Kapitelklicken springt direkt hin
Shownotes
Was richten Medien mit reißerischen Berichten über Terror und Amok an?
Wir haben auch hier bei Übermedien schon häufig die Berichterstattung über Terroranschläge und Amokläufe kritisiert: Zu häufig verbreiten Medien vorschnell falsche Informationen, bedienen mit Fotos oder Videos Schaulust und spekulieren über das Motiv von Tätern. Wie erst vor einem Jahr, beim Amoklauf an einer Schule in Graz. Was genau alles falsch läuft, hat der Medienpsychologe Benedikt Till gemeinsam mit der Kommunikationswissenschaftlerin Brigitte Naderer wissenschaftlich untersucht.
Seit drei Jahren forscht das Team dazu, welche Auswirkungen solche Medienberichte haben. Dafür haben sie unter anderem mehr als 1.900 Artikel von deutschen und österreichischen Medien ausgewertet und analysiert, wie sie über Terrorattentate zwischen 2016 und 2020 berichtet haben. Tills Fazit: Medien würden immer noch zu häufig „die Geschichte des Täters erzählen“.
Der Fokus auf dessen Identität, seine Methode oder das Motiv würden Attentätern überhaupt erst eine Plattform geben. Man mache damit „praktisch Werbung für seine Sache“, sagt Till im Übermedien-Podcast. Außerdem stigmatisierten die Berichte regelmäßig einzelne Gruppen:
„Sehr oft wird nicht wirklich differenziert zwischen Islamist und Moslem, oder einer Person muslimischen Glaubens.“
Dasselbe Problem erkenne er auch bei Menschen mit psychischen Erkrankungen – alle würden in einen Topf geworfen.
Zudem unterscheide sich das mediale Narrativ zwischen islamistisch motivierten und rechtsextremen Attentätern: Bei Ersteren liege der Fokus oft auf deren Radikalisierung und einer Terrororganisation im Hintergrund. Rechtsextreme hingegen würden häufiger als Einzeltäter benannt und eine Erklärung für die Tat in der jeweiligen Biografie gesucht – obwohl es auch hier Netzwerke gebe.
Was sollten Medien bei der Berichterstattung über Terror und Amokläufe beachten? Wie beeinflussen Medien eine mögliche Radikalisierung von potenziellen Attentätern? Und was hat das mit Suizidberichterstattung zu tun? Darüber sprechen Holger Klein und Benedikt Till in der neuen Folge „Holger ruft an…“.
Der Gesprächspartner
Benedikt Till ist Psychologe und Assoziierter Professor am Zentrum für Public Health der Medizinischen Universität Wien. In seiner Forschung beschäftigt er sich mit der Rolle der Massenmedien bei der Vermittlung potenziell psychisch belastender Inhalte sowie deren möglichen Auswirkungen. Er arbeitet auch zu Suizidprävention, Gesundheitskommunikation, Public Mental Health und Medienpsychologie.
Der Host:
Holger Klein ist Podcaster und ehemaliger Hörfunkmoderator. Seit 2021 ruft er für Übermedien jede Woche bei Leuten aus der Medienbranche an, um mit ihnen über aktuelle Medienthemen und ihre Hintergründe zu sprechen.
Links:
• Zum Forschungsprojekt (fwf.ac.at/forschungsradar/10.55776/P36029)
• Leitfaden zur Berichterstattung über Massenschießereien (e49ed9a0-07a3-4c36-a68e-f17beeed4bd5.filesusr.…) (Suicide Awareness Voices of Education)
• Wieso lernt (fast) niemand aus den Fehlern der Terrorberichterstattung? (uebermedien.de/54727/wieso-lernt-fast-niemand-…) (Übermedien)
• Profit statt Aufklärung: Wie Medien den Amoklauf von Graz ausschlachten (uebermedien.de/106466/profit-statt-aufklaerung…)(Übermedien)
• Presserat missbilligt „Welt“-Berichte über angeblich vereitelten Anschlag (uebermedien.de/29630/presserat-missbilligt-wel…) (Übermedien)
• Nichts gelernt: In der Journalistenschule mit Julian Reichelt (uebermedien.de/36432/nichts-gelernt-in-der-jou…) (Übermedien)
Über Übermedien
Übermedien (uebermedien.de) ist das führende Online-Magazin für Medienkritik. Wir sind werbefrei und unabhängig. Wir decken Fehler in der Berichterstattung auf, wir erklären die Hintergründe – und wir zeigen, was daran wichtig ist. Wer also Lust auf guten Journalismus habt, aber Medien nicht einfach alles glauben möchte, abonniert am besten unseren kostenlosen Newsletter „Der Überblick“. Mehr dazu auf uebermedien.de/newsletter.
