HSV, wir müssen reden – der Fussball-Talk

HSV-Finanzvorstand erklärt neue Transferziele

Freitag, 7. Februar 2025 · 25 min

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Shownotes

HSV-Finanzvorstand Eric Huwer im großen Interview auf der Spobis 2025. Was sind die finanziellen Herausforderungen für den HSV in der Zukunft? Wie sieht die finanzielle Planung für die nächsten Jahre aus? Antworten gibt es im exklusiven Podcast mit Eric Huwer. Jetzt reinhören!

#Podcast #Spobis 2025 #Eric Huwer # HSV #Bundesliga

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HSV, wir müssen reden. Der Abendblatt-Podcast rund um den Hamburger Sportverein. Schreibt der HSV nach drei positiven Jahresabschlüssen erstmals wieder rote Zahlen? Darüber wollen wir heute sprechen und mit keinem geringeren als Erik Huber, dem Vorstand für Finanzen, Organisation, Personal und Recht.

Bevor wir allerdings auf die Finanzen kommen, möchte ich einmal wissen, warum seid ihr am Montag und Dienstag in Soltau? Gut recherchiert. In der Tat ist das eine interne Veranstaltung. Das machen wir jetzt zum zweiten Mal. Wir haben das früher auch immer mal wieder gemacht, dann eher in einem halben oder externen Tag.

Am Ende gehen wir in diesem Jahr mit ausgewählten Führungskräften, mit Personen, die einen wesentlichen Anteil an dem strategischen Weg des HSV mitzugehen haben, raus. Wir sperren uns zwei Tage ein, schauen wo stehen wir, wo stehen wir auf dem Weg, den wir vor zwei Jahren eingeschlagen haben. Wo sind wir besser, wo sind wir schlechter, wo haben wir noch nachzujustieren und was erwartet uns die nächsten drei Jahre.

Und es ist so ein bisschen das Kick-Off, nicht nur für die Rückrunde, sondern vielmehr fürs Kalenderjahr. Wir werden dann auch nochmal von externer Unterstützung den ein oder anderen Impuls bekommen. Es ist auch ein Teambuilding-Event, also es hat auch eine soziale Komponente, aber es wird im Kern geht es um die Überprüfung der Ziele im strategischen Bereich des HSV gehen.

Gemeinsam mit allen, mit Stefan zusammen, mit sportlich Verantwortlichen, mit Merchandising, mit den kommerziellen Bereichen, mit den fangkulturellen Bereichen, alles was zum HSV dazugehört. Also auf Direktorenebene wird die Geschäftsstelle dann in Soltau zusammenkommen zu einer zweitägigen Klausurtagung.

Kannst du das noch ein bisschen konkreter formulieren? Du sagst, es geht dann um eure Ausrichtung, um eure Ziele. Wo wollt ihr hin mit dem HSV? Was konkret werdet ihr besprechen? Wir haben vor zwei Jahren unseren Führungskräften natürlich gesagt, wo wollen wir mit unserem Dampfer denn eigentlich hin?

Wenn du weißt, wo du hin willst, dann weißt du auch effektiv deine Arbeit einzusetzen. Den Weg haben wir klar aufgezeigt, unabhängig von kurzfristigen Tabellenplatzierungen oder auch mal verpassten sportlichen Saisonzielen. Da haben wir eine klare Ausrichtung für uns formuliert. Das müssen wir auch nicht so ausprobieren.

So laut nach außen kommunizieren. Du weißt, ich bin ein Freund von Gesagt, getan und es bringt dann auch nichts, dann jede Woche die Zielsetzung über drei bis fünf Jahre mal nach einer Niederlage um die Ohren geknallt zu bekommen. Unsere Führungskräfte wissen, wo wir hinwollen und da gibt es unterschiedliche Handlungsfelder und die überprüfen wir, auch zahlenbasiert, haben wir unsere Wachstumsziele erreicht und wo haben wir noch nachzujustieren.

