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HSV, wir müssen reden – der Fussball-Talk

Selke, Polzin, Aufstiegsangst: Martin Harnik analysiert die HSV-Lage

Mittwoch, 30. April 2025 · 45 min

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Shownotes

Über den Sommer 2020 will Martin Harnik nicht so gerne sprechen. Verständlich, schließlich war der verpasste Aufstieg mit dem HSV eines der "schmerzhaftesten Erlebnisse" seiner Karriere. Die Hamburger hatten im Saisonendspurt gleich mehrere Spiele in der Nachspielzeit verloren. "Wir wurden zu unruhig", sagt Harnik fünf Jahre später im Abendblatt-Podcast "HSV - wir müssen reden". Der 37-Jährige, der selbst noch für die TuS Dassendorf in der Oberliga spielt, kann sich daher gut hineinversetzen in die aktuelle Lage beim HSV. "Ich weiß, was in den Spielern gerade vor sich geht", sagt Harnik über die aktuellen Protagonisten, die kurz vor dem großen Ziel plötzlich mit den Nerven kämpfen. Trotzdem glaubt Harnik weiterhin, dass es der HSV in dieser Saison schafft. "Es ist nicht nur der HSV, der jetzt irgendwie wankt in diesem Moment. Der HSV ist nicht alleine mit seiner Drucksituation."
Aus seiner eigenen Erfahrung kann Harnik berichten, dass es in dieser Phase vor allem darum geht, den Kopf auszublenden und sich auf die eigenen Stärken zu besinnen. Von besonderen Maßnahmen hält Harnik nichts. "Da sage ich sogar eher das Gegenteil. Gib den Jungs Abstand, gebt den Jungs Zeit. Da brauchst du jetzt nicht noch etwas draufpacken und erzwingen. Ich würde eher sagen, kriegt den Kopf frei", sagt Harnik.
Was der frühere Profi von Werder Bremen, dem VfB Stuttgart, Hannover 96 und dem HSV über Trainer Merlin Polzin denkt, warum er in den letzten Spielen immer auf Davie Selke setzen würde und wie er den Vertragspoker mit dem Mittelstürmer des HSV bewertet, hören Sie in der aktuellen Podcast-Folge.
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HSV, wir müssen reden. Der Abendblatt-Podcast rund um den Hamburger Sportverein. Die Angst ist zurück beim HSV, das große Flattern ist wieder da. Darüber wollen und müssen wir heute sprechen in einer neuen Folge von HSV, wir müssen reden. Mein Name ist Henrik Jakobs und mit wem könnte ich besser über das Flattern sprechen, als mit einem der zwei Köpfe von Flatterball, dem Fußball-Podcast mit Max Kruse und mit Martin Harnik.

Und der ist mir heute zugeschaltet. Moin Martin, schön, dass du dabei bist. Henrik, moin. Ja, danke für die Einladung. Sehr gerne. Was macht denn eure aktuelle Podcast-Flatterei? Wann gibt es die nächste Folge zu hören? Ja, die nächste Folge oder die neueste Folge gibt es immer donnerstags. Also dementsprechend werden wir heute Mittwoch auf, dementsprechend morgen wieder zu hören.

Und ja, da gibt es natürlich jetzt im Saison-Einsspurt auch einige Themen, über die auch wir sprechen. Genau, unter anderem auch der HSV. Ihr habt ja letzte Woche auch schon euch einige Minuten dem HSV gewidmet. Damals war es das 2 zu 2 gegen Schalke, über das ihr gesprochen habt. Beziehungsweise ja auch der letzte Trend der vergangenen Wochen davor mit der Niederlage in Braunschweig.

Trotzdem hast du gesagt, habe ich mir nochmal reingehört, dass du der Meinung bist, der HSV wird es schaffen, weil sie stabil genug sind. Den Eindruck haben sie auf dich gemacht. Jetzt kam das Spiel gegen den Karlsruher SC noch dazu, wo sie wirklich alles andere als einen stabilen Eindruck gemacht haben. Wirst du trotzdem bei deiner Aussage bleiben?

Ja, ich bleibe trotzdem bei meiner Aussage, weil natürlich auch das obere Drittel dieser zweiten Liga ähnliche Probleme hat. Also es ist nicht nur der HSV, der jetzt irgendwie in diesem Monat gewankt hat, sondern auch die Kölner haben jetzt gegen Hannover verloren. Elversberg-Paderborn haben sich die Punkte gegenseitig genommen.

Düsseldorf hat nur unentschieden gespielt. Also da gibt es ja wirklich einige, Kaiserslautern hat zwar mal wieder gewonnen, aber auch da liegen die Nerven ja im Grunde genommen schon blank mit der Trainerentlassung. Also es ist schon eine verrückte zweite Liga in diesem Jahr, mal brauche ich euch ja nicht erzählen, ihr seid ja auch alle up to date.

Und das ist einfach auf der einen Seite total spannend und natürlich auch total. Anstrengend als Spieler, sag ich jetzt mal, als HSV-Spieler zu wissen, okay, der siebte Platz ist nur vier Punkte von mir entfernt. Auf der anderen Seite ist es natürlich auch eine riesen Chance und auch gut zu wissen, dass es noch für viele Mannschaften noch um so viel geht, weil das Schlimmste ist eigentlich, gegen Mannschaften zu spielen, die blöd gesagt nichts mehr zu verlieren oder zu gewinnen haben.

Die spielen befreit auf, da ist es egal, ob sie das Spiel gewinnen oder ob sie unentschieden spielen oder halt auch verlieren, weil die Saison irgendwie schon durch ist, zwei, drei Spieltage vor Schluss und dann sind sie am gefährlichsten. Und das ist der große Vorteil, dass es für diese ganzen Mannschaften da oben einfach noch um so viel geht und das habe ich ja auch in der letzten Folge mit Max besprochen.

Das muss man sich ja auch als Spieler jetzt einfach ins Gedächtnis rufen, der HSV ist nicht alleine mit seiner Drucksituation, sondern da sind im Grunde genommen noch sieben Mannschaften mit in der Verlosung und auch die alle haben etwas zu verlieren oder drohen etwas nicht gewinnen zu können. Jetzt war es am Wochenende aber so, dass der Druck eigentlich gar nicht so groß war für den HSV, sondern es war eigentlich vielmehr eine riesige Chance, weil die Konkurrenz hat reihenweise gepatzt und hatte die Möglichkeit, dann bis auf sechs Punkte davon zu ziehen.

Also echt ein Matchball im Prinzip schon. Klar, Matchball ist natürlich auch immer ein besonderer Moment, wo dann nochmal die Nerven etwas flattern. Trotzdem, man hatte so die Stimmung eigentlich dann auch im Stadion gespürt vor dem Spiel, dann noch mit der Vertragsverlängerung. Da gab es nochmal so eine richtige Energie, die dazukam und man hatte eigentlich gedacht, okay, jetzt macht der HSV das klar.

