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Shownotes
Wie lernt man eigentlich richtig? Und warum fällt es uns oft so schwer, rechtzeitig anzufangen, dranzubleiben und eine Lernstrategie zu finden, die wirklich funktioniert?
In Folge 3 von How to WU spricht Kristin mit Christine Leitl-Kovacic vom Student Counselling der WU darüber, wie Lernen, Motivation und Leistungsdruck zusammenhängen. Es geht um den eigenen Lernweg, den Umgang mit Aufschieben und darum, warum eine gute Struktur und Pausen oft mehr bringen als stundenlanges Lernen unter Druck.
Themen der Folge:
• Was sich beim Lernen von der Schule zur Uni verändert
• Lerntypen: Was ist Mythos, was hilft wirklich?
• Zeitmanagement, Lernpausen und Wiederholen
• Prokrastination und die Sache mit der Motivation
• Leistungsdruck und unterschiedliche Voraussetzungen im Studium
• Prüfungsangst und Unterstützungsangebote der WU
Links & Infos:
• Student Counselling der WU (wu.ac.at/studierende/mein-studium/bachelorguid…)
• Einzelcoaching (wu.ac.at/studierende/mein-studium/bachelorguid…)
• Workshops, Talks und Trainings (wu.ac.at/studierende/mein-studium/bachelorguid…)
• Peergroups für Bachelorarbeit schreiben, Studieren mit Neurodivergenz, Lerncommunity etc. (wu.ac.at/studierende/mein-studium/bachelorguid…)
Transkriptvom Podcast bereitgestellt · Zeitmarken springen hin
Oder da kommen nicht die Ergebnisse, die ich mir wünsche. Eine Spirale, die nicht hilfreich ist. Was weiß ich über mein Wissen? Kommt Motivation wirklich im Tun? Hallo und herzlich willkommen bei HowToWU – dem Podcast für Studierende. Ich bin Christine Seidler und hier geht's alle zwei Wochen um die Fragen, die ihr euch während des Studiums irgendwann stellt, deren Antworten ihr aber nicht unbedingt im Hörsaal findet.
Wir teilen Insights, Erfahrungen und Tipps die euch den WU-Alltag ein bisschen leichter machen und manchmal auch Dinge bei denen ihr euch denkt, hätte mir das bitte mal jemand früher sagen können. Und heute geht es um eine Sache, die ziemlich entscheidend dafür ist wie ihr durchs Studium kommt – Wie lerne ich eigentlich richtig?
Was lerne Ich wie wirklich effektiv, warum schieben wir's trotzdem immer wieder auf? Und was machen erfolgreiche Studierende anders? Und was wenn ihr gar nicht mehr Disziplin braucht sondern einfach nur besser verstehen müsst wie Lernen, Motivation und Druck bei mir eigentlich funktionieren. Und darüber spreche ich heute mit Christine Leitl-Kovacic vom Student Counseling der WU.
Christine, du arbeitest im Student Counselging und sprichst regelmäßig mit WU Studierenden. Wie würdest Du denn deinen Job jemanden erklären, der noch nie etwas vom Student Counseling gehört hat? Hallo Kristin! Ja, danke dass ich heute hier sein kann. Ich freue mich und bin aufgeregt. wie würde ich meinen Job erklären?
Im Endeffekt, ich bin klinische Gesundheitspsychologin als Grundberuf und meine Kolleginnen und ich unterstützen im Student-Counciling Studierende in Einzelgesprächen, aber genauso mit Talks und Workshops zu Themen die WU-Studierende bewegen. Das filtern wir dann auch immer raus und fragen WU Studierenden was denn für sie wichtig ist.
das verändert sich immer wieder auch von Zeit zur Zeit wo wir unsere Schwerpunkte setzen... Genau. Und ich glaube, viele wissen gar nicht wie breit euer Angebot wirklich ist und was ihr alles macht. Was können denn Studierende bei euch bekommen oder machen? Ja wir haben ein Einzelcoaching wo jeder WU-Studierende und jede Studierende sich individuelle Gespräche bei uns ausmachen kann, und daneben gibt es aber ein sehr umfangreiches Semesterangebot, dass wir wirklich jedes Semester auch maßgeschneidert uns überlegen und schauen was braucht das jetzt?
