern zu schweben scheinen, wandern.

Wir Schritt für Schritt hinein in die besondere Stille von Meteora. Fern von unserem schnellen, bequemen Alltag begegnen wir dabei einer Lebensweise, die von Verzicht, Einfachheit und tiefer Hingabe geprägt wird. Und vielleicht bis heute daran erinnert, wie wenig es manchmal braucht, um zur Ruhe zu kommen.

Wenn es auch einen Ort gibt, an den du gerne mal reisen würdest oder ein Abenteuer, das du erleben magst, dann schau gerne mal auf www.steadyhq.com. Dort kannst du mitbestimmen, wo es das nächste Mal hingeht und die Reisen ganz ohne Werbung genießen. Oder besuche uns auf YouTube. Dort findest du uns unter Geschichten zum Einschlafen mit Nale und Balto.

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Hallo du. Einen wunderschönen guten Abend wünsche ich dir. Wie lauschig es doch bei dir ist. Draußen treiben die ersten kühlen Nächte ihr Unwesen. Trotz sonnig warmer Tage scheint der Herbst in greifbarer Nähe zu sein. Das Laub rauscht lauter, die ersten Vögel verlassen unsere Breiten, um sich gen Süden aufzumachen.

Die Zeit der Ruhe und Gemütlichkeit bricht an und lässt uns die ersten verregneten Tage und stürmischen Abende in vollen Zügen genießen. Worauf hast du dich am meisten gefreut? Die erste heiße Schokolade, der kuschelige Schlafanzug oder doch diese eine flauschige Decke, die nur an kalten Tagen zum Einsatz kommen darf.

Wie dem auch sei, nimm, was dir gerade gut tut und mach es dir so richtig bequem. Schließe die Augen und atme tief ein. Im Dunkeln säuselt der Wind vor sich hin und die ersten Regenwolken werfen sanfte Tropfen gegen die Scheiben. Sanft und beruhigend singt uns das Wetter sein Lied und trägt uns ihn fort in die Ferne.

Frei und glücklich reist unser Geist an einen Seelenort, der so vertraut wie fern ist und uns den Weg zu unserem inneren Gleichgewicht ebnen soll. Ein feines Lüftchen holt uns aus unseren Gedanken. Angenehm warm streicht es uns über die Wangen. Es ist jene vertraute Brise, die uns in den Sommermonaten vorsichtig aus dem Mittagsschlaf zu wecken versucht.

Sie duftet so herrlich nach Urlaub und Freiheit. Während wir langsam versuchen, unsere Augen zu öffnen, merken wir schnell, wie sehr uns die goldgelbe Sonne blendet. Jedes Anzeichen von Finsternis hat sich uns nirgendwo zurückgezogen. Die weißen Fassaden des kleinen Ortes, der uns umgibt, werfen das helle Licht zurück, an das wir uns gerade noch gewöhnen müssen.

Rote Ziegeldächer leuchten darauf, als wären wir in einem Feld voller Fliegenpilze, deren Punkte abhandengekommen sind. Es dauert einige Momente, bis wir uns in der neuen Umgebung zurechtfinden und in engen Gassen durch das unbekannte Dörfchen folgen können. In der Heimat sind wir schon längst nicht mehr, doch wohin hat es uns verschlagen?

Es sind nur wenige Meter aus dem engen Labyrinth aus Mauern und kleinen Straßen heraus. Am Ende des verwinkelten Pfades bekommen wir vielleicht Antworten auf so viele ungestellte Fragen. Komm nur, lass uns unserem Abenteuerherz folgen und sehen, was sich jenseits der Stadtmauer verbirgt. Am Rand dieser friedlichen Landschaft wartet allerdings etwas Gewaltiges auf uns, das uns den Atem stocken lässt.

Sieh nur. Stehen sie majestätisch vor Kastraki und schützen ein jahrhundertealtes Geheimnis. Welches das ist, fragst du dich. Sieh dich nur um. Eingeschlossen in einer Landschaft aus bizarren Felsformationen, die bis zu 400 Meter in die Höhe ragen, stehen wir am Rand der thessalischen Ebene vor Meteora, einer kulturellen Perle Griechenlands.

Der Name Meteora bedeutet so viel wie über der Erde schwebend. Und genau so wirken die Klöster, die hoch oben auf den Sandsteinsäulen gebaut wurden. Wenn du genau hinsiehst, kannst du eines von ihnen auch von hier aus sehen. Das Kloster von Agios Nikolaos Anapapsas scheint dort oben mit dem Felsen verwachsen zu sein und droht über den Wolken und dem Tal, als sei es Teil der hiesigen Landschaft.