Und dann wurden sie wirklich dann von Minute zu Minute immer nervöser. Hast du eine Erklärung dafür, weil es eigentlich noch gar nicht so diese Spitz-auf-Knopf-Situation war? Ja, du sagst es gerade, es war ja eine Chance und der Druck war ja dann gar nicht so groß, weil die anderen Mannschaften gefühlt von HSV gespielt haben.

Das ist natürlich Quatsch, weil ich habe es auch da, auch darüber haben Max und ich natürlich geredet. Wenn du diesen Spieltag siehst und ich sage mal, diese Mannschaften hinter dir gewinnen alle, kommen auf ein Punkt, auf zwei Punkte, wie auch immer, an dich heran, dann sprechen wir über, der HSV hat Druck, der HSV muss jetzt, um sich irgendwie wieder diese Punkte zu holen.

Jetzt haben diese Mannschaften für den HSV gespielt und der HSV hat auf einmal eine riesen Chance, im Grunde einen vorentscheidenden Sieg zusammen hätten sie dieses Spiel gewonnen. Da machen wir uns nichts vor. dann wären sie drei Spiele vor Schluss sechs Punkte auf den Relikats-Brußplatz vorgewiesen.

Das wäre schon mit einem Fuß erste Liga und das weiß natürlich jeder Spieler auch und natürlich weiß dann jeder Spieler, ey, Und dann kommen wir wieder nicht am Ende zu dem Thema, wir müssen dieses Spiel gewinnen, um uns einen Vorsprung zu verschaffen. Oder wir müssen dieses Spiel gewinnen, um den alten Abstand wieder herzustellen.

Also es ist wieder automatisch Druck da. Also das ist unabhängig davon, wie die Mannschaften dahinter oder drumherum spielen. Und das ist auch gleichzeitig wieder das Schöne, dass man wirklich diese Phrase raushauen kann, wir schauen nur auf uns. Der HSV muss nur auf sich schauen, muss seine Hausaufgaben machen.

Der Riesenvorteil ist, man ist drei Spieltage vor Schluss, hat man es in der eigenen Hand. Wenn man seine Spiele gewinnt, dann ist man aufgestiegen. Dann ist es egal, was drumherum passiert. Wäre man jetzt Vierter, Fünfter oder Sechster, dann ist man ja wieder abhängig von den Mannschaften davor. Und da sehe ich eigentlich den Vorteil.

Nichtsdestotrotz ist es eine super stressige Situation. Dieser Stress, den hat man den HSVern angemerkt im Spiel gegen den KSC. Exemplarisch ist natürlich dieses Gegentor. Das passiert ja halt auch nur, wenn du unter Stress stehst. Wenn du kurzatmig bist, wenn du hektisch bist, das war ja dieses Hilf mir kurz, welche beiden Spieler haben sich da gegenseitig gestört?

Also Mikkel Bronzies will zum Ball, spielt ihn dann im Prinzip direkt den anderen vor die Füße. Ich glaube dann Hatzika Dunic und El Fatli, meine ich, waren in der Mitte. Dann muss Vanizek einfach nur den Ball hinschieben. Richtig und diese Hektik ist im Grunde Ja, das ist das Ergebnis von Druck. Also diese Situation hätten die Jungs ganz anders geklärt oder würden sie im Training ganz anders klären, würden sie in einem Freundschaftsspiel ganz anders klären und würden sie in einer anderen Saisonphase ganz anders klären.

Und das spiegelt sich wieder und ich weiß nicht, wie die Stimmung im Stadion war, ich war selber nicht vor Ort, aber ich war ja beim Heimspiel gegen Braunschweig, war ich mal als Besucher im Stadion und da habe ich schon gemerkt, dass Pfiff in der Halbzeit und diese Stimmungsschwankungen auf der Tribüne, Und das soll auch gar nicht bedeuten, dass der Support schlecht ist, also mich falsch verstehen, aber das spürt man natürlich als Spieler.

Man spürt auch diese Aufregung, man spürt diese Nervosität, man spürt dieses Zweifeln auf den Rängen, das überträgt sich. Und da brauchst du halt ein extrem dickes Fell, da brauchst du jetzt in dieser Phase ein super Mindset und natürlich auch, und da muss ich dir einfach in die Verantwortung nehmen, du brauchst natürlich jetzt auch ein Trainerteam, was den Jungs einfach auch Mut.

Zuspricht, was den Jungs Selbstbewusstsein überträgt, wo du einfach sagst, wo du einfach siehst, ey, habt keine Angst vor Fehlern, habt keine Angst vor Fehlern, traut euch, euer Spiel durchzuziehen, ihr seid die besseren Spieler, sofern ihr euer Potenzial abruft, das seid ihr einfach in dieser Liga und.

Macht es, macht es Und das ist natürlich dann am Ende auch die Königsdisziplin, in solchen Drucksituationen immer noch Verantwortung zu übernehmen, Bälle zu fordern, anspielbar zu sein, auch im Grunde genommen Fehler in Kauf zu nehmen. Darum geht's. Ja, du hast ja selbst in deiner Fußballkarriere nicht alles, aber sehr, sehr viel erlebt von Aufstiegen über Abstiegen.

Hast gerade auch schon gesagt, was so eine Mannschaft jetzt braucht. Geht das allein mit Worten und gut zureden oder liegt es am Ende dann doch irgendwie auch an jedem Spieler selbst, diese Verantwortung zu übernehmen, irgendwie diesen Stress handeln zu können mit sich selbst auch? Ja, also natürlich, die Basis ist der Spieler selbst. Wie sehr kommt er damit klar?

Wie sehr macht er sich auch selbst den Druck? Also das ist dann ja auch meistens der Druck, der von innen herauskommt, die eigenen Ansprüche, die einen da ja dann auch leiten und dann ja auch in so einem Spiel ja auch total schwanken. Also typisch als Stürmer, wenn du in der ersten Minute so ein Kullertor reinmachst, dann fällt schon mal ein Riesenrucksack ab und du spielst auf einmal befreiter, du kannst eine vergebene Chance besser verkraften, du kannst auch mal einen schlechten Pass oder sowas besser verkraften, als wenn du irgendwie erstmal immer deiner Pflicht hinterherläufst.

Und natürlich beginnt das bei den Spielern, aber es ist auch da natürlich auch eine Frage des Coachings und das ist jetzt natürlich von meiner Position her relativ leicht gesagt, aber wenn ich diesen Jungs im Training natürlich auch einen Plan an die Hand gebe und davon bin ich überzeugt, dass sie das bekommen, dann, Da muss ich das natürlich auch einfach weiter fördern.