Was ist so das Thema für die Studierenden? Und da gibt's wirklich von Formaten mit externen, die wir auch dazu holen, auch alles über eben, ich mache sehr viel zum Thema Lernen. Wir haben vieles zum Thema Stressmanagement, Zeit-Management. Auch wie man sich gut präsentieren kann in Vorlesungen und Gesprächen oder bei Präsentationen – ja es ist immer wieder anders.
Das heißt ich muss jetzt nicht völlig überfordert sein um zu euch zu kommen sondern ihr habt da ganz viele andere Möglichkeiten. Nein, ganz im Gegenteil am besten kommen bevor man überfordert ist und alles ist kostenlos bei uns. Und wenn man sagt, oh ich möchte mich einfach weiterbilden. Ich möchte so ein bisschen wie eine Self-Leaderschip Skills entwickeln im Sinne von ich lerne mich besser kennen.
Ich weiß, wie ich in gewissen Situationen agiere oder besser vielleicht auch noch agieren könnte und schau mal was ich mir daraus holen kann auch in Workshops und Trainings. Dann ist man genau richtig bei uns! Mhm, gut zu wissen. Und jetzt ist ja so, viele kommen ja an die WU mit der Erfahrung: In der Schule hat lernen und vieles andere hier eigentlich ganz gut funktioniert.
Und dann beginnt das Studium und plötzlich ist alles anders. Was unterschätzen denn Studierende gerade am Anfang des Studiums vor allem beim Lernen am meisten? Ja. Meine Erfahrung ist durch die Gespräche auch vor allem in den Einzelcoachings, dass die große Umstellung vor allem in der Menge liegt und aber auch in der Selbstorganisation.
Ein Schulalltag ist sehr strukturiert, sehr vorgegeben. Ich kenne meistens die Lehrenden sehr gut. ich kenne meine Mitschülerinnen gut und kann mich da relativ sicher drin bewegen. Es muss noch nicht heißen, dass ich deswegen gut und leicht auch dort lerne. Aber es ist mal schon ein Vorteil, weil ich vielleicht auch das persönliche Gespräch suchen kann.
Und meistens aus meiner eigenen Erfahrung auch und meiner Schulkarriere sind die Mengen einfach viel kleiner auf die ich mich vorbereiten muss. Und das ist dann schon etwas wo viele sagen, boah, auf das war ich irgendwie nicht gefasst! Und wie gehe ich denn damit jetzt um? Und da fehlt es dann manchmal so wirklich an der Erfahrung im selbst regulierten Lernen.
Gar nicht mal so, dass ich nicht lernen kann. Aber wie gehe ich überhaupt damit um? Wo liegen meine Skills und das gut vorzubereiten? Und wie gehe Ich am besten damit um? Ja, also meistens ist meine Erfahrung, dass auch schon hier zwei Schritte zu weit begonnen wird. Man fängt halt mal an zu lernen und da merkt man das geht nicht so wie man sich das vorgestellt hat.
Auch nichts falsch dabei einmal überhaupt zu versuchen und zu schauen. Also so lernen wir ja auch dazu. Wenn wir dann aber innehalten und mal schauen, okay das funktioniert jetzt so nicht, und man sich selber in Frage stellt: Und was brauche ich anders? Dann ist es wunderbar. Sehr oft passiert das dann aber erst nach dem vielleicht zweiten oder sogar dritten Prüfungsantritt wo man sagt jetzt hat das noch immer nicht geklappt.
Und der erste Schritt beim Lernen ist schon mal zu schauen, was brauch denn ich? Wie kann das für mich jetzt funktionieren? Sich Tipps durchaus von anderen vielleicht auch zu holen die schon Erfahrungen gemacht haben. Sehr oft sehe aber, dass diese Tipps dann als die Wahrheit genommen werden und für mich so funktionieren müssen und das tun sie dann gar nicht.
Vielleicht bin ich jemand der ganz anders lernt; Oder sehr oft ist das tatsächlich der Fall. Wir lernen alle sehr unterschiedlich und brauchen unterschiedliche Dinge. Und da sich selber gut zu kennen, und zu wissen: Wie funktioniert denn mein Lernen auch für... Ich muss für ein mathematisches Fach sicher anders lernen als für einen Rechtsfach.
Oder habe ich jetzt eine Multiple-Choice Prüfung, oder habe ich eine Prüfung, wo ich wirklich schriftlich Fragen beantworten muss. Sind einfach andere Dinge. Oder noch mal vielleicht auch eine mündliche Prüfung. Und hier einfach auch durchaus geduldig mit sich zu sein, mal zu wissen auf was baue ich auf?
