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HERcules

Folge 14 I Körperbild und Mutterschaft

Mittwoch, 21. Oktober 2026 · 20 min

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Shownotes

Nach der Geburt soll möglichst schnell alles wieder so sein wie vorher. Der Bauch soll verschwinden und die alte Figur zurückkommen. Doch die Realität sieht oft anders aus.
In dieser Folge des HERcules Podcasts spricht die Psychologin und Psychotherapeutin Angela Häne offen über die körperlichen und mentalen Veränderungen rund um die Schwangerschaft.
Sie erklärt, warum viele Frauen während und nach der Schwangerschaft mit hohen Erwartungen an sich selbst konfrontiert werden. Gemeinsam sprechen wir darüber, wie der Druck rund um den sogenannten After-Baby-Body entsteht und weshalb es wichtiger ist, auf die eigenen Bedürfnisse zu hören, als einem gesellschaftlichen Idealbild nachzueifern.
Berührt dich dieses Thema oder kennst du eine Mama, die diese Worte gerade hören sollte?Dann teile diese wertvolle Episode sehr gerne in deinem Netzwerk, lass uns gemeinsam das Stigma brechen! Um unsere Arbeit zu unterstützen, freuen wir uns riesig, wenn du HERcules abonnierst und uns eine kurze Bewertung dalässt. Danke, dass du uns zuhörst und Teil unserer Community bist!

Transkriptvom Podcast bereitgestellt · Zeitmarken springen hin

Und auch das ist wiederum tabu. Da wird selten darüber gesprochen, weil es eben nicht diesem Bild entspricht. Und weil auch viele Frauen selber denken, ich müsste doch jetzt glücklich sein. Es ist ja alles gut. Warum fühle ich mich nicht nur gut? Herzlich willkommen zum Videopodcast von ACTICE FITNESS Heute sind wir in Wiedikon in Zürich.

Das Thema, das wir anschauen, ist der weibliche Körper, und zwar vor, während und nach der Geburt. Wir, das sind Anna Affolter und Angela Häne. Sie ist Psychologin und Psychotherapeutin und hat ihren Schwerpunkt auf die Begleitung von Frauen in der Mutterschaft, Schwangerwerden, Menopausen und eigentlich die ganze Begleitung der Frauen gesetzt. Herzlich willkommen, Angela.

Schön, bist du da. Vielen Dank. Ich habe eine Protagonistin mitgebracht, und zwar Lynn. Lynn ist fit, bewegt sich regelmässig, ist aber auch ein Genussmensch, ist im Grossen und Ganzen zufrieden mit sich, kennt ihre Baustellen, arbeitet daran, weiss aber auch, es muss auch nicht immer sein. Lynn ist das allererste Mal schwanger. Worauf stellt sich Lynn ein in den ersten Monaten, was passiert mit ihrem Kopf?

Das ist natürlich eine ganz aufregende Phase. Oft ist es eine freudige Anspannung und auch aber eine zunehmende Unsicherheit, weil man merkt, es verändert sich etwas. Das ist am Anfang noch ganz unauffällig, vielleicht die ersten Spannungen in der Brust oder auch ein kleiner Bauch, der sich wölbt, aber auch auf der psychischen Ebene, so zu merken, mein Leben wird jetzt eine grosse Veränderung durchlaufen und ich weiss noch nicht so recht, worauf ich mich hier einstellen soll.

Wie ist es während, in der Mitte, Und gegen Ende der Schwangerschaft? Wird der Druck grösser oder fängt es an sich zu entspannen? In der Mitte der Schwangerschaft ist es meistens eine ruhigere Phase, weil man sich adaptiert hat auf die stetige Veränderung. Im dritten Trimenon ist es erst wieder die Phase, in der die Ängste oder auch Befürchtungen rund um die Geburt da sind. Wie werde ich das erleben?

Schaffe ich das? Es ist eher wieder eine Umbruchzeit im dritten Trimester. Ja, damit schaffe ich das. Darauf würde ich gerne noch eingehen. Ich möchte nochmals zurück zum ganzen Anfang der Schwangerschaft. Jetzt haben wir grob darüber gesprochen, eben viele Veränderungen, Brüste, die anfangen zu spannen.

Was sind die Dinge, worüber man eben nicht spricht, die irgendwie dazuhören und die sehr viele Frauen plötzlich erleben? Das ist oft das Emotionale, dass es nämlich nicht nur von positiven Gefühlen begleitet ist, diese Phase, sondern vielleicht auch von vielen Ängsten. Vielleicht auch von Trauer. Trauer über mein altes Leben, das vorbei sein wird. Vielleicht auch von Zweifeln.