Ich muss das in die Köpfe rein prügeln, wie sie spielen sollen, was sie können. Und das halt immer wieder fordern, fordern, fordern. Und dann sind es irgendwann auch, und dann ist es auch irgendwann ein Automatismus. Dann weiß ich einfach als Spieler, okay, wenn ich diesen Ball verliere, okay, dann ist es so, dann holt ihn ein anderer für mich wieder.

Aber ich zeige mich trotzdem weiterhin. Und ja, das ist einfach erklärt, Aber natürlich dann auch super schwer umzusetzen, weil am Ende jeder dran glaubt. Du hast das Trainerteam gerade schon angesprochen. Das ist ja noch sehr jung, also von Merlin Polzin mit 34 Jahren über Louis Kvawet, 32, Richard Krohn, 29.

Du hast ja auch in deiner Karriere viele verschiedene Trainer gehabt, gerade in diesen Situationen kurz vor Schluss. Was würdest du sagen, welche Trainer haben dir da am meisten geholfen? Eher dann doch der Typ Huub Stevens mit seiner Erfahrung, mit seinen vielleicht Psychotricks dann auch oder einfach ein Trainer mit so einer Energie, die auch Merlin Polzin dann ja seinen Spielern vermitteln kann.

Ja, also am Ende des Tages ist es, glaube ich, gar nicht so entscheidend, wie viel Erfahrung da jetzt ein Trainer mitbringt und was er vielleicht alles schon erlebt hat. Natürlich ist ein Typ Stevens eine absolute Koryphäe und er hat unglaublich viel erlebt, aber ich bin mir gar nicht sicher, ob er, als ich ihn in Stuttgart hatte, ob er schon so viel über sich, über einen Abstiegskampf auskannte.

Und am Ende des Tages ist es dann ja auch die eigene Erfahrung. Also ich weiß halt zu 100 Prozent, was diese Jungs gerade denken. Ich weiß, was sie für Erwartungen haben. Ich weiß, was für Bilder sie sich ausmalen, wenn sie dieses Ziel endlich erreichen. Also auch diese positiven Dinge, diese Freude und wie großartig das für diese ganze Stadt wäre.

Und wir alle reden drüber, wir beide reden jetzt drüber, jeder schreibt drüber. Jeder lächst danach, in dieser Stadt wieder aufzusteigen und das weiß doch auch jeder Spieler. Und diese Gedanken und diese Erwartungen und diese Hoffnungen, die sind natürlich auch belastend. Das ist einfach so und da tut es natürlich gut, sich in diese Situation hineinversetzen zu können oder halt diese Gedanken der Spieler verstehen zu können und vielleicht auch ein Stück weit darauf einzuwirken.

Also wenn ich jetzt in dieser Kabine wäre, ich würde die Jungs natürlich zu mir an die Seite nehmen und würde den quasi so ein bisschen aus der Seele sprechen können, weil ich genau weiß, was die jetzt fühlen. Ich weiß genau, wie es ist, da zu stehen, für diesen Verein aufzulaufen, diese Hoffnung der halben Stadt im Grunde genommen zu spüren und dieses Ding über die Ziellinie zu bringen.

Also das ist einfach super, super speziell und unglaublich. Ohne jetzt, ich will jetzt nicht die ganze Zeit mich beklagen oder jammern, aber das ist natürlich auch geil und dafür wechselt man dann auch zum HSV, weil wenn man dann dieses Ziel erreicht, das ist natürlich dann großartig und wahrscheinlich ein unbeschreibliches Gefühl.

Du bist ja wahrscheinlich auch deswegen zum HSV gewechselt, 2019, damals unter Dieter Hecking, um dann diesen Aufstieg mit dem HSV zu erreichen. Auch in deiner Zeit hat es nicht geklappt, wenn du mal so zurückblickst auf deine unterschiedlichen Momente in der Karriere, was würdest du sagen, wo hast du so den größten Stress erlebt?

Waren das dann so Momente wie beim HSV kurz vor Schluss in Heidenheim oder war es vielleicht dann irgendwann mal ein Elfmeter, den du in einem besonderen Moment schießen musstest? Ja, erzähl doch mal, woran du dich erinnerst, wo du wirklich so richtig Stress gespürt hast. Ja, den größten Stress habe ich dann eigentlich nach den Spielen oder zwischen den Spielen eigentlich verspürt.

Also im Spiel bist du dann eigentlich so voller Adrenalin und so im Tunnel, dass du da einfach nur versuchst zu funktionieren und ja eigentlich auch ein Stück weit funktionierst. Also mal besser, mal schlechter logischerweise, aber du kannst ja Fußball spielen. Den Stress habe ich eigentlich drüber rum erlebt und natürlich war der Abstiegskampf und dann am Ende auch der Abstieg in Stuttgart war sehr einprägend, weil einfach natürlich unglaublich viel auch auf mich persönlich eingeprasselt ist und man da schon eine sehr, sehr große Niederlage in dem Moment verkraften muss oder verarbeiten muss.

Und selbstverständlich kommt dann auch der Nichtaufstieg im HSV dazu. Das war ja leider dann auch einer der beiden Corona-Jahre. Wo dann im Stadion halt leider nichts los war und einfach an so einem Ziel, an so einer Mission am Ende zu scheitern, das ist einfach, das ist schmerzhaft, das ist total schmerzhaft und ist dann einfach Stress drumherum, weil wenn du im Stadion bist, dann bist du da halt in deinem Film, aber wenn du dann zu Hause bist und ja, dann die Leute triffst oder die Nachbarn oder beim Einkaufen, egal was und du siehst einfach diese, ja, im Grunde genommen diese, in gewisser Weise diese Enttäuschung oder halt einfach auch einfach nur die Tatsache, dass sich die Leute damit beschäftigen,

dann ist das. Dann, ja, ist das schon, macht das schon was mit dir. Was hast du denn dann in solchen Momenten gemacht, wenn du nervös warst, wenn du Stress hattest, vielleicht sogar Angst? Hast du in deiner Karriere mit einem Mentalcoach zusammengearbeitet oder hattest du so deine eigenen Methoden, die du dann gefunden hast, auch über die Jahre?

Oder musstest du dann auch einfach durch, durch diese Phasen? Also in erster Linie, klar, ganz ausblenden kannst du es nie. Und das ist ja auch ein Grund, weswegen man dann am Ende auch Profi ist und Profi geworden ist, weil man halt auch solche Situationen dann ein Stück weit verarbeiten kann und damit umgehen kann.