Und jeder und jeder baut auf etwas auf. Also wir lernen unser ganzes Leben. Also das ist nicht so dass dann... Auf einmal bin ich an der Uni und jetzt muss ich das alles neu machen sondern da gibt es ganz viele Ressourcen, entdecke ich auch immer. Aber die muss man mal sich bewusst machen und dahingehend dann wirklich mal geduldig sein und sagen: okay jetzt... Es geht weniger um diese Lerntechniken, von denen ich dann ganz viel höre wie die Pomodoro-Technik zum Beispiel.
Das sind gute Methoden, die können auch gut funktionieren, aber oft ist es dann mal: halt, stopp, zwei Schritte nach zurück und überhaupt mal rausfinden: Welche Struktur brauche ich? Wann lerne ich denn gut, wann sind meine Lernfenster am Tag. Wann brauche ich eher Pausenzeiten? Welche, welche Stile sind denn für mich gut?
Bin ich jemand die Musik zum lernen vielleicht sogar braucht, oder brauche ich totale Ruhe. Welche Lernumgebung ist die richtige? Und diese, dieses übergebaute Wissen über mich selbst, wie ich lerne, überhaupt mal das ernst zu nehmen, kennenzulernen oder sich bewusst zu werden. Und damit kann man schon wahnsinnig viel bewegen, eigentlich, im Lernprozess.
Ja voll! Da gibt es sehr viele Stellschrauben an dem jeder und jede einzeln drehen kann, und jetzt in diesem Zusammenhang wird ja auch viel von so Lerntypen und so gesprochen. Was ist da eigentlich dran? Die Lerntypen sind ein bisschen ein Mythos. Schon in meiner Schulzeit, und das liegt schon einige Jahrzehnte zurück, da auch schon gut etabliert gehabt.
Und hält sich noch immer dass wir alle, der oder die einer Typ sind visuell oder auditiv oder ja, und das hat sich nicht bewahrheitet. Also das ist wissenschaftlich nicht haltbar. Was wir vom heutigen Stand der Wissenschaft wissen ist, dass je mehr Sinne ich einbaue beim lernen desto besser. Und desto besser merkt, wird das abgespeichert und auch gemerkt und ins Langzeitgedächtnis transportiert.
Das heißt, es kann schon sein, dass ich etwas speziell präferiere und das kann aber auch einfach nur Gewohnheit sein und da zu experimentieren um mal zu schauen. Wie tue ich mir denn, wenn ich mir das laut vorsage? Oder wie geht es mir denn, wenn ich mir das zusammenfasse? Oder mit Karteikärtchen lernen.
Wie geht's mir wenn ich im Gespräch mit wem anderen lerne? Ich für mich habe jetzt erst herausgefunden, dass ich zum Beispiel wenn ich mir, Dokumentationen oder Wissensvideos anschaue, wesentlich leichter tue wenn da Untertitel dazu laufen. Also dieses Zuhören und Lesen ist eine sehr hilfreiche Kombi für mich beim Lernen.
Also, da kommt man dann immer wieder auf Sachen drauf, manchmal ist es gar nicht so nur das Sitzen sondern vielleicht muss ich mich bewegen und das auch kann wieder pro Fach- und pro Thema das ich lernen muss natürlich variieren, welche Sinne hier für mich greifen. Und jetzt speziell in Bezug auf WU-Lernstoff, WU Prüfungen.
Wie kann ich mich denn trotzdem – auch wenn das jetzt wieder individuell ist, aber wie kann ich wirklich mich am besten, wie und wann darauf vorbereiten? Ja, es ist ein sehr individueller Prozess. Ich hätte so gerne manchmal dieses Patentrezept, wo ich sagen kann genau so machst du's bitte! Aus meiner Erfahrung fangen sehr viele zu spät an zu lernen.
Eine gute Struktur und ein gutes Zeitmanagement ist beim Lernen ganz wesentlich. Eine gute Struktur wo ich weiß jeden Tag was kommt auf mich zu, wir Menschen sind Gewohnheitstiere, sagt man so schön und wenn ich ungefähr mich da auch eingetaktet habe, fällt das meistens wesentlich leichter. Das heißt hier auch rechtzeitig zu beginnen mit der Planung, die Planung nicht unbedingt von jetzt bis zur Prüfung zu machen sondern sich anzuschauen: Wann ist der Prüfungstermin? Was ist mein Stoff?