Habe ich mich richtig entschieden, dass ich jetzt schwanger bin? Also all diese eher negativen Gefühle oder auch Ambivalenz als Gefühl, dass ich sowohl glücklich bin, aber manchmal auch traurig. Ich glaube, das wird oftmals verschwiegen, weil es nicht ins gesellschaftliche Bild der glücklichen und blühenden Schwangeren passt. Ja, das Bild der glücklichen und blühenden Schwangeren. Eigentlich können wir Lynn da wieder reinnehmen. Die Lynn ist jetzt genau dort und sie ist in der Mitte von der Schwangerschaft.

Sie ist eben nicht die glückliche, blühende Schwangere. Ihr ist heiss, die Beine sind geschwollen, sie schläft nicht mehr und sie ist auch erschöpft. Ihr sagen die Leute plötzlich: «Also wie viele Kilo hast du zugenommen?» Also ich habe hier zwei Fragen. Erstens, von wo kommt das? Warum hat jeder das Gefühl, man muss eine Meinung haben zur Schwangerschaft? Und was kann man für die Lynn tun? Was kann sie machen?

Also warum, dass jeder ein Bild hat von der Schwangerschaft, das hängt damit zusammen, dass es keine andere Identität – und Mutter ist ja auch eine neue Rolle einerseits, die man einnimmt, aber auch eine neue Identität, ein zusätzliches Ich, das Mutter-Ich – gibt. Und es gibt keine andere Identität, wo so viel Bedeutung hineingeschrieben oder zugeschrieben wird, wie der der Mutter.

Das hat soziologische Gründe, historische, es gibt auch Konzepte und es gibt keine strengere Beurteilung eigentlich als die von der Mutter. Und das ist ein gesellschaftliches Bild, wo wir alle damit aufwachsen, wo uns weiterzählt wird, wo wir vom Hörensagen miterleben, wo in Filmen, in Büchern weitergegeben wird an weitere Generationen.

Und das internalisieren wir, also wir nehmen diese Bilder in uns auf und wir vergleichen uns mit diesen Bildern. Und wenn wir merken, oh, ich fühle mich jetzt aber gar nicht so, ich bin vielleicht traurig oder frustriert, habe so viel zugenommen, dann irritiert mich das auch selber und macht mich auch selber unsicher. Wieso kann ich jetzt nicht einfach dankbar sein? Ich habe eine gesunde Schwangerschaft, bis jetzt ein gesundes Kind.

Wieso kann ich nicht einfach zufrieden sein? Also so diese Unsicherheit und Irritation, wenn ich abweiche von diesem Bild, das uns gesellschaftlich vorgegeben wird und das im Moment auch weitergegeben wird von jeder Generation zu der nächsten. Und dort möchte ich überlegen, was wir für die Lynn machen können.

Wir können eigentlich das, was wir den jungen Frauen, was wir den heutigen Mädchen vorleben, das können wir verändern. Dass Schwangerschaft und Mutterschaft nicht nur mit Glückseligkeit und mit Zufriedenheit und mit der Erfüllung eines grössten Wunsches einhergeht, sondern auch mit Anstrengungen, mit Herausforderungen und mit grosser Unsicherheit und Zweifel einhergehen kann und das gehört auch zu der Mutterschaft dazu. Ja und vielleicht eben auch nicht nur die Mädchen, sondern eigentlich auch die Jungen, weil das Bild wird ja wie die ganze Generation übertragen.

Das ist richtig. Was kann denn die Lynn machen? Weil die Lynn ist jetzt in dem Punkt, wo sie findet, nein, ich passe da nicht rein. Gibt es für die Tools, die man der Lynn helfen kann, aus diesem Teufelskreis auszusteigen? Also wir tragen heute so etwas und so etwas dazu bei, dass wir das normalisieren und dass wir das auch validieren, dass Schwangerschaft und auch Elternschaft oder in spezifischer Weise Mutterschaft nicht nur mit positiven Aspekten verbunden ist. Je mehr das herausgetragen wird, desto eher kann sich dann auch die Lynn mit sich selber anfreunden. Aber es geht auch um die Entwicklung von Akzeptanz und um das Aushalten von eben Ambivalenz. Also dass ich sowohl mich freuen

kann und dass ein Teil von mir sich aber auch belastet fühlen und sich nicht mehr schön fühlen kann und gestresst sein kann in der Schwangerschaft. Also das Aushalten von Ambivalenz. Und dass es so okay ist. Ja, genau. Dass beide Gefühle Platz haben. Und dass das nicht Ausdruck ist von einer psychischen Störung, und das ist mir noch wichtig. Es gibt Veränderungen im Kontext der Schwangerschaft und Mutterschaft, die irritieren einen, die verunsichern einen, die haben mit negativen Gefühlen zu tun. Das ist aber nicht gleichbedeutend mit einer psychischen Störung, sondern es sind eigentlich normale Veränderungen im Rahmen der Schwangerschaft. Es sind mega schöne Punkte, sprichst du das an, dass es eben normal ist.