Also es gibt viele talentierte Fußballer, die können das nicht. Die haben dann einfach nicht die mentale Stärke, um dann halt auch solche schwierigen Phasen, solche Drucksituationen oder halt auch Rückschläge irgendwie zu verarbeiten und dann weiterzumachen oder noch besser zu werden. Aber ich habe natürlich versucht einfach mal den Kopf freizubekommen ich habe mich dann aus der Öffentlichkeit so ein bisschen zurückgezogen, habe dann eher den Spaziergang mit den Hunden gewählt oder habe Zeit natürlich mit meiner Familie verbracht, weil da Fußball dann nicht immer Thema Nummer eins war, heute würde ich sagen golfen also weil es einfach ein super Ausgleich ist, um den Kopf freizubekommen da macht man sich einfach andere Gedanken und das ist glaube ich jeder,

der da draußen zuhört der hat ja im Alltag Stresssituationen, ob im Job, in der Familie. Wo auch immer, ob im Sport, dann tut es einfach gut, auf andere Gedanken zu kommen und das ist glaube ich dann wichtig, dass man für sich etwas findet, wo man, Einfach nicht über dieses Thema nachdenkt. Und ich habe jetzt Golfsport für mich entdeckt.

Der andere macht es vielleicht bei einem schwierigen Puzzle oder malt oder keine Ahnung, macht einen Spaziergang. Also da gibt es ja ganz viele Wege und es gibt eigentlich nur den richtigen für einen selbst. Man kann natürlich in solchen Phasen dann auch nochmal überlegen, ob man als Team irgendwas macht, irgendwelche Maßnahmen, wie du schon sagst, ob man vielleicht sogar zusammen als Mannschaft nochmal golfen geht oder sich einfach zusammensetzt in die Kabine und sich nochmal alles ins Gesicht sagt, um alles im Prinzip auszusprechen auch.

Was würdest du sagen, könnte dem HSV da vielleicht helfen in so einer Phase? Oder sagst du, nee, das bringt nichts. Jetzt geht es darum, gut zu trainieren, sich gut vorzubereiten, einen Plan zu entwickeln für den Gegner und sich eher an den Inhalten orientieren? Ja, also natürlich ist Training und Vorbereitung das A und O.

Durch Vorbereitung bekommst du Sicherheit. Und das meine ich ja, wenn du eine Spielidee hast Oder wenn du jetzt zum Beispiel sagst, okay, meine Sechser oder meine Mittelfeldspieler fordern mir zu wenig den Ball gerade, weil sie vielleicht Sorge haben, Fehler zu machen, dann trainiere ich das. Dann fordere ich das eiskalt ein und lasse sie auch im Training, versuche sie natürlich zu stressen, dass ich ihnen einfach dann auch das Gefühl gebe, ey, kein Problem, guck mal, du verlierst den Ball, aber dein Innenverteidiger hat ihn für dich wiedergeholt.

So, das wird im Spiel vorkommen, also diese Stresssituation im Grunde kannst du auch sportlich simulieren, natürlich nicht im Kopf, weil du hast dann nicht diese Drucksituation und wenn ein Tor draus fällt, dann ist es halt nur ein Trainingstor, aber Vorbereitung, Ist immer Sicherheit. Zu dem anderen Thema, Mannschaftsabend.

Keine Ahnung, Kurztrainingslager oder was auch immer es da für Maßnahmen gibt, halte ich gar nichts von, weil da sage ich sogar eher das Gegenteil. Gib den Jungs Abstand, gib den Jungs Zeit und wenn die Bock haben, was zusammen zu machen, dann machen die eh was zusammen. Wenn die Freunde sind, wenn die zusammen vielleicht auch einen Kurztrip nach London machen oder was auch immer, also weil sie gerade die Zeit dazu haben, dann sollen die das tun.

Aber da brauchst du jetzt im Grunde genommen nicht noch was draufpacken und da zwingen, weil am Ende ist es auch wieder genau das, jeder Spieler weiß, okay, das ist jetzt eine Maßnahme, weil wir eine besondere Situation haben. Also eigentlich schürst du damit nochmal dieses Gefühl von Druck und von Wichtigkeit, wenn du besondere Maßnahmen ergreifst.

Also ich würde eher das Gegenteil machen. Ich würde eher sagen, nehmt euch Zeit, habt mal ein bisschen Abstand, kriegt den Kopf frei. Wie gesagt, jeder auf seine Art und Weise. Und wenn wir dann auf dem Platz stehen, dann holen wir uns die Sicherheit über geiles Training. Genau, und wenn du dich jetzt mal hineinversetzt in Merlin Polzin als Trainer, wenn du dir vorstellst, du müsstest jetzt auch dann die Taktik entwickeln, was würdest du jetzt sagen, dieser Phase ist da wichtig, weil die Mannschaft kann es ja, die hat es ja wirklich in der Rückrunde auch mehrfach gezeigt, dass sie eine große Qualität hat und andere Teams dominieren kann, davon war jetzt zuletzt gar nichts mehr zu spüren.

Würdest du sagen, da hilft es jetzt eher ein bisschen einfacher wieder Fußball zu spielen, so ein bisschen mehr zu den Basics zu kommen, vielleicht jetzt nicht zu viele taktische Ideen entwickeln, sondern erstmal einfach spielen, sicherstellen, über Zweikämpfe kommen? Ich maße mir jetzt nicht an, aus der Ferne Merlin Trainingsinhalte zu empfehlen oder taktische Tipps zu geben.

Ich kann nur sagen, ich würde der Mannschaft da auch voll vertrauen und Vertrauen in die Qualität haben. Und diese Qualität in der zweiten Liga ist beim HSV sehr, sehr hoch. Und darauf würde ich mich fokussieren. Ich würde mich darauf fokussieren, okay, worin bin ich denn gut? Ich bin doch gut im Ballbesitzfußball, ich bin gut im Spielaufbau, ich habe eine unglaublich starke Offensive, die will ich immer wieder ins Spiel bringen. Ich will einen Dompeh immer wieder ins Dribbling haben.

Ich will einen Königsdörfer immer wieder in die Tiefe schicken. Ich will einen Selke und einen Glatzel immer wieder mit Flanken füttern. Das ist doch das, was ich am Ende haben will, wo ich ja die große Stärke beim HSV sehe. Und ich habe zum Beispiel den Neuer Fernandes, den ich quasi mehr oder weniger als Libero einsetzen kann, weil das einfach ein überragender Fußballer ist.

Auch das, ich konzentriere mich auf meine Stärken und davon hat der HSV eine Menge, gerade in dieser Liga und das fördere ich, das fördere ich, darauf setze ich und da hat man ja so ein bisschen das Gefühl, dass diese Stärken gerade so ein bisschen verloren gehen aufgrund dieser besonderen Situation und da muss ich als Trainer ansetzen.

Das muss ich sagen, das ist meine Aufgabe als Trainerteam, zu sagen, ich fördere diese Stärken meiner Mannschaft, diese einzelnen Spieler, ich gebe ihnen das Vertrauen, ich trainiere mit ihnen das Selbstbewusstsein, weiterhin in diese Stärken auch einzusetzen. Und wenn es das entgegenkommen ist, das Fordern der Bälle von einem Reiß, wenn es weiterhin die 1 gegen 1 Situation ist auf dem Flügel von Dom P, auch der, ich meine, wie viele Dribblings macht der und wie oft bleibt der hängen oder es steht nichts draus oder der Ball geht ins Aus.