Die Menge, die ich zu lernen hab und vom Prüfungen weg zu planen in die Gegenwart und zu schauen, wann fange ich denn dann am besten an. Viele lernen rein in der Lernwoche. Das hat sich dann oft bewiesen, als das ist jetzt zu kurz oder da kommen nicht die Ergebnisse, halt, die ich mir wünsche. Also muss man noch nicht mal durchfallen.
Aber vielleicht wollte ich einfach bessere Note auch haben. Und auch dass auf Druck lernen – das ist natürlich verführerisch! Dass man sagt ich brauche diesen Druck, das höre ich ganz oft. Und das kann aber dazu führen, dass ich ohne diesen Druck das überhaupt nicht mehr schaffe. Und, dass erst wenn dieser Druck groß genug ist, ich zu lernen beginne und es richtig unangenehm sein muss. Dann wird natürlich lernen mit einem unangenehmen Druck verbunden und das hat halt dann oft eine Spirale die nicht hilfreich ist vor, allem wenn der Stoff immer mehr wird.
Oder ich auch sage: Hey, ich will das ja eigentlich nicht nur jetzt lernen, dass ich schnell durch bin durch die Prüfung, sondern ich möchte... Das baut ja auf im Studium. Also das ist ja Wissen, was ich mir ansammle, wovon dann vielleicht davon ausgegangen wird, eben dass sich das Wissen aus der STEOP ja dann später... Dass das sitzt oder auch wenn ich dann mich bewerbe.
Idealerweise ist mein Vorteil dann, dass ich hier Wissen habe, dass ich ganz flexibel und schnell abrufen kann. Und ein gutes Grundwissen hab das ich in meinen Job mitbringe. Das heißt, wenn ich jetzt nur auf schnell schnell lerne, dann wird es halt auch nicht langfristig abgespeichert. Das heißt hier wirklich mal zu schauen, dass ich ein gutes Zeitmanagement hab' und für die Prüfungen so lernen kann, dass ich idealerweise auch nicht zu viel mach jeden Tag, sondern wirklich auch gute Pausenzeiten habe.
Denn die braucht es auch – die gehören zum Lernprozess auch dazu – kann ich gerne auch erläutern inwiefern. Und dann noch aber da zu schauen, dass ich wirklich Zeit hab dieses Wissen auch nicht nur mal zu lernen, sondern auch wiederholen. Wiederholen wird sehr gerne ausgelassen. Ja, das glaube ich. Jetzt ist es natürlich trotzdem mal so, bei allem Zeitmanagement und dann gibt's natürlich trotzdem viele die auch noch nebenbei arbeiten, die mehrere Prüfungen parallel schreiben.
Hast du trotzdem Tipps? Wenn eben die Zeit dann knapp ist, was man da am besten machen kann um eben trotzdem noch so effektiv wie möglich zu lernen und die Prüfung dann gut zu überstehen? Ja, also ich glaube man muss sich immer bewusst machen, um was geht jetzt bei dieser Prüfung? Also das war auch in meinem Studium.
Ich habe nicht für jede Prüfungen gleich viel Zeit aufgewandt. Natürlich hört man auch: Die ist schwieriger, die braucht mehr Zeit. Es hat Prüfungen gegeben, für die habe ich über zwei Monate gelernt, einfach auch weil ich gewusst hab, ich arbeite daneben oder ich habe andere Verpflichtungen daneben und das geht sich sonst nicht aus. Also hier schon ein bisschen einen bewussten Blick zu haben.
Was braucht es dafür? Ist notwendig. Gleichzeitig hat es Prüfungen gegeben, wo ich gewusst habe – ist mir jetzt nicht so wichtig die Note! Da schaue ich einfach, dass ich durchkomme. Oder die ist leichter, diese Prüfung oder da hab' ich schon auch ein enormes Vorwissen weil ich in den Vorlesungen immer war und mitgeschrieben hab'.
Auch hier sind wir wieder bei diesen sogenannten Metakognitionen. Was weiß ich über mein Wissen? Wie kann ich das einsetzen? Das hilft natürlich, wenn ich dann kürzer Zeit habe. Und da dann auch zu fokussieren. Was glaube ich sind jetzt die wichtigsten Sachen, die ich lernen muss für diese Prüfung? Wo setze ich Prioritäten?