Kann denn Lynn vielleicht trotzdem irgendwo geholfen werden, das zu hören, weil mir klingt es ab und zu auch immer so. Ich darf jetzt das Glück haben, mit dir zu sprechen, das zu hören von jemandem, der Profi ist, der eine Ausbildung hat. Kann die Lynn irgendwo anrufen, um genau diesen Satz zu hören? Also in der Schwangerschaft, da ist wirklich eine Lücke. Da gibt es eigentlich keine Anlaufstellen. Es gibt ja die Mütter- und Väterberatung oder den Elternnotruf oder solche Angebote. Aber eigentlich eben für diese Phase vorher ist mir nichts bekannt, wo man sich hinwenden kann. Dann gibt es immer wieder so Anlaufstellen für psychische Erkrankungen in der Schwangerschaft und nach der Geburt.

Aber eben, wir sind ja hier so in diesem Grenzbereich, wo wir eben noch nicht bei einer psychischen Krankheit oder bei einer psychischen Störung sind. Und für das sind viele Frauen noch auf sich allein gestellt. Ja, ich glaube, das ist eben das, worauf wir heute das Spotlight richten. Genau mit Sachen wie heute schauen wir dort eben hin, wo Frauen das jetzt hören und finden, aha, dort ist noch eine Lücke. Die würden wir sehr, sehr gerne füllen. Das ist richtig.

Gehen wir ans Ende dieser Schwangerschaft. Du hast am Anfang darüber gesprochen, dass wenn man Mama ist, die Erwartungen, jetzt ist man Mama. Ich bin Mama. Weil es ist etwas, das du häufig erlebst bei deinen Patientinnen, bei dem man nicht darüber spricht. Den häufigsten Satz: «Ich habe es mir nicht so vorgestellt.» Oder die Frage: «Ist das noch normal?» Also, dass man Empfindungen hat, dass man es erlebt, weil man es sich nie so vorstellen konnte.

In den Vorstellungen ist es so, das innige, liebevolle, ja, Glückseligkeit eigentlich. Und in den ersten Wochen kann sich eben durch den Schlafmangel oder auch durch den veränderten

Alltag etwas anderes einstellen Frust, vielleicht sogar Wut.

Wut auch auf das eigene Kind, Ungeduld, dass man gereizt ist, Stimmungsschwankungen, ein Stimmungstief, eine gewisse Weinerlichkeit, dass man wegen der kleinsten Dinge anfängt zu weinen. Und auch das ist wiederum tabu. Da wird selten darüber gesprochen, weil es eben nicht diesem Bild entspricht. Und weil auch viele Frauen selber denken, ich müsste doch jetzt glücklich sein.

Es ist ja alles gut. Warum fühle ich mich nicht nur gut? Ich stelle mir jetzt die Situation gleichentags vor, mit meiner Freundin Lynn. Was sind so Sätze, die ich in keinem Fall bringen sollte, wenn sie überfordert ist mit der Situation? «Sei doch dankbar, du hast ein gesundes Kind.» Mit dieser Dankbarkeit machst du nicht das Leiden weg oder fühlst dich anders. Das macht dir nur noch mehr ein schlechtes Gewissen, erinnert nur noch mehr an die Normen oder Idealvorstellungen, die die Gesellschaft setzt.

Was kann ich machen, was ihr wirklich hilft? Etwas, was wir noch nicht angesprochen haben, ist, nach der Geburt bleiben die eigenen Bedürfnisse einer Mutter. Die ganze Aufmerksamkeit geht aufs Kind. Dass das Kind sich gut entwickelt, gut ernährt ist, gut schläft usw. Viele Mütter haben ihre eigenen Bedürfnisse – dazu gehören Körperpflege, eigene Bewegung, eigene Entlastung und Selbstfürsorge –, die vernachlässigt werden, weil man für jemand anderen zuständig ist. Das ist für mich einer der ersten Punkte: Wo habe ich wieder Raum nur für mich?