Das war immer egal, weil man wusste es passiert was und es kommt was aber jetzt ist es natürlich auch so wenn es jetzt passiert, dann, kommt das Stöhnen oder das Raunen viel, viel schneller auf den Rängen und das muss man weiter und das muss weitergehen und das muss man immer wieder sagen mach weiter, mach weiter, mach weiter lass dich nicht unterkriegen, du hast unser, vollstes Vertrauen, wir stehen zu 100% hinter dir und auch deine Mitspieler tun das weil deine Drittlings brauchen wir und wenn du den Ball verlierst, dann holen wir ihn für dich wieder und dann kriegst du ihn wieder und dann machst du den nächsten Anlauf. So und.

Ja, das würde ich im Grunde genommen, machen. Ich will nicht zu sehr eine Altenwunde bohren, aber in deiner Saison beim HSV, jetzt mache ich es trotzdem, hatte die auch Qualität. Ihr hattet am Ende keine Zuschauer mehr, aber ihr hattet schon auch richtig gute Einzelspieler und habt aber in dieser letzten Saisonphase wirklich ja unfassbare Last-Minute-Gegentore bekommen.

Also das ging ja wirklich über drei, vier Spiele, an die ich mich erinnere, wo ihr in der Nachspielzeit dann noch so einen richtigen Killer habt noch schlucken müssen. Dann gab es dann dieses Spiel in Heidenheim und am Ende dann dieses 1 zu 5 in Sandhausen. In dieser letzten Phase, hattet ihr da dann doch irgendwann Kopfproblem nach diesen ganzen späten Gegentoren?

Ja, das ist eine sehr gute Frage. Ich kann das ehrlicherweise nur sehr subjektiv beantworten, weil ich mir natürlich auch diese Saison nicht mehr oft angeguckt habe, wie du dir das vorstellen kannst. Und mein subjektives Gefühl so viele Jahre später sagt mir ehrlicherweise, dass wir so die letzten 10-15 Minuten auf den Kopf verloren haben, dass wir da dann einfach nur noch den Ball von unserem Tor fernhalten wollten dass wir irgendwie diese Zeit rumbringen wollten, um diese Punkte dann zu sichern und dadurch hat sich unser Spiel verändert, dadurch haben wir genau das nicht mehr getan, wir haben nicht mehr Fußball gespielt, wir haben uns nicht mehr die Bälle abgeholt wir waren nicht mehr im Ballbesitz, sondern haben im Grunde genommen den Gegner

dann immer wieder leicht den Ball gegeben Und haben dann versucht zu verteidigen, was dann aber gar nicht so in dem Sinne unsere große Stärke war, sondern unsere große Stärke war, wie du sagst, wir hatten eine Qualität, wir hatten großartige Spiele auf dem Platz, die ballsicher sind, aber haben uns eigentlich quasi diese Stärke selbst genommen, indem wir unser Spiel einfach nicht mehr gespielt haben und das ist so ein gutes Beispiel dafür.

Dass auch da der HSV heute weiter sein Spiel durchziehen muss. Egal, ob man 2-1 hinten liegt gegen den KSC oder ob man 1-0 oder 2-0 führt. Das ist ja auch immer so ein Phänomen, dass, wenn man ein Tor schießt, auf einmal nicht mehr so zielstrebig ist. Man fällt auf einmal tiefer und hat das Gefühl, okay, jetzt habe ich was zu verlieren. Auch das ist ja eine reine Kopfsache.

Man ist ja nicht auf einmal schlechter geworden, weil man führt. Und das ist auch so eine Sache, das ist halt, also wenn ich mich selber zuhöre, dann klingt das irgendwie alles so simpel und einfach, das ist es natürlich alles nicht, aber das ist halt Dinge, daran muss man arbeiten und das ist halt, einfach dieses Training, Training, Training, das bedeutet nicht, man muss dreimal am Tag trainieren, aber es bedeutet, man muss im Training genau diese Automatismen, genau diese Sicherheit, muss man sich immer wiederholen und man muss viele Fehler machen.

Und es ist ja auch immer noch ein Gegner mit dabei, also Also jetzt der Karlsruher SC, jeder geht dann davon aus, dass der SVB halt einfach mal schlägt. Aber das ist auch eine gute Zweitliga-Mannschaft. Die können jetzt auch nochmal auf Platz drei kommen. Und ja, die waren an dem Tag zwar auch nicht in ihrer Bestform, aber so einfach ist es dann eben auch immer nicht, die Mannschaften dann zu Hause im Volkspark zu schlagen.

Und bei euch war es dann ja so am Ende, ihr hattet dieses Stadion dann gar nicht, diese 57.000, die man jetzt hat. Du hast es eben schon gesagt, das kann auch eine Verunsicherung auf die Spieler bringen, wenn das Publikum unruhig ist. Hast du das Gefühl gerade, dass es vielleicht auch dem HSV ganz gut tut, jetzt erstmal in Darmstadt zu spielen, eben nicht diese Erwartung von einem ausverkauften Stadion zu haben, du musst dieses Spiel jetzt unbedingt gewinnen?

Nein, also ich habe nicht das Gefühl, dass das Volksparkstadion ein Nachteil ist. Also um Gottes Willen, im Gegenteil. Das ist geil, da einzulaufen. Vor allem die Nordkurve ist mit vollem Support dahinter. Natürlich ist es dann so, die Haupttribünen, die so ein bisschen häufiger mal unruhig werden und vielleicht auch mal, die eine oder andere Kritik fallen lassen in Form von Pfiffen oder Ähnlichem.

Aber es ist und bleibt ein Heimvorteil, da zu spielen. Also deswegen glaube ich, ist es kein Vorteil, jetzt in Darmstadt spielen zu müssen. Auch da musst du erstmal gewinnen. Klar, das habe ich auch schon ganz oft gesagt und das ist ja auch kein Geheimnis. Der KSC ist sowieso ein super unangenehmer Gegner. In dieser Liga kann sowieso dieses Jahr jeder jeden schlagen, das sehen wir von Woche zu Woche und dann ist es immer geil, gegen den HSV zu spielen.

Der HSV ist ein Highlight in dieser Liga, vor allem auswärts in dieses Stadion einlaufen zu dürfen, im Grunde genommen diese. Bundesliga-Atmosphäre oder sogar Champions-League-Atmosphäre da spüren zu dürfen auf dem Samstagabend, das ist geil. Das ist eines der größten Spiele, die du als Zweitligist machst in der Saison und Und dementsprechend machst du natürlich auch Bock, da aufzulaufen.