Also wir gehen durch alle Bereiche durch und überprüfen, was haben wir uns zum Ziel gesetzt, wurde das eingehalten, wo können wir noch besser werden. Also Status Quo und Ausblick. Dann ist es für Stefan das erste Mal. Von daher wird er auch nochmal den gehörigen Anteil dazu beitragen, seine Sicht der Dinge.

Aber er identifiziert sie sehr mit unserem Weg, aber bringt da auch nochmal eine andere Perspektive rein. Da freue ich mich besonders drauf. Im speziellen Bereich der Zahlen passt ja die Wachstumsquote beim HSV, würde ich jetzt von außen sagen. Im Sponsoring habt ihr nochmal bei den exklusiven Top-Partnern die Einnahmen um 2 Millionen steigern können in dieser Saison.

Im Merchandising auf der jüngst verkündeten Bilanz wurden Rekordwerte präsentiert. Du hast letztlich mit deinen Ressorts gerade Merchandising, Sponsoring, aber auch Ticketing die Grundlage dafür gelegt, dass jetzt im Winter der HSV noch einmal richtig die Muskeln spielen lassen konnte auf dem Transfermarkt.

Mit Abu Bakr Sumahoro und Alexander Rössing-Lelizid wurden etwas weniger als 5 Millionen im Gesamtpaket ausgegeben. Macht dich das ein Stück weit stolz, dass du zum einen die beiden Spieler auch schon aussprechen kannst und zum anderen aber die finanzielle Grundlage für die Transfers geschaffen hast?

Nein, Stolz ist der falsche Begriff. Also auch dazu nochmal zur Einordnung. Wir haben es geschafft, ohne die Spieler zumindest mal die letzten zwei Wochen auf Platz 1 zu verbringen. Und wir haben einen sehr guten Kader, wie ich finde, da sind wir uns einig. Auch Merlin und Leuk haben jetzt nochmal eine andere Energie in der Mannschaft entfacht.

Wir sind aus unserer Sicht inhaltlich da auf einem guten Weg und jetzt gab es Opportunitäten. Also wir haben jetzt am Anfang bekanntermaßen nicht gesagt, wir werden jetzt noch, du hast ja noch mehr Bude vergessen, als Leihgeschäft mit Kaufoptionen. Wir haben gesagt, wir müssen nicht, aber wenn uns was auf die Füße fällt und das meine ich sehr demütig, weil unser Scouting hat.

Wirklich Überstunden abgeschrubbt, das war ein intensives Transferfenster. Wenn wir was haben, wo wir eine totale Überzeugung haben, dann wollen wir jetzt agieren. Und das ist so ein Stück weit das auch, was ich versuche immer wieder zu predigen, nicht aus der Not zu handeln, sondern wir treffen bessere, auch in allen Bereichen, bessere Entscheidungen, wenn wir agieren können, wenn wir nicht reagieren, sondern wenn wir sagen, wir machen die Dinge, bevor sie dringend werden.

Und das sind jetzt einfach die zwei genannten Spieler, sind natürlich schon Vorgriffe auf unsere Zielsetzung. Die Jungs sind sehr, sehr jung. Wenn wir an die absoluten Top-Talente rankommen wollen, mit allen Unsicherheiten, die damit verbunden sind in der Entwicklung, dann müssen wir früher dran sein als früher.

Also wenn die Spieler die Entwicklung nehmen, die wir uns von ihnen erhoffen, dann können wir sie uns in zwei, drei Jahren nicht mehr leisten. Aber dann wollen wir auch nicht gesagt bekommen, warum wart ihr denn nicht früher dran. Das ist schon ein sehr anderer Weg, den wir jetzt beschreiten, mit den höheren Risiken.

Natürlich wäre es einfacher, in erfahrenen 26-Jährigen gestandenen Zweitliga-Profil zu verpflichten. Wir haben aber Teil unserer Strategie, über die wir auch nächste Woche eingehend sprechen, ist das Thema Kaderwertentwicklung. Und da geht es dann auch um Profile. Es geht um Profile, wo wir eine höhere Wahrscheinlichkeit sehen, dass die die Entwicklung nehmen, die wir uns erhoffen.