Zum Beispiel als Freundin eine Kaffeepause anbieten. Oder eine Pause, um nichts zu machen. Oder ihr etwas mitbringen anstelle des Babys. Oder ihr ein Mittagessen mitbringen. Oder etwas vorkochen. Oder ihr etwas abnehmen. Mal mit dem Baby spazieren gehen, wenn es schläft, dass sie alleine zu Hause sein kann. Oft möchten Mütter in der ersten Zeit nicht nach extern gehen, sondern sie möchten lieber zu Hause sein und ihre Ruhe haben. Darum ist es empfehlenswert, dass man sagt: «Ich nehme es, wenn es schläft, und gehe eine Runde laufen.» Ich habe das auch schon einmal probiert und bin auf Widerstand gestossen, weil meine Freundin das fast nicht zulassen konnte. Genau, das ist eine der

Herausforderungen. Aber das ist auch eine der Adaptationen, die eine junge Mutter selber lernen muss. Zu der eigenen Entlastung gehört dazu, dass ich jemand anderem die Fürsorge für mein Baby zutraue und mich das getraue. Da soll man auf keinen Fall Druck ausüben. Man kann es immer wieder anbieten.

Anbieten. Ich gehe mal zu meiner Freundin

Lynn. Sie sagt «Ich komme mit

laufen.» Dabei schaue ich sie an. Ich glaube, sie würde sich so gerne zehn Minuten hinlegen. Aber sie schafft es nicht, ihr Mamaherz von ihrem Kind zu lösen. Das hat auch mit der eigenen

Erwartungshaltung zu tun Eine gute Mutter braucht das nicht.

Eine gute Mutter ist immer gerne mit dem Kind. Eine gute Mutter zieht Befriedigung aus der Fürsorge. Eine gute Mutter fragt nicht um Entlastung. Das ist das, was wir in der Gesellschaft verändern müssen, dass wir immer wieder darüber sprechen. Vielleicht ist der erste Spaziergang das zweite Mal möglich, aber vielleicht traut sie sich beim nächsten Mal dich alleine zu lassen. Dass man da geduldig dranbleibt.

Manchmal erlebe ich, dass das Umfeld zu viel Druck aussetzt, im positiven Sinn. Das ist durchaus positiv gemeint. Manchmal braucht es mehr Zeit. Du hast das Wort «gute Mutter» erwähnt. Was ist aus deiner professionellen Sicht eine «gute Mutter»? Das gibt eine offizielle

Definition Die «gute Mutter» stellt ihr ganzes Leben dem Kind

hinten an. Sie ist verantwortlich für die konstante intellektuelle Förderung des Kindes. Sie zieht Befriedigung aus der Fürsorge allein. Sie stellt eigene Bedürfnisse hinten an. Das gibt ein Konzept, das «intensive mothering» heisst. Und jetzt möchte ich noch die Meinung von dir als Angela Häne hören: «Gut genug langt auch», sage ich mal.

Das Kind oder auch wir als Generation, als Bevölkerung brauchen nicht perfekte Mütter. «Gut genug langt auch.» Wir brauchen vor allem gesunde Eltern für die Kinder. Und «gesund» bedeutet auch, dass man Zeit für sich hat. Absolut. Die eigenen Bedürfnisse lösen sich ja nicht in der Luft auf, nur weil man jetzt auch ein Kind hat. Wenn man da irgendwie so eine Analogie findet zwischen den beiden.

Ja, es ist ein bisschen wie beim Fliegen. Da gibt es am Anfang, wenn die Flugbegleiterinnen so durchgeben, man soll die Sauerstoffmaske zuerst anziehen, bevor man sich um das Kind kümmert. Und ehrlich gesagt finde ich das eine schöne Analogie. Also ich ziehe mir selber meine Sauerstoffmaske zuerst an, und dann kann ich mich auch gut um mein Kind kümmern.

Ja, weil wenn du genügend Luft hast, kannst du auch die Maske beim Baby nicht vergessen. Im wörtlichsten Sinne. Ja. Lynn hat ein Kind bekommen. Mhm. Das freut alle. Mhm. Lynn kann mir mittlerweile ihren Sohn auch mitgeben. Ich kann mit ihm laufen gehen. Yay! Mit einem Kind. Yay! Aber dann bin ich wieder zurück und gebe ihr das Baby zurück. Und ich merke, meine Freundin ist mega bedrückt. Ja.