Wo kann ich etwas guten Gewissens vielleicht auch weglassen oder vielleicht auch schlechten Gewissens? Aber es muss jetzt sein, weil die Zeit fehlt. Da hilft's natürlich auch, wenn nicht den Stoff gut kenne oder zumindest weiß auf welchem Vorwissen ich aufbaue, dann kann ich mir das viel eher mal rausnehmen, auch mal auf Druck und kurzfristig für eine Prüfung zu lernen.
Genau, das Thema Druck hast du auch vorhin schon erwähnt, dass viele das gerne nutzen quasi, um zu sagen ich kann nur unter Druck und dann lerne ich besser. Was ist denn noch ein Grund warum viele eigentlich lernen so aufschieben, obwohl wir eigentlich genau wissen, dass wird das tun sollten? Ja, aufschieben ist halt was... Im Endeffekt lerntheoretisch ist es eine Konditionierung.
Also, wir haben uns das dann halt beigebracht, dass man lernt, oh, das ist jetzt irgendwie, diese Aufgabe fühlt sich gerade unangenehm an. Vielleicht auch gar nicht bewältigbar, gerade eben: Ich sehe so viel Stoff wo soll ich anfangen? Und dann sagt man vielleicht na hm, tendenziell sucht man sich ja Aufgaben die dann irgendwie vielleicht das rechtfertigen.
Ich muss noch schnell die Wohnung putzen und dann kann ich anfangen, wenn ich das gemacht habe, aber dann. Und dann fühlt sich das mal gut an. Dann fühlt es sich mal befreiend an, wenn ich kurz aufschiebe, oder auch länger, und dann ist das tendenziell ein Teufelskreis der sich dann gerne verstärkt. Aber angenehm ist es meistens dann trotzdem nicht, weil ich dann auch die Freizeit; erlebe ich dann oft, dass Studierende sagen: Ich habe dann so ein schlechtes Gewissen wenn ich was für mich mache.
Dann ist es aber weder Freizeit noch Arbeitszeit. Ich bekomme keine Energie Ich habe jetzt in einem Buch gelesen, da bezeichnet es ein Psychologe als Müllzeit. Weil es ist weder noch. Und wenn ich meine Freizeit, wo ich eigentlich Energie gewinnen sollte, mit schlechten Gewissen verbringe, dann bekomme hier keinen Mehrwert für meine Lernzeiten.
Den bekomme ich nur wenn die Freizeit entspannt ist und ich die genießen kann. Und Aufschieben ist im Endeffekt ein gelerntes Verhalten. Das kann auch wieder entlernt werden. Wir sind da, Gott sei Dank, total flexibel, es ist oft nicht leicht. Man muss gewisse Muster auch erkennen und sich selbst wieder gut kennen.
Aber das ist auch ein Thema wo wir Studierende regelmäßig begleiten und wo wir uns dann anschauen: was brauchst du jetzt damit du dieses Verhalten durchbrechen kannst? Tendenziell mal ein kleiner Tipp einfach mitgegeben: es sind oft dann kleine Lerneinheiten, wo ich mich nicht überfordere. Wo ich nicht sage, ich muss jetzt so dieses alles oder nichts Prinzip. Haben aufschiebende Menschen sehr gern.
Ich darf auch kleine Zeiteinheiten nutzen und ich fange mal nur zehn Minuten an und ich stelle mir diesen Wecker. Da wissen wir ja auch aus Studien, aus wissenschaftlichen, dass das eine sehr bewährte Strategie sein kann. Genau! Jetzt hast du da auch nochmal gesagt Strategie und vorhin hast du es gesagt mit diesem Druck, dass viele das brauchen, um gut lernen zu können und dass das aber eher dann Lernen mit etwas Negativen verbunden wird.
Aber viele die das sagen für die ist es ja dann eher positiv oder sagen: das ist Adrenalin, und deswegen ist das für sie gar nicht negativ besetzt. Wie gehst du damit um? Und was sagst du denen dann... Naja der erste Punkt wäre da mal auch zu schauen wenn das eh so positiv besetzt ist. Dann kann man das ja durchaus auch so planen, dann kann ich ja auch sagen, da fange ich einfach erst drei Tage vorher an.