Und die Profile werden durch die zwei oder auch drei Kandidaten vollends erfüllt, ohne dass wir natürlich wissen, was passiert. Was passiert kulturell, was passiert sprachlich? Wie finden sich die Jungs das erste Mal außerhalb ihrer Heimat in Hamburg ein? Es sind schon sehr viele unsichere Parameter, die geben wir aber sehenden Auges und ganz bewusst mit einer absoluten Überzeugung ein.

Und eins kann ich sagen, ich habe Stefan und Klaus zu den Transfers gratuliert. Sie hatten 100 Prozent Rückendeckung. Auch Merlin kam zu mir und hat versucht. Dann auch mich nochmal davon zu überzeugen, von dem inhaltlichen Mehrwert, den wir in den Spielern mittel- bis langfristig sehen, das war aber gar nicht so notwendig, weil die Kollegen da schon ganz gute Vorarbeit geleistet haben.

Und deswegen, ich freue mich sehr auf die Spieler und ich freue mich, wenn wir sie das erste Mal im Fox-Buck-Stadion auflaufen sehen. Ja, da freuen sich einige Fans sicherlich auch. Ihr habt immer gesagt, dass ihr diese Saison auch bereit seid, durch nachhaltige Transfers, wie du sie gerade beschrieben hast, dann auch ein Stück weit ins finanzielle Risiko, will ich es nicht nennen, aber zumindest mal auch rote Zahlen in Kauf zu nehmen, nachdem ihr ja in den vergangenen zwei Jahren zusammengerechnet roundabout etwas unter 10 Millionen an Gewinn erwirtschaftet habt.

Ich habe es eingangs schon angeteasert. Wissen sich die Fans oder die Mitglieder erstmals in dieser Saison auf rote Zahlen nach drei positiven Jahresabschlüssen in Folge einstellen oder in welche Richtung geht die Bilanz in dieser Saison? Es kommt erst mal darauf an, wie das Saisonziel erreicht oder nicht erreicht wird.

Also ob wir aufsteigen oder nicht, das ist schon mal ein wesentlicher Effekt. Aber es ist jetzt Anfang Februar, es ist noch ein Stück weit zu früh für Prognosen abzugeben. Aber keine Sorge, wir wissen, wo wir hinsteuern. Also wir könnten auch Zahlen im Forecast kommunizieren. Die Finanzabteilung ist qualifiziert genug aus den Jahren zuvor.

Und natürlich machen wir auch die Basis dieser Transferentscheidung. Das ist erstmal die finanzielle Solidität, die Liquiditätsausstattung. Und wir haben es schon sehr bewusst eingegangen, weil wir auch der Überzeugung sind, dass wir das Geld wiedersehen. Also wir gehen bei den Transfers davon aus, dass es nicht verbraucht wird, sondern dass ein Vorgriff und auch jetzt ganz finanziell ganz trocken gesprochen ist, auch eine gute Anlage und eine gute Anlage in die Zukunft.

Aber, und das gehört zum HSV auch dazu, das müssen wir auch lernen, da brauchen wir ein bisschen Zeit für. Also die Jungs mit den Profilen, da müssen wir ein bisschen Erwartungsmanagement betreiben. Der eine Junge ist jetzt gerade 18 geworden, Alexander. Dem begleiten wir, dem geben wir ausreichend Zeit. Und früher hieß es immer, wenn der nicht im ersten halben Jahr einsteigt, dann ist das Umfeld in Hamburg zu unruhig.

Wir trauen uns das dieses Mal zu und gehen es ganz bewusst ein. Und da hoffen wir auch auf eure mediale Unterstützung und Geduld mit den Kerls, dass die Jungs sich hier erstmal akklimatisieren können und dann perspektivisch, dass wir da viel Freude mit ihnen haben. Ich möchte trotzdem nochmal nachhaken bei dem Thema Zahlen und Jahresabschlüsse.