Wie ist es nun dort hinzu? Ein schmaler Pfad führt um den ersten Felsen herum, hinein, in die Berge. Je näher wir den Steinriesen sind, desto größer und unbezwingbarer erscheinen sie neben uns. Vor Millionen von Jahren entstanden, stehen sie heute wie eine gewaltige Festung aus Stein vor uns. Auf unserem Weg hinauf wechselt sich eine üppige Vegetation mit steilen Stiegen ab.

Der freie Blick ins Tal wird immer eindrucksvoller und lässt das malerische Städtchen winzig klein erscheinen. Nur die kräftigen Rot- und Weißtöne strahlen noch immer unter der hellen Sonne, und leuchten uns aus der Ferne entgegen. Steinige Routen wie diese hier gibt es noch einige. Viele von ihnen verbanden früher die Klöster mit den zahlreichen Einsiedeleien der Umgebung.

Komm nur, ich will dir zeigen, wo sich die ersten Einsiedler niederließen, noch lange bevor es hier überhaupt Klöster gab. Mittlerweile schweben auch wir weit über den Tälern dieser Ebene. Eng geht es für uns an den hohen Felswänden entlang, vorbei an Bäumen und Sträuchern, über rustikales Terrain. So weit das Auge reicht, sehen wir, wie sich Berge und Felsen wie ein endloses Gebirge ausbreiten.

Fernab von jeder Zivilisation, von Städten und anderen Menschen kamen vermutlich ab dem 11. Jahrhundert die ersten Einsiedler hierher und suchten, die uns so fremd ist, dass wir sie uns in unserer modernen Welt kaum vorstellen können. Schau dich nur um. Betrachtest du die steinenden Welle genau, kannst du immer wieder alte Klausen erkennen, die wie Schwalbennester in den Felsnischen liegen.

Wie dort, genau über uns. Etwas erhöht lassen sich strukturen eines holzgerüsts erkennen eine kleine mauer sichert den schmalen zugang, eine öffnung führt in das gemach mehr gab es nicht. In äußerster einfachheit und allein suchten sie hier nach gott, Nur sonntags, so heißt es, kamen sie in der Kapelle der Gottesmutter von Dupiani zusammen, um ein gemeinsames Gebet abzuhalten.

Danach stiegen sie wieder hinauf. Allein. Ruhig. Besonnen. Folge mir diesen Pfad entlang. Genau so, wie unsere Reise weitergeht, haben sich auch die Klöster über die Zeit langsam entwickelt. Vielleicht kannst du die ersten Dächer und Mauern auch durch die Baumwipfeln erkennen. Es ist das Ipapanti-Kloster, das uns aus der Ferne willkommen heißt.

Wie ein kleines Häuschen schmiegt es sich in die Felsnische. Der Anblick weckt Nostalgie und Sehnsucht in uns. Es ist die Fortsetzung der Einsiedlernester, die sich nun als kleine Gemeinschaft zusammengeschlossen haben. Einige Fenster an der Fassade, ein Stein an der Kamin und ein kleiner Balkon gehören zu dieser einfachen Unterkunft, die für mehrere Mönche eine neue Heimat war.

Nicht an unserem Ziel angekommen. Noch haben wir die hohen Felsnadeln nicht erreicht. Schau nur nach oben. Langsam werden die schroffen Spitzen klarer. Als wären sie in den Himmel hineingewachsen, thronen sie erhaben und mächtig über uns, fast zum Greifen nahe. Aus dieser Entfernung haben wir nun noch einen guten Blick auf die gewaltigen Klosterbauten der großen Meteoron und Vlaams.

An den Abgrund gebaut, als könnte ihnen die Schwerkraft nichts ausmachen, leuchten die roten Dächer auf den uralten Klostermauern. Treppen begleiten unseren Aufstieg, eine Bequemlichkeit der modernen Welt, an die damals nicht zu denken war. Stellt ihr nur vor, wie die Mönche absteigen mussten, um Wasser, Lebensmittel oder andere notwendige Dinge zu holen?

Zeit spielte kaum eine Rolle. Nur die Anstrengung bei Wind und Wetter heilte zwischen den Felsen wieder. Wie wär's, wenn wir kurz innehalten und die Aussicht einen Augenblick auf uns wirken, Fast auf Augenhöhe mit einem der einst 24 Klöster hüllt uns die Landschaft in sich ein und schenkt uns einen Hauch jener Glaubenskraft, die für solch eine Leistung nötig gewesen sein muss.