Transkriptvom Podcast bereitgestellt · Zeitmarken springen hin
Die Medien haben eben diesen Fokus auf diesen Artentäter und warum man das gemacht hat. Und berichten von seinem Manifest, es ist wie eine Werbung. Ich rufe an wegen Terrorismusberichterstattung. Du bist Medienpsychologe, forscht aktuell zusammen mit einer Kommunikationswissenschaftlerin der Brigitte Naderer An der medizinischen Uni Wien über die Berichterstatterung deutscher- und österreichischer Medien zu Terroranschlägen.
Welche Medien und welche Attentate? über welchen Zeitraum habt ihr euch angesehen? Also wir haben uns die Auflagen stärksten österreichischen und deutschen Tageszeitungen angesehen. Der Zeitraum ist schon ein bisschen länger her, weil das Projekt läuft schon seit der endigen Zeit. Das war von zwei tausendsechzehn bis zwanzigzwanzig.
Warum nicht zwanziger und zwanzierundzwanziger? Weil es da keine größeren Anschläge oder Attentate in West-Europa gegeben hat, Gott sei Dank. Und das war uns auch wichtig weil wir haben nicht sämtliche Vorfälle registriert sondern nur die über eine gewisse Wahrnehmungsschwelle auch gekommen sind also die wo genügend berichtet worden ist drüber weil sonst macht ja eine Inhaltsanalysie keinen Sinn und das korrelierte natürlich auch sehr stark damit wie viele Menschen da ums Leben gekommen sind bei dem jeweiligen Anschlag und da blieben dann im Endeffekt.
Ich hoffe, ich irre mich da jetzt nicht. Dann sind glaube ich neun Terroranschläge in Westeuropa übrig geblieben in unserer Analyse zwischen zweizigzehn und zwanzigzwanzig. Wie genau analysiert ihr die? Also wie ist eure Methodik? Also prinzipiell ist mal der erste Schritt das man mal das ganze Material beschafft.
Da gibt es ja Gott sei Dank Datenbanken. also in unserem Fall war das die Datenbank von der Ost represse Agentur wo man halt von diesen sämtlichen Tageszeitungen mit den entsprechenden Suchbegriffen dann eben recherchiert und sich das ganze downloadet. Und dann muss man sich ein Kodiersystem überlegen, also man muss sich anschauen und überlegen wonach sucht man eigentlich?
Was sind Kriterien die einem wichtig sind? und uns war halt wichtig zu schauen wie jetzt unter Anführungszeichen die Qualität dieser Berichterstattung ist. Was meine ich mit Qualität? Ich meine jetzt nicht, wie gut die sprachlich sind oder so. Oder vielleicht auch nicht nach klassischen journalistischen Kriterien wurden die ja auch nicht bewertet, sondern uns ging es darum, inwieweit die Konsistent waren mit gängigen Empfehlungen, wie über Terrorismus und auch Armogläufer oder dergleichen berichtet werden sollte.
Und gab's eben auch Unterschiede zwischen bestimmten... Arten von Tageszeitungen, also zum Beispiel Boulevard versus nicht-Boulevard Zeitungen. oder macht das auch einen Unterschied. Ob ich jetzt über einen islamistisch motivierten Attentäter berichtet wird? Oder über einen rechtsextremen Attentater?
Bleiben wir da. Es gibt Boulevardmedien und die sogenannten Qualitätsmedien. inwiefern unterscheidet sich die Berichterstattung dar. Prinzipiell gar nicht so sehr wie wir ursprünglich dachten. Was bei den Boulevard Medien häufiger vorzufinden ist, dass man halt deutlich mehr auf die Identität des Attenteters fokussieren.