Alexander Werle saß gestern hier vom VfB Stuttgart und meinte, er wird eines der besten Ergebnisse der Vereinsgeschichte präsentieren. Du kannst jetzt nachlegen und zumindest mal andeuten, ist denn eine schwarze Null noch möglich für den HSV in dieser Saison, trotz der Transferausgaben? Ja, für Alex ist das mit dem Champions League Rucksack ganz gut zu kommunizieren.

Alex macht einen überragenden Job in Stuttgart. Da sieht man auch mal, wie sich Geschichten entwickeln können. Wir haben sie leider in der Relegation nach dem Brottschritt. Emotional einen absoluten Tiefpunkt in Sandhausen. Hat Stuttgart auch ein unmögliches Spiel, ich weiß es noch, gegen Hoffenheim nur unentschieden gespielt.

Ansonsten hätten wir einen anderen Gegner, aus meiner Sicht den machbareren Gegner damals, bekommen. So haben wir eine sehr, sehr starke Stuttgarter Mannschaft bekommen, die danach in die Vize-Deutscher Meister wird. Champions League spielt, Heidenheim geht in die Konferenz League. Wir kennen das Thema.

Das ist auch Fußball, das macht es auch irgendwie aus, auch wenn wir jetzt gerade auf der falschen Seite der Medaille uns befinden. Wir sehen aber, dass wir grundsätzlich in unserem Arbeiten gar nicht so weit weg sind. Wir brauchen ein bisschen Fortun, das wollen wir auch erzwingen. Und was den Ausblick anbelangt, ausgeschlossen ist das nicht.

Aber diese positiven Jahresergebnisse sind nicht Selbstzweck. Wir wollen nachhaltig erfolgreich sein und denken über ein singuläres Jahresergebnis hinaus. Im Mehrjahresvergleich muss die Balance stimmen. Wenn wir jetzt dieses Mal mal rot werden, nächstes Jahr mal wieder positiv, damit kann ich mich sehr gut arrangieren, weil wir Werte geschaffen haben und wir wollen auch ins Risiko gehen, weil das größte Risiko ist, wenn wir nicht ins Risiko gehen.

Wir haben ambitionierte Ziele und die wollen wir erreichen. Dementsprechend gehört das Thema mit Sicht dann auch mal das eine oder andere unternehmerische Handeln oder das eine oder andere unternehmerische Risiko in Kauf zu nehmen. Das gehört einfach dazu. Und das haben wir so kommuniziert und das gesagt, getan. Das machen wir jetzt auch.

Ambitionierte Ziele hatte der HSV jetzt auch bei der gerade abgeschlossenen TV-Geldverteilung. Ich habe Alex Werle vom VfB gerade schon angesprochen. Der hat da die gleiche Linie eigentlich vertreten wie der HSV. Er hätte sich auch eine signifikante Erhöhung der Säule Interesse gewünscht. Die bleibt jetzt aber bei drei Prozent, auch wenn innerhalb dieser drei Prozent eine leichte Modifizierung stattgefunden hat.

Also zum Beispiel werden die Mitglieder zahlen und auch die Reichweite im TV wird ein bisschen berücksichtigt. Aber es kommt nicht wirklich mehr Geld bei rum, muss man am Ende sagen. Warum hat sich diese eigentlich ja simple und aus meiner Sicht auch total nachvollziehbare Argumentation des HSV und auch Schalke und Köln und auch der VfB Stuttgart und Hertha BSC, also die großen Traditionsclubs, nicht durchgesetzt?

Sprich, warum ist es nicht alleine ausschlaggebend, dass die Einschaltquote und die Abo-Verkäufe der TV-Sender darüber entscheiden, wie deren Geld für die TV-Rechtevergabe eingesetzt wird? Da bin ich der falsche Adressat für die Frage. Aber du hast ja mitgekriegt, welche Antworten du bekommen hast, warum deine Sichtweise sich nicht durchgesetzt hat.