Also es gibt auch wirklich solche Menschen die das machen können also ganz minimalistisch vorgehen und sagen was ist das Minimum dass ich leisten muss, dass ich da durchkomme? Ein Freund hat das bei mir in der Schule gemacht, er hatte immer sich ausgerechnet: wann muss ich die Mathe-Schularbeit, was muss ich gemacht haben, dass ich einen Vierer krieg und hat das immer abgegeben obwohl er mehr gekonnt hätte. Das war ihm Wurst.
Der hat das einfach ganz pragmatisch so gemacht, heute hat er eine sehr gute Position und es ist was geworden aus ihm im Leben. Aber da haben die Lehrer den Kopf geschüttelt weil das war für den Lehrer nicht nachvollziehbar und das ist total in Ordnung. Aber dann höre ich oft wenn ich sage na dann fang halt knapper vorher an ist doch total in Ordnung.
Nein das geht nicht. Dann ist es oft dann dieses, doch ich muss rechtzeitig anfangen und die Zeit davor, die Wochen oder Monate vielleicht sogar schon mit schlechten Gewissen gebracht. Dann ist das nicht positiv, dann ist es aufschieben. Wir reden uns die Sachen dann manchmal gern schön – Ich kenne das ja selber, und versuchen uns das dann selber gegenüber zu begründen und ich brauche diesen Druck und ohne den geht's nicht!
Und das glaube auch. Das haben wir dann so gelernt, aber angenehm ist es nicht. Und was glaubst du, warum haben gerade – jetzt gibt es ja an der WU – viele Studierende die doch sehr leistungsorientiert sind und auch dahingehend sehr viel Druck haben. Warum haben sie oft das Gefühl da trotzdem nicht genug zu sein?
Ich glaube einfach, weil das Thema Leistung hier wirklich sehr groß geschrieben wird. Das ist halt einfach eines... also über das definiert sich auch die WU. Wenn man so über die WU spricht nach außen, ist es auch schnell etwas was kommt, dass es hier ja durchaus ein hoher Leistungsdruck ist und ein Ellenbogen-Prinzip.
Das erlebe ich schon auch und dieses Feedback bekomme ich von vielen Studierenden. Viele sagen, so hätten sie es sich nicht erwartet, dass es dann doch in der Realität auch so ist. Und trotzdem glaube ich, dass man auch hier handlungsfähig ist und sehr entscheiden kann. Wie sehr gebe ich mich dem hin?
Ist das mein Weg den ich so gehen will, funktioniert es für mich, und hier mal zu hinterfragen was bedeutet Leistung für mich? Wann bin ich zufrieden? Wann geht's mir gut? Was möchte ich dann hier mit dem Studium erreichen? Also wir... Das ist immer sozusagen: Du darfst dir was lernen. Da geht es darum, dass du ... Du musst das noch nicht können!
Das ist ja das Ziel auch hier besser zu werden und Prüfungen sind mal auch ein Feedback und zu schauen, dass man sich verbessern kann und nicht das Ziel einfach nur Boxen abzuhacken gehen und so schnell wie möglich ECTS zu sammeln – das kann's für manche sein und das ist dann ja auch in Ordnung. Gleichzeitig hat hohe Leistung erbringen können, auch sehr viel mit Privilegien zu tun.
Muss ich daneben arbeiten? Komme ich aus einer Familie wo vielleicht sogar schon jemand hier studiert hat oder überhaupt einmal eine akademische Familie, wo ich Wissen über die akademische Welt schon habe – das sind ganz klare Startvorteile! Gegenüber First Generation Students, die wirklich die Ersten sind in ihrer Familie.
Die studieren und das kann eine Riesenhürde sein. Auch bin ich muttersprachlich Deutsch oder spreche ich eigentlich eine andere Sprache? Habe ich eine Beeinträchtigung vielleicht, die mir das Studium noch erschwert wie eine chronische Erkrankung oder vielleicht auch eine psychische Erkrankung also oder physische, also dass das sind alles Dinge nicht sozusagen, wo man nicht alle Studierenden in einen Top werfen kann und sagen kann jede Leistung ist gleich zu bewerten.
Manche müssen da für die gleiche Leistung wesentlich mehr auch leisten oder haben nicht auch die Zeit so viel zu lernen wie wenn ich nicht arbeiten muss oder weniger arbeiten muss. Und wir wissen einfach, die Mindeststudiendauer ist natürlich konzipiert unter den idealen Bedingungen, wenn ich Vollzeit mich voll auf das Studium fokussieren kann und das wird oft dann vergessen.