Und natürlich willst du dich auch dann mit den vermeintlich Besten messen. Und du willst an diesem Tag auch zeigen, du bist besser als die Besten. Das kommt ja auch noch dazu. Also die sind ja alle hochmotiviert, um zu zeigen, nicht weil sie unbedingt alle zum HSV wollen, das vielleicht auch, aber sie wollen einfach zeigen, ey, ich kann besser sein als eine der besten Mannschaften dieser Liga.

Und das führt natürlich immer dazu, dass man sehr, sehr schwierige Aufgaben hat als HSV. Der HSV versucht es jetzt im siebten Jahr und natürlich ist es so, dass dieses jährliche Scheitern sich natürlich dann auch immer wieder auf neue Verantwortliche und Spieler überträgt. Und jetzt ist die Chance aber wirklich so groß wie noch nie, es wirklich endlich zu schaffen.

Geht es jetzt auch einfach nur darum, das irgendwie ins Ziel zu bringen und es wirklich mit aller Macht zu schaffen, um auch endlich mal diesen Teufelskreis, diesen Kreislauf zu durchbrechen und diesem HSV auch mal wieder so ein Erlebnis zu geben. Ja, wir können auch gewinnen und wir sind nicht am Ende immer die Verlierer.

Das muss doch jetzt irgendwie das ganz große Ziel sein, auf das man sich jetzt nochmal einschwimmen muss, oder? Also unterschreibe ich sofort. Wenn du jetzt sagst, ey, die können spielen, wie sie wollen, Hauptsache sie bringen das übers Ziel, dann unterschreiben das alle in dieser Stadt, wenn das hinhaut. Aber daran glaube ich nicht.

Ich glaube nicht daran, dass man es einfach nur jetzt übers Ziel bringen kann, sondern ich glaube daran, dass es nur damit geht, wenn man es schafft, mehr oder weniger das Potenzial dieser Mannschaft aufrechtzuerhalten, zu entfachen. Und Merlin hat es mit seinem Trainerteam über sehr, sehr viele Spiele schon geschafft.

Und das müssen sie jetzt auch weiterhin schaffen. Also das werden sie die nächsten drei Spieltage schaffen müssen. Das wird ein super hartes Stück Arbeit. Aber ich glaube halt daran, dass sie das hinbekommen, indem sie weiter an ihre Stärke festhalten, an ihre Stärke glauben und ihre DNA festhalten. Also da darfst du jetzt nicht genau das machen, auf Teufel komm raus und irgendwie übers Ziel bringen.

Und genau das, was wir dann getan haben, die letzten zehn Minuten lange Bälle und einfach nur aus dem Strafraum raus und sowas, damit machst du es nicht. Damit löst du es nicht. Du löst es, indem du dein Spiel spielst. Der HSV muss sein Spiel spielen, muss seine Stärken auf den Platz bringen. Und das über 90 Minuten bis in die Nachspielzeit.

So, natürlich darf dann mal in der 90. Minute ein langer Ball wegfliegen und natürlich darf man sich auch mal dann eher im groben Regal bedienen. Aber die Grundeinstellung oder die Grundidee muss sein, lasst uns auf unser Spiel konzentrieren. Wir machen unser Ding und der Gegner muss sich uns anpassen.

Dieses Selbstbewusstsein, diese Mentalität darf der HSV haben. Du hast auch in eurem Podcast gesagt, dass du im Vergleich zu Max Kruse schon jemand warst, der sich dann vielleicht auch mal hat anstecken lassen von Nervosität oder hier und da auch dann mal Zweifel hatte oder nachgedacht hat. Max Kruse war jemand, ich glaube, da kann man, das kann man so sagen, der hat sich nie von irgendwie äußeren Einflüssen oder Faktoren hat beeinflussen lassen. Der hat einfach sein Ding gemacht und hat dann auch immer abgeliefert.

Würdest du sagen, der HSV bräuchte jetzt so Typen wie Max Kruse, die sich wirklich nichts scheißen? Ja, also bei Max ist das wirklich eine große Stärke gewesen, diese Mentalität oder auch dieses Mentale, dieses Selbstbewusstsein, Dinge einfach ausblenden zu können oder gar nicht an sich heranzulassen.

Max ist ja auch einer, der sich ja auch immer wieder seine freie Räume genommen hat, also vor allem außerhalb des Platzes. Davon kann man halten, was man will, aber er hat auch eigentlich viel dafür getan, um auf andere Gedanken zu kommen. Ob das jetzt gut oder schlecht war, das glaube ich, will auch ich nicht bewerten.

Aber wenn der halt einen Tag vorm Spiel bis drei Uhr nachts wach war und in der Shisha geblubbert hat, dann kann man davon halten, was man will. Aber er hat um 15 Uhr performt in der Bundesliga. Und das ist halt individuell. Ich wäre rumgelaufen wie ein Schluck Wasser in der Kurve nach der Spielvorbereitung.

Max hat funktioniert. Und so muss es halt auch jeder Spieler für sich angehen. Jeder Spieler, das sage ich auch wieder, ist individuell. Jeder kommt auf seine Art und Weise regeneriert er, auf seine Art und Weise baut er Spannung auf und auf seine Art und Weise performt er. Da kannst du nicht alle in eine Schublade stecken.

Das funktioniert bei euch in der Firma genauso wenig wie bei einem anderen. Jeder ist anders. Jeder bereitet sich anders vor. Jeder geht sein Interview anders an. Jeder schreibt am Ende anders. Und dementsprechend musst du da den Jungs dann auch die Freiräume geben und vertrauen. Wen siehst du denn aktuell in der HSV-Mannschaft, der so dieser Max Kruse sein könnte, der sich da überhaupt nicht beeinflussen lässt und...

So mental auch total resilient ist. Naja, von außen betrachtet ist das sicherlich der Giselke aktuell, der weiterhin marschiert, der vorangeht, der im Grunde sein Spiel nicht ändert. Er spielt sein Spiel, übernimmt Verantwortung und will einfach. Also da würde ich schon sagen, dass der ein Typ dafür ist, der bis zum bitteren Ende weitermacht und dann vielleicht drüber nachdenkt.

Und es gibt halt viele Spieler, die denken schon währenddessen drüber nach. Oh nein, was hat das jetzt für Konsequenzen und wie haben die anderen gespielt und wie steht es denn auf den anderen Plätzen? Das ist total individuell. Ich weiß nicht, ob der Ludwig Reis vielleicht auch so ein Typ ist, der, vorweg marschiert, also spielerisch oder vom Selbstbewusstsein sieht es auf jeden Fall häufig so aus, dass er trotzdem immer einer ist, der die Bälle fordert, der keine Angst hat vor Fehlern.

Das ist sicherlich auch nochmal. Und das ist sie am Ende. Es geht ja nicht darum, wer am meisten in die Hände klatscht oder die Jungs anfeuert, wenn der Ball mal im Aus ist. Sondern es geht ja darum, wer hilft wirklich im Spiel weiter. Wer fordert die Bälle? Wer traut sich Aktionen? Wer kreiert etwas? Oder haut sich halt auch rein und ist da und geht ein Risiko ein.