Also sie klassischweise das Foto vom Atemtäter zeigen. Das kommt bei Boulevard Medien deutlich häufiger hervor als bei sogenannten Qualitätszeitungen aber generell, dass ein Fokus auf diesen Attentäter gerichtet wird. Allerdings... Viele andere Sachen, die wir normalerweise nicht so gern sehen oder die nicht empfohlen werden ist dass man sehr viele Details preis gibt.
Also wie der Attentäter das gemacht hat, wer das geplant hat und all diese Sachen. Und das war hingegen deutlich häufiger oder mehr bei den sogenannten Qualitätszeitungen vorzufinden was teilweise dadurch zu erklären ist, dass sie auch längere Artikel schreiben und damit auch mehr recherchieren dann halt auch mehr Details und Informationen Preis geben.
Es ist teilweise darauf zurückzuführen, aber nicht nur. Ihr hattet euren Fokus auf rechtsextreme und islamistisch motivierte Attentate? Ja. Wird darüber jeweils unterschiedlich berichtet? Also es unterscheidet sich dadurch, dass bei Taten die islamismotiviert sind, ist der Fokus vielmehr darauf das es hier eben einen Täter gibt, einen Attentäter von einer Terrororganisations sozusagen rekrutiert wurde der muslimisch war und sich dann radikalisiert hat.
Und dann eben sozusagen einen Selbstmordanschlag gemacht hat, und da Leute umgebracht haben was aber in der Realität gar nicht zum Beispiel so stimmt. also wenn man jetzt das ist zum Beispiel dieses Label Selbstmordsattentat. Also in unserem Zeitraum hatten wir ja eben fünfzehn islamistisch motivierte Attentäter und davon sind zwölf von der Polizei erschossen worden und nur drei von den fünfzehnt sind durch Suizid verstorben.
Ist also ein Label verpasst worden, das so gar nicht gestimmt hat? Also ich verstehe es richtig dem islamistisch motivierten Attentäter wird grundsätzlich erst mal unterstellt er würde eine Organisation angehören oder sich zugehörig fühlen. Richtig! Das ist vielmehr der Fall. in dieses Narrativ dass der eben da rekrutiert wurde dass das ein Soldat ist Da kommt auch die Terrororganisation viel mehr vor wird oft irgendwer von denen auch vielleicht dann zitiert obwohl die vielleicht in Wahrheit gar nichts von diesen Attentäter gewusst haben.
Das ist halt vielmehr der Fokus. und bei den rechtsextremen motivierten Attentätern, da ist es immer ein Einzelattentäter, der irgendwelche anderen Gründe gehabt hat zum Beispiel sehr oft wieder genannt dass das der psychische Probleme gehabt hat und das war der Kompetenz. Der ist ja vielmeher eine Viktimisierung.
also der hat irgendein Leiden gehabt und deswegen hat er das gemacht als das auch eine vielmeiner Vermenschlichung. Und da wurde der Film eben auf seine Probleme, die er hat in der Familie oder eben seine psychischen Probleme viel mehr darauf fokussiert und dass er wirklich alleine gehandelt hat. Was wir aus der Realität wissen ja auch nicht unbedingt immer der Fall ist weil es gibt ja auch sehr wohl auch ein Netzwerk im Hintergrund das aber eigentlich nie so erwähnt wird.
Ihr arbeitet seit drei Jahren. ihr arbeitet auch noch drei Jahre länger bis zum Jahr zwanzig in. die österreichische Zeitung des Standard beschreibt euren Zwischenstand mit den Worten viel läuft Falsch. Du hast auch mitgearbeitet an einem Leitfaden zur Medienberichterstattung. bei so Massen-Schieße rein, wie sollte es laufen wenn es richtig laufen würde?