Und wir versuchen dann einfach auch für Studierende die hier einen sehr enormen Druck verspüren ein bisschen auch herauszufiltern: Was ist jetzt wichtig? Natürlich ist in erster Linie dann mal finanzielle Stabilität vielleicht wichtiger als dass ich hier immer einen Einser habe. Und dann habe ich halt einen Zweier, einen Dreier und vielleicht auch mal einen Vierer oder falle auch mal durch weil es einfach gerade nicht anders gegangen ist.
Ja du hast jetzt viele wichtige Punkte angesprochen, für sehr viele unterschiedliche Themen mir auch unterschiedliche Unterstützungsangebote. Die verlinken wir euch dann auch nochmal in den Show Notes. Was würdest du denn dann jetzt sagen? Wann... Wann ist denn der Punkt? Das jetzt muss ich jetzt nicht mehr alleine lösen sondern jetzt wäre es wirklich sinnvoll da mir Unterstützung zu suchen?
Also sobald wie möglich, würde ich sagen. Wenn ich merke, einfach, hier bin ich mir unsicher und weiß nicht... Oft ist das ja mal ein Gefühl vielleicht der Hilflosigkeit oder Überforderung wo man auch schaut wie machen es denn die anderen? Vielleicht auch ein bisschen Scham oder Angst... Das merkt, kennt glaube, ich jeder bei sich selber ganz gut.
Wenn man dann sagt: hey das ist so da und ich merke gerade nicht, dass ich die Orientierung hier habe und meinen Weg ganz sicher gehen kann, dann ist man bei uns auf jeden Fall richtig und kann mal anklopfen weil dann kann man schon rechtzeitig beginnen hier was vorzubauen. Also wir, auch wenn ich mir sicher bin und einfach meinen Weg reflektieren will, ist man bei uns richtig. Also, auch das haben wir schon immer wieder mal das Studierende kommen und sagen, eigentlich passt es eh.
Aber ich wollte trotzdem nochmal das einfach mit wem reflektieren und besprechen weil ich habe den Vortrag gehört oder ich war da bei dem Training. Und das ist auch super. Also wir unterstützen da einfach jede und jeden ganz individuell an dem Punkt wo's passend ist. Aber viele kommen natürlich dann wenn es kritisch ist, vielleicht auch vor einem letzten Prüfungsantritt und da wäre es schon besser vielleicht nach dem zweiten Prüfungsantritt zu kommen.
Und was sind so typische Themen mit den Studierende zu euch kommen, die so am häufigsten vielleicht auch auftreten, wenn man das sagen kann? Sehr oft... Also kommen sie mit Themen, die dann in der... Also sozusagen mal die oberflächlichen Themen sind und dann geht es vielleicht um ganz etwas anderes.
Aber Motivationsthemen, Stressthemen schon auch die Lernthemen, wo man sagt da stecke ich fest, Prüfungsängste sind sehr groß, aber auch eben Zeitmanagement-Themen. Das sind, würde ich mal sagen momentan zu die häufigsten Themen mit denen sich Studierende an uns wenden aber das variiert auch immer ein bisschen.
Jetzt hast du auch noch ein glaube ich sehr präsentes Thema angesprochen: Prüfungsangst. Das tritt glaube ich auch ziemlich häufig auf. Was würdest du da sagen, wenn es wirklich die Prüfung vor der Tür steht und die Nervosität so richtig kickt. Hast du da vielleicht noch ein Tipp was man dann konkret tun kann damit der Stress mich nicht komplett blockiert und ich trotzdem in der Lage bin dann die Prüfung zu schreiben.
Ja, also wir im Student Counciling haben einen sehr ganzheitlichen Zugang. Das heißt, natürlich arbeiten wir über Gespräche aber wir arbeiten auch sehr stark mit dem Körper, dem Nervensystem weil ich zum Beispiel auch eine Embodiment Ausbildung habe oder auch meine Kollegin, die Daniela. Und da versuchen wir Studierenden dann Übungen mitzugeben, weil die Erfahrung gezeigt hat wenn ich nervös bin über Gedanken, dass ich mir dann denk: boah, jetzt beruhige dich mal das funktioniert vielleicht ganz am Anfang noch irgendwie wenn die Nervosität klein ist aber je mehr die wird, desto schwieriger wird es. Und Nervosität und das Nervensystem zu beruhigen über spezielle Körperübungen.