Geht ein Risiko ein im Zweikampf, geht ein Risiko ein im Ballbesitz, geht ein Risiko ein in Offensive. Also diese Risikobereitschaft, die ist für mich dann halt auch am Ende sicherlich auch ein Skill, der benötigt wird aktuell. Der Visek hast du gerade schon angesprochen, du hast ihn ja auch in deiner Karriere ein paar Mal als Gegner auf dem Platz erlebt.

Wie war er da so, wie hast du ihn in Erinnerung und hättest du ihm diese starke Rolle beim HSV so zugetraut? Ja gut, wie habe ich ihn wahrgenommen? Ich habe ihn natürlich immer als sehr selbstbewussten Spieler wahrgenommen. Einer, der wie gesagt immer an seine körperlichen Grenzen gegangen ist, auch in jedem Zweikampf und sich für nichts zu schade war.

Zu seiner Rolle jetzt beim HSV. Natürlich ist die so aus der Not heraus entstanden durch die Verletzung von Bobby Glatzel und ich hätte es ihm nicht zugetraut, dass er dann so in die Fußstapfen tritt und Bobby Glatzel im Grunde genommen so gut vertreten kann. Ich habe ihm einige Torben zugetraut und ich habe ihm auch diese Rolle als Backup total zugetraut.

Also dass Baumgart ihn geholt hat, das hatte seine Gründe. Der wusste ja, wen er da verpflichtet. Dementsprechend wusste ich auch, dass das funktioniert. Aber dass er dann natürlich so aus den Schatten heraustritt, das war schon ein Fund für den HSV und für diese Saison. Also er hat ja auch schon im Januar gesagt, dass er gerne in Hamburg länger bleiben will, dass er dieses Vertragsthema auch gerne abschließen möchte und das nicht durch die ganze Rückrunde mittragen will.

Jetzt hat er die gesamte Rückrunde mit sich herumgetragen und hat trotzdem funktioniert. Siehst du da trotzdem irgendwie einen Störfaktor für ihn oder für die Mannschaft? Oder würdest du sagen, nee, der zeigt auch, dass das so funktioniert und vielleicht treibt es ihn sogar an? Ja, ich glaube, das ist es. er funktioniert.

Das ist erstmal, glaube ich, das Wichtigste, dass er sich von dieser Vertragssituation nicht aus der Ruhe bringen lässt. Die Mannschaft, glaube ich, ist dementsprechend auch entspannt, weil Davy damit klarkommt und es jetzt auch nicht, meiner Meinung nach, so ein präsentes Thema war in den letzten Monaten natürlich immer mal wieder, keine Frage, aber es war jetzt nicht so ein Thema, das Unruhe reingebracht hat.

Man hat zwar immer wieder darüber diskutiert und immer wieder gefragt und hin und da gab es mal ein Statement. Aber es war jetzt nicht so, dass es ein Thema in der Kabine war. Dementsprechend, glaube ich, war es in dem Sinne nicht störend. Vielleicht ein Thema in der Kabine ist die Situation aktuell mit drei Top-Stürmern, wo man eigentlich dachte, das könnte das große Fund sein des HSV dann in den letzten Wochen, wenn man alle drei Stürmer, also vor allem dann auch Davy Selke und Robert Glatzel, der dann wieder fit geworden ist, zur Verfügung hat.

Aktuell hat man aber eher das Gefühl, das ist eher ein Problem, weil Merlin Polzin versucht natürlich allen gerecht zu werden. Das kann natürlich nicht immer gelingen. Irgendjemand ist immer unzufrieden mit der aktuellen Einsatzzeit. Jetzt war es zuletzt so, Rensford Königsdörfer kam dann in Magdeburg rein, hat ein überragendes Spiel gemacht, zwei Tore geschossen, eins vorbereitet, musste dann wieder auf die Bank.

Irgendwie auch verständlich, weil der Selke hat vorher funktioniert. Dann hat Selke wieder gespielt, hat zuletzt gegen Braunschweig zwei Tore gemacht, saß dann auf Schalke plötzlich auf der Bank, weil da der Matchplan anderer war. Dann kommt Robert Glatzfeld natürlich rein, weil auch Merlin Polzin ihm wieder Spielzeit geben will.

Ist das vielleicht ein bisschen zu schwierig, gerade diese Stürmer-Situation, dann auch für den Trainer? Boah, ja, es ist, also ich finde die Situation sehr, sehr luxuriös. Du hast im Grunde genommen drei Stürmer, die alle drei aktuell treffen. Du hast meiner Meinung nach einen gesetzten Mittelstürmer, das ist zurzeit Davy Selke.

Du hast mit Bobby Glatze jemanden, den du meiner Meinung nach immer von der Bank bringen kannst, da auch gar keine Rechenschaft schuldig bist, also weil Bobby Glatze ist ja nicht doof. Der ist a. intelligent, der ist empathisch und der weiß auch ganz genau, der will auch in die erste Liga. Und da geht es hier nicht um ihn selbst als Person, sondern da geht es um die Mannschaft und den gemeinsamen Erfolg.

Und Bobby Glatze war monatelang verletzt und sieht, dass Davy Selke seinen Job sehr, sehr gut macht, ihn quasi auch wirklich gut ersetzt. So, dann weiß ich auch als Bobby Glatze, wenn ich zurückkomme aus dieser Reha oder aus dieser Verletzung, dann weiß ich, alles klar, ich stelle mich da erstmal ganz entspannt hinten an, weil mir geht es hier um den Aufstieg.

Das ist ja auch das Schöne an der zweiten Liga. Hier geht es ja nicht darum, irgendwie Zehnter oder Neunter zu werden und irgendwie um einzelne Karrieren, sondern hier geht es um das große Ziel, gemeinsam aufzusteigen, was für jeden einen positiven Impact auf die Karriere hat. ähm, Das heißt, ich glaube, dass da von Bobby Glatze her überhaupt gar keine Missgunst, überhaupt gar keine Ungeduld oder irgendwelche Forderungen entstanden sind.

Sondern Bobby Glatze hat dann seinen Job gemacht, wenn er gebraucht wurde. Da würde ich schon mal einen Haken hinter machen. Also da, glaube ich. Musste Merlin niemandem wirklich gerecht werden. Dass man so einen Spieler natürlich Spielzeit geben will und irgendwie auch jetzt in der Saisonendphase auch in der Spur haben möchte, keine Frage.

Aber dafür opfere ich keinen anderen. Also erst recht kein Davy Selke in der Form. Das Zweite ist mit Königsdörfer. Du sagst es selbst, der kommt von der Bank. Macht ein überragendes Spiel in Magdeburg, trifft. Das ist meiner Meinung nach auch ein Spielertyp. Den kannst du super neben einen der beiden reinwerfen, weil er halt anders ist.