Ja, genau, um es zu relativieren, am Ende ist der Liga-Verband auch ein demokratisches Konstrukt. Und da gibt es halt Clubs, die nicht die Mitgliederzahlen aufweisen, die nicht die Pay-TV-Abos abschließen, die aber für sich proklamieren, dass sie mit wenig Mitteln sehr viel sportlichen Erfolg erzielen, abgelesen an Tabellenplatzierungen und die sagen, auch das brauchen wir und es wurde auch der Vorwurf jetzt nicht in unsere Richtung, aber zu dem einen oder anderen größeren Klub.

Geäußert, dass man damit auch etwaige Managementfehler der Vergangenheit nicht kaschieren sollte. Ich finde tatsächlich, ich habe keine Verlautbarung von einem Liga-Kollegen gehört, die nicht eine gewisse Berechtigung haben und ich verstehe auch jeden Klubverantwortlichen. Und deswegen war unser Appell, dass wir mal über diese klubopportunistischen Positionen, die antizipierbar sind, die bekannt sind, dass wir es mal schaffen, darüber hinweg zu gehen.

Und deswegen hatte ich ja auch vorgeschlagen, dass wir erstmal über die Verteilungsdebatte reden, bevor wir über die Vermarktungsdebatte sprechen. Das war aufgrund der Kurzfristigkeit im letzten Jahr und mit all den Themen, mit denen sich das Präsidium und die DFL-Geschäftsführung auseinandergesetzt hat, anscheinend nicht möglich. Es hieß immer, wir wollen auch das Fell des Bären erst verteilen, wenn es erlegt ist.

Ich glaube, das hätten wir uns intellektuell als Liga durchaus zutrauen können, unabhängig davon, was am Ende mit Sky, De Son und Co. erzielt wird. War jetzt aber nicht so, kurzfristig war das Ergebnis für mich tatsächlich so erwartbar. Wir wollten als HSV doch mal nur einen Impuls geben, dass wir jetzt schon darüber sprechen, was passiert denn in vier Jahren.

Weil ich glaube, wir alle als Klub sind da ein Stück weit Unbefangene. Meine Position als Verantwortlicher des HSV ist für die Kollegen natürlich eine Fokussierung auf das Thema Interesse. Und ich möchte auch gar nicht so sehr auf das Thema Tradition aufsetzen, sondern wir haben uns faktenbasiert angeschaut, wie läuft es denn in anderen Ligen.

England, Frankreich, Spanien, Italien, Top-Ligen und da haben wir dann schon festgestellt, dass wir da eher bei 20 plus in dem Bereich sind, was das Thema TV-Abonnenten, Zuschauerzahlen usw. Anbelangt. So weit wollten wir ja gar nicht gehen. Unser Vorschlag beinhaltete, dass wir sagen, wie auch immer man das bemisst, an Mitgliederzahlen, an TV-Reichwein, an Abos, an Umfragen, dass wir diese Säule so langsam wachsen lassen Richtung 10%.

Denn uns ging es viel mehr um einen besonderen Topf, den wir mit 5% deklariert haben, für das Thema Innovation. Wir als Clubs, wenn wir das Thema Bundesliga als Elite-Liga weiter verstehen wollen, müssen wir als Clubs nicht mit dem Finger Richtung Präsidium, nicht Richtung DFL-Geschäftsstelle zeigen und sagen, Mensch, Solidarität und wir würden jetzt auch mal gerne ein Stück vom Corona abbekommen.

Nein, wir haben alle die Pflicht, unseren Beitrag dazu zu leisten, dass das Elite-Produkt Bundesliga weiterhin so einzigartig bleibt. Und ich glaube, dass wir zukünftig den Pay-TV-Sendern, ob in der Eigen- oder Fremdvermarktung, zukünftig müssen wir mehr Zugänge schaffen, mehr Formate schaffen, mehr Inhalte, Neudeutsch-Content liefern.

Und da sollten wir uns über innovativere Ansätze Gedanken machen. Auch das Thema Internationalisierung gehört dazu. Die Engländer bewegen sich mehr als wir Deutschen. Und das ist aus meiner Sicht, sollte es mehr als nur nice to have sein. Da stehen wir dann auch gerne zur Verfügung, mehr zu machen. Wir tun auch jetzt schon mehr. Wir würden uns wünschen, dass das inzentiviert wird.