Also was steht drin in dem Leit faden? Wie sieht die ideale Berichterstatter aus? Im Prinzip sollte nicht zu sehr eben auf den Attentäter fokussiert werden also auf seine Intentität. wer ist das, was ist sein Name, wie sieht er aus? Weil dadurch biete ich dem erst überhaupt eine Plattform weil ich mache praktisch Werbung Für diesen Attentäter, für seine Taten, die ich ihm sage.
Warum hat er das denn gemacht? Und vielleicht auch noch was aus seinem Manifest da publizieren. Ich mache also Werbung für ihn und das sollte eigentlich nicht gemacht werden. Also weniger Fokus legen auf den Attentator. Auch sollte man natürlich nicht irgendwelche Details zum Attentat oder Gepreis geben.
Wie hat er es genau gemacht? Welche Waffen hat er da verwendet? Wie hat der das geplant? gemärcht diese Details weiß, umso eher kann ich es natürlich auch nachmachen. Und es sollte vielmehr zum Beispiel über die Opfer berichtet werden und damit meine ich nicht dass jetzt gesagt werden soll wie viele Opfer da jetzt waren und wie schwer die verwundert waren und so was.
sondern mit Opfern meine ich das deren Geschichten erzählt werden also welches was für ein Leben die vorher gehabt haben und was den was da jetzt denn Familien weggenommen worden ist. also er so mal nicht die Geschichte des Täters erzählen sondern die der Opfer. man sollte auch auf Hilfseinrichtungen hinweisen, also wenn Leute ihr mir jetzt mehr Angst haben in sich irgendwie traumatisiert fühlen.
Auch wenn sie irgendwelche Leute kennen, wo sie meinen ja die haben sich radikalisiert, wo kann ich mich melden? Also einfach durch irgendwelchen Informationen gegeben werden und weniger spekulieren über die Motive von der Art und Täter. Und vielleicht auch erwähnen das dass es auch Leute gibt, die sich radikalisiert haben aber eben auch wieder einen Weg daraus gefunden haben, aus dem Ganzen.
Und dass man eben vermeidet, auch Gruppen zu stigmatisieren weil sehr oft wird nicht wirklich differenziert zwischen Islamist und Moslem oder einer person muslimischen Glauben sondern es wird auch sehr oft in einen Topf geworfen. die müssen sich nur radikalisieren dann sind sie genauso. so ist das Narrativ was wir ihm gefunden haben oder auch, dass man Leute mit psychischen Erkrankungen nicht stigmatisiert.
Es ist nämlich nie so eine monokursale Sache wie okay. der hat eine psychische Erkankung also macht er jetzt einen Attentats. das machen ja die wenigsten leute unabhängig davon ob sie eine psychisch Erkannkung haben. Das kann das auch nicht erklären. sozusagen es ist wichtig hier auch nicht irgendwelche Gruppen zu stigmatisieren.
welche Folgen hat es denn überhaupt wenn Medien sich falsch verhalten im Sinne dieses Leitfadens oder der Richtlinien? Die negative Wirkung von sensationsträchtigen Berichterstattungen über Terrorismus oder Armourgläufe ist negativ auf unterschiedlichen Ebenen. Es fängt einmal einerseits an, wenn ich halt das so berichte... Ich erzeugt generell mal ein Klima der Angst in der Bevölkerung.
Wenn allen Angst versetzt was da auch zufolge hat dass zum Beispiel Leute die schon psychische Erkrankungen haben wie Angststörungen, Depressionen, dass sich das dann noch verstärkt. Leute, die direkt oder indirekt mit dem Attentat irgendwie zu tun gehabt haben oder in Berührung gekommen sind werden dadurch redtraumatisiert.
Ein weiterer Aspekt ist eben da werden Leute oder bestimmte Gruppen innerhalb der Bevölkerung stigmatisiert. also Leute die vielleicht eh schon ich sage jetzt mal am Rande der Gesellschaft stehen weil sie vielleicht einen Migrationshintergrund haben oder weil sie eine psychische Erkrankung haben werden dadurch noch weiter stigmatisiert und noch weiter an den Rand gedrängt.