Ihr geht es nicht gut. Mhm. Sie fühlt sich unglücklich. Mhm. Und dann fängt sie an zu reden und dann kommt das Wort «After-Baby-Body». Mhm. Was löst das bei dir aus, wenn du dieses Wort hörst? Es löst bei mir eben auch Ambivalenz aus. Ich weiss, was damit gemeint ist. Es geht um den Körper, der sich nach der Geburt natürlich auch noch einmal verändert, ist auch noch einmal anders als in der Schwangerschaft. Weil das Baby ist dann nicht mehr da, aber oftmals der Bauch eben schon oder die Kilos eben schon. Der geht nicht weg.

Genau. Magic. Surprise. Ja, okay. Der ist noch da. Und oftmals fällt das auch erst im Nachgang oder nach der Geburt dann eben noch stärker auf. Und ambivalent eben, weil mir dieser Begriff natürlich bekannt ist, medial ist der bekannt. Der setzt aber alleine schon Druck auf, weil dann auch gesagt wird: «All eyes on you.» Also es wird auch geschaut, wie du aussiehst und wie dein Körper sich zurückbildet oder ob er sich zurückbildet und in welchem Tempo. Also der Körper ist ein öffentliches Gut in der Schwangerschaft und auch nach der Geburt, wo alle eine Meinung dazu haben und auch ungefragt oft kommentieren. Ja, das ist etwas, was Lynn erlebt. Und Lynn hat natürlich, auch wenn wir es eigentlich nicht wollen, noch einen grossen

Feind Social Media. Dank dem Baby, das sie jetzt

hat, hat sie einen Feed, der gefüllt ist mit Schwangerschaft und natürlich auch Fitness nach einer Schwangerschaft. Was sagst du zu dem Druck, der von dort kommt? Weil sie sollte darum schon zwei- bis dreimal gehen und mindestens eine Rückbildung machen und dann noch mit Babyturnen – Yoga sollte sie dann auch noch machen, aber nicht das, was am Bauch etwas macht, sondern nur für die Beine und die Arme. Also die Schwierigkeit, ich finde Social Media hat auch sehr viel Gutes, man kann dort auch sehr viel lernen oder sich Tipps holen.

Aber eben, ein Nachteil ist, dass dann wie Normen entstehen, das ist das Normale. Also die unrealistischen Erwartungen, dass ich zwei Wochen nach der Geburt eben so wieder aussehe, wie wenn ich nie ein Kind gehabt hätte. Das fördert es natürlich. Es fördert eine Perfektion, die in der Regel die meisten von uns im Alltag nicht erleben.

Und das andere ist aber auch, dass der Körper überhaupt so im Vordergrund steht, hat viel mehr damit zu tun, weil es eine Lebensphase ist, wo ich vieles nicht mehr kontrollieren kann, wo ich viel Unsicherheit erlebe, wo sich viel Neues in meinem Leben gestaltet. Und der Körper ist vermeintlich kontrollierbar durch Training, durch Ernährung, durch allerlei Vorgaben. Und manchmal ist das auch so ein bisschen, wie soll ich sagen, wird das so ein bisschen kompensiert mit dem Körper, was sich bei mir im Leben sonst an Kontrollverlust darstellt. Zeit geben, oder?

Der After-Baby-Body, es ist ja nach dem Babykörper übersetzt. Und das ist so, für mich ist das okay, das ist der Moment. Aber eigentlich ist das ja ein Aufbau, das fängt schon vor der Schwangerschaft an. Das fängt mit dem Moment an, wo man eben schwanger ist und sich der Körper anfängt zu verändern, in die Hosen plötzlich nichts mehr hineinpasst.

Man hat plötzlich Wasser in den Beinen, was man vorher nie hatte. Gehen wir noch einmal ganz ganz zu Anfang vor Lynn. Lynn hat jetzt gerade eine Schwangerschaft bekommen. Sie hat ihren engsten

Freundinnen gesagt «Ich bin schwanger.»

Es ist etwas, was du an Lynn mit deinem beruflichen Hintergrund mitgeben möchtest, für das, was jetzt mit ihr passiert, bis das Baby kommt. Eine Form von Selbstmitgefühl und sich selber gerne haben, auch in der Veränderungsphase und nicht zu spezifische Vorstellungen haben, sondern wie lernen, sich loszulassen, in diese Phase sich reinzulassen.

Angela, vielen Dank, dass du heute mein Gast warst. Vielen Dank. Sehr gerne. Ich gehe wirklich gut aus diesem Gespräch. Das freut mich. Für euch, schön, dass ihr zugeschaut habt. Bis zum nächsten Mal.

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