Das Liga-Präsidium hat jetzt auch signalisiert, dass wir jetzt einen Prozess anstoßen werden. Und da sind wir gerne ein aktiver Teil davon, wie wir uns auch die Fragen stellen, wie sieht denn die Vision aus? Was wollen wir denn mit dem TV-Geld überhaupt erreichen? Der eine oder andere Klub hat gesagt, wir müssen aufpassen, dass wir Missmanagement verhindern. Das ist ja die EFL da vielleicht auch eine klare Strategie beim Thema TV-Geldverteilung, aber auch, was wollen wir mit dem Geld erreichen?

Du hast ja gerade ein bisschen geschildert, wohin man sich in vier Jahren hinbewegen könnte. Ja, wir als Ligaverband, als Verbund der 36 Klubs, sind dazu aufgefordert, diese strategische Klarheit deutlicher herauszuarbeiten. Der Minimalkonsens ist der größte Gegner und hindert uns dabei, diese Strahlkraft der Bundesliga so auszuleben, wie es möglich ist.

Wir haben zuletzt dann auch Aussagen gehört, dass wir gesagt haben, ja, es ist der größtmögliche kleine gemeinsame Nenner. Da werde ich dann immer hellhörig und das macht mir Sorge. Wir brauchen Klarheit in der Positionierung, auch unsere Fans, die sollen wissen, wofür wir stehen und was mit uns nicht zu machen ist.

Und das müssen wir für die Bundesliga auch nochmal besser herausarbeiten. Und die Regulierungsthemen, sage ich auch, wir brauchen auch mehr Regulierung in der Bundesliga. Wir haben immer mehr Multiclub-Ownerships, ich bin großer Gegner davon. Wir müssen Kaderkosten regulieren, Kadergrößen regulieren.

Da arbeiten wir auch dran. Da bin ich selber auch Teil einer Arbeitsgruppe. Da hoffe ich, dass wir das auch hinbekommen, dass wir diese unkontrollierten Finanzströme auch unterjährig hinbekommen. Das ist eine wichtige Debatte. TV-Geld ist nochmal eine andere. Und da gebe ich dir vollkommen recht. Wir als Klub sind dazu aufgefordert, zum einen mehr zu machen und auch deutlich klarer unsere Strategie und den Weg des Wohins.

Damit haben wir heute angefangen. Wo wollen wir denn hin, auszuarbeiten? Und dann auch ergebnisoffen zu schauen, wie wir das TV-Geld dafür nutzen können, um diese Ziele zu erreichen. Ich hatte gestern Michael Diederich, den stellvertretenden Vorstandschef vom FC Bayern hier, Alexander Werler auch und Aki Watzke hat auf der großen Bühne was gesagt zum Thema TV-Geldverteilung.

Diederich sagte, die Sichtweise des HSV und auch Schalke 04 sei nicht konsens- und nicht kompromissfähig. Und Aki Watzke sagte, dass gemessen an der Marktkapitalisierung der zweiten Bundesliga ist diese Verteilung 80-20 Prozent, also 80 Prozent der 1,121 Milliarden Euro pro Saison gehen an die Bundesligisten und 20 Prozent an die Zweitligisten.

Gemessen an der Marktkapitalisierung sei das ja schon eigentlich mehr, als man erwarten könnte. Geht dieses Argument nicht eigentlich völlig am Thema vorbei? Weil der rechte Inhaber, der das Geld ja letztlich zahlt, den interessiert ja eigentlich nur, wie kriege ich das Geld wieder rein? Also durch welche Einnahmen kann ich die Ausgaben wieder kompensieren?

Und das hat ja eigentlich nichts mit der Marktkapitalisierung zu tun, oder? Er bezieht sich, glaube ich, auf die erzielten Preise, die man für das Zweitliga-Paket bekommen hat. Die zweite Liga hat man im Wesentlichen als ganzheitliches Paket geschnürt. Mit der zweiten Liga assoziiert man Sky, die auch aus meiner Sicht ein sehr gutes Produkt anbieten. Dann hat man noch das Free-TV-Paket für das Samstagabendspiel.