Und ich habe eine erhöhte Wahrscheinlichkeit, wenn ich im Details zu dem ganzen Terroranschlägen nenne und wie das gemacht und geplant worden ist, hab' ich natürlich auch das Problem von Imitations-Anschläge also dass Leute das dann entsprechend nachmachen. Und vor allem einerseits habe ich eben die Details, dass sich das Ganze nachmachen kann.
auf der anderen Seite eben haben eben diesen Fokus auf diesen Attentäter und warum man das gemacht hat. Und berichten von seinem Manifest, es ist wie eine Werbung. also ungewollt stellen sich Journalisten und Journalistinnen eigentlich in den Dienst dieser Attentäter oder auch dieser Terrororganisationen indem sie über diese Dinge berichten und das promoten eigentlich.
für welche Art des Attentats habt ihr mehr Werbung gesehen? Für das Rechtsextremistische oder das Islamistische? Du meinst, ob für islamistisch motivierte Attentate und deren Berichterstattung mehr falsch gemacht wird als bei der Rechtszeit? Gar nicht mal so der Fall. Es wird ein anderes Narrativ erzählt aber es ist gleichermaßen schlecht.
Das sind halt andere Elemente die dann vielleicht vorkommen, das sind über die wir vorgesprochen haben. Aber negativ ist beides. und das ist nicht so dass... in der einen oder anderen Berichterstattung mehr negative Elemente sind? Oder dass das schlechter ist per se, sondern es ist nur ein bisschen anders erzählt.
Aber sensationstrichtig sind die alle... Eben ist der Spiel der Hilfsanrichtungen während bei keinem von beiden erwähnt, egal ob Datentät jetzt rechtsextrem war oder islamistisch. also das spielt keine Rolle. Du hast ja außerdem auch Interviews gemacht mit elf Personen aus den Radikalisierungsprogrammen.
Ja. Konntest du da sehen, ob die Berichter-Stattung bei deren Radikalisierung eine Rolle gespielt hat? Was hat die Werbung funktioniert? Mal so gesagt. Ja, wir haben die Analyse noch nicht abgeschlossen. Wir haben auch nicht alle Daten ausgewertet aber ich kann schon mal sagen was der erste große Eindruck war von dem Ganzen und die Story.
also prinzipiell waren diese elf Leute die wieder interviewt haben weil Geschichte sehr unterschiedlich unterschiedliche Personen mit unterschiedlichen Backgrounds Aber es gab ein paar Sachen die sie alle gemein hatten. Alle haben im Prinzip irgendeine Art von psychischer Krise erlebt in irgendeiner Form, das kann gewesen sein dass die gebullet worden sind in der Schule, dass die irgendwie ausgegrenzt haben orientierungslos waren keine Freunde gehabt haben irgendwie neu in einer Umgebung waren und einfach keinen Anschluss gefunden haben.
also in Situationen die glaube ich sehr viele Menschen kennen wo viele Menschen vielleicht zum Beispiel mit Depressionen oder Suizidalität oder irgendwelchen anderen psychischen Problemen reagieren, aber aus irgendwelchem Grund haben diese wenigen Personen ein gewisser kleiner Prozess in der Bevölkerung, der dann anders reagiert und zum Beispiel eben durch einen Bekannten oder eine Bekannte oder auch durch das Internet dann doch irgendwie auf Radikalisierung, auf Extremismus sozusagen kommen oder stoßen.
Und das ist nämlich sehr interessant viele von den Leuten, die sich islamistisch radikalisiert haben. Die waren vorher gar nicht religiös. Manche von denen waren nicht mal Moslems! Die haben sich dafür erst gar nicht interessiert. aber durch einen Freund oder eine Freundin sind sie dann auf die Religion gekommen, sind dann vielleicht sogar konvertiert und sind immer tief in das Reihen gekommen sozusagen.
Das kann eben sein doch ein Bekannter, also auch eine reale Person, aber auch durch Leute im Internet einfach... Da haben Sie irgendwie eine Gruppe gefunden In irgendeiner Art von Anschluss, wo sie sich dann aufgehoben gesehen gefühlt haben. Wo sie sich austauschen konnten und viele haben das weiter gemacht weil sie eben ja zu dieser Gruppe sich zugehörig gefühelt haben.
