Leben ist mehr· Staffel 2026· Folge 276

Der Mann, bei dem Honecker wohnte

Samstag, 3. Oktober 2026 · 5 min

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Shownotes

November 1989: Die innerdeutsche Mauer fällt, und die Ära des bis dahin mächtigsten Mannes der DDR ist beendet. Erich Honecker ist inzwischen ein alter Mann, krank, frisch operiert … und weiß nach seiner Entlassung aus dem Krankenhaus nicht, wohin. Er könnte in eine kleine Wohnung in Berlin ziehen, doch die Sorge ist berechtigt, dass ihn aufgebrachte Bürger dort lynchen würden. So wird Pfarrer Uwe Holmer gefragt, ob er das ehemalige Staatsoberhaupt bei sich aufnehmen kann, weil man sich hier eine gewisse Sicherheit für den gehassten Ex-Staatsmann erhofft.
Uwe Holmer hat 40 Jahre Planwirtschaft und Stasi-Bespitzelung erlebt, keines seiner Kinder durfte – trotz bester Schulleistungen – Abitur machen, weil die Eltern aus ihrer ablehnenden Haltung zum DDR-Regime keinen Hehl machten. Und jetzt soll er den Mann, der das alles zu verantworten hat, als Gast in sein Haus aufnehmen? Nach zwei Wochen Gebet und Nachdenken sagt Uwe Holmer zu. In einem Brief erklärt er seinen Schritt. Mit der Aufnahme der Honeckers greife er nicht in die juristische Verfolgung des ehemaligen Staatoberhauptes ein, er nehme ihn einfach als einen Mitmenschen in Not auf. Dabei sei ihm neu klargeworden, wie schwer Vergebung sei. Auch Gott könne nicht »einfach so« vergeben, sondern nur, weil Jesus die Strafe für die Sünden am Kreuz getragen habe – auch die Sünden Pfarrer Holmers. Die Freude darüber gebe ihm die Kraft, seinen Mitmenschen zu vergeben und ihnen ohne Groll und Bitterkeit zu begegnen – selbst einem Erich Honecker.
So wohnen Erich und Margot Honecker zehn Wochen bei Familie Holmer, erleben Gebet und Familienandacht, während vor dem Haus Demonstranten »Keine-Gnade-für-Honecker«-Transparente schwenken. Ein beeindruckendes Zeugnis, wozu der christliche Glaube befähigt.
Elisabeth Weise

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Samstag, 3. Oktober. Tag der deutschen Einheit. Doch bei dir ist die Vergebung, damit man dich fürchte. Psalm 130, Vers 4. Der Mann, bei dem Honecker wohnte. November 1989. Die innerdeutsche Mauer fällt und die Ära des bis dahin mächtigsten Mannes der DDR ist beendet. Erich Honecker ist inzwischen ein alter Mann, krank, frisch operiert, und weiß nach seiner Entlassung aus dem Krankenhaus nicht wohin.

Er könnte in eine kleine Wohnung in Berlin ziehen, doch die Sorge ist berechtigt, dass ihnen aufgebrachte Bürger dort lynchen würden. So wird Pfarrer Uwe Holmer gefragt, ob er das ehemalige Staatsoberhaupt bei sich aufnehmen kann, weil man sich hier eine gewisse Sicherheit für den gehassten Ex-Staatsmann erhofft.

Uwe Holmer hat 40 Jahre Planwirtschaft und Stasi-Bespitzelung erlebt. Keines seiner Kinder durfte, trotz bester Schulleistungen, Abitur machen, weil die Eltern aus ihrer ablehnenden Haltung zum DDR-Regime keinen Hehl machten. Und jetzt soll er den Mann, der das alles zu verantworten hat, als Gast in sein Haus aufnehmen?

Nach zwei Wochen Gebet und Nachdenken sagt Uwe Holmer zu. In einem Brief erklärt er seinen Schritt. Mit der Aufnahme der Honeckers greife er nicht in die juristische Verfolgung des ehemaligen Staatsoberhauptes ein, er nehme ihn einfach als einen Mitmenschen in Not auf. Dabei sei ihm neu klar geworden, wie schwer Vergebung sei.

Auch Gott könne nicht einfach so vergeben, sondern nur weil Jesus die Strafe für die Sünden am Kreuz getragen habe, auch die Sünden Pfarrer Holmers. Die Freude darüber gebe ihm die Kraft, seinen Mitmenschen zu vergeben und ihnen ohne Groll und Bitterkeit zu begegnen, selbst einem Erich Honecker. So wohnen Eri und Margot Honecker zehn Wochen bei Familie Holmer, erleben Gebet und Familienandacht, während vor dem Hausdemonstranten keine Gnade für Honecker Transparente schwenken.

Ein beeindruckendes Zeugnis, wozu der christliche Glaube befähigt. Die Frage zum Nachdenken. Wo wären wir, wenn Gott das Prinzip keine Gnade bei der Beurteilung unseres Lebens anwenden würde? Der Tipp fürs Leben. Wer selbst Vergebung erfahren hat, kann auch anderen vergeben. Die tägliche Bibellese. Matthäus 18, Verse 21 bis 35.

Dann trat Petrus zu ihm und sprach, Herr, wie oft soll ich meinen Bruder, der gegen mich sündigt, vergeben? Bis siebenmal? Jesus spricht zu ihm, ich sage dir, nicht bis siebenmal, sondern bis siebzig mal siebenmal. Deswegen ist es mit dem Reich der Himmel wie mit einem König, der mit seinen Knechten abrechnen wollte.

Als er aber anfing abzurechnen, wurde einer zu ihm gebracht, der zehntausend Talente schuldete. Da er aber nicht zahlen konnte, befahl der Herr, ihn und seine Frau und die Kinder und alles, was er hatte, zu verkaufen und damit zu bezahlen. Der Knecht nun fiel nieder, bat ihn kniefällig und sprach: Herr, habe Geduld mit mir, und ich will dir alles bezahlen.

Der Herr jenes Knechtes aber wurde innerlich bewegt, gab ihn los und erließ ihm das Darlehen. Jener Knecht aber ging hinaus und fand einen seiner Mitknechte, der ihm hunderte Nare schuldig war. Und er ergriff und wirkte ihn und sprach: Bezahle, wenn du etwas schuldig bist. Sein Mitknecht nun fiel nieder und bat ihn und sprach: Habe Geduld mit mir, und ich will dir bezahlen.

Er aber wollte nicht, sondern ging hin und warf ihn ins Gefängnis, bis er die Schuld bezahlt habe. Als aber seine Mitknechte sahen, was geschehen war, wurden sie sehr betrübt und gingen und berichteten ihrem Herrn alles, was geschehen war. Da rief ihn sein Herr herbei und sprich zu ihm: Böser Knecht, jene ganze Schuld habe ich dir erlassen, weil du mich batest.

Solltest nicht auch du dich deines Mitknechtes erbarmt haben, wie auch ich mich deiner erbarmt habe? Und sein Herr wurde zornig und überlieferte ihn den Folterknechten, bis er alles bezahlt habe, was er ihm schuldig war. So wird auch mein himmlischer Vater euch tun, wenn ihr nicht ein Jeder seinem Bruder von Herzen vergebt.

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