Da ist es natürlich auch schwer, für andere Player reinzukommen. Bei der ersten Liga sind die Pakete dann nochmal unterschiedlich gestrickt. Und das wissen die Rechteverwerter am besten, wie man da die besten Preise erzielt. Es ist auch antizipierbar, dass ich da Aki Watzke in dem Punkt natürlich nicht hundertprozentig zustimme, weil unsere Reichweiten sagen auch nochmal was anderes.

Die Frage ist aber, deswegen gilt es da zu relativieren, was ist denn die zweite Liga? Ist die zweite Liga HSV Köln? Ist die zweite Liga vielleicht ein anderes Spiel? Also auch die zweite Liga ist ja dann sehr, sehr heterogen. Ich möchte auch gar nicht so mich mit der Zweitliga-Vermarktung in der Zukunft auseinandersetzen, weil das wiederum nicht zu unseren strategischen Zielsetzungen dann auch in aller Offenheit gehört.

Wenn es heißt, die HSV-Position ist nicht konsensfähig, Die HSV-Position ist nicht vergleichbar mit der Schalke-Position. Unsere Position ist, wir appellieren dazu, dass wir frühzeitig, bevor es dringend wird, dazu sprechen, was ist denn für alle das Beste, um die Attraktivität der Liga zu erhöhen. Und dann geben wir alles mit.

Und wenn es auch am Ende des Tages, wenn wir nicht der größte Befürworter sind, sondern wir müssen uns doch mal überlegen, was erhöht die Attraktivität der Bundesliga? Was macht den gesamten Kuchen größer? Aber wenn der gesamte Kuchen größer ist, dann relativieren sich auch diese Grabenkämpfe. Und die Frage müssen wir uns mal beantworten.

Macht nachher FC Bayern, indem wir FC Bayern nach vorne pushen, der natürlich international das Zug fährt, ist noch viel, viel mehr als Borussia Dortmund und vor dem Rest sowieso. Brauchen wir europäische Titel vom FC Bayern? Brauchen wir eine maximale Wettbewerbsstärkung, sprich viel mehr Ausgeglichenheit, dass die Schere weniger auseinander geht?

Was wird es am Ende sein? Und da müssen wir auch die Frage uns beantworten, was für eine Liga wollen wir sein? Wollen wir eigentlich unsere Themen, unsere USPs, unsere starke Fankultur, diese ausverkauften Stadien, wollen wir die stärken? Dann müssen wir in die Mitglieder starken Klubs gehen und müssen auch den Klubs, die jetzt neu in den Ligaverband kommen, ihnen müssen wir Anreize setzen, dass wir sagen, ihr bekommt irgendwann auch mehr TV-Geld, wenn ihr dafür sorgt, dass eure Stadien voll seien. Wenn ihr in die Fankultur investiert.

Bei uns, auch wenn der eine oder andere das außerhalb von Hamburg meint, also die 57.000 Menschen jeden Samstag, die kommen bei uns jetzt nicht in Hamburg, weil ihnen sonst nicht einfällt, was sie zu tun haben. Sondern wir müssen dafür auch richtig hart arbeiten. Wir investieren in die Kommunikationsabteilung, wir investieren vor allen Dingen in die Fankultur.

Wir haben eine der größten Fanabteilungen in ganz Deutschland. Und auch die Kollegen arbeiten nicht umsonst. Und alles, was wir da machen, investieren wir mit einer totalen Überzeugung. Und am Ende des Tages macht das TV-Geld bei uns 13 Prozent aus. Damit sind wir nicht zufrieden. Man kann natürlich sagen, wir haben es selber in der Hand, dann sportlich aufsteigen. Ja, das machen wir.