Und da spielt dann eben Medien sehr wohl eine Rolle Weil Sie dann eben sobald diese Leute in diesen Gruppen sind dass ist das was sie sich informieren Austauschen ihre Sicht der Welt verändern sozusagen. Aber das ist Das muss man auch sagen, viel mehr in diesen Online-Formen. Das ist vielmehr auf Social Media als jetzt diese traditionelle Berichterstattung.
Aber was ist dann das Problem mit der traditionellen Berichterstattung? Also die mag zwar nicht verantwortungsvoll genug sein und dadurch eine gewisse Art von Werbung machen für das Verüben von Anschlägen aber wenn die Radikalisierung da doch sowieso nicht stattfindet... Ich würde nichts sagen dass sie nicht statt findet.
Sie findet nur durch vermehrt online Start. tiefer geht. Also es irgendwo wird mal ein Grundstein gelegt und natürlich eben auch wenn die Leute sehr viel auf Social Media sind. sie sehen ja, Sie kriegen ja trotzdem mit Hate. über den wird berichtet in den traditionellen Medien der ist jetzt im Fokus der Medien.
Den kennt jetzt jeder und durch die traditionelle Medien werden natürlich auch die sozialen Medien auch wieder beeinflusst sozusagen. aber natürlich dann wenn die Radikalisierung schon weiter fortgeschritten ist spielen immer mehr die soziale Medien immer weniger die traditionellen Medien eine Rolle.
Aber ich will dir nicht sagen, dass sie keine Rolle spielen und es geht ja auch um... Und so funktioniert der Werbung auch der generelle Bekanntheitsgrad. Weil selbst wenn jetzt irgendwo die Leute in irgendwelchen Nischenkanälen auf Social Media sich treffen, es gibt immer so ein Common Knowledge, immer so eine bestimmte Marke unter Anfangs, da muss ihr eine gewisse Bekanntheit erreichen und das kriegt man halt vor allem durch die traditionelle Medien.
Wenn keiner den IS kennt, dann wird er auch nicht in den sozialen Medien diskutiert. Also schlau gar nicht über ein IS zu schreiben? Im Prinzip wär's das! Aber es ist natürlich nicht realistisch zu sagen ich berichte jetzt nicht über einen Anschlag. Es ist nicht realismisch. Journalisten werden immer berichten und das ist ja auch ihr Job das zu tun.
Es geht ja darum nicht irgendwas zu tabuisieren oder verschweigen. Den IS gibt es nicht oder es gibt keine Rechtsexamen. Darum geht's gar nicht, sondern es geht nur darum dass man dann in der Hektik und das ist hektisch wenn da irgendwas passiert und dann muss man schnell irgendwelche Informationen sammeln und schon schnell was raushauen damit man eben die nächste Auflage mit den Informationen rausgibt an die Bevölkerung einfach aber vielleicht mal kurz inne zu halten und einen Schritt zurückgehen oder innehalten das man sich überlegt.
brauche ich diese ganzen Details wirklich. Muss sich, muss müssen die Leute wirklich wissen? Diese ganzen Steps, die er gemacht hat oder der Atemtäter wieder das gemacht hat, geplant hat welche Waffen der benutzt. Muss ich wirklich sein Gesicht sehen? Muss ich den wirklich so mit der Waffe in der Hand zeigen kann nicht ein anderes Foto nehmen oder dergleichen oder dass man sicher blickt?
habe ich wirklich jetzt ähnlich die Muslime stigmatisiert mit meinem Artikel. Habe ich das wirklich ein bisschen differenziert? Hab' ich klar gemacht, dass nicht jeder Moslem potenziell ein Atemtäter ist sondern eben nur ein ganz, ganz kleiner Teil der Bevölkerung. Darum geht es eigentlich, dass man gewissens ein Bewusstseinschaft.
mir vollkommen klar, dass das schwierig und immer über Terrorismus berichtet wird. Aber... Wir haben ja eine gewisse Forschungstradition und wir kommen eigentlich aus der Suizidprävention. Und hier ist es mittlerweile in Österreich, genauso wie in Deutschland, gang und gäbe, dass man dort zurückhaltend über Suizide berichtet.