Das funktioniert aus unserer Sicht sehr gut. Und dann sind auch Studierende nicht irgendwie abhängig, dass sie da mit uns reden sondern Sie haben dann selber was in der Hand und können dann die Übungen die für sie passend sind, und auch wieder hier gibt es Übungen, wo muss man mal rausfinden. Was passt denn zu mir?
Was fühlt sich gut an? Für sich selber dann vor Prüfungen machen, in Lernphasen machen, idealerweise einfach in den Alltag integrieren, weil je ausgeglichener mein Nervensystem ist desto weniger ist es schnell, sozusagen, im Alarmmodus. Genau und jetzt war ich noch... Zum Abschluss. Du begleitest ja Studierende schon ziemlich lange, gibt es etwas was du immer wieder beobachtest bei dem du dir so denkst, das würde ich ihnen eigentlich gerne noch viel früher sagen.
Im Endeffekt würde ich wirklich empfehlen nicht auf die Motivation zu warten, etwas zu tun, sondern wirklich einfach eine gute Struktur zu schaffen und anzufangen damit. Dieser Mythos: ja, ich muss mal warten bis die Motivation groß genug ist, dann geht das schon. Tendenziell kommt Motivation wirklich im Tun und nicht eben im Warten darauf.
Okay das sind nochmal ein gutes Schlusswort. Und ganz am Abschluss machen wir noch kurz eine kurze Frage, schnelle Antwort. Die größte Lernlüge die WU Studierenden glauben? Dass ich keine Pausen brauche und acht Stunden in der Bib sitzen kann um effektiv zu lernen! Was machen erfolgreiche WU-Studierende aus deiner Sicht anders?
Sie haben eine gute Struktur und sie warten nicht auf den perfekten Lernmoment. Sie nützen wahrscheinlich auch kleine Zeit-Phasen und Fenster um zu lernen. Und was ist wichtiger: Motivation oder Routine? Routine. Dein persönlicher Bitte-macht-das-nicht- Tipp fürs Studium? Keine ordentliche Freizeit und Pausenkultur zu haben, weil wie schon gesagt ohne Pausen habe ich keine Energie zu lernen.
Eine Sache die jeder Studierende vor der ersten Prüfung wissen sollte: Tausch dich mit anderen aus. Wie schon auch vorher gesagt hol dir Input und Inspiration aber find deinen eigenen Weg damit du wirklich dich ganz persönlich auf die Prüfung vorbereiten kannst, weil es so individuell ist wie dein Lernstil aussieht.
Was ist für dich dein persönlicher WU-Hack? Ja der ist vielleicht ganz anders. Ich finde wenn man das erste Mal an die WU kommt... Ich bin jetzt in meinem sechsten Jahr an der WU, dann kann die wu manchmal durchaus auch sehr beeindruckend und vielleicht auch ein bisschen distanziert wirken. Und man traut sich dann vielleicht nicht so schnell auf die anderen Menschen zuzugehen, auch weil hier natürlich alles sehr professionell mal wirkt.
Und meine Erfahrung ist: je offener und authentischer und vielleicht auch neugierig ich auf andere zugehe, desto mehr kommt das zurück. Desto vielfältiger sind die Menschen, die ich kennenlerne und mit denen ich mich austauschen kann – diese Gemeinschaft kann eine enorme Ressource sein! Und wenn man sich vielleicht hier schwer tut und sagt, ich tue mir nicht so leicht jetzt auf andere zuzugehen.
Dann wirklich die Angebote der WU nutzen wo ich andere kennen lernen kann, gerade als Erstsemestrige. Ja danke dir! Ich würde sagen das war jetzt nochmal ein gutes Schlusswort. Und auch Christine vielen vielen lieben Dank dass du heute da warst und uns nochmal bisschen genauer erklärt hast was so hinter effektiven Lernmotivationen und dem Umgang mit Druck steckt.
Sehr gerne und vielen Dank. Es hat Spaß gemacht, mein erster Podcast! Ja, danke schön. Vielleicht sehen wir dich dann noch mal in einer anderen Folge? Und ansonsten danke dass ihr auch heute wieder reingehört habt. Alle wichtigen Infos und Links zur Folge findet ihr wie immer in den Show Notes. Das war es mit how to wu für heute bis in zwei Wochen zur nächsten Folge.