Die sportliche Platzierung soll auch immer ausschlaggebend sein. Wir sagen halt nur, diese anderen Faktoren, ausverkaufte Stadien, Magenreichweite, verkaufte Abos, weil am Ende muss Sky, The Zone und wie sie alle heißen, müssen die Party zahlen. Und die refinanzieren sich über die verkauften Abos. Und dann, glaube ich, liegt die Kausalität nahe, die du eben auch unterstellt hast. Und die Diskussion werden wir ja die nächsten vier Jahre führen.

Und die ist leichter zu führen, wenn die Clubfunktionäre jetzt gerade nicht aktuell auf ihre Tabellenplatzierung schauen, gucken, was bedeutet das am Ende für mich. Weil so ist die aktuelle Debatte geführt worden. Sind die Positionen, hat jeder seine Excel ausgerechnet? Wie viel Geld bekomme ich? Ah, ist gut für mich, bin ich dafür, ist nicht gut für mich, bin ich dagegen.

Also die intellektuelle Übung und auch diese strategische Perspektive, die traue ich meinen Kollegen und uns auch zu, dass wir uns jetzt Gedanken machen, was ist für die Zukunft in vier, fünf, sechs Jahren für die Liga das Beste und dann machen wir das. Wir müssen leider zum Ende kommen. Eine Abschlussfrage habe ich aber noch.

Du hast gerade gesagt, knapp 13 Prozent macht das TV-Geld beim HSV aus. Bei anderen Klubs sind es teilweise bis zu 30 Prozent. Das heißt, man ist unabhängiger vom TV-Geld als andere Vereine, indem man es einfach geschafft hat, andere Erlösfelder zu finden. Ein Erlösfeld fehlt vielleicht aktuell noch, das ist das Namensrecht am Stadion.

Kannst du uns da einmal abholen, gibt es da ein Update, findet in der Verhandlung im Hintergrund statt und gibt es vielleicht sogar einen konkreten Zeitplan, wann das Namensrecht am Volksparkstadion wieder verkauft wird. Die Emanzipation von einzelnen Lösarten ist mir ganz, ganz wichtig. Ich komme ja auch aus einer Zeit, 2020 haben 13 Klubs im April nach Corona gesagt, sie sind insolvent, wenn wir jetzt weiter keinen Spielbetrieb haben, also wenn kein TV-Geld fließt in zwei Monaten.

Wir gehörten da nicht dazu und ich fand das auch ein schlimmes Bild, was wir als Bundesliga nach außen abgegeben haben. Damals war das Wort Demut noch ein bisschen mehr en vogue wie jetzt. Ich habe das Gefühl, das vergessen wir immer wieder schnell. Deswegen diese Emanzipation von einzelnen Erlösarten, weil Sky, The Zone und Co. sind jetzt nicht hoch profitabel.

Auf die müssen wir eben auch aufpassen. Und dementsprechend macht es aus meiner Sicht auch da, was die Inzentivierung anbelangt, Sinn, dass wir die Clubs dazu aufrufen, nicht nur 30 Prozent. Zum Teil haben wir Clubs, die 50 Prozent ihrer Erlöse aus dem TV-Geld erzielen. Wenn da mal einer in die Knie geht, wird es wieder eng. Stichwort Kirchkrise und so weiter.

Also das ist wirklich ein vorderstes Ziel. Was das Thema weiterer Lösarten, ich wollte die Frage nicht vermeiden. Anbelangt, wir führen Gespräche, auch da sagen wir ohne Not, es ist Teil unserer Strategie, weil wir können weniger in die Mannschaft investieren aufgrund der Tatsache und inzwischen sind wir auch der Meinung, was wir in die Mannschaft investieren, bekommen wir auch zurück, wir würden da gerne mehr machen.

Wir machen es aber nur mit einem Partner, der 100% zur DNA passt, zur Identität des HSV passt. Und das ist in dem Kontext jetzt eine aktuelle Hürde. Wir haben Interessenten, bisher hat es noch nicht gepasst und wir werden es dann frühzeitig kommunizieren, falls was spruchreich ist. Ein Podcast von Funke Weitere Podcasts vom Hamburger Abendblatt finden Sie in unserer Abendblatt-Podcast-App und auf abendblatt.de slash podcast Musik.

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