Wenn überhaupt? Das war nicht immer so! Wobei eben das überhaupt ... Das haben wir nie gesagt, dass wir nie ... Dass wenn ich wollen, dass die Medien gar nicht darüber berichten, sondern wie wird drüber berichtet? keine Details zur Suizid-Methode nennt. Dass man nicht genau sagt, wie hat er das gemacht?
Dass man das nicht romantisiert und nicht glorifiziert, dass man Kontakt zu Hilfseinrichtungen gibt usw. Also sehr ähnlich wie diese Terrorismusberichterstattung Empfehlungen auf dem Beruhm die auch. Und weil es hier eben schon seit vielen Jahren Jahrzehnte eigentlich eine sehr gute Zusammenarbeit zwischen der Suizideprävention und den Journalisten in Deutschland Österreich gibt... Darauf passiert das Ganze.
und mittlerweile ist ja auch sowohl in Deutschland als auch in Österreich, ist es ja auch in den Pressekodex aufgenommen worden. Diese Selbstverpflichtung dass man nicht sensationsträchtig über Suizide berichtet. Und das ist sozusagen so ein bisschen das Vorbild und trotzdem wird über Suizi die Berichte dabei ganz anders wie das früher der Fall war.
Ähnlich stellt man sich das vor oder erhofft sich das in der Berichterstattung über Terrorismus. Es geht nicht darum zu sagen, dass das nicht stattgefunden hat oder nicht darüber berichtet. Sondern dass man einfach das ein bisschen anders framed, ein bisschen ein anderes Narrativ verwendet wenn man drüber berichtet und einfach ein bisschen mehr bewusst macht, dass es halt Auswirkungen hat weil vielen Journalisten schon ist es glaube ich oder merke zumindest in Gesprächen gar nicht so bewusst welche Wirkung das Ganze haben kann.
Wir haben's eben schon gesagt ihr arbeitet seit drei Jahren, ihr arbeitet auch noch drei Jahre. du sagtest ihr habt noch nicht alle Daten ausgewertet. was kommt denn da noch in Zukunft? Wir haben uns da auch angeschaut, wie jetzt wirklich diese Artikel wirken. Also wir haben da einen sogenannten RCT, also ein Experiment gemacht wo wir Leuten über mehrere Wochen weg immer wieder Artikel über einen Terroranschlag lesen haben lassen und in den unterschiedlichen Gruppen haben sich aber dieser Artikel unterschieden.
Also es waren diese Artikelen entweder immer konsistent mit den Medienempfehlungen oder sie waren eben nicht konsistent. Zwar ein Bericht über das Attentat, aber wir haben das dann immer gekoppelt mit so einer Geschichte. Über eine individuelle Deradikalisierung. Also irgendjemand hat dann erzählt wie er sozusagen ein Aussteiger war.
Zuerst beim IS der Bayer und dann wieder zurückgekommen ist. Und wir hatten auch eine Kontrollgruppe. die haben halt Artikel über Mord gelesen. Wir haben mal über mehrere Wochen immer wieder Daten erhoben wie es ihnen geht, wie sich fühlen ihre Einstellungen zu verschiedenen Themen erhoben sehr viel Taten erhoben und wir haben noch nicht so richtig begonnen, die alle auszuwerten weil das wirklich sehr sehr viel ist.
Also da wird es dann zeigen welche Birkung das tatsächlich hat und schauen wir mal wie das dann ist. Benedikt Till vielen Dank! Danke dir Holger ruft anes ein Podcast von Übermedien dem unabhängigen werbefreien Magazin für Medienkritik ausschließlich finanziert durch unsere Community. Ein Abo gibt's ab sechs Euro monatlich und dafür gibt es sofort Zugang zu allen Artikeln und obendrauf unseren wöchentlichen Newsletter.
Wer unabhängige Medienkritik ebenfalls unterstützen möchte, findet alle Infos auf übermedien.de Und dort gibt's auch reichlich über Medien zu lesen bis wir in der nächsten Folge auch wieder über Medien reden. Ich bin Holger Klein und danke für die Aufmerksamkeit.