Du sagst es, Tempo, Agilität, tiefe Läufe. Eigentlich ein perfekter zweiter Stürmer, wenn du so einen Spielertyp wie Selke und Glatze auf dem Platz hast. Und meiner Meinung nach auch den, das kannst du doch moderieren. Also, das kannst du doch moderieren, dass du den immer wieder mal rein, raus, wenn du ihn brauchst, wenn du das von ihm erwartest.

Und ich glaube, wenn du das gut kommunizierst, wenn du das gut moderierst, dann hast du alle drei voll dabei. Also, ich bin der Meinung, jetzt in dieser Phase der Saison hast du die ganze Mannschaft hinter dir. Also, jeder weiß, dieser Aufstieg ist gut für mich. Für mich als einzelner Spieler ist dieser Aufstieg nur ein Bonus.

Also kann mir nur helfen. Und da ist es am Ende egal, ob ich jetzt das 12. Saisontor schieße oder das 25. Ich bin Teil dieser Aufstiegsmannschaft und dann wird in der nächsten Saison sowieso wieder alles neu gemischt. Das weiß ich als Fußballer und das weiß ich auch als Trainer und dementsprechend sehe ich diese Situation als überhaupt nicht kompliziert.

Ich finde aber auch, gerade diese. Diese Aufstellung auf Schalke hat mich schon sehr, sehr gewundert, weil das ist ja echt so ein ungeschriebenes Gesetz im Fußball. Ein Stürmer, der einen Lauf hat und den hat Davy Selke ganz, ganz klar, den darf ich nicht rausnehmen. Den darf ich nicht rausnehmen, wenn nicht wirklich ein krasser Grund herrscht oder der Spieler selbst sagt, er kann nicht länger als 20 Minuten spielen.

Den muss ich aufstellen, den muss ich immer aufstellen. Egal wie meine Spielidee ist, dann baue ich diese Spielidee halt um diesen Spieler herum. Also das ist einfach so. Also ich höre, du traust Merlin Polzin jetzt auch zu, da die richtigen Entscheidungen zu treffen, was die Stürmer angeht. Und siehst da auch die Stürmersituation eher als Vorteil, denn als Nachteil, weil es jetzt ja schon auffällig war, seit alle drei dann auch gemeinsam zur Verfügung stehen, hat der HV jetzt kein Spiel mehr gewonnen.

Also das ist schon auch irgendwie ein Thema. Aber klar, man wird jetzt sehen. Ich denke, Davy Selke wird natürlich jetzt dann jetzt in den letzten drei Spielen dann auch gesetzt sein. Das wird Merlin Polzin wahrscheinlich nicht nochmal machen, diesen Fehler, ihn da rauszunehmen. Und ja, dann schauen wir mal, ob es dann am Ende klappt. Wenn es nicht klappen sollte, das wäre wirklich dann noch deutlich dramatischer als in den Jahren zuvor, wenn man diesen Vorsprung wirklich noch verspielen würde.

Ich bin mit Menschen an dieser Stelle, das so spricht. Ansonsten hätte ich dich jetzt noch gefragt, was dann im Sommer passieren müsste, auch im Kader, also wenn die das jetzt noch vergeigen. Aber da können wir dann vielleicht ein andermal drüber sprechen. Da müssen wir wirklich nicht drüber reden. Das ist noch weit weg und hoffentlich tritt das auch nicht ein.

Also ich drücke da wirklich ganz fest die Daumen, dass es endlich mal klappt. Und diese Mannschaft, dieser Verein hat es verdient. Und ja, also lass uns da einen Haken hinter machen, bitte. Dann machen wir da einen Haken dran und machen einen Haken an diese Folge. Martin, vielen Dank, dass du dir die Zeit genommen hast. Es waren viele spannende Einblicke auch in deine Zeit als Spieler.

Ich glaube, da hat man jetzt auch als Fan vielleicht nochmal ein gutes Verständnis gewonnen, was da gerade so in der aktuellen Mannschaft los ist. Und ja, dann kann ich auch nur empfehlen, Donnerstag ist Flatterballtag. Hört gerne mal rein. Wisst ihr schon, worüber geht es? Sprecht ihr diese Woche? Habt ihr ein Schwerpunktthema?

Henry, wir haben die Folge gestern aufgenommen. Das wissen wir schon, worum ist die? Ja, natürlich sprechen wir auch wieder über HSV, keine Frage. Es gab viele Themen in dieser Woche, mit dem einen oder anderen Transfer, wie gesagt natürlich mit den Spieltagen in der 1. und 2. Bundesliga, super spannend, auch der Abstiegskampf in der 1.

Liga und dann nochmal das eine oder andere aus unserer Zeit, was dann aufgeploppt ist im Zusammenhang mit den Themen. Also ja, wir sind da aktuell schon sehr an den Ereignissen dran. Und wir haben vor, glaube ich, anderthalb Jahren mal gesprochen, als es losging mit eurem Podcast. Da waren eigentlich nur zehn Folgen geplant. Jetzt sind es doch deutlich mehr geworden. Also ihr macht so weiter, solange es euch Spaß macht.

Ja, genau. Wir haben angefangen mit zehn Folgen und zehn Themen. Jetzt sind wir, glaube ich, mittlerweile fast bei 70 angekommen. Ja, es macht einfach Spaß. Und dieser Sport und auch das Tagesgeschäft bietet ja auch immer wieder unglaublich viel Gesprächsstoff, worüber wir gerne reden und wo wir gerne unsere Meinungen, unsere Einblicke und natürlich dann auch unsere Insights zu abgeben.

Weil am Ende soll es ja auch das sein, wir wollen ja diesen Beruf, ich sage bewusst Beruf, Fußballer den Leuten da draußen einfach ein bisschen näher bringen. Einfach genau nicht das, was man überall offensichtlich sieht, wie das Monetäre oder die Artikel in den Zeitungen, sondern halt vor allem auch gerade das Mentale, die privaten Ereignisse, die man so erlebt als Profifußballer, positiv wie negativ.

Und ja, da haben wir glaube ich noch ein paar Episoden zu erzählen. Sehr schön, dann kann ich nur empfehlen, hört gerne mal rein. Es lohnt sich und hört dann auch gerne rein in unsere nächste Folge, nämlich nächste Woche wieder nach dem Spiel dann in Darmstadt und vor dem nächsten Heimspiel gegen Ulm.

Vielleicht geht es dann ja tatsächlich sogar schon um den Aufstieg. Und ja, vielen Dank, Martin, für heute. Und bis dahin, in Hamburg sagt man Tschüss. Bei uns heißt das. Auf Wiederhören. Vielen Dank, Hendrik. Bis bald. Ciao, ciao. Ein Podcast von Funke. Weitere Podcasts vom Hamburger Abendblatt finden Sie in unserer Abendblatt-Podcast-App und auf abendblatt.de slash podcast.

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