Über der Erde schwebend erscheint uns das große Meteoron über dem aufsteigenden Nebel des Abgrunds. Atme nur tief ein, und lausche den Geschichten, die dieser Ort zu erzählen hat. Dann geht es weiter. Die letzte Etappe unseres Anstiegs liegt vor uns. Als im 14. Jahrhundert der Bau der großen Klöster auf den Felsgipfeln begann, gelangte man mit Leitern, Netzen und Seilzügen hinauf.

Auf die gleiche Weise wurden Lebensmittel und Baumaterialien transportiert, um den Bau und das Leben im Kloster zu gewährleisten. Doch komm, nur wenige Schritte trennen uns noch vom Kloster Vlaam. Heute öffnet es seine Tore und lädt uns ein, das entbehrungsreiche Leben der Mönche besser zu verstehen.

Wie eine Festung empfängt uns ein mächtiger Steinwall, der den heiligen Ort umschließt. Heute führt uns eine Brücke hinüber, früher gab es noch keinen festen oder gar gesicherten Zugang, Vorbei an einigen heiligen Figuren geht es weiter Unser Blick fällt tief hinunter, bis wir schließlich das riesige Klostertor erreichen, Einmal hinter dem schwer zugänglichen Eingang Empfängt uns ein herrlicher Innenhof, Von dem aus wir zu den Klausen und zur Kirche gelangen, Eine Welt aus Stein, dicken Mauern und unerschütterlichem Glauben.

Und dann dieser Ausblick. Unter uns öffnet sich die thessalische Ebene. Die tieferen Felsnadeln schauen uns jetzt von unten entgegen. Weite Täler und ein felsiger Horizont vermitteln uns das Gefühl, irgendwo zwischen Himmel und Erde zu schweben. Langsam stellt sich eine tiefe Zeitlosigkeit ein. Alles, was wir kennen, ist irgendwo im Tal zurückgeblieben.

Hier oben, hinter dicken Mauern, die einem architektonischen Wunder gleichen, gehen die geistlich noch immer ein und aus. Sie suchen nach etwas, das kaum greifbar ist. Damals wie heute. Stell dir nur vor, wie die Menschen, die einst hier oben lebten, dieselbe Landschaft betrachteten, die auch uns heute verzaubert.

Was mag sie dazu bewegt haben, hier oben ein Kloster zu errichten? Vielleicht ist es die Nähe zu Gott oder zu einer übergeordneten Größe, die man hier stärker spürt als anderswo. Lass dich von dem ergreifenden Blick einnehmen und mitreißen. Bevor du noch ein wenig durch die heiligen Mauern wandeln darfst, möchte ich dir erzählen, wie das Leben hier oben war und ist.

Hinter dem kühlen Stein verbergen sich neben den Zellen der Mönche ein Speisesaal und Arbeitsbereiche. Dazu kommen Werkstätten für Ikonmalerei und Kalligrafie. Noch heute arbeiten Nonnen und Mönchen in verschiedenen Klöstern daran, diese Tradition aufrecht zu erhalten. Auch früher sorgten sie gemeinsam für ihren Lebensunterhalt und unterstützten einander, Kloster schlenderst, wirst du die vielen wunderschönen Fresken sehen, die die Zeit überdauert haben.

Es ist, als hätte man den Glauben mit seiner ganzen Intensität in Bildern verewigen wollen. Während du durch. Alles hier oben war kostbar, weil es mit großer Anstrengung verbunden war, selbst das Nötigste zu beschreiben. Regenwasser konnte in den Zisternen gesammelt werden. Gab es nicht genug davon, mussten die Knappen Gottes hinabsteigen und neues Wasser holen.

Über die Seilwinde wurden sie in Netzen heruntergelassen. Mit Gottvertrauen, dass diese ihr Gewicht sich ertragen würden. Schwer ist der Winter, doch süß das Paradies, so sagte man, so lebte man. Ein solcher Verzicht auf alle irdischen Annehmlichkeiten, fern vom Getriebe der Welt, ist für uns heute kaum noch vorstellbar.

Und doch sollten wir öfter einmal stehen bleiben und uns fragen, ob all unser Besitz und Komfort wirklich das ist, was wir brauchen. Das hölzerne Schlaginstrument Xilo Simantron ruft noch immer in orthodoxen Klöstern traditionell zum Gebet. Es ist der Moment, in dem auch wir langsam Abschied nehmen und unsere heutige Reise zu Ende geht.

Geh nur hinein, lausche dem sanften Gebet und bewundere den künstlerischen Reichtum, der hier über Jahrhunderte mit so viel Hingabe entstanden ist. Ich freue mich schon auf unser nächstes Abenteuer an einem anderen Fleckchen der Welt. Lass dich noch ein wenig treiben. Ich wünsche dir eine wundervolle gute Nacht.

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